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Viel Spass mit Balotelli

Christian Andiel am Dienstag den 26. August 2014

Heute fühle ich mich wie Franz Beckenbauer. Nicht wegen irgendwelcher Spätfolgen einer Weihnachtsfeier oder eines genialen Aussenristpasses. Sondern wegen des Satzes: «Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.» Gestern (sinnbildlich gesprochen) wollte ich noch Fan des FC Liverpool werden, weil die «Reds» endlich Luis Suárez verkauft haben. Aber irgendwie war es den Machern in Liverpool ohne das ganz grosse Ärgernis wohl zu wohl, und sie haben sich entschieden, den legitimen Nachfolger des «Beissers» zu verpflichten. Alles spricht dafür, dass Mario Balotelli an die Merseyside wechselt.

Balotelli also. Zugegeben, als Fan des deutschen Nationalteams hat man seit der EM 2012 und seinen beiden Toren im Halbfinal schon allein aus sportlichen Gründen eine gewisse Abneigung gegen den Italiener. Aber da schauen wir – mittlerweile, als Weltmeister – dermassen locker drüber weg. Das Problem liegt auf einer ganz anderen Ebene. Im englischen «Observer» wurde das genial mit einem Spruch über die amerikanische Schauspielerin Victoria Principal erklärt: «Was nützt dir der grossartige Körper von Victoria Principal, wenn du auch das Hirn von Victoria Principal hast?» Auf Balotelli umgemünzt schrieb der «Observer»: «Was nützt dir sein Talent, wenn sich da nördlich von seinen Füssen etwas befindet, das ihn dazu bringt, dieses Talent nur sporadisch aufblitzen zu lassen?»

Anders herum gesagt: Kann es sich ein Verein leisten, einen unberechenbaren Kasper wie Balotelli in seinen Reihen zu halten? Klar, der 24-Jährige aus Palermo ist mittlerweile ein Schnäppchen. 2010 wechselte er für umgerechnet 36 Millionen Franken von Inter zu Manchester City, als er von dort zu Milan ging, war er noch 27 Millionen wert, nun müsste Liverpool «nur» noch 24 Millionen nach Italien überweisen. Das ist eine Transfersumme, die in der von Investorengeld überschwemmten Premier League unter die Kurznachrichten fällt.

Trainieren mit Balotelli:
Quelle: Youtube

Aber nochmals: Ist nicht die Gefahr zu gross, dass auch ein ausgemachter Diven-Versteher (siehe Suárez) wie Liverpool-Coach Brendan Rodgers an Balotelli scheitert? TV-Experte Niall Quinn lobte Rodgers auf Sky Sports als «charismatischen Menschen, er kann es schaffen, dass Balotelli sich wohlfühlt». Aber sowohl Quinn als auch seine Mitstreiter Gary Neville und Dwight Yorke beendeten all ihre (sportlichen) Lobeshymnen auf den umstrittenen Star mit einem «Aber». «Aber kann er integriert werden?», fragte Neville, «aber hat er kapiert, dass Liverpool seine letzte Chance auf diesem Niveau ist?», fragte Yorke.

Tja, warten wir gespannt, wie das kommt. Vergangene Saison gerieten Rodgers und sein einstiger Chef José Mourinho nach einer Partie zwischen Liverpool und Chelsea aneinander, sie haben sich offenbar ausgesprochen, vielleicht sollte Rodgers den Telefonhörer gleich nochmals in die Hand nehmen. Dann könnte ihm Mourinho eine lustige Geschichte erzählen. Als der nicht minder egozentrische Trainer mit Balotelli bei Inter arbeitete, gab es eine Partie in der Champions League bei Anschi Machatschkala. Ausser Balotelli waren alle Angreifer bei Inter verletzt. Nachdem Balotelli in der ersten Halbzeit verwarnt worden war, «sprach ich 14 der 15 Minuten in der Halbzeit mit Mario», erinnert sich Mourinho. «Ich habe auf ihn eingeredet, er solle sich nicht provozieren lassen, nicht von Gegenspielern, nicht von Schiedsrichterentscheidungen, er solle niemandem zu nahe kommen und nur den Ball spielen. Es kam die 46. Minute: Platzverweis Balotelli.»

Viel Spass, Liverpudlians, mit Eurem Schnäppchen! Und wie man am Video sieht, ist die Vorfreude schon riesig, zumindest bei diesen Fans vor dem Trainingsgelände des FC Liverpool …

Quelle: Youtube

Christian Andiel

Christian Andiel

In Bayern aufgewachsen, ziemlich heftig mit dem 1. FC Köln verbandelt – und träumen darf man ja von Europa und Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

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12 Kommentare zu “Viel Spass mit Balotelli”

  1. marius sagt:

    Wieso sind die ausländischen Journalisten auf dieser Webseite immer Deutsche? Für mich wäre es eine willkommene Abwechslung, wenn schon wiedermal über einen unsympatischen Italiener geschrieben wird, dass wenigstens mal ein Italiener auch der Verfasser ist.
    “Aber da schauen wir – mittlerweile, als Weltmeister – dermassen locker drüber weg.” Wer sind wir??

  2. Repro Cool sagt:

    Naja, sie haben eine Abneigung gegen den Italiener weil er Deutschland nach Hause geschickt hat. Ein Fussballfan, ein Sportler, der hätte Respekt vor der Leistung und dem Gegner.
    Überhaupt haben sie ein seltsames Fan-Konzept.
    Ich dachte ich könne hier etwas Fussballrelevantes lesen, aber es ist nichts anderes als Glanz und Gloria in Sachen Sport.
    Dieser Blogeintrag sagt mehr über sie aus als über Balotelli…

  3. Anh Toan sagt:

    Das erste Photo zeigt, Balotelli feiert ganz allein, ich kenne ihn nicht, aber aus seiner Körpersprache lese ich einen Egozentrismus, der bringt Einzelsportler zu Höchstleistungen und jeder Spitzensportler braucht eine ganze Menge davon, aber soviel wie Balottelli davon mitbringt, ist zerstörerisch für jede Mannschaft.

    Er kann ein Spiel entscheiden, aber er wird jede Mannnschaft zerstören.

  4. Fabio sagt:

    Wieviele Deutsche Fussballer gab es eigentlich schon die charakterlich gehörig einen an der Waffel hatten? Was nütze einem zum Beispiel ein guter Torwart wie Toni Schumacher wenn er charakterlich die unterste Schublade war. Uli Stein und Effenberg lassen auch grüssen. Das Problem Balotelli ist vor allem das Problem Italien. Wäre er zu einer Zeit grossgeworden als Italien noch richtige Stars wie Baresi, Maldini, Baggio oder Zola hatte wäre er einfach nur ein Fussballer von vielen gewesen. Italien hat keine grossen Fussballer mehr und die Hoffnungen die man in diesen erst 24-jährigen steckte waren schlicht und einfach zu hoch. Dazu kommt, und das muss man leider auch erwähnen, dass er für manche unverbesserliche Rassisten in Italien die falsche Hautfarbe hat. Er ist somit ein ideales Opfer für seine Kritiker. Lasst in Ruhe und er wird seinen Weg machen, auch wenn er wohl nie der ganz grosse Fussballer werden wird.

  5. Ivo Anderegg sagt:

    “Gestern (sinnbildlich gesprochen) wollte ich noch Fan des FC Liverpool werden, weil die «Reds» endlich Luis Suárez verkauft haben.” Sonderbares Fan-Konzept, das offenbar vom (Nicht-)Vorhandensein einzelner Spieler bestimmt wird.
    Zudem ist es nicht so, dass Balotelli eventuell zu LFC wechselt, der Wechsel ist bereits unter Dach und Fach und so ziemlich überall nachzulesen.
    Und schliesslich wäre es ja u.U. nett gewesen, den Zugang von Balotelli mit dem Abgang von Suarez aus einer fussballerischen Perspektive zu beleuchten. Wie sieht der Markt aus, wie viele Stürmer zählt man z.Z. in Liverpools Reihen und wie ist der Auftakt zur bisherigen Saison verlaufen? Spätestens dann und allerspätestens seit dem City Spiel von gestern Abend wird klar, warum Rodgers das “kalkulierte Risiko” Balotelli eingegangen ist.

  6. Hennes sagt:

    Balotelli ist vorerst eine unguided missile, nicht führbar, beratungsresistent, teamunfähig und schwerreich. Nein, für einige Minuten kann er jeweils ein Feuerwerk zünden – über 90 Minuten eher unbrauchbar. Eine geistige Umerziehung tut not, weshalb nicht nach Deutschland…nicht die JVA Landsberg oder Stuttgart Stammheim…nein die Bundesliga…zum BVB oder den Bayern. Das wäre das richtige Umfeld…nur sein Talent reicht eben für Minuten..das hat man in der BL bereits erkannt. PS Die Schwärmerei für Schland und Götze in Ehren, lieber Christian, aber jetzt ist es öppe dure ..lieber mal wieder einen Fokus auf Kölle werfen. Dieser Club quält sich elegant durch die Fussballgeschichte und geniesst darüber hinaus viele Sympathien auch in der CH..

  7. Mario Monaro sagt:

    Balotelli braucht einen Trainer, der ihn im Griff hat. Vielleicht müssen erst noch mal ein paar Wechsel ins Land ziehen, bis diese Konstellation gefunden wurde. Ab dann kann man sich aber an ihm durchaus erfreuen denke ich.

    • Stefan sagt:

      Das wird nicht gelingen – der Trainer müsste dazu 90 min in Greifdistanz bleiben, was definitiv nicht geht. (Nein, nicht wegen der Laufleistung von Balotelli, sondern wegen dem Reglement)

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