Italien ist am Ende

Silvio Berlusconi trifft den chinesischen Vize-Vorsitzenden Wang Gang, 14. September 2011.

Die Investitionen Chinas waren nur ein Gerücht: Silvio Berlusconi trifft den chinesischen Regierungsvertreter Wang Gang, 14. September 2011.

Die Nachricht, dass China italienische Staatsanleihen kaufen werde, hat sich als bewusste Täuschung der Öffentlichkeit herausgestellt. Das Gerücht wurde wohl von italienischen Offiziellen gestreut. Die chinesische Führung hat entrüstet reagiert (siehe hier). Kaum war das Gerücht dementiert, stieg der Spread zwischen den italienischen und deutschen Staatsanleihen weiter. Er hat vorübergehend den Rekordwert von vier Prozent erreicht (hier). Die neuen Staatsanleihen Italiens konnten deshalb nur mit einem hohen Zins platziert werden (hier).

Damit gibt es nur noch eine Möglichkeit, die Zinsen in Italien zu reduzieren: eine massive Ausweitung der Staatsanleihen-Käufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Einige Ökonomen wie zum Beispiel Charles Wyplosz haben sogar vorgeschlagen, dass die EZB als Garant für die gesamte Staatsschuld im Euroraum hinsteht (hier). Er glaubt, dass nur schon die Ankündigung die Anleger beruhigen würde – ähnlich wie die Depositengarantie des Staates während der Finanzkrise 2008-09 verhindert hat, dass die Sparer ihre Konten bei den Banken geleert haben.

Weil es die letzte Möglichkeit ist, eine grosse europäische Bankenkrise zu verhindern, dürfte der Vorschlag von der EZB ernst genommen werden. Aber es ist unwahrscheinlich, dass Deutschland eine Staatsschuld-Garantie oder einen unbeschränkten Staatsanleihen-Kauf unterstützen würde. Zudem ist die italienische Staatsschuld enorm gross: Allein im nächsten Jahr sind rund 260 Milliarden Euro fällig, wie der Blog Cash and Currencies in einer Grafik zeigt.

Und schliesslich haben die Anleger längst jedes Vertrauen in die Berlusconi-Regierung verloren. Italien ist am Ende, und selbst wenn die EZB wider Erwarten einschreiten würde, wäre die Krise nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.