Endstation sexy

Zu sexy für eine 52-jährige Mutter? Liz Hurley und ihr Sohn Damian an der Premiere von «Paddington 2». (Foto: Getty Images)

Man kann Liz Hurleys Sohn beneiden, oder er kann einem leid tun. Der 16-Jährige hat nämlich den Job, den sexy Body seiner 52-jährigen Mama im Bikini abzulichten. Dafür, schwärmt die Mutter, habe er ein besonderes Auge, der Jüngling studiert nämlich Fotografie. In den Ferien gibt es für ihn besonders viel zu tun, was die Bürde multipliziert. Einem englischen Magazin zufolge soll er nun aber den Aufstand geprobt haben. Die Mutter sei ihm peinlich, er würde deswegen gehänselt in der Schule, hiess es da. Er soll seine Mutter gebeten haben, ihren Busen vielleicht nicht in jedes Objektiv zu hängen und sich allgemein etwas züchtiger zu zeigen. Sie aber habe ihrem Sohn mitgeteilt, dies habe sie durchaus nicht vor und im Übrigen sei ja wohl klar, dass Frauen sich auch in ihrem Alter noch sexy zeigen dürften. Sonst würde sie zum nächsten Elterngespräch in Nonnentracht erscheinen.

Das Internet, zuverlässiger Seismograf für alle Sorten moralischer Empfindungen, war da anderer Meinung. Nicht umsonst gehört das Adjektiv «alternd» zu den beliebtesten Schmähungen, um erfolgreiche Frauen abzuwerten. Hurley setzt sich zudem gleich über zwei Gebote hinweg. Nach dem gängigen Empfinden haben Mütter wie Heilige und keinesfalls wie Huren auszusehen. (Es sei denn, es handelt sich um Pornografie, dort gehört das Milf-Genre zu den meistgeklickten.) Zudem haben Frauen nicht nur eine biologische Uhr, ab vierzig etwa leben sie unter einer Altersguillotine.

Ab wann wird es peinlich?

Sie werden schärfer beobachtet, ob sie sich altersentsprechend, nicht zu jugendlich, nicht zu eng, nicht zu sportlich, nicht zu kurzgeschürzt, aber auch nicht zu langweilig oder sonst peinlich und falsch anziehen. Madonna erweiterte mit ihrer «I don’t give a fuck»-Attitüde zwar das Spielfeld, doch die Guillotine ist sie nicht losgeworden.

Als sie vor zehn Jahren 50 wurde, tanzte mein damaliger Chef an und verlangte ein Stück dazu. Er sprach darüber, wie peinlich sie doch sei, mit ihren Strapsen und sexy Posen und allem. Ich lehnte ab, so etwas zu schreiben. Nicht, weil es mir nicht auch ein klein wenig peinlich war. Sondern weil ich nicht begriff, warum eigentlich und für wen? Peinlich für Madonna, peinlich für mich, peinlich für meinen Chef, die Gesellschaft? Diesen August wird sie 60. Gibt es irgendeine moralische Grenze, warum sie das nicht tun sollte und wenn ja, lässt sich diese Grenze in Zahlen benennen? Bis wann darf man sich sexy zeigen – und ab wann wird es peinlich? Zudem ist das ihr Beruf als Künstlerin und Entertainerin – und gibt es da vielleicht irgendwelche Regeln für Endstation sexy?

Natürlich kann man sich darüber streiten, wie viel Fleisch man in welchem Alter zeigen sollte – aber diese Diskussion kann man zu jedem Lebensalter führen. Im Fall von Hurley oder Madonna ist nicht die Ästhetik das Argument. Sondern nur eine Zahl. Wenn ich Liz Hurley wäre, würde ich einfach einen anderen Fotografen organisieren. Am besten einen, der erwachsen und nicht mit ihr verwandt ist.