Kommt Chinas Motor bald ins Stottern?

Wann hört die chinesische Wirtschaft auf zu wachsen? -Im Bild: Bauarbeiten in Schanghai.

Wann hört die chinesische Wirtschaft auf zu wachsen? Im Bild: Bautätigkeit in Schanghai.

Wann wird sich Chinas Wirtschaftswachstum verlangsamen? Es gibt nur wenige Fragen, bei denen die Meinungen so weit auseinandergehen, wie bei dieser. Für die einen ist das chinesische Modell auf Sand gebaut, andere sind davon überzeugt, dass China in den nächsten zwanzig Jahren die hohen Wachstumsraten halten kann – nicht zuletzt weil das Land autoritär regiert wird und deshalb eine langfristig angelegte Wirtschaftspolitik verfolgen kann.

Zwei Ökonomen, Barry Eichengreen und Kwanho Shin, haben nun versucht, eine empirisch gestützte Antwort zu geben. Sie haben 39 Beispiele der Vergangenheit untersucht, um herauszufinden, ab welchem Wohlstandsniveau eine aufholende Volkswirtschaft ins Stottern gerät. Vor allem asiatische und lateinamerikanische Schwellenländer bieten sich für einen Vergleich an.

Das Ergebnis: Wenn das Pro-Kopf-Einkommen (gerechnet in US-Preisen von 2005) das Niveau von 16’500 US-Dollar erreicht, beginnt sich das Wirtschaftswachstum deutlich abzuschwächen. Umgerechnet auf China bedeutet dies: Chinas Wachstum dürfte sich ab 2014 deutlich verlangsamen.

Natürlich sind das nur Durchschnittswerte, und man kann sich immer fragen, ob es sinnvoll ist, das Grossreich China mit kleinen Ländern wie Israel, Uruguay oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zu vergleichen. (Auf einer Blog-Seite des Economist ist hierzu eine interessante Debatte in Gang.) Aber der Vergleich mit wirtschaftshistorischen Beispielen ist die einzige Möglichkeit, eine vernünftige Prognose abzugeben. Die China-Skeptiker haben jedenfalls durch die Studie von Eichengreen und Shin starken Rückenwind bekommen.

Hinweis der Redaktion: Sie können über die Feiertage weiterhin kommentieren. Die Kommentare werden jedoch erst ab Dienstag, dem 26. April, freigeschaltet. Frohe Ostern!

Keine Kommentare zu «Kommt Chinas Motor bald ins Stottern?»

  • RASCHA KOCHER sagt:

    China wird sich in Bälde die Mongolei einverleiben. Die Produktionsfläche sozusagen wird entsprechend der Volksmenge vergrössert…!

  • Rene Wetter sagt:

    China wird wie andere Länder ein Parblem mit Immobilienblasen kriegen. Vielleich können sie das nach den Erfahrungen aus Japan besser handeln, aber wenn es ähnlich kommt werden die mageren Jahre kommen. Auch China wird die Überalterung zu spüren bekommen und vermutlich heftiger als wir, denn durch die Einkindpolitik (die nötig war) dürfte der Knick sehr viel härter sein.
    Wir hatten in den 50er und 60er Jahren auch hohe Wachstumszahlen, dann kam die Ölkrise und dann wars vorbei mit der Herrlichkeit.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Iten (Rumpelstilzchen meinte auch, dass niemand seinen Namen kenne). Sage das was Du geschreiben hast laut vor einem Spiegel auf und schau Dir dabei tief in Deine Augen.
    Falls Du es nicht tust, hat es Deine Seele bereits getan und die vergisst nichts.
    Der Tod ist der beste Freund des Weisen.
    Deine Tiraden wecken tolle Geister.
    Lebe mit ihnen zusammen, denn Du hast sie gerufen.

    Der Edle schaut dem Bösen mit erbarmen in den Höllenschlund.
    Er sagt laut, deutlich und offen was er sieht.
    Der erbärmliche Tyrann versteckt sich hinter Pseudonamen und anderem billigen Tand.

    Die Welt ist eine Schule.
    Nichts bleibt nur die Taten.
    Und die haften ewig. Und machen Deine Zukunft.

    Hoffnung, Liebe und ein breites Lachen, oh Iten mehr entlockst Du mir nicht.

    • RASCHA KOCHER sagt:

      PS. Hölle bleibt was für Fieslinge…!

      • Rolf Schumacher sagt:

        Die ökonomisierte Welt ist zur Hölle geworden! Es gibt viele mächtige Frankensteins, die ganze Armeen von Fieslingen geschaffen haben. Es kommt trotzdem gut.

  • Wenn eine Wirtschaft ein anhaltend sehr hohes Wachstum hat, ist eine Inflation eigentlich immer eine logische Folge, weil die Geldmenge einfach zu gross wird, um die Preise zu halten. Nach dem nun etwa 20 Jahre langen „Wachstumsmaraton“ in China kann die Inflation eigentlich nicht mehr vermieden werden, weil schlichtweg zu viel Geld im Umlauf ist.

  • Hampi sagt:

    Komisch, dass Fundamentalisten allerseits immer und vor allem ein Problem mit der (in ihren Augen „degenerierten“) Moral haben.

    • Rolf Schumacher sagt:

      Oh Hampi. Erklären sie mir mal wie Moral degenerieren kann? Moral ist, was sie ist. Aber eines ist sicher Hampi, sie und ich wir werden körperlich sicher irgendwann degenerieren.
      Degeneration heisst vom Idealzusand abkommen. Die Moral ist ein Idealzustand, kann also weder von einem Menschen ganz erreicht werden (Mensch sein heisst schwach sein), noch selber degenerieren.
      PS: Hitler sprach viel von Degeneration. Natürlich auf Deutsch übersetzt, er sagte ENTARTUNG. Entartete Kunst, entartete Mathemathik, entartete…..damit haben sie recht Fundamentalisten sprechen viel von Entartung, weil sie starr an ein Ideal glauben, das von den restlichen Menschen nie erreicht werden kann.
      Auch für einen Uebermenschen der herrlichsten Welt- Elite (politisch, Wissenschaft inklusive dürigsche Mathematik) ist die Welt der Ideale unerreichbar. Jedenfalls solange sie leben.
      Sie kennen die Flugversuche von Dädalus und Ikarus sicher.

      • Hampi sagt:

        @Rolf Schumacher

        Da haben Sie recht, mit der Moral.

        Aber Sie haben nicht beachtet, dass ich „degeneriert“ in Gänsefüsschen verpackt habe. Das gibt mir die Freiheit, in der Sprache eines Hitlers oder irgend eines Fundamentalisten zu zitieren 😉

      • Thomas Ernst sagt:

        @Rolf Schumacher

        Hier liegt ein Irrtum vor – Sie verwechseln Moral mit Ethik. Moral sind die in einer Gemeinschaft allgemein geltenden Wertvorstellungen, Ethik die persönlichen Vorstellungen von richtig/falsch. Die Moral in einer Gesellschaft kann (leider) sehr wohl degenerieren. Vor etwa 30 Jahren waren die führenden CH-Banker (z.B. Senn/SBG) persönlich bescheiden gebliebene Fachleute, die sich vor allem um die langfristige Entwicklung ihres Unternehmens kümmerten. Motto: „Erst kommt das dienen, dann das verdienen!“ Darum war der Dienst am (vermögenden) Kunden wichtig und gepflegt.

        Solche ethischen Grundlagen finden Sie leider bei den heute führenden Bankern, aber auch bei Konzernchefs, Politikern etc. nicht mehr. Riesengewinne sofort – nach mir die Sintflut. (Grübel: „Wenn Sie im Geschäftsleben einen Freund haben wollen, kaufen Sie sich einen Hund!“). Die MORAL der Grosskopfeten degeneriert laufend. Politiker gehen mehr und mehr dazu über, sich im Amt die gepolsterten Sessel für nach dem Rücktritt vorzubereiten, durchaus auf Kosten der Gemeinschaft (siehe z.B. Mappus‘ krimineller Kauf der A-Werke von EdF, oder Leuenbergers gutbezahlte neue VR-Pöstchen). Das Problem ist nicht, dass das vorkommt, sondern dass alle Leute das heute für NORMAL halten. DAS ist die Degeneration der Moral.

        Aus dieser Haltung entsteht Narzismus (weit verbreitetes Übel in Wirtschaft und Politik), Kurzsichtigkeit und Borniertheit. Das System teilt sich in die Insider (Rive Reine / Freimaurer / Parteibonzen / „Wirtschaftskapitäne“), die vom aktuellen Kurs profitieren, und das Fussvolk (moderne Heloten = Staatssklaven). Der für die Stabilität matchentscheidende Mittelstand wird dezimiert. Das dauert bis zur nächsten Katastrophe (z.B. ein netter kleiner Krieg, ein Wirtschaftsdesaster oder ein Naturereignis), wo dann die Karten völlig neu gemischt werden. Im Krieg gilt dann nochmals eine andere Moral („Rette sich wer kann“).

        • Urs Brock sagt:

          Hr. Ernst, das sehe ich auch so… das was Sie hier beschreiben ist in etwa das was ich meine wenn ich ab und zu mal erwähne das die politischen Parteien und auch die Gesellschaft im laufe der letzten +20 Jahre in eine konservativ-authoritäre Ecke gewandert sind… die heutigen bürgerlich-konservativen Vorstellungen wie eine Gesellschaft aufgebaut sein sollte sind je nach Analyse bereits im gleichen Umfeld zu finde wie damals die NSDAP…

          Das gleiche gilt eben auch für die ehemaligen Sozialistischen Parteien (die Linken) welche sich heute auch an ähnlicher Position in diesem Quadrant finden… wirklich liberal im Sinne das alle Bürger Freiheitlich an den Errungenschaften beteiligt werden, also auch die dazu nötigen Ressourcen erhalten, gibt es nicht mehr. Liberal heute bedeutet, nimm was Du kannst und die anderen sind selber schuld… hätten sich halt mehr anstrengen müssen.

          Vor 20-30 Jahren wahr das Selbstverständnis und die Rethorik eher noch so das man die „sozial Benachteiligten“ versuchte mitzuziehen…

          Leider kann ich diese Berichte mit den Grafiken die dies veranschaulichen nicht mehr finden. Es gibt mehrere Analysen dazu, aus der Schweiz wie auch in Europa…

        • Rolf Schumacher sagt:

          1. Mos, moris lat. die Sitte das entsprechende Wort auf Griechisch heisst Ethos. Ich glaube Ethik und Moral meinen das was wir heute unter Sitte verstehen. Es beinhaltet eine abstrakte persönliche-gesellschaftliche etc WERTVORSTELLUNG: Wert im bezüglich das rechte handeln.
          2. Eine moralisch degenerierte Gesesschaft definiert sich über die ethisch-moralische Idealvorstellung (und die ist immer persönlich). Das Ideal der Moral an sich kann nicht degenerieren. Alles was als degeneriert bezeichnet wird, wird als Abweichung vom Idealzustand beschrieben. Es gibt keinen Menschen der immer moralisch Korrekt handelt, sonst wäre er kein Mensch mehr.
          3.Mit nichten finden die Leute das Verhalten der Elite moralisch i. Ordnung. Sie gehen auf die Strasse und setzen ihr Leben aufs Spiel. Sie schreiben sich in Foren den Frust von der Seele. Es gibt viele, die die Schnauze voll haben von den Ungerechtigkeiten in der Welt.
          Schon lange nicht mehr, war der Schrei nach Gerechtikeit so wahrnehmbar wie momentan. Und die frustrierte Jugend, die vergessene, ausgenützte Generation lässt sich die Abzocke der „sogenannten“ Elite nicht mehr gefallen.
          Kurers Aussage, dass es richtig sei, dass die UBS die Regulationen schlucken müsse, ist ein Klatsche mitten ins Gesicht von Anstand und Sitte. Kurer hat mit seinen grössenwahnsinnigen von Blocher flankierten Fusionen massgeblich zum Reputationsschaden in der Schweiz beigetragen. Sie haben mit Kunden und schlussendlich Volksvermögen gezockt. Grübel und Villiger haben versucht die UBS wieder auf Kurs zu bringen. Sie haben das nicht schlecht gemacht. Ich finde Grübels Aussagen meistens sehr korrekt. Er ist zum Glück nicht der grosspurige Showbizz Cervelatpromi Ospel, er ist wortkarg, knorrig und korrekt.
          Kurer sollte zusammen mit Blocher, Spuhler, Ospel und Kurer wegen grobfahrlässigem Handeln hinter Gitter müssen. Statt dessen geben die Kriminellen von gestern der UBS-CREW von heute Ratschläge, das ist absoluts jenseits jeder vernünftigen Wertvorstellung. Es ist so absurd wie es damals auch war als man den Obereugeniker und Kriegstreiber Julian Huxley, nach dem 2 WK nicht den Prozess machte, sondern ihm einen hohen Posten in der UNESCO und im WWF gab.
          Wenn die Justiz und die Politik die Wirtschaft nicht mehr unter Kontrolle hat, dann nützen alle ethischen und moralischen Diskussionen nichts mehr. Wenn unsere Vorbilder sich an keine Sitte mehr halten, dann herrscht moralischer Ausverkauf, ohne dass die Moral an sich degeneriert.
          Man kann, wie es Hr. Dürig in einem anderen Blog beschrieben hat, ein Ethik Buch mit sich herumtragen und Hitler die Atombombe berechnen, das kann man. Auch wenn solches Handeln absoluter moralischer Degeneration gleich kommt, stimmen die Aussagen im Ethikbuch, das der amoralische Wissenschaftler auf sich trägt, immer noch und zwar auf den Punkt genau.

          • RASCHA KOCHER sagt:

            Sitte respektive Sippe; ES gäbe da prinzipiell nur 1 Ding: Wenn jeder NUR (sic!) DAS beanspruchen täte, was für sein Überleben vonnöten, würde ES für alle gleichsam reichen, global auf den Planeten gemünzt…!

  • Roland Stricker sagt:

    China kann/koennte noch ca. 60 Jahre im selben Ausmass wachsen. Erst dann werden pro Kopf Loehne den reichen Laendern aehlich sein. (infaltion bereucksichtigt). Zur Zeit gibt es 2 Machtbloecke: Totalitaere Regierung und starke Unternehmen (good cop und bad cop ), beides faschistische Institutionen ! Solange sich die beiden Seiten die Waage halten koennen, wird die Revolution verhindert, entweder mit Gewalt von einer Seite, oder mit besserer Behandlung von der andern Seite. Eine zahlenmaessig kleine Gruppe westlicher Kapitalisten ueberleben und profitieren davon, mindestens 50% der weltweiten Konsumenten finanzieren das ganze.Vor allem, aber nicht nur ! ,Schwellenlaender lassen China in ihre Bodenschaetze investieren, was langfristig den Nachschub fuer China sichert. Der Westen bringt taeglich gratis unser Knowhow nach China, wir zeigen ihnen, wie man besser und billiger produzieren kann, denn wir haben es zwangslaeufig im letzten Jahrhundert gelernt. Dank Studenten-Austausch profitiert China ebenfalls enorm von uns. Unsere Steuern bezahlen die Universitaeten. Fazit: Die Gier nach Wachstum unserer Kapitalisten und die „Naivitaet“ des westlichen Konsumenten machen es moeglich. Schlagwoerter wie „Kommunismus“und „dritte Welt“ in Bezug auf China verblenden unsere Sicht. Obwohl in vielen Sachen anders als wir, sind die Chinesen wie wir: intelligent, fleissig lernernbegierig,stolz,aufstreberisch und nationalistisch: sehr starke Konkurrenten. Dem Westen waere gut geraten zu schuetzen was wir haben, anstatt mehr zu wollen und noch mehr verlieren!

    • Ueli sagt:

      Herr Stricker!

      Da fangen Sie so gut an mit ihrem antikapitalistischen Plädoyer (good cop, bad cop!) und flachen dann so ab, dass sich ihre Sprüche nicht von der, eines x-beliebigen Politikers unterscheiden.
      Übrigens: Dass „Wir“ den Chinesen „gratis“ unster Know-How rüberschicken hat viel damit zu tun, dass das Kapital sich das globale Kostengefälle zu Nutze macht und wenig mit „Studentaustäuschen und Völkerverständigung“.
      Weiter: Wer für Kapitalismus ist, ist für unendliches Wachstum. Deswegen kann man dem Kapital keine Gier vorwerfen, da es nur mit ewigem Wachstum überleben kann! Der westliche Konsument, der sich alle 2 Monate einen neuen i-pod und jedes Jahr ein neues Auto kaufen / leasen „muss“ ist nicht naiv, sondern entfremdet und frustriert…der übermässige Konsum ist das Trostpflaster für ein wenig selbstbestimmtes und überaus trostloses Arbeitsleben. Scheinbedürfnisse müssen massenhaft befriedigt werden, damit die Menschen noch frustrierter und gelangweilter zurücklassen werden…nur so kreiert man unendliches Wachstum!

      • Roman Günter sagt:

        Ueli, gehen Sie mal in den Garten, dort sehen Sie ‚unendliches‘ Wachstum. Das ist durchaus natürlich. Im System Kapitalismus sind Verluste nicht verboten.

        • Ueli sagt:

          @Günter
          Ist das Ihr „Beweis“ dafür, dass der Kapitalismus „natürlich“ ist und deswegen „die beste aller möglichen Welten“. Das wurde schon von Adam Smith im 18. Jahrhundert behauptet, welcher von einer „unsichtbaren Hand“ faselte. Nach 200 Jahren stürmisch-destruktiver Entwicklung müssen wir aber dieses „natürliche System“ (welches etwa so natürlich ist wie Plastik) für moralisch und ökologisch bankrott erklären. Übrigens ist mir bewusst, dass der bisherige „real existierende Sozialismus“ keine Alternative zum bestehenden System bietet…nur um Missverständnissen vorzubeugen. Dass die Menschen so unfähig sind sich eine Alternative zum status quo überhaupt vorstellen zu können hängt direkt damit zusammen, dass wir alle Anhängsel der Maschinerie geworden sind. Wir wissen, dass jeder von uns jederzeit auswechselbar ist und eigentlich von der Gesellschaft durchgefüttert wird. Dies erzeugt Angst und führt zu einem maximalen Anpassungsdruck, der weit über das notwendige Mass von den meisten Menschen betrieben wird. Wir identifizieren uns mit dem Angreifer, damit wir es überhaupt aushalten in dieser Gesellschaft permanent unsere Arbeitskraft auf den Markt zu tragen. Egal ob Proletarier oder Bürger…wir sind gleichsam in einem starren Korsett von Zwängen gefangen, da wir alle nur eine Funktion im System repräsentieren (Charaktermaske) und über diese hinaus keine Handlungsfreiheit besitzen.

          • Hampi sagt:

            Ueli sagt:
            25. April 2011 um 17:02

            „Wir identifizieren uns mit dem Angreifer, damit wir es überhaupt aushalten in dieser Gesellschaft permanent unsere Arbeitskraft auf den Markt zu tragen.“

            Nebst dem Stockholm-Syndrom gibt es da aber auch noch eine andere Möglichkeit, den Kapitalismus (weder zu lieben, noch zu hassen, sondern) zu akzeptieren; und zwar im Sinne des Satzes, „wenn ich meinen Feind nicht besiegen kann, verbünde ich mich mit ihm.“

            Die Frage ist, ob sie eine Suppe (System) gross nach chemischen Kriterien (humanistisches „Engineering“) verändern können, wenn die Zutaten (Geiz, Gier „zuerst-ich-und-dann-nochmals-ich“ etc. ) klar bestimmt sind! Und wenn ja, ob die Suppe dann auch unbedingt (sozusagen automatisch) besser schmecken muss.

            Bevor ich „Scheinbedürfnisse“ in den Wald hineinrufe, möchte ich zuerst wissen, wie denn die „Realen“ aussehen würden!

          • Urs Brock sagt:

            Aber wir haben doch Handlungsfreiheit…

            Die Auswahl an Jobs, von Konsumgütern, von Wohnungen, Versicherungen, Landeigentum, Immobilien, Reisen, Freizeit, Arbeitszeit, Zeitungen, Radio, TV, Internet, Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Stimmrechte, Niederlassungsfreiheit, Versammlungsfreiheit Reisefreiheit, Bildungsfreiheit…. Demonstrationsfreiheit…

            Benzin, Kameras, Fernseher, Radios, Autos, Motorräder, Velos, Apple, Samsung, Panasonic, Leica, Chevrolet, Lebensmittel, Möbel, Teppiche, Pflanzen…

          • Ueli sagt:

            @hampi
            1. Ihre Behauptung, dass „der Feind“ (unsere historisch gewachsene Gesellschaftsstruktur) von uns leider nicht veränderbar ist, scheint mir durch die bisherige Menschheitsgeschichte selber widerlegt worden zu sein.
            Der alte Aristoteles konnte sich auch nicht vorstellen, dass eine nicht barbarische Zivilsation die Sklaverei abschaffen könne. Und vor 300 Jahren konnten sich auch nur ganz fortschrittliche Geister vorstellen, dass der 3. Stand das Szepter in die Hand nehmen würde.
            2. Sie haben recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass in einer Zivilisation wie der unseren, so ziemlich nichts und alles als „Scheinbedürfnis“ definiert werden könnte. Hunger, als Naturkategorie begriffen, kann mit Heuschrecken und Mückenkuchen gestillt werden. Zur Befriedigung des konkreten Hungers der Zivilisierten gehört, dass sie etwas zu essen bekommen, wovor sie sich nicht ekeln, und im Ekel und seinem Gegenteil wird die ganze Geschichte reflektiert. So verhält es sich mit jedem Bedürfnis. Jeder Trieb ist so gesellschaftlich vermittelt, dass sein Natürliches nie unmittelbar, sondern stets nur als durch die Gesellschaft produziertes zum Vorschein kommt. Die Berufung auf Natur gegenüber irgendeinem Bedürfnis ist stets bloss die Maske von Versagung und Herrschaft. Die Unterscheidung von Oberflächenbedürfnissen und Tiefenbedürfnissen ist ein gesellschaftlich entstandener Schein. Die sogenannten Oberflächenbedürfnisse spiegeln den Arbeitsprozess wider, der die Menschen zu „Anhängseln der Maschine“ macht und sie nötigt, ausserhalb der Arbeit sich auf die Reproduktion der Ware Arbeitskraft zu reduzieren. Jene Bedürfnisse sind die Male eines Zustandes, der seine Opfer zur Flucht zwingt und zugleich so fest in der Gewalt hält, dass die Flucht stets in die krampfhafte Wiederholung des Zustandes ausartet, vor dem geflohen wird. An den sogenannten Oberflächenbedürfnissen ist das Schlechte nicht ihre Oberflächlichkeit, deren Begriff den selben fragwürdigen der Innerlichkeit voraussetzt. Sondern schlecht ist an diesen Bedürfnissen – die gar keine sind -, dass sie auf eine Erfüllung sich richten, die sie um eben diese Erfüllung zugleich betrügt. Die gesellschaftliche Vermittlung des Bedürfnisses – als Vermittlung durch die kapitalistische Gesellschaft – hat einen Punkt erreicht, wo das Bedürfnis in Widerspruch mit sich selber gerät. Daran, und nicht an irgendeine vorgegebene Hierarchie von Werten und Bedürfnissen, hat die Kritik anzusetzen.
            Die Bedürfnisse sind nicht statisch. Die Statik, die sie heute scheinbar angenommen haben, ihre Fixierung auf die Reproduktion des immer Gleichen, ist selber bloss der Reflex auf die materielle Produktion, die mit der Eliminierung von Markt und Konkurrenz bei gleichzeitigem Fortbestand der Klassenherrschaft stationären Charakter annimmt. Mit dem Ende dieser Statik wird das Bedürfnis völlig anders aussehen. Die Lösung des Widerspruchs der Bedürfnisse ist selber widerspruchsvoll. Wenn die Produktion unbedingt, schrankenlos sogleich auf die Befriedigung der Bedürfnisse, auch und gerade der vom Kapitalismus produzierten, umgestellt wird, werden sich eben damit die Bedürfnisse selbst entscheidend verändern. Die Undurchdringlichkeit von echtem und falschem Bedürfnis gehört wesentlich zu der Klassenherrschaft. In ihr bilden die Reprodukton des Lebens und dessen Unterdrückung eine Einheit, dessen Gesetz zwar im Ganzen durchschaubar, deren Einzelgestalt jedoch selber undurchdringlich ist. Wenn es einmal kein Monopol mehr gibt, wird es sich rasch genug zeigen, dass die Massen den Schund, den die Kulturmonopole, und die jämmerliche Erstklassigkeit, die die praktischen ihnen liefern, nicht „brauchen“. Der Gedanke etwa, das Kino sei neben Wohnung und Nahrung zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendig, ist „wahr“ nur in einer Welt, die die Menschen auf die Reproduktion der Arbeitskraft zurichtet, und ihre Bedürfnisse zur Harmonie mit dem Profit- und Herrschaftsinteresse der Unternehmer zwingt. Der Gedanke, dass eine revolutionäre Geselschaft nach der schlechten Schauspielerei von Kate Winslet oder den Hamburgern von McDonalds schriee, ist absurd. Je besser der Hamburger, um so lusvoller der Verzicht auf Hollywoodfilme.
            Der Gedanke, dass der Stand der technischen Produktivkräfte als solcher dazu nötige, Bedürfnisse weiter zu befriedigen und zu reproduzieren, deren Schein mit der kapitalistischen Gesellschaft zergeht, ist fetischistisch. In der Rätedemokratie müssen nicht alle Räder laufen: die Forderung selber impliziert die Furcht vor dem Arbeitslosen, der mit der kapitalistischen Ausbeutung verschwindet.
            Die Frage nach der Sofortbefriedigung des Bedürfnisses ist nicht unter den Aspekten gesellschaftlich und natürlich, primär und sekundär, richtig und falsch zu stellen, sie fällt zusammen mit der Frage nach dem Leiden der gewaltigen Mehrheit aller Menschen auf der Erde. Wird produziert, was alle Menschen jetzt, hier am dringendsten brauchen, so ist man allzu grosser sozialpsychologischer Sorgen wegen der Legitimität ihrer Bedürfnisse enthoben. Diese Sorgen entstehen vielmehr erst, wenn sich boards und bevollmächtigte Kommissionen etablieren, die Bedürfnisse klassifizieren und unter dem Ruf, der Mensch lebe nicht von Brot allein, ihm einen Teil der Brotration, die als Ration immer schon zu klein ist, lieber in Gestalt von DVD`s zuteilen.
            Die Forderung nach Produktion lediglich zur Befriedigung von Bedürfnissen gehört selber der Vorgeschichte an, einer Welt, in der nicht für Bedürfnisse, sondern für Profit und Etablierung der Herrschaft produziert wird, und wo deshalb Mangel herrscht. Ist der Mangel verschwunden, so wird die Relation von Bedürfnis und Befriedigung sich ändern. In der kapitalistischen Gesellschaft ist der Zwang, fürs Bedürfnis in seiner durch den Markt vermittelten und dann fixierten Form zu produzieren, eines der Hauptmittel, die Menschen bei der Stange zu halten. Es darf nichts gedacht, geschrieben, getan und gemacht werden, was über diese Gesellschaft hinausginge, die sich weitgehend durch die Bedürfnisse der ihr Ausgelieferten hindurch an der Macht hält. Es ist unvorstellbar, dass der Zwang zur Bedürfnisbefriedigung in der klassenlosen Gesellschaft als Fessel der produktiven Kraft fortbesteht.

          • Hampi sagt:

            @Ueli

            Ich habe nicht behauptet, dass sich das System nicht verändern kann. Das wäre absurd und, wie Sie das machen, mit einem kleinen Verweis auf die Geschichte widerlegbar.

            Die Frage habe ich offen gelassen. Aber eigentlich würde ich sie mit „ja“ beantworten. Sie können nämlich verschiedene Varianten von Suppen machen, mit den genau gleichen Zutaten (anderer Druck, Hitze, Kälte …). Aber dann haben sie lediglich die verschiedenen Varianten der gleichen Zutaten, und nicht grundsätzlich eine andere Suppe. Kurzfristig (wenn man ein Menschenleben so bezeichnen kann) gesehen ist das die einzige Möglichkeit, auf die ich, mit einem Minimum an Erfolgschancen, hoffen kann.

            Ein Beispiel: Meistens wird die Verschwendung von natürlichen Resourcen in China dem räuberischen Kapitalismus angehaftet. Was ist nun einfacher: Den Kapitalismus abschaffen und etwas Neues erfinden (die vorhergehenden Versuche sind kläglich gescheitert), oder die wahren Kosten (Umweltbelastung, Klimaveränderung etc.) berechnen und miteinfliessen zu lassen?

            Meiner Meinung nach werden Sie, wenn sie sich für das „Abschaffen des Kapitalismus“ entscheiden, ein Problem mit dem „Timing“ bekommen

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli: „Der die Menschen zu “Anhängseln der Maschine” macht und sie nötigt, ausserhalb der Arbeit sich auf die Reproduktion der Ware Arbeitskraft zu reduzieren“. Lieber Ueli, Sie schreiben die besten Kommentare aus der „kapitalismuskritischen“ Ecke. Die meistens Menschen reduzieren sich ausserhalb der Arbeitszeit nicht auf Reproduktion ihrer Arbeitskraft: In der Schweiz geht man am Wochenende skifahren, weil es Spass macht, nicht um am Montag gestaekt am Arbeitsplatz zu erscheinen. Besaufen sich die Englaender im Pub zur Regeneration ihrer Arbeitskraft? Im Kern sagen Sie, die meisten Menschen sind dumm, denn sie merken nicht, dass sie nur noch leben um zu arbeiten, obwohl sie meinen zu arbeiten um zu leben. Dies bestaetigen Sie mit „Dass die Menschen so unfähig sind sich eine Alternative zum status quo überhaupt vorstellen zu können hängt direkt damit zusammen, dass wir alle Anhängsel der Maschinerie geworden sind.“ und bereiten damit vor, dass jemand diese Menschen zu ihrem Glueck zwingen muss, da sie dieses Glueck selber nicht erkennen koennen. Damit bereiten Sie den Naehrboden fuer ein totaliaeres System. Sie schreiben: „Wir wissen, dass jeder von uns jederzeit auswechselbar ist und eigentlich von der Gesellschaft durchgefüttert wird. Dies erzeugt Angst und führt zu einem maximalen Anpassungsdruck“. Nun, der Anpassungsdruck ist in einer Gesellschaft, die Auskommen und Sicherheit an die Familie knuepft, wesentlich groesser: Passt sich jemand der kapitalistischen westlichen Konsum- und Arbeitskultur nicht an, kann er in diesem System leben, muss „nur“ auf den durch Stellung im Erwerbsleben und entsprechende Konsumprodukte definierten Status verzichten. Passt sich jemand der arabischen, asiatischen oder vorkapitalistisch-europaeischen auf der Familie basierenden Kultur nicht an, stirbt er: Es gibt kaum Chancen auf Unterkunft und Nahrung, da eine andere Familie den „Verweigerer-Verraeter“ nie aufnehmen wuerde. Sie schreiben von Zwang und Druck, die Menschen waren nie freier, als im modernen Kapitalismus (35-55Std pro Woche „Unfreiheit“), Verglichen mit Heirat und der damit verbundenen totalitaeren Unterordnung unter die Schwiegermutter, bedeuten 60-90Std Fabrikarbeit oder gar Prostitution fuer eine Asiatin eben „Freiheit“!

          • Ueli sagt:

            @Hampi
            Lieber Hampi! Gesellschaftssysteme mit Suppen vergleichen scheint mir nicht allzu hilfreich. Aber ich glaube sie wollten auch einfach nur sagen: Wir würden nicht in dieser Scheisse stecken, wenn die Menschen nicht selber so scheisse wären!

            Nun, da gebe ich ihnen in diesem Punkt recht. Trotzdem scheint mir die Flucht in den Zynismus auch nur eine armselige Lösung zu sein. Ausser sie sind der Marquis de Sade, welcher seine Figur „Herr von Verneuil“ in der Histoire de Justine sagen lässt: „Wo ist, ich bitte Sie, der Sterbliche, der dumm genug wäre, um entgegen allem Augenschein zu versichern, die Menschen würden nach Recht und Tatsache gleich geboren! Es war einem Menschenfeind wie Rousseau vorbehalten, ein solches Paradox aufzustellen, weil er, höchst schwach, wie er selbst war, die zu sich herabziehen wollte, zu denen er sich nicht erheben konnte. Aber mit welcher Stirn, frage ich Sie, könnte der vier Fuss zwei Zoll hohe Pygmäe sich dem Modell an Wuchs und Stärke vergleichen, dem die Natur die Kraft und Gestalt eines Herkules verleiht? Hiesse das nicht dasselbe, wie dass die Fliege dem Elefanten gleicht? Stärke, Schönheit, Wuchs, Beredsamkeit: das waren die Tugenden, die im Beginn der Gesellschaft beim Übergang der Autorität an die Herrschenden bestimmend waren.“

          • Ueli sagt:

            @ Anh Toan
            Ich habe nie behauptet, dass die Menschen blöd sind und deswegen zu ihrem Glück gezwungen werden müssen. Die Unfähigkeit der Menschen sich eine Alternative zum gesellschaftlichen Status Quo vorstellen zu können hat rein gar nichts mit Dummheit zu tun, sondern eben damit, dass die meisten von uns sich mit dem System identifizieren müssen um es in diesem auszuhalten.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli: Ich will eigentlich nicht kritisieren, sondern verstehen: In der westlichen Welt ist der Kapitalismus, soweit er nicht staatlich eingegrenzt ist, demokratisch legitimiert, sprich irgendwie von der Bevoelkerungsmehrheit getragen. Diese Mehrheit waere doch dumm oder von mir aus auch masochistisch, ein System zu entwickeln oder zu ertragen, mit dem sie sich identifizieren MUESSEN, um es darin auszuhalten. Zumindest versteht die Mehrheit also nicht, dass sie manipuliert wird, oder anders gesagt, sie wissen nicht, was gut fuer sie ist. Dies nenne ich totalitaer. Ich denke auch, diese Mehrheit ist dumm und will nur immer mehr Scheisse fressen (Fernsehen!) und laesst sich verarschen, aber die denken,ich sei dumm. ich frage mich, warum WOLLEN die das? Vielleicht reicht es ihnen schon, dass sie davon trauemen duerfen, eines Tages auch reich zu sein. Und hab ich grad einen Zynismusanfall sag ich mir, besser sie konsumieren und arbeiten, als dass sie sich totschlagen, was anderes wussten sie eh noch nie zu tun mit ihrer ueberfluessigen Energie.

          • Ueli sagt:

            @Anh Toan
            Zuerst werfen Sie mir vor, dass ich die Masse insgeheim für dumm halte und ein paar Minuten später schreiben Sie, dass ihrer Ansicht nach die meisten Menschen tatsächlich vollkommen verblödet sind und nichts besseres als den Status Quo verdient hätten? …Frei nach dem Motto: Was kümmert mich der Dreck, den ich vor ein paar Minuten gesagt habe…
            Nun, ich stelle immer wieder erstaunt fest, dass die meisten Menschen davon überzeugt sind, dass gerade sie nicht zur dummen Masse gehören.

          • Hampi sagt:

            Ganz in der Tradition der menschlichen Eigenliebe, zitiere ich, anstatt den Marquise de Sade, einen anderen französischen Denker, um meine Haltung wenigstens teilweise vor dem Abgrund der Armseligkeit zu retten:
            „Zynismus ist der geglückte Versuch, die Welt so zu sehen, wie sie ist. „ (Jean Genet)

            Aber, um bei den französischen Denkern zu bleiben, am liebsten ist mir, wenn Voltaire seinem Gegenüber sagt, dass er nicht einverstanden ist, was es sagt, aber dass er sein Leben geben würde, damit es gesagt werden darf.

            Das ist weniger pessimistisch und beweist, dass Menschen nicht immer dumm sind 🙂

          • Ueli sagt:

            @hampi
            Ja der arme Saint Genet hatte auch einen guten Grund sich in den Zynismus zu flüchten, nach all dem, was ihm andere Menschen angetan haben. Jean Genet wollte, wie Nietzsche und de Sade, die ruhige Sicherheit der anständigen Leute erschüttern. Sartre schreibt dazu: „Er bietet uns eine Karikatur der Heiligkeit dar, ein teuflisches und trügerisches Bild, das alle Erscheinungsformen des Heiligen hat, aber den, der es berührt, mit Höllenfeuer verbrennt. Er passt also auf: wenn man ihn zu weit in die Enge treibt, wird er in Gelächter ausbrechen und ohne weiteres zugeben, dass er sich auf unsere Kosten amüsiert, dass er nur versucht hat, uns noch mehr zu schockieren: er ist nur deshalb auf den Gedanken gekommen, diese dämonische und sophistische Perversion eines heiligen Begriffs Heiligkeit zu nennen, weil er Lust hatte, ein Sakrileg zu begehen.“
            Die bürgerliche Gesellschaft hat gerade solche Figuren wie Nietzsche, de Sade und Jean Genet immer als Skandal betrachtet, da sie, die „Wahrheit dieser Gesellschaft“ ungeschminkt ans Tageslicht gezerrt haben. Für den Marquis de Sade ist Aufklärung nicht so sehr ein geistiges wie ein soziales Phänomen. Er trieb die Bande, die Nietzsche idealistisch durch das höhere Selbst zu überwinden wähnte, die Kritik an der Solidarität mit Gesellschaft, Amt, Familie, bis zur Verkündigung der Anarchie. Sein Werk enthüllt den mythologischen Charakter der Prinzipien, auf denen nach der Religion die Zivilisation beruht: des Dekalogs, der väterlichen Autorität, des Eigentums. Jedes einzelne der Zehn Gebote erfährt den Nachweis seiner Nichtigkeit vor der Instanz der formalen Vernunft. Sie werden ohne Rest als Ideologien nachgewiesen. Das Plädoyer zu Gunsten des Mordes hält der Papst auf Juliettes Wunsch hin selbst.

          • Anh Toan sagt:

            @Ueli: Es ist mein Recht zu glauben und zu auessern, die Mehrheit der Menschen waere verbloedet, und vielleicht sind sie in ihrer Bloedheit „schlauer“ als ich. Es ist nicht mein Recht, die anderen zu bevormunden, (sie duerfen weiter American Idol sehen).

    • Urs Brock sagt:

      Hr. Stricker, so wie das heute aussieht und ohne veränderung der Situation belassen wird mag das sicher eines Tages so kommen.

      Mein Eindruck ist aber nicht, das „wir“ also die herkömmlichen Industrienationen einfach so ohne weiteres Wissen verschenken. Die Technik, Innovation und auch Teile der Produktion können eben nicht einfach kopiert werden und wenn das möglich ist so bleibt eine Kopieraktion eben das was sie imemr war… Abhängig von den Weiterentwicklungen anderer. Kopieren kann jeder…. Umgangssprachlich ausgedürckt. Innovation ist aber eine gänzlich andere Seite der Entwicklung… Innovation beherscht nicht jeder.

      Ein Beispiel das mir Sinn macht ist etwa der Export von US Militärmaterial deren Funktion heute zu 100% durch Software gesteuert wird und deren Präzisionsherstellung und Funktion das Gesamte erst ermöglicht. Sind die exportierten Mschinen noch alle gleich, je nach Ausrüstung, so sind es die Algoritmen die diese Maschinen steuern eben nicht. Es gibt mehrere Versionen dieser Algoritmen die etwa Kampfflugzeuge steuern und die wirklich guten Entwicklunge werden eben nicht in Exportware eingebaut…

      Auch wenn China oder jemand anders nun solch ein Flugzeug entwicklen kann, die Steuerung des ganzen und die dazu gehörenden Algoritmen sind im vergleich zur Hardware um Faktoren teuerer und komplexer… Am Ende beduetet das, wenn sich ein Original US Kampfflugzeug und eine Exportversion begegnen so kämpfen diese nie mit gleichen Mitteln und Möglichkeiten…

      Dann kommt noch die Innenpolitische Situation die sich jeden Tag ändern kann. Aller internationaler Vereinbarungen zum Trotz kann sich ein Land oder auch die EU/die Schweiz nach wie vor darüber hinwegsetzen und die Regeln für einmal zu Gunsten der Innenpolitischen Situation anpassen… Diese Anpassungen und Kompromisse werden aber eher selten in die Modelle eingearbeitet die zu China publiziert werden…

  • Bein meinen letzten Besuchen in Shanghai, Chongquin und Beijing habe ich festgestellt, dass eine gewissen Stagnation im Imobilienbereich eingestellt hat. Einer meiner Kontakte (Imobilien Investment Fund) geht klar auf Distanz zu weiteren Grossueberbauungen. Es gibt eine Uebersaetigung, diese wird sich im Jahr 2015 sicherlich klar zeigen.
    Anderseits verfuehgt China ueber immense Cash Reseven, welche sie fuer strategische Investitionen einsetzten (Energiebereicht und andere weltweit verfuegbaren Resourcen). Im Inland werden die Infrastrukturen erneuert, Transportwege und Technik neu aufgebaut und vor allem die Produtkionlinien von neuwertiger Technik aufgebaut. Dies mit dem Ziel inskuenftig mit top Produkten im Weltmarkt eine sehr wichtige Rolle zu spielen, was sie ja eigentlich schon haben.
    Wer heute in diesem Land investieren will, sollte sich gut ueberlegen mit wem er dies tut und welche Kontakte er in diesem Land hat. Wer mit den Chinesen in gemeinsame Projekte hineingehen will, ausserhalb des Landes hat gute Chancen hier einen guten Deal zu machen.
    Fazit, China ist interessant – ja, hat andere Methoden als dass wir uns gewohnt sind. Wer sich mit diesem Sistem der Zusammenarbeit anfreunden kann, der hat eine goldene Zukunft. Kontrolle ist wie im jeden Geschaeft von grosser Bedeutung.

    Viel Glueck

  • Andy Dreyer sagt:

    Ob China politisch zusammenbricht, sei mal dahin gestellt und ist ein ganz anderes Thema. Zur Wirtschaft: Wenn es USD 16,500 Einkommen pro Kopf braucht, bis die Wirtschaft sich verlangsamt, dann hat China noch viele Jahre grosses Wachstum vor sich. Der offizielle Durchschnittslohn in Peking war letztes Jahr RMb 3500/ Monat oder ca. USD 550/ Monat / USD 6600/ Jahr. Das gilt für Peking und Shanghai. Geht man in kleinere Städte ist es einiges tiefer. Man braucht nur 1 Std. mit dem Auto raus aus Peking zu fahren, um Menschen zu finden die kein fliessendes Wasser oder Toiletten bei sich zu Hause haben. China hat in den letzten 25 Jahren gewaltig aufgeholt, vorallem in den Städten. Aber auf dem Land sieht die Sache anders aus. Da immer noch über 50% der Bevölkerung in sehr bescheidenen Verhältnissen auf dem Land wohnt, kann man sich ausrechnen wieviel Wachstumspotenzial eigentlich noch vorhanden ist.
    Die Frage ist, kann die Infrastruktur und die Umwelt dieses Wachstum noch tragen. Vorallem in den grossen Städten scheint man an ein Limit gelangt zu sein. Daher hat die Regierung im neuen 5-Jahresplan die Stärkung von regionalen Zentren und deren Infrastruktur geplant. Dies soll eine bessere Verteilung der Ressourcen ermöglichen und der Landflucht vorbeugen. Wer die Chinesen kennt, der weiss, dass solche Programme ohne wenn und aber durchgezogen werden. Das Geld dazu haben sie ja von ihren Exportüberschüssen und es ist doch weitsichtig, dass die Regierung Investitionen tätigt, die dem Land zu Gute kommen. Und die Wirtschaft wird so auch noch angekurbelt.
    Man sagt schon seit den 90er Jahren, dass China eine Blase ist die bald platzen wird. Ich würde nicht darauf wetten. Möglich, dass es Politisch einen „Chlapf“ geben wird, weil der Unterschied zwischen Arm und Reich immer grösser wird. Aber wirtschaftlich, sieht es kaum danach aus.

  • Dukie sagt:

    Ich war das erste mal 1991 in China und lebe nun seit 2 Jahren in der Naehe von Shanghai und kann die Entwicklung live miterleben. Das Wachstum wird sich unweigerlich verlangsamen – bei einem hoeheren GDP wird es immer schwieriger die jetzigen Wachstumsraten zu halten. Aber China macht im Moment vieles richtig. Sehr hohe Investionen in die Infrastruktur von morgen – Hochgeschwindigkeitszuege, Autobahnen, moderne Flughhaefen, keine groessere Stadt ohne ein Subway Projekt. Weiters wird in Forschung und Hochtechnologie investiert – zum Teil mit massiver Unterstuetzung der Regierung.
    Hunger gibt es sicherlich ist aber ein sehr kleines Problem. Die Umweltverschmutzung ist ein Problem und von der Regierung erkannt. Ich kann selber feststellen, dass sich z.B. die Luftqualitaet in Shanghai seit 1995 stetig verbessert hat obwohl viele Millionen Autos zusaetzlich auf der Strasse sind.
    China ist super dynamisch und wird sich iweiter rasend schnell entwickeln.

  • Iten sagt:

    China: In den Fabriken sagen die Arbeiter offen, dass sie erhebliche Lohnsteigerungen erwarten,
    weil die Inflation enorm ist und weil sie generell nicht mehr die Billigknechte sein wollen.

    seltsam

    Darum wird in Deutschland ab 1 Mai 2011
    der 1Euro Stundenlohn eingeführt.
    Arbeitnehmerfreizügigkeit.

    Der Deutsche übernimmt die Sklavenarbeit der Chinesen.

    Am 1.Mai ist es soweit, Arbeitnehmerfreizügigkeit.

  • Iten sagt:

    EU Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 1 Mai 2011, Tag der Arbeit… kotz.

    „Der Ökonom rechnet damit, dass rund 100.000 Arbeitskräfte nach Deutschland kommen. Dennoch sieht Franz keinen allgemeinen Druck auf die Löhne.“

    Hierzu ist festzustellen das dem Herrn Ökonom die Regel der Marktwirtschaft nicht bekannt zu sein scheint:

    Aus Angebot und Nachfrage entsteht der Preis(Lohn).

    Bei einem Überangebot von Arbeitskräften, 3-8 Millionen Arbeitssuchende oder mehr, können noch mehr Arbeitskräfte nur den Sinn haben die Löhne noch weiter nach unten zu drücken.

    Mindestlöhne lehnt Franz ab. „Es gibt eine empirische Evidenz , dass ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn je nach Höhe in Deutschland Hunderttausende Jobs kosten würde – vor allem bei gering Qualifizierten.

    Die könnte man sich locker leisten, wenn man den Zuzug von 100.000 Arbeitskräften aus Osteuropa einfach lassen würde Herr Ökonom!
    Lieber Hunderttausende Jobs mit Mindestlohn, die liegen der Allgemeinheit nicht mehr auf der Tasche, als noch mehr „ich nix deutsch spreche/ich 6 Kinder/ich Krank“ die die Sozialkassen aussaugen.

    Wo liegt hier der Denkfehler, Herr Ökonom?

    Ich weiß:
    Wir haben gar keine Marktwirtschaft , sondern eine Konzerndiktatur die höhere Löhnen verhindert.

    Wir sollen gar keine Möglichkeiten mehr haben von unserer Arbeitsleistung zu Leben.

    Wir sollen uns im Wettbewerb nach unten gegenseitig fertig machen und uns dabei noch über „könnte preisgünstiger werden“ freuen.

    Herr Ökonom sagen sie doch einfach:
    Wir werden Europa an die Lebensverhältni sse von Osteuropa und Russland anpassen.

  • Iten sagt:

    Seit dieser Woche sind IWF, EZB und die Europäische Kommission in Portugal, um mit Regierung, Opposition und Gewerkschaften Einsparungen zur Bewältigung der Finanzkrise zu beraten. Lohn- und Rentenkürzungen, Praxisgebühren für sozial Schwache – den Portugiesen drohen radikale soziale Einschnitte, gegen die sich bereits Widerstand regt.

    Sie möchten also wie bisher auf fremdem Kredit weiterleben. Was werden sie erst machen, wenn man sie aufgibt und nicht mehr rettet? Dann steigen sie aus dem Euro aus, führen ihren Escudo wieder ein und drucken massiv Geld. Nur werden sie für diese Escudos nichts importieren können. Dann beginnt die wirkliche Einschänkung – per Inflation.

  • Iten sagt:

    Euer Geseiere über freie Marktwirtschaft und Demokratie zumal meistens keine direkte Demokratie ist,
    ist purer Hohn gepart mit naivem Horizont.
    Also, hier braucht man nicht groß zu diskutieren….Zentralbanken = Planwirtschaft
    Geld und Waren müssen dasselbe sein.
    Nur dann regelt das freie Spiel von Angebot und Nachfrage die Geldmenge und nicht die Planwirtschaft.
    Irgendwann bilden sich dann relativ stabile Gleichgewichte.
    Warum haben wir dan 880 Billionen an Derivaten?
    Das Geld druckt man sich einfach in die eigenen Taschen,
    den im Nichts ist unendlich viel Geld.

    Wie 1929
    Jetzt ist Schluss.
    Der Kredit wird eingezogen.
    Die FED kauft die Pimco-Anleihen und monetarisiert damit die US-Staatsschulden.
    Früher hat man den Staatskapitalismus der Sovjetunion belächelt,
    heute schweigt man betroffen.
    Die Eigenwürde wurde gleich mit monetarisiert.

  • Mathias sagt:

    China hat noch viel Wachstumspotential, ein Grossteil der Bevölkerung hungert immer noch und hat keine Schulbildung. Das Land ist im Vergleich zum westlichen Länder immer noch ein Entwicklungsland, deswegen wächst es ja auch so toll. Ein Highend Land wie Japan kann kein Wachstum mehr generieren ohne „virtuelle“ Märkte zu erschliessen, wie es der Rest des Westens tut, aber China kann noch lange wachsen, da sie immer noch nicht auf einem Nennenswerten Stand sind.

  • Iten sagt:

    Die möglichen Herabstufung der US-Bonität durch S+P,
    ist nicht etwa der Lauf der Dinge, sondern bewusst platzierte Ansage.
    Die nächtste Stufe der Eskalation wird angegangen.
    Der Crash wäre mir in nächsten Jahr lieber gewesen,
    könnte nun bereits 2011 stattfinden.

  • Iten sagt:

    Ein vereintes Europa wird und kann es nie geben, da die Unterschiede in Kultur/Sprache/Traditionen/Stolz seit Tausenden von Jahren diese Gebilde geformt haben, ebenso könnten sie schreiben eine VEREINTE WELT.

    Es wird immer Schwache und Starke NAtionen geben, jede braucht ihre Aufgaben/Währungen und Politische Ziele.

    Die Vielfald macht es in der Natur vor, es funktioniert nur so lange alles gut läuft, doch das läuft es nunmal nicht.

    Menschen sind unterschiedlich, und das ist es was die Farben der Nationen in Europa ausmachen.

    Mischt man diese Farben in einem Topf kommt immer Braun dabei raus.

    Das Experiment USA zeigt es, jede Gruppe versucht in seinem Kulturkreis zu leben“!

    Zudem war dies die IDEOLOGI der Nazis und Kommunisten eine solche Gesellschaft zu kreiren.

    Gottseidank wird dies niemals passieren“!

  • Peter Faber sagt:

    Ich kenne die Verhältnisse in China zu wenig, um hier einen gescheiten Kommentar abzugeben, aber dafür gibt es ja einen Nouriel Roubini.
    Ich möchte folgenden Kritik von Nouriel Roubini zu Chinas Wachstumspolitik jedem zur Lektüre empfehlen.
    http://www.project-syndicate.org/commentary/roubini37/German

  • Daniel Martel sagt:

    Gewiss ist China weder eine Demokratie noch eine echte Marktwirtschaft. Was aber auffällt, ist die langfristige Strategie, die Chinas Eliten in Wirtschaft und Politik verfolgen. Beispielsweise beschaffen sie sich systamtisch alle Schlüsseltechnologien, nicht mehr, um sie nachzubauen und den Markt zu èberschwemmen, sondern um sie gezielt weiterzuentwickeln und die Führerschaft zu übernehmen. Europa und die USA riskieren erneut eine „Entindustrialisierung“, wie schon in den 70er Jahren zugunsten Japans. Skrupellos nützen die Chinesen schlliesslich auch die Schwächen der europäischen und amerikanischen Eliten aus. Diese sind auf den kurzfristigen Profit ausgerichtet. Der amerikanische und leider europäische CEO denkt an die nächste Powerpoint-Diaschau der rein finanziellen Resultate, sein chinesischer Kollege an den nächsten Technologiesprung zehn Jahre in der Zukunft. Auch hierzulande denkt man viel zu kurzfristig. Von links bis rechts ist – mit Ausnahme Hayeks – kaum ein Visionär in Sicht, der an die Schweiz von morgen denkt.

  • Emil Roduner sagt:

    China befindet sich in einer stürmischen Entwicklung, und es hat einen riesigen Nachholbedarf, verglichen mit einem westlichen Lebensstandard. Aber die Entwicklung erfolgt nicht überall gleichzeitig. Sie hat in Shanghai und ein paar anderen Städten begonnen und greift kontinuierlich auf das ganze Land über. Bis weit in die Innere Mogolei werden Autobahnen gebaut. Die Entwicklung fürht zu einem hohen und auch ökologischen Standard. An den fortgeschrittenen Orten sind die Kamine mit dem schwarzen Rauch ausgestorben.
    An einem nationalen Forschungsinstitut, das ich kenne, sind die Arbeitsezeiten sehr vergleichbar mit unseren. Und jeder fest Angestellte, z.B. auch eine Sekretärin, kann sich ein Auto leisten, so er/sie will. Und wenn eines gekauft wird, darf es nicht zu klein sein. Chinesen sind äusserst ehrgeizig und haben ein hohes Selbstbewusstsein. Während es bei uns üblich ist, die Produktion ins Ausland zu verlagern, wenn dabei Lohnkosten gespart werden können, sagt China bei jedem Produkt: Das können und wollen wir auch selber herstellen. Es werden nicht Rohstoffe exportiert, sondern Fertigprodukte, also nicht Wolle sondern Pullover. Dies ist die Einstellung, welche garantiert, dass die Entwicklung noch länger anhalten wird.
    Wissenschaftlich hat China in wenigen Jahren einen grossen Sprung nach vorne gemacht. Aktuelle Themen werden mit grosser Kompetenz bearbeitet. Und an der Sptze der Forschungseinrichtungen und der Natioanlen Akademie stehen Spitzenforscher, nicht Parteifunktionäre. Und die führenden Einrichtungen haben sehr viel Mittel zur Verfügung.
    Wir tun gut daran, die Entwicklung in China ernst zu nehmen und uns nicht hinter nostalgischen Vorurteilen zu verstecken. Es wächst ein selbstbewusster und äusserst leistungsfähiger Konkurrent für unsere ziemlich verwöhnte und zerstrittene westliche Gesellschaft heran. Sicher möchten wir nicht alles aus dem heutigen China auf unsere Gesellschaft übertragen, aber wir werden uns darauf einstellen müssen.

    • Andy Dreyer sagt:

      Sehr guter Kommentar, Herr Roduner. Vorallem der letzte Paragraph

    • Urs Brock sagt:

      Hr. Roduner, die Vision China hat nach meinen Ueberlegungen ein paar Fallstricke… nur so als Food for Thoughts…

      das Bevölkerungswachstum…China muss nur schon um die neu auf den Arbeitsmarkt kommenden mit Arbeit versorgen zu können ca. 7% Wachstum liefern. Die noch Arbeitslosen und Verarmte Landbevölkerung noch nicht einberechnet.
      1.3 Mrd. Einwohner die, falls die irgendwann mal alle zu 100% produzieren gar nicht soviele Konsumenten finden die das alles kaufen.
      Der Ersatz von menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen…
      Der Binnenmarkt der bisher vernachlässigt wird inkl. einer dazu gehörenden Lohnentwicklung mit der sich auch das produzierte absetzen lässt d.h. ein wirksame Balance von Binnenmarkt und Import/Export ohne von einem zu stark abhängig sein zu müssen.
      Die kommende Aufwertung der Währung wird mehr als genug Arbeitslose hervorbringen…
      Demokratiedefizit… wie entwickelt sich das Bedürfnis mitreden zu wollen ab einem gewissen erreichten Wohlstand?
      China ist schlicht einfach zu gross was die 1.3 Mrd. Bevölkerung anbelangt.

      Indien als Konkurrent den ich persönlich wesentlich ernster nehme als China.

    • Anh Toan sagt:

      @Emil Roduner: Ich bezweifle nicht, dass es in China Forschungsinstitute mit sehr guten Arbeitsbedingungen (und sehr guten Wissenschaftlern) gibt. Jedoch gehe ich davon aus, dass die Sekretaerin dort einen Hochschulabschluss (Fremdsprache oder Betriebswirt) und neben hervorragende Qualifikationen auch gute Kontakte hat (ohne reiche Familie haette sie keinen Hochschulabschluss). Das sind nicht die Arbeitsbedingungen einer typischen chinesischen Sekraeterin. In diesem Punkt sehen Sie China etwas zu sehr aus der Expats Welt. Arbeiten Sie schon lange dort? Ich gestehe, mein Chinabild beruht zum Teil auf Analogieschluessen zu Vietnam, ist ne Weile her seit ich in China war, vielleicht muss ich es revidieren, aber ich lese zum ersten Mal irgendwo, eine Sekraeterin koenne sich ein schickes Auto kaufen in China, von ihrem Erwerbseinkommen.

    • Roman Günter sagt:

      Ihre Beobachtungen in ehren, Herr Roduner. Einem Staat, welcher Pflanzen grün streichen lässt, damit sie dem geplanten Bild entsprechen, dürfte es durchaus möglich sein, sorgfältig geplante und geführte Institute als Wunschbild zu unterhalten und kortrollierte ‚Freiräume’zu schaffen. Das gab es schon in der DDR und vielen anderen Plankulturen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass eine mehrtausendjährige Kulturgeschichte systematisch zerstört wurde und die Chinesische Gesellschaft in zentralgesteuerter Abhöngigkeit funktioniert. Dem durchaus vorhandenen exessiven Ehrgeiz einiger Chinesen steht keine kulturmoralische Ausgleichsmotivation entgegen. Es werden durchaus Fertigprodukte exportiert, wobei aber der an der Gesamtqualität gemessene desaströse Resourcenverbrauch atemberaubend ist. Resourcen von Rohstoffen wie auch von Menschen. Alle mittleren und grösseren Institute und Firmen der ‚Privatindustrie‘ stehen unter der Aufsicht eines Ministeriums, an der Spitze stehen immer Parteifunktionäre. Der Aufwand, dieses Plansystem zu kontrollieren steigt überexponentiell mit zunehmendem wirtschaftlichen Erfolg. Es fehlt prinzipiell an der gesellschaflichen Kohäsion, was ohne die zentralistisch Machtstruktur sehr viel Konfliktpotential birgt. Eine kritische Betrachtung über die Zukunftschancen dieses Systems ist also durchaus angebracht. Die Umstände sind so komplett verschieden, dass keine Parallelen zu Japan gezogen werden können.

  • China wird ein weiteres interessantes Lehrstück. Ich bin ein Verfechter von direkter Demokratie und Marktwirtschaft als bestes System. In diesem System korrigiert die marktwirtschaftliche (direkte) Demokratie sowie der freie Wirtschaft Übertreibungen frühzeitig und somit weniger schmerzlich. In allen anderen Systemen, wo Regierungen planen und eingreifen, müsste es demnach sporadisch zu grösseren Korrekturen durch den Markt kommen. China ist das Paradebeispiel einer geplanten „Marktwirtschaft“ wir werden also daran sehen, ob sich meine These bewahrheitet.

    • Urs Brock sagt:

      Hr. Rapazzo, sie als Volksverterter sind nicht eventuell zu Marktgäubig…. (muss es zu grösseren Korrekturen am Markt kommen) was bitte soll das am Ende bedeuten?

      Das man als verantwortlicher Politiker die Märkte einfach mal machen lässt so in etwa wie sich die Arbeitslosen gem. einer Theorie in Luft auflösen so diese denn nur ihre Lohnansprüche immer mehr senken bis diese wieder Konkurenzfähig sind und eingestellt werden? Dumm gelaufen nur das etwa die Lebenshaltungskosten sich nicht gleich verhalten und sinken… Dumm gelaufen auch, das man die gesammten Sozialen Strukturen die der Mensch für ein akzeptables Leben braucht nicht gleich mit Globalisiert oder Internationalisert worden sind…

      Will ich, einer Theorie entsprechend dorthin wandern wo es Arbeitsplätze gibt lösen sich etwa meine Rentengelder in Luft auf… dazu kommt noch vieles mehr das nicht über landesgrenzen hinweg mitgenommen werden kann.

      Dem Investor der nicht’s mehr tun muss als Kapaital von A nach B zu transferieren sind diese Individuellen und/oder Gesellschaftlichen Ansprüche komplett egal… Meiner Meinung nach wird hier 1 Risiko, das des Verlustes, gegen alle anderen Risiken die liberalsierte Menschen und Gesellscahften auf sich nehmen müssen gegenüber gestellt und als ultimativer Massstab für alles anderen benutzt.

      Liberalisierungen endet nun mal einfach damit das sich die rücksichtlosen (nicht die Besten) am Ende durchsetzen wären der Rest dumm aus der Wäsche schaut. Der Begriff Marktwirtschaft bzw. Soziale-Marktwirtschaft ist leider nur noch ein Schatten dessen was dies mal vor 20 Jahren und mehr bedeutet hat…

    • Anh Toan sagt:

      @Pierre Rapazzo: Wozu sind Regierungen gut, wenn sie nicht „planen und eingreifen“? Herr Brock hat schon recht, Sie sind echt zu markt- und (direkt)Demokratieglauebig. Das autoritaere Regime durchaus erfolgreich sein koennen, zeigt Singapore.

      • @Anh Toan: Ich war zu wenig prezise. Richtig heisst es, wo Regierungen ohne Kontrolle planen und eingreifen sind Systeme weniger effizient. Meine These ist, dass die direkte Demokratie die Eigentümerverantwortung in grossen Systemen am Besten umsetzt. Aber tatsächlich, das stimme ich Ihnen zu, Basis ist ein Grundwohlstand.
        @Urs Brock: Ich stelle den Markt nicht über die demokratische Kontrolle im Gegenteil, er ist Teil der Demokratie. In China gibt es weder Markt noch echte Demokratie. Wobei es soetwas wie eine indirekte Demokratie, die besagt, dass die Herrscher den Volkeswillen umsetzen müssen, ansonsten sie durch das Volk ersetzt werden.

    • Mike Keller sagt:

      Man kann ja gegen die politische Form von China sein, aber das bedeutet noch lange nicht, dass diese nicht zum Erfolg führen kann. Ich würde auch Markt-Korrekturen für China erwarten, aber das kann noch einige Jahre dauern, ja vielleicht um einiges länger als in der westlichen demokratischen Welt, in welcher es bald alle 5 Jahre zu einer Wirtschaftskrise kommt. Geld regiert die Welt, egal in welchem politischen System, und das liegt zurzeit in China. China war mit Ausnahme der letzten 200 Jahren, 2000 Jahre lang das wirtschaftlich stärkste Land der Welt. Man kann die letzten 200 Jahre als kleine Krise taxieren und den heutigen Aufschwung als Rückkehr an die Spitze betrachten. Ich bevorzuge auch die direkte Demokratie, was aber nicht heissen soll, dass dies das beste System ist.

    • Hampi sagt:

      Pierre Rappazzo GLP Wädenswil sagt:
      22. April 2011 um 08:49

      Ich glaube auch an ihre These. Denn die Entwicklung verläuft: ….Wohlstand-Demokratie-Menschenrechte…… und nicht umgekehrt. Leider!

  • Natürlich liegt es im Interesse der Kapitalisten uns China als Model, das es zu imitieren gilt, vorzuführen. Insbesondere von der autoritären Führung sind unsere Wirtschaftskapitäne ja hell begeistert – vermutlich weil ihre Unternehmen genauso autöritär funktionieren, wie China und unsere CEOs in China einen Seelenverwandten entdeckt haben. Kapitalismus führt unweigerlich zum Faschismus – China ist da keine Ausnahme, die USA sind auf dem selben Weg, haben aber noch ein wenig mehr (pseudo)Demokratie vorgeschaltet.
    China investiert in Shopping Malls die niemand braucht oder benützt, es baut Eigentumswohnungen – ganze Viertel – die sich praktisch niemand leisten kann, aber in den Büchern für 70’000 USD geführt werden, es fälscht Statistiken und manipuliert seine Währung. Und trotzdem reden unsere Superhirnis in den Teppichetagen vom ‚freien Markt‘.
    Während die Bevölkerung in China bereits die hohe Inflation zu spüren bekommt, die ihr den Lohn wegfressen, bereichert sich eine kleine (Partei)Elite und deren Handlanger auf Kosten der Umwelt und der Bevölkerung. Der control fraud ist bereits deutlich sichtbar für jeden/jede die aufmerksam beobachtet.
    Ca. 65 Millionen Wohnungen stehen leer, die Preise sind in Beijing im März im Vergleich zum Vormonat um 25% eingebrochen. Man kann also durchaus von einer Blase reden, die nun zu platzen scheint – oder zumindest gehörig Luft ablässt.
    Das staatskapitalistische China ist bestimmt kein Vorbild und es wird die Weltwirtschaft auch nicht retten, das ist auch nicht seine Aufgabe. Es soll bloss die Kapitalisten retten.

    • Urs Brock sagt:

      …und wer rettet die Kapitalisten hier in der Schweiz, in Europa? Nur um mal ein wenig näher zu Hause zu bleiben und dort nach dem rechten zu sehen… trotz oder vieleicht gerade wegen der Globaliserung die wohl den Weg freigemacht hat um Kapital rund um den Globus ohne grössere Behinderungen fliessen zu lassen… aber das war es dann auch schon. Mehr will man gar nicht…

      Viele aktuelle Verantworltiche sind sich wohl nicht bewusst das die einst leeren nicht bewirtschafteten Märkte irgenwann gesättigt sind und ab diesem Zeitpunkt das aktuelle Oekonomische System an seine Grenzen kommt, also an die Grenzen bei denen man weiterhin behaupten kann es gehen nachher allen besser.

      Dem ist leider nicht so weil die Verwertungsansprüche der Investoren eben nicht aufhören… Die nehmen keine Rücksicht auf Gesammtgesellschaftliche Zusammenhänge, erdreisten sich aber die ultimativen Anspruchshalter zu sein denen sich alles unterordnen muss.

      Nach wie vor bin ich der Ansicht das die Bürger der Schweiz, der EU auf eine privat-wirtschaftlich-authoritäre Gesellschaftsstruktur zusteuern welche eben nicht mehr den Anspruch haben möchte freiheitlich-gemeinschaftlich-staatlich sein zu wollen… ja sie muss es angesichts mangelnder existierender Alternativen auch nicht mehr. Der Staat wird deshalb nur noch dazu benutzt Wirtschaftlich orientierte Partikularinteressen zu bedienen. Die Sozialen Bereiche und die Menschen die dort Leben müssen bezahlen den Preis dafür… nicht nur in Geld sonder eben auch in bürgerlichen Freiheiten die Tag für Tag beschnitten werden…

      Die Profitgenerierung braucht keine Mitspracherechte… insofern lässt sich aus den Chinesen, den Europäern, den Schweizern noch einiges mehr rauspressen als dies heute schon der Fall ist.

      • Da bin ich Ihrer Meinugn. Die Kapitalisten in Europa/Schweiz braucht allerdings niemand zu retten, denn ciese ca. 1 % der Bevölkerung sind bereits seit einiger Zeit globalisiert und Teil der globalen Elite und darin bestens integriert. Die Interessen der Kapitalisten sind ebenfalls weltweit dieselben: Die Welt nach ihren Vorstellungen zu formen, will heissen, für sich immer mehr Resourcen und Reichtum zu monopolisieren, während die anderen dann verhungern können.

    • ihr beschreib entspricht auch meiner annahme und meiner kentnisse. es grenzt an kriminalitaet wie die regierung die wirtschaft tun laesst. die einen hungern die anderen arbeiten fuer 250$. der kleine rect kauft sich autos von D. umwelt ,das gift liegt offen auf dem feld oder vergraben beim grundwasser. chinesen sind das korrupteste volk vom planet erde, geld stinkt in china nicht, im gegenteil, chic es zu haben.Die westwelt drueckt fuer miese loehne und verdient sich dabei bei importen dumm und daemlich, siehe apple. teure geraete loehne ein skandal,label kleider 1000%gewinn. ein grossteil der chinesen hat leere maegen. der hunger wird sie auf ie strassee treiben und dann ?? werden wir sehen

    • Hampi sagt:

      @ Parvaneh Ferhadi / Urs Brock

      Chinas Aufstieg ist eine Realität ! Eine Realität, die durch eine Milliarde Konsumenten im Westen ermöglicht wird.

      Die meisten sind China gegenüber kritisch, wenn man sie auf der philosofischen Seite erwischt. Wenn man aber die Seite des „wirtschaftlichen Verhaltens“ nimmt, dann sind ALLE Feuer und Flamme. Mit „Alle“ meine ich schätzungsweise ca. 95 %.

      Und unter den restlichen 5 % befinden sich wahrscheinlich mehr alte Bonzen, die den persönlichen Kontakt (Der „Ich-bin-noch-jemand“-Effekt) aus dem Tante-Emma-Laden vermissen, als die wirklichen China-Kritiker.

      Sie können nun den Kapitalisten (gemeint ist wohl eher „Reiche“) die Schuld am Ganzen in die Schuhe schieben. Irgendjemand muss ja immer herhalten. Aber anzunehmen, dass so eine Entwicklung, wie dieser Chinas, von den Reichen/Kapitalisten angezettelt/inszeniert/manipuliert werden kann, ist grotesk. Die Kapitalisten/Reiche sind nur insofern schuld, als dass sie die oben beschriebene Beobachtung (95% gierige Konsumenten) machen und dann opportunistisch handeln.

      • Sie verkennen die Realität völlig. Es ist nicht so, als hätten sich 1.3 Milliarden Chinesen für den Staatskapitalismus entschieden. Es war ein kleine Minderheit, die Parteielite, die diese Entscheidung gefällt hat und nun kräftig abkassiert und eine ein wenig grössere, neue Mittelschicht profitiert ebenfalls.
        Das wird aber nicht von Dauer sein, schon allein deshalb, weil das kapitalistische Modell nicht nachhaltig ist und irgendwann – teilweise ist dies schon der Fall – die Resourcen für dieses Modell ausgehen.
        Im Westen profitiert die Bevölkerung ebenfalls nicht, denn die Multis machen zwar Gewinne wie blöd, das wirkt sich aber nicht in mehr oder besser bezahlten Stellen aus, im Gegenteil. China wird genauso crashen, wie es die USA gerade tut, das liegt in der Natur der Sache (des Kapitalismus).
        Vielleicht probieren wir als nächstes dann Indien aus, dort ist die Klassen (oder Kasten)gesellschaft bereits seit Jahrunderten Realität, ebenso wie der krasse Gegensatz arm/reich.

        • Hampi sagt:

          Ohne Zweifel wird China früher oder später „crashen“, das gehört (nicht nur zum Kapitalismus sondern) zur Natur des Menschen.

          Aber genausowenig, wie ich auch nicht jemandem verbieten kann, zu heiraten, nur weil er/sie früher oder später stirbt, kann ich als Aussenstehender sagen, wie sich China bitte schön zu entwickeln hat.

          Die Situation der Menschenrechte ist zum Kotzen in China. Aber wären sie besser, wenn wir nicht mit China Handel treiben würden?

          Was uns am meisten Mühe macht, ist die Tatsache, dass es keine moralisch saubere Lösung gibt. Oder nur eine: die Schweiz treibt nur noch mit Ländern Handel, die ihr das Wasser reichen können, wenn es um die Beachtung der Menschenrechte (inkl. Lohnniveau etc.) geht. Das wäre Isolation Total ! Der ganze Rest ist und bleibt in der moralischen Grauzone.

          Das ändert aber nichts daran, dass ein gewisser Grad an Wohlstand/Organisation der beste Nährboden (wenn nicht sogar Vorbedingung) ist für Demokratie/Menschenrechte.

          Die Tatsache, dass die Mittelschicht in China wächst oder sogar neu ist, sollte jeden sozialdemokratisch orientierten Denker aufhorchen lassen !

          • Hampi sagt:

            …. ausser er reduziert den Definitionsbereich seiner philosophischen Einstellungen auf die nationalen Grenzen ( a la Thilo Sarrazin).

      • Urs Brock sagt:

        Zudem ist es wohl eine eher simples System die Produktionskosten in Billiglohnländern denen von Hochlohnländern gegenüberzustellen und mit dieser Differenz Handel zu betreiben…

        Ich bewundere eher die Unternehmen die es fertigbringen in Europa zu produzieren und trotzdem ihre Produkte verkaufen zu können ohne das mit Millionen von billigst Wanderarbeitern der Absatz und Profit gesichert werden muss.

        China, wie auch Japan, Korea und zum Teil Malysia, Phillipinen und andere Asiatische Länder kämpfen wohl alle mit ähnlichen Herausforderungen. Die Gesellschaft so aufzubauen das Exporte nicht mehr von den Entwicklungen der Industrienationen abhängig sind was ein hervorrangendes Bildungssystem vorraussetzt… aber auch eine entsprechende Kultur die solche Entwicklungen erst ermöglicht.

        Japan hat etwa 40 Jahre gebraucht bis die Produkte nicht mehr belächelt wurden sondern ernsthafte Konkurrenz bedeutete. Ein elementarer Faktor der gute Produkte zu einem Selbstläufer macht sind Markennamen… deren Aufbau und Unterhalt kostet viel Geld und Ausdauer….das war für Japan eines der grössten Hindernisse.

        Wie sieht das nun aus mit den anderen Asiatischen Nationen? Eher schlecht würde ich sagen… die Marken die von dort kommen sind hier nur wenig bekannt. Ausnahme ist Korea… stehen die mal hier in den Geschäften kennt die keiner weil ja die permanente Werbung dazu fehlt… Was aber von diesen Ländern kommt sind Ideen, Konzepte, Konstruktionen und schliesslich Produkte die aber nur zum Teil ihren Ursprung in diesen Ländern haben. Das ist nicht zu verwechseln mit reinem Produzieren und Exportieren.

        Der grösste Teil der Chinesichen Exporte sind Auftragsarbeiten…

        Alternative ist, sich die Marken zu kaufen wie etwa Lenovo von IBM und Volvo. Den Wert der Marken aber in den Köpfen der Konsumenten zu erhalten ist wirklich schwierig. Einerseits war da mal IBM als respektable Marke voraus Lenovo wurde. Dann noch Volvo, die Marke die zum grossen Teil vom „Made in Sweden“ lebt… wird da die Produktion nach China verlagert wird das Auto trotz des Volvo Labels schnell zu einem Made in China und da sind die Konsumenten nicht bereit mehr als nötig zu bezahlen…

        Ich könnte mir auch vorstellen das die Chinesen. ähnlich wie die Russen und viele andere, die lokalen Marken verschmähen sobald genügend Einkommen vorhanden ist um sich Importprodukte i.e. Westliche Marken leisten zu können…

        Die nächste Hürde für China wird wohl eine Anpassung der Währung sein so das die Exporte sich verteuern und Importe sich verbilligen (nach herkömmlicher Logik). Nicht ohne Hintergedanken fordern das einige von China (gleich wie früher mit Japan) und dann stehen die unbekannten Marken plötzlich im Internationalen Wettbewerb mit anderen was Bekanntheitsgrad, Preis und Qualität anbelangt… und das schüttelt niemand einfach so aus dem Aermel.

        Auch nicht die Chinesen…

  • Anh Toan sagt:

    Im Ergebnis gebe ich Ihnen recht, Ihre Begruendung ist jedoch falsch: Geschichte wiederholt sich eben gerade nicht, sonst wuerde sie sich im Kreis drehen. Ihre „Zahlenglauebigkeit“ kann ich auch nicht teilen: Meines Erachtens waechst die chinesische Wirtschaft seit 2008 nicht mehr real: Die weltweiten Exporte aus China haben in den Jahren 2008 bis 2010 um etwa 25% zugenommen (uschina.org), jedoch in USD. Bereits in EUR ist dies etwa Null, also kein Realwachstum im groessten Treiber der chinesischen Wirtschaft. Etwa gleich mies sehen die Zahlen fuer auslaendische Direktinvestitionen aus. Falls die chinesische Wirtschaft tatsaechlich in dieser Zeit um knapp 10 Prozent jaehrlich gewachsen waere, haette sich Konsum und Staatsausgaben etwa verdreifachen muessen, dies muesste sich jedoch in deutlich wachsenden Importen zeigen, die Zunahme betraegt hier real jedoch nur etwa 10%. Selbst wenn dem aber so waere, ist dies bestimmt nicht nachhaltig. Die Frage ist nur, wie lange ein autoritaeres Regime sich diesen Tatsachen verweigern kann? Und die Geschichte lernt uns hierzu nur eine Antwort: Es haengt davon ab!

    • Peter Baldinger sagt:

      Kennen Sie z.B. den grössten Lastwagenbauer der Welt?
      Beiqui Foton wurde 1996 in China gegründet und ist aktuell mit 580’000 Einheiten der weltweit grösste Nutzfahrzeug-Hersteller.
      ca. 400.000 Ingenieure verlassen pro Jahr in China die Universitäten. Glauben Sie diese Zahlen sind gefaked?
      Ich glaube, bevor Sie nicht einen Beiqui Foton vor Ihrer Haustüre gesehen haben, ist noch unendlich viel Potential vorhanden.
      Chinas Herausforderungen sind im Umweltbereich, Menschenrechte und die ungleichen Einkommensschichten.
      Auch die USA und Europa durchliefen „Ein Auf und Ab“ bei der Wirtschaftsentwicklung.

      • Beat Urwyler sagt:

        Nun über die Qualität der chinesischen Ingenieure sollte man nicht eine so hohe Meinung haben. Ich habe vor 5 jahren für ein grosses deutsches Chemieunternehmen eine 50 jato-Anlage in der Nähe von Shanghai mitangefahren, folgende Sachen fielen mir auf:

        In den Arbeitsverträgen der chenischen Arbeiter stand drin, dass auf der Nachtschicht nicht geschlafen wird, sondern gearbeitet.

        Als die Anlage angefahren wurde, wurde dies von Europäern gemacht, weil die Arbeiter nachts doch schliefen.

        Viele Ingenieuere waren erfahrungsmässig sehr schlecht, während ihre theoretische Ausbildung gut war, waren sehr selten in der Lage Probleme zu bewältigen, die nicht im handbuch standen.

      • Anh Toan sagt:

        @Peter Baldinger: Zweifellos haette China noch eine Menge Potential, vielmehr billige Massengueter (LKW) zu produzieren, leider hat der westliche Konsument nicht das Potential, diese zu kaufen, und ohne Wertsteigerung auf chinesische Immobilien geht auch den chinesischen Konsumenten die Puste, sprich das Geld auch aus. Gemaess dem Link zu Roubini (Peter Faber sagt: 22. April 2011 um 09:47) betragen die staatlichen Infrastrukturinvestitionen 47% der Wirtschaftsleistung. Sie koennen aber nicht nur Autobahnen bauen, es braucht auch Konsumenten die Autos kaufen koennen um darauf zu fahren.
        Ich kenne die Baqui Foton Lastwagen nicht, ich kenne chinesische Motorraeder ein wenig. Deren Wiederverkaufswert liegt nach drei Jahren nahe bei Null. Und das Bildungsniveau eines durchschnittlichen chinesischen Elektroingenieurs liegt unter demjenigen eines CH Elektromechanikers. Das chinesische Bildungssystem produziert genau soviel Ingenieure, wie im Fuenf- oder Siebenjahresplan vorgesehen, da die Quantitaet der Hochschulabgaenger messbar ist, deren Qualitaet aber nicht im Plan definiert ist. Bei staatlichen Projekten gibts weder Verzoegerungen noch Mehrkosten, dafuer muss nach kurzer Zeit nachgebessert werden. Die Realitaet wird passend zum Plan gemacht. Alleine dass die Plaene regelmaessig erfuellt werden zeigt, dass die Zahlen getuerkt sind.

        • Hans Gschwind sagt:

          Herr Anh Toan: danke für die beiden Beiträge. Sie treffen den Punkt, welchen, leider, viele verblendeten nicht sehen obwohl die Geschichte auch da zugezogen werden kann (RoC und RoK als Paradebeispiel in Sachen Industrieveränderung).
          Nur „old china hands“ können dies nachvollziehen.

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