Halten Kinder wirklich jung?

Unser Autor unterzieht eine verbreitete Floskel über das Elternsein einem wissenschaftlichen Faktencheck.

Als Vater kann man wieder so richtig kindisch sein. Andererseits können die Kleinen auch ganz schön stressen. Foto: iStock

Schon wieder ein neues Jahr. Der Brecht wird bald sechs, meine Frau dreissig, Beebers etwas später eins, und mein Alter kann ich hier nicht hinschreiben, ohne in Tränen auszubrechen.

Kinder halten jung, sagen viele. Nun, es darf ja jede*r daherkommen und eine Floskel für die Wahrheit halten. Aber wir machen hier seriöse Wissenschaft – wenn auch aus Effizienzgründen ohne wissenschaftliche Methoden. Heute ergründe ich für Sie, ob Kinder wirklich jung halten.

Erstens – das amtliche Alter

Von Amtes wegen halten Kinder schon mal nicht jung. Ich habe beim Zivilstandsamt nachgefragt, und offenbar bin ich in den letzten fünf Jahren um genau fünf Jahre gealtert.

Zweitens – das körperliche Alter

Kurz nach Brechti Geburt begann ich zu joggen. Jeden Morgen ging ich in den Wald, fror, wurde nass, kriegte Muskelkater, bin in ein Spinnennetz gelaufen und im Schlamm stecken geblieben. Ich habe gelitten und gekämpft. Nach zwei Tagen gab ich auf. Anschliessend schaffte ich einen Heimtrainer an, dann ein Rudergerät und schliesslich eine Yogamatte. Nichts davon hat mich lange begeistert, und ich fasse zusammen: Mein sportlicher Ehrgeiz ist derselbe wie früher ohne Kinder. Damals begeisterte mich immerhin der Wintersport. Das täte er zwar heute noch, aber die wenigen Tage im Schnee verbringe ich damit, Kinder aus dem Netz am Pistenrand zu entknoten.

Immerhin: Das ständige Hochheben und Rumtragen von Gegenständen, Babys und Kleinkindern wirkt sich positiv auf die Grundfitness aus. Es ist kein Bodybuilding, aber während sportlicher Ruhephasen degenerieren meine Muskeln nicht mehr ganz auf Null.

Dafür verursachen Kinder zwischendurch Stress, und ich reagiere mit zunehmendem Alter körperlich auf Stress. Wir reden von einem unschönen Ausschlag auf der Stirn. Wenigstens kann ich meinen Stresslevel bequem im Spiegel ablesen und mich meditierend auf die staubige Yogamatte zurückziehen.

In der Ernährung liegt allenthalben Verjüngungspotenzial: Ich darf ab und zu einen halb vollen Gemüseteller des Brechts fertig essen. Jedem Röselichöli stehen aber fünf Kilo kalte Nudeln gegenüber. Ein Nullsummenspiel.

Drittens – das geistige Alter

Mit Kindern tut man wieder Kinderdinge. Lego zusammenbauen oder über simple Witze lachen: «Was ist gross, grün und tut weh, wenn man es ins Auge kriegt? Ein Billardtisch.» Höhö.

Doch gerade bei kindlichem Verhalten merken wir Eltern, dass wir keine Kinder mehr sind. Auf dem Boden schmerzen meine Knie selbst dann, wenn ich mir gerade kein spitzes Legoteil eingekniet habe. Wenn ich in zehn Jahren auf dem Schulweg Maximilian-Jason die Ghettofaust hinstrecke, guckt er mich bestimmt angewidert an, sagt «Aaalteer» und läuft kopfschüttelnd davon.

Kinder sind keine Zeitmaschine

Schön wäre es, aber nein: Das Alter lässt sich nicht aufhalten. Zumindest nicht mit Kindern. Egal, ob man mit ihnen spielt, sie verdünnt oder sich täglich mehrmals mit ihnen einreibt. Überhaupt bieten Kinder keinen direkten persönlichen Nutzen. Sie taugen nicht mehr als finanzielle Altersvorsorge und werden uns später nicht täglich wenden und waschen.

Aus irgendeinem schwer erklärbaren Grund ist das Leben mit Kindern trotzdem grossartig.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Taugen Ihre Kinder im Gegensatz zu meinen als Jungbrunnen? Diskutieren Sie in den Kommentaren, und wenn Sie schon dabei sind: Lassen Sie mich wissen, ob Sie Interesse an einem kaum benutzten Heimtrainer haben.

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