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Nach Madrid, nach Madrid!

Oliver Meiler am Freitag den 6. März 2015
Nachspielzeit

Hier jubeln sie am liebsten: Barcelonas Lionel Messi und Neymar im Bernabéu-Stadion in Madrid (25.10.2014). Foto: Sergio Perez (Reuters)

Eigentlich ist es ja so, dass ein nationaler Cupfinal da hingehört, wo die Nation ihr Zentrum hat: in die Hauptstadt also. Und Spaniens Zentrum ist nun mal Madrid, geografisch und politisch, auch wenn das nicht allen Spaniern gleichermassen behagt. Dort sitzt auch der König, der diesem Pokal seinen Namen gibt: Copa del Rey. In Spanien aber wird der Austragungsort des Finals immer erst vergeben, wenn die Paarung bekannt ist, auch um die Madrider Vereine nicht über die Massen zu bevorteilen. Bekannt ist sie jetzt: FC Barcelona vs. Athletic Bilbao, Katalanen gegen Basken, 30. Mai. Die beiden Klubs würden am liebsten im grössten Stadion der Hauptstadt spielen, im Santiago Bernabéu eben, 80’000 Plätze. 40’000 Karten pro Anhängerschaft, Einnahmen und Stimmung wären maximal. Die Reise der Fans wäre ungefähr gleich weit. Passt perfekt.

Nun gibt es da aber noch einige Überlegungen, die der Vernunft locker die Beine weggrätschen und in langen und sehr ernsthaft geführten Talkshows am Fernsehen und am Radio verhandelt werden, die wichtigste vorab: Real Madrid widerstrebt es, dass die ewigen Rivalen aus Barcelona, gewännen sie denn, den Pokal im eigenen Stadion in den Himmel streckten. Es gibt Präzedenzfälle: Die Zeitung «Marca», dem «Madridismo» innig verbunden, schaltete gerade ein Video aus dem Jahr 1997 auf ihrer Webseite – als Ermahnung, als dringende Warnung. Man sieht da unter anderem die Spieler Pep Guardiola (heute Trainer von Bayern München) und Luis Enrique (Trainer Barças) im ausgelassenen Freudentaumel nach dem Cupsieg über Betis Sevilla.

Man darf annehmen, dass mindestens die Hälfte ihres Taumels der schelmischen Freude am Dekor entsprang: an Bernabéus Bühne, dem Rasen der Nemesis. Und so weist Real nun immer alle Anträge ab, mit mehr oder weniger einleuchtenden Motiven, die der spanische Fussballverband aber jeweils als durchwegs valabel wertet. Vor drei Jahren, als Barça und Bilbao zum letzten Mal gegeneinander im Pokalfinal standen und das Spiel gerne im Bernabéu ausgetragen hätten, liess Real ausrichten, das gehe leider nicht, man müsse die WCs renovieren – unverschiebbar, versteht sich.

Der Final fand dann im Vicente Calderón statt, dem Stadion von Atlético Madrid: 54’000 Plätze, halb so grosse Einnahmen. Das wäre natürlich wieder eine Alternative, stünde da am 30. Mai nicht bereits die Bühne für die Rockband AC/DC, die am Tag darauf im Calderón auftritt. Doch selbst wenn das Stadion frei wäre, würde man es nicht gerne hergegeben, zumal als Klangkörper. Beim letzten Final machten die angereisten Basken und Katalanen nämlich dann am meisten Lärm, als es galt, die spanische Nationalhymne zu begleiten – mit Pfiffen, unisono und so laut, dass die Hymne unterging.

Das will man so lieber nicht mehr haben in Madrid, nicht beim ersten Cupfinal des neuen Königs überdies, Felipe VI., Freund des Sports. Und so wird das Endspiel der Copa del Rey 2015 wohl im Stadion Mestalla von Valencia gegeben, 55’000 Plätze, drei Autostunden von Barcelona und fünfeinhalb Autostunden von Bilbao entfernt. Von dort jedenfalls kam jetzt eine Einladung, ohne jede Furcht vor Pfiffen und schelmischem Freudentaumel.

Oliver Meiler

Oliver Meiler

Politischer Korrespondent mit einer starken Schwäche für Fussball. Erhielt als Kind ein Trikot der tschechoslowakischen Nationalmannschaft geschenkt, womit weder ihn noch irgendjemanden seiner Familie etwas verband. Das zweite Leibchen war wollig und kratzig, Barilla stand drauf, dazu ein Vereinswappen mit Wolf - auf Herzhöhe. Fährt seine Söhne durch Barcelona und die katalanische Pampa zu Spielen mit laut brüllenden Eltern. Brüllt selber nie.

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