Wenn das Einkommen plötzlich ausbleibt

Kleinstbetriebe leiden besonders in der Corona-Krise. Ein junges Paar, das in Zürich einen Coiffeursalon führt, erzählt, wie es die Situation meistert.

 

Läden zu, Kunden weg: Der Corona-Lockdown bedeutet für viele Menschen auch eine finanzielle Krise. Foto: Keystone

 

Wer den 16. März 2020 in der Schweiz miterlebt hat, wird ihn so schnell nicht wieder vergessen. Von einem Tag auf den anderen wurde das Leben zum Stillstand gebracht und alle Geschäfte geschlossen, die nicht systemrelevant sind.

Während die einen danach bloss vor der Herausforderung «Homeoffice und gleichzeitiges Homeschooling» standen, hatten andere von einem Tag auf den anderen kein Einkommen mehr: Betreiber kleiner Boutiquen, Barbesitzer und Coiffeure zum Beispiel.

Zu Letzteren gehört Manuel Elber. Der 34-Jährige arbeitet selbstständig in seinem Coiffeursalon «La Isla» in Zürich und ist der Hauptverdiener in der Familie. Seine Frau Liliana De Notaristefano kümmert sich mehrheitlich um Sohn und Hund, unterstützt ihren Mann bei administrativen Tätigkeiten und ist einen Tag pro Woche ausser Haus tätig.

Der Lockdown war ein Schock

Die beiden hatten den Lockdown erwartet und finden die Massnahme nach wie vor richtig. «Als der Bundesrat den Entscheid dann verkündete, war es trotzdem ein kleiner Schock», erzählt De Notaristefano. Für ihren Mann fühlte es sich an, als sei sein Geschäft gerade vor seinen Augen in Schutt und Asche zusammengefallen.

Den Humor nicht verloren: Manuel Elber und Liliana De Notaristefano mit ihrem Sohn. Foto: Privat

Der Coiffeursalon befindet sich mitten in der Stadt, die Fixkosten sind hoch. Der plötzliche Erwerbsausfall habe ihren Mann im ersten Moment deshalb enorm belastet, sagt De Notaristefano. «Normalerweise ist er ein Optimist, aber das hat ihn doch sehr hinuntergezogen.» Er sei zu Beginn auch überzeugt gewesen, dass der Staat nur den Grossen helfen und «Kleine wie uns» vergessen werde. Sie hingegen sei stets positiv geblieben. «Ich hatte einfach ein tiefes Vertrauen, dass uns nichts passieren kann», sagt sie, «schliesslich sind wir bei weitem nicht die einzigen Betroffenen, da musste von offizieller Seite einfach etwas geschehen.»

Unglaubliche Solidarität der Kundschaft

Während die Inhaber von Pflanzengeschäften oder Yogastudios mit etwas Kreativität ihr Geschäft wenigstens ein klein wenig am Laufen halten konnten, hatte Elber als Coiffeur diese Möglichkeit nicht. Online Haare schneiden geht nun einmal nicht. Damit wenigstens ein bisschen Geld in die Kasse kommt, fragte Elber seine Kunden an, ob sie jetzt schon einen Gutschein für ihren nächsten Termin kaufen möchten. «Klar, damit verschiebt sich das Problem einfach auf später, aber wir müssen nun mal jetzt unsere Rechnungen bezahlen.»

Die Spenden sind ein Zeichen, wie sehr die Leute die harte Arbeit schätzen.
Liliana De Notaristefano

Gleichzeitig stellten Elber und seine Frau einen «virtuellen Kollektenhut» auf, wie sie es nennen. «Die Reaktionen darauf waren überwältigend», sagt De Notaristefano sichtlich gerührt, «wir haben massenhaft Nachrichten bekommen und sehr viele Spenden.» Dieses Geld sei so viel mehr als nur eine finanzielle Unterstützung. «Es ist ein Zeichen, wie sehr die Leute die harte Arbeit von Manuel und auch ihn als Person schätzen.»

Die Krise hat auch ihre positiven Seiten

Unterdessen hat sich Elber für die Unterstützung des Bundes angemeldet, und die Familie ist im neuen Alltag angekommen. Der Sohn ist glücklich, dass er seinen Papa plötzlich ständig um sich hat. Liliana de Notaristefano unterrichtet anstatt eine neu vier Stunden Yoga pro Woche, um anderen Leuten etwas Gutes zu tun in dieser herausfordernden Zeit. Und natürlich sei es auch schön, wenn dadurch ein bisschen zusätzliches Geld reinkomme. «Ich wäre im März sowieso mit einer neuen Stunde gestartet. Nun mache ich es eben online.» Immerhin habe die Corona-Krise ihr sozusagen dabei geholfen, endlich ihre eigene Website fertigzustellen, da nun auch der Mann öfters zum Kind schauen könne.

Zeitvertreib während der Zwangspause: Lustige Youtube-Videos erstellen.

Die Zukunft sieht sie sehr positiv. «Ich glaube, diesen Bruch hat es gebraucht. Wir hatten in der Vergangenheit so wenig Zeit für uns und gar nicht die Energie dazu, uns zu überlegen, wohin wir eigentlich wollen, was wir vielleicht anders machen wollen in unserem Leben, in unseren Jobs.» Sie wisse zwar noch nicht, was genau geschehen werde, «aber vieles wird sich durch Corona in unserer Familie bestimmt zum Positiven verändern».

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