Unsere Kinder brauchen eine andere Schule

Für mehr Kreativität und weniger Gleichschaltung: Unsere Autorin findet, dass wir Schule und Erziehung radikal neu denken sollten.

Mit den Händen arbeiten statt nur mit dem Verstand: Werkunterricht an einer Zürcher Schule. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Als Gillian Lynne noch ein Kind war, bekamen ihre Eltern einen Brief von der Schule: «Wir glauben, Gillian hat eine Lernschwäche.» Sie könne sich nicht konzentrieren, zappele herum. Heute würde man sagen, sie habe ADHS. Aber es war in den 1930ern, da war ADHS noch nicht erfunden.

Jedenfalls brachte Gillians Mutter sie zu einem Spezialisten. Gillian sass am Ende des Raums, während der Arzt und die Mutter über all ihre Schulprobleme sprachen: Darüber, wie sie andere Kinder störte, wie sie ihre Hausaufgaben zu spät machte, wie sie ein 8-jähriges Kind war. Am Ende setzte sich der Arzt kurz zu Gillian und sagte: «Ich muss noch kurz allein mit deiner Mutter reden. Bleib doch hier, wir werden gleich zurück sein.» Und sie liessen das Mädchen allein im Zimmer zurück. Bevor sie den Raum verliessen, stellte der Arzt das Radio an, das auf seinem Tisch stand.

Draussen angekommen, sagte der Arzt zu Gillians Mutter: «Schauen Sie ihr zu.» Sobald Gillian alleine war, stand sie auf und bewegte sich zur Musik. Die beiden beobachteten das Mädchen eine Weile, dann drehte sich der Arzt zur Mutter und sagte: «Frau Lynne, ihre Tochter ist nicht krank, sie ist eine Tänzerin. Gehen Sie mit ihr zur Tanzschule.»

Schulen sind wie Fabriken

Was dann passierte? Gillian erzählte später, dass sie kaum beschreiben könne, wie toll es in der Tanzschule gewesen sei. «Wir kamen in diesen Raum und er war voller Menschen wie ich. Menschen, die nicht still sitzen konnten. Die sich bewegen mussten, um zu denken.» Gillian lernte Ballett, Stepptanz und Jazz, moderne und zeitgenössische Tänze. Sie hatte eine wunderbare Karriere bei der Royal Ballet School, gründete eigene Tanzensembles, traf Andrew Lloyd Webber. Sie choreografierte einige der erfolgreichsten Musicals der Geschichte, wie «Cats» und «Das Phantom der Oper», erfreute Millionen Menschen und wurde zur Multimillionärin. Jemand anderes hätte ihr Medizin verschrieben und gesagt, sie solle sich beruhigen.

Diese Geschichte ist Teil eines TED-Talks, erzählt von Sir Ken Robinson, britischer Bildungsexperte und viel beachteter Autor. Bemerkenswerterweise ist es der meistgesehene TED-Talk aller Zeiten: Das Video hat bis heute über 63 Millionen Views. Es erzählt, wie unsere Schulen die Kreativität von Kindern zerstören (so der Titel des Videos).

TED-Talk mit Ken Robinson: Deutsche Untertitel können eingeblendet werden. Video: Ted.com

Robinson sagt, unsere Schulen seien wie Fabriken organisiert. Unsere Bildungssysteme wurden im 19. Jahrhundert begründet. Und zwar mit einem Ziel: Die Anforderungen der Industrie an ihre Arbeitskräfte zu erfüllen. Und obwohl wir die Industrialisierung schon längst hinter uns haben, wird Mathematik nach wie vor höher gewichtet als Tanzen.

Nach wie vor werden Kinder in Schemas gepresst, werden Eltern gestresst, wenn ihre Kinder nicht den gängigen Normen entsprechen. Das Fatale am Ganzen: Brillante, kreative Kinder verkümmern, weil ihre Talente in der Schule nicht wertgeschätzt oder sogar stigmatisiert wurden.

Es braucht eine Bewegung aus der Bevölkerung

Robinsons Antwort auf dieses Problem? Wir sollten Schulen neu denken. Statt auf Konformität sollten die Schulen auf Kreativität setzen und die Diversität unter den Kindern achten. Kinder, die dieses Jahr in die Schule kommen, werden im Jahr 2079 in Rente gehen. Keiner weiss, wie unsere Welt in fünf Jahren aussehen wird. Und trotzdem sollten wir unsere Kinder für diese Welt ausbilden, sie für die Zukunft wappnen. Wir werden diese Zukunft nicht mehr erleben, unsere Kinder schon.

Was heisst das für uns als Eltern? Es gibt Schulen und Schulen. Es gibt Lehrpersonen und Lehrpersonen. Und nicht jedes Kind passt in die Staatsschule. Die wenigsten von uns können es sich leisten, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten oder an private Schulen wie Montessori oder Waldorf zu schicken. Auch können wir nicht von heute auf morgen unser Bildungssystem ändern.

Was wir aber alle können, ist unsere eigene Haltung gegenüber Kindern zu prüfen. Wir können eine Grassroots-Bewegung starten. Will heissen: Eine gesellschaftliche Initiative, die aus der Bevölkerung entsteht. Vielleicht liegt der erste Schritt darin, die Art, wie wir Kinder in der Gesellschaft sehen und erziehen wollen, radikal neu zu denken.

Dieser Text erschien zuerst als sonntäglicher Newsletter von Chez Mama Poule.

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111 Kommentare zu «Unsere Kinder brauchen eine andere Schule»

  • Martina sagt:

    Unbedingt braucht es mehr Raum für Kreativität und Individualität! Das kann jedoch nicht funktionieren , wenn auch in der Lehrerbildung nur Einheitsbrei gefragt ist. Die Lehrpersonen werden durch einen Einheitsfleischwolf gepresst und müssen den Standards entsprechen. Wie sollen sie dann die Kinder in ihrer Vielfalt und Individualität fördern?
    In diesem Punkt sehe ich eine grosse Herausforderung!

  • Silvia Brun sagt:

    Heute ist Lernen eine lebenslange Aufgabe. Man muss nicht alles und jedes in das Programm der Schule hineinstopfen. Die Schule legt die Grundlagen und vermittelt Allgemeinwissen, daneben sollen auch musische Fähigkeiten gefördert werden. Auch wenn sich die Welt rasant verändert, das Schulwissen bleibt zu einem grossen Teil gleich. Es wird einfach anders vermittelt. Mit 16 ist man noch längst nicht am Ende seiner Ausbildung.

  • Karin Kraus sagt:

    Dafür macht sich die nationale Initiative Lapurla stark: „Was wir alle können, ist unsere eigene Haltung gegenüber Kindern zu prüfen. Wir können eine Grassroots-Bewegung starten. Will heissen: Eine gesellschaftliche Initiative, die aus der Bevölkerung entsteht. Vielleicht liegt der erste Schritt darin, die Art, wie wir Kinder in der Gesellschaft sehen und erziehen wollen, radikal neu zu denken.“ http://www.lapurla.ch

  • Annabeth Perucchi sagt:

    Weiter so, nur Mut! Initiative von unten scheint mir der richtige Weg! A

  • Felix Robert sagt:

    Die Bildunterschrift ist falsch. Mit den Händen arbeiten ist eben auch denken. Leider haben das immer noch viele Bildungsbürokraten nicht gelernt.

  • Gabi sagt:

    „… Keiner weiss, wie unsere Welt in fünf Jahren aussehen wird. Und trotzdem sollten wir unsere Kinder für diese Welt ausbilden, sie für die Zukunft wappnen….“
    War das nicht einer der Grundgedanken für die Entwicklung des LP21? Stichwort „Kompetenzen“…

  • Hans Meier sagt:

    „Und obwohl wir die Industrialisierung schon längst hinter uns haben, wird Mathematik nach wie vor höher gewichtet als Tanzen.“
    Da habe ich aufgehört zu lesen.
    Solche Diskussionen sind vollkommen sinnfrei und wenig fundiert. Und nein, ein TED-Talk reicht das zur Schliessung der Bildungslücke auch nicht…
    Nichts gegen Tanzen, aber so eine Assage ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.
    Dann tanzen Sie sich halt durchs Leben. Viel Glück dabei.

  • Dahlia Meiet sagt:

    Ich glaube was unsere Kinder am meisten brauchen ist Erziehung! Das wäre der Anfang und dann wären bestimmt viele heutige Probleme gelöst.

    • Villiger Erwin sagt:

      Der Staat hat die Aufgasbe, alle jungen Menschen auf das gleiche Chancenniveau auszubilden, was nie 100% gelingen wird. Sie schon früh, aufgrund ihrer Fähigkeiten und Präferenzen zu fördern, damit überfordern wir die Schule. Keine Schule kann erhlich 10 Basisfächer und sämtliche Gesellschaftsprobleme unterrichten, geschweige denn lösen. In Primar- und Volksschule geht es um Basiswissen und Fähigkeiten, die gübt und trainiert werden müssen. An etwas bleiben, auch wenn es nicht so schmeckt, macht ein Teil des Erfolges des späteren Lebens aus. Wenn zuviel in die Schule gepackt wird, scheitert sie. Das zeigen schon heute die Resultate in Basel. Man will alles, vergisst das Zeitbudget und endet beim Oberlächlichen.
      Zudem besteht die Tendenz, Schüler zu früh zu stigmatisieren.

  • Hansli sagt:

    Was die Zukunft bringt weiss niemand. Nur was sicher dazugehört. Ist Mathematik, die Muttersprache und Englisch. Alles andere ist sicher wichtig, dient aber mehr zu Berufsorientierung. Aber bevor man kreativ wird, muss man erst einmal etwas richtig können. Der Weg zur Kreativität ist üben, üben und nochmals üben. Bis zum Ende der Oberstufe ist man nicht viel weiter als die erste Stufe üben der Grundfertigkeiten. Erst dann kommt die Ausbildung entsprechend den Fähigkeiten.

    • Lehrerin sagt:

      So ein Blödsinn!!!!! Kreativität kommt definitiv nicht vom üben!!!! Kinder sind von Natur aus Wissens-und Lernbegiehrig. Aber unser Schulsystem macht sie kaputt, da NUR Leistungen zählen! Wenn Kinder das lernen könnten was sie wirklich interessiert würden sie dies mit Begeisterung tun, ohne Druck. Mit Druck erreicht man das Gegenteil. Es gibt Schulen welche die Interessen des Kindes in den Fordergrund stellen, leider zu wenig und wenn sind es meistens Privatschulen, diese können dann nur die Gutbetuchten besuchen. Bestes Beispiel für eine staatliche Schule die sich an den Interessen der Kinder orientiert: https://www.alemannenschule-wutoeschingen.de/lernen-3-0/ Deutschland ist uns wie bei vielen Dingen voraus….

      • Jan Holler sagt:

        Alles kommt vom Üben, sogar die Intelligenz, das ganze Menschsein. Wir haben mehrere 100’000 Jahre mit diesem Hirn gelebt und waren doch nur Affen ohne Kultur und ohne (im heutigen Sinn) Bewusstsein, das kam erst viel später (vor ca. 150’000 Jahren). Allerdings ist klar: Die Begabungen und die Intelligenz sind von Mensch zu Mensch verschieden.

      • Beba sagt:

        Nein, Kreativität kommt nicht vom Üben. Aber sie gedeiht erst richtig auf einem reichhaltigen und gefestigten Boden von Fertigkeiten. Und dieser entsteht durch Üben.

      • Sportpapi sagt:

        Was nutzt mir alle Kreativität, wenn ich sie nicht umsetzen kann, weil mir dazu die Grundlagen fehlen?
        Kinder, die immer nur tun können was sie möchten, und ein Lehrplan widersprechen sich grundsätzlich. Ich halte allerdings das Erreichen einer gewissen breiten Grundausbildung für durchaus im Interesse der Kinder, auch wenn diese das im Moment noch nicht so sehen.

  • Schulleiter sagt:

    Es geht auch anders:
    https://www.alemannenschule-wutoeschingen.de/lernen-3-0/

    Überzeugt mich sehr und finde ich nachahmenswert — bitte genau lesen was dahinter steckt und aus welcher Überlegung……

    • Chris sagt:

      Meine Forderung:In der Erziehungsdirektion bzw. In dessen Deparrtement sitzen eben oft NICHT Pädagogen,sondern Juristen,die eben keine Ahnung von Pädaogik haben und nur das wiederkauen was irgendwelche Köpfe ihnen einbläuen.Die Lehrmittel Fremdsprachen sind eine Katastrophe.Die Kids sind mille feuille geschädigt,werden zu früh mit diesem idiotischen Stichtag eingeschult der schliesslich mehr Geld und Schaden beim Kinde anrichtet,als ihm zu helfen.
      Der Schulunterricht ist durchs Band in der Primarstufe den Kids durchs Band langweilig.Wieso etwas daran ändern?Die Erziehunfsdirektion wiln ihr Gesicht nicht verlieren und lanciert eine überarbeitung des besagten franz.Lehrmittel. es lebe die Geldverschwenderei in nutzlose Pädagogik.Die Kinder der Zukunft bleiben dabei auf der Strecke.

      • Lehrerin sagt:

        Diesem Artikel stimme ich voll und ganz zu!!!

      • Sportpapi sagt:

        @Chris: Mal unabhängig vom Lehrmittel der Fremdsprachen: Warum soll es den Kindern in der Primarstufe durchs Band langweilig sein? Das erlebe ich bei meinen drei Kindern anders. Und wie sollte das zu lösen sein? Was wäre denn Ihr Vorschlag? Und wie hilft das dann den Kindern, denen es keineswegs langweilig ist, sondern die in der Schule richtig gefordert bis überfordert werden?

  • pinkpoet sagt:

    Unbestritten hat die Wirtschaft einen massiven Einfluss auf den Lehrplan, denn sonst könnte man die langsame Abschaffung aller musischen Fächer nicht erklären. Genau das aber ist absurd, denn damit haben die falschen Leute aus der Wirtschaft Einfluss genommen, m. E. Grad heute lese ich, dass ein Weltkonzern wie GF jeden 5. von 15000 Mitarbeiter in den letzten Jahren in «Design thinking» ausgebildet hat. Warum fängt man damit erst nach der Schule an? – Die kreativen Seiten des Menschen könnten viel leichter bereits im Schulalter beackert werden, dann wären bereits 15-20-jährige Profis in Design thinking…und anderen kreativen Anforderungen der digitalisierten Welt. Aber vermutlich merken das die alten Herren, die unseren Lehrplan 21 mitgeprägt haben erst dann, wenn andere Länder uns überholt

  • Stefania Brianza sagt:

    Es ist noch ein langer Weg, der mit einer Kultur des Zuhörens der Beteiligten beginnen könnte. Nicht an widrigen Fronten im Krieg, sondern in der Lage, den Standpunkt des anderen zu verstehen, bevor beurteilen. Es gibt kein Platz vor einer kooperativen Austausch, oft sind Lehrer und Beteiligte in der Schulwelt sind „unantastbar“. Angesichts der Schwierigkeit (und Schönheit) der Erziehungsaufgabe, indem Familien und Lehrer in der ersten Reihe beteiligt sind, ist es überraschend, wie viel Energie verschwendet. Jeder Versuch der Zusammenarbeit wird vermieden und angegriffen. Ich teile den Traum des Autorin und hoffe dass bald wie Wege und Orte geschaffen werden, um Fähigkeiten, Visionen Bedürfnisse auszutauschen.
    Eltern sind der Problem, Kinder auch… bringt nichts neues und gut.

  • Paul Meier sagt:

    Ich werde dieser Bewegung nicht beitreten…. Früher oder später wird (hoffentlich) jedes Kind erwachsen und muss sich in den Alltag integrieren. Und dazu gehört nicht nur die Allgemeinbildung sondern auch eine Portion Fähigkeit, sich in eine Gemeinschaft einzugliedern…

    • Hans Meier sagt:

      Achwas. Das wird völlig überschätzt. Viel wichtiger ist es, Tanzen zu können. Weil das Leben ja bekanntlich hauptsächlich daraus besteht, das zu tun, worauf man gerade Lust hat.

  • Fabrizio Albright sagt:

    Der Staat sollte endlich die Steinerschulen (mit-) finanzieren! Breitere Förderung der Kinder als nur immer früher (frühere Einschulung, Verschulung des Kindergartens) den akademischen „Lerntopf“ füllen (Eine Pflanze wächst nicht schneller wenn man dran zieht).

    Freie Schulwahl für freie Bürger wäre gefragt und nicht standardisierte Gleichmacherei.

    • Heidi Hermann sagt:

      Die Steinerschulen sind die Schulen der Anthroposophischen Bewegung und ihrer Christologie. So sehr es dabei interessante Ansätze gibt zB in der Landwirtschaft, die meisten „Errungenschaften“ wurden nie wissenschaftlich untersucht, geschweige denn ihre Wirkung belegt. Das Ganze sind auf der ganzen Welt zusammengeklaute und vermengte Ideen. Schulmedizin mit falsch verstandener Homöopathie, Christentum mit Reinkarnation, Humanität mit Rassismus und Sozialdarwinismus. Kurz, die Schulen sind die Schulen einer Sekte, die sich bis zu einem gewissen Grad für „Normalos“ geöffnet haben. Kein Grund, das mit öffentlichen Geldern zu unterstützen.

  • Maike sagt:

    Bitte nicht schon wieder ! Weil jeder mal in der Schule gewesen ist, fühlt er/sie sich dazu berufen, an diesem System rumzudoktern. Angefangen von den eltern, die natürlich das Beste für ihr Kind wollen bis hin zu ideenlosen Politikern, die über ihre eigene Schulzeit nicht hinweg gekommen sind.
    Aber in der Schule gibt es Basics, die man lernen muss – ob man will oder nicht. Keiner von den hier Schreibenden könnte vermutlich etwas schreiben, geschweige den Lesen, wenn man den Lehrplan den Kids überlassen hätte.
    Und klar ist die Schule in der Zwickmühle, weil sie einen Bildungsauftrag hat – egal was der zu Bildende geistig mitbringt.
    Ich habe einen hohen Respekt vor den Lehrern, die sich nicht nur mit den Schülern sondern auch mit diesen Besserwissern rumschlagen müssen.

    • Dödel sagt:

      Danke, auch meine meinung!

    • Sandra Cox sagt:

      Zum Lesen und Schreiben: meine 3-Jährige interessiert sich seit 2 Wochen wahnsinnig für Buchstaben und Zahlen. Habe ich ihr nicht beigebracht oder aufdiktiert – wir haben aber Bücher im Haus, lesen und schreiben viel. Sie will z.B. Geburtstagskarten und Einkaufslisten schreiben, alles aus eigenem Antrieb, weil sie merkt, dass wir Grossen das auch tun. Ob man es glaubt oder nicht, Kinder interessieren sich tatsächlich für „nützliche“ Sachen, wenn es ihnen vorgelebt wird und man ihnen Zeit lässt, etwas dann zu entdecken, wenn sie bereit dazu sind. Schule ist natürlich nicht immer schlecht. Ich selbst habe tolle Erinnerungen an meine Schulzeit, hatte aber auch nie Mühe mit den meisten klassischen Schulfächern ausser Mathe.

  • Nunu sagt:

    Super Beitrag, Danke.

  • Leila sagt:

    Selbstverständlich gibt es Lehrpersonen und Lehrpersonen und Schulen und Schulen und super ADHS-Experten und andere. Aber ich behaupte, Sie finden heute sehr viele ausgezeichnete Schulen und Lehrpersonen in der Volksschule. Eine etwas fundiertere und ausgewogenere Darstellung der „heutigen“ Schule würde ich mir wünschen. Insbesondere auch „Ihre“ Vorstellung der perfekten Schule wohl auch nicht allen Kindern gerecht würde.

  • Leila sagt:

    Haben Sie in den letzten Jahren mal verschiedene Schulen besucht und wissen Sie, welche Reformen die Schule durchgemacht hat? Viele dieser Reformen sollen dazu führen, Chancengerechtigkeit zu fördern und die Schüler*innen individueller zu fördern. ADHS-Expert*innen geben heute nicht einfach Ritalin, sondern wissen, dass die Kombination mit Psychoedukation, was z.B. auch die Förderung in den Stärken bedeuten kann, wirksamer ist. Die Lehrerbildung hat viele dieser Erkenntnisse aufgenommen. Als Lehrperson aber 24 verschiedenen Schüler*innen in allen Fächern und den individuellen Ansprüchen aller Eltern (auch denen, deren Kinder durchaus das Potenzial haben, später exzellente Wissenschaftler zu werden), ist nicht ganz einfach….

  • Amélie Müller sagt:

    Ich verstehe die Forderung an die Gesellschaft nicht. Sie soll eine Bewegung gründen – mit welchem Zweck? Oder soll jetzt die Schule reformiert werden? Worum geht es hier genau? Was ist die Nachricht, was die Absicht dieses Textes? Er erscheint wie eine Sammlung von Problembeschreibungen mit zwei, drei schwammigen Lösungsansätzen.

    Ich finde den Text irgendwie richtungslos. Liegt vielleicht daran, dass ich Lehrerin bin.

  • Ben Steiner sagt:

    Der Fisch stinkt vom Kopf. Die Politik macht Regeln, die keine grosse Kreativität zulassen. Und Diversität scheint überall gewünscht, aber an den Primarschulen will niemand die Frauenquote von über 90% ergründen/ändern. Zudem hat die Schule heutzutage vor allem einen Integrationsauftrag und muss erst mal alle auf einen Nenner bringen. Darum kann ich das ständige Hochjubeln von Montessori oder Waldorf auch nicht ernst nehmen. Ist die Schulqualität dort höher (ist sie das?), sind die Kinder und späteren Erwachsenen glücklicher oder erfolgreicher (sind sie das?), weil dort bessere Unterrichtsformen angewendet werden? Oder haben deren Schüler schlicht bessere Voraussetzungen? Würde Waldorf/Montessori auch mit einer Regensdorfer-, Opfiker- oder Schwamendinger-Regluärschülern funktionieren? Nö.

  • Heidi Hermann sagt:

    „Aber es war in den 1930ern, da war ADHS noch nicht erfunden.“ Das ADHS war längst bekannt, zB publiziert 1844 vom Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann. „Jemand anderes hätte ihr Medizin verschrieben und gesagt, sie solle sich beruhigen.“ Offensichtlich hat das aber dieser Spezialist nicht, weil er eben ein Spezialist war und wusste, welche Therapie bei diesem Kind sinnvoll ist. „Wir können eine Grassroots-Bewegung starten.“ Wenn ich krank bin, gehe ich zur Aerztin und nicht zur Verkäuferin. Wenn mein Auto kaputt ist gehe ich zum Mech und nicht zum Bäcker. Aber wenn es um die Schule meiner Kinder geht, gehe ich zum Youtuber (aka Kunstprofessor ohne Offenlegung einer finanziellen Interessenbindung), zum Buchautor oder zur Nachbarin, aber sicher nicht zum Spezialisten.

    • Muttis Liebling sagt:

      Der Satz „Aber es war in den 1930ern, da war ADHS noch nicht erfunden.“ ist schon richtig. Heinrich Hoffmann hat im Struwwelpeter den Zappelphilipp zwar beschrieben, nicht aber die Diagnose ADHS dafür erfunden.

      Im Gegensatz zu einer Krankheit, die objektiv besteht, ist die Diagnose immer eine Erfindung. Krankheiten und Störungen wie die der Aufmerksamkeit entdeckt man, während man Diagnosen dafür erfindet. Diagnosen sind nur die Etiketten am Gefäss der Störung oder Krankheit.

  • Lorena sagt:

    Das Problem liegt eher bei den Eltern, die sich lieber „selbst verwirklichen“ und „Karriere machen“, anstatt sich um Ihren Nachwuchs zu kümmern. Kinder verkommen zu einem schicken Accessoire. Viele Eltern kennen doch ihre eigenen Kinder gar nicht. Der Staat soll sich um Kita, Ausbildung, Erziehung und Gesundheit sorgen. Kein Wunder verkümmern viele Talente oder kommen auf die schiefe Bahn. An Angebot, Fähigkeiten, Interessen und Leidenschaften zu fördern, mangelt es ja wahrlich nicht.

    • Franzi sagt:

      …das ist auch wieder nur die Wiedergabe von Vorurteilen…
      Meine Kids sind tageweise in der Kinderkrippe gewesen und haben dort sehr profitiert. Wir hatten und haben immer genug Zeit für unsere Kids und die sind absolut nicht auffällig. Sie sind schulisch erfolgreich und haben ihre Hobbies die sie lieben und pflegen und an denen wir Anteil nehmen.
      Ich denke, da gibt es genauso Eltern die hundert Prozent daheim sind und weniger mit den Kindern unternehmen als wir. Weniger Anteil nehmen oder weniger relaxt sind.
      Aber Hauptsache „die Karrieregeilen“ etwas bashen. Ist viel cooler als zu hören, dass man eben auch die Wahl hat, beides gut zu machen: Den Job und die Kinder. Wenn man es denn will und die Möglichkeit dazu hat.

      • Amélie Müller sagt:

        Genug Zeit, Interesse und Energie für die Kinder haben, scheint mir tatsächlich das A und O guter Elternschaft. Liebe allein reicht nicht. Es braucht auch Erziehungsarbeit. Dass man dafür immer verfügbar sein muss, gehört ins Buch „Sagen und Mythen der Schweiz im 20. Jahrhundert“.
        Sie müssen sich nicht verteidigen. Ob jetzt Kita oder später die Schule, Kinder werden sowieso einen Teil ihrer Zeit von anderen Personen als ihren Eltern betreut. Eltern haben jedoch die Hauptverantwortung und 20 Jahre Pikettdienst. Es gibt aber keine Formel, die besagt: Je kleiner das Arbeitspensum, desto besser die Eltern.

    • Christoph Bögli sagt:

      @Lorena: Solche plumpen Zeitgeist-Kritiken sind schon alleine darum eher lächerlich, weil da jegliche historische Perspektive fehlt. Denn bis vor wenigen Jahrzehnten war es auch in der Schweiz noch völlig normal, dass – abgesehen vielleicht von einer kleinen Bildungselite – Kinder überhaupt nicht nennenswert gefördert wurden oder frei in ihrem Lebensweg waren. Überhaupt die Chance auf z.B. ein Gymnasium zu haben war für Bauern- und Arbeiterkinder bis in die 80er-Jahre doch vielfach undenkbar und irgendwelche Selbstwirklichung in Tanzkursen sowieso. Im Vergleich dazu sind die Voraussetzungen für die meisten Kinder heute unendlich viel besser. Teils geht es sogar eher ins Gegenteil, dass Eltern heute so besorgt sind, ein mögliches Talent nicht zu fördern, dass die Kinder überfordert werden.

  • Aya Boesch sagt:

    Auch der häusliche Unterricht muss reformiert werden, dieses uralte Recht berücksichtigt bis heute nicht die Kinderrechte: http://www.häuslicherunterricht-austria.at und http://www.homeschooling-austria.at

  • Lola sagt:

    Heute werden soo viele Kinder abgeklärt..das ist doch nicht mehr normal. Der Leistungsdruck ist hoch. So bald ein Kind nicht mehr in die Norm passt gibts Probleme. Oft haben Kinder auch Kopf- oder Bauchweh weil sie gestresst sind o
    der nicht mehr in die Schule wollen. Was läuft da schief? Denke viele Eltern bei deren Kindern es nicht gut läuft in der Schule würden gerne aus div. Gründen an eine Privatschule wechseln. Nur kostet das sehr viel Geld.

    • Sportpapi sagt:

      @Lola. Da dreht sich doch alles wieder im Kreis. Die Schule ist heute individualisiert und achtet die Chancengleichheit hoch, was dazu führt, dass ganz viele Kinder nicht nur „abgeklärt“ werden, sondern ganz gezielt Hilfestellungen erhalten.
      Früher hat man die einfach in die Sonderschule geschickt und mit ihren Problemen alleingelassen.

      • Röschu sagt:

        @Sportpapi
        Diese Diskussion führen wir hier doch alle paar Wochen. Aber nochmals: „Chancengleichheit“ ist letztlich nur ein Euphemismus für „Gleichmacherei“. Und „gleichmachen“ kann nur, wer die Besseren solange benachteiligt bis sie gleich schwach sind wie die (zugegebenerweise etwas verbesserten) Schwächeren.
        Daher: Fördern der „ehemaligen Sonderschüler“ ja, unbedingt sogar! Aber nicht in einer Gruppe mit den Besten, die dadurch ihr volles Potential nicht ausschöpfen können/dürfen.

      • Sportpapi sagt:

        @Röschu: Lola beklagt sich kaum darüber, dass begabte Kinder gebremst werden. Sondern über Abklärungen, Therapie, Druck, dem die schwächeren Schüler ausgesetzt sind. Eben, weil man sie auf ein höheres Niveau bringen will, weil man ihnen die Chance auf Schulbildung, einen anständigen Abschluss, auch eine interessante Lehrstelle gewähren möchte.
        Persönlich bin ich mit der Art und Weise, wie heute integriert wird, auch nicht immer einverstanden, und es ist höchste Zeit, dass wenigstens für die Sek1 dann Leistungsgruppen gebildet werden.
        Andererseits wurde unser jüngste Sohn auch „abgeklärt“ trotz bester Noten. Und als Folge erhält er nun rund 5 Lektionen Begabungsförderung während der Schulzeit. Also zumindest bei uns funktioniert die Förderung auf dieser Seite auch.

  • Lola sagt:

    Heute werden soo viele Kinder abgeklärt..das ist doch nicht mehr normal. Der Leistungsdruck ist hoch. So bald ein Kind nicht mehr in die Norm passt gibts Probleme. Oft haben Kinder auch Kopf- oder Bauchweh weil sie gestresst sind. oder nicht mehr in die Schule wollen. Was läuft da schief? Denke viele Eltern bei deren Kinder es nicht gut läuft in der Schule würden gerne aus div. Gründen an eine Privatschule wechseln. Nur kostet das monatlich meist um die Fr. 2000.-.

  • Diana sagt:

    Heute werden soo viele Kinder abgeklärt..das ist doch nicht mehr normal. Der Leistungsdruck ist hoch. So bald ein Kind nicht mehr in die Norm passt gibts Probleme. Oft haben Kinder auch Kopf- oder Bauchweh weil sie gestresst sind. oder nicht mehr in die Schule wollen. Was läuft da schief? Denke viele Eltern bei deren Kinder es nicht gut läuft in der Schule würden gerne aus div. Gründen an eine Privatschule wechseln. Nur kostet das monatlich meist um die Fr. 2000.-.

  • 13 sagt:

    Ich kann einige Punkte gut nachvollziehen. Aber das Problem vieler Kritiker ist, dass sie ihre eigene Schule vor Augen haben. Warum wird hier ein Beispiel aus den 1930ern erwähnt? Dieses hat mit der heutigen Schule doch nichts zu tun. Nicht einmal die Schulzeit der heutigen Elterngeneration (70/80/90er-Jahre) hat irgendetwas mit der heutigen Schule zu tun. Wenn man also von Reformen spricht, dann sollte man zuerst mal den Status quo richtig ermitteln. Und man wird feststellen, dass vieles im Fluss ist und angepasst wird. Nur heute wenn man die Bund-Startseite öffnet: 3 Front-Artikel zur Schule: 1x zu sozialen Durchmischung an Berner Schulen, 1x über den Tagesschulversuch und das Stadtgespräch zu den Schulen in Bern West. Ein Zufall? Ich denke nicht.

  • Lernort sagt:

    https://www.derlernort.ch/der-lernort/die-idee/

    Das ist schon mal eine sehr schöne Idee. Vielleicht geht diese in die richtige Richtung – lernen im eigenen Tempo und die eigenen Fähigkeiten schulen, dies aber im Rahmen der Volksschule und dem Lehrplan 21.
    (PS. ich habe nichts mit dieser Idee zu tun, bin auch einfach darauf gestossen)

    • Jan Holler sagt:

      Ah, schon wieder steht Gerald Hüther und Richard David Precht dahinter. So machen die das. Ich kenne etliche Webseiten, die so daher kommen.
      Hirnforschung? Gerald Hüther ist kein Hirnforscher, er masst es sich an.
      Man google einmal nach „Bildung: Die Stunde der Propheten“.
      Es sind Scharlatane, Verführer und alles andere als Experten im Bildungswesen.

      • Sportpapi sagt:

        Zudem: Ein Lernort, bei dem es gar keinen Ort gibt…
        Hm – und eigentlich auch gar keinen Autoren dieser schönen Vision…

  • Dominique Becht sagt:

    Ich unterstütze ihre Kritik zu 100%. Unsere Schulen sind nicht schlecht, aber die Normierung der Schüler ist dramatisch. Es werden nützliche ‚Idioten‘ für die Wirtschaft herangebildet, welche die Angst ihrer Eltern davor, etwas radikal zu verändern, verinnerlichen sollen. Damit ändert sich leider nichts….das Rad dreht weiter, für Viele wird die Welt noch kälter und das Klima erwärmt sich trotzdem…

    • Hanna Arpagaus sagt:

      Es wurde noch nie so wenig normiert wie heute. Und die Schul-Entwicklung tendiert zu noch mehr Individualität.

  • Peter Bänziger sagt:

    Ja, es bräuchte einen Bewegung aus der Bevölkerung welche die Macht des demokratischen Obrigkeitsstaates über das Bildungssystem, welcher unübersehbar Fahrt zum totalitären Staat aufgenommen hat, diesem völlig entzieht. Das Bildungswesen bedarf der Freiheit von staatlichen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten und Deformierungen. Der Staat hat ihm nur einen grundrechtlichen Rahmen zu setzen.
    Erziehung zur Freiheit ist das Ziel aller wahren Pädagogik in einer freiheitlichen Demokratie. Zur Freiheit erziehen können aber nur Schulen und Lehrer, die selbst frei sind.

    • Christoph Bögli sagt:

      Interessanterweise haben aber eigentlich fast nur jene Leute ein Problem mit dem Konzept staatlicher Schule, die durch den so geschaffenen Freiraum für ihre Kinder die eigene autoritäre Ideologie untergraben sehen. Die „Freiheit“ ist da meist eher die eigene Freiheit zur Indoktrinierung. Dass private Schulen/Heimunterricht einen besseren Ausweis punkto Pluralität, Toleranz und freiem Denken hätten als die staatliche Schule, bezweifle ich darum.

      Insofern frage ich auch, was Ihre Motive für solche Aussagen hier sind. Immerhin hat die Schule im Laufe der Jahrzehnte ja gerade einige Fortschritte hin zu mehr Liberalität und eigenständigem Denken gemacht. Aber vielleicht stört Sie ja gerade das?

      • Peter Bänziger sagt:

        Unsere Welt gestalten wir von innen nach aussen. Auch wenn uns der Zeitgeist laufend mit dem Gegenteil hypnotisieren möchte, nämlich dass wir in einer Welt leben, die von aussen her unser Innenleben diktiert.
        Pestalozzis Sicht eines Bildungswesens mit «Kopf, Herz und Hand» wäre wegweisend und topmodern. Dieses wäre aber demokratisch verankert und würde von fremdgesteuerten Einflussversuchen geschützt. Dies ist leider nicht der Fall.
        Der Lehrplan 21 z.B. wurde hinter verschlossenen Türen und ohne demokratischen Auftrag erstellt. Die Top-down Einführung in den Kantonen gelang nur mit der üblichen Propaganda und Manipulation.
        z.B. Technik menschengemäss umsetzen. Dazu bräuchte es freie, selber denkende Menschen. Gleichschaltungsanstalten und Erfüllungsgehilfen erreichen das per se nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @Peter Bänziger: Es wurde doch noch nie so viel über einen Lehrplan diskutiert wie über den LP 21? Was ist daran nicht demokratisch legitimiert? Wie hätte man es denn besser machen sollen?
        Und was ist gemeint mit Propaganda und Manipulation? Aufklärung reichte doch in der Regel, da ja viele Kritiker sich gar nie mit dem Lehrplan beschäftigt hatten, und Vorwürfe im Raum standen, die völlig unbegründet waren.
        Nicht dass es nicht viel Grund für Kritik gegeben hätte. Aber so konkret wurde es ja selten.

      • Peter Bänziger sagt:

        @Sportpapi
        Höchst interessant diese beiden Fragen – ein breiter politischer Diskurs darüber wäre wichtig.
        a) Lehrplan 21: Klären Sie doch bitte selber wer diesen hinter verschlossenen Türen ausgearbeitet hat und ob dazu die innenpolitischen Diskussionen stattfanden damit dieser bottom-up unter Wahrung von Föderalismus und Subsidiarität hat entstehen können. Mir ist zumindest eine Lehrperson bekannt, welche darüber mit einem Buch Transparenz geschaffen hat.
        b) Propaganda und Manipulation. Wissen Sie weshalb betreffend Laufental die Abstimmungsbeschwerde beim Bundesgericht erfolgreich war? Das Buch Propaganda von Edward Bernays werden Sie kennen. Damit ist ihnen bewusst wie PR-Experten der Verwaltung mittlerweile Art. 34 Abs. 2 der Bundesverfassung zu Makulator haben verkommen lassen.

      • Jan Holler sagt:

        Bänziger: Der LP21 wurde sehr breit erarbeitet, inkl. Konsultationen und Vernehmlassungen in den Kantonen. Es wurden vorher auch Vernehmlassungen zu den Grundlagen des LP21 gemacht. Was Sie hier einfach frei in den Raum stellen und was Sie unterstellen, entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Suchen Sie doch einmal nach ‚Lehrplan 21 Vernehmlassungen‘. Das reicht als Antwort auf Ihre Fragen schon. Der politische Prozess in der Schweiz sollte wenigstens etwas bekannt sein. Sie hätten sich auch daran beteiligen können. Aber eben, das bedeutet sehr viel Arbeit und es bedarf einiger Kenntnisse des Schulwesens.

      • Peter Bänziger sagt:

        Falsch Holliger: LP21 wurde 2006 beschlossen, 2012/2013 den Medien und der Öffentlichkeit vorgestellt und 2014 nach dreimonatiger Konsultationsfrist von der EDK erlassen. Die Rechtfertigung dieses eigenmächtigen Vorgehens erfolgte mit einer Scheinbegründung (Vereinheitlichung von …). Die Kompetenz- und die Onlineorientierung sind jedoch der massive Unterschied zu bisherigen LP welche zudem, im Gegensatz zum LP21, in kantonaler Bildungshoheit erstellt wurden. Ein demokratischer Auftrag für den LP21 gab es nicht!
        Zum Inhalt des LP21 habe ich mich nicht geäussert. Nachdem ich ihn vor ca. einem Jahr in einer Diskussion gehört habe wäre dies vermutlich weitgehend im Sinne von Prof. Dr. Gerhard Steiner. Siehe z.B. sein Gastbeitrag «Im Würgegriff des LP21» in lvbinform 2015/16-02, Seiten 36-43.

      • Peter Bänziger sagt:

        Ich gebe noch einen drauf. Die ab den 1990 eingeführte «Schulreform» Aktivitäten müssen gestoppt werden. So undemokratische Äusserungen wie vom ZH-Kantonsrat der das verdeckte Vorgehen bei der Einführung solcher «Schulreformen» lobte und fand, dass Veränderungen im Schulsystem nur schleichend und in Guerillataktik erfolgen sollen (NZZ über Kantonsratsdebatte im1992) sind nicht mehr zeitgemäss
        In der Schweiz braucht es dringend eine breite ehrliche Diskussion über die Kernaufgaben der Volksschule. Mutige Bürgerinnen und Bürger müssen diesen Prozess anführen. Wichtig ist, dass dieser Veränderungsprozess von allen Stakeholdern gemeinsam ausgeführt wird, also von Eltern, Lehrpersonen, Bürgerinnen und Bürgern und Personen in Wissenschaft, Behörde und Politik.

      • Sportpapi sagt:

        @Peter Bänziger: Ich verstehe kaum ein Wort.
        Meiner Meinung nach ist die Lehrplanentwicklung von A-Z korrekt abgelaufen, und wer Bescheid wissen wollte, konnte. Es gab Konsultationen und Vernehmlassungen. Aber letztlich sind es natürlich Experten, die einen solchen Plan erstellen.
        Und die kantonale Bildungshoheit wurde gewahrt (leider, möchte man fast sagen), in dem jeder Kanton für sich entscheiden konnte, ob, wann und in welcher Form der LP eingeführt wird – es gab ja sogar Abstimmungen dazu.
        Auf der anderen Seite gibt es einen demokratischen Auftrag der Bildungsharmonisierung.
        Wollen Sie wirklich über Kompetenzorientierung oder letztlich einzelne Lehrmittel die Bevölkerung abstimmen lassen? Und die Experten sollen schweigen, damit sie nicht „manipulieren“?

      • Peter Bänziger sagt:

        @Sportpapi
        Veränderungen durch die «Schulreformitis» inkl. LP21 waren nur mit den erwähnten verdeckten Veränderungen in Guerillataktik möglich (Worte des ZH-Kantonsrates). Dagegen geht Volksbildung à la Pestalozzi nur mit dem Volk.
        Nein, die Bildungsharmonisierung ist eine Scheinbegründung. In Wirklichkeit war dieser Auftrag (Vereinheitlichung von …) schon vor Einführung des LP21 erfüllt. Dieser ist ein behördlich in die Welt gesetztes Dokument. So ein BE-Pädagogikprofessor.
        Es braucht keine Revolution. Die bewährten Lehrmittel und LP sind alle noch vorhanden und können leicht überarbeitet und angepasst werden. In Übungsschulen sollen junge Lehrerpersonen lernen den Stoff mit diesen erprobten Lehrmitteln zu strukturieren und einen erfolgreichen Klassenunterricht zu gestalten

      • Peter Bänziger sagt:

        @Sportpapi
        Für diese Veränderung zum guten braucht es mutige Bildungspolitiker, die Fehlentwicklungen ansprechen um diese lösen zu können, weil Kritik an den «Schulreformen» karriereschädlich sein kann.
        Für Politiker ist dafür eine breite Unterstützung durch die Bevölkerung wichtig. Deshalb schrieb ich auch, dass mutige Bürgerinnen und Bürger diesen Prozess anführen müssen.
        Es sind auch Anzeigen oder Klagen gegen rechtswidrige Praktiken (Sexualisierung der Schule, Ausschalten des Volkes durch Bildungsdirektoren) ins Auge zu fassen.
        Wie ich schon erwähnte, kann keine der Gruppen (Eltern, Lehrpersonen, Bürgerinnen und Bürgern und Personen in Wissenschaft, Behörde und Politik) den dringend notwendigen Veränderungsprozess alleine bewirken. Voraus gehen müssen mutige Bürgerinnen und Bürger

  • Natalie sagt:

    Vielleicht sollte man die Schule – die für die Mehrzahl der Kinder in Ordnung ist – auch einfach mal in Ruhe lassen. Die meisten Reformen haben nicht gebracht, was sie sollten. Wir orientieren uns schon heute sehr stark an den auffälligen, den störenden und den lauten Kindern. So, dass für all die ruhigen die Zeit fehlt. Die werden dann ans Gymi abgeschoben und deren Eltern noch beschimpft, dass dies nur mit teuren Privatkursen geht – dass diese ruhigen Kinder aber 8 Jahre meist Rücksicht auf die Anderen genommen haben, wird vergessen.
    Vielleicht sollten die Eltern der lauten und auffälligen Kinder ja genau dasselbe tun: daheim schauen, was dem Kind gut tut, sei es der Tanzkurs oder Judo, oder mehr raus gehen oder weniger Streit unter den Eltern. Und das dann selber in den Griff bekommen.

    • Toni sagt:

      Voellig Ihrer Meinung. Und: wer sagt eigentlich, dass die lauten und auffaelligen Kinder zwingend „brillante, kreative Kinder“ sind? Schwingt da nicht Wunschdenken der Autorin mit?

  • Sportpapi sagt:

    Normalerweise wird bei solchen Texten neben der Kritik an der Volksschule wenigstens konkret beschrieben, wie denn eine solche alternative Schule aussehen soll. Hier aber beschränkt sich dies auf ein paar wenige Glaubenssätze.
    Tatsächlich ist die Schule ja in vielen der geforderten Themen auf dem Weg, für viele sogar längst zu weit gegangen. Klar ist, dass Diversität und Heterogenität die Schulen fordern bis überfordern, dass der individualisierte Unterricht längst an Grenzen stösst, und die Schulen ihre grossen Reformen nur noch mit ganz vielen Notpflästerlis über Wasser halten können (mehr Hilfspersonal, mehr Kosten).
    Und klar ist auch, dass heute eher endlich mehr Mathe, und nicht mehr tanzen verlangt wird.

  • tststs sagt:

    „Wir können eine Grassroots-Bewegung starten.“
    Wieso? Also im Sinne von: Wo liegt die Notwendigkeit?
    Denn es ist so: „Es gibt Schulen und Schulen. Es gibt Lehrpersonen und Lehrpersonen. “ Es gibt aber eben auch Eltern und Eltern. Wenn Eltern jede Note ü5 mit einem Schoggistängeli belohnen und jede Note <4 Grund für Förderkurse ist, wenn Nachhilfe schon vor dem Schuljahr fix geplant wird, wenn Gymi ein gefühltes Müssen ist, wenn Zeugnisse mehr als 3 Minuten Aufmerksamkeit verbrauchen, wenn der Schulthek immer schön aufgeräumt am Vorabend parat ist, wenn gecoacht und nicht begleitet wird, wenn den Verwandten stolz vom blanken 6er in Mathe (hey, er ist ja ein Bub) und ohne Ambitionen vom 2er in Mathe (hey, sie ist ja ein Mädchen) erzählt wird, ja dann… dann liegt es an der Schule!

    • 13 sagt:

      Das sind aber wieder mal so ein blindes Vertrauen von Lehrpersonen in andere Lehrpersonen und je nach eigener Lebensanschauen liegt die Wurzel allen Übels bei den Kindern oder den Eltern. Nun, ganz so schwarz-weiss ist das kaum. Auf beiden Seiten nicht. Wenn ein Kind der Mittelstufe heimkommt und schlicht nicht weiss, was es lernen muss oder was denn die HA sind. Dieses Kind dann bei Klassenkamerad*innen nachfragt und niemand es genau sagen kann. Wenn einmal mehr die Mille Feuilles App auf die Fichier-App verweist, diese Wörter aber dort nicht zu finden sind und die Bildungspolitik nun in teuren Studien feststellt, dass das Lehrmittel nichts taugt, was wohl die meisten Eltern schon wissen. Ja, dann liegt es eben kaum nur an den Eltern (oder Kindern).

      • tststs sagt:

        Genau DAS mein ich, 13.
        Jetzt stellen wir uns genau diese Situation vor: Kind kommt nach desinformiert, ja gar verwirrt, nach Hause.
        Man kann jetzt zum grossen Rundumschlag ausholen, auf die Schule, den Lehrer, das Schulmaterial und alles andere mögliche schimpfen, Gaggi-App, Kack-Organisation und dann mein armesarmes Kind, dass damit zurecht kommen muss.
        Oder man zuckt mit den Schultern, Jänu, und lernt das Kind eine gewisse Nonchalance im Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens.
        Fragen Sie sich mal, wenn sich Kinder bei ungenügenden Noten schlecht fühlen, wem gegenüber gilt das schlechte Gewissen: sich selber gegenüber, dem Lehrer oder den Eltern. (Natürlich ist es eine Mischung aus allem, aber am ehesten giftig ist IMHO der Druck der Eltern)

      • tststs sagt:

        Oder anders gesagt: Ja, die Wurzel liegt im Elternhaus.
        Ich kann sämtliche pädagogischen-didaktischen Register ziehen, wenn zuhause ein schlechtes Bild von der Schule gezeichnet wird, komme ich kaum dagegen an!

      • sonic sagt:

        hm tststs also sie sehen das natürlich schon auch ein bisschen einseitig. Gewiss haben sie recht mit dern Einstellung der Eltern, aber alles hat seine Grenzen. Ich habe mich bei meinem einen Kind nun fünf Jahre lang strikt daran gehalten, nichts Schlechtes über die Schule zu sagen und die Entscheidungen und Methoden der Lehrerinnen mitzutragen. Aber wenn in einem halben Jahr 6(!) mal die Klassenlehrerin wechselt und mein Kind von Tag zu Tag in sich zusammenfällt, jeden Tag aus Enttäuschung weinend aus der Schule kommt, dann läuft es nicht zu Hause schief, sondern in der Schule. Ich weiss, das ist ein Extrembeispiel, mein anderes Kind hat keine negativen Erfahrungen dieser Art gemacht, aber irgendwann gehen einem die aufmunternden Worte aus..

      • 13 sagt:

        @ tststs
        Ich weiss ja nicht, was Sie mit „genau das“ meinen, aber ich sage es gerne nochmals, dass es eben NICHT nur das Elternhaus ist. Oder anders, man kann als Elternteil super positiv gegenüber der Schule aufgestellt sein und diese kann es trotzdem völlig vermasseln, den Kindern eine gute Bildung oder gar Motivation mitzugeben. Aber zu nur ein bisschen Reflexion sind leider manche Lehrpersonen nicht bereit. es ist natürlich einfacher zu sagen: „Die Eltern sind schuld“. Wenn es jedoch 20, 40, 60 Kinder betrifft, dann sollte man doch einfach schon mal den gesunden Menschenverstand einschalten und merken, dass es wohl eher an einer Person (Lehrperson) liegen wird als an 120 Elternteilen….

      • 13 sagt:

        Und verzeihen Sie mir, aber über solche Aussagen kann ich echt nur lachen:
        „Oder man zuckt mit den Schultern, Jänu, und lernt das Kind eine gewisse Nonchalance im Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens.“
        So sehr ich oftmals Ihre Inputs schätze, so merkt man eben bei solchen Aussagen, dass Sie keine Kinder haben, sondern nur Lehrperson/Gotti/Freundin sind und dass Elternsein und Erfahrung mit Kindern nicht das Gleiche ist. Die Frustration der Kinder bekommen diese halt schlicht nicht direkt mit. Bei wievielen Kindern würde die LP sagen, bei denen läuft alles rund und wenn man mit den Eltern spricht, dann erfährt man von täglichen Tränen.

      • tststs sagt:

        @sonic: Habe meinen Kommentar nochmals durchgelesen und dieses Jänu-Schulterzucken kommt sicherlich falsch rüber.
        Ich mein damit ja nicht, dass man das Kind, das Problem, die Situation nicht Ernst nehmen soll, dass man Schwierigkeiten hinnehmen soll.
        Nehmen Sie (also nicht SIE, wir alle meine ich natürlich) das Kind und seinen Weinen ernst, helfen Sie ihm bei der Frustbewältigung. Aber die Bewältigung kann so ausfallen, dass das Kind auch zur siebten Lehrperson noch gerne geht, oder eben gar nicht mehr.
        Oft ist es doch so, sobald Kinder den Frust/Ärger/Traurigkeit rausgelassen haben, ist es meist wieder gut! Und hier kann man ansetzen; man kann nun dieses negative Gefühl bewirtschaften, bis das Kind eine negative Grundeinstellung zur Schule hat, oder man nimmt es dann hin.

      • tststs sagt:

        Oder anders gesagt: diese frustierenden Situationen sind nicht eine Eigenheit der Schule, es ist das Leben.

        Und – das muss man als Lehrer als auch als Eltern einfach eingestehen – bereits Kinder nehmen verschiedene Rollen an: Sie verhalten sich in der Schule manchmal ganz anders als zuhause. Z.B. Sonics Beispiel (Achtung : Unterstellung): Ich gehe mal davon aus, dass das Kind in der Schule gar nicht oder nicht so oft weinte wie zuhause. Das heisst, in der Schule/Öffentlichkeit hat es eine andere Bewältigungsstrategie angewendet als zuhause. Aber jetzt schweife ich ab… 😉

      • 13 sagt:

        @ tststs
        Oh Mann, Sie lassen ja echt nichts aus. Ja, die Kinder haben in der Schule Bewältigungsstrategien m, sich zusammenreissen, schweigen, aufschieben. Der Eklat führt dann zu Hause im sicheren Hafen. Ich dachte wirklich, das sei inzwischen allgemein bekannt. Und da die Kinder einem grossen Teil ihres Lebens in der Schule verbringen, ist eben auch nicht genug zu sagen: das ist das Leben, nicht die Schule. Aber ja, damit kann man sich natürlich jeglicher Verantwortung entziehen. Es bestätigt leider klar die gängigen Vorurteile.

  • Christoph Bögli sagt:

    Die Anekdote mag sich ja gut anhören, ist aber eben nur genau das: eine vermutlich im Rückblick völlig überzeichnete Anekdote eines speziellen Einzelfalls. Es wäre darum ziemlich naiv bis gefährlich, deswegen hinter jedem schlechten Schüler gleich das nächste Tanz- oder Musik-Genie des Jahrhunderts zu vermuten.
    Allerdings tun das heute die meisten Eltern bereits (meist unabhängig davon ob das Kind gut/schlecht in etwas ist), weshalb m.E. der Beitrag erst recht ins Leere zielt. Denn 1. schliessen sich ja reguläre Schule und andere Aktivitäten wie Tanzen keineswegs aus 2. werden viele Kinder heute eher über-gefördert als unterfordert 3. wurde die Schule in den letzten 100 Jahren doch ein wenig toleranter und freier, z.T. sogar zu frei (siehe z.B. missglückte Schreib-Lernmethoden).

    • Edi sagt:

      ebenfalls wird von den Lehrern aus, bei jedem schlechten Schüler (oder auch nur schon wenn er den Auftrag mal nicht ausführt) ADHS, Asperger oder sonstiges vermutet. Heute wird mind. die Hälfte einer Schulklasse abgeklärt, wobei 2-3 vielleicht tatsächlich eine Diagnose bekommen. Auch begabte werden zuerst abgeklärt. Eltern sind vielleicht subjektiv, aber Lehrer können auch sehr wohl danebengreifen, oder null Menschenverständnis haben. Druck kommt sehr oft aus der Schule, denn bei einer ungenügenden Note (Primarschule) kommt zuerst die Keule abklären, falls keine Diagnose, sitzenbleiben.

  • Frank sagt:

    Die grosse Mehrheit der Kinder die Ritalin und andere Medis wegen ADHS etc verschrieben bekommen, sind Knaben. Dies zur Präzisierung.

    Ich würde mir ja wünschen, dass wir eine Volksschule erhalten, wo nicht angepasste Kinder nicht einfach mit Medis ruhiggestellt werden. Leider aber sieht das die Mehrheit des Lehrkörpers und der Politik nicht so. Im Gegenteil: Man verlangt von den Kindern (Knaben), dass sie gefälligst so seien und sich so benehmen wie die Mehrheit der Mädchen. Zeitgeist, Feminismus.

    So bleiben aktuell als Alternativen bloss Privatschulen.

    • Ben Steiner sagt:

      Der „Vorteil“ der Privatschulen liegt im Publikum, welche einen ähnlichen gesellschaftlichen Hintergrund haben. Das führt aber leider dazu, dass sich dann auch nur diese Kaste an den Hochschulen wiederfindet. Somit studieren dann eben nicht die talentiertesten und gescheitesten, sondern diejenigen, welche richtig darauf gedrillt wurden. Ich sähe gerne, wenn die Schulen endlich modular und nach Leistungslevels aufgestellt würden, sodass Kinder gemäss ihrem Tempo und altersunabhängig vorankommen. Gleichzeitig wäre es toll, wenn man schon Lehrpläne macht, dass man sich dann auch daran messen liesse und die Eltern nicht im Ungewissen lässt, ob die Lernziele überhaupt erfüllt werden und was die jeweilige Zeugnisnote im kantonalen Vergleich auch wirklich wert ist.

    • Heidi Hermann sagt:

      „Die grosse Mehrheit der Kinder die Ritalin und andere Medis wegen ADHS etc verschrieben bekommen, sind Knaben“ Ganz einfach weil mehr Knaben betroffen sind. Es gibt nicht wenige Krankheiten, die sich nicht gleich auf die Geschlechter verteilen. Das geht von Herzinfarkt über Osteoporose bis Schizophrenie. „Ich würde mir ja wünschen, dass wir eine Volksschule erhalten, wo nicht angepasste Kinder nicht einfach mit Medis ruhiggestellt werden.“ Der grösste Teil der Kinder bekommt die Medis nicht weil sie von der Schule zum Arzt geschickt werden, sondern von den Eltern. Und ob dann nach Abklärung bei Arzt Medikamente eingesetzt werden ist gleich auch noch in der Verantwortung der Eltern. Ziemlich einfach, für alles Negative der Schule die Verantwortung zu zu schieben.

      • Lehrerin sagt:

        @Heidi Hermann
        Haben Sie sich auch mal überlegt, warum die Eltern die Kinder zum Arzt schicken bzw. ihnen Ritalin verabreichen??? Weil manche Lehrpersonen damit nicht klarkommen, wenn Kinder nicht angepasst sind. Einige Lehrer sind meines erachtens am falschen Platz!!! Auch wird Ritalin verabreicht damit das Kind nicht mehr gemobbt wird weil es anders ist. Ich möchte keinesfalls die Lehrer in den Dreck ziehen-ich unterrichte selbst an einer Schule- aber ich finde, dass Lehrer in diesem Falle Unterstützung bräuchten von einer Klassenassistenz oder einer Heilpädagogin, welche integrativ arbeitet. Damit könnte jedem geholfen werden. Die Lehrer können den Unterricht normal weiterführen und die Kinder werden nicht unter Drogen gesetzt! Leider werden die finanziellen Mittel dafür gespart

  • Stefan Moser sagt:

    Ein wunderschönes Beispiel. Ich will aber auch eine Lanze für die Volksschule brechen, die, nebst all den Anforderungen von uns Eltern auch enorm viele sehr unterschiedliche Kinder unterrichten muss. Und das ist gut so. Denn wo, wenn nicht in der Volksschule, sollen wir lernen, als diverse Gesellschaft zu funktionieren? Und Ja, ich finde auch, Kinder bewegen sich viel zu wenig (meine Frau findet, sie haben zu wenig kreative Fächer). Ich fordere kein radikales Umdenken sondern mehr Freiraum für Lehrerinnen und Lehrer, den Kindern auch als Individuen begegnen zu können. Die allermeisten machen ihren Job nämlich gut!

  • Nina sagt:

    Wir leben in dem Land mit einer der besten öffentlichen Schulen. Kreativität sollte man zuhause fördern. Das zum Thema. Das andere: man benutzt das Wort Gleichschaltung nicht. In Deutschland würde das alleine eine Debatte auslösen. Eine Nachrichtensprecherin musste deshalb den Job verlassen. Ellen Girod sollte das eigentlich wissen.

    • Jon Caduff sagt:

      Sie benutzt auch die Formulierung „bevor ADHS erfunden worden ist“, anstelle von „bevor ADHS entdeckt worden ist“. Ich vermute, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Von daher würde ich der Frau Girod diesen sprachlichen Ausrutscher verzeihen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wie schon oben bemerkt, Störungen und Krankheiten werden entdeckt, die Diagnose dazu erfunden. Der Halbsatz „bevor ADHS erfunden worden ist“ ist sprachlich wie medizinisch korrekt.

    • Ellen Girod sagt:

      Liebe Nina,

      den Titel, die Zwischentitel und den Lead (Vorspann) schreibt jeweils die Redaktion.

      Herzlich,
      Ellen

      • Nina sagt:

        Liebe Ellen, Vielen Dank. Dann kann man allerdings intervenieren. Man ist schliesslich ein freier denkender Mensch. Wenn Sie schon einen solchen Blog schreiben, dann sollte man auch gleich vor der Haustüre kehren können. Sorry.

  • Jon Caduff sagt:

    „Und obwohl wir die Industrialisierung schon längst hinter uns haben, wird Mathematik nach wie vor höher gewichtet als Tanzen.“.
    Leider geht aus dem Artikel nicht hervor, was sich die Autorin unter einer „radikal anderen“ Schule vorstellt. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass Singen, Zeichnen und Werken mit zu meinen schlimmsten Schulerfahrungen gehören, und es mein Glück war, dass wenigstens deren Benotung keinerlei Relevanz besass. Glücklicherweise fielen dann im Gymnasium zuerst das Werken, später dann auch Musik weg. Den Zeichenunterricht musste ich leider bis zum Ende besuchen.

  • Yannik sagt:

    „Wir können eine Grassroots-Bewegung starten. Will heissen: Eine gesellschaftliche Initiative, die aus der Bevölkerung entsteht.“

    Unbeding! Als Lehrer freue ich mich jetzt schon auf hundert verzettelte Bewegungen: Die einen fordern mehr Technik im Unterricht, die anderen das Verbot von Bildschirmen; weitere wollen geschlechtergetrennten, vierte geschlechtsneutralen Unterricht. Und der gemeinsame Nenner ist, dass jede Familie ein Kind hat, das „einzigartig“ ist und das man eben so nehmen muss, wie es ist!

    Mein Tipp: Im Jahre 2079 werden die Schweizer unter „ferner liefen“ rangieren, alle sind kreativ und divers, aber wurden schon lange von den fleissigen Chinesen abgehängt.

    • Sportpapi sagt:

      @Yannik: Sehr richtig. Einig wird man sich bestenfalls bei der Kritik an der bestehenden Schule, nicht aber bei den Forderungen. Und wie Jan Holler unten schreibt, tönen die Predigten dieser Schulkritiker immer so gut (Largo ist übrigens noch vergessen gegangen), den Nachweis von besseren Schulen, die nicht nur experimentell mit einer ganz speziellen, ausgesuchten Kinderschar funktionieren, sondern flächendeckend, sind sie ja grösstenteils schuldig geblieben.

    • Röschu sagt:

      „Und der gemeinsame Nenner ist, dass jede Familie ein Kind hat, das „einzigartig“ ist und das man eben so nehmen muss, wie es ist!“
      Nun ja, jedes Kind IST einzigartig und sollte daher nicht in ein fix vorgeschriebenes Schema gepresst werden.
      Wenn Sie als Lehrer dies verneinen, haben Sie mMn klar den Beruf verfehlt.

    • Martin Frey sagt:

      Gelungener Kommentar. 🙂
      Viel mehr als Sarkasmus bleibt wohl einem auch nicht übrig.
      In der Tat wird man immer etwas misstrauisch, bei derart einfachen Rezepten ohne viel Inhalt, die sich ziemlich unkritisch an irgendwelchen Gurus anlehnen.
      Die Bildung unserer Kinder ist etwas zu wichtig für solche Experimente, meine ich.

  • Jan Holler sagt:

    Ah, nun auch der Mamablog. Die selbsternannten Schulexperten ohne Expertise wissen alles besser. Das Umfeld ist bekannt, Gerald Hüther – der Nichthirnforscher, Jasper Juul, RIchard David Precht und eben auch Ken Robinson usw. Die Bildungsprediger, die auf unsere Schule herabschauen, sie als schlecht bezeichnen. Sie wissen alles besser, haben aber keine Erfahrung in der Schule, sie kennen keine empirischen Werte. – Sie sind gefährlich, untergraben das Vertrauen in unsere Schule. Sie beleidigen die Lehrer, das ganze Schulsystem. – In sanften Worten, als gutmütige Opas. Dahinter steckt ein knallhartes Geschäft. „Radikale Schulreformen“? Es sind nur Experimente mit unsicherem Ausgang mit unseren Kindern.

    • tststs sagt:

      Vor allem bedanke man, wer u.a. ihnen dieses kritische Denken beigebracht hat 😉

    • Frank sagt:

      Jan Holler, so unsicher ist der Ausgang der Schulbildung nicht. Sicher kein Experiment. Wir können schon bei Beginn der ersten Klasse sagen, dass erheblich weniger Knaben als Mädchen die Matur oder universitäre Bildung schaffen werden. Dasselbe können wir je nach Steuerkraft des Schulorts auch voraussagen: Zürich Seebach ist nicht Zürich Fluntern. Auch in der Schulbildung nicht. Da sind ein paar Konstanten, die wir seit ca 20 Jahren in die Schulbildung eingeführt haben. Das sind Facts, die können sie auch mit Beleidigungen gegenüber weissen alten Männern („Opas“) nicht wegleugnen.

      • Amélie Müller sagt:

        Sie haben die soziale Herkunft vergessen. Eigentlich kann man die Voraussage schon wagen, wenn die Eltern mit dem Neugeborenen die Klinik verlassen.

      • Frank sagt:

        @Müller, korrekt. Stichwort Akademikereltern. 90-95% aller Studierenden haben Eltern mit akademischer Bildung. Leider stösst man mit diesem Argument auf breites Unverständnis. Die angesprochenen Akademiker entgegnen dann jeweils vollen Ernstes, dass sie halt intelligenter seien…

    • Muttis Liebling sagt:

      @Jan Holler

      Es bringt nicht viel, sich auf Personen zu kaprizieren. Gerald Hüther war ein passabler Neurobiologe, bis er auf die Idee kam, die auf Psychologie anzuwenden. Wenn dann Buchtitel wie ‚Neurobiologie des Glücks‘ entstehen, von einem seiner Schüler, sind wir im Reich der Esoterik. Hüther hat den geeigneten Zeitpunkt des Aufhörens verpasst.

      Precht ist ein hervorragender Schriftsteller, aber kein Philosoph und kein Deuter der Gegenwart. Mit allen gegenwärtigen Einschätzungen liegt er immer daneben. Aber er bringt Philosophie nah und das ist ja was.

      Beide Herren sind nicht für Aussagen über Bildung, Pädagogik, Psychologie prädestiniert und dabei sollte man es belassen.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Die Schule muss sich tatsächlich ändern. Denn Frontalunterricht bringt immer weniger, weil das Wissen explodiert. Was heute gültig ist, ist morgen bereits veraltet. Selbstverständlich muss die Schule weiterhin Grundfähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen sicherstellen. Doch danach geht es nur noch um die 4K: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität, Kritisches Denken.
    Das Wissen stammt aus Fachbüchern und Internet, ist also längst vorhanden. Extra Lehrmittel braucht es nicht, wenn die Schüler die 4K beherrschen. Sie können jedes Thema erörtern, analysieren und das gewonnene Wissen in Erkenntnisse umsetzen. Heute vermitteln die Schulen vor allem Wissen. Den Weg zur Erkenntnis, ist jedoch jedem Schüler überlassen. Das muss sich ändern.

    • Sportpapi sagt:

      @Rolf Rothacher: Ihre Erkenntnisse über die „Schule heute“ besteht offenbar noch aus eigener Erfahrung vor Jahrzehnten.
      Heute ist es eher so, dass der verpöhnte und verbannte Frontalunterricht unter anderem Namen von Lernforschern wie etwa Elsbeth Stern wieder als geeignete Methode vorgestellt wird.
      Und man weiss längst, dass es ohne Wissen im Kopf, statt auf google auch nicht geht.

    • Heidi Hermann sagt:

      Ich glaube, Sie waren schon lange nicht mehr in einer Schule. Was Sie da kritisieren ist in Schweizer Schulen längst umgesetzt.

    • Reiner Ulrich sagt:

      Ein wunderbarer Artikel, der das Dilemma der heutigen Schulen sehr schön zusammenfasst. Meine persönlichen Höhepunkte im Schulsystem waren vor allem mit Lehrpersonen und Mitschülern verknüpft, die echte Vorbilder sein konnten – nicht in allen Bereichen aber wenigstens immer wieder punktuell. Inhalte waren dabei nebensächlich, das meiste davon habe ich eh vergessen. Mathematik ist wichtig, aber Kreativität in der Anwendung noch viel viel mehr. Leider hat es im industrialisierten, reglementierten Schulsystem dafür sehr wenig Raum und die Lehrpersonen dafür viel zu wenig Kapazität. Das musste ich bei meinen Kindern wieder mit erleben – es ist eher noch viel schlimmer geworden.

    • Hans Hasler sagt:

      Ohne Wissen und dem damit verbundenen Büffeln ist kritisches Denken gar nicht möglich. Ohne Wissen kann man keine nützlichen Fragen stellen, kann man gesagtes nicht einordnen und ist am Schluss einfach an Sympatie/Antipatie für einen Youtuber und seine Behauptungen gebunden.
      Ich halte die Meinung, dass Wissen unnötig sein soll, weil es ja im Internet schon vorhanden ist extrem gefährlich. Niemand recherchiert zuerst über Wochen bevor er sich eine Meinung bildet.

  • Martin Frey sagt:

    Ich glaube nicht nur, dass sich unsere Schulen von den britischen unterscheiden, sondern auch von denen der 30er Jahre. Ohne irgendwie Bildungsexperte zu sein, ist es in meinen Augen doch eher so, dass unsere Volksschule in den letzten Jahrzehnten zu Tode reformiert wurde, was immer das Risiko mit sich bringt, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Denn gewisse Basics werden auch in 100 Jahren noch relevant sein. Dazu gehört sicherlich Mathematik, welches nicht nur für unzählige Digitalisierungsberufe die Grundlage darstellen wird, sondern auch ganz allgemein einer Denkschule gleichkommt. Ob man das Fach mag oder nicht, aber auch ein Billy Elliot kommt nicht ganz ohne aus. Ganz viele Leute kommen jedoch ohne Tanzen aus.

    • Jan Holler sagt:

      Die Schule wurde nicht zu Tode reformiert. Das ist eine beliebte Phrase, die nur durch ihre dauernde Wiederholung als wahr angenommen wird. Aber es steckt nicht viel dahinter. Vor dem Lehrplan 21 gab es den Lehrplan 95. Da sind mehr als 25 Jahre dazwischen. Und wer sich beide Lehrpläne anschaut, der stellt fest, dass sie sich gar nicht sehr unterscheiden. Aber wir brauchen aber einen Lehrplan, eine Strategie für die Schule.
      Bernhard Pulver, ehemaliger Vorsteher des Erziehungsdepartements BE, hat es auf den Punkt gebracht: 80% hängt von dem Lehrer, der Lehrerin ab, der Rest vom Lehrplan.
      Die Pädagogischen Hochschulen bilden heute ganz anders Lehrer aus, als die Seminare früher. Und man merkt es auch im Unterricht.
      Ich schätze die Volksschule sehr, erkenne den Einsatz. Gut so!

    • Reto Pusterla sagt:

      Genau – und solange dieselbe „Grassroots“-Bewegung nicht im gleichen Aufwisch auch das gesamte Wirtschaftssystem ändert, damit alle Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend problemlos ein Plätzchen finden, wird bestenfalls die Reformitis an den Schulen weitergehen und die Kinder werden es noch schwerer haben, Fuss im Arbeitsleben zu fassen.

    • Muttis Liebling sagt:

      ‚Denn gewisse Basics werden auch in 100 Jahren noch relevant sein.

      Auch in unendlichen Zeiten noch. Man wird nie Menschen bilden können, ohne denen die Muttersprache, Rechnen, den Satz des Pythagoras oder die Photosynthese beizubringen. Die Schweiz hat mit Jean Piaget und CG Jung zwei schulenbildende Wissenschaftler, die gezeigt haben, dass die individuelle psychische Entwicklung die gesellschaftliche nachempfindet.

      Mathematik, Physik, Geschichte lehrt und lernt man historisch. Daran ändert sich auch langfristig nichts. Es gibt z.B. keinen Grund, separat Informatik zu lehren, statt im Mathematikunterricht die Grundlagen derer zu thematisieren.

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