China widerlegt Montesquieu

Die Einbindung Chinas in den Welthandel hat die Demokratie im Land kaum gefördert. Das zeigt, dass Handel Gesellschaften nicht besänftigt.

Türken und Uiguren protestieren in Istanbul gegen die Internierung von mehr als einer Million Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang. Foto: Keystone

Handel schafft offenere Gesellschaften, Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritt: Solche Argumente gibt es bereits seit Jahrhunderten. Schon der Aufklärungsphilosoph Montesquieu schrieb 1748 in seinem Werk «Der Geist der Gesetze»: «Es ist fast eine allgemeine Regel, dass überall dort, wo die Wege des Menschen sanft sind, es Handel gibt, und wo es Handel gibt, sind auch die Wege der Menschen sanft. Der Handel poliert und mildert barbarisches Verhalten.»

Die Idee dahinter: Wenn Menschen grenzübergreifend Handel miteinander treiben, profitieren die Länder nicht nur wirtschaftlich davon, sie lassen sich deshalb auch auf gemeinsame Regeln ein, verstehen sich besser, kommen sich näher und lernen voneinander. Solche Überlegungen standen unter anderem hinter der Gründung der Europäischen Union. Auch die Eingliederung Chinas in die Welthandelsorganisation WTO wurde mit diesem Ansinnen verkauft.

Auch Clinton erwartete «Einfluss auf die Menschenrechte»

Im Jahr 2001, mehr als ein Jahrzehnt nach dem Massaker an Studenten auf dem Platz des himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz), kam es zum Beitritt Chinas in die WTO. Die Studenten demonstrierten im Sommer 1989 für mehr Demokratie. Den Weg für den WTO-Beitritt ebneten vor allem die USA. Die Argumente des damaligen Präsidenten Bill Clinton erinnern stark an Montesquieus sanft machenden Handel: «Die WTO-Mitgliedschaft ist für sich betrachtet keine Menschenrechtspolitik», sagte Clinton damals, «aber es ist zu erwarten, dass sie einen tief greifenden Einfluss auf die Menschenrechte und die politische Freiheit haben wird».

Doch Clinton – und Montesquieu – lagen falsch. Nicht nur die Auseinandersetzungen in Hongkong und die Internierung von mehr als einer Million Uiguren machen deutlich, wie wenig die Einbindung Chinas in den Welthandel die Menschenrechte, die Freiheit und die Demokratie dort gefördert haben. Selbst die wirtschaftliche Öffnung ist mittlerweile auf dem Rückzug.

Was zählt, ist das grosse Geschäft

Dafür ist Chinas Beitritt zur WTO allerdings auch nicht verantwortlich. Viele Freihandels-Protagonisten hatten vermutlich ohnehin nicht in erster Linie einen politischen und kulturellen Wandel im Sinn. Sie witterten vielmehr ein grosses Geschäft mit China. Daran ist an sich nichts Verwerfliches. Doch für das Argument, dass der Freihandel die Menschen und Gesellschaften «besänftigt», fehlt genauso die Grundlage, wie für den Glauben, dass die Gesellschaften über die Zeit automatisch immer offener, freier, gerechter und demokratischer werden.

39 Kommentare zu «China widerlegt Montesquieu»

  • Hansueli Wermelinger sagt:

    Montesquieu machte wohl denselben Fehler wie heutige Klimawissenschafter, indem Ursache und Wirkung nicht verstanden werden. Nicht der Handel macht die Menschen zahm sondern beides sind zeitgleiche Erscheinungen einer Phase im Friedens/Kriegszyklus. So wie Handelsstreit, Nationalismus Lemming-ismus (Klima) einher gehen mit anstehender Wirtschaftsdepression. Wer die Zyklen versteht, versteht auch Ursache und Wirkung. 1924 machten Klimatologen Prognosen, dass es in den kommenden 70 Jahren eine Eiszeit geben wird. Die Leute waren panisch deswegen. Und was ist heute? Das Gegenteil ist der Fall. Themperatur-Hochphasen erscheinen übrigens zeitgleich mit Wirtschafts-Peaks. CO2 und Themperatur steigen miteinander, sind aber von übergeordneten Grössen abhängig.

    • J. Kuehni sagt:

      Wissenschaftliche Thesen werden zu Denkschulen und zuweilen nach völlig exogenen Kriterien von Presse und Öffentlichkeit gehypt oder ignoriert. So war das zwar immer, daraus lassen sich aber keinerlei Rückschlüsse auf die Eintretenswahrscheinlichkeit von wissenschaftlichen Prognosen ziehen: Nur weil hinter der letzten Flussbiegung trotz Rauschen und Fliessbeschleunigung kein Wasserfall lag, heisst dass nicht, dass bei der nächsten nicht doch einer ist.

    • J. Kuehni sagt:

      In den 70ern gab es ebenfalls eine These, die aufgrund der (ebenfalls menschgemachten) Anreicherung von Sonnenlicht reflektierenden Feinstaubpartikeln in der Atmosphäre die Möglichkeit einer neuen Eiszeit erörterte. Eine Auseinandersetzung (zwischen Denkschulen) entstand darüber, ob dieser Effekt den damals auch schon längst verstandenen CO2-Treibhauseffekt verlangsamen oder gar negieren könne, heute kennen wir die Antwort darauf. Sie ist messbar.

      Die Ironie dabei ist, dass sowohl die Eiszeitler wie auch die Treibhäusler im Grunde dasselbe vorhersagten: Das wahllose Abfackeln von fossilen Energieträgern verändert die klimatischen Bedingungen und zwar in einem globalen Ausmass.

      • J. Kuehni sagt:

        Insofern war ein restloses Verstehen von Ursache und Wirkung für eine vernünftige Handlungsableitung nie eine realistische Forderung und ergo auch keine unabdingbare Voraussetzung.

  • Cybot sagt:

    „Sanfte Wege“ = Demokratie? Damit ist wohl eher gemeint, dass die handelnden Völker weniger kriegerisch sind. Und das stimmt bisher ja durchaus für China, zumindest haben sie in letzter Zeit keine Kriege geführt. Und mit der ganzen elektronischen Überwachung haben sie sogar eine „sanfte“ Methode gefunden, das eigene Volk zu unterdrücken bzw. kontrollieren.

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Chinesen halten wenig von Politik, aber viel von Handel und das hat eine 2’200 Jahre alte Tradition und begann mit dem Bau der Seidenstrasse!
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    Als Seidenstraße bezeichnet man ein Netz von Karawanenstraßen, dessen Hauptroute den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien verband.
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    Auf der antiken Seidenstraße wurde in westliche Richtung hauptsächlich Seide, gen Osten vor allem Wolle, Gold und Silber gehandelt.
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    Nicht nur Kaufleute, Gelehrte und Armeen nutzten ihr Netz, sondern auch Ideen, Religionen und ganze Kulturkreise diffundierten und migrierten auf den Routen von Ost nach West und umgekehrt: hierüber kamen z. B. der Nestorianismus, aus dem spätantiken Römischen Reich, und der Buddhismus, von Indien, nach China.

    • Ralf Schrader sagt:

      Sowohl China als Kaiserreich ab 221. v.Ch., als auch der Staat VR China sind konfuzianisch, also politisch, geprägt. Chinesen, so sie eine Rolle spielen, halten viel von Politik nur nicht das, was kulturell unreife Europäer, von barbarischen Amerikanern mal ganz abgesehen, als Politik sehen.

      Es mutet etwas lächerlich an, eine so alte Kultur mit den platten Ideen eines Montesquieu oder gar modernen Ideologien, Theorien zu beschreiben zu versuchen. Im Zweifelsfall verlasse ich mit auf chinesische Weisheit und nicht auf europäisches zeitgeistiges Geschwätz.

      • Lucas Wyrsch sagt:

        Sun Yatsen kehrte sich von Konfuzius ab und ersetze ihn durch MoZi!
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        Die Welt braucht „ein institutionalisiertes System zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens, nicht nur die Interessen einiger dominierender Nationen“.
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        Durch die Wahrung der Interessen der Nationalstaaten verschärft die Globalisierung internationale Konflikte und fördert nicht das allgemeine Wohlbefinden.
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        Auch die UNO versagt als globale Institution, indem sie als Organisation auftritt, in der Nationen im eigenen Interesse verhandeln.
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        Darüber hinaus fehlt es ihr an der Kraft, der Beherrschung durch eine Supermacht zu widerstehen.
        Quelle: Tianxia von Richard Rigby, Australian Centre on China in the World
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        Eine globale Demokratie als „Tianxia Weigong“ bedeutet mehr Wohlstand und Wachstum für alle!

  • Lucas Wyrsch sagt:

    Im 29. Brief der Persischen Briefe schrieb Charles de Secondat, Baron de Montesquieu im Jahr 1721, dass der Papst, „dieses alte Idol, das man aus Gewohnheit beweihräuchert“, jetzt nicht mehr in seiner wahrlichen Macht zu fürchten sei.
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    Vielleicht eine Allusion an die Macht von Papst Alexander VI., einer der politisch einflussreichsten Päpste der Renaissance.
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    Matteo Ricci, dessen missionarische Tätigkeit in China während der Ming-Dynastie den Beginn der Verbreitung des Christentums in China einläutete, war demütiger.
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    China war immer ein Handelsreich, mindestens seit MoZi mit seinem Konzept der universellen Liebe Kriege den Impuls für ein „Tianxia Weigong“, die Erde gehört allen, mit dem Bau der Seidenstrasse vor 2’200 Jahren, setzte!
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    Tianxia Weigong als Welt-Demokratie

  • Ackermann sagt:

    Empfehlenswertes Buch dazu von Jeremias Gotthelf: „Geld und Geist“

    • Anh Toàn sagt:

      Beim Lesen dieses Buches habe ich mich immer wieder gefragt, ob dies nicht Satire sein soll. Aber ich kam zum Schluss, der Gotthelf hat wirklich geglaubt, die Welt lasse sich so einfach in gut und böse einteilen. Oder seine Zuhörer müssen die Welt so einfach präsentiert bekommen, lesen konnten die ja nicht.

      Romantische Verklärung ist es, die ist frei von Ironie, die nimmt sich ganz ernst.

      • Anh Toàn sagt:

        Lioyd Blankfeins „Doing God’s Work“ ist genau das Gleiche wie Gotthelfs „Geld und Geist“. Aber dazu muss man Geduld und Geist verstanden haben: Der Geist kommt zum Geld, Gott belohnt die Guten mit Reichtum: Die Armen sind selber schuld, Armut ist Gottes Strafe für Sünde, Müssiggang, selbstverschuldet: Ziemlich widerlich finde ich diese Denke, ganz ehrlich gesagt. Wäre ich religiös, würde ich sagen eine Todsünde der (Erfolg-)Reichen: Hochmuth!

        • Hansueli Wermelinger sagt:

          Das Kranke an der heutigen Gesellschaft ist, dass man Armut als „Krankheit“ betrachtet, vor der man sich flüchtet, während Reichtum als gesund angesehen wird. Aus meiner Sicht ist beides ein Zeichen der Disharmonie. Ein Mensch, der in absoluter Harmonie lebt, wird mit der schwarzen Null auskommen, d.h. er hat weder Mangel noch zuviel, das er mühselig horten und verwalten muss.

  • Marco Marazzi sagt:

    Ich denke, Montesquieu wurde zuerst einmal von den Kolonialstaaten widerlegt, als sie neue Märkte mit reiner Gewalt erschlossen. Dann von den westlichen Staaten während des kalten Krieges als sie unzählige Diktatoren installierten und unterstützten, um ihre Märkte zu schützen.
    Die Ökonomen sind gut beraten, die Geschichte nicht aus den Augen zu verlieren … 🙂

  • Leo Klaus sagt:

    Solche Allgemeinplaetze wie „Freier Handel schafft Menschenrechte“ sind natuerlich zu simpel, aber in China gibts noch den freien Handel und der freie Markt nicht. Fragen Sie mal auslaendischen Konzerne welche schon lange (und meist vergebens) versuchen in China Fuss zu fassen.

    Erst wenn China sich weiter oeffnen wuerde, indem staatliche Subventionen abgebaut wurden, indem der Finanz- und Devisenmarkt frei wurde koennte man vom freien Handel in China reden. Davon sind wir mindestens genauso weit weg wie von Demokratie und Freiheit in China.

  • Markus Ehrler sagt:

    nein, nur SCHEINBAR Montesquieu widerlegt, weil sukzessive kommunistisch unterwanderter Westen untugendhaft seine Freiheits- & Markt-Prinzipien sukzessive auch aufgab, u.a. sich perverswirkend kommunistischen China-Zwängen unterwarf.

  • Roberto Furter sagt:

    „China widerlegt Montesquieu“. Falsch gefolgert. 1. Montesquieu war auch einer der Väter der Gewaltentrennung. (Wo ist die in der VR China, mit allmächtiger KP). 2. China handelt nicht sanft, sondern sehr aggressiv, mit Protektionismus des Heimmarktes. 3. Man sollte polit. Systeme und Wirtschaftssysteme nicht durcheinanderwirbeln. (Die VR China ist so gesehen ein Zwitterwesen: polit. Kommunismus (KP ist Einheitspartei), Wirtschaftssystem: Manchesterkapitalismus).

    • Ralf Schrader sagt:

      Man sollte auch Staaten und Länder nicht durcheinanderwirbeln. China ist ein 3500 Jahre altes Land, die älteste noch existierende Kultur. Die VR China ist nur ein relativ unwichtiger Staat in dieser langen Geschichte.

      Der Staat wird zwar von einer Partei geführt, die ‚kommunistisch‘ im Namen führt, aber Partei und Staat sind alles andere als sozialistisch oder gar kommunistisch. Die VR China ist ein Feudalstaat, der die Schwelle zum staatsmonopolistischen Kapitalismus schon weit, aber noch nicht ganz überwunden hat.

      Nach der kolonialen Demütigung durch die Briten und Franzosen hat Mao die Grösse und Würde dieser Hochkultur wieder hergestellt und seine Nachfolger werden einen Teufel tun, die Werte ihrer Unterdrücker wie Demokratie oder individuelle Rechte einzuführen.

      • Rolf Zach sagt:

        Sehr schön gesagt wegen Mao, aber es war
        Chiang Kai-shek, der Präsident von China während
        des 2. Weltkriegs gegen Japan, der dafür gesorgt hat mit den USA, dass China heute einer 5 großen
        Veto-Mächte der UNO wurde. Da waren die Briten und Franzosen längstens weg als westliche Imperialisten. Übrigens vergessen Sie Russland nicht. Russland hat dafür gesorgt, dass die Mongolei aus der chinesischen Reichsverband herausgelöst wurde. Ebenfalls hat Russland beträchtliche Teil von China für immer annektiert.
        Mao war im Bürgerkrieg der glücklichere und Chiang hat enorm viele Fehler gemacht.
        Abgesehen, wo leben die Leute besser im China von Mao oder in Taiwan, der eigentlichen Republik China (Flucht-Insel von Chiang)?

  • Cédric Ruckstuhl sagt:

    Nicht nur China widerlegt Montesquieu und die ganzen Handelstheorien. Auch der Westen widerlegt sie: Der Westen beherrscht den Welthandel, das hinderte ihn aber nicht, eine weltweites elektronisches Spionagesystem aufzuziehen und Stimmen der Freiheit wie Manning, Snowden und Assange brutal zu verfolgen. Ehe wir Freiheit in weit entfernten Staaten fordern, sollten wir bei uns zuhause für Freiheit sorgen.

    • Rolf Zach sagt:

      Einverstanden, die USA ist als Weltmacht ist nicht zimperlich und hat als angeblicher Verteidiger der freien Welt in Lateinamerika und Asien viele unappetitliche Tyrannen unterstützt. In Europa haben sie immerhin uns allen gegen diesen grässlichen Stalin
      geholfen. Immerhin war Keynes als Wirtschaftler besser als Stalin und seine brutalen Sklaven wie z.B.
      Chruschtschow.

      • Cédric Ruckstuhl sagt:

        @Zach
        Was soll an Stalin so grässlich gewesen sein? Er hat das Land modernisiert&industrialisiert (in einem ehem. Agrarland) für soziale Gerechtigkeit gesorgt (in einer ehem. aristokratischen Gesellschaft). Die sowjetische Wirtschaft hatte in den 30er bis 60erjahren konstante durchschnittliche jährliche Wachstumsraten von 7%. Ok, davon haben zugegebenermassen nur die Russen profitiert. Darum seine wichtigste Leistung: Er hat die Menschheit vor den Nazis gerettet. Ohne Stalin würden wir heute im Allemannengau des deutschen Reichs leben.

        • Hansli sagt:

          @Ruckstuhl Stalin hat vor allem Millionen umgebracht.

          • Cédric Ruckstuhl sagt:

            @Hansli
            Millionen Nazis, ja, aber das war ja auch gut so. Oder haben Sie Symphatien für Hitlers Horden?

          • Thomas sagt:

            @Cédric Ruckstuhl: allein in den Stalinschen Säuberungen veranlasste Stalin die Tötung von Millionen von Landsleuten.

          • Cédric Ruckstuhl sagt:

            @Thomas
            Sie sollten nicht jede Propaganda-Behauptung für bare Münze nehmen. Zuerst brauchte Hitler wenigstens eine oberflächliche Rechtfertigung für seinen brutalen Überfall auf die UdSSR, deshalb liess er allerlei Schauermärchen über Stalin u. die Sowjetunion in Umlauf setzen. Im Kalten Krieg dann wurde diese Propaganda von den USA dankbar aufgenommen und weitergeführt. So geistert die Mär von Stalins Millionen (Dutzende, Hunderte Millionen!) Toten noch heute durch den Blätterwald.

        • Marco Marazzi sagt:

          @Hansli,@Thomas, jeder Herrscher hat Millionen umgebracht. Suchen sie im Google mit ‚comparative History‘ …

  • Gottfried Pfister sagt:

    Ich nehme an, Montesquieu hat keine Zeitangaben zu seiner Einschätzung abgegeben. Auch hat er sich wenig darum gekümmert, dass der Weg zu seinem Postulierten Ziel wahrscheinlich nicht geradlinig verläuft. Und Gesellschaften die das Ziel erreicht haben nicht auch Zeitwiese wieder davon ab rücken würden.
    China als Gegenbeweis für Montesquieu heran zu ziehen ist erstens zu früh und zweitens unehrlich. Unehrlich deswegen weil wir damals als die USA in die Barbarei, mit Angriffskriegen und Folterorgien, verfielen irgendwie nicht an Montesquieu denken wollten.
    Darin sehe ich eher ein Problem von Montesquieus Theorien, denn er hat sich nicht mit der Problematik unterschiedlicher Kulturen auseinander gesetzt. Der Westen hat ja alles was von ihm kommt als „universell“ bezeichnet.

  • Paul sagt:

    „Doch Clinton – und Montesquieu – lagen falsch.“
    Vielleicht liegt auch der Autor falsch, wenn er erwartet, dass alles immer diese Woche, heute oder noch lieber sofort passieren soll. Gesellschaftlicher Wandel dauert Generationen. Der Chinesische Wohlstand steigt und damit die Zahl junger Chinesen, die zum Studium nach Europe oder in die USA geschickt werden: Die Chinesische Elite von morgen. Und die kommen alle mit einem anderen Mindset zurück und werden – sobald sie genug sind – Forderungen stellen, denen sich die Partei nicht verweigern kann.

  • Anh Toàn sagt:

    Die Amis handeln jetzt ganz doll mit den Saudis, und der Ueli reist auch zu denen, damit wir Schweizer frei handeln könne: Bestimmt will der Ueli Demokratie in Saudi Arabien fördern und ist dann ganz enttäuscht, wenn die doch nicht kommt die Demokratie:

    WTO ist nicht Freihandel, WTO ist moderne Form der Kolonialisierung: Alles, ausser was die Armen haben, nämlich Arbeitskraft, ist global, die Arbeitskraft bleibt lokal. Die Arbeit muss in den Schwellenländer bleiben, das Know How, sonst bleibt die nicht billig, und das wärt doof: Kommen die hierher, wollen die auch so viel verdienen wie wir.

    • Reto Stadelman sagt:

      Arbeitskraft gibt es mehr als genug. Der Wert der Arbeit sinkt kontinuierlich. Kommen „die“ hierher, verdienen sie nicht so viel wie wir, wir verdienen so viel wie „die“.
      Der Neoliberalismus hat keine Freunde. Er nutzt rechte wie linke Ideologien einzig und alleine zu seinem Vorteil. Schaft man die Grenzen ab sinken die Löhne ins bodenlose und das Elend folgt auf dem Fuss. Hält man die Grenzen oben, verlagert man die Fabriken in diese Länder und profitiert dort neben den tiefen Löhnen auch von anderen Vorteilen wie laschen Umweltgesetzen etc.
      Man merke: Es gewinnen immer die Gleichen. Es gibt nur eine Regel die universal ist. Die Starken tun was sie können, die Schwachen erdulden was sie müssen.

      • Anh Toàn sagt:

        „Schaft man die Grenzen ab sinken die Löhne ins bodenlose“

        Sehen Sie mal in die EU: In Deutschland sind die Löhne und Renten gesunken in den letzten zwanzig Jahren, aber ich behaupte, in Holland, Dänemark oder Luxemburg nicht, auch in Frankreich, Spanien oder Italien (konnte nur „disposable personal income“ finden, nicht Löhne explixit. Es sind aber ganz sicher nicht alle europäischen Arbeitsmärkte auf das Niveau von Bulgarien oder Rumänien gesunken. Liegt da nicht näher, die Verantwortung in der nationalen Politik zu suchen, statt in der Öffnung der Arbeitsmärkte? Die meisten EU Staaten kennen Mindestlöhne. Deutschland auch, der ist halt mit etwas über 9 EUR (in der Schweiz kostet ein teenager Babysitter das doppelte!) mindestens 3 EUR zu tief.

        • Anh Toàn sagt:

          Und mit Mindestlöhnen von 12 EUR hätte Deutschland zukünftig auch deutlich weniger Probleme mit Altersarmut.

          Eine Rente von 60% eines Lohnes von 9EUR/Std reicht nun mal nicht zum leben, und vorher sparen kann man mit 9EUR/Std. auch nicht.

      • Anh Toàn sagt:

        „Der Wert der Arbeit sinkt kontinuierlich.“ Das ist richtig. Und entsprechend steigt der Wert des Kapitals, nur ist daran nicht Neoliberalismus schuld sondern es ist der Verdienst des Kapitalismus, Verdienst, weil er doch dazu da ist: Wenn das Kapital immer mehr (wert) wird, was es doch soll, wird die Arbeit immer weniger (wert).

  • Nico Mavelli sagt:

    Ein seltsam nostalgischer Artikel. Inzwischen sollte klar sein, dass die Ideale einer offen gleichberechtigten Gesellschaft ein Luxusgut ist, welches ohne die Ausbeutung von Drittländern nicht aufrechterhalten werden kann. Konsequenterweise sind die Menschenrechte weltweit seit 20 Jahren auf dem Rückmarsch.

  • Ralf Schrader sagt:

    Das Ärgerliche an der Geschichte ist die fortlaufende Veränderung auch der Werte. Das apostrophierte einer schon mal das ‚Ende der Geschichte‘ und siehe, was 1989 Ziel war, ist heute banale Vergangenheit. Demokratie ist nicht das Ende der Geschichte und auch nicht das höchste Ziel von Politik. Es ist eines der vielen Durchgangstadien politischer Geschichte und deren Zeit ist abgelaufen. Wie die Zeit von Allem, auch die aller Werte, irgendwann vorbei ist.

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