Ein Notenbanker rechnet ab

Never Mind the Markets

Er sieht einen «schädlichen Effekt» der Banker: Englands Notenbankchef Mark Carney. Foto: Jason Alden (EPA, Keystone)

Mark Carney, Chef der Bank of England übt sich in Gesellschaftskritik und lässt sich über die Kultur des «Marktfundamentalismus» aus, die mit zur Krise geführt habe. Dass sich ein führender Notenbanker so äussert, ist kein Zufall.

Der Notenbanker der Woche ist zwar Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank, von dem am Donnerstag neue Massnahmen erwartet werden.  Doch hier steht sein britischer Kollege Mark Carney im Zentrum, aber dennoch auch die Notenbanken generell.

In einem Vortrag fand Carney für einen Vertreter seiner sonst durch Zurückhaltung auffallenden Zunft recht überraschende Worte.

Er hielt fest, dass in einer gewissen Weise der grundlegende Gesellschaftsvertrag zusammenbreche, auf den ein prosperierender inklusiver Kapitalismus nun einmal angewiesen sei. Ein solcher Gesellschaftsvertrag baue auf Werten und Überzeugungen (Beliefs) auf, die eine nachhaltig funktionierende Marktwirtschaft überhaupt erst funktionstüchtig machen würde. Werte und Überzeugungen – Carney sprach auch von Sozialkapital –, die dem System die Legitimität verleihen würden.

An welche Überzeugungen und Werte denkt der Notenbankchef?

«Social Capital refers to the links, shared values and beliefs in a society which encourage individuals not only to take responsibility for themselves and their families but also to trust each other and work collaboratively to support each other… For markets to sustain their legitimacy, they need to be not only effective but also fair.»

Im Vordergrund steht ein Verantwortungsgefühl für das Ganze und dessen Akzeptanz. Diese Akzeptanz der herrschenden Umstände ist aber eng damit verknüpft, dass grundsätzliche Chancengleichheit existiert. Diese sieht Carney nicht mehr gegeben.

Und das macht er für diese Entwicklung verantwortlich:

«My core point is that, just as any revolution eats it’s children, unchecked market fundamentalism can devour the social capital essential for the long-term dynamism of capitalism itself… In the decades prior to the crisis, such radicalism came to dominate economic ideas and became a pattern of social behaviour».

Schuld ist laut Carney der Marktfundamentalismus aus den Jahrzehnten vor der Finanzkrise. Dieser habe zur Zerstörung von Sozialkapital und zu einem letztlich schädlichen Muster von Sozialverhalten geführt. Wenig überraschend pflückt der Notenbankchef einen Bereich besonders heraus – die Finanzmärkte:

«Perhaps the most severe blow to public trust was the revelation that there were scores of too-big-to-fail institutions operating at the heart of finance. Bankers made enormous sums in the run-up to the crisis and were often well compensated after it hit. In turn, taxpayers picked up the tab for their failures. That unjust sharing of risk and reward contributed directly to inequality but – more importantly – has had a corrosive effect on the broader social fabric of which finance is part and on which it relies.»

Dass die Banker sehr viel mehr als alle anderen vor und selbst nach der Krise kassiert haben, aber durch Steuergelder gerettet wurden, habe zur Ungleichheit beigetragen und einen besonders schädlichen Effekt auf das Fundament ausgeübt, auf dem unsere Gesellschaft – und selbst die Finanzindustrie – beruht.

Wieso aber holt mit Mark Carney ausgerechnet ein Notenbanker zu dieser Gesellschaftskritik aus? Carney spricht es in seinem Vortrag an: Die Notenbanker stehen im Zusammenhang mit ihrer Politik vor, während und nach der Krise selbst in der Kritik. Kommt dazu, dass die Rolle der Notenbanken auch in Zukunft den Rahmen deutlich sprengen wird, der ihnen vor der Krise noch zugestanden wurde. Das bedeutet, dass sie sich nicht mehr auf die Geldpolitik im engen Sinn beschränken können und den grösseren gesellschaftlichen Zusammenhängen mehr Gewicht geben müssen. Der Reihe nach:

  • Mitverantwortlich für die Krise werden die Notenbanken insofern gemacht, als es gerade sie waren, die die aufkommenden Gefahren am besten hätten sehen müssen – durch ihre Geldversorgung und ihre Kenntnis des Finanzwesens –, und weil sie nicht dagegen getan haben. Das gilt ganz besonders für das Fed unter Alan Greenspan, der das Verhalten auf den Finanzmärkten nicht nur gegenüber weitsichtigen Kritikern (mehr dazu zum Beispiel hier) noch verteidigt hatte, sondern seine Geldpolitik geradezu in den Dienst der Banken stellte. Nicht zufällig war an den Finanzmärkten vom Greenspan-Put die Rede, weil dieser Fed-Chef stets mit Geldspritzen ausgeholfen hat, wenn die Kurse einmal einzubrechen drohen.
  • In der Krise waren es schliesslich ebenfalls vor allem die Notenbanken, die zur Rettung der Banken geschritten sind. Das gilt auch für die Schweiz, wo die Schweizerische Nationalbank die UBS gestützt hat. Die Rettung war allerdings unausweichlich. Die Banken fallen zu lassen, hätte zu einer weit grössere Katastrophe geführt. Doch wie es Carney gesagt hat: Dass ausgerechnet die Banker als Profiteure der letzten Jahrzehnte und trotz ihres verbreiteten unverantwortlichen Handelns gerettet wurden, verstösst gegen das Gerechtigkeitsempfinden.
  • Die praktischen Folgen der Notenbank-Politik – so hilfreich sie zur Verhinderung einer schlimmeren Krise auch war – haben auch sonst die Ungleichheit weiter verschärft. Diese Politik hat unmittelbar vor allem Kapitalanlagen begünstigt – und diese befinden sich vorwiegend in den Händen der Reichsten. Die Grafik unten zeigt die indexierte Kursentwicklung des wichtigsten US-Aktienindexes S&P500 seit dem Tiefpunkt am 9. März 2009. Wie der Verlauf zeigt, hat sich der Wert der Aktien so gemessen beinahe verdreifacht.
Boerse USA
  • Ursache für den Kursanstieg von Aktien und Anleihen waren die massiven Geldspritzen der Notenbanken, mit denen diese einen noch viel schlimmeren Absturz der Realwirtschaft verhindern konnten  (siehe unten die beiden interaktiven Grafiken am Beispiel der Bilanzen des Fed und der Schweizerischen Nationalbank). Damit haben die Notenbanken gezeigt, dass sie die Lehren aus der Grossen Depression der 1930er Jahre verstanden haben, als ihre damalige Zurückhaltung diese Krise überhaupt erst zur Katastrophe werden liess. Aussergewöhnliche Finanzspritzen – wie Käufe von Staatsanleihen und anderen Anlagen – waren nötig, weil die Leitzinsen selbst bei null noch zu hoch waren, aber nicht weiter gesenkt werden konnten.

  • So richtig dieses Handeln auch war und noch immer ist, so stellt es doch einen massiven Bruch mit dem dar, was vor der Krise für richtig gehalten wurde. Damals hatten Notenbanker nur eine Aufgabe: die Inflation stabil zu halten. Und nur ein Instrument dafür: den Leitzins. Die Aufgabe war eng gefasst, der  Entscheidungsspielraum sollte möglichst gering sein, denn Notenbanker sind nicht demokratisch gewählt sind. Zuviel Spielraum gefährdete ausserdem die Glaubwürdigkeit ihrer Politik. Diese hat für den Wert des Geldes eine grosse Bedeutung, mehr dazu hier.
  • Die Notenbanken stehen im latenten Verdacht, mit ihrem Handeln eine hohe Inflation und damit den Wert des Geldes zu riskieren. Dass in einer Liquiditätsfalle die Gefahr eher vom Gegenteil, nämlich einer zu tiefen Inflation oder sogar einer Deflation (einem sinkendes Preisniveau), ausgeht – wie sich fast überall noch immer zeigt –, ist angesichts der Dogmen der letzten Jahrzehnte trotz der darüber hinausreichenden historischen Erfahrung und jener seit der Finanzkrise nur schwer zu vermitteln. Die Idee, dass eine leicht höhere Inflation von Vorteil sein könnte – hier die Gründe – kann daher fast nur als weiterer Anschlag auf die Sparer interpretiert werden.
  • Wie zunehmend deutlich wird (siehe hier und hier) werden Notenbanker nicht so bald wieder zu ihrer beschränkten Rolle mit ihrem eingeschränkten (Leitzins-)Instrument zurückkehren können. Vieles spricht dafür, dass selbst nach einer konjunkturellen Erholung – die ebenfalls noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird – sowohl Wachstum als auch Zinsniveau im Vergleich zum früheren «Normalfall» tief bleiben werden. Das heisst, die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Notenbanken viel häufiger als in der Vergangenheit die Leitzins-Untergrenze erreichen und weiter auf aussergewöhnliche und umstrittene Massnahmen zurückgreifen müssen.
  • Nicht nur in der Schweiz hat sich gezeigt, dass das Instrument des Leitzinses besonders unter solchen Umständen nur noch beschränkt tauglich ist. Wenn er aus konjunkturellen Gründen nicht erhöht werden kann, muss mit anderen Massnahmen eine gefährliche Überhitzung von Teilmärkten – wie vor allem im Immobiliensektor – verhindert werden. Man spricht hier von sogenannten makroprudenziellen Massnahmen (wie etwa strengere Belehnungsgrenzen für Hypotheken, mehr Eigenkapital durch Kunden, striktere Tragbarkeitsbedingungen, raschere Amortisation, höhere Kapitalpuffer bei den Banken etc.). Auch das führt zu einem grösseren Einfluss der Notenbanken in der Wirtschaftspolitik.
  • Wenn die Banken bei einer Verbesserung der Wirtschaftslage die von ihnen geschaffenen massiven Geldmengen wieder abschöpfen wollen, werden sie auch das kaum über eine Erhöhung der Leitzinsen bewerkstelligen können. Auch hier sind sie zum experimentieren gezwungen (hier ein Beispiel), auch hier werden sie deshalb für ihr Handeln viel Erklärungsbedarf haben.

Der Entscheidungsspielraum der Notenbanker hat sich deutlich ausgeweitet, womit die Rechtfertigung für ihre Unabhängigkeit (von demokratischen Prozessen) zunehmend in Frage gestellt wird. Sie haben allen Grund, die grösseren gesellschaftlich/ökonomischen Prozesse mit ins Zentrum ihrer Überlegungen zu stellen.

 

68 Kommentare zu «Ein Notenbanker rechnet ab»

  • Michael Schwarz sagt:

    Ich bin der Meinung, dass die Notenbanker Chefs im Strafvollzug gehört, weil sie mit vollem Absicht das Wähurngssystemdestabilisieren, womit die Weltwirtschaft in der nächst häftige Krise zu steuern. Yellen streitet alle Verantwortung ab, weil sie für die Blasebildung im Finanzmarkt nicht verantwortlich wäre, bzw. nicht ihre Aufgabe wäre, was ist ein Schwachsinn.

    Ich kritisierte den Zentralbanken seit 4 Jahren, vor 4 Jahren sagte ich, dass die Zentralbank der Öffentlichkeit etwas belügen, jetzt zeigt der wahre Absicht, nämlich Zerstörung der Währungsstabilität, was zur Währungskrise führen wird. Die Wirtschaftsgeschichte zeige deutlich, wohin mit expansiver Geldpolitik führen wird.

  • Ita sagt:

    Ich habe noch den Vortrag von Mark Carney angehört. Er ist in der Tat überraschend. Es gilt ihn aber auch im Kontext zu sehen: Als ein Beitrag im Rahmen der Conference on Inclusive Capitalisme vom 27. Mai 2014. Es war eine Konferenz mit sehr illustren Exponenten der Finanzwelt, welche die vergangenen Fehlleistungen, die zur heutigen Schieflage, zumindest mitgetragen haben. Siehe: http://www.inclusivecapitalism.org/

    Mir kommt es eher als eine PR-Aktion vor auf die schlechte Presse der Finanzwelt und der damit verbundenen Vermögenselite, die kürzlich noch durch Publikation der englischen Fassung von Thomas Pickety’s Buch aufgeschreckt wurden und ihre Legitimität in Frage gestellt sehen. Hier die lesenswerte Sicht des Guardian dazu: http://www.theguardian.com/environment/earth-insight/2014/may/28/inclusive-capitalism-trojan-horse-global-revolt-henry-jackson-society-pr-growth

    Ebenfalls im Guardian Ende Mai erschienen ist ein interessanter Beitrag des Journalisten George Monbiot zum Thema Oekonomie: Die Diskussion, ob Kapitalismus oder nicht, ist letztlich ein diffuses Schattengefecht. Die wesentlichen Treiber der Ökonomie sind nicht die durch Geld geschaffenen Abhängigkeitsverhältnisse und Beziehungen zwischen Menschen, sondern die materielle Ausdehnung ökonomischen Tuns durch das Erschliessen fossiler Energien: Kohle, Öl, Gas – ein Prozess, der in Energieeinheiten gemessen, immer teurer wird (fallender EROI). Eine gute Zusammenfassung einer umfassenderen auf Realien fokussierte Diskussion: http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/may/27/if-we-cant-change-economic-system-our-number-is-up.

  • G. Nardone sagt:

    @Ueli:
    – „dass sie den Kapitalismus nicht so ganz begriffen haben“
    Und wo ist Ihre Erklärung & wo sind Ihre logischen Argumente dafür, dass ich es nicht begreife? Da Sie keine liefern, müssen wir schlussfolgern, dass Sie gar keine haben.

    – „Was ist an Profit “falsch”? Nun, für den Kapitalisten erst mal gar nix“

    Definieren Sie wer ein Kapitalist und wer keiner ist? Aber ich mache es für Sie: Da ‚Kapital‘ gemäss Marx nur produktiv-menschliche Arbeit sein kann, ist im kapitalistischem ‚System‘ jeder Wirtschafts-Teilnehmer, also jeder der irgendwie was körperlich oder geistig leistet, ein Kapitalist. Hierbei gibt es aber noch eine andere Ebene, oder es gibt 2 versch. Rollen von Kapitalisten, und zwar den Unternehmens-Eigner/Arbeitgeber sowie die Arbeitnehmer/Lohn-Arbeiter. Und da beginnt bereits ein Fehler von Marx, da während er ‚Kapital‘ richtig definiert oder versteht, unterscheidet er nicht zwischen diesen 2 Rollen und weist die Motivation zur Erzeugung des Mehrwerts nur einer Rolle zu, aber auch die Lohn-Arbeiter haben ihre Motivation Mehrwert mit ihrem Kapital zu erzeugen. Die Unterschiede liegen woanders.
    Und offenbar verstehen Sie unter ‚Kapitalist‘ auch nur den Unternehmens-Eigentümer, was zwar heute für Viele richtig ist, aber nicht wirklich im Sinne von Marx’s Definition von Kapital.

    – „da der Kapitalist seine ganze “Daseinsberechtigung” nur dem Mehrwert zu verdanken hat“

    Ja logisch, ist das natürlichste auf der Welt. Das Ziel und die Motivation jeglichen wirtsch. Unternehmens ist die Erzeugung von Mehrwert bzw. die Steigerung der Produktivität, selbst wenn die Lohnarbeiter die Eigentümer des Unternehmens wären, würde sich hierbei nichts ändern, in letzteren Fall würde sich aber etwas Anderes ändern, nämlich dass der Mehrwerts-Gewinn gerechter verteilt würde. Da dies nicht immer im vollem Umfang geschieht, rechtfertigt noch lange nicht das ganze ‚System‘ Kapitalsmus alleine deswegen zu verdammen, das ist ein logischer Fehler dem Marx selbst anheim fiel, gerade auch im Zusammenhang, dass ja ‚Kapital‘ immer nur menschlich-produktive Arbeit selbst sein kann.
    Und deshalb sind Gewerkschaften wichtig, das sie sich so gut wie möglich auf Augenhöhe der Unternehmens-Eigner dafür einsetzen, dass der Mehrwert gerecht auf die Lohn-Arbeiter verteilt wird. Wie hätte sich historisch der Kapitalismus entwickelt und wie würde die heutige kapitalistische Situation aussehen ohne Gewerkschaften? Ich behaupte, dass ohne Gewerkschaften der Kapitalismus schon längstens im Friedhof der Geschichte begraben liege.

    – „Es macht keinen Sinn für das einzelne Kaptial bei tendenziell sinkenden Profitraten (da nicht ideale Bedingungen der Kaptialverwertung wegen der heutigen organischen Zusammensetzung des Kapitals herrschen) die Löhne des schrumpfenden Humankapitals nach oben zu korrigieren, da es sonst seine eigene Substanz angreifen würde“

    Was meinen Sie genau mit einzelnes Kapital? Eine Maschine? Und was ist dann ‚ein einzelnes Human-Kapital‘?
    So, und jetzt sollten Sie anfangen klar zu sehen, wie falsch Sie liegen. Es ist nämlich gerade umgekehrt: Wenn die Löhne nicht nach oben korrigiert werden in diesem Fall (die Entwicklung oder die heutige organische Zusammensetzung des Kapitals), greift das Kapital seine eigene Substanz an!
    Denn man bezahlt einer Maschine (ein einzelnes Kapital) ja kein Lohn, und die Maschinen fallen ja auch nicht vom Himmel, sondern beinhalten vergangene menschlich-produktive Arbeit. Sowie sind Maschinen auch nicht Kunden, die die Erzeugnisse der Unternehmen oder Kapital-Eigentümer kaufen um sie zu konsumieren und der Kapitalist bzw. der Unternehmens-Eigentümer kann kein Geld für den erzeugten Mehrwert verbuchen und die Profitrate wird zu sinken beginnen.

    Ihr marxistisches Kapitalismus-Bashing ist somit … DEBUNKED.

    • ast sagt:

      „Wenn die Löhne nicht nach oben korrigiert werden in diesem Fall (die Entwicklung oder die heutige organische Zusammensetzung des Kapitals), greift das Kapital seine eigene Substanz an!“

      Was verstehen Sie unter „das Kapital“?
      Aus meiner Sicht lässt sich der Markt nicht derart anonymisieren, so dass man sagen könnte dass er für oder gegen „das Kapital“ arbeiten müsste. Es gibt Entitäten die mit Kapital hantieren, aber das Kapital selbst macht gar nichts von sich aus. Die aktuelle Lage sieht so aus dass jene die am meisten Kapital besitzen keinerlei Interesse daran haben die Lage zu ändern, es läuft im Moment alles zu ihren Gunsten. Es gibt ja auch kaum noch Marktregulierung durch die Privatwirtschaft , aber ein Satz von Draghi und schon rennen alle hin. Anstelle dass Menschen mit höheren Löhnen Dinge kaufen, ersetzt die EZB oder die FED den fehlenden Zaster durch die Bazooka, also braucht es keine höheren Löhne damit „das Kapital“ zufrieden ist.

  • Josef Anton sagt:

    Herr Carney will mit seinem Zugeständnis der Mitschuld mit dem Zeigefinger auf Alan Greenspan richtend seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen. Es ist natürlich richtig, dass aufgrund des weltweiten Einflusses das Fed in Bezug auf Geldpolitik wohl einen enormen Einfluss auf sämtliche Zentralbanken der Welt ausübt. Allerdings muss man nicht die Person Greenspan als Sündenbock verwenden, sondern die angewandte Doktrin der Zentralbanken näher untersuchen, welche offensichtlich auf falschen Annahmen, Theorien und Modellen beruhen muss, ansonsten Probleme solchen Ausmasses, welche langfristig betrachtet grundlegende Prinzipien, hier als Werte und Überzeugungen eines Gesellschaftsvertrages bezeichnet, verletzen.

    Was ist nun z.B. wirklich das Problem mit dem „Greenspan-Put“?

    Das „Greenspan-Put“ funktioniert als eine Art kostenloser Versicherung zugunsten der Finanzbranche, dessen Prämie sich z.B. für die USA alleine jährlich auf $80Mia. belaufen würde (Bloomberg). Wenn man in der Funktion der Zentralbank eine Branche mit rund 0,5% des GDP subventioniert, heisst dies, dass man diese Anteil des Kuchens allen andern entzieht. Das sich solch ein Operationsmodell bilden konnte, sind in erster Instanz die Zentralbanken selber verantwortlich und nicht die Kultur des „Marktfundamentalismus“. Carney nutzt die gegenwärtige Stimmung, welche sich gegen das neoliberale Gedankengut und die Banken richtet, in seiner Darstellung der Problematik schamlos aus.

    Durch diese Argumentationsweise versucht Herr Carney die Diskussion über die eigentlichen Fehler in der über Jahrzehnte verwendeten Doktrin der Zentralbanken zu verhindern. Die Frage der Inflation wird angesprochen, wobei weiterhin für deren Messung einzig der Konsumentenpreisindex als relevant betrachtet wird, als ob eine sich verändernde Geldmenge einzig im diesem Bereiche der Volkswirtschaft von Bedeutung wäre. Wir können trotz massiver Ausweitung der Geldmenge eine tiefe Inflationsrate (z.B. aufgrund entsprechender Produktivitätssteigerungen) ausweisen, was aber nicht heisst, dass sich durch die Inflationierung der Geldmenge langfristig keine negativen Konsequenzen melden werden. Es handelt sich in Tat und Wahrheit um diese Inflationierung der Geldmenge vergangener Jahrzehnte, welche aufgrund der dadurch erzeugten Fehlinvestitionen und Blasenbildungen (Ungleichgewichte) zu den heutigen Problemen führte.

    Versuchen Sie einmal ein Haus zu bauen, bei welchem ein Meter jeden Tag ein wenig kürzer wird. Das Resultat führt zu einem verzerrten unstabilen Gebäude. Wenn der Massstab zur Messung unserer Leistung dauerhaft in die gleiche Richtung verändert wird, führt dies automatisch zu einem verzerrten und unstabilen Systems.

    • Marcel Senn sagt:

      Der Jahrhundertversager Greenspan hat wirklich ein fatales Erbe hinterlassen. Der ehemalige BIS Chef William White hat ihm 2003 in Jackson Hole die zukünftigen Risiken von Greenspans Geldpolitik genau vorausgesagt und die Finanzkrise erschreckend genau vorausgesehen — der arrogante Greenspan hat ihn nur ignoriert und seine Schrottgeld- und Zinspolitik weitergefahren…
      William White – der Mann der zuviel wusste
      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65955004.html

      Ist zwar schon ein paar Jahre alt der Artikel, aber zeigt auf was für eine Pfeife Greenspan war!

      • Josef Anton sagt:

        Welcher Zentralbanker hat sich öffentlich gegen die Geldpolitik der Fed geäussert? Soweit ich mich erinnere, kein einziger. Na ja, können wir da nicht gleich alle ins gleiche Fach legen, da alle gleichartig indoktriniert sind/waren? Dies ändert natürlich nichts an der Gültigkeit Ihrer Aussage. Es gibt tatsächlich verschiedene Ökonomen, welche seine Geldpolitik kritisierten, jedoch keiner von denen ist heute an der Spitze einer Zentralbank. Vielleicht wollten Sie auch gar nicht mehr, nachdem der Karren in der Scheisse steckt.

  • ast sagt:

    „dass selbst nach einer konjunkturellen Erholung – die ebenfalls noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird ….“

    Wenn es denn eine konjunkturelle Schwächephase gewesen wäre, also übliche Schwankungen im Auslastungsgrad der Produktionspotenziale innerhalb von Volkswirtschaft(en). Man kann sich nicht von etwas erholen dass so gesehen gar nie stattgefunden hat.

    Was stattgefunden hat ist eine massive Überproduktion von Finanzmarktinstrumenten, also Papierwerten, mit der Folge dass es zunehmend unmöglich wurde deren Gegenwert in der Realwirtschaft abzubilden.

    Sowas hat es noch nie zuvor gegeben, weil es früher technologisch unmöglich gewesen wäre diese Menge laufend gedruckter Wertpapiere zu verwalten. Ich bestreite dass wir gegenwärtig eine typisch konjunkturelle Schwäche haben, wir haben vielmehr eine Bewertungskrise von Papieren -das hat alles mit der Realwirtschaft wenig zu tun, belastet diese aber fortlaufend. Wir haben dadurch zudem eine ethisch moralische Krise erhalten, weil wir nicht mehr wissen wem was gehört, oder wem was zusteht und wer wieviel für welche Leistung erhalten soll.

  • Marcel Senn sagt:

    Die Zentralbanken haben doch die Geldmenge gar nicht mehr im Griff. In England betrug die Geldmenge M3 2006 vor der Krise gut das 80fache von M0 – mit verschiedensten buchhalterischen Tricks wurde die Geldmenge immer mehr gestreckt, die massenweise Produktion von „Kunstgeld“ via Verbriefungen und dem Entwickeln von immer neuen Derivaten als geldähnliche Instrumente hat diese unselige Entwicklung begünstigt und jetzt müssen die ZB diese Schrottpapiere teilweise in ihre Bilanzen aufnehmen, damit wieder „gesundes“ Geld in den Geldkreislauf kommt.
    Die globale Bilanzsumme aller Zentralbanken beträgt mittlerweile fast 25% des Welt-BIP – tendenz vermutlich noch weiterhin steigend – kein Wunder auch – der globalen Geldmenge M3 von ca. 85 Bio $ stehen ja auch Schulden aller Art von mittlerweile über 175 Bio $ gegenüber – da erkennt sogar ein Laie, dass etwas ziemlich faul ist mit unserem globalen Geldsystem

    • Josef Anton sagt:

      Ich möchte auch meine faulen Kreditguthaben an die Zentralbanken abgeben können, hey. Da muss ich mich überhaupt nicht mehr um das Kreditrisiko kümmern, sondern kann mich vollumfänglich auf das Ausreizen des Hebels fokussieren. Ein geiles Geschäftsmodell, welches die Zentralbanken einigen Auserwählten offeriert.

  • John Peer sagt:

    Bin ich der Einzige, der innerlich aufstöhnen musste beim Schlagwort „Marktfundamentalismus“? Wie ironisch ist es, dass ein Zentralbanker dies als Ursache für die Probleme im Finanzsystem aufführt? Carney weiss genau, dass wir ein sozialistisches Geldsystem haben (das ist keine Pöbelei, sondern eine akkurate Beschreibung eines Systems mit staatlichem Geldmonopol und gesetzlichen, für jede andere Firma undenkbaren Privilegien für Banken). Warum sagt er dann so was? Diese Verlogenheit, und die unkritische Übernahme des Arguments durch MDM, ist haarsträubend.

    • Johnny Smith sagt:

      @ John Peer

      „Diese Verlogenheit, und die unkritische Übernahme des Arguments durch MDM, ist haarsträubend.“

      MDM ist nicht nur unkritisch diesbezüglich, er WILL dieses Argument übernehmen und sucht auch in seinen anderen, zu grossen Teilen unsinnigen Artikeln immer wieder nach solchen Argumenten, die sein Weltbild bestätigen. Das gilt zwar für wohl alle von uns, bei MDM fällt es aber extrem auf, da er auch noch besonders unsinnig und/oder widersprüchlich argumentiert.

    • Martin Holzherr sagt:

      Ebenfalls Zustimmung. Und: NIcht nur die Diagnose Marktfundamentalismus passt nicht zu den Ursachen der Fiinanzkrise, sondern auch der Zeitrahmen. Carney tut so, als sei das Problem erst in den letzten paar Jahrzehnten entstanden. Das stimmt nur teilweise. Die sehr geringe Eigenkapitalquote der Banken hat sich langsam über einen sehr langen Zeitraum als neue Norm entwickelt und die Eigenkaptialquote wurde nach jeder Finanzkrise jeweils noch kleiner, was der Economist in einem Heft vor circa 2 Monaten darauf zurückführt, dass der Staat immer intervionistischer wurde und immer stärkere Bereitschaft zeigte, angeschlagene Banken zu retten. (siehe hier http://www.economist.com/blogs/freeexchange/2013/02/equity-capital-requirements ). In dem angesprochenen Heft diagnostiziert der Economist eine immer engere Verquickung von Staat und Finanzwirtschaft in dem beide Seiten profitieren: Der Staat kann unter den Bedingungen seine Anleihen günstig plazieren und die (grossen) Banken wissen, das ihnen nichts passieren kann.

      • urs lehmann sagt:

        Zumindest für die CH stimmt der Zeitrahmen schon etwa, bspw erhielt die Forderung nach 20% EK-Rendite (und damit grösserer EK-Hebel) in der CH erst durch Martin Ebner Anfang/Mitte der 90er erstmals breite Publizität. Bei der EK-Diskussion sollten unbedingt auch die damals üblichen Stillen Reserven miteinbezogen werden, die offizielle Bilanz ist diesbezüglich nur bedingt aussagekräftig.

        Auch für die USA scheint er mir plausibel, sind doch bspw die meisten US-Investmentbanken im angegebenen Zeitrahmen von Partnerschaften in AGs umgewandelt und an der Börse kotiert worden, u.a. damit die bisherigen Besitzer (Partner) Kasse machen konnten. Eines der zentralen Merkmale einer Partnerschaft in diesem Sinne: Sämtliche Partner haften solidarisch mit ihrem Privatvermögen für die Verpflichtungen der Partnerschaft, erst die Umwandlung in eine AG erlaubte den Besitzern die teilweise immensen Hebel ohne die eigene Existenz massiv zu gefährden.

        Auch der economist-Artikel widerspricht dem nicht wirklich, wird doch im einen Fall eine Zeitreihe von 20, im anderen Fall von 30 Jahren benutzt.

    • Reto Stadelman sagt:

      Ich verstehe was Sie meinen. Ihre Denkweise geht aber an der von Carney fundamental vorbei.
      Sie sagen: Man hätte die Banken kollabieren lassen sollen. Der Markt hätte sich bereinigt.
      Er sagt: Wir konnten die Banken, die sich selber durch ihren Marktfundamentalismus den Boden weggezogen haben, nicht untergehen lassen weil sonst ALLE enorm darunter gelitten hätten.
      Wer hat nun Recht? Alles eine Frage der persönlichen Einstellung. Meine Meinung ist mehrheitlich gemacht. Der Neoliberalismus, der Marktfundamentalismus, dass sind die grossen Glaubensrichtungen die die Probleme verursacht haben. Wer genau nun Marktfundamentalist war, ob die Nationalbanken oder die Privatbanken, dass ist mir eigentlich egal. Wobei es in der Natur der Sache liegen dürfte, das Privatbanken stärker auf Profit aus sind. Daher…

      • Ueli sagt:

        @Reto Stadelman
        Der „Marktfundamentalismus“ ist vor allem pure Ideologie / Rechtfertigungstaktik für eine asoziale Sozialpolitik und weniger eine „ernstgemeinte“ wissenschaftlich gestützte „Meinung“ von irgendwas. Die Damen und Herren, die so etwas propagieren sind sich dieser Tatsache in den meisten Fällen durchaus bewusst. Im Endeffekt ist der Marktfundamentalismus die absolute Konsequenz des kapitalistischen Systems, welches im Kern asozial ist und die Beziehungen unter den Menschen nur als vergegenständlichte / entfremdete Transaktionen zwischen asozialen Monaden organisieren will.

      • Josef Anton sagt:

        @ Reto

        „Sie sagen: Man hätte die Banken kollabieren lassen sollen.“

        Dies sagt John Peer nicht, sondern dass das Problem durch ein sozialistisches Geldsystem kreiert wurde (das ist keine Pöbelei, sondern eine akkurate Beschreibung eines Systems mit staatlichem Geldmonopol und gesetzlichen, für jede andere Firma undenkbaren Privilegien für Banken).

  • Hampi sagt:

    Mark Carney kann zugutegehalten werden, dass Kanada die „Grosse Rezession“ im Vergleich zu USA/Europa sehr gut überstanden hat. Als Chef der kanadischen Zentralbank senkte er im März 2008 die Zinsen, während die EZB nur wenig später stur und unsensibel die Zinsen erhöhte.

    Also ist seine Erfolgsbilanz bestimmt besser als jene der EZB (wenigstens unter Trichet!)

    Schon aus diesem Grund ist Carney eine Erfrischung und seine Worte haben dehalb Gewicht.

    Kapitalismus funktioniert nur, wenn mehr oder weniger jeder spürt, dass es möglich ist, durch überdurchschnittliche Leistung einen Vorteil zu erzielen. Es muss möglich sein, durch Mehr-Leistung (körperlich, geistig, probieren, erfinden, etc.) einen besseren Lebensstil geniessen zu können.

    Es gilt also ungefähr: Kapitalismus = Meritokratie

    Das überforderte Empfinden der Volksseele in unserer Zeit seit der Krise ist aber: Kapitalismus = Banken.

    Dieser Irrtum ist verständlich, denn das Bankwesen ist ein wichtiger Teil des Kapitalismus. Aber Banken spielen auch eine Rolle in anderen Systemen.

    Aus dieser Sichtweise ist es unsinnig, für oder gegen die Banken zu sein. Man kann höchstens für oder gegen die Art und Weise sein, wie die Banken zurzeit innerhalb des Sytems organisiert sind.

    Und am Beispiel von Marcel Ospel sieht man schön, dass die Banken zurzeit nicht nach den Regeln des Kapitalismus (Meritokratie) funktionieren: Zwar wurde Ospel, nachdem er vor der Krise in der breiten Bevölkerung wie ein „Halbgott“ gefeiert wurde, verbannt. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass er mit ein paar Hundert Millionen Vermögen in den Ruhestand gehen konnte. Nächste Beispiele: Brady Dougan, Angelo Mozilo etc. etc.

    Das zeigt, dass ab einer gewissen Hierarchiestufe viel mehr das System eines „kommunistischen Politbüros“ (oder einer mafiosen Organisation), als Kapitalismus, vorherrscht.

  • Johnny Smith sagt:

    1. Zuerst übernimmt MDM die Kritik an den Zentralbanken und deren schlechten Massnahmen. Sie seien massiv mitverantwortlich an der Krise, oder mit seinen Worten:

    „Mitverantwortlich für die Krise werden die Notenbanken insofern gemacht, als es gerade sie waren, die die aufkommenden Gefahren am besten hätten sehen müssen … und weil sie nicht dagegen getan haben … Nicht zufällig war an den Finanzmärkten vom Greenspan-Put die Rede, weil dieser Fed-Chef stets mit Geldspritzen ausgeholfen hat, wenn die Kurse einmal einzubrechen drohen.“

    „In der Krise waren es schliesslich ebenfalls vor allem die Notenbanken, die zur Rettung der Banken geschritten sind.“ womit die Zentralbanken das Gerechtigkeitsempfinden und Sozialkapital zerstört haben.

    „Die praktischen Folgen der Notenbank-Politik … haben auch sonst die Ungleichheit weiter verschärft.“, womit die Zentralbanken weiteres ‚Sozialkapital‘ zerstört haben.

    2. MDMs Schlussfolgerung:

    a) Mach den Bock zum Gärtner! oder mit seinen Worten: „die Rolle der Notenbanken auch in Zukunft den Rahmen deutlich sprengen wird, der ihnen vor der Krise noch zugestanden wurde.“

    b) Was vorher schlecht war an der Politik der Zentralbanken (Greenspan-Put, zu tiefe Zinsen und zuviele, andauernde Geld-Spritzen, wachsende Ungleichheit) soll weitergeführt werden, oder mit seinen Worten: „Das heisst, die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Notenbanken viel häufiger als in der Vergangenheit die Leitzins-Untergrenze erreichen und weiter auf aussergewöhnliche und umstrittene Massnahmen zurückgreifen müssen.“

    Logische Schlussfolgerung wäre das Gegenteil: beschränke die Macht der Zentralbanken, baue die Massnahmen, welche zur Zerstörung von Sozialkapital geführt haben, ab: eliminiere Greenspan-, Bernanke-, Yellen-Puts, lasse die Märkte korrigieren und pushe sie nicht in immer schwindelerregendere Höhen. Unterstütze nicht die Finanzmärkte, sondern die Realwirtschaft. Richte die geldpolitiischen Massnahmen auf die Realwirtschaft aus und vergiss den Trickle-Down Effekt. Verstärke die Anstrengungen gegen toobigtofail-Banken, etc, etc

    • Josef Anton sagt:

      Auf den Punkt gebracht.

    • urs lehmann sagt:

      Ich glaube, Sie setzen die Kausalität falsch. Nach den Feuerwehr-Massnahmen bis meinetwegen 2010 (wahrscheinlich inkl. QE1) wäre es höchste Zeit gewesen, dass die Politik endlich ihrer Aufgabe gewahr wird. Da dies nicht geschah, und weiterhin nicht geschieht, glauben die ZB weiterhin ultra-expansiv fahren zu müssen, und können dies natürlich problemlos begründen.

      Solange die Politik schläft, müssen die ZB Ersatz spielen (und machen dies wohl nicht ungerne weil das ihrem Status durchaus förderlich ist).

      • Johnny Smith sagt:

        @ urs lehmann

        Ich bin absolut gleicher Meinung, dass es höchste Zeit gewesen wäre, ‚dass(2010) die Politik endlich ihrer Aufgabe gewahr wird‘.

        Wo ich zu anderen Schlussfolgerungen komme ist beim letzten Satz: „Solange die Politik schläft, müssen die ZB Ersatz spielen“. Nein, Geldpolitik ist nicht ohne Grund etwas anderes als Konjunkturpolitik oder besser formuliert, die Instrumente der Geldpolitiik wirken nur stumpf für Konjunkturpolitik. Die unerwünschten Nebenwirkungen exzessiven Gelddruckens sind grösser als die geringfügig positiven Wirkungen auf die Konjunktur. Der Ausflug ins Gebiet der Konjunkturankurbelung hat der Konjunktur bestenfalls mickrig geholfen, dafür aber aktiv mitgeholfen Sozialkapital zu zerstören.

        Wenn ein Medikament mehr unerwünschte Nebenwirkungen hat als gewünschte angestrebte Heilwirkung, sollte man dieses Medikament absetzen. Eine massive Chemotherapie kann als Krisen/Schocktherapie im Kampf gegen Krebs durchaus sinnvoll sein, ist aber als konstante Dauerlösung auf aggressivem Niveau kontraproduktiv. Die Zentralbanken sind überfällig beim Beenden des Krisenmodus und sollten wieder zurück zu Ihrer angestammten Aufgabe der Geldpolitik.

        • Ueli sagt:

          @Johnny Smith
          Vielleicht haben die Notenbanker aber auch erkannt, dass es kein „back to normal“ mehr gibt. Um Ihre Analogie zu bemühen: Der Arzt weiss in diesem Fall, dass er nicht mehr allzuviel für den Patienten machen kann – und entscheidet sich ihm die „grausame Wahrheit“ zu verschweigen, sodass er noch ein bisschen Geld mit ihm verdienen kann.

          • Josef Anton sagt:

            @ Ueli

            Sie mögen richtig liegen, wobei der Patient meist spürt, was Sache ist, wie dies wohl auch die Gesellschaft langsam spürt.

          • Ueli sagt:

            @Josef Anton
            Na dann hoffen wir mal, dass die Gesellschaft wenn sie eines Tages „etwas spürt“ nicht vor lauter Unwissenheit – im Affekt den unschuldigen Assistenzarzt (antstatt den Chefartzt) mit der Bettpfanne erschlägt.

          • Josef Anton sagt:

            Na ja, ich denke mal, dass es die Putzfrau erwischen wird, schliesslich wird bestens erklärt werden, dass ein kleiner Schmutzfleck in der Ecke des Zimmers das Problem verursachte.

          • Johnny Smith sagt:

            @ Ueli

            „Der Arzt weiss in diesem Fall, dass er nicht mehr allzuviel für den Patienten machen kann – und entscheidet sich ihm die “grausame Wahrheit” zu verschweigen, sodass er noch ein bisschen Geld mit ihm verdienen kann.“

            Wer weiss. vielleicht haben Sie recht. Ich bin nicht so ohne Hoffnung für die Wirtschaft (die wird sich nach einer überfälligen, notwendigen Korrektur wieder auf die Beine rappeln), aber selbst wenn Sie recht haben und die Lage hoffnungslos für den Patienten ist/wäre, bleibt meine Kritik / Schlussfolgerung: auch dann sollte der Arzt mMn mit offenen Karten spielen sprich die Zentralbanken nicht mit Mitteln, die mehr negative Nebenwirkungen als positive Wirkungen haben weiterpfuschen.

  • Joseph Mosele sagt:

    Geben Sie Ihren Kommentar ein …

  • Joseph Mosele sagt:

    Gedanken zur Stabilisierung.

    Die Bereitstellung des Kapitals erfolgt auf allen Stufen durch die Banken. Die Kredit-Mengenbestimmung für die einzelne Bank erfolgt über Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Die dazu notwendigen Algorithmen werden, durch von den kreditgebenden Banken ausgewählten Gurus selbst bestimmt. Die Gurus sind Spekulanten und urteilen situativ. Moralische oder ethische Fakten bleiben draussen vor. Die Gurus sind, wie es sich in der Schweiz zeigte (Bank von Kriegstetten, Thun, UBS, CSS, Sarasin etc.) nicht kontrollierbar oder werden bewusst durch die CEO und VR nicht auditiert. Eine Einschränkung der Kreditvergabe widerstünde der eingebürgerten Blattlausmentalität der Banken und Spekulanten. Die Blattläuse sind entlang der Geldflüsse eingenistet und entziehen Teile des kreditierten (Bau, Industrie, Gewerbe, Infrastruktur) und des sozialen (Pensionskassen, Versicherungen) Geldes durch Spekulation und Gebühren, und leiten sie in volkswirtschaftlich schädliche Blindstromsysteme. Diese minimieren die Versorgung der Wirtschaft und der Bevölkerung mit Geld und reduzieren das Bruttopsozialprodukt und somit den Wohlstand krass. Die Abhilfen sind bekannt: Transaktionssteuer und Vollgeld. Mit diesen beiden Instrumenten kann bei „bankengerechtwerdenden“ Regeln, das Vertrauen in unsere Finanzwirtschaft zurück gewonnen werden. Der Bankenplatz Schweiz erlebte eine Renesance und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stabilisierten sich deutlich.

  • Ueli sagt:

    Wenn ein Stammtisch-Bankerbashing vom obersten Banker Englands ausgeht – sollte man hellhörig werden. Im Endeffekt versuchen sich doch alle (Bürger, Politiker, Ökonomen, Banker) nur die „Schuld“ gegenseitig in die Schuhe zu schieben – ohne zu begreifen / zu erwähnen dass das ganze Schlamassel SYSTEMISCH bedingt ist. Die Banker mit ihren undurchsichtigen Geschäften, Vergütungen und Bail-Outs werden dann ganz einfach zum Hauptschuldigen des Systemkollaps hochstilisiert – sodass alle anderen ihre Hände in Unschuld waschen können und nicht weiter über ihre Rolle im Ganzen nachdenken müssen.

    • Reto Stadelman sagt:

      Es mag ja sein, dass das ganze ein Systemfehler ist. Es stimmt aber nicht, dass man diesem Systemfehler machtlos gegenüber steht. Und genau HIER haben die Banken auf ganzer Linie versagt. Sie haben „den Systemfehler“ massiv ausgenutzt und sogar ausgebaut. Damit haben sie genau den vom obersten Banker von England erwähnten „Gesellschaftsvertrag“ in Bedrängnis gebracht. Natürlich haben ihnen dabei die Politiker geholfen. Politik und Wirtschaft sind nunmal schwer zu trennen. Je nach Ansichtssache sogar gar nicht. Letzten Endes ist tatsächlich niemand unschuldig.
      Aber: Wollen wir das die an der Spitze sich so aus der Affäre herausreden können? Die gleichen Leute die den Arbeitslosen Faulheit vorwerfen? Die dem Armen sagen sie seien selber schuld? Diese Leute sollen sich nun um ihre Verantwortung drücken können? Mitleid ist nicht angebracht. Die Banken haben weltweit noch viel zu wenig gebüsst. Sie stehen an der Spitze einer Fehlentwicklung. Und ihnen die Schuld zu geben, ist nicht unfair, sondern nur folgerichtig. Sonst können wir gleich das ganze Konzept von Verantwortung und Führung in Frage stellen und die Anarchie ausrufen…

      • Ueli sagt:

        @Reto Stadelman
        Es handelt sich nicht einfach um einen „Systemfehler“, der da plötzlich von den „bösen Bankern“ ausgenutzt wurde, sondern um eine Grenze des Systems über die es nicht springen kann, da die Grenze (organische Zusammensetzung des Kapitals, welche sich durch den technischen Fortschritt immer mehr vom „Humankapital“ entfernt) in diesem Fall der Hauptbedingung des Systems (Profit zu generieren) diametral entgegengesetzt ist. Die Finanzindustrie ist in den letzten 30 Jahren genau in diese Lücke gesprungen – bis sich die Schlange selber in den Schwanz biss und die Kreditkette für die immer virtueller werdende „Realwirtschaft“ nicht mehr hielt. Da freilich keine „Alternative“ zum Kapitalismus zur Verfügung stand gab es ab diesem Zeitpunkt nur noch die Flucht nach vorne und die reissenden Kreditketten und der angekratzte Glaube mussten wenigstens notdürftig wieder „repariert“ werden. Diese Aktion war freilich nicht Folgenlos und liess im Endeffekt die „Realwirtschaft“ noch virtueller werden, als sie es ohnehin schon war. Der Ausnahmezustand wird nun zum „Normalfall“ erklärt und damit der Bankrott des Systems noch mal für ein Weilchen hinausgezögert.

        • Reto Stadelman sagt:

          „…in diesem Fall der Hauptbedingung des Systems (Profit zu generieren) diametral entgegengesetzt ist…“
          Das Problem des Kapitalismus ist doch seine unklare Definition. Was ist Kapitalismus? Marktglaube? Leistungsglaube? Machiavellismus? Etwas von allem? Sehr wahrscheinlich etwas von allem. Würde man den Machiavellismus zurückschrauben wären schon viele Probleme gelöst. Es ist ein komplexes System mit sich komplett unterschiedlich verhaltenden Teilnehmern. Eine Definition ist nicht so einfach zu finden und gegen andere Definitionen zu verteidigen.
          Ich behaupte, die Banken haben nicht einfach die Grenzen des Kapitalismus ausgelotet. Sie haben mehr getan. Sie haben die Grenzen der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes ausgelotet. Sie haben sich wie von Machiavelli beschrieben verhalten. Sie haben aktiv die Grenzen gesucht und gefunden. Und darum sind die Banken eben doch schuld. Würden sich die Banken so verhalten wie man es von einer anständigen Persoen erwartet, würde der Kapitalismus nicht in der Krise stecken.
          Aber ich weiss, Wunschdenken… Was getan werden kann wird getan. Und so bleibt uns nur die Gewissheit das alles vergänglich ist…

          • Ueli sagt:

            @Reto Stadelman
            Die Grenze des Kapitalismus wird durch seine eigene Dynamik der Profitmacherei auf Teufel komm raus geschaffen und nicht von aussen an ihn herangetragen. Mit „Vernunft“ und „gesundem Menschenverstand“ hat die Veranstaltung sowieso schon lange nix mehr zu tun (falls sie das je hatte) – ausser man findet es „vernünftig“, dass jedes menschliche Bedürfnis erst durch`s Nadelöhr der Kapitalverwertung sich legitimieren muss. Es gehört selber zur Ideologie, dass man dem Kapital i.a. und Banken insbesondere so etwas wie menschliche Eigenschaften (Schuldfähigkeit, Anstand, Vernunft) andichtet, sodass man sich der Illusion hingeben kann, dass man diese abstrakten Entitäten mit Moral, Gesetzen und Politik in den Griff bekommt.

        • G. Nardone sagt:

          @Ueli: Das ist ja marxistisches Gedankengut das Sie hier vertreten, was ich übrigens faszinierend finde, aber Marx irrt sich was diese sog. ‚Grenze des Systems‘. Aber zuerst was ‚Profit als Hauptbedingung‘ betrifft:
          Was ist an Profit falsch, wenn es doch bedeutet mehr zu erhalten als man dafür an produktive Arbeit aufgewenet hat, besser wäre die Bezeichnung ‚Produktivitäts-Gewinn‘ anstatt Profit. Was ist daran falsch, wenn ich nur 3 Stunden als 6 Stunden benötige um denselben Ertrag z.B. von Getreide zu erzielen, oder die Umkehrung desselben; in 6 Stunden den doppelter Ertrag davon, das ist doch Profit.
          Durch diesen Produktivitäts-Gewinn und einer bereits vorhandenen Arbeits-Teilung erreicht man, dass man weniger Menschen-Arbeit in dem Einen Bereich wie Landwirtschaft benötigt um dafür diese in anderen Bereichen einzusetzen wie Forschung, Schulen usw. Wir erhöhen ja nicht nur die Menge an materiellen Güter, sondern auch die Menge des Wissens. Was u.a. zu Technologie oder überhaupt zu einer allgemeinen gesellschaftlichen Emanzipation und Weiterentwicklung nebst Erhöhung des materiellen Wohlstands und der Freizeit.
          Erklären Sie mir was daran falsch ist, wenn es doch ein Ziel oder Wunsch der Gesellschaften ist?

          Zur ‚Grenze des Systems‘ des techn. Fortschritt; dieses Problem kann man lösen und zwar über die Entwicklung der Löhne; wenn das Humankapital in der Zusammensetzung abnimmt, kann oder muss man es mit einer Erhöhung von Löhnen kompensieren. Das wäre ja ganz im Sinne von Marx logisch; da die menschliche-produktive Arbeit (Humankapital) ja in der Technologie inhärent steckt und die Technologie das Humankapital ersetzt, sollte der erzielte Produktivitäts-Gewinn durch Technologie als zusätzlichen Lohn an das vorhandene Humankapital verteilt werden.
          Und deshalb sind Gewerkschaften für einen funktionierenden & florierenden Kapitalismus ungemein wichtig & unabdingbar. Leider betrachten viele Menschen auf der rechten sowie auf der linken Seite des ideologischen polit. Spektrums diese Aussage als ein Widerspruch, doch die Realität gründet in diesem Fall selbst auf ein Widerspruch …

          • Ueli sagt:

            @G. Nardone
            Es freut mich ja, dass Sie den Marxismus „faszinierend“ finden. Aber wenn ich Ihre Ausführungen über Profit / Mehrwert und die Grenze des Systems mir so durchlese – muss ich leider schlussfolgern, dass sie den Kapitalismus nicht so ganz begriffen haben.
            Was ist an Profit „falsch“? Nun, für den Kapitalisten erst mal gar nix – da er seine ganze „Daseinsberechtigung“ nur dem Mehrwert zu verdanken hat. Er ist per definitionem dazu gezwungen sein Kapital zu vermehren, da er sonst bald kein Kapitalist mehr ist. Diese „wundersame Vermehrung“ des Kapitals geschieht durch Aneignung von Mehrarbeit anderer Menschen. Es macht keinen Sinn für das einzelne Kaptial bei tendenziell sinkenden Profitraten (da nicht ideale Bedingungen der Kaptialverwertung wegen der heutigen organischen Zusammensetzung des Kapitals herrschen) die Löhne des schrumpfenden Humankapitals nach oben zu korrigieren, da es sonst seine eigene Substanz angreifen würde.

          • G. Nardone sagt:

            @Ueli:
            – “dass sie den Kapitalismus nicht so ganz begriffen haben”
            Und wo ist Ihre Erklärung & wo sind Ihre logischen Argumente dafür, dass ich es nicht begreife? Da Sie keine liefern, müssen wir schlussfolgern, dass Sie gar keine haben.

            – “Was ist an Profit “falsch”? Nun, für den Kapitalisten erst mal gar nix”

            Definieren Sie wer ein Kapitalist und wer keiner ist? Aber ich mache es für Sie: Da ‘Kapital’ gemäss Marx nur produktiv-menschliche Arbeit sein kann, ist im kapitalistischem ‘System’ jeder Wirtschafts-Teilnehmer, also jeder der irgendwie was körperlich oder geistig leistet, ein Kapitalist. Hierbei gibt es aber noch eine andere Ebene, oder es gibt 2 versch. Rollen von Kapitalisten, und zwar den Unternehmens-Eigner/Arbeitgeber sowie die Arbeitnehmer/Lohn-Arbeiter. Und da beginnt bereits ein Fehler von Marx, da während er ‘Kapital’ richtig definiert oder versteht, unterscheidet er nicht zwischen diesen 2 Rollen und weist die Motivation zur Erzeugung des Mehrwerts nur einer Rolle zu, aber auch die Lohn-Arbeiter haben ihre Motivation Mehrwert mit ihrem Kapital zu erzeugen. Die Unterschiede liegen woanders.
            Und offenbar verstehen Sie unter ‘Kapitalist’ auch nur den Unternehmens-Eigentümer, was zwar heute für Viele richtig ist, aber nicht wirklich im Sinne von Marx’s Definition von Kapital.

            – “da der Kapitalist seine ganze “Daseinsberechtigung” nur dem Mehrwert zu verdanken hat”

            Ja logisch, ist das natürlichste auf der Welt. Das Ziel und die Motivation jeglichen wirtsch. Unternehmens ist die Erzeugung von Mehrwert bzw. die Steigerung der Produktivität, selbst wenn die Lohnarbeiter die Eigentümer des Unternehmens wären, würde sich hierbei nichts ändern, in letzteren Fall würde sich aber etwas Anderes ändern, nämlich dass der Mehrwerts-Gewinn gerechter verteilt würde. Da dies nicht immer im vollem Umfang geschieht, rechtfertigt noch lange nicht das ganze ‘System’ Kapitalsmus alleine deswegen zu verdammen, das ist ein logischer Fehler dem Marx selbst anheim fiel, gerade auch im Zusammenhang, dass ja ‘Kapital’ immer nur menschlich-produktive Arbeit selbst sein kann.
            Und deshalb sind Gewerkschaften wichtig, das sie sich so gut wie möglich auf Augenhöhe der Unternehmens-Eigner dafür einsetzen, dass der Mehrwert gerecht auf die Lohn-Arbeiter verteilt wird. Wie hätte sich historisch der Kapitalismus entwickelt und wie würde die heutige kapitalistische Situation aussehen ohne Gewerkschaften? Ich behaupte, dass ohne Gewerkschaften der Kapitalismus schon längstens im Friedhof der Geschichte begraben liege.

            – “Es macht keinen Sinn für das einzelne Kaptial bei tendenziell sinkenden Profitraten (da nicht ideale Bedingungen der Kaptialverwertung wegen der heutigen organischen Zusammensetzung des Kapitals herrschen) die Löhne des schrumpfenden Humankapitals nach oben zu korrigieren, da es sonst seine eigene Substanz angreifen würde”

            Was meinen Sie genau mit einzelnes Kapital? Eine Maschine? Und was ist dann ‘ein einzelnes Human-Kapital’?
            So, und jetzt sollten Sie anfangen klar zu sehen, wie falsch Sie liegen. Es ist nämlich gerade umgekehrt: Wenn die Löhne nicht nach oben korrigiert werden in diesem Fall (die Entwicklung oder die heutige organische Zusammensetzung des Kapitals), greift das Kapital seine eigene Substanz an!
            Denn man bezahlt einer Maschine (ein einzelnes Kapital) ja kein Lohn, und die Maschinen fallen ja auch nicht vom Himmel, sondern beinhalten vergangene menschlich-produktive Arbeit. Sowie sind Maschinen auch nicht Kunden, die die Erzeugnisse der Unternehmen oder Kapital-Eigentümer kaufen um sie zu konsumieren und der Kapitalist bzw. der Unternehmens-Eigentümer kann kein Geld für den erzeugten Mehrwert verbuchen und die Profitrate wird zu sinken beginnen.

            Ihr marxistisches Kapitalismus-Bashing ist somit … DEBUNKED.

    • Reto Stadelman sagt:

      Es mag ja sein, dass das ganze ein Systemfehler ist. Es stimmt aber nicht, dass man diesem Systemfehler machtlos gegenüber steht. Und genau HIER haben die Banken auf ganzer Linie versagt. Sie haben „den Systemfehler“ massiv ausgenutzt und sogar ausgebaut. Damit haben sie genau den vom obersten Banker von England erwähnten „Gesellschaftsvertrag“ in Bedrängnis gebracht. Natürlich haben ihnen dabei die Politiker geholfen. Politik und Wirtschaft sind nunmal schwer zu trennen. Je nach Ansichtssache sogar gar nicht. Letzten Endes ist tatsächlich niemand unschuldig.
      Aber: Wollen wir das die an der Spitze sich so aus der Affäre herausreden können? Die gleichen Leute die den Arbeitslosen Faulheit vorwerfen? Die dem Armen sagen sie seien selber schuld? Diese Leute sollen sich nun um ihre Verantwortung drücken können? Mitleid ist nicht angebracht. Die Banken haben weltweit noch viel zu wenig gebüsst. Sie stehen an der Spitze einer Fehlentwicklung. Und ihnen die Schuld zu geben, ist nicht unfair, sondern nur folgerichtig. Sonst können wir gleich das ganze Konzept von Verantwortung und Führung in Frage stellen und die Anarchie ausrufen…

    • Reto Stadelman sagt:

      Es mag ja sein, dass das ganze ein Systemfehler ist. Es stimmt aber nicht, dass man diesem Systemfehler machtlos gegenüber steht. Und genau HIER haben die Banken auf ganzer Linie versagt. Sie haben „den Systemfehler“ massiv ausgenutzt und sogar ausgebaut. Damit haben sie genau den vom obersten Banker von England erwähnten „Gesellschaftsvertrag“ in Bedrängnis gebracht. Natürlich haben ihnen dabei die Politiker geholfen. Politik und Wirtschaft sind nunmal schwer zu trennen. Je nach Ansichtssache sogar gar nicht. Letzten Endes ist tatsächlich niemand unschuldig.
      Aber: Wollen wir das die an der Spitze sich so aus der Affäre herausreden können? Die gleichen Leute die den Arbeitslosen Faulheit vorwerfen? Die dem Armen sagen sie seien selber schuld? Diese Leute sollen sich nun um ihre Verantwortung drücken können? Mitleid ist nicht angebracht. Die Banken haben weltweit noch viel zu wenig gebüsst. Sie stehen an der Spitze einer Fehlentwicklung. Und ihnen die Schuld zu geben, ist nicht unfair, sondern nur folgerichtig. Sonst können wir gleich das ganze Konzept von Verantwortung und Führung in Frage stellen und die Anarchie ausrufen…

      • Reto Stadelman sagt:

        Die Doppelkommentare sind durch Übertragungsprobleme enstanden. Ich bitte um Entschuldigung und hoffe, dass ein Redakteur sie entfernen kann.

        • Gadient sagt:

          Gut geschrieben und überrascht, dies von einem Ex-Investmentbanker und FDP Politiker zu hören!

          • Ueli sagt:

            @Gadient
            Inwiefern ist es überraschend, dass ein FDP Politiker nicht das System aka Kapitalismus an sich kritisiert (sogar behauptet, dass man nicht so genau wisse was Kapitalismus überhaupt sei), sondern menschliche Eigenschaften wie „Anstand“ und „Moral“ beim Kapital vermutet (dies lernt man wohl auf den Universitäten) und deswegen „die Banker“ (wer das auch immer ist?) für die systemischen Probleme „zur „Verantwortung ziehen will“ – um dann resignativ festzustellen, dass dies sowieso nicht möglich ist? Freilich lange nachdem der Bailout passiert ist und man vorher sich dafür stark gemacht hat, dass das Volk ja keine sozialen Forderungen an den Bailout knüpft.

          • Reto Stadelman sagt:

            @Gadient
            Ich verstand mich als der FDP nahe (was sich in der zwischenzeit jedoch zum Teil geändert hat) war aber weder Investmentbanker noch aktiver Politiker. Dadurch überraschen mich ihre Mutmassungen doch etwas.
            @Ueli
            Sie driften weit ins politische ab. So ist es mir schwer möglich meinen Standpunkt zu verteidigen. Oder anders gesagt: Sie nutzen ein K.O. Argument, so ähnlich wie wenn ich sagen würde dass der Sozialismus gescheitert ist und daher ohnehin kein mitspracherecht habe. Ja ich bin überzeugt das Kapitalismus nicht per se amoralisch und schlecht ist. Meinem Verstädnis nach ist er leer. Eine Verwaltungsform in die jeder Mensch etwas anderes hinein intepretiert. Und nein, während meines Studiums wurde so was nicht geleehrt. Das ist ein eigener Erklärungsversuch. Offen gestanden erinnere ich mich nicht mehr daran, was uns zu dem Begriff gesagt wurde. Die gängige Lehrmeinung überzeugte mich aber wenig bzw. lies zu viele Fragen offen. Genau so wenig interessieren mich aber auch die Klischees.
            Letztlich gibt es kein perfektes System. Alles ist zum scheitern verurteilt wenn man es so sieht wie sie. Das ist Philosophie. Hätten Sie denn einen Vorschlag wie man es besser machen könnte? Was könnte das fehlerhafte System Kapitalismus beerben?

          • Josef Marti sagt:

            @Stadelmann
            Die Kapitalismuskritik scheint mir hier fehl am Platz und geht an der Sache vorbei. Herr J.Peer hat das weiter unten sehr schön formuliert.
            Infolge des staatlichen Geldmonopols ist die Finanzwirtschaft planwirtschaftlich organisiert und wird über die Realwirtschaft gestellt. Sieht man die bürokratischen Regeln zu Banklizenz, Berichterstattungs- und Revisions- Kontrollbestimmungen, Finma etc. an so erscheint das ähnlich wie die sowjetisch bürokratisierte und reglementierte Landwirtschaft.
            Notenbank und Geschäftsbanken sind untrennbar miteinander verknüpft, sodass von vornherein nicht von einer wettbewerbsmässigen Marktsituation unter Konkurrenzbedingungen gesprochen werden kann. Deshalb kann ein kostenkalkulatorisch berechneter Eigenkapitalzins ungehindert wie eine staatlich fiskalische Zwangsabgabe zulasten der Realwirtschaft und der privaten Haushalte, insbes. der verschuldeten Häuslebesitzer erhoben und problemlos durchgesetzt werden.
            In der Realwirtschaft kann niemand einfach so eine vorgefasste Wunschdividende gegenüber seinen Kunden einpreisen, da der Wettbewerb dies immer wieder mal verhindert.
            Wenn dem Staat eine direkte geldschöpfungsfinanzierte Defizitdeckung durch die Notenbank verboten wird, dann umgeht man das einfach indem die Geldschöpfung über das Bankensystem geschleust wird mit entsprechender Zusatzmarge zulasten Allgemeinheit bzw. zugunsten Boni, das nennt man institutionelle Bankenmästung.

            Wenn man schon solche Privilegien aufstellt, dann muss man sich nicht wundern, dass eine Kaste von Staatsangestellten herangezüchtet wird mit unbeschränkter Bonus- und Defizitgarantie zulasten Steuerzahler oder dann zulasten der Währung. Hayek und die Österreicher hatten das schon vor Ewigkeiten erkannt und deshalb die Entnationalisierung des Geldes gefordert.
            Letztlich bedingt dies dann aber die Abschaffung der Notenbanken, Privatisierung des Geldes, Verbot von Einlagenversicherung und jeglichen Rettungsmassnahmen weder zugunsten Sparer, Gläubiger noch Aktionäre; die EK Unterlegungsregeln sind dann auch überflüssig, weil niemand auf Hilfe bauen kann.

          • Reto Stadelman sagt:

            @Marti
            Von welcher Kaste Staatsangestellten sprechen Sie? Ich kann ihnen bei einigen Dingen nicht ganz Folgen.
            Die österreichische Schule hat schon einige nette Ideen, aber richtig warm werde ich nicht mit ihr. Erinnern wir uns nur mal an die chaotischen Zustände in der Zeit des europäischen Mittelalters. Geld war damals eine riskannte Sache. Banken und Währungen sind regelmässig kolabiert. Wollen wir das wirklich? Glauben Sie, dass das heute anders wäre?
            Ich glaube, die Möglichkeit für Private der eigenen Geldschöpfung würde wohl sehr schnell zu Kartellen führen. Einige wenige Noten würden sich durchsetzen und dennoch regelmässig kollablieren. Oder aber die Schulden würden durch Krieg gedeckt werden. Wie auch immer, ich kann der österreichischen Idee irgendwie nicht viel abgewinnen. Das klingt mir zu sehr nach Rückschritt.

          • Ueli sagt:

            @Reto Stadelman
            Man muss Ihnen zu Gute halten, dass Sie wenigstens den Versuch unternehmen – sich eine Welt ohne Kapital vorzustellen. Trotzdem scheint mir dieser zaghafte Versuch direkt wieder in Apologie des bestehenden Systems umzuschlagen. Sie sind zwar nicht naiv genug zu behaupten, dass der Kapitalismus die „Beste aller möglichen Welten“ geschaffen hat – aber sie verfallen sofort in einen übertriebenen Relativismus und behaupten gar, dass der Kapitalismus „leer“ sei und sein Inhalt reine „Interpretationssache“. Das ist doch Quatsch! Wenn überhaupt ist das Gegenteil der Fall: Der einzelne Mensch / die einzelne Firma / der Staat findet sich in einer Welt wieder – in der er entweder nach den vorgegebenen Spielregeln der Kapitalakkumulation funktioniert (Konkurrenz, Jagd nach Profit, Ausdehnung der Produktion, Wachstumszwang und wie all die schönen Dinge heissen) oder er geht im wahrsten Sinne des Wortes vor die Hunde. Wo gibts denn bei dieser Sache irgendetwas zu „interpretieren“?
            Meine Kritik an den bestehenden Verhältnissen (Beziehungen unter Menschen im Endeffekt) führt mich nicht zwangsläufig zum „Stein der Weisen“, der mir von a-z ein „perfektes System“ als Alternative präsentiert. Meine bescheidene „Forderung“: Zuerst sollen mal alle Menschen auf diesem Planeten genug zu essen haben und ein Dach über dem Kopf – dann können wir uns über die weiteren Schritte „Richtung Paradies“ Gedanken machen.

          • G. Nardone sagt:

            @Josef Marti:
            – „staatlichen Geldmonopols ist die Finanzwirtschaft planwirtschaftlich organisiert“
            Private Banken schöpfen auch Geld und zwar viel mehr als Zentral-Banken, sie drucken dieses Geld zwar nicht auf Papier, sondern sie buchen es auf dem Computer, früher fand das in Büchern statt, deshalb nennt man dieses Geld auch Buch-Geld und da die meisten Transaktions-Summen sowieso bargeldlos stattfinden, funktioniert das auch.
            Und diese Buch-Geld-Schöpfungen seitens der privaten Banken finden statt, sobald ein Kredit vergeben wird mittels der Buchung ‚Forderung an Verpflichtung‘ – eine Billanzverlängerung, ist deshalb ganz im Sinne von freier Markt-Wirtschaft und nicht Zentral-Planung. Die Vorschriften der Eigenkapital-Quote begrenzen das Ausmass der möglichen Buchgeld-Schöpfungen.
            Und deshalb braucht es auf jeden Fall Regulierungen und Bank-Aufsichts-Organe, das wäre ansonsten allzuschön für die Bank-Eigner, können Sie mir folgen …
            Also gibt es bereits und das schon seit sehr lange, was die Österr. Schule fordert; die privaten Banken kreieren ihr eigenes Geld, sie benützen zwar die gleiche Währung innerhalb einer Nation, was ja auch völlig Sinn macht, denn Geld ist Buchhaltung, Zahlen, sie bewerten Werte, sind in sich selbst aber keine, wäre heutzutage äusserst uneffizient. Dass es in der Welt immer noch Währungen gibt, ist ein mittelalterliches & überholtes Überbleibsel als Monarchen zur Definierung ihres wirtsch. Einzugs-Gebietes ihr Geld damit markierten. In der heutigen modernen Zeit von Globalisierung & Informations-Technologie machen Währungen keinen Sinn mehr.
            Und bevor Sie dazu einwenden, dass die heutige EURO-Situation als Währungskris etwas ganz anderes beweise, muss ich einwenden, es gibt keine EURO-Krise, in der EURO-Zone haben wir eine oberflächlich betrachtet strukturelle Wettbewerbsfähigkeits-Krise zwischen versch. EURO-Ländern. Und das hat mit der Währung nichts zu tun, sondern hauptsächlich mit der Diskrepanz der Entwicklung von Lohnstück-Kosten bzw. Inflation zwischen Euro-Nationen.

            Und natürich gibt es einen Wettbewerb zwischen Banken, der übrigens, zwar auf einer anderen Ebene, den Wettbewerb zwischen privaten Nicht-Banken wiederspiegeln, schliesslich stammt alles Geld von Banken und Geld ist Buchhaltung; geht ein sog. realwirtsch. Unternehmen bankrott oder gerät es in Schwierigkeiten, geschiet dasselbe auf irgendwelchen Bank-Büchern, da sie ja alles Geld im Austausch von Pfänder der Real-Wirtschaft geliehen haben.

            Eigentlich sind Banken eine Art von reine Treuhänder: Ihre Aufabe ist sicherzustellen, dass real-wirtsch. Unternehmen und Arbeiter, die sich gegenseitig Kredit in Form von Sach- & Human-Kapital verleihen, dass diese Kredite untereinander auch bedient werden, gleichzeitig teilen sich die Nicht-Banken mit den Banken das Risiko all Unternehmen, und für diese Mithaftung des unternehmerischen Risiko der real-wirtsch. Unternehmen, rechtfertigen die Banken ja die Erzielung von Gewinn.

            – „Sieht man die bürokratischen Regeln zu Banklizenz, Berichterstattungs- und Revisions- Kontrollbestimmungen, Finma etc.“
            Es waren gerade Deregulierungen sowie Beschränkungen und Minderung des Personals von Bank-Aufsichts-Organe in den USA, die das Finanz-Debakel anrichteten.

          • Josef Marti sagt:

            Nardone:
            Zwischen Geld und Gütermartk bestehen nun mal keine gleich langen Spiesse. Vom KMU der Kredit will verlangt man dass er eine vernünftige EK Quote von 20 bis 25% hat, die Bank hingegen braucht praktisch kein EK.

            Natürlich besteht eine Geldschöpfung der Geschäftsbanken, dies ist aber nur möglich als Trittbrettfahrer des Geldmonopols und wenn die staatlich verordnete Lizenz erteilt wird; die Banken sind nichts anderes als staatliche Departemente der Zentralplanung. Von Wettbewerb zu sprechen ist reiner Hohn und lächerlich. Ein freier Unternehmer braucht keine Lizenz um ein Geschäft zu betreiben. Die aufgrund eines Monopols erteilte Lizenz ist nicht zu verwechseln mit einem Gewerbepatent oder Fähigkeitszeugnis zB eines Arztes. Die Monopollizenz ist nichts anderes als die staatlich verordnete Ausschliessung von potenziellen unliebsamen Konkurrenten. Das Bankensystem würde übrigens problemlos in Form von Staatsdepartementen als Versorgungssystem für die Realwirtschaft funktionieren; nur wäre dann die Casinoabteilung geschlossen, das ist der einzige Grund weshalb nach aussen der falsche Anschein von freier Marktwirtschaft in der Finanzwirtschaft gepflegt wird. Auch die Notenbank könnte genauso gut als öffentlich rechtliche Anstalt geführt werden. Das macht man nur deshalb nicht, um den falschen Anschein der Unabhängigkeit zu wahren und die Bürger zu täuschen bzw. über den Tisch zu ziehen.
            Und dass die EURO Krise nichts mit der Währung zu tun habe ist wohl grund falsch. Gerade wegen des festen Wechselkurssystems (oder Einheitswährung was dasselbe bewirkt) und deshalb fehlendem Ausgleichsmechanismus eines freien Kurses auf dem Devisenmarkt führen die unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeiten bzw. Inflationsraten zu realen Aufwertungen im Süden und realen Abwertungen im Norden und deshalb zu einem Niedergang der Binnen- und Exportwirtschafte des Südens. Das müsste doch eigentlich endlich klar sein.

          • G. Nardone sagt:

            @Josef Marti:
            – „Zwischen Geld und Gütermartk bestehen nun mal keine gleich langen Spiesse. Vom KMU der Kredit will verlangt man dass er eine vernünftige EK Quote von 20 bis 25% hat“
            Das stimmt, Banken sind einerseits äusserst knauserig oder übervorsichtig aus Angst vor Risiko, und KMU’s & Selbstständige finanzieren sich hauptächlich durch Freunde, Familie, Angel Investors – andererseits verfallen sie hie & da auch der Gier, was auch logisch ist, weil die Gier der emotionale Partner der Angst ist, wie wir in der Finanz-Krise miterleben durften, das ist halt eine menschliche Sache. Aber jeder prof. Finanz-Trader, wenn auch eher die selbstständigen Traders, weiss, dass wenn man die Emotionen von Angst & Gier beim traden nicht im Griff hat, das der schnellste Weg zum Bankrott ist.

            – „Banken sind nichts anderes als staatliche Departemente der Zentralplanung“
            Wo ist denn diese unheimliche Zentralplanung, wenn private Banken auf eigene Rechnung Unternehmen finanzieren & mit diesen mithaften? Wenn sie aber auf die versch. Rettungs-Massnahmen von Banken seitens von Staaten hinauslaufen, dann ist das ein anderes Thema, wobei Sie dabei Recht haben, diese Rettungen dürften nicht sein, aber eben, das ist noch ein komplexeres Thema sondergleichen.

            – „Von Wettbewerb zu sprechen ist reiner Hohn“ – „Die Monopollizenz ist nichts anderes als die staatlich verordnete Ausschliessung von potenziellen unliebsamen Konkurrenten“
            Wenn es ja in Ihrer Meinung keinen Wettbewerb zwischen Banken gibt, erübrigt sich ja die Ausschliessung von Konkurrenten.

            – „fehlendem Ausgleichsmechanismus eines freien Kurses auf dem Devisenmarkt führen die unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeiten bzw. Inflationsraten zu realen Aufwertungen im Süden und realen Abwertungen im Norden“
            Der Ausgleichsmechanismus freier Kurse kann locker ausser Kraft gesetzt werden durch Zentral-Banken und Spekulanten.
            Und der fehlende Ausgleichsmechanismus freier Kurse bei einer Gemeinschaftswährung kann auch leicht ersetzt werden indem die unterschiedlichen Länder sich EINER gemeinsamen Inflationsrate anpassen und stets verfolgen. Die Euro-Zone hatte 1,9% Inflation pro Jahr als Regel vorgeschrieben und fast keiner ausser Frankreich hat sich daran gehalten. Einerseits ist das den Eu-Zentralbänker, oder wer auch immer dafür verantwortlich ist, nicht aufgefallen, andererseits kann man sie auch entschuldigen, weil Zentral-Banken keinen Einfluss auf die Rate der Inflation ausüben können, sie können sie nur finanzieren. Die Inflation wird von den Lohnstück-Kosten (Löhne im Verhältnis zur Produktivität) bestimmt. Und deshalb ist eine gemeinsame Gewerkschaftspolitik oder eine Gewerkschafts-Union in der Euro-Zone dringenst von Nöten.

            – „und deshalb zu einem Niedergang der Binnen- und Exportwirtschafte des Südens“
            Nein, nicht die Binnenwirtschaft hatte während der Euro-Zeit gelitten im Süden oder in Frankreich, sondern der Export, in Deutschland das Umgekehrte, die Binnenwirtschaft hatte Null Wachstum, die Exporte sind explodiert! Und das haben die deutschen mit Lohndumping hingekriegt, die Entwicklung der Lohnstück-Kosten & somit der Inflation war tiefer als alle anderen Länder. Die franz. Binnenwirtschaft z.B. hatte höheren Wachstum als die deutsche.

          • Josef Anton sagt:

            @ Josef Marti

            Die Sachlage ist auch ohne weitere Antwort für jeden ausser einem klar.

          • Josef Marti sagt:

            Dann halt nochmal Nardone:
            In Ihren Aussagen sehe ich praktisch keine anderen Schlussfolgerungen die nicht schon gemacht wurden; betr. Euro verwechseln Sie ständig Ursache und Wirkung.
            Sie verstehen nicht die Auswirkungen der Veränderung von realen Wechselkursen. Wie berechnet sich der reale Wechselkurs (hier aus Sicht Südeuropa): Preisniveau Inland / Preisniveau Ausland (jeweils in Landeswährung) multipliziert mit dem nominalen Wechselkurs in Mengennotierung (nicht in Preisnotierung!); ergibt dieser Term eine Zahl >1 liegt eine reale Aufwertung vor, also höheres Preisniveau im Inland (bei genau 1 herrscht KKP), bei 1 also reale Aufwertung. Dass reale Aufwertung va. gegenüber angrenzender Gebiete den eigenen Binnenmarkt innert Kürze leerfegt ist die logische Folge und konnte bei der Wiedervereinigung Ost in D mit DM Einführung 1:1 sehr schön verfolgt werden; Ost-D war innerhalb kurzer Zeit zu wirtschaftlichem Brachland degradiert. Hätte Ost- D eine eigene Übergangswährung gehabt, wäre diese schwächer gewesen und würde wie eine Schutzhülle wirken und die Importkonsumschwemme verhindern weil die Bürger sich den Auslandkonsum wegen dem teureren Umrechnungskurs nicht leisten könnten.

            Dass die Preisniveausteigerung im Euroland entlang der Entwicklung der Lohnstückkosten erfolgte und dadurch die verschiedenen Inflationsraten innerhalb derselben Währung bewirkte wurde in früheren Beiträgen bereits ausführlich dargelegt. Ebenso die Tatsache, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht dasselbe ist wie Produktivität, die bessere Produktivität deshalb mit einer relativen Senkung der Lohnstückkosten erreicht wird; F war gleich produktiv wie D, hatte aber höhere Lohnstückkosten und war deshalb wegen der Preisniveausteigerung weniger wettbewerbsfähig als D, das führt in einem Festkurssystem zwingend zur realen Aufwertung und somit zu Importüberschuss gegenüber D. Der BMW wird im Vergleich zum Peugeot eindeutig zu billig verkauft und drängt den F-Markt wegen der realen Aufwertung infolge fehlendem Ausgleichsmechanismus des freien Wechselkurses somit an die Wand.

            Dass Spekulationen (va. mittels carry trades) auch freie Wechselkurse beeinflussen können ist ein alter Hut aber hier ein sehr schwaches Argument. Gerade in einem festen Kurssystem wie dem EWS führten Währungsspekulationen damals zum Ausscheiden von GB aus dem EWS, Länder wie Schweden die sich angekoppelt hatten mussten die Parität aufgeben und abwerten. Gerade wegen diesen Auswirkungen hat man sich in die Einheitswährung geflüchtet. Somit treffen die aktuellen jetzigen Währungsspekulation va Länder ausserhalb des Euroraums wie Ungarn, Island, Ukraine, Türkei. Abgesehen davon sind Währungsspekulationen in festen Wechselkurssystemen für die Spekulanten praktisch risikolos, weil man den Einsatz abgesehen von Spesen gar nicht verlieren kann wenn man die Wette verliert.

      • George Aengenheister sagt:

        @ G. Nardone 19.43: Gut gebrüllt Löwe. Aber welche Art Geld ist denn der Besitzstand-Reichtum? Losgelöst von der Bürde der gemeinen Arbeit? Diesem Geld rennen doch die Banken hinterher und versuchen, mitunter fast kriminell, es zu mehren, mitunter auf Kosten der gemeinen Leute und damit werden grosse Jachten gekauft und Flugzeuge, teure Uhren und andere goldene Kälber, derweil ein grosser Teil einfach nur leidet. Die Marktwirtschaft ist sehr effizient und unsichtbare Hände schützen und schmieren vor allem eines: Wer hat, dem wird gegeben. Aber wie haben sie es geschafft, vor vielen hundert Jahren Städte wie Siena zu erbauen, welche die Sinne umfassend erfreuen und von uns bleibt doch eigentlich nur Müll übrig? Neulich auf der Mülltrennstelle beim Alteisen fragte ich den Herrn neben mir: Wieso haben wir soviel Müll? Postwendend: Weil wir soviel Geld haben.

        • G. Nardone sagt:

          @George Aengenheister:
          – „Aber wie haben sie es geschafft, vor vielen hundert Jahren Städte wie Siena zu erbauen, welche die Sinne umfassend erfreuen“
          Das frage ich mich manchmal auch, aber Sie vergessen dabei noch Florenz, Venedig, Rom und in Paris, München, Köln, London, Barcelona und Bern gibt es auch wunderbare Architektur.
          Heute haben wir dafür Manhattan (New York), Shanghai, Tokyo, Dubai.
          A propos Siena, Florenz und Venedig in der Renaissance, es war ja gerade dort der Beginn was wir heute modernes Banking nennen. Und vergessen wir nicht, vor der Renaissance war das sogenannte dunkle Mittelalter, für viele Jahrhunderte gab es ja kaum Entwicklung, man könnte sagen, dass wir im Moment auch ein wenig in einem Mini-Dunklen-Zeitalter stehen, aber danach kommt bestimmt wieder eine neue Art von ‚Renaissance‘. Ist wie eine Wellenform; auf und ab und auf und ab …

          – „Wer hat, dem wird gegeben“
          Das stimmt ja schon, aber es wird auch einem gegeben, der eine neue Idee, Innovation, Kunst, Performance hat, aber kein Geld …

          • George Aengenheister sagt:

            @ Nardone und J. Anton: Aber vor dem Bau von Siena müssen die damaligen Bauherren eine Vorstellung von der zukünftigen Stadt gehabt haben, an der dann zweihundert Jahre Stein um Stein gewerkelt wurde. Für 60 Tausend Menschen, Arme, Reiche, Heilige, Sündige, den ganzen sozialen Kit, mit der Absicht, die Sinne zu erfreuen. Und bei uns entstehen Kauf-Tempel, zu denen bunte Blechlawinen pilgern, und Tand zu kaufen, bloss weils billig ist. Kurz: Wir sind sehr effizient in der Produktion, aber wir tun das Falsche, weil nicht nachhaltig und verbrauchen eine Menge Erdoel dabei, eine Gesellschaft mit Tempo 200 auf der Stasse des individuellen Erfolgs, doch der Tank ist leider bald leer. Bedenken Sie doch, wie enegieeffizient eben als Beispiel Siena im Verlauf der letzten sechshundert Jahre funktioniert. Für jeden ist innert zweihundert Meter alles vorhanden, was das Herz begehrt: Einkauf, Liebe und Absolution von sündvollem Tun. Wir hingegen schämen uns nicht mal mehr für unseren Konsumrausch und betrachten die Verlierer mit dem Hochmut des Stärkeren: Selber schuld an deinem Elend. Dabei steht doch in der Präambel unserer Verfassung: Die Stärke der Gemeinschaft misst sich am Wohl der Schwachen. Dort müsste die Strasse hinführen, doch weit gefehlt, die Uhren werden teurer, die Jachten und Privatjets länger und die Menschen betäuben sich, um es auszuhalten.

          • G. Nardone sagt:

            @George Aengenheister:
            – „(Siena:) Für jeden ist innert zweihundert Meter alles vorhanden, was das Herz begehrt: Einkauf, Liebe und Absolution von sündvollem Tun.“
            : – )
            Ja aber Siena ist eine kleine Stadt und die Altstadt birgt wie viele Einwohner? Und grundsätzlich stimmt was Sie sagen, doch wir sollten unsere Persperktive erweitern auf unsere historisch-kulturelle Entwicklung. Ab dem 18. Jahrhundert gab es einen explosionsartigen Bevölkerungs-Wachstum, global, gut, bei den Einen Völkern früher bei Anderen später wie Afrika, aber in in Europa gab es eine 2. Welle massiven Bevölkerungs-Wachstum kurz nach 2. Weltkrieg. Schauen Sie sich mal hier die Statistik an und man stelle sich die Herausforderung vor die der Menschheit bevorstand. Gerade was die Versorgung von Lebensmitteln betrifft hat Öl hat diese Entwicklung entscheidend mitgetragen und überhaupt war es der Wunsch der damaligen wie auch noch der heutigen Bevölkerung; als einzelner Mensch sowie auch als Gesellschaft mehr zu haben, genauso die noch unterentwickelten Länder heute, die wollen auch mehr. Und dabei kann man nicht erwarten, dass in dieser Entwicklung alles perfekt abläuft. Und die Evolution ist ja noch nicht am Ende. Klar, wir benötigen neue Ideen und Innovationen, doch man arbeitet daran …

            Ich bewundere auch die Bauten der Gotik von Paris, Gent, Köln, Mailand usw., der Renaissance mitsamt der Kunst sowie des Barock in Rom usw. Die Moderne ist hierbei vielleicht etwas spärlich. Die Kunst der Sinnlichkeit verlagerte sich vielleicht auf andere Gebiete, denn der Einzelne hat heute weit aus mehr Vergnügungsmöglichkeiten als noch ein König im Mittelalter. Doch gibt es auch moderne Kunstwerke wie das Opernhaus von Sydney, die Bauten vom span. Architekten Calatrava, der Shard in London usw.

            – „Die Stärke der Gemeinschaft misst sich am Wohl der Schwachen. Dort müsste die Strasse hinführen“
            Ja, in einigen Industrie-Staaten wurde die Mittelschicht stark in Bedrängnis gebracht durch fehlerhafte Wirtschafts-Politik wie Schwächung von Gewerkschaften & Flexibilisierung des Arbeitsmarktes das dazu führte, das der wirtsch. Mehrwert nicht mehr der Lohn-Arbeiterschaft zugeführt wurde womit dieser Gewinn, das nun nur durch neue Schulden finanziert werden konnte, hauptsächlich die privaten Unternehmen kassierten und dadurch wurden auch die Produkte billiger, Aldi & Co. lassen grüssen und das ist doch so schön, haben aber dabei nicht erkannt, dass auch die Löhne billiger werden und die müssen ja billiger werden hat man denen eingetrichtert, weil wir die Chinesen wirtsch. bekriegen müssen, die haben schliesslich kein Anrecht sich wirtsch. weiterzuentwickeln. Nein, eigentlich beruhte die wirtschafts-politische Strategie darauf, die Löhne der Arbeiter zu reduzieren um die Arbeitslosigkeit zu mindern, eine Art von Sozialisierung, hört sich theoretisch ja gut an, aber in der Praxis funktioniert das nicht, im Gegenteil; man erhöht die Arbeitslosigkeit & die Armut damit.
            Nicht zu vergessen die Steuer-Senkungen für Unternehmen und hohe Vermögen sowie Steuerflucht oder -Hinterziehung alles zu Lasten der Mittelschicht und von der Vettern-Wirtschaft und der organ. Kriminalität ganz zu schweigen. Was natürlich den Staat auch in Mitleidenschaft zog und offenbar keine andere Wahl sah als Schulden anzuhäufen um das ganze Chaos am Laufen zu halten.

        • Josef Anton sagt:

          „Wer hat, dem wird gegeben.“

          Zu einem gewissen Grad besteht diese Gefahr tatsächlich, wobei wenn Sie die Liste von Reichen beobachten, Sie sicherlich feststellen können, dass sich immer wieder Neuaufsteiger melden und vergangene Ranglistenhalter sich für gut verabschieden. Eigentum oder ein hohes Vermögen ist nicht einzig mit einem angenehmen Leben verbunden, sondern mit vielen Pflichten. Sie können dies im kleinen Rahmen spüren, wenn Sie ein Fahrzeug oder ein Haus ihr eigen nennen, denn wenn man sich nicht darum kümmert, springt die Karre auf einmal nicht mehr an oder hat das Dach des Hauses hat ein Leck. Das Problem liegt in meinen Augen weniger darin, dass gewisse Leute erfolgreich sind und eben reich werden, sondern darin, inwiefern wir als Gesellschaft aufgrund des staatlichen Einflusses zulassen, dass eine Umverteilung stattfindet, in welcher verwerfliches oder zumindest fragwürdiges Verhalten belohnt und vorsichtiges und aus ethischer Sicht empfehlenswertes Verhalten bestraft wird. Wenn das normale einfache Sparen ausgeführt in der Form eines Sparbuchs bei einer Bank bestraft wird, jedoch jener, welcher sich die Geschäftsleitungen von Banken und Grossfirmen sich risikolos mit hohem Hebel bereichern können, stimmt etwas nicht mehr im Mutter Staat. Wenn ein Unternehmer aufgrund einer ausgezeichneten Idee in der Form eines Produktes oder einer Dienstleistung und nicht aufgrund von politischem Einfluss (Vetternwirtschaft) reich wird, denke ich nicht, dass sich jemand daran stört.

    • alfredo borlotti sagt:

      Was genau versuchen Sie mit den Begriffen „Stammtisch“ und „Bashing“ auszudrücken? Bedeutet ersterer, dass einer ohne Argumente etwas behauptet und letzterer, dass es sich um den Pöbel handelt, der auf ein armes Opfer einprügelt?

      Zum übrigen: Wer/was hat denn dieses System, das „systemisch“ versagt hat, systematisch aufgebaut? Doch nicht etwa der (Stimm-)Bürger. Vielleicht hat er/sie (demokratisch) zugestimmt, aber nur weil er getäuscht worden ist. Er/sie ist betrogen worden und wird es weiterhin werden.

  • Ben sagt:

    Berufsleute unter sich.

    Besser für alle anderen aber wäre, Banken würden endlich in einen für alle erträglichen Kontext Gesellschaftlich integriert und zu einem Service Public umgebaut… Mit Geld mehr Geld zu verdienen ist falsch. Es ist dumm, das nur einige wenige unreguliert oder beliebig reguliert oder Eigenreguliert vor sichher wirtschaften dürfen und alle anderen bezahlen die Schäden und tragen alle Risiken… so dumm wie Rentensysteme in Kapitalmärkten aufzubauen und abzusichern.

    • urs lehmann sagt:

      Was Sie vorschlagen, existiert bereits in Form der Kantonalbanken. Ob diese tatsächlich ein Gewinn sind für die Allgemeinheit, scheint äusserst fraglich. Ein paar Beispiele hierzu:

      – die Solothurner KB hätte 1994 für 1,2 Mrd saniert werden müssen. Stattdessen „verkaufte“ der Kanton die Bank an den Bankverein und realisierte 363 Millionen Verlust.

      – 1993 hatte die Berner KB 6,5 Milliarden faule Kredite in den Büchern. Die Sanierung kostete 2,6 Milliarden

      – 1996 hatte Appenzell Ausserrhoden genug, nachdem dei ARKB total 250 Mio Verluste eingefahren hatte, und verkaufte sie an die damalige UBS

      – KB Genf hatte im Jahr 2000 5,3 Milliarden faule Kredite in den Büchern, welche dem Kanton schlussendlich 2,1 Milliarden Verlust eintrugen

      – Die Waadt musste 2002 wegen verfehlter Kreditpolitik 1,86 Milliarden in die BCV einschiessen

      • Der Fehler in ihren Beispielen liegt aber nicht in der Eigentümerschaft des Kantons, sondern im unsinnigen Glauben, man müsse Gott (Markt) bzw ihre Evangelisten (Unternehmer) alle Entscheidungen treffen lassen. Ich lese überall „faule Kredite“. Wieso hat der Kanton als Eigentümer nicht härtere Vorschriften erlassen, etwa Kreditvergabe nur im Kanton usw? Achsooo… der (Irr-)Glaube an die allwissende, Gleichgewicht schaffende Unsichtbare Hand des Freien Marktes und an die Überlegenheit privater unternehmerischer Entscheide! Der Staat darf nicht in die unternehmerischen Entscheide der Banken eingreifen, da dies den Markt verzerrt. Hinterher aufwischen darf er aber dann, und der Mittelstand darf bezahlen.

        • urs lehmann sagt:

          Ich stimme Ihnen zu dass die konkrete Eigentümerschaft in den meisten Fällen (mindestens Waadt ausgenommen, das war je nach Optik und Direktheit der Formulierung Vetternwirtschaft oder Korruption), und ceteris paribus, nicht (nicht allein) verantwortlich war für das Eintreten der Verluste. Und genau das ist hier der springende Punkt, Wirtschaften heisst Risiken eingehen, und manchmal geht’s halt in die Hose, sind Verluste zu tragen.

          Der Post von Ben hingegen impliziert, dass mit einer Bank im Besitz der Öffentlichkeit keine Verluste zu gewärtigen wären, was eben die obigen Beispiele direkt widerlegen.

          Ihre Forderung nach schärferen Vorschriften impliziert, dass sich sämtliche Schäden mit Sicherheit vermeiden lassen, es braucht bloss genügend strikte Vorschriften. Das impliziert, dass die Aufsicht sämtliche Risiken voraussehen kann, was Allwissenheit voraussetzt.

          Sie werfen anderen blinde (Markt-)Gläubigkeit, realisieren aber nicht dass Sie denselben Fehler begehen indem Sie glauben, alle Risiken liessen sich vermeiden.

          • Vermeiden lässt sich kein Risiko, aber verringern. Wenn eine Kantonalbank in den USA geschäftet, ist das Risiko sicher grösser (und die Schäden wohl auch), als wenn sie im Kanton bleibt. Daher verstehe ich nicht, wieso der Zürcher Kantonsrat der Zürcher Kantonalbank nicht einfach alle Auslandsgeschäfte verbietet (ich sage nur USA-Steuerhinterzieher). Genauer gesagt, verstehe ich es wohl, aber zur Antwort müsste ich wieder jemandem Markt-Gläubigkeit vorwerfen… 😉

          • urs lehmann sagt:

            Da gehe ich mit ihnen einig, eine Kantonalbank hat ausserhalb der CH nicht das Geringste verloren. Der Kantonsrat sieht wohl in erster Linie die versprochenen Einnahmen.

  • will williamson sagt:

    Klar ist, dass ohne die Massnahmen der Zentralbanken das Finanzsystem global in die Binsen gegangen wäre. Fraglich ist, ob es ihnen gelingt, das massenhaft geschaffene Geld wieder rechtzeitig zurück zu holen und so die Situation zu normalisieren oder ob die Aktivitäten den Zusammenbruch nur hinaus geschoben haben.

    • Johnny Smith sagt:

      Ich teile Ihre Ansicht, dass die Zentralbanken recht gut auf die Krise / Finanzkrise reagiert haben. Das war 2007/2008. Jetzt haben wir 2014, die Zentralbanken haben den Fehler gemacht, die Krisenmassnahmen zur Dauermassnahme zu machen.

  • Gion Saram sagt:

    Ja, es ist in der Tat den Sparern, sprich allen PK-Versicherten, schwer vermittelbar das sie damit einverstanden sein sollten einen Teil ihres angesparten Rentenkapitals mittels einer „massvollen“ Inflation zu verlieren, während die Banker ihre zu Unrecht verdienten Boni behalten dürfen und uns weisgemacht wird, das eine Erbschaftssteuer, eine Finanztransaktionssteuer und eine Kapitalsteuer Gift für die das Florieren der Wirtschaft seien. Solange die Finanzindustrie glaubt das nur sie systemrelevant sei, aber der Rest der Bevölkerung nicht, solange wird sich das Image dieser nicht nachhaltig verbessern.

  • Ich sage (vorerst) nur: Vollgeld-Initiative (http://www.vollgeld-initiative.ch).

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