Die einflussreichste Kaderschmiede

Massachusetts Intitute of Technology. (Bild: MIT)

Hat wichtige Entscheidungsträger im Bereich der Wirtschaftspolitik hervorgebracht: Massachusetts Institute of Technology. (Bild: MIT)

Die Universität Zürich ist zu Recht stolz auf ihr Institut für Volkswirtschaftslehre. Es gehört zu den besten im deutschsprachigen Raum und wird auch im übrigen Europa und den Vereinigten Staaten stark beachtet. Auch an den übrigen Schweizer Universitäten haben die VWL-Institute in den letzten Jahren stark zugelegt, wie die Rangliste von RePec belegt. Die Ökonominnen und Ökonomen suchen den direkten Wettbewerb mit dem Ausland und können offensichtlich mithalten.

Der Weg zu obersten Spitze scheint aber noch weit zu sein. Gemäss RePec sind 16 der 20 leistungsstärksten VWL-Institute der Welt amerikanisch. Nur Oxford, Toulouse, Barcelona und Paris sind in der Spitzengruppe vertreten. Zürich liegt auf Rang 59. Natürlich fällt jedes Ranking etwas anders aus. Aber die Tendenz ist überall dieselbe: Die US-Universitäten dominieren die VWL nach wie vor.

Ihr grosser Einfluss beruht nicht nur auf den Publikationen und Zitationen, sondern auch auf der Ausbildung von zukünftigen Entscheidungsträgern. Dabei sticht ein VWL-Institut besonders heraus: das Department of Economics am MIT. Praktisch alle wichtigen Entscheidungsträger in der internationalen Währungspolitik haben ihr Studium dort abgeschlossen: Ben Bernanke, Mario Draghi und Olivier Blanchard, der seit 2008 als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) arbeitet und die Grundpositionen der Institution fundamental verändert hat. Blanchard, ein gebürtiger Franzose, hat nach allem, was man hört und liest, enormen Einfluss auf Christine Lagarde, die ehemalige Finanzministerin unter Sarkozy und seit Juni Managing Director des IWF. Auch in der Arena der öffentlichen Meinung dominieren MIT-Absolventen: George Akerlof, Paul Krugman, Gregory Mankiw, Kenneth Rogoff, Joseph Stiglitz und Robert Shiller. Im Bereich der internationalen Wirtschaftspolitik ist der Einfluss des MIT überwältigend. Es ist in diesem Bereich die einflussreichste Kaderschmiede der Welt.

Dabei waren es bei Bernanke, Draghi und Blanchard eigentlich nur zwei eingewanderte Professoren, die einen entscheidenden Einfluss ausübten: Rudi Dornbusch und Stanley Fischer. Dornbusch (*1942) stammte aus Nordrhein-Westfalen, studierte an der Universität Genf und brach Ende der 1960er Jahre nach Chicago auf, um dort zu doktorieren. 1975 kam er als Professor ans MIT. Leider verstarb er bereits 2002  im Alter von 60 Jahren. Stanley Fischer wuchs in Rhodesien (Zimbabwe) auf, studierte in London und übernahm 1977 eine Professur am MIT. Seit 2005 ist er Chef der israelischen Zentralbank. Dornbusch und Fischer begeisterten die Studierenden dadurch, dass sie die Ökonomie nicht nur als akademische Tätigkeit betrieben, sondern immer die Anwendung der Theorie auf konkrete wirtschaftspolitische Probleme («economics about the real world») einforderten.

Wenn sich also die führenden Notenbanker und Wirtschaftspolitiker jeweils im Frühling und Herbst am IWF-Treffen in Washington einfinden, so ist das im Wesentlichen eine Klassenzusammenkunft von MIT-Absolventen, die bei Dornbusch und Fischer studiert haben. Die Globalisierung ist eine Tatsache, aber die Welt der wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger ist immer noch sehr überschaubar und amerikanisch geprägt.