Sex oder gar nichts

David Duchovny verkörpert in «Californication» das Klischee vom sexsüchtigen Ü-40er, der jungen Frauen hinterherrennt. So weit hergeholt ist das leider nicht. Foto: Showtime

Mein letzter Beitrag hat zwar mit einer Frage geendet, die von Ihnen, liebe Leser, mehr als zahlreich und detailliert beantwortet wurde. Trotzdem, ich bin Ihnen noch eine Antwort schuldig. Die Realität entspricht leider genau der These, der ich in meinem letzten Buch «Die Susi-Krise» ein ganzes Kapitel gewidmet habe: Männer haben ab etwa 40, 45 kein platonisches, freundschaftliches Interesse an Frauen.

Eine Tatsache, die mich mehr als betrüblich stimmt. Mein Freundeskreis war immer gemischt. Doch die Freundschaften zu den Jungs, die teilweise 20, 30 Jahre zurückreichen, sind seit einigen Jahren teilweise einfach lautlos abgestorben, auf Eis gelegt oder zwar offiziell noch bestehend, aber man sieht sich nicht mehr. Frauen gehen mit Frauen aus («Girls Night») und Männer mit Männern. Wenn ich frage, ob ich mitkann, heisst es: Wir sind nur Jungs. Früher war das egal und in Ordnung, wenn ich das einzige Mädchen war.

Die Abende sind mit Sex verplant

Die erwachsene männliche Seele verspürt kein Bedürfnis nach freundschaftlichem Abhängen und ernsten Gesprächen mit Frauen, ohne sexuelle Absichten. Meine männlichen Freunde sagen das genauso unverblümt wie viele meiner Leser am Wochenende: «Wenn ich schon mal einen Abend freihabe, dann will ich den auch mit Sex verbringen. Mit dir ist es auch lustig, aber Sex ist mir wichtiger.»

Leider ist es andersrum nicht so. Ich brauche die Inspiraton und Energie von männlicher Seite dringend, auch jetzt, als erwachsene Frau. Und nicht auf der Flirtbasis, denn von Balztalk hat man ja nichts. Ich brauche ganz normale Gespräche auf Augenhöhe, gerne über seinen Auspuff oder was bei Tesla los ist. Ich sehe mich als Menschen, nicht als Sexobjekt. Und dass es keinen Grund gibt, geschmeichelt zu sein, wenn man mich sofort als eine Option zur Erleichterung des Hormondrucks sieht, weiss ich, seit ich 15 bin. Schon gar nicht bei Männern, die mich seit 20 Minuten kennen und wissen wollen, ob es sich lohnt, sitzen zu bleiben.

Frauen haben Verständnis, Männer Humor

Es ist sehr traurig, denn ich liebe die Sichtweise von Männern auf die Welt. Ich fand schon immer die Welt der Männer interessanter als die der Frauen. Die Welt der Frauen ist ja meine eigene, in der kann ich gut alleine leben. Ich rede mit Freundinnen weder über Klamotten, Beauty noch Shopping. Das mache ich alles mit mir selbst aus.

Mit Frauen teile ich gesellschaftliche und emotionale Interessen. Bei ihnen finde ich Verständnis, mit Männern hingegen entwickle ich mich weiter und kann auch besser lachen. Aber Einblick in die Welt der Männer hatte ich schon, als ich klein war. Nur ging es damals um Freundschaft.

Sex vs. Yoga-Camp

Nun sind wir alle erwachsen, und die meisten Männer sind bekennend sexsüchtig. Um ihre Sexsucht auszuleben, brauchen sie sehr viel jüngere Frauen, denn eine heisse 45-Jährige tippt sich an die Stirn und will lieber mit ihm in ein Luxus-Yoga-Camp fahren.