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Der Kampf der Fifa gegen die Uhr

Guido Tognoni am Montag den 15. September 2014
Nicht immer war es der Gärtner, der an der Uhr gedreht hat. Sondern der Präsident. Foto: Keystone

Nicht immer war es der Gärtner, der an der Uhr gedreht hat. Sondern der Präsident. Foto: Keystone

Die neu installierten Sittenwächter der Fifa machen sich unbeliebt: Michael Garcia, gewissermassen der Sheriff des Weltfussballs, und Domenico Scala, Fifa-interner Aufpasser für saubere Geschäftsführung, haben Präsident Sepp Blatter und seinem Exekutivkomitee die Freude an Uhrengeschenken verdorben. Es geht um Edel-Zeitmesser der Marken Parmigiani und Hublot. Die Parmigianis im Wert von rund 25’000 Dollar waren als Erinnerungs-Geschenk des brasilianischen Verbandes an die WM-Endrunde gedacht, derweil sich Hublot als jener Fifa-Sponsor, der bei den 64 Spielen weitaus am besten sichtbar war (und vermutlich am wenigsten bezahlte) sich bei gleicher Gelegenheit natürlich auch nicht lumpen lassen wollte.

Nix da, sagten nun Garcia und Scala, womit der Ethik-Kommission der Fifa nichts anderes übrigbleiben wird, als dem Antrag der Chef-Ethiker ein grundsätzliches Pfui an die Beschenkten folgen zu lassen, da diese Zeugnisse der helvetischen Uhrmacherkunst offensichtlich über den Souvenir-Wert einer erlaubten Gabe hinausreichen. Dabei hatte Sepp Blatter zu Uhren schon immer eine spezielle Beziehung, und seine Sammlung zeugt von gutem Geschmack: Vor seinem Leben im Fussball war er für die Zeitmessung von Longines an Sportanlässen verantwortlich. Jene Mission war 1975 zu Ende.

Vielbeschäftigter Richter Eckert

Die aktuelle Uhrenorgie erlaubt einen Einblick in die Geschenkkultur in den Teppichetagen des Fussballs. Im Vorjahr stolperte Karl-Heinz Rummenigge über zwei hübsche Rolex, die er ausgerechnet aus Katar mitbrachte und am Zoll nicht deklarierte. Er wurde mit fast 250’000 Euro brutal gebüsst. Aber ganz unter uns: Wenn man weiss, was in der Fifa und anderswo sonst noch alles abging und abgeht, sind diese nicht mehr ganz zeitgemässen Souvenirs unter der Rubrik Mikro-Skandal einzureihen.

Viel interessanter ist die Frage, welche Sorte von Pikanterien Sheriff Garcia in seinem an die Ethiker abgelieferten Untersuchungsbericht zu den WM-Vergaben an Russland und Katar zu erzählen hat. Alles nur Anekdoten oder üble Sündenfälle? Über den bis anhin geheimen Bericht beugt sich dieser Tage in München der unabhängige Fifa-Richter Hans-Joachim Eckert, um nach dem Studium der als umfangreich bezeichneten Akten einen Antrag an die Ethik-Kommission zu stellen.

Guido Tognoni

Guido Tognoni

Als Ersatzspieler des FC Davos (3. Liga, untere Tabellenhälfte) erzielte er im Schneetreiben von Tavanasa vor einigen Jahrzehnten sein einziges Meisterschaftstor. Danach stieg er trainingsfrei mit dem FC Tages-Anzeiger in die höchste Firmenfussballklasse auf und hoffte meist vergeblich, dass seine Laserflanken zu Treffern führen würden. Da sein Talent auf dem Rasen nicht erkannt wurde, arbeitete er 15 Jahre an den Schreibtischen der Fifa und Uefa.

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6 Kommentare zu “Der Kampf der Fifa gegen die Uhr”

  1. Werner N. Staub sagt:

    Ist doch schon sehr seltsam, wie sich Guido Tognoni von Zeit zu Zeit über seinen ehemaligen Arbeitgeber FIFA auslässt. Mal profitierte er vom System und nun versucht er bei jeder Gelegenheit die FIFA madig zu machen .Hat vermutlich den damaligen Rauswurf immer noch nicht verkraftet.

    • Bruno Froehlich sagt:

      . . . wer selbst im schmutzigen Nest hockte und fuerstlich kassierte, der sollte besser schweigen, hat er sich doch als FIFA Direktor nie fuer saubere Verhaeltnisse in diesem weltumspannend diktatorisch gefuehrten Verein eingesetzt. Bei einer weiteren Amtszeit von Blatter wird sich nicht aendern. Ethikkommissionen bloss ein Maentelchen das mehr verdeckt als es enthuellen sollte. Die offene Korruption der FIFA ueberragt noch die Zustaende in der Politik . . .

  2. Ronald Lack sagt:

    Blatter gehört weg, einmal mehr zeigt er dass die FIFA ein Verein von Schmarotzer und geldgierigen Haien ist. Als ob die nicht schon genug in ihrem prallen Beutel haben. Eine Frechheit gegenüber jedem Steuerzahler. Man sollte international gegen alle ein Verfahren eröffnen wegen Steuerhinterziehung. Das traurigste ist dass es immer Blatter ist: der als erster seine gierigen danach ausstreckt ein Schweizer ist.

  3. The American sagt:

    Die Limite sollte viel tiefer liegen. Bei grösseren internationalen Firmen in Europa oder Nordamerika ist oft schon bei Geschenken von etwa 100 Franken Schluss. Falls es sich um Beziehungen mit Regierungsangestellten handelt sind sind die Geschenkregeln sogar noch restriktiver, so um die 20 Franken. Die Transparenzkampagne der FIFA, welche sich fernab der für “westliche” Firmen geltenden Standards bewegt, ein totaler Witz. Wie soll man bei persönlichen Geschenken von hunderten oder gar tausenden von Franken noch behaupten können, man sei nicht befangen?

  4. Bruno muster sagt:

    Liebe leser geht doch mal nach brasil und schaut dort wie teixeiro und havel………. Heute leben, das ist nur die spitze des eisberges, wieviele leute arbeiten bei der fifa, und wie leben sie in dem land wo sie herkommen, hatt jemand etwas genauer recherchiert bei den banken, wo die millionen und die geschenke sind , die vergabe von events werden nur noch an korrupte länder vergeben, frage: wo lebt seppii nach,seiner amtszeit, sicher nicht in visp, sondern dort wo das geld transferiert wurde – schoen fuer den sepp, und die andern folgen nach , wann, die ethik kommission der fifa unternimmt doch nicht schlechtes, müssen die doch auch arbeit und lohn haben

  5. Dan Horber sagt:

    Vor über 10 Jahren “stolperte” ich einmal über eine Packung mit über 20 goldenen (nicht goldfarben, sondern Gold) Füllfederhalter und Kugelschreiber einer renommierten Marke, die alle mit “FIFA” graviert waren und in entsprechenden samtausgeschlagenen Schachteln lagen.
    Ich nehme nicht an, dass die FIFA diese pro Stück damals deutlich über CHF 2’000.00 teuren Schreiber verkaufte…
    Das sind vergleichsweise “kleine Fische”, stimmten mich aber damals schon nachdenklich.

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