Freitagsfrage

Muss ich meinen Kindern Plastikspielzeug kaufen?

In der Spielzeugabteilung fällt es Eltern besonders schwer, Nachhaltigkeit vorzuleben. Unsere Elternberaterin hat einige Tipps.
Plastikgodzilla gegen Holzklotztürme – wer gewinnt? Illustration: Benjamin Hermann

Wer gewinnt? Plastikgodzilla gegen Holzklotztürme. Illustration: Benjamin Hermann

Liebes Mamablog-Team

Wir möchten unseren Kindern von klein auf Nachhaltigkeit vorleben. Doch natürlich finden sie das Plastiktrottinett schöner als die Variante aus Holz. Lego cooler als Kapla. Müssen wir unsere Prinzipien aufgeben? Tom

Lieber Tom

Es ist toll, wenn Sie beim Spielzeugkauf nicht nur an Pädagogik und Spass, sondern auch an die Umwelt denken. Eine einfache Antwort auf Ihre Frage zu finden, ist zugegebenermassen nicht ganz einfach. Es geht dabei um verschiedene Aspekte, die ich etwas auseinanderhalten möchte.

Beschaffenheit

Holz ist, ganz generell, nicht zwangsläufig das bessere Spielzeug – auch hier können Farben, Lacke und Klebstoffe gesundheitsgefährdend sein. Je nach Verwendung ist es sogar besser, ein anderes Material als Holz zu wählen. Etwa, wenn es um Hygiene oder Gewicht des Spielzeugs geht. Es gibt spielzeugtechnisch also neben der Nachhaltigkeit noch weitere Kriterien, die es beim Einkauf zu beachten gilt.

Nachhaltigkeit

Ist Plastik wirklich in jedem Fall schlechter? Mittlerweile mehren sich in der Presse Artikel und Stellungnahmen, welche Kunststoff in einer ökologischen Gesamtbetrachtung (inkl. Entsorgung, Mehrfachverwendung) gar als nachhaltigste Lösung betrachten. Als Laie ist man schnell überfordert, und Halbwissen trägt oft nicht zu einer besseren CO2-Bilanz bei.

Nachhaltigkeitserziehung

Tatsächlich haben mir Eltern schon oft erzählt, dass sie den Kindern hochwertiges Holzspielzeug gekauft hatten, welches bei den Kleinen aber nur begrenzt auf Anklang stiess.

Dass Kinder das eine oder andere Spielzeug bevorzugt auswählen, kann viele Gründe haben: Optisch könnte es eine schönere, ansprechendere oder glänzendere Farbe haben, wendiger, leichter oder angenehmer zum Anfassen sein, oder es kann besser auseinandergenommen werden.

Kinder interessieren sich für Produkte, die besonders zum Erkunden einladen und sich leicht in das eigene Spielverhalten einfügen lassen. So kann Holz für ein Bau- oder Konstruktionsspiel gut geeignet sein, während ein Kunststoffartikel vielleicht besser zu einem spezifischen Rollenspiel passt. Kinder sind nicht davor gefeit, Spielzeuge attraktiv zu finden, mit denen auch viele andere Kinder spielen – oft ist das kein Holzspielzeug.

Ich bin der Ansicht, dass Kinder eine nachhaltige Lebensweise auch auf viele andere Arten lernen können. Das, was Sie vorleben – darunter auch die Materialien, die Sie im Alltag auswählen und verwenden –, das werden Ihre Kinder aufnehmen. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre Prinzipien kennen und leben. Das hilft Ihren Kindern, sich zu orientieren. Die eigenen Prinzipien zu leben, bedeutet in meinen Augen auch, sich über sinnvolle Grenzen und Ausnahmen Gedanken zu machen. Ein Spielzeug aus Plastik bietet unter Umständen auch Lerngelegenheiten in Sachen Nachhaltigkeit. Zum Beispiel, wenn das Plastiktrottinett kaputtgeht: Was kann man nun damit tun? Wo kann es entsorgt werden, oder können einzelne Teile weiterverwendet werden?

Erziehung zur Nachhaltigkeit muss also nicht bedeuten, alle Plastikspielzeuge zu verbannen, sondern einen verantwortungsvollen Umgang damit zu finden.

Herzlich, Daniela

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