Seltene, ganz normale Familien

Der Dokfilm «Von der Rolle» zeigt Familien, in denen Väter Kinder betreuen und Mütter mehr Erwerbsarbeit leisten. Unser Papablogger hat ihn sich angeschaut.

Martin arbeitet 60 Prozent als Polymech und kümmert sich an den freien Tagen um Maxim: Ausschnitt aus dem Film «Von der Rolle». Foto: zvg

Väter wie ich erhalten Beachtung. Wir werden zu Podien eingeladen, von Medien befragt und mit Anerkennung beschenkt. Ich warte nur noch darauf, dass auf dem Märitplatz meines Heimatorts eine Statue von mir enthüllt wird. Und das alles nur, weil ich und ein paar andere Väter tun, was für die meisten Mütter Alltag ist: Wir kümmern uns um unsere Kinder und machen den Haushalt. Dafür reduzieren wir die Erwerbsarbeit oder geben sie ganz auf. Lob haben wir dafür sicher nicht verdient.

Schau her, Vati mixt Pastinakenbrei!

Ich wünsche mir aber, dass sich die Gesellschaft ein Stück in unsere Richtung bewegt. Nicht jeder Vater muss zum Hausmann konvertieren, nicht jede Mutter voll berufstätig bleiben. Aber solche Modelle sollten Eltern wählen können, ohne gleich zum Dorfgespräch zu werden. Und natürlich auch, ohne gleich eine eigene Sonderbriefmarke zu erhalten.

In der Realität dominiert das klassische Familienmodell hartnäckig. Um andere Modelle interessant zu machen, müssen sie sichtbarer werden. Ich möchte in den Medien mehr Väter sehen, die zu Hause Kinderkotze von den Ficusblättern waschen, und Mütter, die Säcke voller Sesterzen heimbuckeln.

Anfang März kommt ein Dokumentarfilm in die Kinos, der mir deshalb sehr am Herzen liegt. Die Berner Filmemacherin Verena Endtner hat drei Familien begleitet, die nicht das klassische Modell leben. «Von der Rolle» zeigt den Alltag dieser Familien und die Gedanken, die sich die Eltern zu ihrer Aufgabenteilung machen – abgerundet mit witzigen, animierten Einspielern zu den Heausforderungen des Familienalltags.

Ein Film für werdende Eltern, die sich bald auf eine Rollenaufteilung einigen müssen. Aber auch für Lehrer, Ärztinnen, Arbeitgeber und Gemeindepräsidentinnen. Der ganzen Gesellschaft tut so ein Perspektivenwechsel gut.

Ab März in unseren Kinos: «Von der Rolle». Video: Vimeo.

Was ist normal? Sind wir normal?

Im Prinzip ist eine Familie ja wie eine kleine Filterblase. Man sieht vor allem die eigene. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich schaue wahnsinnig gerne anderen Familien in die Stube. Schon die SRF-Serie «Achtung Väter!» hatte es mir angetan.

«Von der Rolle» gefällt mir noch besser, weil der Film weniger Show bietet. Kein Fernsehteam, das für einen Tag ins Haus platzt, keine Kommentare. Verena Endtner begleitete ihre drei Familien teilweise bis zu drei Jahre und verzichtet auf eine Off-Stimme.

Das Resultat erinnert mich an meinen Lieblings-Dokumentarfilm «Unser täglich Brot». Er zeigt die Lebensmittelproduktion in Europa, und zwar ausschliesslich in Bildern und Geräuschen, ohne ein gesprochenes Wort. Nichts wird beschönigt, nichts skandalisiert. Als Zuschauer muss ich mir meine eigene Meinung bilden. So ist es auch bei «Von der Rolle». Der Film zeigt inhaltlich nichts Extremes, Revolutionäres, und doch können aufmerksame Zuschauer*innen viel entdecken. Nicht nur im Film selber, sondern vor allem im eigenen Kopf.

Ich sah drei heute noch seltene Familienmodelle. Drei Väter, die Betreuungsarbeit leisten, und drei Mütter, die mehr Erwerbsarbeit verrichten als ihre Männer. Drei Familien, die auf mich verschieden wirkten, mit denen ich mich unterschiedlich stark identifizieren konnte. Ich habe genickt und den Kopf geschüttelt. Aber am Ende fühlten sich die gezeigten Familien sehr normal an. Dieses «Normal» ist natürlich subjektiv. Und überhaupt, was ist an einem Familienalltag schon normal?

Entsprechend eine Bitte an meine Heimatgemeinde: Erstellt mir kein überlebensgrosses Reitermonument. Zeigt mich so normal, wie ich im Alltag aussehe. Mit Zylinder, Gehrock und Monokel – und einem Baby im Tragetuch.

Und die Bitte an Sie: Gehen Sie doch mal wieder ins Kino.

«Von der Rolle – wer hat die Hosen an und wer wäscht sie?» läuft ab dem 27.2. in Zürich und ab dem 5.3. im Rest der Deutschschweiz.

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108 Kommentare zu «Seltene, ganz normale Familien»

  • Nadine sagt:

    Wichtiges Thema. In der Schweiz ist eine Mutter, die mehr als der Mann arbeitet, immer noch die Seltenheit.
    Warum eigentlich. Mein Mann arbeitet selbständig ca. 60 Prozent, ich 80 Prozent. Wir teilen uns alles auf und können auch voll auf unsere Eltern zählen. Die Kinder lieben die Grosseltern. Um Kinder grosszuziehen braucht es ein Dorf und alle profitieren davon. Frauen sind heute oft sehr gut ausgebildet.

  • Anna sagt:

    Leider kommt ein Familienmodell im Mamablog nie zur Sprache, nämlich das der beiden Vollzeit berufstätigen Eltern – warum nur?

    • Ich kann nur spekulieren: Vielleicht einfach weil niemand von den Autor*innen es lebt. Ich könnte z.B. nicht viel dazu schreiben, höchstens meine wenig qualifizierte Aussensicht.

      • Martin Frey sagt:

        „Vielleicht einfach weil niemand von den Autor*innen es lebt.“
        Aber das führt uns doch zu der spannenden Frage, Herr Tschannen: Weshalb lebt es denn niemand? Insbesondere in einer Kohorte von Menschen, die gerne sog. progressive Familienbilder unter dem Gleichstellungsbanner unter die Leute bringen? Und notabene meist selber viele Möglichkeiten hätten, solche Modelle in ihrem eigenen Rahmen auch umzusetzen, im Ggs. zu vielen Menschen in anderen Branchen?
        Oder ganz provokant gefragt: geht es den „Autor*innen“ dafür doch zu gut?

      • Gegenfrage, Herr Frey: Warum sollte es jemand leben? Damit im Mamablog alle Modelle vertreten sind? Das ist glaub ich nicht der Anspruch.

        Ich kann nur für mich reden. Ich würde das Modell niemals wählen. Dafür hab ich nicht Kinder. Das ist aber eine sehr persönliche Ansicht, mit der ich niemandem falsche Absichten unterstellen will.

        Ihre Frage ist im Übrigen gar nicht so provokant. Ich fühle mir auf jeden Fall nicht ans Bein gebislet, wenn Sie es als Privileg bezeichnen, dass ich Teilzeit arbeiten kann. Allerdings kenne ich praktisch nur Gutverdiener, die 2 x 100% arbeiten und sich einen hohen Lebensstandard gönnen. Für Schlechtverdiener ist es gar nicht so einfach, 2 x Vollzeit zu arbeiten, aber das ist ein anderes Thema.

      • Hans Minder sagt:

        @ Anna und Markus Tschannen:
        Hier in den USA ist das Modell der Vollzeit berufstätigen mit Kindern fast der Normalfall. Es hängt damit zusammen, dass die Mittelschicht am Schwinden ist und – wer Kinder hat – schlichtweg 2 Einkommen benötigt, um die Familie finanziell über Wasser zu halten. Dies ist keineswegs optimal, aber auch nicht irgendwie belastend. Man drehe die Zeitmaschine bloss 100 Jahre zurück und finde die Eltern, die beide ganztags arbeiten (die Frau im Gemüse/Obst-garten des Hauses, wo auch sich die Hühner, Ziegen etc. befinden) während der Mann die Felder in der Umgebung bestellt oder im Wald arbeitet. Niemand sass tagsüber zu Hause, um den unbezahlten Unterhaltungskünstler für die Kindern zu spielen. Und war dies so schlimm? Ich hörte die Grosseltern nie klagen

      • Hobbyvater sagt:

        „ Dafür habe ich nicht Kinder“. Sorry, diese Aussage finde ich ziemlich blöd. Nett, dass Sie mir keine falschen Absichten unterstellen (welche denn eigentlich? Kann man falsche Absichten haben, wenn man hochprozentig arbeitet? Kann man falsche Absichten haben wenn man hochprozentig arbeitet UND Kinder hat?)

        Für was hat man denn Kinder? Um sich selbst zu verwirklichen?
        Wie kommt es, dass meine Kinder finden, sie hätten „die besten Eltern der Welt“ – obwohl wir beide viel arbeiten?
        Wie kann man sich mit 50/50 ein Eigenheim kaufen, welches wir alle wollten?
        Ihr Beitrag lässt einige Fragen offen….

      • Martin Frey sagt:

        @MT
        „Allerdings kenne ich praktisch nur Gutverdiener, die 2 x 100% arbeiten und sich einen hohen Lebensstandard gönnen.“
        Und ich kenne (bis auf ein kinderloses Paar) nur Gutverdiener, bei denen typischerweise die Frau zurücksteckt, wohingegen der Mann 100% plus weiterarbeitet. Gendergerechtes Pensenjonglieren wie Sie muss man sich leisten können. Leute aus der Unterschicht, sprich Mann Bauarbeiter, Frau Kassierin/Fliessband/Küche und abends als Zweit-/Drittjob noch Reinigung, haben iaR keine Wahl. Das sind Leute, die im Autorenteam nicht präsent sind, und auch sonst nie im MB Erwähnung finden, deren reale Welt existiert in dieser Ihrer Blase faktisch nicht.
        Soviel zum Anspruch, gelebte Realitäten und Diversität (@13) zu thematisieren. Persönlich bedaure ich diese Monothematik.

  • Aquila Chrysaetos sagt:

    Hausmänner gab es schon in den 80ern – eigentlich schon längst normal, einfach sehr selten.

    Der Filmtitel (von der Rolle) und der Trailer suggerieren aber, das hier etwas ganz aussergewöhnliches passiert? Der Film wäre in den 70ern revolutionärer gewesen….

    Zudem, die Story mit dem Staubsauger: wurde nicht hier im Mama-Blog vor kurzem verlautbart, dass wer den ganzen Tag zu Hause zu den Kindern schaut, abends „aufs Sofa“ dürfe? Und hier wehrt sich Frau dagegen, abends zu Hause mitzuhelfen?
    Warum sollte sie abends nicht staubsaugen? Was spricht dagegen?

  • Hans Minder sagt:

    Weshalb sollten diese Männer nicht ein Denkmal im Dorf kriegen? Solch „normale“ Familien sind erst dann vollendet, wenn die Frau ihren Militär/Zivildienst absolviert, sich bei Bedrohungen abwechslungsweise auch vor den Mann stellt, ebenfalls mit 65 in Pension geht, das Scheidungsrecht gleichgestellt wird, freiwillig mit der „zukünftigen und sinkenden Titanic“ untergeht, (anstelle sich in die verbleibenden Rettungsboote zu setzen. Anmerkung: mit der Titanic wurden vor allem Englische Gentlemen in die Tiefen gerissen), Männer mit Slogans auf T-Shirts wie „the Future Belongs to MEN“ rumstolzieren dürfen, etc.

  • Enrico sagt:

    Die Frage ist diese:
    Kann der Vater jetzt auch jederzeit mit den Kindern ausziehen oder die Frau vor die Türe stellen? Kann er Ihr jetzt auch die Kinder vorenthalten, so das Sie Sie fast gar nicht mehr sieht. Zahlt Sie dann auch bis unters Existenzminimum Alimente. Kann er jetzt auch noch sein Restpensum kündigen, da es nicht zumutbar ist? Gilt Die Mutter jetzt auch als sich nicht um die Kinder kümmernde und nur Kariere machende? Die nichts leistet? Bekommt er jetzt Witwenrente? Wird Ihn der AHV Beitrag Kindererziehung gutgeschrieben? Und..
    Die Wahrheit ist, das bei einer Trennung er wieder 100prozent arbeiten gehen darf, Alimente bezahlen, Sie,wenn Sie möchte, das Pensum kürzen…
    Kann doch nicht sein, dass wenn ich als Frau mich emanzipiere, mir als dank die Kinder weggenommen werden.

    • Erwin sagt:

      Deine Fragen beschäftigen mich auch, Enrico. In der Männergruppe wie bei Bekannten höre ich es ähnlich:
      Was , wenn eine Beziehung aus dem Leim geht? Dann kommt wieder das matriarchalische System zum Zug:
      Papa soll ausziehen und möglicht wieder 100% arbeiten, damit er alles zahlen kann. Partnerschaft gilt nicht mehr. Das Muster hält sich zäh, auch sprachlich: Hier gibts den M a m a blog, wo ein Papa freundlicherweise mitschreiben darf.
      Doch ein Papablog oder ein Elternblog
      wirds wohl erst in Zukunft mal geben.

  • Sophie sagt:

    Warum haben diese Newsnetz-Blog-AutorInnen immer solche Bekehrungstendenzen resp solchen alles-neu-alles-besser-Hang? Kann es nicht auch sei, dass Altes auch gut war, da ja doch immerhin über Jahrzehnte wenn nicht -hunderte gewachsen?

    • Gehirnwäsche. Die meisten von uns kommen aus einem wertkonservativen Umfeld und dann wird uns in einem sechswöchigen Camp – finanziert von der Neuheits-Industrie – gnadenlos der Wille gebrochen.

      Aber jetzt bin ich doch neugierig: Wo in meinem Blogbeitrag oben hatten Sie den Eindruck, dass ich jemanden bekehren will?

  • flori antha sagt:

    Was soll eigentlich das Wort „normal“ im Titel bedeuten? Der Norm entsprechend? Wohl eher nicht. Normal im statistischen Sinne von weit verbreitet? Oder normal im Durkheimschen Sinne von regelmässig vorkommender Devianz?

    • „Normal“ im Sinne von „fühlt sich vertraut an“.

      • flori antha sagt:

        Das ist jetzt nicht wirklich überzeugend. Das ist mir aus meinem durchaus urbanen Umfeld eigentlich überhaupt nicht vertraut.
        Aber witzige Antwort an Sophie.

      • Wie ich weiter unten schrieb: „Dieses ‚Normal‘ ist subjektiv.“

        Vielleicht muss ich präzisieren: Das im Film gezeigte fühlte sich für mich einerseits normal an, weil wir in unserer Familie ein ähnliches Modell leben. Andererseits fühlen sich die Familien irgendwie auch verglichen mit der traditionellen Familie normal an. Klar, die Rollen sind anders verteilt, aber der Rest ist auch nicht anders als in allen anderen Familien.

  • Roman B sagt:

    Danke für den Beitrag, Ich werde mir den Film bestimmt anschauen.

    Ich finde es wichtig, dass wir beim Thema Gleichstellung nicht immer nur an Statistiken oder abstrakten Gesellschaftstheorien festhalten, sondern uns auch bewusst machen, dass es sich um reale Menschen handelt, die davon betroffen sind. Klar würde wir alle gerne in einer Welt leben, die für jeden gerecht ist, doch das tun wir leider (noch) nicht. Sich gänzlich für seine Ideale einzusetzen bedarf Opfer, die viele nicht bereit sind zu nehmen – denn wir sind ja auch alles Menschen und haben unsere Bedürfnisse. Was der Film verspricht, einen Einblick in Alltag diese Paare, ist für mich deshalb eine angenehme Abwechslung.

  • Honikvark sagt:

    Bin seit 13 Jahren Hausmann, sogar im Blick konnte man über mich lesen. Interessiert es jemanden? Wohl kaum. Weshalb auch? Hausmänner sind gesellschaftlich nicht wirklich relevant. Als potentielle Kunden vernachlässigbar, als Vorbilder zu wenig erfolgreich, gleichstellungspolitisch ein Zwischenschritt, als Hausmann-Wiedereinsteiger unerwünscht und im Alter eine finanzielle Zumutung. Sie dienen den Emanzipierten als Regelausnahmen und den Feministinnen als abschreckendes Beispiel einer versauten Karriere und Sinnbild für die Erfolglosigkeit Job und Kinder unter einen Hut zu bringen. Statt einer Statue wäre mir schon damit gedient als Mann mit Familienpause nicht von Frauen diskriminiert zu werden. Tschannen, retten Sie mich vor der vielen Aufmerksamkeit?

  • Oliveira Sanders sagt:

    Auch solche sog. moderne Familien nützen nichts. Denn Familie ist und bleibt ein patriarchalisches, rechtspopulistisches, klimaschädliches Modell und gehört abgeschafft.
    Es ist diskriminierend, gegenüber einem ausgewählten Mitbürger mehr Zuneigung zu zeigen als gegenüber allen anderen. Nicht zuletzt werden so auch unsere Mitbürger aus dem Kreis der Flüchtlinge ausgeschlossen. Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer 100% inklusiven Gesellschaft.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Tsch – ich erlebe das nicht so, dass kinderbetreuende Väter eine Orden bekommen von der Gesellschaft. Vlt. ist das in der SM-Welt der Fall. Aber diese ist halt nicht die reale Gesellschaft.
    Ich kenne mehr als einen alleinerziehenden Vater und die bekommen nicht mehr gesellschaftliche Unterstützung und Anerkennung als dies alleinerziehende Mütter bekommen.
    Bloss weil sich ein paar Papablogger im Netz als solche inszenieren und in dieser Nische profitieren, heisst das noch lange nicht, dass dieses Erleben auch gesellschaftliche Realität ist.

    • Hobbyvater sagt:

      Was ist die SM-Welt?

    • Von gesellschaftlicher Unterstützung habe ich nicht gesprochen. Väter haben es nicht leichter als Mütter.

      Ich garantiere Ihnen aber, der alleinerziehende Vater erhält in oberflächlichen Interaktionen mehr offene und insgeheime Bewunderung als eine alleinerziehende Mutter. Das ist vor allem deshalb sinnlos, weil es denn Vätern weniger bringt als es den Müttern schadet.

      Ich gehe übrigens nicht als sich inszenierender Papablogger durch den Alltag, sondern als ganz normaler Vater, wie jeder andere auch.

      • Reincarnation of XY sagt:

        Das glaube ich Ihnen sofort. Im Alltag ist die SM-Welt eigentlich total irrelevant.

        Ich gebe Ihnen auch recht mit der Bewunderung.
        Diese scheint mir nicht ganz unberechtigt. Weil diese Väter abseits der Norm Pionierarbeit leisten. Und kaum auf ein Vorbild zurückgreifen können.
        Verstehe aber die Aussage nicht ganz „nützt den Vätern weniger, als es den Müttern schadet“.

        Warum soll es den Müttern schaden? Früher wurde die Mutterrolle glorifiziert. Dann fand man, das würde den Müttern schaden, sie reduzieren, sie unter Druck setzen …. Handkehrum wird nun wieder lamentiert, ihre Rolle bekäme zu wenig Anerkennung… Eine ewige Opferrolle. (Im beidseitigen Wortsinn!)

      • Ich meine eigentlich genau das was sie sagen. Die Gesellschaft urteilt konstant über die Lebensweise der anderen. Und Frauen werden dabei härter angepackt als Männer. Bei Vätern heisst es schnell mal „der hat einen guten Job“ oder „der sorgt sich um die Kinder“. Mütter können machen was sie wollen, irgendjemand wird sich immer das Maul zerreissen.

      • Reincarnation of XY sagt:

        In der realen Welt erlebe ich dieses „Maul zerreissen“ ehrlich gesagt nicht.
        In unserer Firma werden Frauen in ihren verschiedenen Positionen absolut gleichwertig respektiert. Ob sie nun Mütter sind oder nicht.
        Auch über die Leistung einer Familienfrau höre ich nur anerkennendes.

        So erlebe ich in der Realität die Gesellschaft.
        Die Tratscher und Negativ-Schätzer wird es leider immer geben, unter Frauen wie Männern, aber die würden immer einen Grund finden, egal was man tut: zu hübsch, zu hässlich, zu erfolgreich, zu wenig erfolgreich, zu besorgt um die Kinder, zu unbesorgt, zu dünn, zu dick, zu offenherzig, zu reserviert ….
        Unsinnig über deren Argumente zu debattieren. Da wäre es sinnvoller dem Stänkerbedürfnis an sich auf den Grund zu gehen.

      • Dänu sagt:

        Also meine Erfahrung ist wirklich ganz anders. In 10 Jahren habe ich als teilzeitarbeitender, kinderbetreuender Vater glaub zwei oder drei mal anerkennende Worte gehört – jeweils von Frauen, die entweder mit ihrem eigenen Mann frustriert gewesen sind, oder sich im Büro für Frauenförderung eingesetzt haben. Viel öfter hat es z.B. genervte Kollegen, weil ich in einem wichtigen Moment nicht erreichbar gewesen bin, und bei meiner Trennung ist dann noch gross gekommen, ich hätte meiner Frau keine Wahl gelassen als zu arbeiten (man stelle sich vor, ein Mann würde das behaupten). Ich glaube, dass Sie als Journalist und in ihrem progressiven sozialen Umfeld da keine repräsentative Erfahrungen machen. Normalo-Väter bekommen sehr wenig Anerkennung, und wenn dann völlig oberflächlich.

      • Dänu, ich bin als Bauernsohn in einem ländlich-konservativen Umfeld aufgewachsen und wohne auch aktuell auf dem Land. Journalist bin ich übrigens auch nicht.

        Ich will Ihnen Ihre Erfahrungen aber selbstverständlich nicht absprechen. Die Anerkennung kommt auch bei mir sehr unterschiedlich verpackt. Nicht viele sind so überschwänglich begeistert wie die Kinderärztin, die mir schier einen Orden verleihen wollte, weil ich und nicht meine Frau zur Hüftsonographie erschien. Dass es auch Kritik gibt, das will ich ebenfalls nicht bestreiten.

      • Hobbyvater sagt:

        Ich schaffe es auch als 100%-arbeitender Vater regelmässig mit meinen Kindern zum Arzt zu gehen. Nur eine Frage der Organisation.

  • Reincarnation of XY sagt:

    MF – Sie haben letzes WE Nein gestimmt? Sie fanden es solle in der Schweiz weiterhin legal bleiben, dass man in der Öffentlichkeit gegen Menschen hetzen darf Aufgrund ihrer sexuellen Orientierung? Das hätte ich nicht von Ihnen erwartet. Eine liberale Gesellschaft muss dem Individuum Schutz gewähren, dass es frei leben darf.
    Vor Hass geschützt zu werden ist keine positive Diskriminierung.
    Und ja – die Gesellschaft ändert sich nicht von alleine. Wir brauchen Gesetze und die nützen auch etwas. Natürlich wird das die homophoben Einstellungen der 37% nicht über Nacht ändern, aber mit der Zeit ändert es sehr wohl etwas.
    Das sieht man heute bei Konkubinatspaaren, Geschiedenen, alleinerziehenden Müttern etc.

    • Martin Frey sagt:

      Sie haben falsch gelesen, RoXy
      „…Leute, die gegen die Ausweitung der Antirassismusstrafnorm waren (zu denen ich mich nicht zähle)“
      Obwohl ich denke, dass diese Strafnorm unter dem Strich nicht wahnsinnig viel ändern wird. Aber ähnlich wie bei einem etwaigen Verbot von Züchtigungen von Kindern geht es bei solchen Themen immer auch um eine zu erwartende Nachhaltigkeit in den Köpfen.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Immerhin weiss ich nach diesem Trailer, dass ich mir das Kinoticket sparen kann. Während der Mann in seiner Rolle aufzugehen scheint, scheinen mir die Frauen hässig und verbittert. Sie freuen sich nicht darüber, dass sie gemäss ihren Vorstellungen leben können, sondern jammern, wie schwer sie es haben, nicht der gängigen Mutterrolle zu entsprechen.

    Ausserdem macht mich die Szene Frau vs Staubsauger nachdenklich. Wenn doch von einem Vollzeit berufstätigen Vater erwartet wird, nach Feierabend die (Haus-) Frau im Haushalt zu unterstützen, warum darf dann die Frau aussagen, dass sie nach Feierabend ganz bestimmt nicht den Staubsauger hervorholt.

    Mir scheint, hier wird der Hausmann in das gängige Cliche gedrängt, er sei ein Weichei und unter dem Deckel seiner Frau.

    Schade..

    • Jan Holler sagt:

      Volltreffer in allen Aussagen! Während vom 100% arbeitenden Mann (zurecht) verlangt wird, auch im Haushalt mit zu helfen, wird das von der 100% arbeitenden Frau natürlich nicht verlangt, resp. weigert sich diese. Wo ist die Kritik an dieser Rolle, an dieser Einstellung, die doch umgekehrt als reaktionär-konservativ, als patriarchalisch, als dominant und als „männlich toxisch“ bezeichnet wird?

    • Andrea sagt:

      Ja, die Aussage mit dem Staubsauger finde ich der Sache auch eher nicht dienlich. Ein Mann würde für so eine Aussage medial gesteinigt.

      • Lisa sagt:

        DIE 100% arbeitende Frau gibt es nicht, auch wenn es wenige davon gibt (ich meine, solche in dauerhafter Beziehung mit Kindern). Ich komme um 7 nachhause, und kaum sind die Schuhe ausgezogen, muss ich mich zuerst mal durch herumliegende Wäsche (gewaschen, aber nicht gefaltet und weggeräumt) und weitere Beigen durchkämpfen. Mein Mann hat halt nicht gelernt, den schweizerischen Hausfrauenidealen zu entsprechen… Dann falte ich halt und er kocht, manchmal rufe ich aus, wenn es mir zuviel ist, aber ich muss mich auch mit den Realitäten abfinden. Und ja: ich arbeite insgesamt mehr im Haushalt als es rechnerisch aufgehen würde. Dafür ist jemand da, der die Kinder zum Zahnarzt bringt, ihnen Klavier, Schach und Velo beibringt und dergleichen Dinge mehr. Es ist unser Deal.

      • Enrico sagt:

        @Lisa
        Ich bin Handwerker. Ich kenne hunderte Haushalte. Ist mein Arbeitsplatz.
        Und ich sage Ihnen eins. Behalten Sie sich ihr sexistisches Bild über die tolle Hausfrau bei sich. Was ich da alles antreffe ! Da trinke ich nicht mal einen angebotenen Kaffee oder schütte ihn heimlich ins Lavabo. Und ich bin alles andere als heikel! So ekelhaft dreckige Küchen !
        Da würde noch mancher wundern !!

    • Jane Doe sagt:

      Hä? Ich habe die Aussage mit dem Staubsauger eher als allgemeines Statement verstanden, dass sie nicht automatisch fürs Putzen zuständig ist, nur weil sie die Frau ist (wo sie ja auch recht hat). Sie hat nichts davon gesagt, dass sie neben der Arbeit nichts mehr im Haushalt macht.

  • Sportpapi sagt:

    Extra einen Film schauen im Kino, um dann zu sehen, dass sich das Gezeigte ganz normal anfühlt?
    Warum sollte man das tun?

    • Ich bin nicht sicher, ob sich das Gezeigte für alle gleich anfühlt. Er hat ja schon auch bei mir einige interessante Gedanken ausgelöst. Im Übrigen ist der Film ziemlich witzig und bedient den Voyeurismus. Ich muss jetzt zum Beispiel eine Weile nicht mehr abends durch fremde Wohnzimmerfenster linsen, um mitzukriegen, was bei anderen Familien so abläuft.

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe ja nur den Trailer gesehen. Und da wüsste ich gerade nicht, was ich noch mehr sehen müsste. Was sind denn die interessanten Gedanken, die genau dieser Film auslöst?

      • Bei Ihnen sicher andere als bei mir. Aber nur kurz: Manche Familien im Film tun sich mit der Rollenverteilung schwerer als andere. Man kann sich dann überlegen, woran es liegen könnte und dabei auch die eigene Situation reflektieren.

      • (Ähem sorry Sportpapi, du weisst, ich sieze ironisch. Nicht dass du mich jetzt auch noch für distanziert hälst, hehe.)

    • tststs sagt:

      Das Nachzuerleben, was für andere Normalität ist, nennt sich schlicht: Horizonterweiterung.

  • Jan Holler sagt:

    Bin zwar genau in dieser Situation, doch wenn ich den Trailer dieses Films sehe, bin ich davon abgestossen: Nein, damit kann ich mich überhaupt nicht identifizieren. Der Trailer ist zwar nur sehr kurz, und ich mag falsch liegen, aber hier wird ein Klischee aufgebaut, das nicht über das umgekehrte gegen die Frau geht. – Mein Eindruck ist: Der Film ist vor allem aus Frauenperspektive. Schon beim ersten Satz des einen Mannes (der alle Klischees des soften Bärchens erfüllt, doofe Baseballkappe inklusive): „Am gescheitesten ändert man etwas bei sich“ stellt es mir ab. Und die eine Frau mit dem etwas verbitterten Gesichtsausdruck sieht nicht die Vorteile, die sie selber hat, sie ist immer noch im Beschwerde- und Opfermodus.
    Wo ist das Selbstbewusstsein? Wo der Stolz? Wo die Freude?

    • Der Trailer wirkt etwas dramatischer als der Film selbst. Selbstbewusstsein, Stolz und Freude kommen vor, auf mütterlicher wie väterlicher Seite. Nicht unbedingt bei allen Paaren gleich. So ähnlich dürfte es auch in der Realität sein.

      Identifikation ist eine ganz interessante Sache. Ich habe zum Beispiel sowohl bei „Achtung Väter!“ als auch bei „Von der Rolle“ gemerkt, dass ich mich jeweils am ehesten mit dem Vollzeit-Hausmann identifizieren kann, obwohl ich kein solcher bin.

      Lehrreich ist der Film sicher auch für die vielen Menschen, die immer noch denken, kinderbetreuende und haushaltende Väter müssten einem bestimmten Männlichkeitstypus entsprechen.

      • Sportpapi sagt:

        @MT: „Lehrreich ist der Film sicher auch für die vielen Menschen, die immer noch denken, kinderbetreuende und haushaltende Väter müssten einem bestimmten Männlichkeitstypus entsprechen.“ Welchem denn? Hier wären ja die spannenden Fragen. Z.B. ist es denn für ein Kind relevant, ob es von Vater oder Mutter betreut wird? Ob es „männlich“/“weiblich“ erlebt? Zur Diskussion der letzten Tage: Können sich Mütter, die Hauptverdienerinnen sind, in der Familie auch entsprechend zurücknehmen? Oder kämpfen sie dann in der Restzeit umso mehr darum, eine Hauptrolle bei den Kindern zu behaupten?

      • Naja der Vollzeit-Hausmann im Film und seine Frau sind in ihrer Art, Hobbys, etc. das was die Gesellschaft als typisch Mann und Typisch Frau versteht. Gleichzeitig leben sie von den portraitierten Paaren ihr Modell am selbstverständlichsten. Das ist für mich keine Überraschung, für andere vielleicht schon.

        Wie sehr man sich als Hauptverdienerin in der Kinderbetreuung zurücknehmen kann, soll und will, auch das wird im Film von den Protagonist*innen thematisiert.

    • tststs sagt:

      „Schon beim ersten Satz des einen Mannes: „Am gescheitesten ändert man etwas bei sich“ stellt es mir ab.“
      Gottseidank waren Sie am letzten Donnerstag an der Jammeri-Diskussion nicht beteiligt… Für so ein Post hätte man Sie wohl gekreuzigt 😉

      „Wo ist das Selbstbewusstsein? Wo der Stolz? Wo die Freude?“ Evtl. in den restlichen 90 Minuten des Films?

      • Jan Holler sagt:

        tststs, ich habe als Jugendlicher (ab 15) auf dem Bau geschuftet während allen meinen folgenden Sommerferien und in den Herbstferien und nach der Matura 8 Monate lang vor dem Studium, als Handlager, auf der untersten Stufe: 10 Stunden pickeln und schaufeln, härteste Arbeit. Jammeri-Chancen: gleich Null. Niemand hört dir zu. Und doch war ich zufrieden: Stundenlohn am Schluss inkl. Ferienzulagen: CHF 13.35.
        Ich konnte bisher mit keinem einzigen Beitrag über „neue Väter“ wirklich etwas anfangen. Mich haben die Männer (und die Frauen) allermeistens abgestossen, es hat mich geärgert. In mir entstand immer der Wunsch, laut heraus zu rufen: Haltet doch die Klappe, ich kann es nicht mehr hören. Macht Eure Aufgaben und beschwert Euch nicht, es ist egal, was andere denken. Öde Selbstdarstellung!

      • Ich persönlich kann ja am allerwenigsten mit dem Begriff „neue Väter“ anfangen. Was soll denn das heissen?

      • Jan Holler sagt:

        Markus, Sie könnten sich denken, was das heisst „neue Väter“. Das sind Väter, die am Familienleben, an der Erziehung, an der Hausarbeit wirklich teilnehmen.
        Aber wie sie dann meistens porträtiert werden, ist oft sehr klischeebehaftet.
        Habe mit den Trailer noch einmal angesehen. Nein, das ist definitiv nichts für mich. Da wird doch tatsächlich von einer der Frauen gefragt, ob sie den richtigen Partner hat. Really? Mir tut der Partner einerseits leid, andererseits ärgert es mich, dass er sich in diese Rolle drängen lässt. Hei, steh auf, wehre dich doch gegen solche abschätzenden (abschätzigen) „Fragen“. Bist du ein Mann (Mensch) oder bist du nur noch ein Dienstleister?

      • tststs sagt:

        @Jan Holler: ?????
        Ich glaube, Sie haben da was falsch verstanden; ich sage nicht, Sie seien ein Jammeri.
        Aber in dieser Diskussion letze Woche herrschte der allgemeine Konsens, dass man Veränderungen nur bei sich selber verlangen und angehen kann.
        Und jetzt kommen Sie ums Eck‘ und hauen uns um die Ohren: Bei so einem Satz/Einstellung löscht es mir ab…
        War nur ein Witzli, kein Angriff (sollte durch den Smiley markiert werden…)

      • Herr Holler, ich weiss schon, was mit „neue Väter“ gemeint ist. Ich kann mit dem Begriff einfach nichts anfangen. „Neu“ ist doch nicht eine Eigenschaft, um die es hier geht. Zumal es diese angeblich „neuen“ Väter immer schon gab.

        Ansonsten scheinen Sie mir die Sätze aus dem Trailer etwas gar auf die Goldwaage zu legen. Die von Ihnen zitierte Frau meint ja nicht ob sie ganz konkret den richtigen Mann hat. Sie fragt sich: Wenn man ein ausgeglichenes Modell leben möchte, ist der Erfolg mehr von der Einstellung des Partners abhängig oder von den staatlich-gesellschaftlichen Strukturen?

        Schauen Sie den Film, dann können Sie die Zitate besser einordnen. Oder schauen Sie ihn nicht, wenn Sie keine Lust haben. Auch ok.

      • Jan Holler sagt:

        Easy, tststs, das habe ich gar nicht so aufgefasst. Bitte entschuldigen Sie meine für Sie missverständliche Antwort. Und danke für die Antwort.
        Markus, auch der Trailer wurde sicher nicht zufällig so geschnitten. Ich beziehe mich nur auf diesen. Und der stellt die Männer in einem Käfig aus, den wir Zoobesucher belustigt, beschämt und bemitleidend betrachten.

      • Hmm, Jan Holler, das habe ich im Trailer nicht so empfunden. Vielleicht sieht man ihn mit anderen Augen, wenn man den Film dazu kennt.

        Sogesehen ist Ihre Einschätzung des Trailers natürlich etwas verlässlicher als meine. Ich kann mir schon vorstellen, wie man ein paar Aussagen und Szenen unterschiedlich interpretieren kann. Ein Trailer soll halt in der Regel Spannung erzeugen, plakative Aussagen ohne Auflösung stehen lassen und nicht unbedingt den Film korrekt zusammenfassen.

      • Jan Holler sagt:

        Alleine das Ungleichgewicht zwischen der Präsentation der Geschlechter ist schon auffällig. Die Frauen, die es ja, im Vergleich zu eben all den anderen Frauen in der Schweiz, mit ihrem Partner gut haben, sind die, die ausrufen, sich beschweren, während Mann lediglich meint, er müsse sich ändern, bei sich anfragen und Frau sich fragt, ob sie den richtigen Partner habe in diesen Strukturen. Frau kommt im Trailer auch viel mehr zu Wort als Mann.

      • Jetzt verdrehen Sie den Leuten die Worte im Mund. Der Vater sagt nicht „er muss sich ändern“, er sagt „Am besten ändert man etwas bei sich, oder lebt es einfach anders.“ Daraus lässt sich relativ eindeutig ableiten, dass er die ganze Familie meint. Ich interpretiere das im Sinne von: „Das gewünschte Modell umsetzen und nicht auf entsprechende Strukturen hoffen.“

        Ich habe mir den Trailer jetzt noch ein paarmal angeschaut und es tut mir leid, aber ich sehe dieses Ungleichgewicht nicht. Ich sehe den Hausmann der sagt, weshalb er gerne Hausmann ist. Die Mütter beklagen sich mit keinem Wort über ihre Männer, sondern über die gesellschaftlichen Hürden der Berufstätigkeit.

        Aber wie gesagt: Ich mochte den Film, weil man sich eben so vieles (unterschiedliches) dabei denken kann.

      • Jan Holler sagt:

        Das ist semantische Spitzfindigkeit, ob muss oder am besten. Das Resultat wird das selbe sein. Ich kenne ja nur den Trailer. Ich denke, die „gesellschaftlichen Hürden“ sind oft herbei geredet. Auch Teilzeit arbeitende Männer haben ähnliche Probleme. Hatte andernorts ja wiederholt gesagt: Kümmer dich nicht, mach einfach. – Wenn Mann arbeitet und Frau zuhause ist: klagt die Frau über die Hausarbeit. Ist die Frau am arbeiten, klagt sie über die Arbeitsumstände, die wahrgenommenen Hürden. – Während der Mann sich nicht beschwert, im Gegenteil. Stellen Sie sich einen anderen Film vor, in dem die Männer sich über die Hausarbeit beklagen und die Frauen trotz allem den Job (gerne) machen und sich nicht beklagen.
        Kurzum: Beklagen sich Frauen öfter?

  • markus kohler sagt:

    Keine Bange Herr Tschannen, das Denkmal wird nun anders gestaltet. Es ist der einer ganz wichtigen Frau der Weltgeschichte gewidmet, die im Jahre 2017 mit anderen Frauen das Feuer entdeckte, als sie ihre Oberteile vor einer Opferschale auszogen.
    Aber vielleicht bekommen Sie als Trost von den Feministinnen eine Gartenzwerg**__In

  • Françoise sagt:

    1979 ich (Frau) hatte einen interessanten Beruf, der mir auch viel Spass machte. Mein Mann erklärte sich deshalb bereit, Kind und Haushalt zu übernehmen. Es war nicht immer einfach. Mein Mann wurde gehänselt teilweise verachtend behandelt, dem acht jährigen Mädchen erklärt: „kein Wunder, dass du nicht stricken kannst, wirst halt vom Vater erzogen!“ und mir von andern Müttern klar gemacht, dass ich bei Haushalt und Kindererziehung nicht mitreden könne, da ich davon nichts verstehen würde. Wir drei haben alle überlebt und würden es wieder tun. Ein jede(r) sollte frei bestimmen können, wie sie/er sich als Familie organisieren wollen.

    • Franka sagt:

      Es entbehrt ja nicht einer gewissen Komik, dass die Mutterqualitäten daran gemessen werden, ob das Töchterlein stricken kann oder nicht. Bei einem Sohn hätte man wahrscheinlich geprüft ob er auch im Stehen pinkeln kann. Ich hoffe, Sie können wenigstens im Nachhinein darüber lachen. Mittendrin ist das natürlich viel leichter gesagt als getan…

      • Françoise sagt:

        Liebe Franka, wir haben damals schon herzlich gelacht und schmunzeln immer noch. Was soll’s wir waren halt nicht konform. Aber wir haben so gelebt wie es uns entsprochen und gefallen hat. Aber, dass das Hausmann sein auch 40 Jahre danach immer noch ein Thema ist, finde ich irgendwie traurig. Wieso können so viele Leute nicht einfach, leben und leben lassen?

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Also, meine Mutter war Hausfrau und ich kann trotzdem nicht stricken und hasse kochen.

      Somit hat handarbeiterische Begeisterung nichts damit zu tun, wer von den Eltern mehrheitlich zuhause ist. Dafür bin ich pingelig und eine Sauberkeitsfanatikerin, aber das habe ich nicht von meinen Eltern.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Ich habs meiner Tochter beizubringen versucht, das paritätische Familienmodell zu leben- oder es wenigstens zu versuchen. Sie will nicht, bzw. sie wollen nicht, auch mein zukünftiger Schwiegersohn nicht. Ich konnte es seinerzeit auch nicht. Aber ich hätte gewollt. Es ging nicht.. Gehört meine Tochter also zur allseits gefürchteten, re-traditionalisierten Generation, die in der letzten Shell Jugendstudie so altbackene Vorstellungen zu Arbeit und Familie geäussert hat? Altbacken? Ganze 54% dieser Jungen sehen’s traditionell: Er schafft 80% der Kohle ran, sie 20% und betreut dafür die Kinder. Die nächsten Jahre zumindest will das auch meine Tochter. Das Argument, dass eine Mutter trotz Kind vom Vater finanziell unabhängig zu bleiben versuchen sollte, hat aber doch verfangen, glaube ich.

  • 13 sagt:

    Das Dilemma gut zusammen zusammengefasst. Tun wir so, als würde die Welt, die wir uns wünschen und nach der wir Streben bereits existieren, dann müssten wir sagen, den Film braucht es nicht. Es ist alles normal, spielt gar keine Rolle mehr, es gibt natürlich weder Sexismus noch Rassismus oder Homophobie und alles ist schön. Oder aber wir akzeptieren, dass das leider (noch) nicht der Fall ist und dann braucht es Vorbilder, sichtbare Vorbilder, die öffentlich hinstehen und sagen: das geht auch. Dann würden wir hier nicht lesen „die Mütter wollen halt nicht/wenig arbeiten…“ als würde andere Mütter nicht existieren. Bei Vätern natürlich das Gleiche. Das Problem bleibt jedoch, dass genau diejenigen, die es angeht, den Film nicht schauen werden…daher gut, kommt er in die Massenmedien.

    • Martin Frey sagt:

      @13
      Es ist halt wie oft: allein schon durch das spezielle Hervorheben entzieht man sich ein Stück weit der Norm, egal ob es um Hautfarbe, Religion, sexuelle Orientierung oder Rollenmodelle geht. Positive Diskriminierung ist auch eine Diskriminierung, was bei einem Teil der Leute, die gegen die Ausweitung der Antirassismusstrafnorm waren (zu denen ich mich nicht zähle) notabene ein an sich nachvollziehbares Argument war.
      Erst wenn etwas schlicht kein Thema mehr ist, haben wir so etwas wie Normalität erreicht. Dies ist mein Credo.
      Zum Film: Ich glaube nicht, dass deswegen auch nur eine Person mehr ausserhalb der an sich schon interessierten Blase den Film anschauen wird.

      • 13 sagt:

        Martin,
        „Erst wenn etwas schlich kein Thema mehr ist, haben wir so etwas wie Normalität erreicht. Dies ist mein Credo.“
        Dieses Credo würde ich unterschreiben, jedoch ist das Wort „mehr“ darin entscheidend. Etwas, das unsichtbar ist, ist weder ein Thema noch wird es als normal wahrgenommen. Es gibt Gesellschaften, dort ist Homosexualität auch kein Thema. Weil es, wenn es nicht unterdrückt wird, nur im Geheimen/Verborgenen ausgeübt wird. Mit Normalität hat das wenig zu tun. Darum braucht es manchmal auf dem Weg zur Normalität Zwischenschritte. Ich habe das Gleiche studiert wie Emilie Kempin-Spyri, aber werde im Gegensatz zu ihr wohl nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Wäre sie aber nicht gewesen, würde mein Uniabschluss heute kaum als normal bezeichnet werden.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Wie so oft wird einfach eine Norm durch eine neue ersetzt.
        Besser wäre es, wie bei „Achtung Väter“ einfach verschiedene Modelle zu zeigen.
        Und letztlich geht es nicht darum, mit sanftem Druck und „Aufklärung“ neue Modelle zu propagieren, sondern die Menschen machen lassen, was sie sich vorstellen, wie es ihren Präferenzen entspricht.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Wenn etwas für mich kein Thema ist, dann plädiere ich deswegen noch lange nicht für „Unsichtbarkeit“, das legst Du mir unfairerweise in den Mund. Im Ggt. sollten gewisse Dinge in einer offenen pluralistischen Gesellschaft einfach eine Selbstverständlichkeit sein. Gesellschaften, in denen etwas nicht existiert weil etwas nicht sein darf, sind das Gegenteil davon, ja bedrohen vielmehr unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung.
        Es hat einen schwarzen US-Präsidenten vertragen, mit all seinen Stärken und Schwächen. Was man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. In meinen Augen würde es auch einen homosexuellen US-Präsidenten vertragen. Wenn es bei der Wahl kein Kriterium ist, ist es deswegen nicht unsichtbar/totgeschwiegen. Es wäre normal. Und dafür braucht es keine Home Story.

      • Menschen machen lassen ist genau das richtige Stichwort. Aber Sportpapi, du willst ja wohl nicht sagen, dass medial die klassische Familie von anderen Familienmodellen verdrängt wird? Klar kann man die Bandbreite ausleuchten wie bei „Achtung Väter“. Ist völlig ok und nicht uninteressant. „Von der Rolle“ nimmt jetzt halt ähnliche – noch seltenere, weniger sichtbare – Modelle und zeigt damit besser die Nuancen. Zum Beispiel, dass nicht alle Väter, die Kinder betreuuen, damit gleich umgehen. Finde ich persönlich noch spannender.

      • Sportpapi sagt:

        @Markus Tschannen: „Aber Sportpapi, du willst ja wohl nicht sagen, dass medial die klassische Familie von anderen Familienmodellen verdrängt wird?“
        Naja. Es fällt schon auf, dass in den Medien vielfach ein Familienmodell als ideal oder gar einzig „gleichberechtigt“, „auf Augenhöhe“ propagiert wird, das in der Schweiz sehr selten ist, trotz aller Bemühungen, und das nur eine kleine elitäre Berufsgruppe ohne grössere Probleme umsetzen kann und will – Leute, die teilweise zeitlich und örtlich unabhängig, gerne auch freischaffend tätig sind.
        Schön wäre es doch auch, wenn Journalisten (und Bloger) sich mehr mit dem befassen würden was ist, statt mit dem, was sie sich erträumen.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Welche neue Norm? Werden nun aufgrund dieses Films alle Männer zu Hause bleiben? Kaum. Dieser Film und auch Berichte in der Richtung stehen ja nicht im luftleerem Raum, sondern eben in einem Umfeld, wo das nicht als üblich und normal betrachtet wird. Aber das ist eben das Problem bei den von mir unten aufgezählten Privilegien. Man ist sich so gewöhnt, diese zu haben, dass man es schon als Affront betrachtet, einmal nicht beachtet zu werden. Dich stört, dass in dem Film diejenigen Familien wo der Mann 100% arbeitet, Frau max. 50% und Haushalt, Kinder hat nicht gezeigt werden? Dass diese darin unsichtbar sind? Dann solltest Du Dich fragen, was denn der sinn des Filmes ist und wer üblicherweise unsichtbar ist.

      • 13 sagt:

        Was ich auch nicht verstehe, nur vor ein paar Tagen führten wir zwei diese Diskussion:
        SP: „Wenn Geld genug vorhanden ist, wählen die Mütter ihr Arbeitspensum zwischen 0 und 100 Prozent, die Väter bestenfalls zwischen 80 und 100.“
        13: „….Es gibt nicht „die Mütter“ und „die Väter“…“
        SP: „…..Und jetzt wirfst du mir quasi eine verengte Sichtweise vor, weil ich dein exotisches Modell in meinen grundsätzlichen Aussagen nicht explizit erwähnt habe?…“
        Und jetzt machst Du den Vorwurf, dass auch diese Modelle Sichtbarkeit verlangen? Inkl. dem Vorwurf, dass man nicht ganz neutrale alle Modelle gezeigt hat. Warum? Ist das nur ein Privileg der Mehrheit, erwähnt zu werden?

      • 13 sagt:

        @ MF
        „Wenn etwas für mich kein Thema ist, dann plädiere ich deswegen noch lange nicht für „Unsichtbarkeit“, das legst Du mir unfairerweise in den Mund.“
        Das habe ich doch gar nicht getan. Nur ist das manchmal die natürliche Folge, wenn man über etwas nicht sprechen soll, weil es angeblich ganz normal ist. Nun, wenn es eine kleine Minderheit ist, ist es eben nicht einfach so sichtbar. Auch heute noch überlegen sich sehr viele Familie ein solchen Modell oder auch schon nur ein Paritärisches nicht, auch dann nicht, wenn es Sinn machen würde. Warum es dann nicht etwas ins Bewusstsein heben?
        „Im Ggt. sollten gewisse Dinge in einer offenen pluralistischen Gesellschaft einfach eine Selbstverständlichkeit sein.“ Ja, sollten sie. Sind sie aber nicht zwangsläufig.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Wenn ich Aussagen über Frauen und Männer, bzw. Mütter und Väter mache, dann bezieht sich das auf grosse Züge und teilweise statistisch relevante Unterschiede. Ich mag nicht wegen der (wenigen) Ausnahmen darauf verzichten, Regeln und Zusammenhänge zu beschreiben.
        Wenn es aber um Rechte und Privilegien geht, dann ist nun mal alles möglich, was nicht verboten oder (stark) verpönt ist. Wenn jemand das Bedürfnis hat, Spezialfälle sichtbar zu machen, ok. Meistens kommt aber umgehend eine Bewertung dazu, die ich nicht angemessen finde.
        Und ja, in einem Familien- oder Mamablog würde ich eigentlich erwarten, dass es nicht nur um exotische Modelle meist privilegierter Einzelner, sondern vor allem um den Alltag vieler gehen würde.

      • 13 sagt:

        Also zusammengefasst: ihr könnt so leben, wenn ihr wollt, aber bitte einfach ohne aufzufallen oder Raum für Euch in Anspruch zu nehmen. Und falls ihr doch aufgrund des Modells benachteiligt (z. Bsp. Witwerrente, Vorurteile im Job etc. benachteiligen diese Familien) oder angefeindet werdet, dann ist das Euer Problem, damit umzugehen und das über Euch entgehen zu lassen. Denjenigen, die Benachteiligen soll man aber Verständnis entgegenbringen, schliesslich ist man ja selber schuld, wenn man so lebt.
        Nein, ich wünsche mit im MB wie auch in der Gesellschaft Diversität und nicht einfach einen Einheitsbrei orientiert an der Mehrheit, wo der Rest unsichtbar bleibt.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Wie gewohnt völlig überspitzt dargestellt. Das, was hier täglich dargestellt wird, ist nicht Diversität, und hat mit dem realen Leben vieler Familien wenig zu tun. Es ist die Realität (und es sind die Forderungen) einer kleinen Gruppe Journalisten und Blogerinnen, die in äusserst privilegierter Anstellung oder freischaffend arbeiten. Siehe Aussage Markus Tschannen oben. Hier schreibt niemand darüber, wie toll das klassische Modell doch ist, wie gut es sich im Alltag bewährt. Oder?
        Und natürlich soll man Vor- und Nachteile, Privilegien und Benachteiligungen aufzeigen und benennen können. Aber auch realistisch einordnen. Meist kommen solche Forderungen und Klagen aber eher als Ausreden daher, das angeblich erstrebte Modell doch nicht leben zu können.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Nur weil eine Darstellung etwas überspitzt ist, heisst es nicht, dass sie nicht richtig ist. Aber ansonsten kann ich Dir nicht folgen, frage mich höchstens, warum man dann hier mitliest und schreibt. Ich bin weder Autorin, noch Bloggerin oder freischaffend und doch erkenne ich mich/uns in vielen Texten durchaus….

      • Schockierend, Sportpapi, der Mamablog wird von Journalisten und Bloggerinnen geschrieben. Am Ende geben auch noch Turnlehrer Turnunterricht und Anwältinnen vertreten Mandanten vor Gericht. Niemand behauptet, die Autor*innen des Mamablogs würden die Bevölkerung exakt repräsentieren, aber sie als weltfremde Elite darzustellen geht halt einfach auch an der Realität vorbei.

    • Sportpapi sagt:

      @13: Natürlich gibt es Sexismus, Rassismus oder Homophobie. Und es gibt nach wie vor, und wird es immer geben, Ideen davon was normal ist. Und es wird immer Leute geben, die kritisieren, wer von Normalität abweicht.
      Da hilft es allerdings auch nicht, Gegenentwürfe vorzustellen, und damit gleichzeitig aufzuzeigen, wie exotisch das ist. Zumal damit nur gezeigt wird, was wir alle bereits wissen – dass das auch geht, wenn beide das so wollen.
      Und trotzdem wirst du immer mit Aussagen zum Verhalten von Geschlechtern konfrontiert, solange es typische Verhaltensweisen gibt (statistisch signifikant messbar, von Bedeutung). Das heisst nie, dass der Einzelfall nicht abweichen kann. Da verstehe ich deinen Ärger gerade nicht.

      • 13 sagt:

        SP,
        Darüber ob und wie schwer es ist, nicht dem Regelfall zu entsprechen, werden wir uns wohl nie einig. Du wirst sagen, man soll sich nicht so anstellen und man kann ja, wenn man will. Ich werde schmunzeln und zurückgeben, dass ich es doch etwas ironisch finde, wenn ein Mann, weiss, Schweizer, cis, heterosexuell und in einem 0-8-15-Familienmodell lebend dies sagt. So oder so, solange man zwar behauptet, man finde alles normal, aber im Alltag trotzdem Hürden gesetzt werden, die zu überbrücken wären und die dann die gleichen Leute, auch Du, aber genauso normal empfinden, werde ich mich dagegen wehren, dass man so tut, als wäre die Gleichberechtigung der Rollenverteilungen erreicht. Und solange sie das nicht ist, gibt es etwas zu tun.

      • Max Demian sagt:

        Die Fehlannahme ist eben, dass man davon ausgeht, dass man nur wollen muss und dass es dann schon klappt. Der American Dream – das vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Märchen, an das die Möchte-Gern-Liberalen noch glauben möchten und dabei selbst nicht realisieren, wie gefangen sie selbst in ihrer eigenen Welt sind, wie unfrei selbst sie als Menschen mit Optionen sind und sich so schwer tun, sich in die Mehrheit jener Menschen zu versetzen, die so ganz ohne Optionen selbst in unserer Gesellschaft agieren.
        In dem Sinne, ändern wir die Welt im Kleinen, in unseren Familien, in dem wir unseren Kindern diese fehlenden Rollen nicht nur zeigen, sondern sie ihnen erklären und kontextualisieren. Es könnte noch ewig dauern. Dass ich das je meinen Kindern erklären muss, hätte ich nie gedacht.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Und ich würde wieder sagen, wie sexistisch und diskriminierend ich eine solche Aussage finde.
        Ändert nichts daran, dass das, was du hier als Hürden beschreibst, während ich, um bei der Analogie zu bleiben eher von leichtem Gegenwind sprechen würde, dass das nun wirklich nicht der Grund sein kann, dass Paare, die diesen Weg gerne gehen möchten, das nicht tun.
        Das ist wie die Frau, die Karriere machen möchte, aufsteigen und viele Leute führen, aber nicht kann, weil der Ehemann das nicht unterstützt und die Freundinnen das auch kritisch kommentieren. Ernsthaft?
        Ja, ich erwarte eigentlich, dass man für seine Pläne und Träume auch mal ein Hindernis aus dem Weg räumt oder übersteigt, und sich nicht immer als Opfer der Umstände sieht und stehen bleibt.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Zur Frau mit Karriereambitionen:

        Ehemann: Klar, ist das ein wichtiger Punkt, v.a. wenn Kinder da sind. Man ist ja ein Team und aufeinander angewiesen. Die Alternative ist, das auf Kosten der Kinder zu machen, aber das werden die meisten Mütter nicht wollen.

        Freundinnen: Kann nicht alleine ausschlaggebend sein, mit Support fällt aber einiges einfacher

        Dritter Punkt fehlt: „weil der Arbeitgeber der Ansicht ist, sie könne das als Mutter nicht“

        @ Kämpfen für seine Träume:
        Einverstanden. Wenn das aber jemand tut und mit einem Film um Anerkennung und Sichtbarkeit ersucht, kommt Kritik?

      • Sportpapi sagt:

        @13: Da habe ich eine ausführliche Antwort geschrieben, die nicht veröffentlicht wurde.
        Aber nein, es kommt doch keine Kritik an den Personen im Film. Man sieht nur wenig Grund, den Film zu sehen, oder sich diese Personen als Vorbild zu nehmen.

    • Röschu sagt:

      „Das Problem bleibt jedoch, dass genau diejenigen, die es angeht, den Film nicht schauen werden…daher gut, kommt er in die Massenmedien.“
      Na ja, der Film heisst „Von der Rolle“ und zementiert somit von vornherein die Ansicht, dass das Gezeigte eben gerade nicht normal, sondern verwirrend, verstörend, anders, etc. sei.
      .
      Allein der Gedanke Normalität durch plakatives zur Schau stellen von Andersartigkeit erreichen zu wollen, ist absurd. Gleichbehandlung kann letztlich nur durch Gleichgültigkeit erreicht werden, da bin ich ganz bei MF.

  • Noah Lilienthal sagt:

    Hab nun die Filmbeschreibung gelesen. Nein, ich werde ihn mir nicht anschauen. Die Motivation ist klar – kinderbetreuende Männer sollen eben genau nicht als normal dargestellt werden, sondern werden in feministischer Manier als Gegenentwurf zu einer früher angeblich unumstösslichen traditionellen Rollenverteilung heraufbeschworen (Zitat: „in denen die klassischen Rollen vertauscht wurden“, nicht etwa „in denen die Kinder vom Vater betreut werden“; oder: „akzeptieren wir verkrustete Rollenbilder oder hinterfragen wir sie“). Dazu ein paar Klischee-Fakten (z.B. „Fast ausschliesslich machen (Frauen) die Wäsche, bleiben zu Hause, wenn die Kinder krank sind und stehen in der Nacht auf, um die Kinder zu beruhigen“). Und die toxische Männlichkeit bleibt nicht unerwähnt. Nein danke.

    • Niemand zwingt Sie, den Film zu schauen. Ich mochte ihn gerade deswegen, weil er einem eben die Möglichkeit lässt, sein Urteil über das Gesehene selber zu fällen.

      • Markus Keller sagt:

        Zum Glück zwingen Sie uns Leser nicht, diesen Film zu schauen. Und es tut mir leid, wenn andere Filme Ihnen jeweils nicht die Möglichkeit lassen, ein eigenes Urteil zu bilden. Ihren Papablog finde ich meistens lesenswert – schade dass Sie so kommentieren…

      • Welche Art von Kommentar würde Ihnen den besser gefallen? Vielleicht kann ich Ihnen den Wunsch ja erfüllen.

  • Noah Lilienthal sagt:

    Herr Tschannen schreibt gegen Klischees über betreuende Väter und rollt stattdessen seine eigenen aus. 99% aller 60%-arbeitenden Väter (wie ich) werden nicht zu Podiumsdiskussionen eingeladen und von Medien befragt, sie werden auch nicht mit Anerkennung überschüttet. Sie schlagen sich mit diversen Alltagsproblemen in Heim und Job herum (und nein, nicht mit solchen, die durch „traditionelle Männlichkeitsvorstellungen“ verursacht werden – das nächste von Journalisten gern bediente Klischee). Vielleicht zeigt der Film ja genau das – ich hoffe es, trotz des Namens. Aber warum muss ich einen Film anschauen, um Klischees zu beseitigen, die ich ohne die ständige selbst schon wieder klischeehafte mediale Thematisierung von „neuen“ Vätern (die es schon seit Jahrzehnten gibt) gar nicht hätte?

    • Martin Frey sagt:

      Guter Kommentar, schliesse mich an.
      MT ist in letzter Zeit auf einer Mission, und versucht wohl gleichzeitig, sich seiner „Maximilian-Jason“ MB-Gaudi-Rolle zu entledigen. Erinnert mich etwas an Serienschauspieler die ins ernsthafte Fach wechseln wollen. Meist kommt das nicht gut raus. 🙂
      Apropos, falls ich mir jemals Gedanken gemacht hätte, einen solchen Film anschauen zu wollen, ist die Frage jetzt geklärt. Dafür gebührt dem Autoren Dank.

      • Herr Frey, auf dieser Mission war ich von Anfang an. Die Maximilian-Jason-Gaudi war immer nur Ablenkung, damit mein Umsturz der Weltordnung heimlich verläuft. Ich konnte ja nicht damit rechnen, dass Sie mich derart durchschauen.

        Jetzt muss ich Ihnen aber doch einmal ein Kränzchen aus Margritli flechten und es ihnen demütig aufs Haupt drapieren. Dass Sie hier so fleissig mitlesen und mitkommentieren, obwohl Sie sowohl meine missionarischen als auch meine Gaudi-Texte fürchterlich finden, das verdient Respekt!

      • Martin Frey sagt:

        Sie verstehen das völlig falsch, ich finde Sie nicht fürchterlich, ich mag Sie, Herr Tschannen, sehr sogar! 🙂 Nur mag ich persönlich Ihre lockere Seite besser, ich finde, sie steht Ihnen auch besser. Und ich behaupte mal ganz frivol, nicht der einzige mit dieser Ansicht zu sein. 😉

      • So hat man seine Präferenzen. Ich persönlich mag zum Beispiel den frivolen Frey, obwohl er „unterschiedliche Meinung“ mit „fehlender Lockerheit“ verwechselt.

      • Markus Keller sagt:

        Herr Frey, ich finde es toll, wie Sie Herrn Tschannen unten (08.45) offen und freundlich antworten. Ich kann die ablehnend sarkastische und verbissene Antwort des Autors nicht nachvollziehen. Es ginge durchaus auch etwas versöhnlicher.

      • Herr Keller, Sie unterschätzen Herrn Freys und meine Fähigkeit, uns hier meinungsstark angriffig und dennoch wohlwollend bis versöhnlich zu unterhalten.

    • tally sagt:

      Weil es so unendlich wenige davon gibt. Es ist einfach unfassbar, dass wir nicht viel weiter sind als Anfang 80er.

    • Herr Lilienthal, natürlich wird nicht einfach ein Fernsehteam Ihre Waschküche stürmen. Aber äussern Sie sich öffentlich über Ihre Vaterrolle und ich verspreche Ihnen, Sie werden beachtet.

      Klar schlagen wir uns mit Alltagsproblemen durch. Ich sage doch nicht, der Alltag von Vätern sei lockerer. Im Gegenteil, ich meine, man sollte eigentlich gar keinen Unterschied zwischen Vätern und Müttern machen. Und das bringt uns halt zu diesem Paradoxon: Soll man Väter speziell beachten, die sich um Kind und Haushalt kümmern? Eigentlich nein, aber wenn diese Familienmodelle nicht sichtbar sind, dann werden sie auch weniger gewählt und die Gesellschaft wird auch die nächsten 20 Jahre auf das traditionelle Modell ausgerichtet sein.

    • Jan Holler sagt:

      Yep! Dem schliesse ich mich auch an. Hat mich noch nie im Leben gekümmert, was andere (privat) tun und welche Rollen sie im Leben einnehmen. Es hat mich auch nie gekümmert, was andere über meine Rolle denken. Soll doch einer denken, ich sei ein armes Hauswürstchen, das geht mir total am A vorbei.
      Es ist genau das: Das „neue Väter-Klischee“ ersetzt nun das „Heimchen-Frauen-Klischee“. Ach, lasst mich mit so etwas doch in Ruhe. Ich mache einfach, was zu tun ist und frage nicht, was man von mir gesellschaftlich erwartet, noch will ich einem dieser Bilder „neue Väter“ entsprechen. Abstossend das alles!

  • Max Demian sagt:

    Hoffentlich haben die werdenden Eltern noch vor der Schwangerschaft über Rollenbilder und Aufgabenteilung gesprochen und im besten Fall auch geeinigt.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Das wäre in jeder Familie wünschenswert.

      Viele Ehen scheitern ja auch wegen nicht eingehaltenen Abmachungen, welche getroffen werden, BEVOR Kinder da sind.

  • Muttis Liebling sagt:

    ‚Was ist normal? Sind wir normal?‘

    Mit der Normalität verhält es sich wie mit der Geschlechts- oder anderen Identitäten. Das gibt es nur in der Fantasie, nicht im richtigen Leben.

    In der Medizin gibt es nur noch Referenzintervalle statt Normalwerte und biografisch sind Menschen selbstreferentiell. Ich beziehe mich immer nur auf mich, niemals auf Fremderwartungen oder externe Wertvorstellungen. Selbst wenn mir jemand Universalwerte – die es selbstverständlich nie geben kann – vorgaukeln möchte, ich nehme die nicht zur Kenntnis. Ich bin meine Norm, niemand und nichts anderes.

    • flori antha sagt:

      @ML: Sie orientieren sich an den Regeln der Rechtschreibung, also an einer Norm. Selbst das „mich“ von dem Sie hier behaupten, dass Sie sich daran orientieren, ist nichts anderes als verinnerlichte Norm. In Ihrem Fall die Norm, dass wir alle ach so unabhängig und individualistisch sein sollen.

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