«And the Bobby-Car goes to …»

So ein Familienleben ist aufregender als mancher Hollywoodstreifen. Zwischen Golden Globes und Oscars prämiert unser Autor die besten Szenen des vergangenen Jahres.

Mit der Familie kann die Fahrt in die Ferien schnell zum filmreifen Abenteuer werden. Foto: iStock

Jedes Leben ist auf seine Art filmreif, wenn man so will. Als stolzer Mitbesitzer zweier Kinder bin ich, was deren Aufwachsen betrifft, gewissermassen Protagonist und Zuschauer zugleich. Vielleicht sogar ein bisschen Drehbuchautor und Regisseur, meine ich zumindest. Wenn sich die Kleine genüsslich mitten in die ausgeschüttete Corn-Flakes-Packung setzt, läuft eine Komödie. Ein Drama ist es, wenn Junior beim Skaten einen halben Zahn abschreiben muss. Gute Zeiten, schlechte Zeiten, aber auf alle Fälle grosses Kino – zumindest in der Retrospektive.

Weil Anfang Jahr traditionsgemäss erst die Golden Globes, dann die Oscars verliehen werden, lanciere ich hiermit meine eigenen Awards. Den Bobby-Car und den Ninjago in verschiedenen Kategorien – für die Kleine und für den Junior. Sie fragen sich schon jetzt, was genau Sie mit meinen persönlichen 2019er-Highlights anfangen sollen? Entspannen Sie sich, und lesen Sie weiter. Film ab.

Kategorie: «Fieseste Scheitel»
Dieser Bobby-Car geht an die Kleine. Die Härchen wollten lange nicht wirklich spriessen. Erst resultierte ein dünnes, Vokuhila-artiges Frisürchen mit blonden Federn. Wir nannten sie Matula. Gegen Ende des Jahres ist die Matte dichter geworden und erinnert nun eher an Günter Netzer zu seinen besten Zeiten.

Kategorie: «Pisten-Pirmin»
Junior ist auf zwei Latten schon ordentlich dynamisch unterwegs. Die Zurbriggen’sche Hocke sitzt jedenfalls. Mein väterlicher Wunsch wäre es, die Schussfahrten zwischendurch mit einem «Bögli» zu unterbrechen, aber am Vongrünigen’schen Feingefühl arbeiten wir noch. Einen Ninjago für den Abfahrer.

Kategorie: «Best Joke»
Einen Bobby-Car für unseren inzwischen zweieinhalbjährigen Speckzwerg. Ich naserümpfend zur Kleinen: «Hesch es Gageli gmacht?» Die Kleine überzeugend zu mir: «Näi, käs Gageli gmacht. Ha gschisse.»

Kategorie: «Nasseste Socken»
Abenteuerausflug mit unserem Erstklässler, inklusive Übernachten im Wald. Es pisst. Die. Ganze. Nacht. Und. Zwar. Übelst. Krass. Heftig. Zelt. Nicht. Dicht. Ach ja: Während der Alte flucht, hat Junior nicht ein einziges Mal gejammert. Dieser Ninjago ist für dich, mein Camper.

Kategorie: «Schärfste Kurven»
Wir schlängeln in den Sommerferien im Auto das Piemont runter. Nach der Haarnadelkurve ist vor der Haarnadelkurve. Die ganze Familie kotzt* – bis auf mich, den «gefühlvollen» Fahrer. Falls Sie jetzt ein grosses Drama erwarten: Fehlanzeige. Mund abwischen, weitermachen, wie im richtigen Leben. Einen Award für die ganze Bande.

Und eine kurze Sammel-Laudatio zum Schluss

Warum ich diese Zeilen schreibe? Weil ich Ende letzten Jahres ein Fotobuch erstellt habe – A4-Querformat, ähnlich fett wie eine handelsübliche Bibel. Aus – in meinem Fall – 1632 Bildern jene auszuwählen, die es in den privaten Almanach schaffen, ist einerseits eine «uhuere Büez», andererseits Kopfkino vom Emotionalsten. Es führte mir wieder einmal vor Augen, wie schnell man «vergisst» und sich in irgendwelchem – oft hausgemachtem – Elternstress wiederfindet. Arzttermine hier, Kinderbetreuung regeln da, Gejammer, Gezanke der Kids, Tränen, Unordnung, «Schimpfis»: Kinder können anstrengend sein. Und das ist in Ordnung.

Denn es sind die schönen Momente, die zwischendurch kurz unterbrochen werden durch solche Unannehmlichkeiten – und nicht umgekehrt. Deshalb bin ich einfach dankbar für all die wunderbaren Momente. Ja, ich bin dankbar. Sehr sogar.

* Entschuldigen Sie die Wortwahl, vielleicht gefällt Ihnen in diesem Zusammenhang die Formulierung «übergibt sich» besser. Schon klar, «kotzen» ist immer auch Geschmackssache.

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9 Kommentare zu ««And the Bobby-Car goes to …»»

  • Hans Minder sagt:

    Die Wahre Botschaft solcher Berichte ist eigentlich, dass wir heute alle hoffnungslos verwöhnt sind und jede kleine Panne gleich als stressige Unannehmlichkeit darstellen. Ich erinnere mich an das Gespräch mit meiner 95-jährigen Nachbarin in Prag, die WW1+WW2+Kommunismus+Kapitalismus ab 1989 voll am eigenen Leib zu spühren bekam. Sie hätte über etwas Regen beim Zelten im Wald oder erbrechen der Familie im Auto währen des sommerlichen Fahrvergnügens in Italien nur gelächelt. Das Gleiche gilt für meine Grossmutter, die Butter erst mit 25 jahren zum ersten Mal kosten durfte…obwohl sie auf dem Bauernhof aufwuchs. Ihre Eltern waren zu arm, um etwas von der Milch selbst konsumieren zu dürfen (ahnlich wie bei Gotthelf’s Käserei in der Fehfreude). Man denke: Nur 3 Generationen füher…

  • Beni Klarer sagt:

    Ja, ich gebe Ihnen recht. Die Dramen des Alltags sind meist kleine Episödli. Im Grossen und Ganzen ist es wunderbar. Ich rege mich immer wieder auf über Bekannte, die sich wegen Kleinigkeiten scheiden lassen. Etwas Streit, etwas Fluchen, etwas Übel gehört zum Leben, wie alles andere auch. Meine Frau hat 3 Jahre etwas immer an einen Ort gelegt an dem es nicht hingehört. Plötzlich hats „klick“ gemacht und sie macht es nimmer. Oh nein, sie ist nun keine Heilige. Sie fand andere Dinge um mich aufzuregen. Unsere Kinde kommen ganz nach der Mama. Sie sind – ab und zu – Nerven tötende Biester. Meist aber zum Knuddeln lieb.

  • Minnie sagt:

    Das finde ich auch! Ist echt witzig und liebevoll geschrieben.

  • Niklas Meier sagt:

    Beachtlich, dass man für so einen Erguss auch noch Geld bekommt.
    Irgendwie habe ich den Beruf verfehlt.

    • tststs sagt:

      Kein Problem, Blogger ist einer der wenigen Berufe, den auch spätberufene noch ergreifen können…

    • Christina sagt:

      Ich bin sehr dankbar dafür, dass Sie für Ihren Beitrag nicht bezahlt werden! Warum so destruktiv?!
      Ich fand den Artikel sehr amüsant. Es ist schön, einfach mal ein paar nette, lustige und liebevolle Worte im Mamablog zu lesen!

    • Doris sagt:

      Herr Meier: Früher nannte man dies im übertragenen Sinn: Der Neid der Besitzlosen.
      Heute: Der Neid der Leute, die wenig eigene Ideen haben und es daher den andern ein wenig „neiden“.

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