Freitagsfrage

Wie soll ich mit meiner Angst umgehen?

Müssen Mütter und Väter Ihre Corona-Sorgen vor den Kindern verstecken? Eine Frage an Elternberaterin Daniela Melone.
Illustration: Benjamin Hermann

Bleiben wir verschont? Wie lange wirds dauern? Der Corona-Ausnahmezustand verunsichert uns alle. Illustration: Benjamin Hermann

Liebes Mamablog-Team

Ich, Mutter von zwei Kindern (5 und 8), mache mir grosse Sorgen wegen des Corona-Lockdowns. Plötzlich sind alle Sicherheiten weg. Was kommt noch alles auf uns zu? Wie schütze ich mich und meine Familie? In all diesem Durcheinander möchte ich meinen Kindern dennoch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Wie soll ich als Mutter mit meinen Ängsten umgehen, ohne sie auf die Kleinen zu übertragen? Corinne

Liebe Corinne

Herzlichen Dank für Ihre Fragen.

Ich kann Ihre Sorge verstehen und denke, es geht vielen Müttern und Vätern im Moment wie Ihnen. Die aktuelle Situation ist für uns alle neu. Vieles verstehen wir nicht und können wir noch nicht einordnen. Die zahlreichen Mitteilungen und Aktionen sind so komplex – natürlich entsteht da schnell ein Durcheinander.

Wie Sie erkannt haben, ist es in dieser Situation grundlegend, dass Sie sich die Frage nach einem Umgang mit Ihren Ängsten stellen, damit sich diese nicht auf Ihre Kinder übertragen. Für Ihre Kinder ist es wichtig, dass Sie als Mutter (bzw. als Vater) Ihre beschützenden und unterstützenden Aufgaben wahrnehmen und eine sichere und stabile Beziehung ermöglichen.

Udo und Gabriele Baer beschreiben in ihrem Buch «Gefühlslandschaft Angst» als ersten Schritt die Akzeptanz der Angst. Diesen grundsätzlichen Schritt haben Sie bereits getan. In einem nächsten Schritt gilt es, die Angst zu konkretisieren und zu differenzieren. Fragen wie «Wie zeigt sich die Angst?», «Ist sie immer da oder nur manchmal?» oder «Was für Bilder haben Sie dabei im Kopf, und was befürchten Sie?» unterstützen Sie dabei. Dadurch werden die Ängste weniger diffus, und es wird klarer, wo Sie ansetzen können.

Ehrlichkeit kann Kinder überfordern, wenn die eigene Gefühlswelt nicht kindgerecht ausgebreitet wird.

Wenn Sie einen Umgang mit Ihren Ängsten finden möchten, lohnt es sich, bei sich selber auf Spurensuche zu gehen: Bestimmt haben Sie schon viele Situationen erlebt, in denen Sie Angst erfolgreich bewältigt haben. Wer oder was hat Ihnen dabei geholfen? Wie wurde Ihre Angst gemildert? Was hat Ihnen Mut gemacht? Und Mut wozu? Aus all Ihren bisherigen erfolgreichen Strategien können Sie bestimmt einiges für die aktuelle Situation adaptieren. Klingt nach viel Kopfarbeit in dieser eh schon stressigen Zeit, aber es lohnt sich!

Auch Ihrem Gefühl von «Plötzlich sind alle Sicherheiten weg» können Sie etwas entgegenstellen: Schreiben Sie auf, welche Sicherheiten Sie weiterhin haben und welche neuen – auch in einer Situation wie dieser – hinzugekommen sind.

Ich habe oft erleben dürfen, wie stark Kinder sein können. Sie bestimmt auch. Wir müssen nicht alles vor ihnen verbergen. Wir dürfen auch ehrlich sein. In dieser Ehrlichkeit hat es Platz, dass man sich als Mami aktuell etwas unsicher fühlt, weil alles so neu und durcheinander ist. Vor Ihren Kindern können Sie das nicht verbergen, denn sie kennen Sie so gut, dass sie Ihre Unruhe wahrnehmen werden. Mit Ihrem Verhalten können Sie ein Vorbild im Umgang mit neuen und sorgenreichen Situationen für Ihre Kinder sein.

Aber: Gespräche mit Ihren Kindern könnten auch deren Angst erhöhen. Es kommt daher auf die Art und Weise der Kommunikation an. Ehrlichkeit kann Kinder überfordern, wenn die eigene innere Gefühlswelt nicht kindgerecht ausgebreitet wird. Bereiten Sie sich grundsätzlich auf mögliche Gespräche vor (die ja oft spontan stattfinden): Was können Sie mit Ihren Kindern teilen? Was lieber nicht? Das hängt natürlich vom Alter und vom Wesen Ihrer Kinder ab. Besprechen Sie Ihre Einschätzung auch mit Ihrem Partner, falls möglich. So können Sie eine Haltung entwickeln und werden nicht von einem allfälligen Redefluss überrascht – auch nicht in Diskussionen über die aktuelle Situation am Esstisch. Bleiben Sie neugierig und erkundend und lassen Sie Ihre Kinder sprechen.

Sie fragen danach, wie Sie sich und die Kinder schützen können. Ich gehe davon aus, dass Sie die aktuellen Empfehlungen des BAG kennen und sich laufend informieren. Ein Austausch darüber, wie Sie und Ihre Kinder miteinander etwas Hilfreiches tun und gefährdete Menschen schützen können, nimmt Gesprächen über Angst ein Zuviel an Raum und gibt Ihnen und Ihren Kindern ein gutes Gefühl der Selbstwirksamkeit.

Sie vermitteln Sicherheit und Geborgenheit, wenn Sie sich selber sicher und geborgen fühlen. Indem Sie einen Umgang mit Angst und Sorge suchen, tun Sie bereits sehr viel dafür. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist mutig.

Ich wünsche Ihnen allen weiterhin alles Gute!

Daniela

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