Ja zur Selbstoptimierung

Sch… Quintana: Szene aus «The Big Lebowski». (Youtube)

Es war eine interessante Aussage, über die ich vorletzte Woche in den Kommentaren stolperte: Eine Dame kritisierte meinen Blog über den Besuch im Coop-Restaurant, und sie kritisierte meine Schreibe als Selbstdarstellung einer Selbstoptimiererin. Dabei wurde deutlich, dass sie von solchen Konzepten weniger als nichts hält.

Darauf muss ich ein bisschen länger antworten. Natürlich schreiben Blogger «ich», und sie schöpfen für ihre Texte aus ihrem Leben. Aber es geht nicht um Selbstdarstellung. Die Kunst liegt doch darin, im persönlichen Erleben das zu erkennen, was über das Individuelle hinausgeht, Erfahrungen in Worte zu fassen, die viele schon so oder ähnlich gemacht haben. Das versuche ich zur Diskussion zu stellen.

Nehmen wir also den Ball auf und reden über Selbstoptimierung, ein Begriff, der mit allerlei Negativem in Zusammenhang gebracht wird: mit Leistungsdenken, der Angst, sich diesem Diktat unterwerfen zu müssen, mit Vermessungswahn, Neoliberalismus, Perfektionsdrang, Wettbewerb. Als Gegenmodell wird dann oft das Credo der Selbstakzeptanz und Genügsamkeit angeführt.

Herausforderung statt Stagnation

Nur leider ist diese Gegenüberstellung falsch, und es ist auch falsch, Selbstoptimierung per se zu verteufeln. Selbstoptimierung muss Selbstakzeptanz nicht ausschliessen – im besten Fall ergänzt sich das. Das lässt sich am Sport sehr gut zeigen. Sowohl das Kompetitive wie auch das Selbstgenügsame haben ihre Berechtigung und ihren Sinn. Ersteres liegt in der menschlichen Natur und ist ein starker Antrieb. Letzteres ist ein Korrektiv und eine Rückfallposition, in die das Leistungsdenken eingebettet sein sollte.

Sport ist immer kompetitiv, wie jeder Sportler bestätigen kann. Es geht darum, sich zu messen, besser zu werden; das ist nicht nur im Leistungssport das Motiv, sondern in jedem Training. Wer seit Jahrzehnten Sport treibt, sucht sich entweder stetig neue Herausforderungen, wechselt irgendwann den Sport – oder er hört ganz auf. Nicht nur der Körper gewöhnt sich schnell an Belastungen, auch der Geist muss immer wieder herausgefordert werden. Man muss stetig variieren, sich neue Ziele stecken.

Mit den Jahren muss aber jeder Sportler auch lernen, Leistung und Wettbewerb nur relativ wichtig zu nehmen. Der Körper altert und Leistungssport ist ungesund. Hier geht es darum, die goldene Mitte zu finden, wobei Wettberweb ein gutes Mittel ist, sich zu motivieren. Der tatsächliche Gewinn aber liegt in der Performance. Die Tätigkeit an sich zählt, die Leistung wird sekundär. Man kann sich etwa vor einem Lauf zum Ziel stecken, eine persönliche Bestzeit zu erbringen. Aber selbst wenn es misslingt, hat man den Gewinn, sich aufgerafft, die frische Luft genossen, den Kopf ausgelüftet zu haben. Die Selbstoptimierung besteht nicht so sehr darin, immer bessere Zeiten zu laufen, sondern, sich den Sport so zu gestalten, dass er zum Gewinn wird. Wer sich nicht mehr verbessert oder zumindest verändert, der stagniert.  

Sind Sie Ihre beste Version?

Das gilt natürlich nicht nur für den Sport, sondern kann auch aufs Leben übertragen werden. Hätten die Menschen sich nicht immer schon optimieren wollen, gäbe es keine Autos und Züge oder iPhones. Es liegt in unserer Natur, uns verbessern zu wollen, es macht keinen Sinn, das zu verteufeln. Die Frage ist wie. Natürlich ist es ungesund, wenn junge Männer sich blöd trainieren, nur um irgendwelchen Idealen auf Instagram zu entsprechen. Natürlich sind Menschen, die sklavisch auf ihre Fitnesstracker schielen und jede Kalorie zählen, zu bemitleiden. Und natürlich kann der Drang zur Perfektion ungesund werden. Bei Optimierung geht es aber nicht um Perfektion, sondern um Verbesserung.

Was kann mehr motivieren als der Drang, sich verbessern, Neues dazulernen, aus Fehlern lernen zu wollen? Sich noch entwickeln, noch lernen zu können? Natürlich darf man niemanden dazu zwingen, aber nur weil man sich selber nicht verbessern will, sollte man das anderen nicht vorhalten. 

Ironischerweise fragte mich besagte Kritikerin, die mich als Selbstoptimiererin schmähte, in einem anderen Kommentar: «Sind Sie sicher, dass Sie die beste Version von Michèle Binswanger sind, die Sie sein können?»

Hier meine Antwort: Keineswegs. Aber ich versuche, es zu werden.

58 Kommentare zu «Ja zur Selbstoptimierung»

  • Ralf Schrader sagt:

    Neues lernen und sich verbessern ist akzeptabel. Aber niemals, wirklich niemals sollte man optimieren. Wenn mir mal ein hungriger Löwe gegenübersteht, strenge ich mich an (wegzukommen). Sonst strenge ich mich nicht an. Ich bin nicht fleissig, nicht wettbewerbend, auch nicht teamfähig oder flexibel und nicht ehrgeizig.

    Ich schaffe meist, was ich mir vornehmen, aber nur unter Einsatz von nicht optimalem und vor allem nicht anstrengendem Mittelwertverhalten. Grenzen sind dazu da, sich von denen fern zu halten. Bis der Löwe kommt.

    • Christoph Bögli sagt:

      Sie verwechseln Optimierung mit Maximierung. Optimierung bedeutet ja gerade, den besten Zustand unter den vorgegebenen Parametern zu finden, also auch Trade-offs/Kosten zu berücksichtigen. Fleiss ist in diesem Kontext so gut wie nie optimal weil grösstenteils überflüssig. Optimierung bedeutet, möglichst das Beste mit möglichst wenig Aufwand zu erreichen. Sich sinnlos abzustrampeln ist darum weder optimal noch clever. Wer wirklich optimiert, der weiss vielmehr ganz genau, wann und wo sich der Einsatz lohnt – oder lässt es bleiben. Wer hingegen meint, immer und überall Vollgas geben zu müssen, der ist eben ein Maximierer (und serbelt meist nach kurzer Zeit mit Burnout und Herzinfarkt ab).

  • Michael Giger sagt:

    Ich bin auch einer der sich über die Selbstoptimierer aufregt und ich frage mich, ob die Bloggerin hier das Problem korrekt auf den Punkt bringt. Ist Selbstoptimierung wirklich einfach nur ein anderes Wort für Competitiveness? Der Selbstoptimierer von heute ist zeitgleich aber der massentaugliche Gutmensch, dem das Klima so am Herzen liegt, er ist auch Feminist und will dass Frauen endlich nicht mehr unterdrückt werden und ganz wichtig sind ihm auch die unzähligen Schwarzafrikaner vor der lybischen Küste. Hier ist doch der springende Punkt: Der Selbstoptimierer von heute ist total verlogen, er ist die Reinkarnation des Phärisäers aus der Bibel. Seine konsequente Verfolgung seiner eigenen Ziele wird mit selbstlosem Geschwätz vernebelt und das geht mir am meisten auf die Nerven

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Giger: sehr interessant, wie Sie den Selbstoptimierer fassen. ich glaube aber nicht, dass die Personen, die sie hier beschreiben, sich als Selbstoptimierer bezeichnen würden, im Gegenteil. Vermutlich würden sie das weit von sich weisen…..

      • Michael Giger sagt:

        @Binswanger: Aber sicher wird dieser Selbstoptimierer das mit Vehemenz von sich weisen, Sein und Schein sind eben zwei Paar Schuhe. Klassischer Fall einer modernen Form der Bigotterie

        • Simon Affentranger sagt:

          Es ist lustig, ich wollte Ihnen gerade widersprechen und bin dann beim Schreiben zum Schluss gekommen, dass das schon was hat. Ihre These, Herr Giger. Es findet eine Art Oberflächenbehandlung statt, eine Teflonisierung des eigenen Profils. Einerseits eben physisch (body-tuning), aber eben auch virtuell, die Reputation, das Image, der eigene Brand. Die Verlogenheit sieht man dann jeweils darin, wenn das ganze Gutmenschentum nicht einmal in einer Abstimmungspartizipation resultiert. Oder der Klassiker: Veganer Öko-Lebensstil, der auf Bali ne Ayurveda-Kur macht. Dreimal jährlich. Aber es geht um eine maximale Unangreifbarkeit mit einer möglichst lang vögelbaren Schale. Nice one, Giger.

          • Carolina sagt:

            Das ging mir genauso, ST – ich habe mich beim Lesen des Ausgangstextes auch kurz gefragt, warum mir der Begriff ‚Selbstoptimierung‘ so technisch, so leblos vorkommt…… Und ich muss zugeben, beim Lesen von MGs Text ist mir kurz die Galle hochgekommen, aber dann wurde mir klar, dass seine Kritik an dem, was er unter heutigen Selbstoptimierern versteht, wohl genau dieses Ueberhöhte ist, oft in einen Tugendwahn ausartet, politische Korrektheit und sich selbst überhöhen zu einer moralischen Leichtplanke machen will, die mich auch anwidert. Es ist Predigen, Missionieren, wenn Selbstoptimierung eben nicht bei sich selber anfängt, sondern mit dem Finger auf andere zeigt. Und mit fehlbaren Menschlein mit Fehlern und Vorurteilen hat das Ganze gar nichts zu tun ……..

    • Michael Berger sagt:

      Ich verstehe, wenn Sie Leute nicht mögen, die vorgeben, Ideale zu verfolgen, denen es aber nur um die positive Aussenwirkung geht. Was ich aber nicht verstehe und was völlig daneben ist, sind Ihre haltlosen Unterstellungen und sinnlosen Vorwürfe an die Adresse der Leute, die sich wirklich um Umweltschutz kümmern oder für Gleichberechtigung eintreten.
      Was ist daran falsch? Woher glauben sie zu wissen, dass all die Leute verlogen sind. Haben sie irgendwelche empirischen Erhebungen gemacht oder schliessen Sie einfach von sich auf andere?
      Wenn hier jemand selbstgerecht ist, dann Sie selbst. Weil Sie sich nicht vorstellen können, dass man sich ernsthaft für Ideale einsetzt, oder weil sie selber zu träge dazu sind, verneinen Sie diese Möglichkeit grundsätzlich. Wie jämmerlich!

      • Hanspeter Niederer sagt:

        Meine Worte. Der klassische Auf-sich-Selbst-Fokussierer, der wütend wird ob der Idee, dass es Menschen geben könnte, welche ein bisschen weniger auf sich selbst fokussiert sind. Das tut der eigenen Selbstwahrnehmung halt nicht so gut und aktiviert Selbstzweifel. Dass es auch viele Heuchler gibt sei unbestritten, aber der Generalverdacht erweckt eben einen Verdacht …

        • Simon Affentranger sagt:

          @Berger und Niederer: Lesen Sie Giger doch nochmal durch. Haha, klingt wie „lesen Sie Kant bitte nochmal eingehend“. Seine These ist eher, dass der typische Selbstoptimierer von heute verlogen ist. Ich fühle mich als Öko null angegriffen durch seine Worte. Im Gegenteil, er legt Teile des Problems offen.

  • andy sagt:

    Oft beobachtet wie sich Tiere und Natur optimieren. Bei den Menschen läuft mehr schief als wirklich optimiert bedeuten würde. Optimiertes Denken und Schreiben, ja. Ansonsten der tägliche Wahnsinn wie eh und je.

    • Christoph Bögli sagt:

      Tiere/die Natur, bzw. die Evolution, optimieren auch nicht einem gezielten, überlegten Sinne, sondern auch nach Trial-and-Error-Methoden (mit sehr viel Error). Die evolutionäre Optimisierung geht wie jeder vergleichbare Algorithmus einfach kleine Schritte in jede beliebige Richtung und was überlebt, bleibt übrig. Was keineswegs optimal sein muss für eine Art oder gar das ganze System, sondern bloss für das jeweilige Individuum. Genau so wie beim Menschen. Optimiert wird da halt primär der eigene Vorteil, weil alles andere eben gerade nicht unserer Natur entsprechen würde.

  • Belo Zibé sagt:

    Liebe Frau Binswanger, den Begriff Selbstoptimierung bringe ich eher in Zusammenhang mit dem Vorgang , eine Cervelat als Saltimbocca verkaufen zu wollen. Selbstverbesserung hingegen ist ein innerer Prozess, der durchaus mit dem Aussen korreliert, sich aber nicht davon abhängig macht. Um im Coop zu bleiben, Sie haben in der Gemüseabteilung gerade Tomaten zu den Orangen gelegt, aber ich kaufe sie nicht 🙂

  • fufi sagt:

    Huiuiui Frau B!
    DAMIT begeben Sie sich aber auf SEHR dünnes Eis:
    „«Sind Sie sicher, dass Sie die beste Version von Michèle Binswanger sind, die Sie sein können?» „Keineswegs. Aber ich versuche, es zu werden“

    Mal ganz abgesehen davon, WER die Kriterien aufstellt und prüft, nach denen die „Beste“ Version ermittelt wird …..

    Stellen Sie sich mal vor, sie würden übermorgen die „Beste“ Version sein.
    Was dann?

    Suizid auf dem Höhepunkt Ihres Seins?

    Weiterleben, sich weiterentwickeln zur allerbesten und zur perfekten Version? Und dann? Suizid auf dem nächsten Höhepunkt Ihres Seins?

    Weiterleben, sich weiterentwickeln (zurückentwickeln?) zu einer weniger guten Version Ihres Seins? Und dann?
    Oder würden dann einfach die Kriterien angepasst?

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Herr Fufi, ich verstehe ihren Einwand nicht. Das ist doch genau das, was ich schreibe, dass es um ein stetiges WERDEN geht. Dass ich versuche, mich zu verbessern, dass aber schliesslich der prozess wesentlich ist und nicht das Endresultat, da dieses ja ohnehin nie statisch ist. Aber vielleicht habe ich auch einfach nicht begriffen, was Sie genau meinen.

      • fufi sagt:

        Vielen Dank Frau Binswanger für Ihre Antwort.

        Sie dürfen unbesorgt sein: Im Allgemeinen weiss ich, was ich schreibe und was ich damit ausdrücken will.

        Aber als Philosophin müssten Sie eigentlich wissen, dass ein Satz wie „Aber ich versuche, es zu werden.“ impliziert, dass das angestrebte Ziel denn auch erreichbar sei.
        Da steht NICHTS von (andauerndem) Prozess oder so.
        Wenn Sie geschrieben hätten „Ich versuche, mich in dieser Richtung zu entfalten“ wär’s ja ok.
        Aber die Sache mit den Kriterien wäre auch dann noch immer ungelöst!

        Gruss von wem, der sein Uni-Schtudium in Theologie und Filosofie mit Bestnote abgeschlossen hat.

        • Michèle Binswanger sagt:

          @Fufi: ich orientiere mich am schönen Satz von Nietzsche: Wie man wird, was man ist. Werden beschreibt immer einen Prozess, das impliziert keineswegs einen festgelegten Zustand. Fraglich ist hier der Halbsatz „was man ist“

          • fufi sagt:

            @MB
            Richtig!
            Werden beschreibt IMMER einen Prozess.
            Aber „werden“ beschreibt eben auch immer, wie gesagt, einen Prozess, der auf ein erreichbares Ziel hin gerichtet ist.
            (Es ist noch niemand was geworden, das „es nicht gibt“!)
            Und wenn wer dieses Ziel erreicht hat, „ist“ wer eben genau das. Aber ob wer das dann auch bleibt? Eben!
            Und was wird wer dann?
            Die nächstbeste Version?

            Und wie steht’s mit den Kriterien?
            Gruss vom fufi

          • Michèle Binswanger sagt:

            @fufi: Ja, „werden“ ist auf ein Ziel hin gerichtet, aber es geht eben nur um die Richtung, nicht das Ziel an sich, denn das wäre ja dann statisch, das Werden käme zum Stillstand. Wenn ich also schreibe, „ich versuche es zu werden“, wollte ich damit nur eben ausdrücken, dass der Prozess der Selbstoptimierung als steter Werdensprozess verstanden werden muss. Nicht, dass ich, sollte ich die beste Version je erreichen (haha, wer will denn überhaupt bestimmen, welche das wäre), mich dann zur Ruhe setze und aufgebe. Das würde ja mein Selbstoptimierungs-Credo untergraben

          • fufi sagt:

            Sehen Sie, Frau Binswanger
            ich wollte ja gar nicht auf Sie losgehen.
            Aber dieser zitierte Satz hat’s eben schon irgendwie in sich.
            Und ob dann die Leserinnen auch wirklich DAS lesen, was Sie mit ihrem Text haben rüberbringen wollen?
            So what!

            Aber was mich wirklich und ehrlich interessieren täte ist und bleibt die Frage, woher Sie die Kriterien beziehen, nach denen Sie Ihre Selbstoptimierung ausrichten.

            Ich meine, letztlich geht’s für so Viele im Leben ja irgendwie nur um dieses Eine:
            Halten DIE (Anderen) mich für GUT?

            Oder andersrum:
            WIE soll ich mich selbstoptimieren?
            Welches ist meine Zielgruppe?
            Welcher Herde möchte ich mich anschliessen?
            WAS muss ich tun, um derdie BESTE zu sein?

          • Michèle Binswanger sagt:

            @fufi: Ihre Fragen sind moralphilosophischer Art, das wäre dann wieder ein eigener Blogpost, diese Fragen zu beantworten. Zunächst stolperte ich einfach über den Begriff Selbstoptimierung und dessen negative Konnotation und dachte darüber nach, warum ich ihn eben eher positiv bewerte.

  • Hofstetter sagt:

    Ein Selbstoptimierer gehört zu einer Spezies, die in ständiger Angst lebt, nicht zu genügen und er wird immer etwas finden, was ihn nicht davon abhält, noch mehr zu leisten als andere, seinen Körper noch genauer zu überwachen, seinen Geist noch mehr zu perfektionieren. Der Selbstoptimierer hat ein Verhalten, das durchaus als pathologisch bezeichnet werden kann, wenn zum Beispiel ein Läufer durch die Gegend rennt, als wäre der eigene Puls das Mass aller Dinge. Eine kleinkarierte Sicht der Dinge, in Anbetracht der Tatsache, dass rundum eine Welt aus dem Winterschlaf erwacht, die einem, wenn man nicht ganz vernebelt ist, den Puls höher schlagen lässt. Selbstoptimierer sind Egomanen erster Güte und nicht in der Lage, zugunsten anderer, über sich hinauszuwachsen.

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Hofstetter: Sie führen jetzt einfach ihre ganz persönliche Version von dem ein, was Sie sich unter „Selbstoptimierern“ vorstellen und verteufeln es dann. Das ist ein bisschen schade, weil ich ja in dem text versuche, eine andere Version anzubieten von dem, was Selbstoptimierung bedeuten könnte.

  • tststs sagt:

    Ich habe noch nie jemanden getroffen, der ernsthaft etwas gegen Selbstoptimierung hätte. Im Kern dieser Diskussionen geht es nämlich schlussendlich nie um DASS selbstoptimiert wird, sondern WIE!
    „Ich würde mir niemals Silikon einpflanzen lassen,“ sagts ’s und streicht sich durch die blondierten Haare.
    „Der Trottel geht jeden Tag Muskeln pumpen,“ sagt’s und veröffentlicht ein Selfie mit Bier auf Insta.
    „Wie kann man nur 2000 Stutz für eine Katze zahlen,“ sagt’s und kauft sich Felgen à CHF 1500 das Stück.

  • kurt sagt:

    „Natürlich ist es ungesund, wenn junge Männer sich blöd trainieren, nur um irgendwelchen Idealen auf Instagram zu entsprechen.“

    Ja. Aber wenn es Frauen tun, sich gar noch die Lippen aufspritzen lassen, dann ist das ihre freie Wahl, Emanzipation und nennt sich ‚Selbstverbesserung‘.

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Kurt: Ähm, nein, das steht da nirgends und das meine ich auch nicht und ehrlich gesagt tut es überhaupt nichts zur Sache, ob Männer oder Frauen sich optimieren wollen….

  • Sonusfaber sagt:

    Offensichtlich hat die erwähnte Dame einen wunden Punkt getroffen! 🙂
    Und – was vielleicht auf den „wunden Punkt“ zurückzuführen ist: Zum ersten Mal habe ich im Fall von Frau Binswanger den Eindruck eines wirklich zu Ende durchdachten Blogs, denn die, die ich bisher gelesen habe, haben mich zwar vom Thema her immer sehr angesprochen, aber auch etwas enttäuscht, als hätte sie die Autorin möglichst schnell verfassen wollen, um sich möglichst bald Interessanterem zuwenden zu können.

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Sonusfaber: danke für die Rückmeldung – besonders wund ist dieser Punkt nicht, da ich ihn seit meiner Jugend trainiere. Mir fällt einfach manchmal auf, dass gewisse Begriffe früher voll okay waren und plötzlich böse sein soll. Zu dieser Kategorie gehört auch „Eigenverantwortung“. dazu mache ich vielleicht auch mal einen Blog.
      Und mit ihrer Beobachtung zu meinen Blogs haben Sie nicht ganz unrecht. Da dies Blogs sind, optimiere ich sie nicht immer gleich sorgfältig, wie andere Texte…..
      Was nicht heisst, dass man auch diesen Blog nicht noch sehr viel besser machen könnte…

      • Sonusfaber sagt:

        @ Frau Binswanger: Mein geäusserter Eindruck kommt wohl auch daher, dass ich auch Ihre übrigen Texte lese – zum Beispiel den gestrigen über Jeff Bezos und dessen Frau – und diese übrigen Texte zeigen deutlich auf, was Sie auf der Latte haben: Ich finde sie qualitativ ausgezeichnet und daher viel besser als Ihre Blogs. Aber das ist eben ein persönlicher, subjektiver Eindruck ohne Wahrheitsanspruch.

  • Valentin B. sagt:

    Wenn es um die Competition ginge, gäbe es da nichts zu lästern. Der Sportler tut es um sich mit dem Gegner zu messen! Wenn der Junge Mann „wie blöde“ trainiert um mit stählernem Body (ihr entschuldigt) mehr Frauen abzugreifen, währe das wieder ein Wettkampf mit anderen, und ginge in Ordnung.
    ABER. Sie tun das nur für sich selber!! Wir haben zwei im Büro. Die tun das echt nur um sich selber zu gefallen! DAS ist für mich einfach lächerlich.

  • Zufferey Marcel sagt:

    «Sind Sie sicher, dass Sie die beste Version von Michèle Binswanger sind, die Sie sein können?» Was für eine geniale Frage, wirklich! «Sind Sie sicher, dass Sie die beste Version von Marcel Zufferey sind, die Sie sein können?» Ich muss freimütig eingestehen: Nein. Aber ich arbeite dran. Das hat bei mir vor allem biografische Gründe. Sich verändern zu wollen (und natürlich auch zu können, nota bene) hat nicht zwingend etwas mit Selbstoptimierung zu tun.

    • Michèle Binswanger sagt:

      @Zufferey: es freut mich, dass Sie diese Genialität auch erkennen. Ich würde sogar sagen: schwer paternalistisch angehaucht.

      • Zufferey Marcel sagt:

        Paternalistisch? Ich habe die Frage eher als „wieviele bin ich?“ wahr genommen. Mir kommen zur Zeit immer wieder Biografien unter, die von grossen Brüchen gekennzeichnet sind. Ettore Sottsass zum Beispiel, der erst mit 53 Jahren richtig erfolgreich wurde. Oder Rosamunde Pilcher, die ihren ersten Welterfolg mit 63 Jahren schrieb. Auch die Biografie von Harland D. Sanders, dem Gründer von Kentucky schreit, äh, Ficken (KFC) ist bemerkenswert: Der grosse Erfolg stellte sich ebenfalls erst mit 64 Jahren ein. Sind das jetzt auch Selbstoptimierer? In diesem Kontext ist die Frage wirklich absolut genial! Aber in Ihrem vielleicht weniger, zugegeben.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Bravo! Genau so ist es.
    Wer an sich arbeitet, der ist der erste davon profitiert. Man gewinnt Lebensqualität und räumt Dinge aus dem Weg, welche nichts gebracht haben.
    Wer das erlebt, schert sich eigentlich einen Deut, um die Lästerer, die nichts besseres zu tun haben, als immer alles schlecht zu machen. Er ist höchstens traurig, dass es so viele sind, die sich partout nicht vorwärtsentwickeln wollen, sondern lieber in ihrem kümmerlichen Sumpf stets mit dem Finger auf andere zeigen.

  • Anh Toàn sagt:

    Selbstoptimierer tun etwas auf sich selbst bezogen. Ein Wissenschaftler will nicht sich selbst verbessern, er will die Wissenschaft weiter bringen. Ein Veganer will nicht sich selbst verbessern, er will Tiere vor Schmerzen bewahren oder die Umwelt schützen. Jemand, der einsame Menschen besucht, will nicht sich selbst verbessern, er will das Leben einsamer Menschen besser machen.

    • Olaf Olafson sagt:

      @Anh Toàn: ha und wofür tut er das alles? Um sich dabei gut zu fühlen, oder sogar, um sich besser zu fühlen, als andere (z.B. Fleischesser). Kein Mensch besucht einen einsamen Mensch nur damit sich dieser nicht einsam fühlt. Auf solche Besuche verzichtet der einsame Mensch nämlich lieber.

      • Anh Toàn sagt:

        Das behaupten Sie, damit Sie besser vor sich selbst dastehen.

        Aber ich gestehe, ich hätte schreiben können, will im Normalfall, und wenn Sie unbedingt wollen, im Idealfall…, den was Sie sagen, gibt es auch.

        In Ihren Augen tun alle, die Gutes tun, dies nicht wegen dem, dem sie Gutes tun, sondern um vor sich selbst besser dazustehen. Ich versuche meinem Kind eine gute Erziehung zukommen zu lassen, aber nicht wegen ihm, sondern einzig und allein, um mich als Vater gut zu fühlen. Das ist selbst mir alten Zyniker dann doch zu zynisch.

        • Olaf Olafson sagt:

          Das ist nicht so, aber es gibt zwischen Egoismus und Altruismus ein -ismus, der gesund ist. Etwas machen, das anderen nützt und einem selber auch gut tut, ist weder zynisch, noch selbstsüchtig, sondern nachhaltig.

          • Hanspeter Niederer sagt:

            Ich habe für mich in diesen Fällen den Begriff des „positiven Egoismus“ kreiert. Grundlage, um im Sinne des „positiven Egoismus“ zu handeln und daraus einen Eigengewinn zu ziehen ist aber die Fähigkeit der Einfühlung und daran gekoppelt die Fähigkeit zum Mitgefühl. Der Lackmus-Test ist dabei das Vorliegen einer Win-Win-Situation.
            Im übrigen bin ich selbst Veganer und kann Ihnen sagen, dass Sie in bezug auf Ihre Vermutungen einen gründlich verpeilten Kompass haben. Die Situation der „Nutztiere“ macht mich „sick“, weil ich mich in ihr katastrophales Leiden hineinversetzen kann und es ändern will und muss – für diese Tiere UND für meinen Seelenzustand. „Positiver Egoismus“ eben.

          • Yamabiko sagt:

            Man muss Altruismus und Egoismus nicht gegeneinander ausspielen. Man kann beides miteinander anstreben. Bzw. das eine ohne das andere geht gar nicht weil wir ja keine abgetrennten Entitäten, sondern Teil einer Gemeinschaft/Gesellschaft/Welt sind.
            Das Wort Selbstoptimierung suggeriert für mich aber eben gerade dieses Missverständnis, dass man sich irgendwie unabgängig optimieren könne und „die andern“ einzig deshalb benötigt, um im Vergleich mit ihnen gut dazustehen. Frau Binswanger hat das aber gerade nicht getan. Mir gefällt, was sie schreibt. Nur das Wort ist halt schon bitz besetzt.

  • Olaf Olafson sagt:

    Ich verstehe nicht, in welchem Zusammenhang mit dem Artikel der Ausschnitt des genialen Films The Big Lebowsky steht. Jesus Quintana als Vorzeige-Selbstoptimierer? Oder Dude, Walter und Donny als abschreckende Beispiele von Leuten, die sich geben, wie sie sind?

  • Kurt Iten sagt:

    m.E. ist die Selbstoptimierung nichts neues, der Mensch strebte schon immer zu Höherem, die einen mehr die anderen weniger. Was mich stört ist der unglaubliche Drang zur Selbstdarstellung und Spiegelung in den Social Media. Damit einher geht eine Verschiebung der Wertvorstellungen was einen tollen Menschen ausmacht: den Hintern von J LO (gefällt mir aber auch), den Oberkörper von Ronaldo, die unübertreffbare Biederkeit von Roger Federer, das Proletentum von Göla… damit werde ich nun wirklich nicht warm…

  • andy sagt:

    Das Selbst ist am idealsten optimiert, wenn es weggelassen wird.
    Ihre Kritikerin, Frau Binswanger, scheint ja sehr technisch und logisch in Wort und Vorstellungsschatz befangen zu sein. Wieso hat diese schwache Kritik sie selbst, denn so persönlich angesprochen? Denken sie ernsthaft es könnte ihnen besser gehen, als es nun ist? Mit einem Bewegungsapparat wie Menschen den haben, soll man Bewegung vollziehen. Nicht unbedingt übermässig, aber sicher täglich regelmässig mindestens genügend. Wirkt kleinere bis grössere Wunder…

  • marsel sagt:

    Sich selber zu „optimieren“ mag ja okay sein, nur, damit (öffentlich) anzugeben finde ich unnötig und ein bisschen peinlich.

  • Hans Minder sagt:

    Nach meiner Ansicht führt die Selbstoptimierung per Definiton in eine Sackgasse. Das Leben ist nun mal so, dass Vieles seinen Zenit hat und dann einen Abschwung erlebt, geistig oder körperlich. Somit muss auf einen andern „Kick“ ausgewichen werden, da der Abstieg auf der bisher eingeschlagenen Selbstoptimierungs-Richtung schmerzt. Zum Schluss bleibt lediglich noch der Trost, dass ich durch Selbstoptimierung meinen generellen Abstieg zur optimierten Lebenserfahrung gestalten kann…jedoch wird auch dies irgendwann seinen Zenit erreicht haben…und was kommt dann?
    Alles, was nicht nachhaltig und bis zum letzten Atemzug ohne Frust verfolgt werden kann erscheint mir ein Luftschloss, das in weiteren, bitteren Erfahrungen enden muss. Liebe, Mithilfe, Bescheidenheit etc. funktionieren ewigs

  • Sarah sagt:

    Danke, dass Sie sich in diesem Blog mit meiner Frage auseinandersetzen, Frau Binswanger. Ihr Dialog mit @fufi weckt mein Interesse. – Jetzt warte ich auf den „Binswanger & Fufi“ – Blog. Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!

  • Brigitte Steiger sagt:

    Selbstoptimierung?
    Viel lesen, sich eine Meinung bilden, und konsequent danach leben.
    Und das jeden Tag.
    Und die Mitmenschen damit nicht belästigen.

  • Kelly sagt:

    Liebe Michele und Mitkommentatoren

    da wurde ja mal wieder in ein Bienennest gestochen :). Innerhalb weniger Stunden ein String an Kommentaren und interessanter Diskussionen. Das macht es spannend.
    Auch ich begegne Skeptikern der Selbstoptimierung jeden Tag – Ich bin Schönheitschirurgin.
    Sie beschreiben einen Punkt sehr schön, der eigentlich alles sagt: Es liegt in der Natur des Menschen sich verbessern zu wollen. Egal in welchem Feld.
    Deswegen sollten wir nicht skeptisch darauf reagieren, sondern offen darüber sprechen. Egal in welchem Feld.

  • Andreas sagt:

    Für einmal nicht komplette Grütze.

  • Maike sagt:

    Sorry aber Selbstoptimierung gibt es doch schon immer. Nur hiess es damals : Lernen ! Es ist nur der heutige Trend, alles und jedes anders bezeichnen zu wollen und damit einen Hype auszulösen, den man ggf. finanziell verwerten kann. Selbstoptimierung fängt im Babyalter an – das Kind will gehen und nicht krabbeln. Das ist reinste Selbstoptimierung der persönlichen Fortbewegung. Rechnen lernen, eine Fremdsprache lernen, 100kg zu stemmen, Marathon zu laufen – alles reinste Selbstoptimierung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten.
    Okay, die Ausnahme ist, wenn man an seinem Körper rumschnibbeln lässt. Aber wenn man sich dann besser fühlt ? Warum nicht. Und es ist mein Körper – mit dem kann ich machen was ich will. So !

  • Cartesia sagt:

    Hm. Kraut und Rüben durcheinander in diesem Text. Keine logischen Herleitungen, schwer nachvollziebare und einer Verifizierung wohl nicht standhaltende Thesen. Warum tut der Mensch die Dinge, die er tut? Wir sind gesteuert von Hormonen. Für Viele ist es unerträglich, dass nicht ihr Selbst sie steuert, also sie selbst gar nicht der Kapitän sind, sondern unsichtbare wirkungsvolle biochemische Substanzen. Zusammengefasst: Schlechtes (Fühlen) vermeiden (z.B. Stresserleben) und Gutes (Fühlen) „produzieren“ (Dopamin, Endorphin, etc.). Alle Begründungen wie Selbstoptimierung, etc. sind diesem Prinzip untergeordnet. Das Wissen um die Wirkung der Hormone kann nun sehr wohl für eine gute Selbstsorge und eine gute Nächstensorge im eigenen Verhalten genutzt werden. Fortsetzung folgt…..

    • Michèle Binswanger sagt:

      Lieber (r) Cartesia: Danke für die Lritik, leider erhellen Ihre Kommentare noch viel weniger, was Sie genau kritisieren – weil ebenfalls Krautrübig, keinerlei logischen Herleitungen und ihre paar Sätze dürften nicht einmal zu verifizierende Thesen hergeben. Das ist imho auch nicht die Aufgabe eines Blogtextes. Und auch nicht eines Kommentars.

      • Cartesia sagt:

        Danke, Frau Binswanger für Ihr Feedback. Meine Sätze sind in Psychologie und Neuropsychologie hinlänglich nachgewiesen worden. Ich lese grundsätzlich Ihre Blogbeiträge gerne. Als wissenschaftlich geschulter Mensch haben sie für mich manchmal eine zu stark subjektive Färbung, was wohl am Medium Blog liegt. Dann scheint mir aber ein Kommentar tatsächlich obsolet. Weil dann jeder nur ein bisschen mitfärbt. Mit logischem Denken und wissenschaftlicher Herangehensweise gäbe das Thema einiges mehr her. Aber wie gesagt, das ist ja nicht Ziel von Blog und Kommentar, wie Sie sagen. Dann sind es einfach Geschichten. Auch schön. Es grüsst Sie Frau Cartesia.

  • Cartesia sagt:

    Fortsetzung: Das zu erkennen und das zu tun, erfordert aber einen hohen Grad an Intelligenz, Selbstreflektion und -kritik. Das ist vielen zu anstrengend, weshalb man sich mit Scheingründen begnügt (…die beste Version von sich selbst sein wollen…., etc.)

  • Roland K. Moser sagt:

    Man macht das Beste aus der Situation, in der man drin ist, im Kleinen, wie im Grossen. Und das Grosse ist das Leben gesamthaft betrachtet.
    Das ist normal.
    Damit ein Problem haben nur die ewiggestrigen Griesgrämigen Rot-Grünen.

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