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Behaltet euer Selfie für euch!

Christian Andiel am Donnerstag den 30. Oktober 2014

Oliver Bierhoff ist seit 2004 Manager des deutschen Nationalteams. Der ehemalige Spieler, unter anderem in Hamburg, Udine und bei der AC Milan, und der Schütze des ersten Golden Goal, das Deutschland den EM-Titel 1996 einbrachte, gehörte von Anfang an dem Team um Jürgen Klinsmann an: Der verstaubte deutsche Fussballverband (DFB) sollte modernisiert werden, auf allen Ebenen, er sollte fit gemacht werden für die Zukunft.

Dort ist der deutsche Fussball mittlerweile angekommen, Erfolge auf Champions-League-Ebene und vor allem der WM-Titel in Brasilien legen beredt Zeugnis davon ab. Doch zur Zukunft gehören eben auch Dinge, mit denen sich Bierhoff schwertut. Und über die hat er sich in einem Interview in der «Welt» deutlich ausgelassen. Kurz gesagt, hat er ziemlich Mühe mit dem Treiben seiner Nationalspieler in den sozialen Netzwerken und speziell mit dem Selfie-Wahn. «Mir gehen diese Mitteilungen von Banalitäten und auch Selfies teilweise auf den Keks», sagte Bierhoff.

Man ahnt sofort, wen er speziell damit meint: All die André Schürrles und Mario Götzes, die Bastian Schweinsteigers und Lukas Podolskis. Gerade Letzterer ist ein notorischer Selfie-Täter. Kaum ein Foto nach dem gewonnenen WM-Titel ohne den Wonneproppen vom Rhein. Man wird dereinst den Followern auf Twitter und Facebook sagen müssen, dass Podolski im Final keine Sekunde gespielt hat, insgesamt kam er 54 Minuten zum Einsatz. Aber wen interessiert das schon, schliesslich hat Podolski mit 2,24 Millionen Followern auf Twitter mehr als Mario Götze (1,84 Millionen).

Wie viele hat Bierhoff? Keine, denn er ist weder auf Twitter noch auf Facebook unterwegs. Dass es dort User mit seinem Namen gibt, bestärkt Bierhoff nur in der Kritik. Nicht, dass er etwas gegen neue Kommunikationsformen hätte, die neuen Medien könnten durchaus helfen, das Leben zu erleichtern: «Aber wir müssen schon so intelligent sein, sie und uns dabei zu kontrollieren.»

Intelligenz? Bierhoffs Kampf ist aussichtslos. Längst haben die Werbepartner der Spieler erkannt, welche Macht hinter den sozialen Netzwerken steckt. Und wer je Tram fährt, in einem Café hockt oder nur schaut, was Menschen heutzutage unterwegs unentwegt tun, der wundert sich nicht, wenn Bierhoff beklagt, dass er immer wieder erlebe, wie «sechs Spieler an einem Tisch sitzen und jeder ist mit seinem Smartphone beschäftigt».

Sollen wir jetzt froh sein, dass Weltmeister nicht so anders sind als Nichtweltmeister? Sollen wir uns ärgern, was die sogenannten Vorbilder vorleben? Schon eher, denn hinter Bierhoffs Selfie-Beschimpfung versteckt sich ja nichts anderes als die Klage über mangelnden Respekt, den sinkenden Wert des richtig gesprochenen Wortes, die unüberlegte Preisgabe der Privatsphäre, die peinliche Selbstüberschätzung. Bierhoff nennt es «narzisstisch».

Narzisstisch? Eh Bro, wasn das etz schon widder?

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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3 Kommentare zu “Behaltet euer Selfie für euch!”

  1. origjina sagt:

    Was der letzte Satz wohl für ein Dialekt sein soll???

  2. rodolfo amun sagt:

    Smartphone-Facebook etc. verblödet die Menschheit noch mehr als sie sonst schon ist.

  3. Pedro sagt:

    Ein Teil der Menschheit ist dank Fratzenbook und Twitter eh am verböden. Wieso soll das somit bei Profi-Fussballer anders sein?

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