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Der Preis für Ruhm und Reichtum

Christian Andiel am Dienstag den 21. April 2015


Zlatan Ibrahimovic beschimpft den Schiedsrichter und schreit, dass Frankreich die Mannschaft von PSG gar nicht verdient habe. Quelle: Youtube

Die Geister, die ich rief … Wahrscheinlich haben in Paris und Marseille die Korken geknallt, als der TV-Vertrag mit Canal+ unter Dach und Fach war. 540 Millionen überweist der Pay-TV-Sender jährlich für die Liverechte der höchsten französischen Liga. Blöderweise versteht der Sender unter «live» nicht nur das Geschehen während des Spiels, sondern auch davor und danach. Und wenn danach Zlatan Ibrahimovic von PSG im Zorn über den Schiedsrichter Frankreich lautstark als «Scheissland» bezeichnet und Dimitri Payet (Marseille) ebenfalls im Kabinengang den Schiedsrichter übel beleidigt, dann werden Kameras und Mikrofone nicht etwa im vorauseilenden Gehorsam ausgeschaltet und es wird geschwiegen. Im Gegenteil. Irgendwie müssen sich 540 Millionen Euro ja rechnen.

Jetzt sind die Clubs Paris St. Germain und Olympique Marseille beleidigt, weil die genannten Spieler aufgrund der exklusiven Live-TV-Bilder gesperrt wurden, Ibrahimovic für vier Partien, Payet für zwei. Die Folge: Canal+ durfte nicht mehr in Pressekonferenzen, und überhaupt redeten die Spieler der beiden Clubs mit dem Sender nicht mehr, wenns um die französische Liga ging.

Hm. Was haben PSG und OM gedacht, als sie die Millionen freudestrahlend entgegennahmen, damit sie ihren fürstlich entlohnten Angestellten noch ein paar Euro mehr zustecken können? Damit die Funktionäre noch ein bisschen mehr im Luxus schwelgen können? Dass sie den Privatsender quasi gekauft hätten, weil sie gnädig genug waren, die Offerte überhaupt anzunehmen? Das wäre zumindest eine seltsame wirtschaftliche Logik, die freilich nicht so schlecht passt in die abgehobene Welt der reichen Spieler und superreichen Clubbesitzer.

Aber warum sollte uns Zuschauern eine üble Beschimpfung wie die von Ibrahimovic oder Payet verborgen bleiben? Weil das unter Männern doch üblich ist, weil halt die Emotionen hochkochen, weil doch, verdammt noch mal, nicht alles an die Öffentlichkeit gehört? Tja, abgesehen davon, dass auch bei höchstbezahlten Fussballstars ein Mindestmass an Erziehung und Respekt erwartet werden darf, sind die Forderungen durchaus erfüllbar. Zum Beispiel mit klar beschränktem Zugang von TV-Teams zu bestimmten Bereichen rund ums Spiel, am besten dürfen sie gar nicht ins Innere des Stadions, und am allerbesten zeigen sie nur, was auf dem Spielfeld geschieht.

Das hätte aber halt auch wieder einen Haken. Kein Sender der Welt würde dann der französischen Liga 540 Millionen Euro im Jahr geben. Denn was wäre der Gegenwert? Mehrheitlich mediokrer Fussball. Sonst nichts. Die Spieler würden so immerhin erkennen, dass ihr eigentliches Tun deutlich weniger Wert hat, als ihr Konto Monat für Monat aussagt. Wetten, das wäre ihnen auch wieder nicht recht?

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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4 Kommentare zu “Der Preis für Ruhm und Reichtum”

  1. Armando sagt:

    Man darf mit dem Blogger nicht so streng sein. Bereits in anderen Einträgen, nahm er es nicht so genau mit der Recherche. Das nennt sich wohl journalistische Freiheiten in einem Blogg/Kommentar.
    Ich glaube es geht hier viel mehr um den verletzen Stolz der Journalisten, die sich durch „Ausgrenzung“ schlecht behandelt fühlen und es mit viel Geld rechtfertigen. So empfand ich zumindest den Artikel. Fussball ist Unterhaltung wie im Film- oder Musikgeschäft. Die exponierten Personen stehen somit in der Öffentlichkeit und müssen es entsprechend akzeptieren, dass sie zumindest von der Boulevardpresse entsprechend „verfolgt“ werden.
    Leider findet zwischen Sport- und Boulevardjournalismus ein fliessender Übergang statt. Oder wieso steht im Sportteil, wenn sich ein Sportler von seiner Frau getrennt hat, einen neuen Haarschnitt oder ein neues Tattoo hat? Was hat das mit Sport zu tun?
    Die Medien sind schnell mit verurteilen der Spieler, Vereine, Fans, Schiedsrichter, etc.. Vielleicht sollten sich zumindest die Sportjournalisten hinterfragen, ob dass noch viel mit Sportberichterstattung zu tun hat.

  2. Patrick Althaus sagt:

    Man merkt, dass der Blogger sich mit dem französischen Fussball vermutlich sonst nicht beschäftigt. Die Aufnahmen und die Boykotte galten dem Sender Canal+. Und die Korken haben die Klubverantwortlichen für die aktuell gültige Periode der TV-Verträge (2012-2016) wohl nicht übermässig knallen lassen, denn das war damals im Vergleich zum vorherigen TV-Vertrag weniger Geld (allerdings erhöht sich die Summe ab 2016 mit dem neuen TV-Vertrag wieder signifikant).

    Zum eigentlich Vergehen kann man sich schon fragen, ob das ursprüngliche Strafmass für Ibra, nämlich 4 Spielsperren, für ein Gefluche gerechtfertigt ist. Inzwischen wurde die Sperre nach einem Rekurs auf 3 Spiele reduziert. Vermutlich ging es darum, ein Exempel zu statuieren.

    • ta-admin sagt:

      Besten Dank für den Hinweis mit Canal+, war ein blöder Fehler von mir. Ist korrigiert, und was die Sektkorken betrifft: Ich denke mal, es ist immer noch genügend Geld für ein feines Flascherl… Beste Grüsse, Christian Andiel

  3. Michi sagt:

    gut gebrüllt. Was in den sog. Topligen finanziell abgeht, ist längst pervers.

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