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Wie sag ichs meinem Spieler?

Guido Tognoni am Dienstag den 31. März 2015
Vladimir Petkovic im Training mit der Nati in Rapperswil-Jona. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Vladimir Petkovic im Training mit der Nati in Rapperswil-Jona. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Noch nie war Kommunikation so häufig und einfach wie heute. Briefpost erhält man dieser Tage zwar nur noch vom Steueramt und von der Polizei, aber anstelle des frankierten Couverts gibt es unzählige andere Varianten, um sich mitzuteilen: Telefon, SMS, E-Mail, Skype und zahlreiche weitere elektronische Dienste, davon viele kostenlos. Wer also das direkte Gespräch vermeiden möchte, hat genügend andere Möglichkeiten. Alle sind als persönliche Botschaften mittlerweile ausreichend akzeptiert, um dem Absender nicht gleich Feigheit vor dem Adressaten zu unterstellen.

Petkovic müsste kein Kommunikationsgenie sein, aber ... Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Petkovic müsste kein Kommunikationsgenie sein, aber … Foto: Keystone

Rund um die Fussball-Nationalmannschaft gibt es dennoch Mitteilungsprobleme. Bundesligaspieler Tranquillo Barnetta gab sich via Medien empört darüber, dass er im Internet vom ausgebliebenen Aufgebot für den Schlager gegen Estland erfahren musste, und Pirmin Schwegler, auch er in der Bundesliga, war wegen des gleichen Sachverhalts derart betupft, dass er gleich seinen Verzicht auf die Nationalmannschaft bekannt gab – zumindest solange Vladimir Petkovic Trainer bleibt.

Man kann über die Reaktion dieser Spieler geteilter Meinung sein. Ob sie als mimosenhaftes Verhalten betrachtet werden soll oder ob ein Fussballprofi Anspruch auf eine individuelle Absage seines Coachs erheben darf, ist letztlich Geschmackssache. Überflüssig und dem Mannschaftsgeist in keiner Weise förderlich sind solche Diskussionen alleweil. Sie wären leicht zu vermeiden, wenn minimale Mitteilungsformen zum Pflichtenheft eines Nationalcoachs gehören würden. Um eine manierliche Absage durchzugeben, muss man kein Kommunikationsgenie sein. Und an Zeitmangel kann eine solche Formalität sicher auch nicht scheitern, selbst wenn das Arbeitsprogramm eines Nationalcoachs im Schnitt den Besuch von einem oder zwei Spielen pro Woche umfasst.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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4 Kommentare zu “Wie sag ichs meinem Spieler?”

  1. adam gretener sagt:

    Soll jetzt der Trainer jedem Schweizer Spieler, der sich irgendwie Hoffnung macht, ein SMS mit einem traurigen Smiley schicken? Ich denke nein. Weder Barnetta noch Schwegler stellen sich selbt auf.

    Wäre ich Trainer, würde ich potentiellen Spielern ihre Attitüde sehr schnell austreiben. Jeder Profi sollte wissen, dass bei einem neuen Trainer die Karten neu gemischt werden.

  2. Max sagt:

    Sind wir doch ehrlich, Barnetta hat zwar gegen Real wahrscheinlich das Spiel seines Lebens rausgehauen, wären auf Schalke aber alle fit (Draxler, Farfan und co.) wäre der Beleidigte nie und nimmer in der ersten Mannschaft gestanden.. So viel dazu!

  3. Richard Stretto sagt:

    Laut Stadelmann hat der SFV Schalke 04 mitgeteilt, Barnetta stehe für die beiden März-Spiele auf Pikett. Das erfüllt meines Erachtens die geforderten «minimalen Mitteilungsformen». Ich gehe davon aus, dass der Spieler von seinem Verein informiert wurde. Peinlich finde ich viel eher, dass Barnetta sich dann beim Blick ausweinen musste. (Dass das Revolverblatt daraus natürlich eine süffige Story konstruierte, steht auf einem anderen Blatt, ist aber aus Sicht des Boulevards verständlich.)

    • Leo Schmidli sagt:

      Ja, und? Der Trainer darf einen solchen Spieler schon direkt informieren. Wie fühlten Sie Sich, wenn Sie in Ihrem Beruf durch einen Dritten von einer Absage o.ä. erfahren würden, anstatt von Ihrem Vorgesetzten direkt?

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