Die Nullzinspolitik hilft vor allem dem Staat

Wenn Länder kostenlos Kredite aufnehmen können, weckt das Begehrlichkeiten. Doch es gibt auch Risiken.
NMTM

Manche fordern mehr Investitionen in die Infrastruktur, solange der Staat gratis Kredite aufnehmen kann: Baustelle am Bahnhof Luzern. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Null- und Minuszinsen sind ein Geschenk für Schuldner. Wer einen Kredit aufnimmt oder sich Geld leiht, zahlt in einem solchen Umfeld gar nichts oder wird sogar dafür bezahlt. Die Politik führender Zentralbanken – in der Schweiz, im Euroland, in Japan usw. –, die Leitzinsen bei oder unter null zu halten, hilft also vor allem jenen, die mehr ausgeben als sie verdienen. Und das sind in erster Linie die Staaten.

Denn die Hälfte der ausstehenden Anleihen und Schuldtitel wurde von Regierungen emittiert. Gemäss Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich waren Ende 2018 von insgesamt 85,8 Billionen Dollar Verbindlichkeiten der Industrieländer 42 Billionen Staatspapiere.

Gratis Schulden machen

Regierungen können in diesen aussergewöhnlichen Zeiten also viel Geld einsparen. Nie war es günstiger, sich neu zu verschulden. Deutschland und die Schweiz legen Anleihen am Markt auf und müssen für das aufgenommene Geld keine Zinsen zahlen. Tatsächlich werden viele Papiere am Markt sogar negativ verzinst. Interessanterweise hat diese einmalige Situation bislang kaum zusätzliche politische Begehrlichkeiten geweckt. Institutionelle Vorkehrungen wie die Schuldenbremse wirken. In beiden Staaten halten die Regierungen an ihrer haushaltspolitischen Disziplin fest.

Allerdings wird in Deutschland seit kurzem kontroverser über das Haushaltsziel «schwarze Null» diskutiert. Es werden zusätzliche Schulden gefordert, um Infrastrukturinvestitionen und ein Klimawandelpaket zu finanzieren. Dahinter steht die berechtigte Überlegung, dass öffentliche Ausgaben auch das Wachstumspotenzial und den Wohlstand fördern können und dann einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben.

Aber wer neue Staatskredite beschliesst, sollte sich keiner Illusion hingeben: Staatliche Schulden werden am Ende der Laufzeit so gut wie nie getilgt, sondern nur über den Verkauf neuer Anleihen refinanziert. Dann muss allenfalls auch wieder ein höherer Zins als 0 Prozent für die Finanzierung bezahlt werden. Der Schuldenberg wächst  und damit die finanzielle Last künftiger Generationen.

Wie die Schuldenquote sinkt

In diesem Dilemma befinden sich hoch verschuldete Staaten. Dennoch schaffen die extrem tiefen Marktzinsen auch hier finanzielle Erleichterung. Sie sorgen dafür, dass die Kosten, um die bestehenden Schulden zu finanzieren, abnehmen. Jedes Mal, wenn alte Anleihen auslaufen und durch neue am Markt verkaufte Anleihen ersetzt werden, tritt dieser Effekt ein. Denn die alten Papiere tragen einen höheren Coupon als die neuen. Zug um Zug sinkt damit die Zinsbelastung. In Spanien nahmen auf diese Weise die jährlichen Kosten für die ausstehenden Schulden in den vergangenen fünf Jahren um ein Drittel ab: Der durchschnittliche Zins fiel von 3,6 auf 2,4 Prozent.

Aber das ist nicht der einzige Effekt. Nicht nur die absoluten Kosten sinken, sondern auch die relative Zinsbelastung. Aufsichtsbehörden, Ratingagenturen und Ökonomen schauen vor allem auf das Verhältnis zwischen den Schulden und dem Bruttoinlandprodukt (BIP). Die so ermittelte Schuldenquote soll Auskunft darüber geben, wie tragfähig die Verschuldung ist. Dabei kommt es darauf an, dass die Wirtschaft schneller wächst als die Schulden respektive die Kosten für die Schuldenfinanzierung. Ist das der Fall, nimmt die Schuldenquote ceteris paribus ab.

In Spanien ist das tatsächlich der Fall. Dem Schuldendienst von 2,4 Prozent steht ein nominales Wirtschaftswachstum von rund 3 Prozent gegenüber. In den vergangenen fünf Jahren hat sich allein durch diese günstige Entwicklung die Schuldenquote um insgesamt 2 Prozentpunkte verringert. In Deutschland ist der Effekt besonders gross: Von 2014 bis 2018 sank die Quote um 6,6 Prozentpunkte, wie Ökonomen des italienischen Industrieverbands berechnet haben. In Frankreich dagegen wurde nur der Anstieg der Schuldenquote verhindert.

Nur Italien profitiert nicht

Italien kommt nicht vom Fleck: Geschäftsviertel in Mailand. Foto: Getty

Einzig Italien profitiert bisher nicht von diesem Zinseffekt. Die Zinskosten sind nur wenig gesunken. Denn der Markt verlangt wegen der politischen Unwägbarkeiten einen Risikoaufschlag. Der durchschnittliche Zinssatz auf dem immensen Schuldenberg des Landes beträgt 2,7 Prozent. Die Wirtschaft wächst im Vergleich dazu viel zu wenig. Italiens Schuldenquote stieg folglich, in den vergangenen fünf Jahren um 1,5 Prozentpunkte pro Jahr. Heute liegt sie 7,6 Prozent höher als 2014.

Ausgerechnet das Land, das es am meisten nötig hätte, profitiert also nicht von der Gunst der Stunde. Das zeigt: Es genügt nicht, nur die Zinsen radikal nach unten zu drücken. Parallel dazu muss vor Ort auch eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik geführt werden. Andernfalls fällt die Staatsrechnung zwar vorübergehend kleiner aus, aber am Ende zahlt der Steuerzahler eine grössere Zeche als zuvor.

38 Kommentare zu «Die Nullzinspolitik hilft vor allem dem Staat»

  • G. Nardone sagt:

    – „… die mehr ausgeben als sie verdienen. Und das sind in erster Linie die Staaten.“

    Wenn jemand (hier der öffentliche Sektor) mehr ausgibt als er verdient, dann muss BEDINGTER- & LOGISCHERWEISE jemand anders mehr verdienen als er ausgegeben hat (in diesem Beispiel der private Sektor!)
    Also, wo ist nun das Problem?
    Ach ja, die künstlichen Zinsen.
    Die man ja per Tastatur am Zentralbank-Computer sehr leicht zu finanzieren sind.

  • Michael Stöcker sagt:

    „Der Schuldenberg wächst und damit die finanzielle Last künftiger Generationen.“

    Diese These entbehrt jeglicher Logik für Länder wie die Schweiz oder Deutschland mit hohen LB-Überschüssen. Da nicht nur die Schulden, sondern zugleich die korrespondierenden Vermögen/Anleihen an die künftigen Generationen vererbt werden ist dies KEIN intergeneratives Problem sondern vielmehr ein intrageneratives Verteilungsproblem. Das Problem ist nur dann intergenerativ, wenn die eine Generation die Infrastruktur aufgebaut hat, während die aktuelle Generation diese verfallen lässt. Also so, wie es aktuell in Deutschland geschieht.

    LG Michael Stöcker

  • Alex sagt:

    Die Überschrift klingt nach Nullaussage. Der Staat hat den größten Anteil am Volkseinkommen (überall?) und damit ist es für mich klar das er von wirtschaftlichen Gegebenheiten am stärksten betroffen ist. Wenn die Geldpolitik schon so locker ist und es immer noch nur mickriges Wachstum gibt hat doch der Staat nun den schwarzen Peter?

    Warum wird eigentlich eine Natürlichkeit, das Staaten in erster Linie mehr einnehmen als ausgeben, gesehen? Langsam bin ich echt dafür den feuchten Traum der österreichischen Schule durchzudrücken. 0% Staatsschulden. Es gibt nur noch Unternehmens- und Haushaltsschulden (die sind natürlich Sparer deswegen haben die keine Schulden sonst wäre das Enteignung und die könnten nicht auf die Rente sparen). Wer braucht das Ricardianische Äquivalenztheorem?

    • Alex sagt:

      Wie funktioniert eigentlich private Vorsorge ohne Staats- und Haushaltsschulden (die sollen gefälligst sparen um enteignet zu werden)? Der umlagefinanzierten Rente wird ja vorgeworfen nicht finanzierbar zu sein, weil die Staatsschulden steigen, aber bei privater Vorsorge über Staatsschulden ist das in Ordnung.

      Damit der Staat ja keinen Begehrlichkeiten ausgesetzt ist muss er zukünftig in Askese leben und auch ja aufpassen das er nicht dem Hedonismus des Auslands ausgesetzt ist (keine Währungssreserven). Auch gegen die eigene Bevölkerung muss mit klarer liberal-demokratisch autoritärer Hand durchgegriffen werden.

      Übrigens die Schuldenbremse ist besser als ihr Ruf (April Artikel), weil sie nicht auf Investitionen bei einem bestimmten Marktumfeld verhindert und deshalb wirkt sie.

      • Alex sagt:

        Die finanzielle Last der jüngeren Generation ist langsam sowas von untragbar wenn das so weitergeht werden sie diese einfach weginflationieren oder gar sagen da mache ich nicht mehr mit (Bretton-Woods). Wie reagieren dann eigentlich die Sparer und Leistungsbilanzschnorrer wenn die finanzielle Last so schwer ist das die Schuldner ausfallen (Schuldturm, Krediterbsünde, Studentenkredit)? Ich weiß es der Sündenbock ist der Staat und die jungen Leute die einfach nicht das tun was von ihnen verlangt wird.

        Italien macht doch schon wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik – Leistunbsilanzüberschuss +3,4% (2016) es muss nur auf 9-11% kommen und dann ist es so erfolgreich wie Deutschland und die Schweiz.

        • Rolf Zach sagt:

          Nun die österreichische Schule mag ja als Theorie alle jene Freunde des ökonomischen Fachs anziehen, die es mit der Ästhetik haben. Diese Herren waren im Ersten Weltkrieg in Österreich-Ungarn nicht fähig, die Wiener mit Schweinefleisch aus Ungarn zu versorgen, obwohl vorhanden. Die Wiener hungerten und das Habsburger-Reich ging unter.
          Schumpeter war eine Katastrophe als österreichischer Finanzminister und hätten die Alliierten im Zweiten Weltkrieg Hayek’s Theorien nach seinem Hauptwerk „Der Weg zur Knechtschaft“ ausgerichtet, hätten sie bestimmt gegen Hitler verloren. So etwas unpraktisches im Falle einer Depression!

          • Rolf Zach sagt:

            Ihre Vorbehalte gegen die Sicherung des Alters auf der Basis der Kapital-Sicherung und nicht der Umlage kann ich nur zustimmen.

          • Alex sagt:

            Darum sollen die ihre eigene Medizin spüren, aber dann nicht jammern wenn der Staat knallhart auch bei ihnen durchgreift. In der Konsequenz ist ein schuldenfreier Staat ohne Wohlfahrt (wie oft propagiert) doch nur ein Polizeistaat mit Justizsystem. Ähnlichkeiten mit Militärdikaturen sind rein zufällig. Korruption ist natürlich ausgeschlossen den Steuern sind ganz niedrig das ergibt maximale Wohlfahrt (kommt auf den Blickwinkel an).

      • Rolf Zach sagt:

        Wie ist es mit der Keynes Formel „Sparen gleich Investieren“?

        • Alex sagt:

          Ich verstehe ihre Intention nicht, aber sage ihnen gerne meine Meinung zur Formel. Das ist ein Allgemeinplatz der immer stimmt.

          Aussaat=Ernte ist die genau gleiche Aussage. Es gibt mir nur eine quantitativ statische Analyse in einem bestimmten Format (€, $, Yen) wieder. Wenn ich Wasser in meine Badewanne fließen lasse und dicht mache habe ich Wasser gespart, aber zeitgleich investiert, weil ich ein Wasserreservoir angelegt habe. Es sagt mir aber nichts über den Sinn, die Qualität oder einen zeitlichen Bezug (flow) aus.

          Für Ökonomen und Finanzbuchhalter ist es ein wichtiges Werkzeug zur Messung von Wirtschaftsgrößen und etwas philosophischem Palaver.

        • Alex sagt:

          Teil2
          Die Worte Sparen, Investitionen (insbesondere diese Formel) sind nichtmal hilfreich, da im Alltag diese Begriffe eine andere Definition haben als in der VWL (wahrscheinlich sogar innerhalb der VWL). Im englischsprachigen Raum gibt es eine wichtige Distinktion zwischen saving und savings, aber wie oft es medial in ein und den gleichen Topf geworfen wird ist grausam.

  • Hansueli Wermelinger sagt:

    Was machen wir uns Sorgen um die Notenbank-Politik der SNB und anderen Notenbanken? Diese werden doch von Mega-Brains geleitet und wir können uns beruhigt und vertrauensvoll zurück lehnen und uns auf die Erfolge von Thomi Jordan freuen, der voll Stolz einen grossen Harvard-Kleber auf der Heckscheibe seines Autos hat. Die wissen schon wie’s geht. Selbst zwar noch nie eine müde Mark in der Privatwirtschaft erarbeitet und verheiratet ebenfalls mit einer Theoretikerin, wird man dennoch wissen, wie die Welt funktioniert – vorausgesetzt es sind auch alle anderen Menschen so weltfremd mit autistischen Eigenschaften, komplett emotionslos – eben ein typischer Homo Economicus.

    • Claire Deneuve sagt:

      Wermelinger: Seien wir doch froh, dass wir nicht so einen marktdevoten Jahrhundertversager wie Allan Greenspan als ZB Chef bekommen haben, der alle Warnungen in den Wind geschlagen hat und mit seiner unsäglichen Zinspolitik die Sub-Prime Krise noch massgeblich befeuert hat, bevor er sie dann genau so dilettantisch wieder abwürgte und damit die Finanzkrise zu einem nicht unwesentlichen Teil mitauslöste.
      Der hat lieber selbstgefällig georakelt und alle sind an seinen Lippen gehangen und versuchten daraus was zu interpretieren.
      .
      Ohne jene Finanzkrise 2008/09 würde unsere Welt zumindest etwas besser dastehen, die Zentralbanken versuchen sich immer noch zu einem Teil an jenem Erbe abzuarbeiten. Sicher nicht monokausal, es gibt noch andere Baustellen wie den €, Club Med.

      • Rolf Zach sagt:

        Interessant bei Greenspan ist, dass er ein Verfechter der Theorien von Any Rand ist. Sehr gut darüber geschrieben hat Ravi Batra in seinem Buch „Greenspan’s Betrug“. Er ist ein absoluter Verfechter eines schrankenlosen Kapitalismus und gegen eine regulierende Bankenaufsicht. Das einzige was zählt ist die Geldmenge und nichts anderes. Was aber besonders bei ihm hervorzuheben ist, ein absolut berechnender Opportunist, der sich nur nach zwei Machtzentren ausrichtete, erstens Wall Street in ihrer gierigsten Form und dem Weißen Haus, je unsozialer desto besser.
        Übrigens hat er die amerikanische AHV unter Reagan zerstört.

        • Anh Toàn sagt:

          Interessant bei Greenspan ist, dass er machte was Linus Huber will: Er hat nicht gegen die „irrational exhuberance“ gemacht, er hat nur dokumentiert, nichts gemacht, weil:

          „But how do we know when irrational exuberance has unduly escalated asset values, which then become subject to unexpected and prolonged contractions as they have in Japan over the past decade?“

          Greenspan hat gewarnt, statt zu handeln, zentralistisch zu manipulieren, er hat nur dokumentiert, weil er sich nicht anmasste zu wissen, wann der Markt übertreibt.

          • Linus Huber sagt:

            Natürlich hat er was gemacht, nämlich die Zinsen künstlich tief gehalten, obwohl seit vielen Jahren die Finanzwirtschaft stärker als der Rest der Wirtschaft wuchs. Bei einem guten Ökonomen gehen in solch einer Situation die Warnlichter an. Selbst Claire, welche die IYIs ansonsten anhimmelt, erkennt Greenspans Versagen.

            Im Falle der Funktion der Zentralbanken, sollte tatsächlich reiner Kapitalismus vorherrschen, was nichts anderes heisst, als dass die Zentralbanken einzig das Bargeld nach festgelegten regeln verwalten. Zach weist gut auf die diesbezügliche Referenz „Greenspan’s Betrug“ hin. Es ist nicht Funktion der ZB Sozialpolitik zu betreiben.

  • Marcel Senn sagt:

    Die argentinische Zentralbank hat in einem weiteren mutigen Schritt die Zinsen auf Peso am 16. August von 74.96% auf 74.97% erhöht, aber das hilft dem Staat auch nicht mehr weiter, das Länderrisiko liegt mittlerweile bei 1879 Punkten gemäss JP Morgan, nun bis man Venezuela eingeholt mit 11’226 Punkten erreicht hat, geht es noch eine ganze Weile.
    So kanns eben auch rauskommen, wenn man einen neoliberalen kapitaldevoten Totalversager wie Mauricio Macri als Präsidenten hat, der meinte man müsse sich nur ganz ganz kräftig verschulden (am besten in US$) und dann wachse die Wirtschaft wieder von ganz alleine.
    .
    Aber jetzt ist ja bald SIE wieder da als Vizepräsidentin vom Duo Fernandez & Fernandez.
    Macris einst huldigende Systemmedien haben ihn fallen lassen wie eine heisse Kartoffel!

    • Zufferey Marcel sagt:

      Und in Brasilien wütet Bolsonaro mit seinem neoliberalen Finanzminister Paulo Guedes (ein Gläubiger der Chicagoer Schule), item: Ihre Berichte aus dem medial eher wenig beachteten Südamerika lese ich immer sehr gerne! Es gibt eben nicht nur Negativzinsen, sondern auch das genaue Gegenteil, das darf man nie vergessen: Die neue westliche Normalität gilt eben nur für Nordamerika, Japan und Europa. Ach ja: Ich werde die Schweiz bald ebenfalls verlassen, in Richtung Asien, nota bene. Es wäre schön, wenn wir uns im Netz hie und da über den Weg laufen würden…

      • Marcel Senn sagt:

        Grüezi Herr Zufferey, ja in Argentinien gehts wieder mal drunter und drüber, fahren am Freitag wieder mal rüber, ist von uns in Uruguay gerade mal eine Stunde mit der Fähre, und bis Macri kam hatten wir dort noch eine Zweitwohnung gemietet.
        Argentinien war Ende 2015 bei Amtsübernahme mit 47% noch nicht so dermassen verschuldet, ein etwas fähigerer Präsident hätte da was draus machen können, mittlerweile geht man von bald mal gegen 100% aus, fehlenden Devisen plus noch IWF Abhängigkeit – ein schwieriges Erbe
        Ein Grossteil der Brasilianer wird auch noch auf die Welt kommen, wenn sie mal feststellen was für einen „Messias“ (sein 2. Vorname) sie sich da angelacht haben. Die Renten will er privatisieren, das gab schon mal einen Generalstreik.

        • Marcel Senn sagt:

          Good Luck dann noch in Asien (wo genau ?), wenn man mit dem Geld sehr gut leben kann, mit dem in der CH gerade mal die Miete bezahlen kann, dann ist das eben schon eine gute Sache. Für die Schweiz ist es eh gut, wenn viele Aeltere auswandern: Spart Pflegekosten, Devisen fliessen ab, die CH kann Ergänzungsleistungen sparen, „Dichtestress“ und Wohnungsnot verringern sich und auch Leute mit geringeren Renten können sich ein anständiges Leben leisten, insbesondere in Zeiten wo die Renten % zum letzten Lohn immer kleiner werden.
          Die CH könnte den freiwilligen Rentnerexport sogar noch etwas aktiver promoten, ist eine Win-Win Situation. Viele Ausländer gehen meist sowieso in ihre Heimat zurück oder lassen sich einbürgern (Ausländeranteil über 65 ca 10% und dann stetig abnehmend)

          • Zufferey Marcel sagt:

            Ich werde im Lande von Rodrigo Duterte aka „Tatay Digong“ vor Anker gehen. Leitzins z. Z. bei 4,5%, tiefe Staatsschuldenquote (die Tigerkrise hat einen Lernprozess in ganz Südostasien ausgelöst), überdurchschnittliches BIP-Wachstum (bei gleichzeitig rekordhoher Armutsquote), Kapitalverkehrskontrollen, etc.

            Was Ihre Anmerkungen zur Altersemigration aus der Schweiz anbelangt: Da haben Sie völlig Recht, das müsste man noch mehr promoten. Nur sieht das z. B. die FDP etwas anders: Die hätte es am Liebsten, wenn Schweizer Rentner, die im Ausland leben, nur eine Kaufkraftmässig entsprechend angepasste AHV kriegen würden- obwohl sie ein Leben lang zu schweizer Konditionen eingezahlt haben…

          • Rolf Zach sagt:

            Nur mit den Rentnern ist es so eine Sache. Es bleiben nämlich die Armen und nur einige vom Mittelstand gehen ins Ausland. Man hat festgestellt, dass zum Beispiel arme Türken lieber hierbleiben und von ihrer bescheidenden Rente leben, als in der anatolischen Hochebene vom ihrem einfachen Häuschen, dass einem Großgrundbesitzer der Kaste von Atatürk’s Generälen gehört, den Ziegen zuzuschauen.

          • Zufferey Marcel sagt:

            Anmerkung: Die Regierung meiner zukünftigen Wahlheimat kann ich mir natürlich nicht aussuchen. Ich muss vielmehr mit ihr leben. Noynoy Aquino, der Vorgänger von Digong war allerdings auch nicht unumstritten- und Macapagal Arroyo schon gar nicht. Man muss die derzeitige Regierung als klares Votum des Volkes gegen die herrschenden Zustände und Eliten sehen. Ein bekanntes Muster also.

  • Josef Marti sagt:

    Es braucht Wachstum plus Inflation sodass die Schuldenquote sinkt trotz steigender Schulden. Unter keinen Umständen dürfen Schulden zurückbezahlt werden andernfalls läuft man in eine Bilanzrezession, gilt auch in der Einzelbetrachtung jedes Unternehmens, schrumpft die Bilanzsumme dann Schrumpfen auch die Schulden (und umgekehrt) und die Firma befindet sich im Liquidationsmodus.
    Die Bilanzrezession wäre allerdings heilsam, dann würde sich die Immigration in eine Emigration verwandeln und die verbleibenden Einwohner würden wieder lernen zu darben in einem kargen Land wie bereits in der Bibel beschrieben, immerhin hilft dies auch gegen Diabetes.

  • Anh Toàn sagt:

    „Die Politik führender Zentralbanken – in der Schweiz, im Euroland, in Japan usw. –, die Leitzinsen bei oder unter null zu halten, hilft also vor allem jenen, die mehr ausgeben als sie verdienen.“

    Die führende Zentralbank ist die FED. Sie soll Donnie helfen, mehr auszugeben, als verdient wird: Die US Schulden wachsen schneller zu als die italienischen! Aber darüber wollen wir in der Schweiz nicht reden, wir reden über die italienischen Schulden und die böse EZB, die den EUR nicht aufwerten lässt zum Dollar. Der Donnie sagt das auch, nämlich!

    • Anh Toàn sagt:

      Warum sollte man die Zinsen anhand einer abstrakten Zahl (Null ist keine Zahl, aber lassen wir dies) beurteilen? Relevant sind die Zinsen verglichen mit dem USD, das ist die eigentliche Referenz in einer Dollarwelt.

      • Rolf Zach sagt:

        Wissen Sie, es ist völlig gleichgültig, wenn die SNB
        auf 250 Milliarden SFr in US$-Anlagen bei einem Kursrückgang auf 80 Rappen je 1 $, 50 Milliarden SFr verliert. Die SNB-Leitung wird noch belobigt und bekommt einen dicken Bonus. Dagegen wird einen sehr großen Tadel absetzen, wenn die SNB beim €-Bestand 15 Milliarden SFr verliert. Wir müssen darauf gefasst sein, dass unser Franken, wie zwischen 1971 bis 1981 und wieder 1985 (Plaza-Abkommen) gegen den $ stark aufwertet. Der € wertet auch auf gegen den $, aber gemäßigter.

        • Marcel Senn sagt:

          Zach: Selbst wenn der US$ vermutlich durch Zinssenkungen tatsächlich auf 0.8 sinken würde, dann könnte die SNB zwar 50 Mrd verlieren, hätte aber immer noch um 110 bis 117 Mrd EK – fast doppelt soviel wie vor der Finanzkrise.
          Und selbst wenn das passieren würde, würden die US Bonds eben auch ansteigen im Wert, die Aktien vermutlich nochmals einen Schub zulegen und dann wäre der Verlust nicht mehr 50 Mrd sondern einiges weniger.
          Die Amis kaufen unsere eh schon teuren Novartis- und Roche Medis dann immer noch.
          Und wieso sollte denn Jordan bei einem €-Verlust getadelt werden?
          Auf dem Schwundpfund hat die SNB auch wieder ca 2 Milliarden verloren seit Juni. Aber das stört die SNB Kritiker weniger, die meisten von denen finden den Brexit ja eine gute Sache

          • Marcel Senn sagt:

            kleine Korrektur: Ca 100 bis 107 Mrd EK hätte die SNB dann noch im schlimmsten Fall, Ende Juni waren es knapp 157 Mrd.

    • Rolf Zach sagt:

      Ihre Aussagen stimmen natürlich zu 100 %. Denken Sie, dass Ihre begründete Ansicht überhaupt hier in diesem Blog und erst recht außerhalb von diesem überhaupt interessiert. Die Mehrheit der Schweizer sind von Donnie begeistert und viele Reiche wünschen sich eine ähnliche Reduktion ihrer Steuern in der Schweiz wie in den USA. Auch ist Donnie sehr beliebt wegen seiner Gegnerschaft zum Sozialstaat, vor allem bei der SVP. Es sind oft die gleichen Leute, die in teuren Mietwohnungen sind und mit ihrer Stimmkraft verhindern, dass wir in der Schweiz als letzte in der Reihenfolge in Europa nur 42 % Wohneigentum haben (Italien 72 %, USA 64 %).
      Ebenso hat die USA die Hypotheken in Form einer Gült. In der Schweiz haben wir den Schuldbriefe, der viel mehr Elend verursachen kann.

      • Anh Toàn sagt:

        Wir sind halt in der Schweiz gegen die EU, das ist unser Feind, wir sind umzingelt, der Feind unseres Feindes ist unser Freund. Dass wir die EU als uns feindlich gestimmt betrachten, ist richtig, die EU gefährdet die Schweizer Nation: Wir sind Schweizer, weil wir CHF, AHV, Armee und halbdirekte Demokratie haben: Tritt die Schweiz den „Vereinigten Staaten von Europa“ bei, hat der schweizerische Bundesstaat kaum mehr Kompetenzen, eigentlich könnten die Kantone als Teilstaaten beitreten. Die Schweiz ist obsolet in einem vereinigten Europa sind die Schweizer wieder Deutsche, Franzosen und Italiener, wie die Sachsen, Friesen und Bayern bzw. die Bretonen und die Sizilianer. Die EU bedroht uns in unserer Existenz!

        • J. Kuehni sagt:

          Onkel Donald und seine weissen Ritter werden uns retten und gegen diese knoblauchfressenden, olivenöltrinkenden Kontinentaleuropäer verteidigen! Grönland bekommt er ja wahrscheinlich nicht, aber vielleicht will er ja die Schweiz nach der Kündigung der Bilateralen (Schweixit) günstig kaufen?

          „Nice little country you have here, would be sad if *something* happened to it…“

          • Rolf Zach sagt:

            Der mich amüsierende Sarkasmus der Herren Anh Toàn und J. Kuehni in Ehren. Die Schweiz hat sich immerhin mit Schweden zusammen seit 1848 aus dem kriegerischen Elend des Kontinents Europas heraushalten können. Es gibt Anzeichen, dass wir nicht nur dem Geld nachspringen (andere Nationen tun es auch), sondern nach wie vor mit einem EU-Beitritt zur wirtschaftlichen und kulturellen Blüte auf gemeinsamer demokratischer Plattform in Europa einen wesentlichen Beitrag leisten können.
            Trotz SVP haben wir einen realistischen Blick auf unsere Probleme und versuchen sie fachgerecht zu lösen.
            Unsere Helden sind nicht ein LeDuan, der es nicht verstanden hat, sein Land nach dem Frieden und Wiedervereinigung von 1975 zu versöhnen und deswegen noch heute eine gespaltene Gesellschaft ist.

          • Anh Toàn sagt:

            Hätte die Schweiz versucht, am ersten WK teilzunehmen, wäre sie auseinandergebrochen: Allenfalls hätte die Deutschweiz auf der einen und die Romandie auf der anderen Seite teilgenommen. Wie sagte der Deutschschweizer Offizier zum Romands, der feststellte, dass die Deutschen wissen, dass ihr Funkcode geknackt wurde; „Mais c’est nous, les allmends“.

  • Stefan W. sagt:

    Die Hauptprofiteure sind Hausbesitzer: Eigenheimbesitzer können mit den gesparten Zinskosten gewissermassen gratis ihre Hypothek tilgen und Mietshausbesitzer erhalten einen viel höheren Gewinn, da die Mieten nie so stark gefallen sind, wie es angesichts der Hypothekarzinsen möglich wäre.
    Staaten hingegen sollen Tiefzinsphasen wirklich nicht für neue Schulden missbrauchen. Denn wenn die Zinsen wider Erwarten wieder steigen, explodiert eine Bombe, die den Staat zerreissen kann.

    • Rolf Zach sagt:

      Vielleicht sollten Sie Ihr Abstimmungsverhalten überprüfen? Es würde sich lohnen.
      Haben Sie jemals etwas dagegen unternommen, dass der Staat radikal dafür gesorgt hat, dass es in der Schweiz mehr Hauseigentümer gibt, so wie bei unseren Nachbarn, den Österreichern (55 %). Dabei dürfen wir nicht vergessen, die Wiener wohnen mit einem sehr hohen Anteil sehr billig in ihren Gemeindewohnungen, was nicht mal die Bewohner der Stadt Zürich kennen, geschweige jene im Welschland.
      Die FDP will ja den Mieterschutz drastisch reduzieren, nur vor den Wahlen im Oktober hört man weniger davon. Dafür haben wir den Eigenmietwert, etwas was in Europa und den USA unbekannt ist.
      Hier bestimmt jeder Kanton selbst den diesbezüglichen Wert, was zu Gefälligkeiten führen kann.

      • Stefan W. sagt:

        Woher wollen Sie wissen, wie ich wähle und abstimme? Davon abgesehen finde ich es gar nicht schlecht: Als Hausbesitzer konnte ich dank Tiefzinsen viel mehr von meinen Hypotheken abzahlen, als ich ursprünglich budgetierte. Die Kehrseite der Medaille sind natürlich die schlechten Pensionskassenaussichten, die man aber mit abgezahltem Wohneigentum ein Stück weit kompensieren kann.

        • Rolf Zach sagt:

          Ihre Antwort als Hausbesitzer ist von bestechender Logik und stimmt in vielem mit meinen Ansichten überein. Gerade beim jetzigen Rückgang des Verhältnisses von Arbeitseinkommen zulasten des Einkommens aus der Pension, was für viele Altersarmut bedeutet, ist Hauseigentum zusammen mit der Abschaffung des Eigenmietwertes eine gute Absicherung für den Mittelstand, nur machen die Parteien für den Mittelstands nichts, sondern nur für die oberen 10 % der Einkommens- und Vermögens-Pyramide. Es wird auch ungenügend dafür gesorgt, z.B. mit
          Sozialwohnungen, dass die Kosten für die Unterschicht reduziert werden, ohne dass es nötig ist, die Steuern für den Mittelstand zu erhöhen.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.