DJ Bobo und peinliche Verwandte

Familientauglich: DJ Bobo (50) und seine Frau Nancy (47) auf der Bühne. Screenshot: Youtube

Eigentlich wollte ich etwas Nettes über DJ Bobo und seinen Song «Yaa Yee» schreiben. Dummerweise habe ich mir das Stück zuerst angehört. Nun. Es ist so: Ich mag DJ Bobo, so als Person. Er ist sympathisch, hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt und besitzt eine schöne weisse Villa am Vierwaldstättersee. Ich habe nicht einmal eine schäbige Gartenlaube an der Limmat, also hat Bobo etwas richtig gemacht, und seinen Erfolg gönne ich ihm.

Bemerkenswert finde ich seine Konzerte. Das sind richtige Partys für die ganze Familie, da tanzen die Eltern mit den Kindern, und der Grosspapi findets auch läss und schwingt das Sulzer-Hüftgelenk, dass es eine wahre Freude ist. Wo sonst gibt es denn noch so etwas?

Italienische Discoruinen

In Italien und Frankreich ging man in den 80er- und 90er-Jahren mit grosser Selbstverständlichkeit als Familie am Wochenende aus. In Discos mit mehreren Dancefloors: Hitparade für die Jugend, Oldies-Klassiker für die Eltern und folkloristisch angehauchter Pärchentanz für die Grosseltern. Dazwischen kleine Bars, Terrassen und eine Pizzeria für den Hunger zwischendurch. Man ging zusammen hin und meistens zusammen heim und checkte zwischendurch kurz, ob sich der Zustand aller Angehörigen noch im gesellschaftlich akzeptablen Rahmen hielt.

Aus und vorbei – auch für das legendäre Macumba in der Nähe von Genf. Foto: Macumba

Aus und vorbei. Die Ruinen der italienischen Grossraumdiscos sind zu skurrilen Fotosujets verkommen, die Familien-Discothèque in Strassburg gibts nicht mehr, und sogar das legendäre Macumba in Saint-Julien-en-Genevois schloss im Februar 2015 nach 38 Jahren Aktivdienst seine Tore für immer.

Heute sind Tanzaktivitäten streng getrennt. Nach Musikstil: House, Hip-Hop, R’n’B und weiss der Teufel. Und nach Generationen sowieso: U-18, Ü-18, Ü-30, Ü-40, U-Scheintod. Und ja nicht mischen! Grosser Gott! Als Ü-50 nervt man sich sowieso über die jungen Tölpel, die einen anrempeln, und als Grünschnabel über diese angegrauten Schikanen, die den direkten Weg zur Bar versperren.

Familiensache

Getanzt über Generationengrenzen hinweg wird allenfalls noch an runden Geburtstagen und Hochzeiten. Was auch nicht immer allen passt. An der Party zu einem Fünfzigsten etwa sassen die Familien-Teenies sauertöpfisch an einem Tisch beisammen und lästerten.
Ich so: «Tanzeder nöd?»
Nichte: «Sicher nöd! Das ist so peinlich!»
Ich: «Brauchst dich nicht zu genieren, wir sind unter uns.»
Nichte: «Nicht ich! Die!!» – und zeigte empört auf die Bühne.
Dort schwang ihre Gotte grad gekonnt die Hüften, und daneben gab ihr Vater im verschwitzten Hemd eine beeindruckende Interpretation von John Travolta zum Besten.
Ich: «Was? Die tanzen.»
Nichte: «Ja, aber doch nicht so! In dem Alter!»


Na ja. So klingt «Yaa Yee». Quelle: Youtube

Teenager sind mitunter etwas humorlos. An DJ-Bobo-Konzerten tauen sie jedoch auf, das konnte ich – natürlich beruflich bedingt – mit eigenen Augen sehen. Von der Musik kann man halten, was man will, Tatsache ist: Bobo verbindet Generationen. Plötzlich singt auch das von den Erziehungsberechtigten zwangsverpflichtete Jungvolk lauthals «Chihuahua!», das Mami wirft vor Freude die Arme in die Luft, und Papi schwenkt das Bier im Takt. Respekt, das ist eine beachtliche Leistung.

DJ Bobo alias Herr Baumann wurde im Januar 50. Ich habe den Verdacht, dass er seine gigantischen Shows sowieso nur macht, weil er und seine Frau Nancy (47) gerne tanzen und es für Leute in diesem Alter einfach keine gescheiten Discos mehr gibt. Die Kinder Jamiro (15) und Kayley (11) stellen sie einfach vorne ins Publikum, das spart grad noch den Babysitter. Im Januar 2019 gehen die Baumanns wieder auf Tournee. Vielleicht leiht mir jemand ein paar Kinder plus eine Grossmutter, ich möchte auch wieder mal so richtig peinlich tanzen.

Song zum Thema:

Dieser Text erschien bereits auf «Hi 55», einem Blog für Leute über 50 – und solche die es werden wollen. 

26 Kommentare zu «DJ Bobo und peinliche Verwandte»

  • David sagt:

    Life is a dance – Stephen King

  • Rodolfo sagt:

    yesses ja, ich mag mich an die wunderbaren Abende in den italienischen Discos erinnern, a family affair und Unterhaltung für jeden Geschmack

  • raymond reininger sagt:

    dj bobo ist einfach nur peinlich …. ich frag mich oft wieso diese leute sich für sowas hingeben … brauchen die geld…… ?
    lustige kostüme… endlos rumhüpfen …
    fehlt nur noch, dass DJ Antoine mit seinem verzogenen sohn
    in dieser show auftritt…
    zu sechseläuten ehren hats ja schon gereicht…..
    peinlichkeit kennt keine grenzen

    • Kurt Leutenegger sagt:

      Raymond Reininger sind sie ein verbitterter Mensch? Ich 73 finde DJ Bobo super, er ist ehrlich, macht gute Musik und steht vorbildliche zu seiner Meinung, kurz er lässt sich nicht verbiegen. Auch ich werde das nächste Konzert/Party besuchen.

      Zur Journalistin, die heutigen Generationenprobleme hat sie sehr schön und lustig auf Papier gebracht.
      Ein Bravo!

      • Penumbra Noctis sagt:

        Naja, ueber die musikalischen Qualitaeten kann man sich bei DJ Bobo streiten. 🙂 Er trifft offenbar den Geschmack der Masse, aber das tut McDonalds mit ihren Hamburgern auch. Sie verstehen schon, was ich mein.

    • Tom sagt:

      Peinlich, Herr Reiniger, sind solche indifferenten, griesgrämigen und neidvollen Attacken im schützenden Rahmen der Kommentarspalte.

      • Lia sagt:

        wieso wird jedem, der einen Musikstil nicht mag, gleich Neid unterstellt? Auch ich finde DJ Bobo’s gute-Laune-Musik und seine Clownskostüme unterträglich, ich höre lieber Düsteres mit Inhalt.

        • Lichtblau sagt:

          Zum (wirklich nicht unsympathischen) Bobo hab ich mein Kind auch nicht begleitet, zu Tokio Hotel damals schon. Da konnte ich die Faszination der 12-Jährigen in Ansätzen nachvollziehen. Aber das Runtermachen des musikalischen Geschmacks seiner Kinder ist generell nicht zu empfehlen. Man muss ja nicht gleich „mitfanen“.

    • Jessas Neiau sagt:

      +1

  • Ursel sagt:

    Leider hat die Schreiberin dieses Artikels vollkommen Recht! Ich würde gerne in einer Disco tanzen – alleine, wie in den 70-ger und 80-ger Jahren, aber dafür bin zu alt. Und für „Tanzveranstaltungen“, bei denen nur Alte tanzen, fühle ich mich zu jung. Es ist schon ein Kreuz damit.

    • Michael sagt:

      Wie Ursel – da bist Du zu alt für ? Ein Hauptgrund ist doch, warum Du Dich bei der Musik der 70 – 80iger so wohlfühlst, weil Du mit dieser Musik grossgeworden bist ! Als die 70iger Musik losging, war ich gerade 16 – also genau richtig, um sie voll und bewusst zu erleben. Ich würde für mein Leben gerne mal wieder so richtig auf die Tanzfläche stürmen um nach dieser Musik zu tanzen – nur ergibt sich die Frage, wo kann man das noch ? Maximal auf den Konzerten der Stones. Oder in den hauseigenen Partykellern mit Gleichgesinnten.

      • Dodimi sagt:

        Teile ihre Meinung vollkommen.
        Ich bin jetzt im Pensionsalter und vermisse den Tanz sehr. Da ich noch sehr jugendlich wirke und mich auch noch so fühle (und eigentlich blöd ist dies hier zu erwähnen) konnte ich bis in die 2000-er in den Ausgang, z.B. ins „Digi“ (Diagonal) oder ins „Kaufleuten“. Und irgendwie, plötzlich war das alles weg… und sehe mich heute gezwungen, mangels Partnerin, von Zeit zu Zeit zu Hause mich tanzend auszutoben. BESTE FITNESS – aber eben allein (heul).

  • peter grütter sagt:

    hahaha, danke für den artikel! habe dj bobo noch nie so gesehen, gibt mir ne neue sicht und hat mich zum schmunzeln gebracht, da ich seine musik immer nur belächelte bislang. ja, ich würde auch gerne mehr tanzen, tu’s so gerne und passe meist nirgends mehr so richtig rein.. 😉

  • Kuster sagt:

    Sind Journalisten so unkritisch? Prüfen Sie bitte mal das Alter von Frau Baumann. Glauben Sie wirklich, dass diese Dame jünger als DJ Bobo ist? Es halten sich hartnäckige Gerüchte, diese Story sei Teil des Marketings; in Wirklichkeit sei sie älter als DJ Bobo. Nur wenn man die ID sieht, kann man einem Jetset Typ trauen.

  • Hp sagt:

    Wen interessiert schon DJ Bobo oder seine Nancy?

    DAS MACUMBA GIBTS NICHT MEHR????

    Oh mein Gott!!!

  • Annick Grossenbacher sagt:

    Ich bin doch sehr erstaunt ob den Kommentaren wegen fehlenden Tanzgelegenheiten für Ü-wasauchimmer…. Ich bin knapp 50 und gehe regelmässig in Clubs, die auch schon vor 25 Jahren toll waren. Man muss halt nur den Hintern hochkriegen und mal nach Lausanne oder Zürich fahren. Den späten Beginn um 23h mit einem Nachtessen überbrücken. Es gibt regelmässig Abende mit Musik aus den 70ern bis 90er. Guten alten Disco oder House. Richtig gemixt von guten DJs. Dort finden sich unkomplizierte Leute zwischen 25 und 70 ein. Ohne, dass man sich gegenseitig kritisch beäugt oder gar belächelt. Alle haben zusammen Spass auf der Tanzfläche. Die HitsNshits-Partys aus den Ü40-Reihen sind dagegen absolut lächerlich….

    • Lichtblau sagt:

      Das mit dem „Hintern hochkriegen“ hat was. Im Arbeitsleben gelingt mir das easy, in Sachen Ausgehen nicht mehr so wirklich. Und dies, obwohl ich an der Quelle wohne.

  • Anh Toàn sagt:

    DJ Bobo ist die Perfektion des Mittelmasses. Es gab mal „middle of the road“ als Kategorie in der populären Musik, einfache, eingängige Songs, darunter einige trotz Einfachheit grandios Kunstwerke, ich denke da an die frühen Beatles, Beach Boys, Fleetwood Mac, Cheap Trick, ich bin auch geneigt, die Ramones da einzuodnen. Aber DJ Bobo hat nichts davon, nur Mittelmässigkeit. Friede, Liebe, Freude, la la la. Da ist Helene Fischer musikalisch und textlich noch anspruchsvoller. Ideal für 10-14 Jährige: Falls unser Kleiner mal da hin will, muss Mami mit. Ich warte bis er etwas grösser ist, und zu etwas will, das von mir aus furchtbar schlecht ist, aber mit ehrlicher Begeisterung fürs eigene Tun: Ich glaube nicht, dass DJ Bobo seine Musik mag.

    • Anh Toàn sagt:

      In einem Erwachsenenblog zu DJ Bobo und seinem Erfolg sollte man diesen alten Spruch anfügen dürfen:

      „Fresst mehr Scheisse Leute, Millionen von Fliegen können nicht irren.“

  • sepp z. sagt:

    Neider muss man sich erst schaffen.

  • Roger the Senile sagt:

    Ruth, komm doch mal wieder an eines unserer Konzerte die Hüften schwingen 😉

  • Luca Bellini sagt:

    Ein sehr guter Freund ist sog. Resident in einem dieser hippen Schuppen in Zürich. Tolle Musik. Sehr schöne Menschen (optisch). Angeblich eine bemerkenswerte Gin-Auswahl an der Bar. Mein Freund ist ein herzensguter, verdammt gut aussehender Typ (Instagram-Typ) und lädt mich immer wieder ein, nimmt mich auf die „Guestlist“, wobei diese mittlerweile in Klassen unterteilt sind, wie VIP oder eben „special guest of the resident DJ“… Nun ja, ich habe es nie geschafft, da Weekends immer Kinder-Vater-Zeit ist. Er bleibt aber, netterweise, hartnäckig. Ich muss nur noch einige Jahre warten, bis mein Sohn auch in dem Alter ist, wo er mitkommen darf. Aber dann ist vielleicht der Resident nicht mehr so angesagt. Ich mit Sicherheit schon. Sagt der Resident. 🙂

  • Diego Manosdias sagt:

    Neid, Neid, Neid….was anderes habt ihr nichts zu melden, wenn man einfach nur ausspricht was Tatsache ist. Ja, Musik ist – wie alles – Geschmackssache. Aber wie meine Vorredner richtig sagen mit McDonalds und den Fliegen: nur weil viele (die Masse) etwas gut finden, heisst es noch lange nicht, das etwas gut ist. Es gibt ganz viel, dass ich nicht mag, aber respektiere. DJ Bobo’s “Musik” (die clownesken Auftritte lassen wir mal ganz beiseite) gehören nicht dazu. Das ist im ganzen Paket einfach nur unterirdisch und lächerlich…nennt mich neidisch, nennt mich verbittert; mir egal, denn ich weiss ja, dass ich beides nicht bin. Was ich jedoch sicher bin ist glücklich, dass dieser Hampelmann in den letzten Jahren immer weniger präsent war in den Medien…

  • David Rovere sagt:

    Tja, grundsätzlich traurig wenn das „ü“ vor der Zahl als faule Ausrede für
    musikalische Kaffefahrten gebraucht wird und der DJ nicht fähig
    ist, auf seinen Kochplatten mehr als Seniorenteller drehen zu
    lassen.

    Vielleicht hat es auch damit zu tun, in welchem musikalischem
    Rahmen man sich bewegt. Geschmacksrichtungen abseits des Mainstreams
    können durchaus generationenübergreifend sein, wenn auch erst ab 18,
    wie heute die Anlässe von DieStille, Noxiris und NewDarkNation beweisen.
    Schade nur, dass sich Familienausflüge an Motörhead Konzerte leider
    erldigt haben und meine jüngsten dies nicht mehr erleben können.

  • Katrina sagt:

    Ich empfehle 5Rhythmen Anlässe. Dort tanzt Jung und Alt ganz wild und ungezwungen zusammen oder auch ganz allein für sich.
    Der esoterische Anteil ist Geschmackssache, man kann ihn aber gut ausblenden.

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