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Magnins Dilemma mit dem Alphatier Frey

Guido Tognoni am Freitag den 24. August 2018

Differenzen trotz Erfolg: Michael Frey jubelt neben Ludovic Magnin nach dem Cupfinalspiel in Bern. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Eine der wichtigsten Aufgaben – vielleicht die wichtigste – eines Fussballcoaches besteht darin, dass er sich mit 20 Spielern versteht. Wenn es der Mannschaft gut läuft, reicht bereits ein friedlicher Umgang mit den Schlüsselspielern, denn bei gutem Formstand hat es der Trainer ohnehin leichter. Je besser ein Spieler ist, umso wichtiger ist das Verständnis seines Coaches mit ihm. Ein Trainer, der sich mit Diego Maradona oder Johan Cruyff angelegt hätte, wäre zum Misserfolg verurteilt gewesen, und wer immer beim FC Barcelona die Aufstellung macht, muss sich in erster Linie mit Lionel Messi verstehen.

Ob solche Spieler pflegeleicht sind oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle. Die Spekulation ist erlaubt, dass Deutschland an der WM-Endrunde nicht zuletzt deshalb ein sportliches Fiasko erlebte, weil der Coach Joachim Löw auf den hochtalentierten Offensivspieler Leroy Sané verzichtete. Sané, bei Manchester City brillant, passte aus der Sicht Löws nicht ins Kader, er war nicht stromlinienförmig auf Löws Linie. Aber irgendein Törchen hätte Sané wohl noch hingekriegt oder zumindest den schlaffen deutschen Angriff ausreichend belebt. Löw und der deutsche Fussball zahlten einen hohen Preis dafür, dass Sané in den Ferien statt an der WM war.

Magnin konnte sich Kompromisslosigkeit leisten

Der FCZ-Stürmer Michael Frey ist lange nicht so gut wie Sané, er ist bei weitem weder Cruyff noch Messi und schon gar nicht ein Maradona. Aber er ist ein Stürmer, der zumindest auf Schweizer Fussballplätzen Spiele entscheiden kann. Er ist unberechenbar, kampfstark, schonungslos, er fährt die Ellenbogen aus, er holt sich die Bälle, wenn er sie nicht bekommt, und er nützt jede Gelegenheit, diesen Ball Richtung Tor zu knallen. Frey ist auf dem Rasen eine Kampfsau, die man lieber in der eigenen Mannschaft hat als beim Gegner.

Aber der eigensinnige Michael Frey hatte seit einiger Zeit Probleme mit dem Trainer Ludovic Magnin. Und weil Frey eben kein Leroy Sané und schon gar kein Messi ist, konnte es sich Magnin leisten, gegenüber Frey kompromisslos aufzutreten und ihn aus dem Kader zu streichen. Sportpädagogisch ist das sicher richtig, und der FCZ durfte es sich von der Tabellenlage her in den vergangenen Wochen erlauben, gegenüber einem Spieler solche Zeichen zu setzen. Magnin konnte sich und der Mannschaft einreden, dass der Verzicht auf Frey angesichts seines sprunghaften Verhaltens die einzig richtige Massnahme war.

Ist Fenerbahce die richtige Adresse?

Der junge, unerfahrene Coach Magnin stand vor einem typischen Trainerdilemma: Was ist richtig, Disziplin oder ein Kompromiss, wie er im Teamsport immer wieder geschlossen werden muss? Dieses Dilemma ist nun für den Fall Frey gelöst, da der Spieler nach Istanbul zieht. Dennoch wäre es interessant gewesen, Ludovic Magnin nach zehn weiteren Jahren Trainererfahrung fragen zu können, wie er den Fall Frey rückblickend lösen würde.

Die kommenden Spiele werden zeigen, wie wichtig Frey für den FCZ gewesen wäre. Immerhin muss sich Ludovic Magnin nun nur noch mit den Gegnern und nicht mehr mit Michael Frey auseinandersetzen. Und Frey muss nicht mehr hoffen, dass der FC Zürich ohne ihn verliert. Stattdessen stellt sich ihm bald einmal die bange Frage, ob das viele Geld, das ihm versprochen worden ist, auch wirklich fliesst. Fenerbahce ist in astronomischen Höhen verschuldet, und die türkischen Vereine brillieren seit Jahren nicht mit sonderlich guter Zahlungsmoral. Beim FCZ hätte Frey sein Geld bekommen. Regelmässig, pünktlich, und sogar ohne zu spielen.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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3 Kommentare zu “Magnins Dilemma mit dem Alphatier Frey”

  1. Bruno Froehlich sagt:

    Herr Tognoni, ihre Analyse zielt voll daneben. Wenn einer nicht spielt kann man auch nicht beurteilen was er gebracht haette wennn . . . Der Trainer hatte gar keine andere Wahl und darueber denkt er sicher auch in zehn Jahren noch genau so. Ein Spieler der sich weigert zu spielen, erpresserisch erreichen will, dass ihn der Verein frei gibt, der gehoert niemals zurueck ins Team. Sich innerlich vom Arbeitgeber verabschieden kann nur bedeuten, Ende der Theatervorstellung. Fuer Frey ist zu befuerchten, dass seine Berater und er voll falsch entschieden, sportlicher wie finanzieller Schaden absehbar. Nun, Untreue verdient kein Mitleid.

  2. Röschu sagt:

    Wetten, dass Frey in weniger als einem Jahr wieder angekrochen kommt und einen Verein in der Schweiz sucht, der ihn aufnimmt? Er hat weder charakterlich noch sportlich die Klasse sich in einem fremden Umfeld bei einem grösseren Club durchzusetzen.

    • Martin Frey sagt:

      Nun, sportlich hat Frey schon einiges zu bieten, sein Problem lag aber seit jeher, lange bevor er zum FCZ kam, auf Charakterebene. Zudem hat er nicht sehr viel davon, nominell bei Fener das Doppelte zu verdienen, wenn das Geld des Clubs, welcher bekanntermassen mit über 280 Mio. Franken in der Kreide steht, nicht regelmässig fliessen wird. Gerade fremde Spieler in der Türkei wollen in Euro oder Dollar entschädigt werden, und die Lirakrise werden die bereits vorbestehenden finanziellen Probleme naturgemäss massiv verstärken. Notabene ist Fener nicht gerade dafür bekannt, Spieler lange zu halten.
      Die Wette gilt also: whs. vor Ende 2019 ist Frey wieder da. Oder in einer anderen Liga.

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