Freitagsfrage

Wenn das Grosi sich einmischt

Wie geht man mit Grosseltern um, die bei der Erziehung immer alles besser wissen? Unsere Elternberaterin Daniela Melone weiss Rat.

Mein Nachwuchs, meine Erziehung: Grosseltern lassen sich im Umgang mit den Enkeln schwer belehren. Illustration: Benjamin Hermann

Liebes Mamablog-Team
Meine Mutter unterstützt uns bei der Betreuung unserer 2½-jährigen Tochter. Wir freuen uns über ihr Engagement und sind auch sehr darauf angewiesen. Meine Mutter ist ein warmherziger Mensch, dem das Wohl der anderen über alles geht. In Sachen Kinderbetreuung zeigt sie jedoch wenig Gespür uns gegenüber. Sie belehrt uns und weiss alles besser! Haben Sie eine Idee, wie wir ihr sagen könnten, dass wir unser Kind gerne auf unsere Art erziehen möchten, ohne sie damit zu verletzen? Martin

Lieber Martin

Herzlichen Dank für Ihre Frage und die wertschätzende Beschreibung der Situation. Zuerst gleich eine Rückfrage: Was möchten Sie denn Ihrer Mutter konkret mitteilen? Hör auf, dich einzumischen? Hör auf, ungefragt deine Meinung zu sagen? Sei nicht beleidigt, wenn wir uns von deinen Ratschlägen abgrenzen? Es gibt so viele mögliche Botschaften. Wenn Sie sich darüber im Klaren sind, um was es Ihnen genau geht, haben Sie schon einen grossen Schritt getan. Ein Tipp: Beschränken Sie sich auf eine oder maximal drei Aussagen oder Wünsche.

Was denken Sie, wie sieht die Situation aus Sicht Ihrer Mutter aus? Was ist ihr wichtig? Wie erlebt sie das Ganze, und was würde sie mir erzählen? Wenn es Ihnen wichtig ist, Ihre Mutter nicht zu verletzen, können Sie Ihre Situation als Ausgangspunkt Ihrer Formulierung nehmen. So fühlt sich Ihre Mutter eher von Ihnen verstanden.

Zugegeben: Die Botschaft, die Sie übermitteln möchten, ist nicht einfach. Es hilft, wenn Sie dies in einer unbelasteten Situation ansprechen. Ist ein passender Moment gekommen, könnten Sie in etwa so starten (aber bitte in Ihren eigenen, persönlichen Worten!):

«Mami, ich bin so froh darüber, dass du dir Zeit für die Betreuung unserer Tochter nimmst. Wir freuen uns für unsere Kleine, weil sie dadurch Zeit mit dir verbringen kann und spürt, wie sehr sie vom Grosi geliebt wird. Das ist uns viel wert, danke. Wir haben uns Gedanken dazu gemacht, wie wir die Situation weiterhin so gestalten können, dass es für unsere Tochter und uns alle gut ist. Möchtest du hören, was wir uns überlegt haben?»

Falls Ihre Mutter zustimmt – und davon gehe ich aus –, würde ich so weiterfahren:

«Wir haben uns überlegt, was geschehen könnte, wenn wir in Zukunft uneinig sind in der Kinderbetreuung. Wir möchten unsere gute Beziehung zu dir nicht gefährden und deine wertvolle Erfahrung nicht missen. Es ist für uns Eltern wichtig, dass wir darüber entscheiden, wie wir die Erziehung unserer Tochter gestalten, auf unsere Art. Deine Ratschläge werden wir in die Entscheidung miteinbeziehen, und wenn sie für uns hilfreich sind, werden wir sie gerne berücksichtigen.»

Das klingt jetzt alles etwas «gestelzt», wenn ich das so aufschreibe – in Ihren Worten wird es ganz anders wirken. Grundlegend ist, dass Sie rücksichtsvoll, wertschätzend und ehrlich kommunizieren. Mehr können Sie wohl kaum tun. Falls sich Ihre Mutter dennoch verletzt fühlt, liegt es nicht mehr in Ihrer Verantwortung. Falls sich ein Hin und Her über einzelne Aspekte im Gespräch ergeben sollte, ist es unerlässlich, dass Sie stets bei Ihrer Botschaft bleiben. Womöglich müssen Sie diese einige Male wiederholen. Aufgrund unserer Gewohnheiten braucht es manchmal einige Anläufe, bis wir eine Botschaft wirklich hören.

Ich hoffe, dass meine Gedanken hilfreich sind, und wünsche Ihnen für Ihr Gespräch Mut und Klarheit.

Daniela

Bereits beantwortete Leserfrage unserer neuen Serie:

21 Kommentare zu «Wenn das Grosi sich einmischt»

  • Bernhard Piller sagt:

    Finden Sie den Ausdruck „Grosi“ nicht etwas despektierlich? Warum nicht einfach Grossmutter?

  • Peter Ringger sagt:

    Besserwissenden Grosis gleich begegnen wie besserwissenden Kindern: mit Geduld und Kompetenz. Irgendwann kommt der Moment, wo man die eigenen Eltern erziehen muss. Manchmal sind die gut gemeinten Tips vom Grosi ja gut, um so besser. In den anderen Fällen einfach geduldig, aber mit Nachdruck und Selbstbewusstsein erklären, warum man etwas so macht und nicht anders. Das bedeutet natürlich auch, das man sich im Klaren daüber ist, was man warum wie macht. Das klärende Gespräch also nicht zu grundsätzlich gestalten, da begibt man sich leicht auf Glatteis, sondern von Fall zu Fall, dann aber konkret und klar.

  • tststs sagt:

    Da kann ich nur einen Ratschlag geben:
    Göschenen – Airolo
    😉

  • A. Gross-Mutter sagt:

    Mir scheint, dass das Verhältnis zwischen Eltern und Grosseltern näher angeschaut werden müsste… Es sollte doch möglich sein, sich auszutauschen, ohne die Worte auf die Goldwaage legen zu müssen!
    Wenn meine Grosskinder bei mir sind, halten sie sich an MEINE Regeln – ich halte nichts davon, Regeln von anderen durchzusetzen. Kinder verstehen sehr gut, was sie wo tun dürfen und wo nicht!

    • Peter sagt:

      Dem wäre eigentlich nichts entgegenzuwenden, so wie sich die Frage liest scheint die Grossmutter aber auch ausserhalb ihres eigenen Hauses das Gefühl zu haben, dass sie „es“ besser weiss. Bei mir hat sich die Grossmutter immer wieder bei Besuchen eingemischt, bis meine Mutter genug hatte und zum blanken Entsetzen meines Vaters die Grossmutter vor versammelter Familie in den Senkel stellte. Aber, es wirkte, nachher war Ruhe.

  • Brunhild Steiner sagt:

    Meine Mutter war (krankheitshalber) nicht so oft bei uns, irgendwan ist mir aufgefallen dass sie nie etwas zu meinem Umgang mit ihren Grosskindern gesagt hat, jedenfalls nichts „korrigierendes“.
    Darauf angesprochen meinte sie „ich sage bewusst nichts, es sind eure Kinder und eure Erziehung, ich will mich da nicht einmischen“.
    Das hat mich sehr beeindruckt.
    Ich hab sie dann gebeten sich dann doch zu überwinden, falls sie Etwas wirklich grenzwertig ansehen würde.
    Und hoffe dass ich das auch mal so handhaben kann. Resp dass offen auf dem Tisch liegt dass diese Problematik besteht und wir versuchen den besten Weg damit zu finden.

  • Anh Toàn sagt:

    Mein Vater hat mal gemeint, mein Kind würde später nicht auf mich hören, wenn ich jetzt nicht autoritärer auftrete. Da habe ich gesagt, vielleicht schon, weiss ich nicht, aber er und ich wissen immerhin, dass ich „später“ überhaupt nicht mehr auf ihn gehört habe.

  • 13 sagt:

    Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass die Grosseltern, wenn sie Unterstützung leisten, auch mitsprechen dürfen. Zumindest in ihrer Betreuungszeit und nach dem Babyalter. Ich Age da ehrlich gesagt recht wenig. Dann läuft es eben bei Grossi anders, die Kinder werde es überleben. Die Schwierigkeit scheint in der Kindererziehung ohnehin zu sein, dass ein Andersmachen als Kritik am eigenen interpretiert wird. Man schaue nur auf die Still- oder Beruf-und-Kind-Diskussion. Und hier ist es noch heikler, weil das Gefühl entsteht, man wirft den Eltern die eigene Erziehung vor, wenn man es anders macht, was aber nicht so gedacht ist. Ich hatte eine tolle Kindheit und mache doch vieles anders. Offene und ehrlich bringt da am meisten. Einfach mal ansprechen.

    • Sportpapi sagt:

      @13: Richtig. Nur wirft man eben tatsächlich vielfach den Eltern die eigene Erziehung vor, oder der älteren Generation.
      Z.B. Bögli, dem du recht gegeben hast: „Die „traditionelle“ Pädagogik hat nicht grundlos Generationen seelischer Krüpel produziert“.
      Wie soll man bei solchen Extrempositionen im Gespräch bleiben?

      • 13 sagt:

        @ SP
        Diese traditionelle Erziehung sehe ich eher in der Generation meiner Grosseltern als meiner Eltern. Ich wurde nicht traditionell/autoritär erzogen. Die meisten meiner Freund*innen auch nicht. Daher ist es für mich kein Widerspruch.

        Teilweise ist es jedoch auch der Zeitgeist. Ich wurde z.Bsp. nicht gewaltfrei erzogen. Ein Schlag oder eine Ohrfeige kamen vor. Keine schwere Gewalt, nicht täglich, aber doch, es war ein Erziehungsmittel. Das werfe ich meinen Eltern nicht direkt vor, denn in ihrem Erziehungsumfeld konnte man sich nicht vorstellen, dass es anders geht. Trotzdem mache ich es anders und erwarte da auch von ihnen, dass sie sich daran halten. Was sie auch zu 100% tun. Wer heute so erzieht, dem würde ich das vorwerfen, nicht aber wer in den 80ern so erzogen hat.

  • Esther sagt:

    Ich ging zu einer Konferenz mit einem Familientherapeuten, der uns sagte, dass Grosseltern NIEMALS die Erziehung ihrer Enkelkinder negativ kommentieren sollten. Wenn die grosskinder dagegen in den Urlaub kommen, ist es normal, dass sie die Gewohnheiten des Hauses respektieren. Wenn wir wirklich bemerkungen machen müssen, niemals vor den Kindern.
    Sonst sind sie nicht mehr willkommen bei ihnen.

  • 13 sagt:

    Das Thema „Einmischung der Grosseltern“ finde ich an sich spannend. Ich frage mich jedoch, warum diese Frage Blogs letztlich immer mit dem Satz enden „Wie sage ich XY etwas?“ Sind wir soweit, dass wir nicht ohne Ratgeber in der Lage sind, zusammen zu kommunizieren? Nicht einmal in der Familie (Schwester das letzte Mal, Mutter heute)? Eine merkwürdige Entwicklung…..

    • Martin Frey sagt:

      @13
      Vielleicht liegt das daran, dass man sich in eine gewisse Abhängigkeit von den Grosseltern begibt, wenn man sie jahraus- jahrein als billige respektive Gratis-Nanny einsetzt. Dass dann irgendwann auch im besten Fall unterschiedliche Anschauungen, wie gewisse Dinge gelöst oder behandelt werden sollen, aufeinander prallen, liegt in der Natur der Sache. Im schlechteren Fall versuchen Grosseltern nicht selten irgendwann zu spalten, zu intrigieren, zu destruieren. Das soll es auch geben… 😉
      Sich einerseits in Abhängigkeit zu begeben, und dann den Leuten, in deren Abhängigkeit man sich begibt, den Mund zu verbieten, geht halt nicht gut zusammen. Insbesondere da Schweizer typischerweise nicht gerne in der Schuld von jemand anderem stehen. Auch wenn es innerhalb der Familie ist.

      • Esther sagt:

        Also Gratis Nanny hat es bei uns nie gegeben. Meine Mutter hat ihr ganzes Leben gearbeitet und mein Vater ebenfalls. So tut man sie nicht noch ausbeuten indem man ihre Ruhe wieder wegnimmt. Ein Tag in der Woche hüten das macht Freude, aber nicht auf Befehl. 2 Wochen Ferien im Jahr dürfen es auch sein.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ich bin grundsätzlich deiner Meinung, sehe aber gerade keinen Zusammenhang zu meinem Kommentar. Wenn ich es als Tochter/Schwester nicht weiss, wie ich mit meinen Eltern/Schwester kommunizieren kann, ohne jemanden zu verletzen, aber halt auch ohne frustriert zu sein, weil ich etwas nicht sagen konnte, wer soll es dann wissen? Ein Aussenstehender? Mit einer Person, der ich sehr nahe stehe, kann ich doch reden. Unabhängigkeiten hin oder her.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Deine Frage war „Wie sage ich XY etwas?“ und ich meinte dazu, dass die Leute eben aus den meinerseits genannten Gründen befangen sind. Zumindest befangener als sie es sonst wären. Oder wie ein bekannter Liedermacher aus Deinem schönen Kanton mal sang „will sie Hemmige hei…“.

    • Esther sagt:

      @13 : heute sind eben viele Eltern extrem „sensibel“ früher hat man nicht so reagiert wenn es gut gemeint war.

      • 13 sagt:

        @ Esther
        Früher hat man mehr runtergeschluckt, ob das besser war? Ich erlebe allerdings die heutige Grosseltern-Generation auch nicht gerade unempfindlich. Auch denen (gerade den Grossmütter, die ja Jahre auf die Kindererziehung verwendet haben, meistens als Hausfrauen) das Loslassen schwer. Und doch plädiere ich für offene Kommunikation. Beidseitig.

  • Theresa sagt:

    Auch da gibt’s zwei Seiten und ist wie oft eine Frage des Masses. Es hört sich merkwürdig an, denn die darunter liegende Botschaft an das Grosi lautet; „zum hüten und entlasten bist du gut, den Rest wollen wir nicht…“. Was ist das für eine Beziehung? Ist gegenseitiges Wohlwollen vorhanden? Beziehung und Souveränität heisst auch sich etwas anhören, ev zurück fragen und Zeit lassen ob ein Rat brauchbar ist.
    Umgekehrt gibt es auch. (Meist) Mütter die die Beziehung zwischen Enkel und Grosseltern bestimmen wollen, als ob das Kind ihr Besitz wäre. Als Therapeutin höre ich oft wie sehr Menschen unter der Allmacht und Dominanz der Mutter und/oder des Vaters ein Leben lang leiden.

  • Muttis Liebling sagt:

    Ich äussere mich grundsätzlich nicht zu den Erziehungsmethoden meiner Kinder, selbst wenn die mir in einem Fall gewaltig gegen den Strich gehen. Aber das geht mich nichts an, auch nicht, wenn die bei mir die Ferien verbringen.

  • Sportpapi sagt:

    Eine Gratwanderung. Wenn die Grosseltern wirklich nicht nur bei der Betreuung, sondern auch der Erziehung mithelfen („es braucht ein Dorf“), weil sie mehr als nur z.B. einen Abend pro Woche da sind, dann muss man schon damit leben, dass sie ihre eigenen Ideen auch kundtun.
    Ein offenes Gespräch über die Anliegen scheint mir wichtig, statt einfach abzublocken. Oder gar zu erklären, dass man es heute halt viel besser weiss, was richtig ist.

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