Ein aussichtsloser Kampf

In der Weltwirtschaftskrise kamen auch schon Schweizer Beschäftigte durch ein unflexibles Währungssystem in die Klemme. Quelle: «Modern Times» von Charles Chaplin.

In Davos ist wieder einmal verkündet worden, die Euro-Krise sei vorbei. Schön wärs. Die Schulden- und Bankenprobleme sind keineswegs gelöst, und die bange Frage, wie eine heterogene Währungsunion ohne Ausgleichsmechanismen (Arbeitsmarkt, Fiskaltransfers) funktionieren soll, bleibt weiterhin offen.

Zurzeit versuchen die südlichen Peripherieländer mit allen Mitteln ihre Löhne und Preise unter das deutsche Niveau zu drücken, um ihre Handelsbilanzdefizite zu verkleinern. Bisher ist der Erfolg jedoch ausgeblieben. Spaniens Inflationsrate ist momentan sogar höher als die deutsche. Zwei Probleme stellen sich. Erstens nimmt der politische Widerstand mit jeder Massnahme zu, und zweitens ist es praktisch unmöglich, Löhne und Preise im Gleichschritt zu senken. Der Kampf scheint aussichtslos.

Die Schweizer Wirtschaftsgeschichte bietet hierzu guten Anschauungsunterricht. In den 1930er Jahren war die Wirtschaft mit dem Problem konfrontiert, dass der Franken um etwa 30 Prozent überbewertet war, weil die meisten Länder den Goldstandard verlassen und ihre Währungen abgewertet hatten. Weil von links bis rechts der Konsens bestand, dass die Aufgabe des Goldstandards für die Schweizer Wirtschaft und die Arbeiterschaft schädlich wäre, entschied man sich, mit allen Mitteln Löhne und Preise zu senken.

Der politische Widerstand war immens. Dazu ein Beispiel. Im Dezember 1932 beschloss das Parlament eine Kürzung der Löhne der Bundesbeamten um 7,5 Prozent in den Jahren 1934 und 1935. Innert vier Monaten wurden mehr als 300’000 Unterschriften gegen diese Vorlage gesammelt, im Mai 1933 kam es zur Abstimmung: 55 Prozent der Stimmbürger sprachen sich dagegen aus.

Auch andere Teile der Wirtschaft wehrten sich gegen die Senkung der Preise und Löhne, insbesondere die Bauern. So blieb den Schweizer Behörden am Schluss nur noch die Abwertung des Schweizer Frankens um 30 Prozent (im September 1936). Wie wir wissen, steht dieser Weg den südlichen Peripherie-Ländern nicht offen. Zu diesem Problem war in Davos kein Pieps zu hören.

Keine Kommentare zu «Ein aussichtsloser Kampf»

  • Freiherr sagt:

    @Herr Schwarz:

    Nicht „Deutschland“ hat profitiert, sondern nur die Lohnsklavenhalter und anderen Kapitalschmarotzer. Der Erschaffern und Sicherern des Bruttosozialplroduktes bleibt von ihrer Arbeitsleistung prozentual so wenig wie vorher in der ganzen Geschichte nicht einmal billig verpflegten statt nur nur bis zum Verhungern nackt ausgepowerten Peitschensklaven….

  • Michael Schwarz sagt:

    Der Optimismus zum EUR in letzten Tagen wird durch die Hoffnung des Anstieg des Zinssatzes begründet, weil die Inflation in EU anstieg. Aber das Problem ist das Ungleichgewicht zwischen den EU-Mitgliedern, deshalb kann die ECB den Zinssatz nicht erhöhen, bis das Ungleichgewicht der EU-Mitgliederländer teilweise ausglichen ist.

    Durch tieferen EUR haben die Länder wie Deutschland, die höhe Produktivität aufweisen können, sehr stark davon profitiert, auf Kosten der Länder wie Irland, Spanien usw. die tiefere Produktivität haben. Der Ausgleich kann nur durch die Inflation geschehen, es besteht keine andere Möglichkeit, die strukturelle Problematik in EU zu lösen.

  • Hermelin Morgentau sagt:

    3 February 2011 Last updated at 01:34 GMT on the BBC

    Chrystia Freeland asks are the super-rich out of touch?

    The ranks of the very seriously wealthy grow and grow, and the gap between them and the societies they once belonged to, grows wider and wider.

    Shareholder Kapitalismus in seiner reinsten Form 😉

    Could it be that the Arab sheikh, the Russian oligarch and the American internet magnate have more in common with each other than they have with the people they purport to live among?

    Gated Communities sind nur 1 Element solcher Gesellschaften 😉 Dellusional Grandeur…

    BBC Newsnight asked Chrystia Freeland, the global editor-at-large of Reuters, to tell us what she makes of them.

    ….

    Diejenigen welche die sich stetig weiter spreizenden Einkommens- und Vermögensverhältnisse Frage stellen und/oder Alternativen suchen, werden u.a. ausgelacht, Gevierteilt, mit heissem Oel übergossen, an den Pranger gestellt, in die eiserne Jungfrau gesteckt, die Fuss- und Zehnnägel ausgerissen, mit Psychopharmaka behandelt, als Gutmenschen ausgegrenzt…

  • Michael Schwarz sagt:

    Der CHF war und ist eine Fluchtwährung. Die Situation ist mit 30er nicht vergleichbar, die Wirtschaft wächst wieder durch die überschüssige Liquidität der Zentralbanken. Es gibt mittelfristig keinen Grund in CHF zu flüchten. Der FED hat bereits mit Rücknahme des USD angefangen. Der Zins wird bald in USA zu legen, was von Krugman in letztem Jahre erwartet wurde.

    Ich habe in der vergangenen Beitrag über die empirische Erfahrung aus der Wirtschaftsgeschichte geschrieben, dass die Erkenntnisse aus der Vergangenheit nicht in der Zukunft übertragen kann. Aber wie wir gesehen haben, die Menschen lernen aus der Vergangenheit, oder nehmen die Situation so wahr, dass die Geschichte sich wiederholen würde, was eigentlich nicht wahr ist. Die Wahrnehmung des Menschen verursacht den Zusammenbruch, weil die Menschen an der Wiederholung der Wirtschaftsgeschichte glauben, – das verändert die Wahrnehmung der Fondmanager und Investoren.

    Deshalb können die Erkenntnisse aus Wirtschaftsgeschichte die zukünftige Entwicklung stören, weil die Menschen an etwas glauben, welches nichts da ist. Die Wahrnehmung verändert die Welt, nicht Welt selbst.

    • anh toan sagt:

      @Michael Schwarz: „Der FED hat bereits mit Rücknahme des USD angefangen“: Soweit mir bekannt, macht das FED zur Zeit QE2 mit 50Milliarden USD pro Monat bis Juni: Wetten dass QE3 kommt, wenn spaetestens im April (Mitte Berichtssaison Q1?) die Langfristzinsen zu steigen und die Aktienmaerkte zu fallen beginnen? Geschieht dies (Zinsen/Aktienmaerkte) nicht bis Mai/Juni gibts vielleicht kein QE3. Der USD zeigt mir eher QE3, als bald einmal steigende USD Zinsen.

      Die Welt hat es noch immer nicht begriffen, was es bedeutet, sich nicht nur in der eigenen Waehrung, sondern gleichzeitig in der Weltreservewaehrung verschulden zu koennen, und ausserdem einen ziemlich kleinen Importanteil an der Wirtschaft zu haben. Ich verstehe es auch nicht im Detail, aber ich verstehe schon, dies ist ein riesiger Vorteil, sprich tiefere Finanzierungskosten, sprich groesseres Profitpotenzial sofern der Vorteil nicht verkonsumiert wird. Es erlaubt einem, zum Konsumenten der Welt zu werden. Aus US Sicht ist die Politik Bernankes bestimmt nicht unvernuenftig. Ich glaube, hier muessen Sie nachdenken, wenn Sie Volkswirtschaft studieren!

      Ein Mann in Tunesien zuendet sich an und startet damit eine Revolution in Aegypten welche das Potential hat, den nahen Osten und die ganze Welt zu veraendern. Man konnte verstehen, dass es kommen wird, aber ob morgen oder eine Generation spaeter?

      Lieber Student, entschuldigen Sie meine manchmal arrogant ausgedrueckte, jedoch im Kern als bescheidene Denkanregung gemeinten Aussonderungen: Herr Schwarz, die Welt besteht aus Fragen, nicht aus Antworten. Wenn Sie Volkswirtschaft studieren, muessen Sie damit leben, dass es kein richtig und falsch gibt, es gibt nur Theorien: „Guertel enger schnallen“ oder „Defizitspending“ sind beides grundasetzlich moegliche Wege aus der Krise, es gibt Meinungen dazu, welcher Weg im konkreten Fall der richtige ist. Und nicht mal im Nachhinein laesst sich beantworten, ob der andere Weg besser gewesen waere. Volkswirtschaft ist keine EXAKTE Wissenschaft. Und trotz meiner grosser Skepsis gegenueber „Defizitspending“: Ihre Kommentare gegenueber Herrn Bernanke (und seiner Kollegen im Gremium) erwecken bei mir die Ansicht, Sie glauben, was diese tun sei entweder komplett dumm oder kriminell. Sind Sie sicher, Sie (der Student) verstehen es besser als Herr Bernanke (und seine Kollegen) oder wollen Sie sagen, Herr Bernanke weiss, dass es falsch ist, macht es aber weil………? Selbst als alter Punker finde ich Sie manchmal ein bisschen Repektlos gegenueber Personen, die auf alle Faelle einen gewissen Leistungsausweis haben. Und das bedeudetet nicht, dass man jeden Satz mit ich denke/glaube/meine schmuecken muss oder nicht kritisieren darf.

      • Michael Schwarz sagt:

        @anh toan: der Fed muss frühe und später mit der Rücknahme der überschüssigen Liquidität anfangen. Es ist nicht aus zu schliessen, dass Bernanke die Rücknahme der Liquidität nicht in Medien kommunizieren will. Der Leitzins wird bald steigen, der Zins der Anleihen ist bereits stark gestiegen. Der Kauf der Staatsanleihen zeigt kaum noch Wirkung. Eigentlich kann der Fed mit dem Kauf der Staatsanleihen gleich aufhören, weil diese Massnahme nichts mehr bringt.

      • Michael Schwarz sagt:

        @anh toan 03.Feb.2001,13:27: Hr. Bernanke vertritt der Meinung eines Pessimist. Das beeinflusst seine geldpolitische Entscheidung, vor allem betreibt er eine protektionistische Geldpolitik. Solche Ökonomen wie Bernanke hat mein Respekt nicht verdient, weil er nicht in der Lage ist, die kreative Lösung zu entdecken, die die Wirtschaftsstabilität in den USA gefördert wird. Er hat die Weltwirtschaft in Gefahr gebraucht, welche das Währungssystem destabilisiert, die Wirtschaftsfrieden zwischen den Nation gefährdet. Er betrachtet das Problem isoliert, er sieht das gesamte Bild, nicht, oder nicht sehen will.

        Für mich ist er kein Wirtschaftswissenschaftler, sondern ein Dozent, der das Standardmodell wörtlich zitiert, ohne dessen Auswirkung klar zu sein – er handelt so wie einen Dozent, seine Lernstoff starsinnig abarbeitet.

        Ein Wirtschaftswissenschaft muss von der ethischen Grundsätze leiten lassen, die die Stabilität und Wohlstand einer Nation gefördert wird. Das hat Bernanke nicht beherzigt – er ist ein Politiker.

  • Rolf Schumacher sagt:

    Dieselben Leute welche die Krise zu verantworten brabbeln nun selbstgefällig, sie sei ausgestanden. Sarkozy stammelt etwas von Regulationen (wenigstens nicht total besoffen wie auch schon), welche unbedingt notwendig und Vasella und die internationalen Top-Banker und CEOS treten ihm sogleich kräftig und bestimmt in den Hintern, denn sie wollen den freien globalen nicht regulierten Markt. Wo Borer-Ackermann-Cameron zu sehen sind suchen Ethik und Moral fluchtartig das Weite. Denn wenigstens die wahren Werte wollen die dekadente Oekonomen-Saueorgie auf dem entzauberten Berg unbesudelt überstehen. Die Krise ist gerettet, das ist wie die Aussage des Scharfrichters. Er werde dafür sorgen, dass wenn das Haupt abgeschlagen sei, es in sichere Hände komme. Merci Scharfrichter für deine Güte.

  • Eron Thiersen sagt:

    Sich auf die Geschichte zu berufen ist völlig fehl am Platz und an der Problemlösung vorbeigeschrieben. Wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann dass wir nichts daraus gelernt haben. Dazu kommt, dass sich Politik, Technik, Gesellschaft, Bevölkerungswachstum grundsätzlich verändert haben und weiter verändern und zwar nicht linear proportional. Also wenn es darum geht Schlüsse zu ziehen und Vorschläge zu unterbreiten, muss zuerst klar sein, dass wir neu anfangen müssen und das Erlernte bewährte nichts taugt, außer darüber zu sinnieren.

  • Leo's Schale sagt:

    Und mit Verlaub, nicht nur bei den Türken, sondern auch immer mehr bei den DE’s sind u. werden die „Chäschüechli’s“ unbeliebter denn je. Warum wohl? ;-))

    • anh toan sagt:

      Im Kern gleicher Grund warum Juden hauefig unbeliebt sind: Einerseits Neid auf ein im Kern verdammt gut funktionierende Gesellschaft, andrerseits die daraus resultierende Arroganz dieser Gesellschaft.

  • Freiherr sagt:

    Dass der Euro verschuett gehen muss, wussten ein paar hoechstkaraetige Deutsche Professoren und Schweizer Experten (allerdings nicht mit UBS-Pansion) schon bei dessen Einfuehrung. Die Keulung des Euro kostet jetzt schon Generationen Billionen. Die Frage ist nur, wieviel gutes Geld dem schlechten noch nachgeworfen werden, bzw. wie die suedlichen Staatsschulden moeglichst vollstaendig von den zinsgeilen Baenkstern auf die noerdlichen Stuerzahler abgescheufelt werden sollen. Immerhin will Scheuble die Kapitalschmarotzer nicht ganz ungeschoren laufen lassen. Ob er sich auch durchsetzt ist dann aber wieder eine ganz andere Frage….

    Dass sich die Buerger noch einmal fuer ihre Beamten wehren werden wurde mit uebelstem „Teile und Herrsche!“ vorgebeugt. Der fruehere Grundsatz, dass hoheitliche Verwaltung der Person des Buergers (abgesehen von der Steuererklaerung ueber das Einkommen und Vermoegen) sofort, muendlich und unentgeltlich zu erbringen ist, wurde gekeult. Adoptionsverfahren werden gar viele Jahre verschleppt und zigtausende von Franken abgezockt. Konsulate werden geschlossen. Botschaften fuer Exportraepplispalter und Dezageldverteilungsstellen fuer Auslaender schiessen aber wie Pilze aus dem Boden. Die Oma, die ihre magere Rente naeher ans Monatsende streckt, indem sie im Nachbardorf einkauft, muss ihre Waren entweder einem Zollautomaten schriftlich deklarieren oder einen Umweg von Dutzenden von km ueber ein fuer die muendliche Abfertigung des normalen Buergers noch geoeffnetes Zollamt in Kauf nehmen. Der AAA-Kunde Exprotraepplispalter wird zum Discouttarif in seiner Bude bedient, mit einem immensen personellen und materiellen Aufwand fuer die flaechendeckende Mobilisierung der Zollabfertigung, statt der fuer den Staat rationellen und sicheren Stellung und Abfertigung von Handelwaren nur an der Grenze oder in Zollfreilagern.

    Wenn die absichtlich mit komplizierten Gesetzen uns Kapputtsparuebungen verhasst gemachten Exbeamten (jetzt gibts nur noch dem Arsch des Vorgesetzten statt Recht und Gesetz verpflichtete Staatsbuettel) waehrend Jahrzehnten von der Entwicklung des BSP abgekoppelt auch noch um den Teuerungsausgleich auf der dadurch ohnehin mickrigen Rente beschissen werden, wurde ein Referendum gegen diesen politischen Besitzstandsklau ohne verlorenen Krieg chancenlos, da der Wutbuerger nicht merkt, dass er mit seiner Rache an den im Befehlsnotstand handelnden Staatsdienern den schuldlosen Sack statt den schuldigen Esel schlaegt….

    Der Hass des Wutbuergers wird auf den Beamten geschuert. Dahinter verstecken sich dann die Schwatzbuder, die neuerdings gar mit selektiven Budgetverweigerungen unter Verletzung der primitivsten Gewaltentrennung Einfluss auf die vollziehende Gewalt nehmen, statt alle ihre Zumutungen fuer die Buerger und Geschenke an den Kapitalschmarotz klar in ihre Gesetze zu brunzen….

    Der Hammer ist dann, wenn die Baenksterpartei nach der Mitbrunzung schickanoesester Vorschriften gegen Buerger und Lohnsklaven sowie noch selber produktive Kleingewerbler und Baenkstersklaven als kafkaesker Wahlgaeg eine „Initiative gegen Buerokratie“ lanciert….

  • Michael Schwarz sagt:

    Ich entschuldige mich für meinen Schreibfehler. Sie können auf die Abwertung des USD als absurde betrachten. Wenn ich ein Ami wäre, hätte ich mich von Bernanke verraten gefühlt. Die Politiker und der Fed haben die USA Stück für Stück an Saudis und Chinesen verkauft. Sie sind kein Ökonomen, sondern USA Verkäufer.

    • anh toan sagt:

      aber was absurd bedeutet, verstehen Sie noch immer nicht: die Abwertung des USD ist logisch, nicht absurd, absurd ist allenfalls die Politik des FED und der Regierung.

  • Hampi sagt:

    Die Stimmung in Davos war optimistisch und vor allem Politiker (Merkel, Schäuble, Lagardère) riefen bereits das Ende der Euro-Krise aus. Ich frage mich, was wohl zutrifft: ist der Euro in den letzten Tagen gestiegen, weil Politiker die Euro-Krise in die Vergangenheit verbannt haben; oder haben sie die Euro-Krise in die Vergangenheit verbannt, weil sie gesehen haben, dass sich der Euro erholt hat? Ich denke, letzteres entspricht mehr der Wahrheit. Leider hat aber die vorübergehende Erholung des Euros fast ausschliesslich mit technischen Faktoren (extrem überverkauft) zu tun und weniger mit einem grundsätzlichen Umdenken bei den Investoren. Zudem erwähnten verschiedene Artikel in der Presse, dass hinter den Kulissen nach Lösungen gesucht wird: auch das ist ein Grund für die kurzfristig positive Stimmung. Doch deshalb gleich die Krise für beendet zu erklären ist reichlich vorschnell. Dabei unterstelle ich den Politikern nicht, dass sie naiv und gutgläubig sind, sondern nur, dass sie dies beim Volk voraussetzen.

    Politiker können die öffentliche Meinung manipulieren. Aber verbale Manipulationen geben nur so lange was her, bis die Menschen wieder durch den “kurzfristig-positiven-Nebel” sehen können. Dahinter werden sie leider das gleiche (alte) Euro-Grundproblem wiede vorfinden. Das ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche. Und das Grundproblem (Ungleichgewicht) könnte sich in nächster Zeit sogar noch verstärken: wenn die Wirtschaftsbosse recht haben und sich die Weltwirtschaft allmählich erholt, dann werden die Divergenzen zwischen Deutschland (& Co.) und Spanien (& Co.) noch grösser.

    Aber ich würde das Ganze trotzdem nicht einen “aussichtslosen Kampf” nennen. Vielmehr scheint es mir zurzeit aussichtslos, weil noch nicht mit vollem Einsatz gekämpft wird. “Verbale Stimmungsmache” scheint mir nicht die ultimative Kampfstrategie zu sein. Die Allianz von Finanzmarkt und Politik ist trügerisch, denn solange die Politiker nicht mit nachhaltigen, konkreten Lösungen (z.B. Euro-Bond, Verdoppelung EFSF, europäischer IMF, etc.) aufwarten, kann die Stimmung plötzlich wieder drehen.

    Und dann haben Politiker zwei Möglichkeiten: entweder sie schalten wieder gebetsmühlenhaft auf “Spekulanten-Bashing” um (und bescheren so den Spekulanten den “Trade des Jahres”), oder aber sie bringen endlich den “grossen Wurf”.

    • Urs Brock sagt:

      Also wenn ich eine wie auch immer gelagerte Verantwortung für 500 Mio. Menschen hätte (die habe ich offensichtlich nicht) ich würde den Investoren und Spekulanten (gibt’s da wirklich Unterschiede?) mit ihrer Verantwortungslosigkeit gegenüber eben diesen 500 Mio. Menschen…

      Was würde ich tun mit diesem Gesindel…? Arbeiten können die ja nicht, etwas erschaffen ja auch nicht… für was blos könnte man diese Menschen denn noch brauchen… Spekulanten sind top, Spekulation wird als etwas nicht-anstößiges betrachtet, das Finanzcasino als eine Selbstverständlichkeit, ein natürliches Biotop sozusagen das äusserst liebevoll gepflegt werden muss.

      Wie sehr sich dies geändert hat, kann man beispielhaft daran ermessen, dass es in den 70′ + 80′ Jahren selbstverständlich war, dass ein Großteil der politisch meinungsführenden Zeitgenossen gegen Bodenspekulationen angingen und dafür Programme entwarfen um dies zu verhindern. Heute ist in den verantwortlichen Gruppen die Bewunderung für Spekulationsgewinne üblich. Sendungen zur besten Sendezeit mit ihren völlig irrelevanten Stocktickers müssten eigentlich als Banalisierung/Verharmlosung der Spekulation deklariert und reguliert werden, Diese suggerieren dem geneigten Zuseher eine gewisse Anteilnahme an etwas wichtigem… obwohl man nicht’s zu sagen hat.

      Es wird suggeriert das jeder von uns, um wieviele Ecken auch immer , ein kleiner Spekulant und Aktionär ist.. Als Vorzeigethema beliebt sind Beteiligungen via Rentensysteme um der Spekulation einen sozialen Anstrich geben zu können. Ob das nun freiwillig ist oder unter Zwang, darüber redet man nicht so gerne.

      Die zerstörerische Minderung der volkswirtschaftlichen Produktivität ist eine weitere direkte Wirkung der Neoliberalen Fatamorgana.. Wenn in einer Volkswirtschaft für den Betrieb des Kapitalmarktes stets grössere Anteile an Ressourcen aufgewendet werden dann muss man sich nicht wundern, dass die Produktivität dieser Volkswirtschaften nicht besonders hoch ist und nicht gut wächst. Wenn Autobahnen, wenn Brücken und Tunnel und Schulen mit besonderem Aufschlag privat finanziert, gebaut und betrieben werden, dann wollen die Betreiber auch etwas verdienen. Das mindert die Produktivität… Gesamtgesellschaftlich gesehen… Die Liste Neoliberaler Verfehlungen ist lang und länger…

      …entscheidend ist, dass die neoliberale Ideologie nicht nur zu einer anstössig ungerechten Verteilung von Einkommen und Vermögen führt, sondern nicht einmal produktive Lösungen für die Organisation einer Volkswirtschaft anbietet… Der Neoliberalismus ist eine ausgesprochen verschwenderische und unproduktive Ideologie.

      Aktuell bezahlen die Bürger in einer Reihe Europäischer Länder für diese abartigen Raubzüge wärend man den Menschen gleichzeitig den Vorwurf unter die Nase reibt „….das wir in den vergangenen Jahren über unsere Verhältnisse gelebt haben und von nun an der Gürtel enger geschnallt werden muss“…

      Man macht dies hier in der Schweiz indem man die Budgets einfriert und spart und spart… und spart… und spart… obwohl es keinen Mangel an Wohlstand gibt.

      Ein wirklich Anschauliches Beispiel war Chile in den 70′ des vorherigen Jahrhunderts. Die in der chilenischen Diktatur ausprobierte Ideologie feiert heute ihre Umsetzung in vielen Staaten Europas. Die Lissabon-Verträge, der Bologna-Prozess (Vorbereitung zur Privatisierung der Bildungssysteme) sind infiziert vom gleichen Geist: Privatisierung, Deregulierung, Abbau des Sozialstaats, Stagnation und realer Rückgang der Masseneinkommen auf der einen Seite und das freie Floaten der Spitzeneinkommen nach oben auf der anderen Seite.

      Entstaatlichung, Plünderung öffentlichen Vermögens zugunsten der Konten und Taschen von einigen wenigen… Die Renteneintrittsaltererhöhungen auf 67 sind nur der letzte von vielen grössen Raubzügen…

      Man kann also noch viele kommende Monate am kranken Euro versuchen zu reparieren… die Währung, 1 Währung soll nun alles ausbügeln was falsch gemacht wurde? Sieht für mich eher nach einem Strohhalm aus…

      • anh toan sagt:

        @Urs Brock; Als alter Kiffer weiss ich: Der Schwarzmarkt ist unglaublich effizient in der Befriedigung der Nachfrage: Trotz Repression koennen Sie in jeder groesseren Stadt dieser Welt problemlos jede Droge innert ein paar Stunden kaufen. Das schlimmste an diesem ausserhalb aller staatlichen Regeln stattfindendem Markt sind die Kartelle (Zusammenschluss der Produzenten zwecks Ausbeutung des Konsumenten), sowie der fehlende Verbraucherschutz (Was kaufe ich?). Aber die Befriedigung der Nachfrage funktioniert hervorragend!

        Die Erhoehung des Rentenalters auf 67 ist kein Raubzug: Es ist die logische Folge der hoeheren Lebenserwartung. 1970 war die durchschnittliche Rentenbezugsdauer 11 Jahre, heute sind es 17 (Zahlen von ver.di). Das gleiche gilt uebrigens fuer den BVG Umwandlungssatz, bei welchem die heutigen Rentner die zukuenftige Generation berauben, und einem die gesetzlich vorgesehene Wahlmoeglichkeit zwischen Kapitalbezug und Rente genommen wird, da der Kapitalbezug beim aktuellen Umwandlungssatz dumm waere!! In der Schweiz subventioniert heute ein Familienvater mit knapp TCHF 100 Jahreseinkommen fuer die ganze Familie (2+2Personen) ueber AHV und Krankenkasse Rentner, deren Einkommen aus Renten und Vermoegensertraegen (keine Miete, Hypo weitgehend abbezahlt) fuer zwei Personen beinahe so hoch (oder teilweise sogar noch hoeher) ist. Aermere Rentner in der Schweiz muessen sich 3% Vermoegensverzehr anrechnen lassen pro Jahr, fuer den fehlenden Rest gibts (steuerfreie) Ergaenzungsleistungen, waehrend ein Alleinerzieher mit TCHF 50 Jahreseinkommen Kinderbetreuung, Arbeitsweg, Steuern, AHV, Krankenkasse bezahlen soll. Die „armen“ Bauern fahren im 3.0 TDI SUV mit Leder, Klima, Navi durch die Gegend (gibts die TCHF 5 noch immer von der Armee?), waehrend ihre subventionierrten Schafe unbewacht in den Alpen weiden. Das Haus der Bauern steht auf Landwirtschaftsland, der Wert ist also gering, die Bauern sind arm, waehrend sich ein Alleinerzieher mit Kind in 45m2 2-Zwg zwaengt. Ich weiss, es gibt arme Rentner und arme Bauern in der Schweiz, trotzdem sehe ich im Ergebnis in staatlichen Umverteilungssystemen nicht besonders viel Gerechtigkeit. Es wird umverteilt von arm zu reich, nicht nur, aber zu einem nicht unwesentlichen Teil.

        Und nochwas Herr Brock: Habe frueher auch mehr getrauemt, wollte meine Mitarbeiter am Unternehmen beteiligen, Sie teilhaben lassen an Entscheidungen usw. Jedoch, Sie staunen vielleicht, glauben es vielleicht auch nicht, die wollten das gar nicht: Die wollten einen Chef haben, der sagt wo es langgeht und was sie wie zu tun haben, der die Verantwortung traegt, Entscheide faellt, das Risiko traegt. Sie wollten gefuehrt werden. Daran hatte ich kein Interesse, also hab ich wieder alleine als Freelancer/Kleinstunternehmer gearbeitet, Hier in Vietnam wollen die Arbeitnehmer keine soziale Sicherheit, bezahlte Ferien, getrennnte Klos fuer Maenhner und Frauen, sie wollen moeglichst viel Geld bar ausbezahlt haben. Lasse ich Sie nur 45 Stunden pro Woche arbeiten, suchen sie sich einen anderen Job nebenbei und kommen ohnehin jmuede zur Arbeit, dies auch, wenn sie bei mir gute Gehaelter verdienen.

        Herr Brock, meine Frage von oben „Wer definiert zivilgesellschaftliche Gerechtigkeit“ haben Sie noch nicht beantwortet. Unsere Gesellschaft findet es zur Zeit gerecht, dass ein Arzt mehr verdient als ein Busfahrer. Welcher gesellschaftliche Prozess schafft nun die Legitimation, sagen zu duerfen, dies waere ungerecht? Eine Mehrheitsabstimmung? Dann koennen Minarettverbot und Ausschaffungsartikel nicht ungerecht sein. Eine „Diktatur“ einer Elite in was ueberhaupt? Intelligenz? Elie in ethischen Werten, jedoch wer definiert ethische Werte.

        Wie Sie sehen Herr Brock, finde ich Ihren Ansatz durchaus sympathisch, jedoch utopisch!

        • anh toan sagt:

          …aber vielleicht sind die, die auf diesen Traum verzichten, duemmer als Sie!

        • Urs Brock sagt:

          Was aber ist mit den enormen Produktivitätszuwächsen die überhaupt nicht in den Rentensystemen berücksichtigt werden? Die fliessen heute einseitig an die AKtionärsstrukturen… sind also exklusiv für die Befriedigung der Rendite und Profitansprüche. In die Rentensysteme fliessen diese Zuwächse in keinster Weise… lieber hält man sich da an die einmal eingeführten % Abgaben vom Salär fest. Gerade die Saläre aber zeigen nur noch in seltenen Fällen eine steigende Funktion an… meistens flach oder sogar sinkend.

          Die Rentensysteme werden also auch von dieser Seite her ausgeblutet… weitere Methoden sind, die Beschäftigunsgverhältnisse so zu gestalten das keine Rentenabgaben entstehen… Stundenlöhne, Arbeit auf Abruf, Teilzeitjobs breiten sich immer mehr aus. Diese Beschäftigungsverhältnisse tragen nicht’s zu den Rententsystemen bei…

          Es schleichen da noch ein paar andere Systematiken rum… wunderbar versteckt. So etwa die Demographie welche dramatischer dargestellt wird als in tatsächlich berechnet werden kann.Lügner und Demagogen elende… u.a. Versicherungslobbyisten die an die fetten Kommissionen privater Rentengelder kommen möchten. Die Demographie aber ist genauso eine Zauberkugel wie die Oekonomie… und kann bestenfalls gute Prognosen für 3-4 Jahre berechnen.

          Das frühere Pensionsalter 65 war damals schon sehr knapp am Lebensende berechnet… finden Sie nicht? Ich schon und gerade weil wir ja so gigantische Fortschritte in allen Bereichen erziehlt haben, so sagt man, (Wohlstand wie nie zuvor jemand erreichte, Konzerngewinne die einen schwindlig werden lassen etc.), möchte ich auch daran partizipieren anstatt bis kurz an’s Lebensende zu kampfen…

          Naja,das mit den Umverteilungssystemen habe ich ja nicht fertig „gebacken“. Nur so wie es heute ist, das jeglicher Wohlstand von unten nach oben transferiert wird und dem gemeinen Arbeiter dann noch dauernd Faulheit vorgeworfen wird… passt nicht zu einem modernen Staatengebilde.

          Ihr Beispiel mit den Mitarbeitern habe ich selber erlebt. Eine irgendwie ernüchterne Erfahrung… trotzdem, ich gebe nicht auf und glaube… u.a. an das gute in uns… trotzdem möchte ich mich nicht mit den Vietnamesen und deren Situation vergleichen sondern neue Wege suchen… Ich denke einfach, das wir soviel krampfen, erschaffen und Wohlstand generieren wie nie zuvor… warum nicht einfach mal geniessen was man hat… in kleinen Dosen so das dies nicht all zu Reaktionär aussieht.

          “Wer definiert zivilgesellschaftliche Gerechtigkeit” kommt kommt…. da steckt mehr drin als nur ein paar Worte…

          😉

          • anh toan sagt:

            Es sind doch gerade die Linken, die die Renten an Loehne binden wollen, um ihrer Klientel, den Arbeitnehmern zu zeigen, wie wichtig sie sind. Ware Liberale wie ich wollen im Kern ein Recht auf Mindesteinkommen auf Konsumsteuerbasis: Es erspart die Abklaerungen bis Bundesgericht mit Anwaelten aus welcher Kasse ein Beduerftiger unterstuezt wird! Es vereinfacht den Umverteilungsaufwand enorm, und kann, dank einem staatlichen Auffangnetz mit den Haerten des Kapitalismus leben und von dessen Vorteilen profitieren. Dazu brauchts, hier sind wir uns einig sind Herr Brock, endlich ein Vorgehen gegen Kartelle (Am besten geschuetzt sind Anwaelte, dann kommen Aerzte, dann Bauern, und selbst die Arbeitnehmer haben ihre Kartelle: Gewrkschaften wie Pilotenverbaende halten zum Nachteil der Berufseinsteiger, des Unternehmens und der Volkswirtschaft die Loehne der Kartellmitglieder ueber dem Marktpreis. Das einzig teuflische auf dieser Wirtschaftswelt (es existiert schon immer und hat keinerlei positive Eigenschaften) sind Kartelle. Und bis mir ein Volkswirtschaftler erklaert, warum Kartelle systemimmanent im Kapitalismus sind, stelle ich den Kapitalismus an sich nicht in Frage, die Kartelle muessen bekaempft werden, Kartelle pervertieren den Kapitalismus.

      • anh toan sagt:

        @Urs Brock: Ich war auch mal der Ansicht, man sollte oeffentlichen Verkehr gratis machen (Finanzierung mit streichung des Fahrtkostenabzuges und Einsparung des Billetaufwand): Das Resultat waere Verschmutzte Zuege, Benutzung des oeff. Verkehrs als Uebernachtungsmoeglichkeit, ausser Sie machen die Zuege unattraktiv mittels unbequemen Baenken, keine Heizung/Klima oder permanenter gewaltmonopolistischer Ueberwachung auf Ordnung, dann fahren Zuege leer, da fahr ich lieber Fahrrad oder Carsharing was auch immer…… Geht nicht! Und nebenbei: Von Italien bis Vietnam decken die privaten Busunternehmen/Sammeltaxis etc. meine konkreten Transportbeduerfnisse besser, als der CH-OEV! Ich komme problemlos ohne Fahrzeug zurecht und fahre nur ausnahmsweise Taxi. In der Schweiz geht das nur eingeschraenkt und, zumindest ohne vertragliche Verknechtung zu hohem Konsum (Halbtax,GA,Strecken-Abonnemente) schweineteuer!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

        • Urs Brock sagt:

          Na also ganz gratis würde ich das Transportwesen jetzt auch nicht machen wollen… Der Ansatz mit den GA’s ist sowas…

          Zudem, man kann das ganze auch mit Auflagen betreiben. Strom und Wasser sind so was tolles hier in der Schweiz. Beides erhalte ich seit Jahren billig, konstant, ohne Bürokratie, ohne Knebelverträge, mit freundlichen Angestellten (und guten Arbeitsplätzen!) und in höchster Qualität… ohne jegliche AGB’s die ich mir in Stundenlanger Arbeit verständlich machen muss. Mit den hier so üblichen hellgrau gedruckten AGB’s haben sich übrigens Profijuristen in vielen Sitzungen beschäftigt und da soll man als Laie mal eben schnell unterschreiben… ?

          Für die Renten favorisiere ich ganz klar Umlagerungsverfahren wie die AHV. Billig, Einfach, Flexibel…

          Kapitalbasierte Verfahren sind viel zu unsicher, unflexibel, teuer… Was denken Sie was hier mit den PK Geldern passiert wenn, durch was auch immer, ein grosser Teil der Immobilen zerstört wird oder wie erst kürzlich die Indices der Kapitalmärkte in den Keller sausen (man rückt den Umwandlungssatz mal eben zureckt und entzieht den Eigentümern der Rentegelder damit Mio.) … Und die in der Schweoz wohnhaften finanzieren mit den hohen Mieten gleich auch noch die Renditen der PK’s. Ein äusserst seltsamer Kreislauf der da aufgebaut wurde…

          Ah ja, die vielen privaten Transportunternehmer in Indien-Süd-Ost-Asien. Kenn ich zu genüge… nach mehr als 2 Jahren Aufenthalt quer durch. Aber, wie sieht es denn aus mit den Kosten… versus den dort bezahlten Löhnen?

          Das tollste Transporterlebnis aber sind die Indischen Staatsbahnen… EIn Reiseerlebnis mit ganz eigenen Qualitäten… und bleibenden Erinnerungen.

          • anh toan sagt:

            Die Preispolitik des staatlichen Monopolisten SBB: Besuchen Sie die Schweiz nur kurze Zeit, werden Sie vom Monopolisten beraubt: Die Einzeltickets der SBB kosten ein Vermoegen, lediglich die Verguenstigungen bei hauefiger Benutzung (Halbtax und GA) machen die Preise der SBB akzeptabel, bei sehr hauefiger Benutzung und weiteren Rabatten (Familien-GA) wirds sogar billig. Aber CHF 36.00 fuer einfache Fahrt 2.Klasse ZH Flughafen nach Basel ist Wucher. Das bedeutet so ganz ueber den Daumen, dass die SBB einen Angestellten braucht, um 2-4 Personen zu transportieren! (Infrastruktur bezahlt Bund, SBB macht Verlust und Personalkosten duerften mit Abstand groesste Aufwandposition der SBB sein). Kosten mit Indien oder Suedostasien zu vergleichen ist schwierig, in erster Linie vergleiche ich Mailand-Rom, oder noch Marmaris-Istanbul mit Genf-Zuerich. Die SBB subventioniert ihre treuen Kunden zu Lasten der Gelegenheitskunden und der Allgemeinheit. Die treuen Kunden sorgen im Gegenzug dafuer, dass dies so bleibt!

  • Michael Schwarz sagt:

    Die Ideologie und der Credo „Privat ist effizienter als der Staat“, das sagt meine Prof. was ich damals dagegen sprach. Es hängt davon ab, welche Unternehmen im Welchem Bereich man privatisiert. Bsp. Enegieerzeuger, Bahnunternehmen(SBB), Stromnetzbetreiber, Krankenkasse, Internetdatenknoten, usw. die Unternehmen, im Bereich der Grundinfrastruktur und Strukturelle Sicherheit eines Landes tätigen sind, dürfen nicht privatisiert werden. Es wird die Sicherheit eines Landes gefährden, wenn der Staat von Privaten abhängig wird, wird der Staat erpressbar. Der Staat muss die strukturelle Sicherheit in eigne Hand halten, das ist die wichtigste Aufgabe eines Staates – Sicherheit für Grundversorgung und Preisstabilität. Die Aussage „Privat ist effizienter als der Staat“ ist falsch – die Krise hat uns zeigt.

    • Josef sagt:

      Seltsamerweise wird bei solchen Aufzählungen immer vergessen, dass auch das Geld zur Grundversorgung gehört, die Kontrolle darüber aber dem Staat nach und nach aus der Hand genommen wurde.

  • Nadine Binsberger sagt:

    @Brock 19:33: Sie haben vollkommen recht. Die Wirtschaft ist kontraproduktiv, die Politiker schlafen und die Zivilgesellschaft gefangen. Wir benötigen grundlegend alternative Wirtschafts-Konzepte. Diese sollten wir jetzt entwickeln, evaluieren und umsetzen.

  • anh toan sagt:

    Sehr geehrter Herr Straumann, ich habe Sie schon mal einen Buchhalter „geschimpft“, und ich will versuchen, zu erlauetern, was ich gemeint habe:

    Sie haben absolut Recht mit Ihrer Feststellung, dass die Handelsbilanzdefizite nicht kleiner werden, und damit die Wurzel bestehen bleibt. Es erscheint mir aber auch praktisch/politisch absolut unmoeglich, den Euro (auch in einzelnen Laendern) abzuschaffen. Die Politik arbeitet mit kleinen Schritten an Ausgleichsmechanismen/Transfers etc., allem was eben noetig ist, dass der Jura mit der gleichen Waehrung wie Zuerich, Sizilien mit der gleichen Waerhrung wie Turin leben kann, bzw. konnte. Man setzt in der Politik gerne das Strategische Ziel (Euro als emotionales Integrationsmittel und Handelsvereinfachung) an den Anfang und verschweigt, dass es viele Probleme gibt, um das strategische Ziel nicht zu gefaehrden (Kohl: Die Wiedervereinigung kostet nichts). Tauchen dann die Probleme auf, muss man sich halt damit abfinden, weil es im Leben nun mal kein zurueck gibt. Wer schon A gesagt hat, muss jetzt auch B sagen. Man kann jetzt aufschreien und von Betrug am Volk reden (wie viele bei Kohl), ich meine, das bedeutet regieren, naemlich fuehren und lenken, nicht das Volk (Meinungsumfragen) oder die Experten (Verwaltungsintern und -extern) fragen, selbstverstaendlich anhoeren, aber den Mut haben, was man als strategisch richtig erachtet, durchzusetzen, so wie es faktisch halt eben durchsetzbar ist. Und die eigentlich notwendigen Voraussetzungen schafft man spaeter, oder ueberlaesst man den Nachfolgern. Herr Straumann, die von Ihnen geforderten Ausgleichsmechanismen werden kommen und der Euro wird ueberleben, Inshallah!

    • Tobias Straumann sagt:

      Das hoffe ich auch, aber auf Allah würde ich nicht zählen… Es erinnert eher an einen Kampf unter griechischen Göttern: Zeus Trichet gegen Athene Merkel und Apollo Sarkozy etc.

      • anh toan sagt:

        Es tut mir leid, aber es ist mir wichtig, zumindest ein bisschen mehr Verstaendnis fuer den Islam und arabische Kultur in der westlichen Welt zu schaffen, die islamische Welt weiss bedeutend mehr ueber Christentum (Fast jeder Moslem weiss, der Gott der Christen und Juden ist der gleiche Gott, alle sind Kinder Abrahams und damit Brueder und Schwestern, Familie): Mein „Inshallah“ bedeutet

        „Falls es Gott gibt, kann der Euro gegen seinen Willen nicht ueberleben.“

        wobei die Einleitung „Falls es Gott gibt“ eingeschoben wurde, um zu verdeutlichen, dass die Existenz Gottes immer eine ungewisse Bedingung ist, denn wir koennen weder seine Existenz noch seine Nichtexistenz beweisen nur glauben oder eben nicht. Darum braucht „so Gott will“ kein „falls es Ihnen gibt“

        An den vielen Goettern der Griechen und Roemer sind vor allem die Halbgoetter gefaehrlich, es ist nicht so ganz klar, wer ist Gott und wer Mensch? Koennte Blocher Halbgott werden/sein? Da sind mir alle Religionen mit nur einem Gott lieber, sie verhindern, dass Menschen versuchen, sich zu Goettern aufzuschwingen.

        „Bukra (phonetisch) Inshallah“ bedeutet woertlich etwa „morgen, so Gott will“ es ist aber meistens ein freundliches „Nein“: Ich wurde gefragt ob ich arabisch spreche, habe geantwortet, „Bukra Inshallah“ und bekam zur Antwort: „Du sprichst arabisch!“ Ich habe eigentlich gesagt, heute spreche ich kein arabisch, aber wenn Gott es will, morgen, und er hat mir gesagt, dass ich die wenigen Worte, die ich kenne, so verwende, wie sie in dieser Kultur benutzt werden, aber er hat verstanden, ich kann eigentlich kein arabisch.

        „Inshallah“ sagt eigentlich „ungewiss“ und ist darum unmoeglich als Schlachtruf!

  • Urs Brock sagt:

    Nun ja, nach bald mal 30 jahren Neoliberaler Indoktrination sind auch die Lösungen innerhalb dieser etwas begrenzten Ideologie zu suchen… Ob man je was finden wird, was Nachhaltiges? Nunja, es wird ja bereits gebastelt was das Zeug höt um nur ja nicht von eingefleischten Dogmen abweichen zu müssen. Wie sich zeigen wird, Erfolglos.

    Moderne Gesellschaften bzw. Zivilgesellschafltiche Ansprüche an moderne und fortschrittliche Funktionen eines Staates zerbrechen an den umfassenden liberaliserungen…

    Die Sozialstaatlichkeit der Schweiz und anderer Länder wurde de facto infrage gestellt. Die Verantwortlichen Kräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft waren nicht mehr stolz auf ein enges soziales Netz und soziale Sicherheit. Soziale Unsicherheit wurde unausgesprochen zur ökonomischen Triebfeder. Man erinnere sich: Flexibilisierung, Deregulierung, unsichere Arbeitsverhältnisse (Wanderarbeiter, Stunden- Tagelöhner) als ultimative Triebfeder des Home Oeconomicus und des heilgen Grals, der Effizienz (Ressourcenallokation in allen möglichen Facetten).

    Selbst Kleinkinder sind Ressourcen, für privatiserte Kindergärten… Wahnsinn, diese Fortschritte Zivilgesellschaftlicher Entwicklung…

    Neoliberal angehauchte Effizienz? Ich krümme mich vor lachen… Wettbewerb? ach so… Anstatt 1 Postauto/Pöstler sind es nun 3 und mehr die das gleiche tun. Anstatt eine KK sind es mehr als 180 die das gleiche tun… usw. es gibt, nach bald 30 Jahren intensivem Umbau a la Neoliberal eine endlos lange Liste von massiver Ineffizienz die aber Ausnahmslos sozialisiert (stetig höhere Preise zum Beispiel, bei erheblichem Leistungsabbau mittels der allgegenwärtigen hellgrauen AGB’s) werden… Deshalb sind diese auch so schwer zu erkennen.

    Privatisiert aber werden die Gewinne. Am liebsten noch Steuerbefreit. Kapitaleinsatz wird Jahr für Jahr massiver belohnt, Arbeit wird Grundsätzlich bestraft.

    Entstaatlichung. Den Staaten quer durch Europa (ganz speziell in den ex. GUS Ländern) wurden durch eine entsprechende Steuerpolitik systematisch die Zivilgesellschaftlich notwendigen Mittel entzogen. Mehrere hundert Mio. jährlich in der Schweiz. Heute fehlt es an wichtigen öffentlichen Leistungen bzw. diese werden immer teuerer. Strommarktliberaliserung. Die Verschlankung des Staates wird als Hebel benutzt, um der Neoliberalen Agenda den Weg zu bereiten. Zum Beispiel die bei bürgelich/konservativen so beliebte Schuldenbremse, die in eine Spirale der öffentlichen Versorgung nach unten führt. Zum Beispiel hilft das Aushungern der öffentlichen Hände bei der Durchsetzung von Privatisierungen.

    Kommt’s bekannt vor?

    Privatisierung. Viele öffentliche Unternehmen wurden privatisiert die PTT, eine Reihe von Energieversorgern, Stadtwerken, Wasserwerken und Entsorgungsunternehmen. Bei anderen haben die öffentlichen Hände zwar nicht das Eigentum aufgegeben, dafür aber das Eigentumsrecht zur Führung dieser Unternehmen. Sie wurde den ernannten Vorständen und den im Aufsichtsrat herrschenden Wirtschaftsführern überlassen, ohne Wahrnehmung der öffentlichen Verantwortung.

    Die Gemeindeeigene (von 5 Gemeinden gemeinsam unterhalten) Mühlabfuhr kam bis vor ein paar Jahren 2x die Woche. Heute, nach dem Auslagern an ein privates Unternehmen nur noch 1x.

    Der Post etwa wurde als Pseudo Service Public die Verteilung der Briefe bis 50gr. überlassen, wohlwissend das ausgerechnet dieser Bereich die höchsten Investitionen vorraussetzt und hohe Betriebskosten. Viel lieber kümmerte man sich um Packet- und Expressdeinste mit fetten Margen und genau diese wurden privatisiert bzw. liberalisert.

    Bei der Privatisierung der krankheitsfürsorge kann man die zerstörerische und Volkswirtschaftlich belastende Wirkung am eigenen Leib studieren. Sie sind teuer, viele Familien in der Schweiz brechen finanziell an den asozialen Kopfprämien zusammen… und brauchen? Jahwohl, staatliche Unterstützung die aber auf geradem Wege an private Anteilseigner fliesst. Die Kapitaleigner verlangen hohe Renditen….

    Konstant Ansteigenden ungerechte Verteilung der Einkommen und Vermögen. Die Einkommensverteilung und Vermögensverteilung in der Schweiz ist seit Jahren auf schlechtem Platz. Sie war, im Sinne Zivilgesellschaftlicher Gerechtigkeit (man wird bei solchen Feststellungen zum Hände aufhaltenden Bittsteller) immer massiv verbesserungsbedürftig. Warum eigentlich?

    Ganz Allgemein… und als Folge der vergangenen +30 Jahre, Entsolidarisierung und Spaltung der Gesellschaft sowie zunehmende polarisierung der Meinungen und Ansichten. Eines der SP Themen über die viele herzlich Lachen… aber kennen die den Grund dafür wirklich oder macht man einfach mit weil man es nicht besser gelernt hat?

    Davos und die dort versammelten Indivduen, Organisationen, Unternehmen und deren Lobbyisten sind wohl mit die Hauptverantwortlichen für die zum grössten Teil fehlgeleitete Entwicklung (primär Shareholder anstatt Stakeholder Strukturen die es zu unterhalten gilt) in den meisten Nationen. Aufrechterhalten durch lasche Konsumkreditgesetze und der ebenso lockeren Kreditvergabe an die Importnationen (der Exportwahn auf Kreditbasis lässt Grüssen)…

    Alles irgendwie nicht so wirklich ansehnlich noch vorbildlich… noch schlimmer, die meisten Bürger Europas haben davon bis heute eigentlich nicht mehr als die von vor 20-30 Jahren, falls überhaupt… Dazu passt die Meldung über Symantec doch wunderbar in’s Bild. Schliessung der Filiale hier, angebot an die MA doch in Irland zu arbeiten… Der moderne Wanderarbeiter soll gefälligst den Investitonen folgen…

    😉

    • anh toan sagt:

      Wer definiert „zivilgesellschaftliche Gerechtigkeit“?

      • Urs Brock sagt:

        Heute, wird das wohl die vorherrschende Intelligenz der Neoliberalen Lehrbücher und deren Jünger definieren die liberal stets an gewissen Oekonomsichen Bedürfnissen festmachen und dabei alles andere einsperren.

        Morgen… wie sagte da die SP? Demokratisierung der Wirtschaft… so in etwa könnte man das eben auch machen…

        Wie wäre es etwa, wenn Mobiltelefone wie Internetanschlüsse behandelt werden würden und somit der Grundversorgung zugeordnet werden? Freiheit im Sinne von, ich benutze dieses Teil einfach ohne über listige AGB’s und völlig überhöhte Preise nachdenken zu müssen.

        Es gibt durchaus noch ein paar Systeme mehr die man als Grundversorgung definieren kann, privaten Profitinteressen entzieht und somit alle zu tiefsten Preisen an der zumindest Technischen Entwicklung der Menschheit teilhaben lässt.

        Wenn ich mir so vor Augen halte was sich die Futter äh Lebensmittelindustrie so alles einfallen lässt um die Profite und Renditen stets zu maximieren. Nicht gerade vom appetitlichsten… auch dort gibt es erheblichen Lehrn- und Verständisbedarf.

        Wie gesagt, Stakeholder… mehr als nur ein Anspruchshalter. Die Ideen werden da schneller kommen als so manchem lieb ist… Man muss die Menschen nur mal zu Worte kommen lassen.

        • anh toan sagt:

          Als telefonieren staatlich monopolisiert war, war es Schweineteuer, es gab keine technische Entwicklung……..

          Ich akzeptiere, dass jeder genug Geld haben soll, um Telefon und Internet benutzen zu koennen, aber das hat doch auch jeder (selbst mit Existenzminimum), kostet doch nicht viel, jetzt kann ich sogar Skype auf einem Handy benutzen………ausser ok, will unbedingt ein I-Phobne 4, kanns aber nicht kaufen und unterschreib Knebelvertrag und bin zu faul die Bedingungen zu lesen, weil mein Gehirn macht nur noch haben wollen haben wollen haben wollen…..

          • Urs Brock sagt:

            Yup, das Beispiel der staatlichen Telkos und deren Trägheit… war aber eben kurz vor der explodierenden Entwicklung der Telkomtechnologie überall so…

            So wie ich das sehe entsprechen die Preise für’s telefonieren in keiner Weise den lauten Werbebotschaften. Die Spielchen aus der Marketingabteilung a la „mit uns können Sie tel. für einen 1.- /h“ sind ja wohl ein Witz da so lediglich die unverbrauchte Kapazität der eigene Netze verbaucht wird… in fremde Netze telefonieren und Schluss ist mit der Grosszügigkeit.

            Was aber mit Anbeiterübergeifenden Tarifen, Internationalen Tarifen, Kosten für SMS (20 Rappen für 160 Zeichen Text ist eine Megabazockerei)… usw.

            Finden Sie es Effizient wenn sich 1000′ von prospektiven Kunden stundenlang durch hellgrau gedruckte AGB’s durchackern müssen und laut einigen Liberalisierungsverfechtern halt noch einen Anwalt konsultieren müssen wenn man das Zeug nicht versteht? Also, ich eher nicht…

            Bestimmt ist auch das wieder so ein Wahnsinnig gutes Beispiel für Effizienz und Wettbwerb wenn mehrere Telekomanbieter ihre eigenen Netzinfrastuktur aufbauen… Ich bin aber sicher, wenn man das nur 1x machen muss das ganze noch viel Effizienter und auch billiger zu machen ist… Noch billiger kann man das machen wenn keine Renditeanforderungen der Aktionäre zu erfüllen sind…

            Aber Telekommunikation und Grundversorgung ist ja nur so eine Idee von mir…

        • Hampi sagt:

          @Urs Brock
          In Spanien musste man vor der Privatisierung der Telekom-Branche etwa 7 Monate auf einen Anschluss warten. Dass es auch viel teuerer war, war schon fast unwichtig. Und das hatte, soviel meine Vorstellungskraft reicht, nicht viel mit Technologie zu tun.

          • Hampi sagt:

            sorry…. SOWEIT meine Vorstellungskraft reicht…….und zu tun hat es eigentlich auch nichts mit der Telekom-Branche!

          • Urs Brock sagt:

            @ Hampi sagt:
            1. Februar 2011 um 22:20

            Wann war denn das, die Privatisierung der Telco in Spanien?

            Bei Vergleichen von staatlichen versus privaten Betrieb muss man stets vergleichen ob das System in seiner Gesammtheit weitergeführt wird oder ob einzelne Segmente privat, andere staatlich weiter Betrieben werden.

            Sich nur die Filestücke rausschneiden wie das die privaten ja tun müssen um überhaupt zu irgendwelchen positiven Ergebnissen kommen zu können… nun ja, das geht natürlich nicht.

            Hier in der Schweiz sprechen manche bürgerliche Politiker auch von privatisierung einzelener ! SBB Strecken… Offener kann man Privatisierungswünsche (Profitgelüste) auf kosten vom Rest der Gesellschaft nicht mehr äussern. Versucht aber wird es…

            In Hamburg etwa werden die öffentlichen Verkehrsbetriebe durch die Wasserwerke mitfinanziert. Die Einnahmen der Wasserversorgung reichen also aus um 2 verschiedene Systeme gut, billig und meiner Meinung nach auch Nachhaltig für alle zu unterhalten…

            Ist das nun prinzipiell so übel… Immerhin haben alle dort oben sauberes und bezahlbares Wasser und die Verkehrsbetriebe noch dazu und das alles ohne gierige Aktionäre. Was will man als Bürger denn noch mehr?

          • Hampi sagt:

            @Urs Brock
            Das war so in den Achziger Jahren.

            Man muss noch lange kein Neoliberaler sein, um meine Erkenntnis zu teilen, dass die Migros schlechter und teurer funktionieren würde, wenn es den Coop nicht geben würde. Da reicht ein kurzer Blick in das wissenschaftliche Wissen. Deshalb ist es genauso wenig Ideologie, wie das Akzeptieren, dass eins und eins gleich zwei (1 +1=2) ist.

            Der springende Punkt ist nicht, ob staatlich oder privat, der entscheidende Faktor ist Wettbewerb: Arbeite ich in einem Unternehmen (z.B. Staat, AG), das ein Monopol innehat, dann muss ich mich kaum bemühen, um mein Produkt zu verkaufen, denn mein Kunde hat keine andere Wahl. Jeder Bürger ist Kunde, und ich, mit meinem Job, bin der Privilegierte. Das ist für mich sozusagen ein “Axiom der modernen Menschheit”.

            Und mit diesem Axiom im Kopf kann ich unmöglich denken, dass es Sinn macht, den Neo-Liberalismus mit Neo-Sozialismus zu bekämpfen. Das wäre ein Kampf in der Vergangenheit.

            Ähnlich der Telekom-Branche ist es der “Fliegen”-Branche ergangen. Heute zahle ich für meinen Flug nach hause etwa 60-70 % weniger als noch vor 15 Jahren. Dabei gibt es, wie in der Telekom-Branche einige lästige Nebenwirkungen: der Sitzplatz wird kleiner, Essen gibt´s kein richtiges mehr…… Aber will deshalb eine bedeutende Mehrheit dafür wieder den alten Preis bezahlen? Ich glaube kaum (ausser ein paar Privilegierte).

            Wenn sie SBB-Teilstrecken privatisieren, dann gibt´s aus einem Staats-Monopol ein Privat-Monopol. Das wäre dumm, denn sie gewinnen dabei nichts. Vielmehr verlieren sie den strategischen Vorteil, den die Bahn für die nationalen Interessen haben könnte. Also ist es eine Situation, die ein Monopol rechtfertigt. Die Vorteile überwiegen die Nachteile. Und Axiome sind keine Dogmen!

          • Urs Brock sagt:

            @ Hampi sagt: 2. Februar 2011 um 11:18

            Aber sehen Sie denn nicht das gerade hier in der Schweiz viele liberale Vorschriften/Gesetze mit z. Bsp. Branchenvereinbarungen ausgebremst werden.

            Juristen, Aerzte, Apotheker, etliche Handwerker haben sowas, genau wie all die 10000′ von Angesteltlen die unter einem GAV Regelwerk arbeiten können. Wettbewerb und Liberalisierung sind hier, zumindest in einigen Aspekten, ausgehebelt…

            In vielen anderen Bereichen wurden diese Regeln/Vereinbarungen aber abgebaut. Resultat ist, das die Unternehmen mit schlauen Kunden zu kämpfen haben die nicht’s anders tun als Preise zu vergleichen… Was nun bleibt da übrig als mit List und Tücke zu verhindern das Preise verglichen werden können…

            Es ist als nicht ein Wettbwerb um bestmögliche Qualität und Leistung sondern, wie früher auch schon, um den der am lautesten auf sich aufmerksam machen kann. Egal ob dieses Angebot vorteilhafter ist als andere. Wie Sie da bemerken, die tieferen Preise sind nicht Gratis, die Unternehmen können also nicht zaubern.. und oft gehen ziemlich miese Arbeitsbedingungen mit den tieferen Preisen einher…

            Wir biologisch teils schlecht ausgestattete Menschen können mit unseren Fähigkeiten leider nicht soviele Variablen parallel vergleichen… Viele Anbieter bieten uns da also nicht wirklich Vorteile.

            Der Sinn von permanetem Wettbwerb erschliesst sich mir nicht… Ich kann da keine absoluten Vorteile erkennen. Erfolgsanreize und Belohnungen machen aber durchaus Sinn…

            Auch bei den ehemaligen Kommunisten der UDSSR erhielt nicht jeder einfach stur gleichviel Salär wie sein Kameraden… und die Anreiz/Bestrafungssysteme für faule und fleissige gabe es dort ebenfalls…

            Ich bin eigentlich nur mal dafür einige Lebensbereiche aus der heute üblichen Rendite/Preiskalkulation zu entlassen und diese so quasi als Allgemeingut ohne Profite maximieren zu wollen erhältlich sind… Das ist eigentlich nicht’s neues da ja jedes Trottoir in diese Kategorie gehört.

          • Hampi sagt:

            @Urs Brock
            2. Februar 2011 um 11:57

            Da bin ich genau gleicher Meinung wie sie: ich sehe auch keinen Sinn im permanenten Wettbewerb. Sogar mehr, ich versuche mein Leben so zu steuern (wenigstens so gut es geht), dass ich dem permanenten Wettbewerb soweit wie möglich entgehen kann. Viele Menschen aus reichen Ländern machen das, vor allem weil dieses System immerzu Gewinner und Verlierer produziert. Es gibt dafür verschiedene Möglichkeiten. Die einen rauben eine Bank aus, die anderen spielen Zahlenlotto, andere leben in den Bergen als Hippies, wieder andere denken stolz, dass ihre Arbeit selbstredend ist. Ich versuche es teilweise, indem ich von möglichst wenigen Menschen/Banken finanziell (materiell) abhängig sein will. Das erhöht das Risiko, setzt etwas Glück voraus und funktioniert in meinem Fall nur, weil ich den nötigen Konsumverzicht nicht als Benachteiligung empfinde.

            Aber trotz dem Gesagten glaube ich, dass das eigentlich eine dekadente Haltung ist. Denn ich schätze, dass nebst den meisten Gewinnern dieses Systems auch generell die meisten Menschen in weniger entwickelten Ländern nach mehr permanentem Wettbewerb lechzen!

            Die Frage des Sinnes ist damit natürlich noch nicht beantwortet 🙂

          • Urs Brock sagt:

            Hampi sagt: 2. Februar 2011 um 13:20

            Es gibt da wirklich sehr interessante Untersuchung wie sich eine Gesellschaft und das Indivdum im laufe Oekonomischer Entwicklung ändert.

            Einfache Kategorien sind, der erste Kühlschrank,TV und Mofa… später dann ein Eigenheim oder grössere Wohnung… es wird geackert bis zum Umfallen um der folgenden Generation „ein einfacheres und besseres Leben“ zu ermöglichen… Dies ist ungefähr der Status von Millionen Chinesen… und Indern. Die viel zitierte Mittelklasse ist entstanden…

            Hier in Europa waren das die 1-2 Generationen nach dem 2ten Weltkrieg…

            Was folgt sind erhöhte Bildungsansprüche und darauf höhere Berufliche Ansprüche… das ganze dauert im Allgemeinen 1 Generation, eventuell Generationen… wenn es schlecht läuft auch mehr. Also 20-60 Jahre bis eine Gesellschaft mit Konsum so quasi gesättigt ist…

            Nachdem diese Wünsche befriedigt sind wendet sich der Mensch gerne anderen Fragen als denen des primären Ueberlebens zu. Konsumverzicht ist eines davon… Ich mache das übrigens auch. Aber Verzicht ist nicht ganz korrekt weil ich nicht das Gefühl habe zu verzichten… ich brauche einfach nicht viel.

            So zu denken und zu leben hat für mich nicht’s mit Dekadenz zu tun…

            …vielmehr sollte man dies als eine Weiterführende Entwicklung der Menschlichen Existenz akzeptieren und lernen locker damit umzugehen. Das spezielle daran ist blos, das noch selten vorher soviel permanenter Wohlstand über mehr als diese 3 Generationen erzeugt wurde. Wir, die Gesellschaftlichen Ansprüche, tun also noch sowie wenn wir gerade aus den tiefsten Löchern der Armut entsprungen wären und ackern was das Zeug hält…

            Dabei tun bereits etliche Maschinen das was vorher von Hand gemacht wurde… Einfacher geht’s nicht und das beste, davon träumte man vor vielen Generationen. Das Automobil, die Dampfmaschine… alles Anstrengung um Anstrengung zu erleichern.. wie die Technik halt so ist.

            Nimmt man den 2ten. Weltkrieg als Startpunkt leben wir nun bereits in der 4 Generation ohne grössere Krise und schaffen Wohlstand wie nie zuvor… nur damit locker umgehen haben wir noch nicht gelernt.

          • anh toan sagt:

            @Hampi und Urs Brock 02.02abends: Im Sinne einer protestantischen, (vor allem kalvinistischen) Arbeitsethik ist es Suende/Dekadenz nicht weiter zu krampfen, sondern zu sagen, mir reicht auch weniger, ohne dass ich das Gefuehl habe, verzichten zu muessen. Diese protestantische Arbeitsethik erscheint in einer Zeit des materiellen Ueberfluss ueberholt. (Die Verteilung des |Ueberschusses ist andere Problematik. Ich verstehe unter Hedonismus auch die Lust/Freude an ganz einfachen Dingen, wie zu singen, auch wenn ich nicht singen kann etc. Aber der Verzicht auf noch mehr cm Bildschirmdiagonale, noch 2 Zylinder mehr im Auto, Hermes, I-Phone, Henessy XO, Spitzenmedizin fuer die letzten 6 Monate meines Lebens (dann wohl eher vegetieren zu nennen), also dieser Verzicht ist in einer Gesellschaft, die den Status eines Menschen an seiner wirtschaftlichen Leistung misst, revolutionaer.

            Und speziell an Dich(?) Urs Brock: Die heutigen Rentner waeren wohl die erste, bestenfalls die zweite Generation in langer langer Zeit auf der ganzen Welt, welche nicht mindestens einmal im Leben praktisch alles verloren haette wegen Krieg, Wirtschaftskrisen, Revolution, bestenfalls unter grossen Entbehrungen das Erreichte ueber diese Ereignisse retten konnte. Trotzdem gehen zumindest die meiseten Schweizer davon aus, dass dies sehr unwahrscheinlich sei. Verdraengung? Wenn ich das Glueck habe, lange genug zu leben, wird mich so ein Ereignis wahrscheinlicherweise treffen. Ich habe keine Angst, denn den Weltuntergang werde ich nicht erleben.

          • Hampi sagt:

            @anh toan
            Du hast recht, ich finde auch, dass eine kalvinistische Arbeitsethik in der heutigen Zeit völlig überholt ist. Aber in der Praxis ist das in der Schweiz vielfach noch nicht der Fall. Nach dem Motto: Wer immer sagt, er arbeitet viel, arbeitet wahrscheinlich nicht viel. Denn würde er tatsächlich viel arbeiten, hätte er unmöglich Zeit, es immer zu sagen.

            Mit der Dekadenz habe ich mich unklar ausgedrückt: Ich wollte nicht sagen, dass das Anstreben von “weniger Konsum” dekadent ist. Sondern ich wollte sagen, dass dekadent ist, wer weniger konsumiert oder auch sonst an “Mainstream” vorbeilebt und gleichzeitig nicht die liberale Gesellschaft (mit permanentem Wettbewerb) akzeptiert. Denn mein Lebensstil wird ja erst durch die liberale Gesellschaft ermöglicht, weil sie den Wohlstand dafür schafft und weil sie meinen Lebensstil toleriert. Wenn ich also sage, dass jeder das Recht auf meinen Lebensstil hat, muss ich auch sagen, dass er das Recht auf eine liberale Gesellschaft hat, denn sonst wäre ja mein Lebensstil unmöglich….

    • Michael Schwarz sagt:

      @Urs Brock: Das ungerechte Verteilung in der Schweiz liegt in der Erbschaft. Viele Menschen leben in der Schweiz von Erbschaft, sowie dadurch entstandenes Einkommen (Rendite). Heute will niemand in der Schweiz die Pioniere Arbeit leisten, solange man Geld hat, geht man gut. Man denkt nur noch kurzfristig, das können Sie bei Politiker beobachten. In der Schweiz fehlt Visionäre, sie die Menschen mitziehen. Deshalb bin ich für höhe Erbschaftsteuer und Schenkungsteuer gegen Vermögensteuer, weil die Vermögensteuer das Spar verhindert (S=I), somit verhindert die Privatinvestition.

      • anh toan sagt:

        Die meisten Menschen sparen, das bedeutet sammeln Vermoegen an, um fuer sich UND IHRE FAMILIE vorzusorgen. Wenn Sie jetzt wirtschaftlich ein bisschen weiterdenken, verstehen Sie, das Sie hier nicht besonders scharf nachgedacht haben. Begriffen? Das mit dem Verhindern von Privatinvestition ist naemlich richtig. Sowohl Vermoegens- als auch Erbschaftssteuern sind im Kern Enteignung. Auch die Besteuerung von Arbeit ist dumm, wenn man Arbeit schaffen will. Besteuerung von Zinsen bevorzugt Investition, erscheint mir richtig, darum aber umgekehrt keine Kapitalgewinnsteuern. Was bleibt sind Konsumsteuern: „Bestraft“ wird wer konsumiert, verbraucht, der Allgemeinheit wegnimmt. Neben Konsum macht eine Besteuerung von Resourcenverbrauch (Umweltbelastung, Oel etc.) Sinn. Dann vielleicht noch Drogen legalisieren, restriktiv staatlich verteilen (Herr Brock, was fuer Sie!) und mittels Besteuerung die Gewinne der Drogenmafia in Zukunft dem Staat zuwenden, um Ihnen was nicht gerade visionaeres, aber zumindest nicht gerade ch-mainstreammaessiges zu bieten,

  • Michael Schwarz sagt:

    In vergangenen Beiträgen habe ich über die Problematik der Berankes Geldpolitik geschrieben. Die Arbeitslosigkeit in USA kann man nicht durch Abwertung des USD gelöst werden. Das hat Beranke bis heute nicht verstanden. Die Arbeitslosigkeit wurde durch mangelnde Investition verursacht. Die Investition ist nicht mit Zinssatz(r) direkt abhängig, es gibt offensichtlich andere Faktoren, die die Investition bestimmen als nur Zinssatz(r).

    Der Staat kann mittel- und langfristig nicht als Investor fungieren, das wäre Staatskapitalismus, welches in China praktiziert wird. Genau das, macht die US Regierung, nämlich Staatskapitalismus. Der Staat fungiert seit zwei Jahren als Investor, dadurch verdrängt der Staat die Privatinvestition, vor allem durch von Beranke geförderte USD Abwertung die Investition aus Ausland ausblieb. Es ist auch klar warum die Handelsdefizite zurückgegangen sind, weil der Kapitalimport gestoppt wurde, das ist auch der Grund warum in USA höhe Arbeitslosigkeit herrscht, weil die Investition von Privaten und Ausländern durch den Staat verdrängt werden, deshalb ist es fataler Fehler, die Defizite jetzt zu reduzieren.

    Die Berankes Geldpolitik gegen jeglichen Vernunft und ökonomische Lehre. Ich wiederhole, seine Geldpolitik ist eine Gefahr für Weltwirtschaft. Alles hat mit Berankes Geldpolitik angefangen, die Abwertung des USD, Zusammenbruch des EUR, absurde Aufwertung des CHF. Der FED hat von eignen Fehlern, welche in der Vergangenheit gemacht hatte, nichts gelernt. Beranke verfolgt weiterhin die Geldpolitik von Greenspan. Deshalb verstehe ich nicht, warum Beranke noch an seinem Arbeitsplatz ist. Eine nachhaltige Wirtschaftspolitik verlangt eine nachhaltige Geldpolitik, das muss Obama und Beranke klar sein.

    • Rolf Meierhans sagt:

      Wie kommen Sie auf Beranke? Der Mann heisst Bernanke oder „The Bernank“ wenn schon. Und was bitte schön ist absurd an der CHF Aufwertung? Absurd ist wenn schon die USD Abwertung (Hoenig spricht schon von QE3) und hätte der CHF nicht dementsprechend aufgewertet, wäre dies als absurd zu bezeichnen.

    • willi aerne sagt:

      @michael schwarz: im falle eines falles heisst der mensch bernanke, nicht beranke. dass der und sein vorgänger, der grüne span reichlich leichtfertig über lange zeit den markt mit zuviel flüssigkeit versorgt haben, ist zutreffend. greenspan hat ja im prinzip auch zugegeben, dass er gewisse entwicklungen falsch eingeschätzt habe.

  • Leo's Schale sagt:

    Die Politclowns Blocher und Berlusconi kann man nicht ernst nehmen. Peinlicher und lächerlicher für die SVP, bzw. die Schweiz geht’s nimmer. Und solchen Typen jubeln die SchweizerInnen noch zu ? Unfassbar lächerlich-einfältig, bzw. tragisch. Gruss an die Tagi-Zensur in anderen Blogs, etc…!

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