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WM in Katar: Der Streit um die Termine ist absehbar

Guido Tognoni am Donnerstag den 4. Januar 2018
Nachspielzeit

Noch steht vieles in der Planungsphase: Modell des geplanten Al-Thumama-Stadions, eine der Spielstätten der WM 2022. Foto: Naseem Zeitoon (Reuters)

Die kommende WM-Endrunde in Russland steht seit Monaten im Schatten des flächendeckenden Staatsdopings. Um die Endrunde 2022 in Kater ranken sich seit der unnötig frühen Vergabe durch die Fifa im Dezember 2010 Gerüchte und Enthüllungen um Wahlmanöver und Stimmenkauf. Russland und Katar verbreiten unter den Fussballfans keine Freude. Und wann genau in Katar gespielt werden soll, weiss auch noch niemand so richtig.

Die Ausschreibung fand bekanntlich für den Sommer 2022 statt. Kaum war die Abstimmung zugunsten Katars vorüber, wurde einigen Befürwortern Katars – immerhin Mitglieder des höchsten Gremiums des Weltfussballs – bewusst, dass es in der Golfregion im Sommer 45 Grad warm wird, was für Fussball doch ziemlich heiss ist. Es war der Katar-Befürworter Michel Platini, der sogleich den Vorschlag machte, man solle nun halt eben im Winter spielen. Die Fifa fand das eine gute Idee und fasste den entsprechenden Beschluss.

Spätestens nach dem WM-Endspiel vom kommenden Sommer in Russland wird das Thema wieder in den Vordergrund rücken. Fussball-WM im November und Dezember – wie soll das gehen? Die Premier League, die wichtigste Liga des Erdballs, spielt im Dezember, als ob es in den übrigen Monaten keine Zeit für Fussball gäbe, und gönnt sich nicht die kleinste Pause. In Frankreich wurde bis zum 20. Dezember gespielt, in Spanien bis zum 23. Dezember, in Italien noch eine Woche länger, bis zum 30. Dezember. Dass die deutsche Bundesliga von Mitte Dezember bis 12. Januar Pause macht – es ist die kürzeste in der Geschichte der Bundesliga –, ändert nichts am Problem: Es wird viel Streit um die Termine geben.

Fernsehgelder als Knackpunkt

Die 64 Spiele der WM-Endrunde können zwar auf rund 30 Tage komprimiert werden. Aber vor der WM brauchen die Nationalmannschaften noch mindestens zwei Wochen Zeit, um sich auf das Turnier vorzubereiten. Bereits heute reden die Fernsehsender mit, wenn es um die Spielansetzungen der Meisterschaften geht. Diese Mitsprache ist völlig legitim, denn die TV-Gelder sind die mit Abstand grössten Einnahmen in den grossen Ligen Europas. Das Feilschen und Streiten wird also spätestens dann einsetzen, wenn sich Ligen und Verbände richtig bewusst werden, dass es im Spätherbst 2022 zu wochenlangen Spielausfällen kommt, weil die Fifa Katar als Wunschdestination für eine WM-Endrunde bestimmt hat und seither die Zeit im November und Dezember für ein solches Turnier als beste Variante erachtet.

Dass die Medienunternehmen den Milliarden- und Millionensegen auch über die Ligen ergiessen werden, obwohl zahlreiche der besten herbstlichen Spieldaten irgendwann ins Jahr reingezwängt werden müssen, ist nicht anzunehmen. Im gleichen Boot mit dem Fernsehen sitzen die Sponsoren. Der amtierende Fifa-Präsident Gianni Infantino war an der WM-Vergabe nicht beteiligt und muss nun die Suppe auslöffeln. Gegenüber dem TV-Rechtehalter in den USA hat er bereits Konzessionen gemacht, weil im Winter der Fussball mit dem übermächtigen American Football konkurrenzieren muss. Das ist ein kleiner Anfang. Das grosse Daten-Welttheater wird erst noch folgen – sofern die Endrunde 2022 wirklich zum Jahresende gespielt wird.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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4 Kommentare zu “WM in Katar: Der Streit um die Termine ist absehbar”

  1. Tom Maier sagt:

    es macht einfach immer weniger Spass Fussball zu schauen. Zu offensichtlich sind die Schummeleien – die komplett Wahnsinnigen Transfersummen – nun das Doping und auch noch der Katar-Witz.
    So macht man einen Sport kaputt.

  2. Claudio sagt:

    “Der amtierende Fifa-Präsident Gianni Infantino war an der WM-Vergabe nicht beteiligt und muss nun die Suppe auslöffeln.”
    .
    Er könnte die WM 2022 immer noch canceln, ist zwar schon was gebaut worden in den Sand, aber das wäre dort nicht das erste und vermutlich auch nicht das letzte Mal.
    Gründe gäbs genug – von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen, den Schmiergeldzahlungen bei der Ausmarchete bis hin zu den Terminproblemen und der Sommerhitze.
    Dafür wieder mal England eine WM geben – die hätten schon praktisch alles an Stadienmaterial und Infrastruktur.
    Aber nein, wir werden vermutlich eine stinklangweilige WM sehen mit jubelnden Gratiszuschauern & bei Alkoholexzessen könnte es…

  3. F.Vogel sagt:

    Die WM wird kommen wie der Rhein gen Rotterdam fliesst, und sie wird durchgestiert. Ich selber werde 2022 kein Spiel schauen. Die FIFA wird es nur über Ihr Portmonee merken, dass der Zuschauer die ganzen Ränkespiele nicht mehr akzeptiert ( Sommer22 nun Winter22, keine WM während Ramadan aber vor Weihnachten ist es OK, Schmiergeld, Sklavenarbeit für Stadionbau usw.) WM Final am Heiligabend? Mein lieber Jesus.

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