Ein Jahrzehnt der Zeitbomben

Wo in den 2020er Jahren die grössten Risiken für die Weltwirtschaft lauern.

China und die USA dürften in Zukunft öfter aneinandergeraten: Militärparade in Peking am 1. Oktober 2019. Foto: Kevin Frayer (Getty Images)

Die Wirtschaftsprognosen für das neu begonnene Jahr sind zwar nicht berauschend, aber eine Rezession droht gemäss den Vorhersagen nicht. Und ein schwächeres Wachstum wirke sich kaum auf die Arbeitsmärkte aus.

Mehr Anlass zur Sorge geben aber eine Reihe tickender ökonomischer Zeitbomben. Vielleicht geht keine in diesem Jahr hoch. Aber für das gesamte neue Jahrzehnt sind die Risiken hoch.

Das Paradebeispiel ist der Klimawandel, der jüngst stärker ins Bewusstsein geraten ist. Das extreme Ausmass der Buschbrände in Australien könnte ein Hinweis dafür sein, dass sich extreme und verheerende Naturereignisse häufen.

Eine weiteres Beispiel ist die weltweite Verschuldung von Privaten, Unternehmen und Staaten, die sich auf Höchstständen befindet. Solange die Zinsen tief und negativ sind, scheint das kein Problem zu sein. Sich zu verschulden, kostet nichts oder wird belohnt.

Ein Schuldenabbau würde jetzt überdies auf die Nachfrage drücken. Ein noch geringeres Wachstum könnte dazu führen, dass die Schuldenquote trotz Sparanstrengungen steigt. Doch was, wenn die Zinsen in den nächsten Jahren steigen? Und wenn dann im Zuge des demografischen Wandels auch noch die öffentlichen Verpflichtungen für die Alterssicherung und -betreuung explodieren?

Das multilaterale System zerfällt

Das dominierende ökonomische Thema der vergangenen Jahre war der Handelskrieg zwischen den USA und China (und anderen Ländern). Alles spricht dafür, dass der strategische Graben zwischen den USA und China eines der dominierenden Themen der nächsten Jahre sein wird und dass er die Weltwirtschaft weiter belasten wird.

Ökonomische und geopolitische Spaltungen zeigen sich auch sonst – selbst zwischen Europa und den USA. Das gesamte multilaterale System mit seinen Institutionen zerfällt vor unseren Augen. Das liegt nicht nur an Donald Trump. Er ist nicht die Ursache, sondern das Resultat einer sich schon länger abzeichnenden Entwicklung. Und wenn Trump einmal nicht mehr regiert, gibt es deshalb keine Garantie, dass sein Nachfolger daran etwas ändert. Das multilaterale System hat trotz seiner Mängel sichergestellt, dass international zumindest gewisse Regeln galten, an die alle sich halten mussten.

Risiken gab es schon immer. Neu ist aber, dass die Möglichkeiten, sie zu bewältigen, deutlich kleiner sind als auch schon. Die Bomben lassen sich nur noch schwer entschärfen.