Auf in den Kampf, liebe Väter!

Ohne Elternzeit oder Vaterschaftsurlaub wird die Ungleichheit von Anfang an begünstigt.

Unsere Autorin geniesst es, dass sie die oft zitierte «Mental Load» gemeinsam mit ihrem Mann stemmen kann. Symbolbild: Keystone

«Vaterschaftsurlaub? Ja, da war doch neulich was», murmelte meine Freundin vor einigen Wochen, während sie an ihrem Hafermilch-Cappuccino nippte. Wir sassen im Café gleich neben dem Markt, an dem wir zuvor saisonal und regional produziertes Rüben- und Kohlgemüse eingekauft hatten, das eigentlich niemand von uns so richtig mag, jedoch alle essen, weil es ja schliesslich unseren Prinzipien einer «gesunden und nachhaltigen Ernährung» entspricht.

«Ja, da war tatsächlich was. Und was für ein Krimi! Ich dachte, du wüsstest darüber Bescheid», entgegnete ich ihr fast schon ein wenig vorwurfsvoll und begann auszuholen. «Die Vaterschaftsurlaub-Initianten hätten nun theoretisch die Option, die vier ursprünglich geforderten Wochen Papi-Zeit doch noch an die Urne zu bringen. Ob sie dies tun, ist jedoch fraglich», referierte ich.

Zudem hätten sie offenbar ohnehin vor, noch einen Schritt weiter zu gehen und eine Diskussion über eine bezahlte Elternzeit mit Job-Garantie zu lancieren. «Diese soll grosszügiger ausfallen und wurde bereits in der Parlamentsdebatte von einigen Parteien erwähnt. Denn laut einiger Stimmen würde eine zweiwöchige Auszeit im Gegensatz zur Elternzeit lediglich alte Rollenbilder bestätigen», schloss ich meine Zusammenfassung.

So steht es um den Vaterschaftsurlaub

Nach einer intensiven Debatte hatte der Nationalrat im September über die Volksinitiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub, zum Nutzen der ganzen Familie» und den indirekten Gegenentwurf entschieden. Er lehnte die Initiative, die vier Wochen Vaterschaftsurlaub forderte, zwar ab, hiess den Gegenvorschlag mit zwei Wochen jedoch gut.

Nachdem auch die Schlussabstimmung des Parlaments zum indirekten Gegenvorschlag positiv ausgefallen war, schienen die zwei Wochen Vaterschaftsurlaub zum Greifen nah. Das Initiativkomitee zog Anfang Oktober das Volksbegehren bedingt zurück – doch daraufhin wurde von einer überparteilichen Allianz namens «Immer mehr Lohnabzüge von allen für Gratisferien von wenigen» prompt das Referendum ergriffen. Ob die benötigten Unterschriften wirklich zustande kommen, ist unsicher. Mehrere Wochen der gut dreimonatigen Sammelfrist waren schon verstrichen, als sich Anfang November das Komitee formierte und mit der Unterschriftensammlung anfing.

Auch mein Mann und ich haben uns einige Jahre lang in traditionellen Sphären bewegt: Ich arbeitete Teil-, er Vollzeit. Was dazu führte, dass während meiner freien Tage die Hausarbeit sowie die Kinderbetreuung hauptsächlich an mir lagen. Ich war «Baby-Boss» – in den Augen von Thomas Sevcik aber wohl eher eine «teilzeitarbeitende Konservativteilzeitmutter» (Anm. d. Red.: Bezieht sich auf seinen Artikel im «NZZ am Sonntag Magazin»).

Ich war es, die morgens in aller Früh jeweils saubere Ninjago-Socken aus dem Wäschekorb rauswühlte, weil nur ich wusste, wo sie zu finden waren. Ich war die Fee, die für jeden verlorenen Zahn jeweils einen Fünfliber unters Kopfkissen legte, und meistens fiel es mir in letzter Minute ein, dem Sohnemann vor dem Waldtag im Supermarkt um die Ecke Schlagenbrot-Teig zu kaufen, den er dann später aussen knusprig und innen roh verspeisen würde.

Bis wir alles über den Haufen warfen. Ich stockte mein Pensum auf, mein Mann reduzierte dafür seine Stellenprozente – und dies wohlgemerkt in einer Branche, von der es heisst, dass eine Kaderposition in Teilzeit nicht möglich sei. Seither arbeiten wir an gleich vielen Tagen, während gewisser Wochen ich sogar mehr als er. Die Kinder besuchen wie bis anhin zwei Tage in der Woche die Kita und den Hort. Wer was und wann im Haushalt und in der Kinderbetreuung übernimmt, wurde ergo nochmals neu – und ganz nach den Vorlieben und Stärken von ihm und mir – zu gleichen Teilen aufgesplittet.

Mein Mann rockt den Haushalt viel besser

So wie Firmen – denn ein Haushalt mit drei Kindern bedingt schliesslich ebenfalls ein gewisses Management –, die von steilen Hierarchien auf flache umsatteln, brauchten auch wir eine Eingewöhnungszeit. Es gab Missverständnisse, als wir beispielsweise beide davon ausgingen, dass der andere den Termin für die Jahreskontrolle wahrnimmt und umgekehrt. Und am Ende keiner von beiden mit Kind auf dem Schoss im Wartezimmer unseres Kinderarztes sass.

Die Anfangsphase unserer «familieninternen Umstrukturierung» trug aber auch Erfreuliches zutage wie etwa den Fakt, dass mein Mann den Haushalt im Grunde besser und effizienter rockt als ich. Dass er viel gewissenhafter um die Verabreichung von Vitamin-D-Tröpfchen und Anti-Warzenmittel besorgt ist, als ich es jemals war. Hoppla. Oder dass ich merkte, dass mir Loslassen überhaupt nicht schwerfiel. Im Gegenteil: Ich genoss es, dass wir die von Müttern so oft zitierte «Mental Load» nun gemeinsam stemmen konnten.

Wir wunderten uns allerdings über die Stimmen, die ihm zu seinem Mut und Engagement zu mehr als nur dem einem «Papi-Tag» gratulierten, sobald das Thema aber auf meine Stellenprozente umschwenkte, fanden, das sei also «schon noch viel, so mit drei Kindern». Letztlich freuten wir uns aber beide über unsere neuste Errungenschaft: Zeit.

«Hinter jeder Mutter, die arbeitet, steht ein starker Vater»

Vielleicht fragen Sie sich, liebe Leserin, lieber Leser, weshalb ich Ihnen das alles erzähle. Vielleicht möchten Sie mir an dieser Stelle entgegnen, dass meine Ausführung ein alter Zopf und unser Modell keine Ausnahmeerscheinung (mehr) ist. Und ja, ich kenne tatsächlich etliche Paare mit Kindern, die bereits seit Jahren eine 50/50 Aufteilung leben. Dass ich auf den Strassen unserer Siedlung am Morgen jeweils zahlreichen Vätern mit angeschnalltem Tragetuch oder Kinderwagen auf dem Weg in die Kita oder zum Spielplatz begegne, während ihre Partnerin bereits im Tram zur Arbeit sitzt, macht Mut und verleitet mich dazu, ein altbekanntes Sprichwort in folgende Worte umzuformulieren: «Hinter jeder Mutter, die arbeiten geht, steht ein starker Vater, der ihr dabei den Rücken freihält.»

Dass es ausserhalb unserer Bubble aber noch ein weiter Weg zur allgemeinen Selbstverständlichkeit einer solchen Rollenaufteilung ist, zeigen Zahlen einer aktuellen Erhebung des Bundesamts für Statistik. Gemäss dieser übernehmen noch immer in gut zwei Dritteln der Haushalte mit Kindern Frauen den Hauptteil der Hausarbeit. Vier von fünf erwerbstätigen Müttern leisten Teilzeitarbeit. Zum Vergleich: Nur einer von neun erwerbstätigen Vätern (11,4 Prozent) arbeitet nicht Vollzeit.

Unser Modell mag nicht für jeden umsetzbar oder erstrebenswert sein. Vor allem Stimmen aus der Wirtschaft bezeichnen Teilzeitarbeit oft als «ineffizienten Nonsens». Und mit dem Einbinden der Väter in Erziehungs- und Hausarbeit entstehen für diese Fragen, denen sie sich bis anhin nicht stellen mussten: Ja, Väter haben es heute schwerer. Sie müssen Kind und Karriere unter einen Hut bringen.

Die gleiche Herausforderung für beide

Aber das ist nur gerecht, schliesslich stehen Mütter vor der gleichen Herausforderung. «Das Leben kann dadurch aber reicher werden, vielseitiger, weniger eindimensional», antwortet etwa Philosoph Yves Bossart in einem Interview in Barbara Weber-Rupplis Buch «Vatersein». Die Politik mache es derzeit jedoch weder für Männer noch für Frauen leicht, Kind und Karriere zu verbinden. «Ich hoffe, unsere eigenen Kinder werden in Zukunft bessere Voraussetzungen haben», so Bossart.

Dazu sage ich nur: Auf in den Kampf, liebe Väter, und all jene, die es werden wollen! Denn die inexistente Elternzeit – beziehungsweise der nicht vorhandene Vaterschaftsurlaub – begünstigt von den ersten Wochen des Familienlebens an eine ungleiche Arbeitsteilung. Dies gilt es zu ändern, damit ihr auch in der Zeit danach jene Rolle in der Familie, die euch als richtig und wichtig erscheint, einnehmen könnt.

Das bedingt aber, dass ihr euch nicht länger hinter der Ich-würde-ja-schon-weniger-arbeiten-nur-geht-das-in-meinem-Job-nicht-Floskel versteckt und wir Frauen im Gegenzug bereit sind, die Familie finanziell zu entlasten. Zudem steht die oftmals von Müttern genannte Begründung, man arbeite nicht Vollzeit, weil man die Kleinen schliesslich beim Aufwachsen begleiten möchte, genauso allen Vätern zu.

Und jetzt bin ich gespannt: Welches Familienmodell leben Sie zu Hause – und weshalb?

154 Kommentare zu «Auf in den Kampf, liebe Väter!»

  • Hans Meier sagt:

    Ich verstehe den Zusammenhang zwischen Vaterschaftsurlaub und Teilzeitarbeit nicht. Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. Wozu ein ausschweifender Meinungsartikel verfassen, wenn nicht einmal klar erkennbar ist, inwiefern ein Vaterschaftsurlaub zu einer paritätischen Aufteilung der Erwerbsarbeit führen soll? Ein Vaterschaftsurlaub ändert doch nichts daran, dass es für Eltern nur dann Sinn ergibt, die Arbeit 50-50 aufzuteilen, wenn man sich die finanzielle Einbusse leisten kann. Die meisten Paare können sich ein 50-50 eh nicht leisten. Sinnvoller wäre schlicht 100-100 zu arbeiten. Dann hören diese mühsamen Diskussionen endlich auf. Geht gefälligst beide 100% arbeiten, bezahlt die Kita (sind ja nur 3 Jahre pro Kind) und hört auf zu jammern.

    • Martin Frey sagt:

      @Meier
      Natürlich gibt es keinen direkten Zusammenhang, aber das ist gar nicht der Punkt. Man muss den Leuten gebetsmühlenartig vermitteln, dass ein solcher Zusammenhang existiert, und es ihnen immer wieder einhämmern, bis sie es trotzdem irgendwann glauben. So frei nach dem Motto: zwingen wir die Väter ab Geburt in eine von uns definierte Rolle, dann werden wir unsere gesellschaftspolitischen Ziele irgendwann schon erreichen. 😉 Daher gilt es auch, alle liberalen Ansätze die eine freie Wahl und Selbstverantwortung bei der Ausgestaltung implizieren würden, zu bekämpfen.

      • Hans Meier sagt:

        Alle Mamabloggerinnen scheinen von Beruf wegen irgendwie „freischaffende Journalistinnen“ und „Autorinnen“ zu sein, aber offenbar ist ihre Kernkompetenz Staatsrecht, Ordnungspolitik, Pädagogik, Soziologie, Arbeitsrecht, Politik und Geschichte. Offenbar ist es heutzutage nicht einmal mehr einem FACHMann in einem Sachgebiet erlaubt, jemand über Fakten aufzuklären („mensplaining!!“), aber gleichzeitig dürfen wir und tagtäglich von redaktionellen Halbwissen und ideologiegeleiteter Pseudosoziologie berieseln lassen. Was hat eine Newsredaktorin für eine Ausbildung? Und woher weiss sie, welche bestimmte Familienform die einzig Richtige sein soll, die staatlich durchgeboxt werden muss?

      • Thomas Baumann sagt:

        Das sind jetzt eben Frauennetzwerke. Warum auch nicht? In gewissem Sinne ist das „freie Marktwirtschaft“, selbst geschaffen durch eigene Vernetzung, die eigene Kaufkraft ausnutzend, die eigenen Themen bewirtschaftend. Ich glaube nicht, dass ich je eine Chance hätte, Teil eines solchen Netzwerks zu sein. Der Stallgeruch fehlt. Und die Männer, die sich anschliessen, dürfen sowieso höchstens zweite Geige spielen.
        Neben Männernetzwerken gibt es jetzt halt eben auch Frauennetzwerke. Da wird etwas gebloggt, frei journaliert, Kinderbücher verfasst – nun ja, scheint, Frauen hätten hier eben einen komparativen Vorteil. Ich würde das Positive sehen: Es ist weitgehend privater Initiative geschuldet – und damit geradezu eine Wohltat im heutigen Nanny-Staat.

  • K. Wymann sagt:

    2/2 Wobei er in seinem vorherigen Betrieb, als er den Wunsch auf 80% zu reduzieren äusserte, nicht auf Begeisterung stiess: Ohh, ähh, 80%? Ja, also, da haben wir gar nicht gute Erfahrungen gemacht (Anmerkung: alle Angestellten sind Männer mit Familien, arbeiten alle 100%, nur die Sekretärin arbeitet Teilzeit). Aber das ist doch nur temporär, oder? Du besprichst das nochmals mit deiner Frau, oder?
    Auch stutze etwas, als ich von meinem Arbeitgeber, bei der Besprechung für den Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub, zuerst ein verdutztes grosses Merci für die 80% bekam und anschliessend gefragt wurde, ob ich denn dies mit meinem Mann besprochen hätte und ich ja schon dankbar sein kann, dass mein Mann mir dies ermöglicht.

  • K. Wymann sagt:

    1/2 Danke für den Artikel.

    Mein Mann und ich arbeiten beide 80 % und der Kleine geht für zwei Tage in die Kita. Da ich unregelmässig 12h-Schichten habe und mein Mann seinen freien Tag flexibel wählen kann (mal auch keinen, dafür in der nächsten Woche zwei Tage) geht dies ziemlich gut. Falls mal alle Stricke reissen, schauen wir ob wir einmalig einen weiteren Kita bekommen können, oder die Grosseltern hüten.

    Ich bin sehr froh, dass wir beide bezüglich der Aufteilung dieselben Ansichten haben und es so gut klappt, resp. wir die Möglichkeit haben dies so zu handhaben.

  • Jan sagt:

    Sorry, Elternzeit ist Privatsache und Vaterschaftsurnalub auf Kosten der Allgemeinheit ein Unding. Genauso „Aufbrechen von Geschlechterrollen“… Was soll das? Allein wenn ich das schon höre stimme ich dagegen. Wie die Menschen leben ist auch Privatsache und taditionelle Rollenverteilung hat viele Vorteile und ist für die meisten Menschen optimal. Also soll doch mal diese priviligierte Minderheit von Besserwissern mit Zugang zu Blogs und Medien aufhören die Welt zu belehren. Gegen Vatershaftsurlaub und eine ausgeweitete Elternzeit.

    • Leila Taleb sagt:

      @ Jan
      Kinder sind doch keine Privatsache. Die Gesellschaft sollte doch am Fortbestand interessiert sein. Der Bund gibt Milliarden an Geld ans Ausland z.B. Flüchtlingshilfe aus (was nicht per se schlecht ist, es versickert aber zu viel Geld irgendwo und erreicht die Bedürftigen nicht immer). Mir erschliesst nicht ganz wieso man gerade bei einem Vaterschaftsurlaub sparen sollte. Früher mochte die traditionelle Rollenaufteilung vielleicht mehr schlecht als recht funktionieren. In der heutigen Zeit ist dies weder optimal noch bringt es Vorteile. Nach einer Scheidung enden nicht viele Frauen in der Sozialhilfe, da der Zug in der Arbeitswelt für sie abgefahren ist. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (z.B. durch den Vaterschaftsurlaub etc) bringt auch Ihnen Vorteile.

      • Thomas Baumann sagt:

        Dann sollten wir vielleicht eine 1000% Steuer auf Verhütungsmittel einführen und Abtreibungen verbieten – im Interesse des Fortbestands der Gesellschaft…
        Im Ernst: Ich glaube nicht, dass das Argument des „Fortbestands der Gesellschaft“ ein gutes ist, denn damit kann man allerhand, auch Unsinniges – siehe oben – rechtfertigen.

      • Sportpapi sagt:

        @Leila Taleb: Wenn in der Entwicklungshilfe etwas falsch läuft, ist das zu ändern. Aber mit dem Thema hat es gerade gar nichts zu tun.
        Und „früher“ gab es nicht nur tradtionelle Rollenaufteilung, sondern auch weniger Scheidungen.
        Aber wenn denn all die teuren Massnahmen zur „Gleichstellung“ in der Familienpolitik wenigstens etwas bringen würden. Um wie viel ist denn die durchschnittliche berufliche Tätigkeit von Müttern in den letzten 10 Jahren angestiegen? Die müsste ja geradezu explodiert sein, angesichts der Versprechen, die mit jedem Ausbau gemacht wurden.
        Stattdessen wird nach jedem Schritt vorwärts geklagt, dass noch mindestens weitere zwei notwendig seien.

      • Leila Taleb sagt:

        @ Sportpapi
        Mittlerweile sind gegen 80% der Mütter in städtischen Gebieten berufstätig. Ich denke vor 20 Jahren war die Zahl noch nicht so hoch. Es hat sich also etwas geändert mit dem Ausbau und der Subventionierung von Kinderkrippen, gesetzlicher Mutterschaftsurlaub etc. Sparen ist schön und gut, aber etwas Geld aufwenden für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird sich längerfristig für die einzelne Familie wie auch für die Gesellschaft lohnen. Es wird Unmengen an Geld verschleudert für andere Sachen (die nach Ihrer Meinung nichts mit dem Thema zu tun haben), jedoch soll kein Geld da sein für einen kurzen Vaterschaftsurlaub.

      • Leila Taleb sagt:

        Sehr geehrter Herr Baumann
        Die Schweizer Bevölkerung ist rückläufig und überaltert. Es braucht eine gewisse Geburtenrate. Woher sollen wir die zukünftigen Arbeitskräfte hernehmen? In dem man es den Menschen schwer macht Familien zu gründen?

      • Sportpapi sagt:

        @Leila Taleb: Ihre ganze Argumentation baut auf „ich denke“ auf. Das reicht nicht. Sie haben recht, fast 80 Prozent der Frauen sind heute erwerbstätig. Vor 30 Jahren waren das erst 70 Prozent. In den letzten 10 Jahren ist da allerdings trotz massivem Ausbau von Betreuungsinstitutionen fast nichts merh passiert.
        1991 waren 51 Prozent der Frauen vollzeit erwerbstätig. Heute noch 41. Stabil ca ein Viertel der Frauen ist weniger als 50 Prozent erwerbstätig.

      • Thomas Baumann sagt:

        Das Unterlassen einer Förderung ist nicht dasselbe wie es jemandem „schwer machen“. Wenn ich am Morgen zum Briefkasten laufen muss, weil mir meine Nachbarn die Zeitung nicht an meine Wohnungstüre bringen, kann ich mich doch nicht bei ihnen beschweren, dass sie mir das Leben schwer machen würden.

      • Hans Meier sagt:

        Frauen enden nach der Sozialhilfe, weil sie ihr Pensum reduziert haben und offenbar Ausbildungen gemacht haben in Bereichen, wo man nicht so viel verdient, weil ja Erfüllung bei der Arbeit bei der Jobwahl wichtiger Wahl als sich zu überlegen, ob man da gut verdienen wird. Sie enden nicht in der Sozialhilfe, weil es keinen Vaterschaftsurlaub gibt. Und die Vorteile für Männer und Väter sind sehr beschränkt, sonst würden auch die Männer das Thema mehr puschen. Einmal mehr geht es um die Lebensoptimierung der Frauen, es geht weder um das Kindswohl und um Väter- und Männeranliegen interessiert sich ganz sicher keine der hier bloggenden Womensplainer.

    • Leila Taleb sagt:

      @ Jan 2
      Die Kinder bleiben nicht ewig klein. Was dann?? Oder bei einer Scheidung (so selten sind diese nicht) ??
      Ich habe einige Mutter mit „tieferen“ Berufen kennen gelernt, die 100% arbeiten. Es betrifft also nicht nur eine privilegierte Minderheit, die froh um einen Vaterschaftsurlaub wären. Eigentlich sehr traurig, dass man darüber diskutieren muss.

      • Sportpapi sagt:

        Ich bin der letzte, der gegen einen Ausbau von Unterstützung von schlecht verdienenden Menschen wäre.
        Es geht aber in der Diskussion meist nicht um sie.

      • Leila Taleb sagt:

        @ Sportpapi
        „Es geht aber in der Diskussion meist nicht um sie.“ Doch natürlich geht es auch um die gering verdienenden Familien. Diese sind nämlich eher auf ein paar Wochen Vaterschaftsurlaub angewiesen, als gut verdienende die sich neben der Kita eine Nanny leisten können.

  • Thomas Baumann sagt:

    Statt einem Vaterschaftsurlaub besser ein Männerurlaub – und zwar jedes Jahr. Und gleich 3-4 Wochen, nicht weniger. Ausschliesslich für Männer.
    Begründung:
    1. Macht Männer auf dem Arbeitsmarkt unattraktiver. Führt zu mehr Lohngleichheit oder beendet die unsägliche Lohndiskriminierungsdiskussion (je nach politischem Standpunkt).
    2. Die Ferien beziehenden Männer werden natürlich den Haushalt machen, wenn sie zu Hause blieben – führt auch hier zu mehr Gerechtigkeit oder beendet die Diskriminierungsdiskussion (je nach politischem Standpunkt).
    3. Ist nichts als gerecht. Da Männer einige Jahre früher sterben als Frauen (und diesen dadurch den Ruhestand mitfinanzieren) müssen sie das Leben eben in einem kürzeren Zeitraum geniessen können.
    Die Losung lautet: Männerferienmonat jetzt!

    • Meieriesli sagt:

      Die behauptete Lohndiskriminierung ist mittlerweile kaum mehr als Null; je genauer man schaut, desto kleiner ist sie tatsächlich.

      • Meieriesli sagt:

        Wobei es seit eh eben keine Lohndiskriminierung ist, sondern eine (noch) nicht erklärbare Differenz. Ein feiner aber eminent wichtiger Unterschied.

  • Pascal Stauffer sagt:

    Grundsätzlich gilt für mich auch bei diesem Thema: leben und leben lassen. Es gibt kein richtig oder falsch. Eigenverantwortung im Zusammenspiel mit gewissen arbeitsrechtlichen Zugeständnissen, auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung in der Schweiz, halte ich für angemessen.
    Mir persönlich hat beispielsweise das Recht (nur firmenintern), innerhalb eines Jahres seit Geburt des Kindes mein Pensum auf 80% zu senken, viel mehr gebracht als die 10 Tage Vaterschaftsurlaub. Diese reichen nach einem lebensverändernden Ereignis wie der Geburt des ersten Kindes sowieso nirgends hin. Glücklich, wenn man diese erste Zeit mit Ferien und allenfalls unbez. Urlaub verlängern kann. Es geht auch gar nicht nur darum, möglichst eine Unterstützung für die Frau, sondern einfach da zu sein.

    • Urs M. sagt:

      @Stauffer, ich glaube es gibt ein Richtig oder Falsch.

      Wir haben in der Schweiz keine Wittwerrente. Geht also die Frau arbeiten («Hinter jeder Mutter, die arbeiten geht, steht ein starker Vater, der ihr dabei den Rücken freihält.»), und der Mann übernimmt die Kinderbetreuung, wird er mit der Pensionierung mit 65 ohne Rente dastehen.

      Schon alleine aus diesem simplen Grund ist es richtig, dass -wenn jemand zu hause die Kinder erzieht- es nicht der Vater ist.

  • tina sagt:

    hinter 50% der arbeitenden elternteil steht aber kein anderer starker elternteil 😉 wir können das auch allein. imfall. aber egal.

  • werner boss sagt:

    Dann versuche ich es halt auf die andere Art! Die jungen Eltern geben ja gerne vor die besten der Welt zu sein. Bei dieser Einstellung kommen mir aber erhebliche Zweifel. Denn! Unser Luxus; Und hier handelt es sich bestimmt um einen Luxus, muss irgend wo erarbeitet werden!! In Billiglohnländern! Oder auf Kosten des Klimas mit der dazu nötigen Technik! Ihr seid keine Vorbilder!

  • Labskaus sagt:

    Gibt es eigentlich Studien, die belegen, dass so ein 50:50 Modell bzw. Teilzeitarbeit von einem oder beiden Elternteilen tatsächlich zu besseren (was auch immer das heisst) Kindern führt?
    Mein Mann und ich arbeiten beide 100%. Unser Kind ist währenddessen in der Krippe & bei einer Nanny. Wir sprechen zuhause eine andere Sprache als Krippe und Nanny. Trotzdem sprach unser Kind unsere Sprache zuerst und hat laut Kinderarzt einen super Wortschatz für sein Alter. Es hat zu uns eine sehr enge Bindung. Dies ist zwar auch keine Studie 😉 aber es zeigt mir, dass es auf die Qualität der miteinander verbrachten Zeit ankommt und nicht nur auf Quantität.
    Schlussendlich sollte sich jeder so organisieren, dass es für sie passt und nicht Idealen hinterherlaufen, die irgendwelche „Experten“ propagieren

    • Maike sagt:

      Und in der Krippe hängt dann für Euer Kind ein Bild von Mami und Papi ??? Ich mein, wer hier in der Schweiz zu 100 % arbeitet, dessen Tag ist voll ausgelastet. Bleiben nur noch 5 Min am Abend um den Nachwuchs ins Bett zu bringen.
      Und wem erzählt es denn die wichtigen Dinge, die im Kindergarten und oder in der Schule passieren ? Der Nanny ? Toll.
      Bleibt für mich die Frage über – warum arbeitet Ihr mit Kind beide zu 100 % ?

      • Labskaus sagt:

        Wir haben noch mindestens 2 Stunden am Abend und essen jeden Abend zusammen, da bleibt genug Zeit um zu erzählen. Anscheinend verbringt unser Kind ja genug Zeit mit uns, sonst hätte es ja nicht unsere Sprache als erstes und vor allem mit sehr gutem Wortschatz gelernt. Wir haben das erste Mal Sitzen ohne Hilfe, Hochziehen in den Stand und die ersten Schritte mitbekommen.
        Wir arbeiten zu 100%, weil es uns Spass macht. Beide Grosselternpaare (noch verheitatet) haben es genauso gemacht und wir sind beide zu erfolgreichen Erwachsenen ohne psychische Probleme geworden.
        Ich sage nicht, dass unser Modell perfekt für alle ist, aber ich habe auch noch nie einen „Beweis“ gesehen, dass es ein Teilzeitmodell immer und für alle ist. Für uns gilt halt Qualität über Quantität und es funktioniert.

      • AnnaB sagt:

        ist alles eine Frage der Organisation, wir arbeiten auch beide 100% und haben trotzdem 2-3 Stunden jeden Abend für unsere Kindern, wir sind für sie dann auch voll da sowie 6-7 Wochen Ferien. Wie bei Labskaus, sprechen auch wir eine andere Sprache zu Hause als in der Krippe/Schule und unsere Kinder sprechen auch diese Sprache fliessend. Für unsere Familie funktioniert dieses Model sehr gut. Es ist uns aber auch bewusst, dass wir in einer privilegierter Lage sind, unser Job macht uns Spass und erlaubt uns ein schönes leben mit den Kindern zu führen. Jede Familie empfindet etwas anderes für „schönes und erfülltes“ und soll ihr Model finden.

    • 13 sagt:

      Das ist wohl das grösste Missverständnis in der Diskussion: Das 50:50 bedeutet nicht, dass jeder genau 50% erwerbstätig ist, sondern bezieht sich auf die Relation zwischen den Eltern. 50:50 ist es dann, wenn beide Eltern gleichviel erwerbstätig sind und gleichviel zu Hause leisten. Das ist auch bei z. Bsp. je 70%, oder wie bei Ihnen je 100%, hoffentlich der Fall.

      • Sportpapi sagt:

        @13: So gesehen müssten also die Frauen einfach auf 80-100 Prozent aufstocken, und schon wäre die gewünschte Gleichstellung erreicht…

      • Labskaus sagt:

        Das ist mir bewusst. In den meisten Blogs hier wird aber immer davon gesprochen, dass ein 50:50 Modell dann möglich ist, wenn beide reduzieren und nicht nur die Frau, sprich beide Teilzeit arbeiten.
        Ich frage mich halt einfach, warum diese Modelle immer als perfekt und erstrebenswert angesehen werden und alle so leben müssen. Worauf basieren diese Aussagen?

        Ich habe keine Ahnung, ob wir den Haushalt 50:50 aufteilen. Jeder macht das, was er am besten kann bzw. was er am wenigsten blöd findet 🙂 Wenn einer Hilfe braucht, dann unterstützen wir uns gegenseitig dabei oder reden darüber. Wir führen nicht Buch darüber, um es dann gegeneinander aufzuwiegen. Klappt so schon fast mein halbes Leben lang mit dem gleichen Mann 😉

      • tststs sagt:

        „Worauf basieren diese Aussagen?“

        Nicht auf Aussagen, sondern auf nackten Zahlen, was passiert, wenn die Gemeinschaft auseinanderbricht.
        Bitte, in gottesnamen, tun Sie jetzt mit Ihrem Mann keine Excel-Tabelle erstellen; aber seien Sie sich bewusst, welche Ausgangslage Sie JETZT für ein allfälliges DANACH schaffen!
        (Und übrigens, dieses „Danach“ meint nicht unbedingt „nach der Scheidung“, es kann sich auch nur auf ein „nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus sind“ beziehen)

      • Labskaus sagt:

        @tststs
        Was für nackte Zahlen? Scheidungsraten? Suizidraten? IQ Wert?
        Gibt es Studien dazu, dass die Scheidungsrate niedriger ist, wenn ein 50:50 Modell mit Teilzeit gelebt wird oder dass die Kinder dann glücklicher, schlauer oder was auch immer sind?

        Wir sind ziemlich gut aufgestellt. Die Zeit nach der Scheidung ist im Ehevertrag geregelt.
        Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, müssen wir nicht kämpfen, dass wir unser Pensum wieder erhöhen können (wie einige meiner Kolleginnen). Unsere Arbeitgeber wissen schon jetzt, dass sie sich auf uns verlassen können, und ziehen nicht die Augenbraue hoch, wenn wir uns für den Kinderarzt oder die Krippenaufführung frei nehmen. Wir haben noch nichts verpasst.
        Was sollen wir also „besser“ machen? Was passiert mit unserem Kind ansonsten?

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Mit entsprechenden Anpassungen, die dem Kindeswohl dienen, wie eben eine Elternzeit, und die dafür sorgen, dass sich arbeiten lohnt, wie bezahlbare Kinderbetreuung und berufskompatible Schulzeiten? Nichts dagegen.

        @ Labskaus
        Nun, mit den Strukturen wie in der Schweiz ist nun mal 2x Vollzeit nicht ganz einfach. Sie sprechen von KITA + Nanny, nicht gerade etwas, was sich jede Familie leisten kann. Wir arbeiten auch einmal 90, einmal 100%, aus diversen Gründen, aber es funktioniert nur, weil wir ganz zufällig von den Arbeitszeiten her oft aneinander vorbeikommen und die Betreuung zum Teil familienintern lösen können. Anders würde es weder für die Kinder noch finanziell gehen.
        Und übrigens: Ein Ehevertrag regelt in der Schweiz nicht die Scheidung. Dies nur als Input.

      • Labskaus sagt:

        @13
        Ich weiss, dass unser Modell nicht für alle Personen möglich ist, aber auch deshalb behaupte ich auch nicht, dass es das einzig wahre ist, nach dem alle streben sollten.

        Ich bin absolut dafür, dass sich in Sachen Elternzeit in der Schweiz etwas tun muss. Auch hier hatten wir Glück bzw. die richtigen Arbeitgeber. Mein Mann war mit 2 Wochen Vaterschafts“urlaub“, zusätzlichen Ferien und Feiertagen fast 6 Wochen daheim. Ich war bezahlt 7 Monate zuhause und konnte ohne Probleme bei der Arbeit abpumpen, so dass unser Kind 8 Monate voll gestillt wurde. Dies sollte für alle möglich sein. Und wenn man will, soll man auch 50:50 mit Teilzeit schaffen können und wenn man das nicht will, dann soll man das auch können.

        Man kann die Scheidung nicht regeln, aber eine ganze Menge drumherum.

      • 13 sagt:

        @ Lanskaus
        Ja, das meine ich. Solche Strukturen würden höherprozentige Erwerbstätigkeit erleichtern, was gerade der Wirtschaft zugute käme und was all die Kurzdenker nicht sehen…
        Regeln kann man praktisch nur das Vermögen. Das ist aber nur eines der drei grossen Streitthemen in der Scheidung.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Leider sind deine Aussagen in meinen Augen widersprüchlich. Die hochprozentige Arbeit beider Eltern ist für mich ein Gegensatz zum Kindswohl. Kann man machen, die Kinder werden sich arrangieren und keine Schäden davon tragen. Aber sicher ist es nicht optimal. Ebenso sind auch die berufskompatiblen Schulzeiten in der Regel zum Nachteil der Schüler/innen. Aber gut, auch damit kommen die Kinder letztlich klar. Nur ehrlich sollte man sein bei diesen Themen.
        Und über das „bezahlbar“ haben wir schon so oft diskutiert. Bezahlbar ist die Kinderbetreuung fast immer, sonst gibt es Subventionen. Und nüchtern betrachtet lohnt sich auch die Arbeit fast immer, mindestens mit Blick auf die Folgejahre und Pension. Aber die Ansprüche an den Staat werden halt immer grösser.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Man ist unehrlich oder widersprüchlich, wenn man nicht Deiner Meinung ist? Wobei ich bei der Pensumsfrage durchaus der Meinung bin, dass unter den heutigen Strukturen (lange Arbeitszeiten, kurze Elternzeit, Schulzeiten, die nicht darauf ausgelegt sind etc.) 2x hochprozentig eben schwer damit zu vereinbaren ist, was den Kindern gut täte. Das geht aber anders. Widersprüchlich ist dabei eher, dass Du zu dem Thema mal, mal so stehst. Wenn es nämlich um die Pensumsreduktion der Väter geht, sagst Du: „Wieso denn? Die meisten Väter, mich eingeschlossen, könnten sich sehr gut 2×100% vorstellen“, aber ok. Das ist Deine Sache.
        Beim Schulthema bin ich komplett anderer Meinung. Das hat mit Unehrlichkeit nichts zu tun.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Zum Thema widersprüchlich habe ich klar argumentiert. Hochprozentiges Arbeiten beider Eltern ist, eigentlich unter allen Umständen, vielleicht Elternwohl, sicher zum Wohle der Volkswirtschaft. Aber doch nicht zum Wohle der Kinder. Du widersprichst ja auch gar nicht.
        Ich bin da übrigens auch nicht wechselnd in meiner Haltung. Aber sehr tolerant für Menschen, die andere Prioritäten setzen für sich und ihre Familien.
        Ich sehe auch nicht, wie man beim Schulthema anderer Meinung sein kann. Welchen Vorteil haben denn Blockzeiten mit ihren ausgedehnten Präsenzzeiten, Tagesschulen etc. für die Kinder? Träumen die davon, ihr Leben in der Schule zu verbringen?

      • 13 sagt:

        @ SP
        Klar argumentiert, wenn Du sagst, es sei in deinen Augen nicht kindswohlgerecht? Nun ja. Ich widerspreche teilweise. es ist fast 21.00 Uhr, ich sitze im Büro, mein Mann ist bei der Arbeit, die Kinder drittbetreut. Nein, das ist nicht kindswohloptimal, auch nicht gefährdend, aber nicht optimal. Allerdings ist das Risiko einer Armut nach Scheidung auch nicht kindswohlgerecht. Daher ist meine Position, dass hochprozentige Arbeit + kindeswohlgerechte Systeme nicht per se ein Widerspruch sind, sofern die Vereinbarkeit besser geregelt wäre.
        Schule:
        Nein, der Wunsch der Kindes ist es ihr Leben auf dem Schulweg zu verbringen, den sie unverständlicherweise 4x anstatt nur 2y machen müssen, nachmittags um 16.00 Uhr heimzukommen und dann noch Hausaufgaben zu machen. *Achtung Ironie*

      • Sportpapi sagt:

        @13: Armut nach der Scheidung ist nun sehr weit hergeholt. Und wenn, müsste man noch das Scheidungsrisiko überhaupt einbeziehen.
        Und doch, eigentlich gilt der selbstständig zurückgelegte Schulweg und die Erlebnisse darauf als ziemlich wichtig und attraktiv.
        Aber überleg doch mal, ob im Kindergarten wirklich 4 statt der früher 2 Lektionen für die Kinder angemessen sind, nur damit 8-12 Uhr abgedeckt sind (in Zürich).
        Ob die Kinder wirklich gerne die zusätzlichen Füllerstunden haben, die für die Blockzeiten nötig sind. Und die zusätzlichen Lehrpersonen als Bezugspersonen, ohne die der Halbklassenunterricht (früher seriell, jetzt zeitgleich) gar nicht funktioniert. Und ob sie gerne bei Krankheit der Lerperson in der Schule bleiben und beschäftigt werden, und an freien Nachmittagen.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Na ja, alleinerziehende Mütter machen eigentlich einen grossen Teil der Sozialhilfebezüger*innen. Und rund 95% aller meiner Mandanten waren überzeugt von dem Risiko nicht betroffen zu sein. Man kann das schon kategorisch ausschliessen, ob man es dann auch wirklich durchzieht und der Partner/die Partnerin auch, steht auf einem Blatt.
        Der Kindergarten war bei uns schon immer 8.20 bis 11.50 und ist es auch heute. Der Schulweg etwas, das in der Schweiz sehr idealisiert wird, gerade seitens der Schule, die zwar Mitsprache fordert, aber dafür keine Verantwortung übernehmen will. Ob er immer so glorreich ist, bin ich nicht sicher. Wahrscheinlich hätte die Kinder vom draussen spielen nachmittags mehr. Aber dann müssen sie ja zurück zur Schule.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Die Dynamiken bei den Sozialhilfebezügern kenne ich zu wenig. Aber mit der Abkehr vom „traditionellen“ Familienmodell ist die Scheidungsrate jedenfalls nicht gesunken. Ausserdem plädiere ich keineswegs dafür, ganz aus dem Beruf auszusteigen. Macht ja auch kaum mehr jemand. Bei der Kindergartendauer in Bern kann ich nicht mitsprechen. Aber das „Elfiglöggli“ gab es wohl auch da. Ob der Schulweg idealisiert wird, möchte ich nicht beurteilen. Ein Problem sollte er aber nicht sein. Dass die Kinder nachmittags im Unterricht statt beim Spielen sind, ist vom Modell unabhängig. Ich habe mich aber auch schon bei unseren Kindergärtnern erkundigt, warum eigentlich meine Kinder für das hochgelobte „freie Spiel“ in den Kindergarten müssen, statt zu Hause zu bleiben…

  • Frank sagt:

    Dass unsere Väter sehr wenig Rechte und sehr Pflichten haben, in der Schweiz, ist wohl ein gutes Abbild der Wertschätzung des Vaterseins in unserer Gesellschaft. Väter kommen in der Wertschätzung immer ganz am Schluss, nach den Müttern, den Kindern, dem Staat, der KESB etc: Nützliche Idioten, die primär viele Pflichten haben.

    Vielleicht ändert sich da mal was, in einer Generation. Aber im Moment stehen da die Väter gegen linke Feministinnen und bürgerliche Wirtschaftsfreunde auf verlorenen Posten.

    • tststs sagt:

      Wenn diese Väter nicht nur nach vis-à-vis zum Gegner schauen würden, sondern auch mal nach rechts und links, wären sie u.U. erstaunt, wer da alles so an ihrer Seite steht…

  • me sagt:

    Der Vaterschaftsurlaub bringt in der Tat nichts. Teuer, löst keine Betreuungsprobleme, zementiert die institutionelle Benachteiligung von Vätern. Ich werde als Vater dagegen stimmen.

    Besser wäre eine paritätische Elternzeit, die beide (abgesehen von den sagen wir ersten 1-3 Monaten) flexibel innerhalb der ersten 5 Lebensjahre nehmen können. Väter wären voll gleichberechtigt und könnten sinnvoll zur Betreuung beitragen und zwar dann, wenn es gemäss der Entscheidung beider Eltern am besten passt. Vielleicht in Teilzeit, vielleicht zur Krippen- oder Kindergarteneingewöhnung, vielleicht aber auch Vollzeit wenn / falls die Mutter wieder arbeiten geht.

    • tststs sagt:

      Auch ich bin für die Elternzeit, mit einer wichtigen Einschränkung: Es MÜSSEN beide Elternteile gleich viel Zeit beziehen.
      Ansonsten – befürchte ich – wird das Ungleichgewicht noch mehr zementiert.

  • Christine sagt:

    Das Bild zeigt den Widerspruch: Das Kind ist über 6 Monate alt. Was also nützt einem Vater die Freizeit davor? Die meisten Väter fühlen sich mit Babies überfordert, da sie mit so winzigen Wesen kaum etwas anzufangen wissen. Die Babies verschlafen eh die meiste Zeit. Da sich die heutigen jungen Frauen für 16 Wochen Hilfe des Vaters einsetzen, zeigt dies nur, dass sie nicht belastbar sind, genau wie im Beruf. Was machen sie denn, wenn die Kleinkinder ins Krabbelalter kommen? Erst dann beginnt die Zeit, in der man mehr um die Ohren hat… Sorry, ich kann die Jammerei nicht nachvollziehen, da ich auch ohne Vaterschaftsurlaub nie Probleme hatte.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Von wegen schlafen… Schade, waren Sie nicht mit einem richtig schönen Schreikind gesegnet, welches täglich mehrmals über Stunden geschrien hat, zwischen 5 und 22.15h nur zwei Mal 20 Minuten geschlafen hat (während es getragen wurde) und Nachts zwischen 22.15 und 5 morgens mindestens 4 Mal schreiend aufwachte (in einer guten Nacht), oder ansonsten halt 7 Mal, 12 Mal oder 25 Mal. Und das ab dem 2. Lebenstag bis fast jährig.

      Da würde gewissen Leuten das Maul gestopft werden, welche meinen, sie seien Superwoman und alle welche nicht mit pflegeleichten Bebes gesegnet sind, seien nicht belastbar.

      20 Jahre massive Schlafstörungen, davon weit mehr als die Hälfte mit chrinischem Burnout und Erschöpfungsdepressionen, aber ja: ich bin halt nicht belastbar, nöd wahr?

      • Christoph Mathis sagt:

        Bei manchen liegen die Nerven aber blank – Mann, Mann, Mann.
        Zeigt wahrscheinlich die fehlende Belastbarkeit.

      • Jan Holler sagt:

        Ach was, Christoph Mattis! Was TvS beschreibt, kennen wir nur zu gut. Über ein Jahr ging das. Wir haben es ausgehalten (und heute das Kind ein Sonnenschein, ein fröhliche Natur). Die Nerven haben nie blank gelegen, aber die Augenringe gut sichtbar. Und dabei war das erste Kind wahrscheinliche das pflegeleichteste, das sich Eltern wünschen können. Wir hatten auch gedacht, na so anspruchsvoll sind Babys ja doch gar nicht – und wurden heftig eines Besseren belehrt. Unser Modell war immer fifty-fifty. Ohne grosse Diskussionen. Es geht schon, wenn beide am gleichen Strick ziehen. Vaterschatfsurlaub? Finde ich gut. Hätte zwar nichts mehr davon, aber die paar Steuerfranken sind ganz sicher besser investiert, als in konkursite Hochseeflotten und Steuersenkungen für Reiche.

    • tststs sagt:

      „Die meisten Väter fühlen sich mit Babies überfordert, da sie mit so winzigen Wesen kaum etwas anzufangen wissen.“
      Und die Mütter etwa nicht???

      • Isabel sagt:

        @Christine: Ich finde es bedenklich, dass Sie das so wichtige Zusammenwachsen als neue Familie und die Lebensphase mit einem Neugeborenen als „Freizeit“ bezeichnen und Frauen pauschal als nicht belastbar. Es ist die grösste Veränderung im Leben überhaupt. Und immer wieder bringt sie Mütter und Väter an die Grenzen. Suspekt sind mir im Gegenteil eher diejenigen, bei denen sich anscheinend nichts gross verändert. Mein Mann hat sich nach den Geburten unserer Kinder viel Zeit genommen, und zwar nicht deswegen, weil seine Frau (ich) nicht belastbar ist, sondern weil es seine Kinder sind, und er ein riesiges Bedürfnis hatte, bei Ihnen zu sein. Er wusste erstaunlicherweise auch etwas mit Ihnen „anzufangen“, man glaubt es kaum. Der Zauber dieses Anfangs ist enorm kostbar.

    • 13 sagt:

      Witzig. Säuglinge schlafen nur und sind also ganz easy. Daher sind Mütter, die den Vaterschaftsurlaub wünschen, nur Jammeri und nicht belastbar. Die Väter fühlen sich jedoch durch diese ganztags schlafenden und easy Menschleins überfordert und sollen ins Büro entlassen werden, um das nicht ertragen zu müssen. Kann mir jemand die Logik erklären?

  • silvia sagt:

    Also hört doch auf zu übertreiben bitte. Man will in einer einzigen Generation alles durcheinander mischen, das geht viel zu schnell und auch viel zu weit.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Stimmt, früher war alles biel besser. Da haben die Hausfrauen ihre Kinder ab Bebealter einfach alleine zuhause gelassen, wenn sie Lust hatten auf einkaufen, käfele und Ausgang….

      Da brauchte es keine Väter, welche die Mütter unterstützten

  • WeAreFamily sagt:

    Ferien. Die meisten Berufstätigen frischgebackenen Väter/Mütter haben ca 5 Wochen Ferien. Davon kann man wenn es einem soo wichtig ist doch locker 2 Wochen beziehen um zuhause zu bleiben oder? Wie die Rollenaufteilung danach aussieht ist glaube ich von Familie zu Familie komplett anders.

    • Franka sagt:

      Sagen Sie das Leuten, die im Schichtdienst arbeiten, wo die Pläne teils Monate vorher geschrieben werden. Da die Geburt nicht an einem fixen Tag stattfindet, sondern statistisch innerhalb von 5 Wochen über die Bühne geht, kann man schlecht ein halbes Jahr vorher den Vaterschaftsurlaub planen. Ergo ist man da entweder auf grosse Flexibilität seitens Arbeitgeber angewiesen oder aber darauf, dass man einen gesetzlichen Anspruch auf diese freien Tage hat.

    • silvia sagt:

      Wearefamily : so sehe ich es auch. Ein Vater der motiviert ist nimmt gerne 2 Wochen Ferien. Sonst ist er nicht motiviert.

      • tststs sagt:

        WOW. DAS verstehen Sie unter einem motivierten Vater? Okee…. für mich läuft dies eher unter Mindesteinsatz…aber okee…

    • Leila Taleb sagt:

      Diese 5 Wochen Ferien sind mit kleinen Kindern eher wenig. Eine Mutter nach einem Kaiserschnitt oder einer schwierigen Geburt braucht 2-3 Wochen zum sich erholen. Da ist ein Vater, der das andere Kind betreut und im Haushalt mithelft Gold wert. Kleinkinder sind auch in den ersten beiden Jahren häufig krank (bzw. haben durch das Zahnen eine erhöhte Temperatur und müssen dann aus der Kita abgeholt werden). Ich gab dann teilweise Ferientage, da es je nach Arbeitgeber nicht so gerne gesehen wird, wenn man häufig fehlt. Mich erstaunen immer wieder die realitätsfremden Kommentare in diesen Blog.

    • Alam sagt:

      Wieso sollte „man“ das tun? Ferien sind da, um sich zu erholen. Frischgebackene Eltern erholen sich kaum in dieser Zeit, auch wenn sie sich „Urlaub“ nennt. Das wäre streng rechtlich gesehen sogar eine Zweckentfremdung der Ferien.

      • tststs sagt:

        Noch nie so überlegt; ich habe auch oft argumentiert, dass ja ein Teil der Ferien dafür eingesetzt werden kann (und gleichzeitig rumposaunt, dass Mutter/VaterschaftsURLAUB kaum das richtige Wort sei…)… aber Sie haben recht, das wäre gar nicht erlaubt!

    • 13 sagt:

      @ Wearfamily
      Gesetzlich sind es 4, nicht 5 Wochen und gerade kleinere Betriebe haben meistens auch nur 4 Wochen. Zudem besteht kein Anspruch, diese gleich nach der Geburt zu erhalten. Es gibt Betriebe, wo man im September die Ferien fürs ganze nächste Jahr eingeben. Das ist damit teilweise noch vor der Schwangerschaft. Und wie kommen Sie darauf, dass keine Ferien bezogen werden? Der VU sichert damit jedoch zusätzliche Tage. Denn nein, zwei Wochen reichen gerade nicht.

      • Sportpapi sagt:

        „Zudem besteht kein Anspruch, diese gleich nach der Geburt zu erhalten.“
        DAS wäre allerdings der richtige Ansatz! Plus Recht auf unbezahlten Urlaub.

  • Jan sagt:

    Zuerst einmal Gratuliere ich der Autorin für die Umsetzung ihres gewählten Modelles in Eigenverantwortung. Sie liefert damit auch den Beweis, dass Vaterschaftsurlauf auf Kosten der Allgemeinheit nicht notwendig ist.
    Weiter führt sie korrekt aus, dass es eine Welt ausserhalb ihrer Bubble gibt. Auch eine Ländliche welt, in der die Leute so leben wie es ihnen gefällt, Frauen, die tatsächlich gerne zu Hause bleiben. Ich möchte mir nicht anmassen, eines dieser Modelle für Ideal zu erklären und dann die Politischen Bestrebungen in eine Bestimmte Richtung zu drängen. Es ist gut so wie es ist.

    • Noah Lilienthal sagt:

      Der Staat drängt jetzt in eine Richtung, indem er Müttern 14 Wochen Mutterschaftsurlaub gibt, und Vätern nichts.

      • Sportpapi sagt:

        14 Wochen halte ich für eine angemessene Erholungszeit, und nicht für eine Privilegierung.

      • Noah Lilienthal sagt:

        @Sportpapi: das sah die Mehrheit des Schweizer Stimmvolkes bis 2005 noch anders. So ändern sich die Zeiten. Ich hoffe, dass man in wenigen Jahren auch bei Vätern 2 Wochen Babybetreuung nicht mehr als „Privileg“ betrachtet.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Noah Lilienthal

        Bitte unterscheiden zwischen Erholungszeit, welche einer Mutter zusteht und Erziehungszeit, welche auch Vätern zugestanden werden müssten.

      • Sportpapi sagt:

        @Noah: Schon zuvor gab es ein Arbeitsverbot für Mütter nach der Geburt, wie heute immer noch. Nur hat man die Zeit nicht entschädigt.
        Ändert nichts daran, dass ich mich als Vater nie benachteiligt gefühlt habe.
        Interessanterweise geht es beim Vaterschaftsurlaub ja auch nicht um das Wohl der Väter, sondern das der Mütter. Sonst wäre es nie mehrheitsfähig.

      • 13 sagt:

        „Interessanterweise geht es beim Vaterschaftsurlaub ja auch nicht um das Wohl der Väter, sondern das der Mütter. Sonst wäre es nie mehrheitsfähig.“
        Das ist absoluter Blödsinn. Nur denken manche, dass etwas, das nicht völlig frauenfeindlich ist, unmöglich männerfreundlich sein kann…..dass manche Veränderungen beiden nutzen, wird übersehen.

    • tststs sagt:

      „Ich möchte mir nicht anmassen, eines dieser Modelle für Ideal zu erklären und dann die Politischen Bestrebungen in eine Bestimmte Richtung zu drängen.“
      Ich würde jetzt auch nicht von „Ideal“ sprechen, aber selbstverständlich hat die Politik die Aufgabe, ja die Verpflichtung, dem Lebensstil, der auf Kosten der Allgemeinheit geht, einen Riegel vorzuschieben.

    • Alam sagt:

      In der ländlichen Welt, in der ich 2019 lebe, sind alle Mütter berufstätig. Gibt es tatsächlich noch Orte, an denen das nicht so ist?

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Alam

        Ich war in der Klasse meines Älteren eine von zwei erwerbstätigen Müttern und in der Klasse meines Jüngsten die Einzige.

      • Sportpapi sagt:

        @Alam: Ja, die Schweizerinnen sind in hohem Masse berufstätig. Aber wie viel Prozent denn im Schnitt? Und wie häufig arbeiten sie noch im Job, den sie gelernt haben, zum Lohn, den sie eigentlich in der Arbeitszeit verdienen könnten?

  • Anh Toàn sagt:

    Bei uns hat beim ersten Kind die Mutter mehr gearbeitet, ich war mehr zu Hause, beim nächsten Kind werden wir dies anders machen: Warum? Weil es verkehrt ist und darum anstrengender, man macht sich und dem Kind unnötig das Leben schwerer. Ein Säugling / Kleinkind ist nun mal viel mehr auf die Mutter orientiert. Ab rund 3 Jahren kann der Vater erst gleichwertig sein.

    Ich weiss, das ist furchtbar altmodisch, aber um das zu ändern, brauchen wir keinen Vaterschaftsurlaub, sondern Gentechnik,. damit auch Männer gebären und stillen können. Solange dies nicht geht, rocken (hier auf deutsch wiegen nicht schütteln) Mütter Säuglinge und Kleinkinder viel einfacher als Väter.

    • 13 sagt:

      Haben Sie bisher nicht behauptet, Ihre Frau hätte Mühe gehabt, das Kind überhaupt aus der Hand zu legen oder jemandem zu geben, das bis zur völlig Selbstaufgabe oder verwechsle ich jetzt etwas?

      Beim zweiten Teil: Nein, dem muss ich klar widersprechen. Was die Säuglingspflege mit dem Gebären zu tun haben soll, ist mir unverständlich. Das Stillen ist etwas aufwendiger, aber auch das nimmt nur einen Teil der Betreuung ein. Ein Vater, der bis drei Jahren nicht gleichwertig ist, wird es auch später nicht sein. Festgefahrene Strukturen sind schwer zu durchbrechen.

      • Muttis Liebling sagt:

        ‚Ein Vater, der bis drei Jahren nicht gleichwertig ist, wird es auch später nicht sein.‘

        Das ist biologisch falsch. Im ersten Lebensjahr spielt der Vater überhaupt keine Rolle, danach wächst sie langsam an. Der 3. Geburtstag markiert die endgültige Ablösung der symbiotischen Beziehung des Kindes zur Mutter und ab da beginnt die Rolle des Vaters.

        Der Vater kann sich vorher bemühen, nur ist das der Entwicklung des Kindes gleichgültig. Die Humanevolution wäre nicht das, was sie ist, wenn sie dem Vater eine frühere Rolle zuweisen würde, denn das kann in archaischen Strukturen nie gesichert sein. Das Kind muss sich immer auch ohne Vater optimal entwickeln können. Alles andere wäre biologisch falsch.

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Ein Vater, der bis drei Jahren nicht gleichwertig ist, wird es auch später nicht sein.“
        Das halte ich für Quatsch. Die meisten Jugendlichen haben zu beiden Elternteilen „gleichwertige“ Beziehungen. Und ich kenne viele Väter, die mit einen Säugling wenig anfangen können, aber sehr wohl mit einem (Klein-)Kind, sobald es laufen und sprechen kann.

      • Markus Baumgartner sagt:

        @Muttis Liebling: Die Theorie von der „symbiotischen Beziehung“ zwischen Mutter und Baby gilt in der Bindungsforschung so seit Jahrzehnten als überholt. Es gibt einfach zu viele Gegenbeispiele. Den Effekt, dass sich das Kind über den einen Elternteil vom anderen ablöst, gibt es sicherlich, aber das funktioniert nicht annähernd so linear und immer nur von der Mutter zum Vater, wie das früher einmal dargestellt wurde. In archaischen Strukturen musste das Kind nicht nur ohne Vater sondern gerade auch ohne Mutter aufwachsen können, da letztere nicht selten bei der nächsten Schwangerschaft zu Tode kam.

      • tststs sagt:

        „Im ersten Lebensjahr spielt der Vater überhaupt keine Rolle, danach wächst sie langsam an.“
        Und das ist biologisch noch viel falscher…
        Nein ehrlich, Ahn Toan und ML, wenn Sie schon mit der Natur kommen wollen, dann aber bitte richtig: Das Ungeborene ist ca 40 Wochen auf eine funktionierende Gebärmutter (von mir aus: auf die Mutter) angewiesen. Danach spielen die biologischen Erzeuger aber so was von keine Rolle mehr. Sämtliche Bedürfnisse des Babys können durch irgendeine Person gestillt werden. (Einzige Einschränkung: Fütterung mit menschlicher Muttermilch bedingt eine Frau).

    • Franka sagt:

      das mögen Sie und Ihre Frau so empfinden, Anh, das möchte ich Ihnen überhaupt nicht in Abrede stellen. Wie Sie dieses persönliche Empfinden aber auf die Allgemeinheit übertragen können, ist mir schleierhaft. Nachdem was Sie erzählt haben (dass eben Ihre Frau Mühe hatte, das Kind bei jemand anders zu lassen, sogar bei Ihnen, dem Vater) spricht eher dafür, dass Sie beide im Unterbewusstsein selbst mit der Situation nicht im Reinen waren. Das spürt dann natürlich auch das Kind.

    • Anh Toàn sagt:

      @13 „Haben Sie bisher nicht behauptet, Ihre Frau hätte Mühe gehabt, das Kind überhaupt aus der Hand zu legen oder jemandem zu geben, das bis zur völlig Selbstaufgabe oder verwechsle ich jetzt etwas?“

      Ja, Sie verwechseln etwas, etwas das sehr oft verwechselt wird, etwas worüber hier aus umgekehrter Sicht geschrieben wurde vor kurzem (Anwesenheit ist nicht Erziehung): Das Übertragen von Arbeit ohne die Verantwortung dafür zu übertragen: Meine Frau hat das Kind aus der Hand gegeben, sie wollte auch Geld verdienen, aber nicht die Verantwortung dafür: Es gab detaillierte Instruktionen, Kontrollanrufe täglich, usw. usw. das ganze Brimborium das dazu gehört.

      Bei welchen Säugetierarten wird der Nachwuchs 50/50 betreut?

      • 13 sagt:

        Danke für die Antwort. Ja, den Unterschied kann ich gut nachvollziehen. Wobei ich bei „Kontrollanrufen“ immer etwas schmunzeln muss. Ich versuche auch täglich in der Mittagspause kurz daheim anzurufen. Nie, weil ich dachte, er könne das nicht, sondern um am Geschehen zu Hause dranzubleiben, daran teilzuhaben, auch wenn ich nicht da bin. Nachdem ich eben irgendwo etwas von Kontrollanrufen gelesen habe, habe ich meinen Mann gefragt, ob ihn das eigentlich stört und ob er sich kontrolliert fühle. Und er meinte nein. Er freue sich darüber, dass es mich interessiert, was gerade läuft, und wir uns austauschen können. Wird aber bei anderen wohl anders sein.

        „Bei welchen Säugetierarten wird der Nachwuchs 50/50 betreut?“ Keine Ahnung.

    • Markus Baumgartner sagt:

      Mit Verlaub, das ist wirklich Unsinn. Man kann schon darüber diskutieren, ob es eine Phase nach der Geburt gibt, in der die Mutter für das Kind besonders wichtig sei, aber wenn, dann dauert die Wochen und nicht Jahre. Ich bin für meine Tochter zur präferierten Bezugsperson mutiert als sie ca 12 Monate alt war. Und bei anderer Betreuungsaufteilung wäre es sicher noch früher gewesen. Wenn es in Ihrem Fall anders gewesen ist, dann liegt as am spezifischen Charakter ihres Kindes, und nicht an für alle Kinder gültigen Regeln.

      • Anh Toàn sagt:

        „als sie ca 12 Monate alt war.“

        Können Sie das präzisieren? War der Prozess da abgeschlossen? Oder begann er da?

        Und klar ist jedes Kind anders, aber warum liegt es bei meinem an seinem spezifischen Charakter und Ihr Kind macht die allgemein gültigen Regeln, gleich noch für hypothetische Umstände? Woher wissen Sie, dass die Betreuungsaufteilung dabei überhaupt relevant ist? Vielleicht spielt gar keine grosse Rolle, solange der Papi nicht nahezu komplett abwesend ist?

      • Markus Baumgartner sagt:

        Das war der Zeitpunkt, ab dem die Tochter auf meinen Arm wollte, wenn sie sich z.B. sich weh getan hat oder müde war, und nicht auf den vom Mami. Als sie in der Regel mir hinterhergekrabbelt ist, um beim spielen in meiner Nähe zu sein.

        Ich will auch gar nicht behaupten, dass mein Fall der Normalfall sei. Aber die Behauptung, bis 3 Jahre sei aus biologischen Gründen die Mutter zuständiger, scheint mir schon sehr gewagt. Die meisten Bindungsforscher gehen heute davon aus, dass das Kind meist zu den Personen stärkere Bindungen entwickelt, die am regelmässigsten seine Bedürfnisse erfüllen. Das ist nicht immer die Person mit den höchsten Betreuungsanteilen, aber noch viel weniger ist es immer die Mutter.

      • Amh Toàn sagt:

        @Markus Baumgartner “ Die meisten Bindungsforscher gehen heute davon aus, dass das Kind meist zu den Personen stärkere Bindungen entwickelt, die am regelmässigsten seine Bedürfnisse erfüllen. “

        Das wichtigste Bedürfnis eines Säuglings ist gestillt zu werden. 1 Jahr sagt man, sei eigentlich schon ziemlich gut, also ein Bedürfnis des Säuglings. Und das wären dann schon eher die Mütter, die dieses Bedürfnis erfüllen. Beim Stillen geht es schliesslich nicht nur um Nahrungsaufnahme. Und danach müssen, damit man von „regelmässig“ reden kann, ja Bedürfnisse für eine gewisse Dauer vom Vater erfüllt werden. Wie lange muss dies denn geschehen, sagen diese Bindungsforscher, bis das kleine Kind dann weiss, jetzt erfüllt nicht mehr die Mutter, sondern der Vater genauso regelmässig Bedürfnisse?

    • Martin Frey sagt:

      Es tut mir leid, AT, aber das tönt für mich wie die Argumentation von jemandem, der vor dem Maternal Gatekeeping der Frau die Waffen streckte. Und sich mit der Situation arrangierte.
      Natürlich sind die ersten 3 Jahre anstrengend, vieles läuft nicht rund oder nach Plan. Es ist sicher einfacher, sich als Vater zurückzuziehen, und der Frau/Mutter das Feld zu überlassen. Insbesondere wenn sie das auch für sich so beansprucht, und biologisch argumentiert. Ruckzuck, steckt man allen Vorsätzen zum Trotz wieder in alten, traditionellen Rollenmustern. Die sich ja primär darum halten (@13), weil es vielen Frauen und Männern eben auch sehr gut in den Kram passt.
      Nur, die ersten 3 Lebensjahre kommen nicht wieder. Es kann sein, dass Sie mal bereuen werden, nicht präsenter gewesen zu sein.

      • Anh Toàn sagt:

        „die Waffen streckte“ ich führe keine Kriege gegen meine Frau, es gibt da keine Waffen und keine Kategorien wie Gegner und Gewinner und Verlierer, Schuldige, was weiss ich. Es gibt Schwierigkeiten, Konflikte und lösungsorientierte Ansätze, diese zu überwinden.

    • Anh Toàn sagt:

      @13 „Ein Vater, der bis drei Jahren nicht gleichwertig ist, wird es auch später nicht sein. “

      Sie wollen aber wohl kaum behaupten, der Vater sei ab der Geburt gleich vertraut wie die Mutter, aus der der Säugling kommt, und dass das Stillen diese Vertrautheit, Verbundenheit noch verstärkt. Der Vater ist bei der Geburt von mir aus nur nahezu so fremd wie Hebamme oder Gynäkologe oder die Schwiegermutter, aber auch von letzteren hat er als Embryo schon Stimmen gehört:

      Also ab wann ist denn gemäss Ihnen ein Vater „gleichwertig“, wobei mir gleichwertig nicht gefällt. Geld besorgen ist auch gleichwertig, Spielen gleichwertig zu Trösten, ab wann ist die Beziehung gleich tief, gibt es die gleiche Verbundenheit? Und klar, ist nicht immer gleich, ein grober Medianwert halt.

      • 13 sagt:

        @ Anh
        Gleichwertig bezieht sich auf die „Bezugsperson“. Auch wenn ich es selbstverständlich der Meinung bin, dass der Erwerb des Familieneinkommens auch zur Verantwortung gegenüber einem Kind gehört, so wird man dadurch nicht gerade zur Bezugsperson.
        Ihre Begründung gleich unmittelbar nach der Geburt ist sicher korrekt, aber das ist nur eine sehr kurze Zeit. Wenn die Eltern mit der Einstellung rangehen, dass sie gleichwertig sind, ist der Vater dem Kind sehr rasch gleich vertraut wie die Mutter. Tage, spätestens Wochen, wenn natürlich beide da sind.
        Mein erstes Kind stand z. Bsp. von Anfang an dem Vater näher. Ich hatte nie Mühe mit ihr und stillte auch, aber diese innere Ruhe, die sie bei ihm fand, fand sie bei mir nie. Das ist auch heute (sie ist inzwischen 12) noch so.

      • 13 sagt:

        Nur eines meiner drei Kinder hatte eine ausgeprägt Mama-Phase mit rund 4-6 Monaten. Dann war es wieder ok. Üblicherweise ziehen sie gerade denjenigen vor, der mehr weg war. Oder der für das spezifische Bedürfnis als besser geeignet erscheint. Aber eben: Wir gingen beide immer von Tag 1 davon aus, dass wir auf gleicher Stufe stehen. Das überträgt sich auch auf die Kinder.

      • tststs sagt:

        „Sie wollen aber wohl kaum behaupten, der Vater sei ab der Geburt gleich vertraut wie die Mutter, aus der der Säugling kommt, und dass das Stillen diese Vertrautheit, Verbundenheit noch verstärkt.“ Ich behaupte: es gibt keinen Regelfall.
        Sie haben hier ein sehr romantisiertes Bild von Mutterschaft; das übrigens auch gar nicht so falsch ist, der pränatale Hormoncocktail sorgt für ein paar Momente der totalen Magie, die nur die Mutter empfindet… aber diese Wirkung hört bald auf, und dann stehen da zwei Erwachsene vor einem Bündel und sollen schon wissen, was es da braucht. Und die eine Person noch viel mehr, weil es ja vorher in ihr gewachsen ist. Habakuk.

    • Anh Toàn sagt:

      Ich habe nichts gegen Vaterschaftsurlaub, klar kann man den normalen Urlaub dazu verwenden, aber dessen Zweck, Erholung, hat ein frischer Vater kaum, auch wenn er nur die Mutter von allem ausser dem Säugling befreit und manchmal noch etwas für den Säugling macht.

      Ich bin überzeugt, jeder Elternteil sollte ein eigenes externes Einkommen haben. Aber bis etwa-2-3 Jahre ist eine hälftige Aufgabenteilung nicht sinnvoll. Und bei 2 Kindern sind das 5 Jahre, in einem für echte Karrieren entscheidenden Alter.

      P.S. Fährt (ÖV, VELO) Papi das Kind MEHRMALS TÄGLICH zur Tanke, weil es mit der Flasche nicht so klappt und arbeitende Mutter und Säugling auch die Nähe brauchen, vervielfacht sich der gesamte Aufwand Zeit/Geld/Energie des Pendeln, als wenn einfach Papi arbeiten ginge.

      • Anh Toàn sagt:

        ganz lustig wird dann das mehrmals täglich zur Tanke fahren, wenn man zum Säugling noch ein etwas grösseres, aber noch immer ziemlich kleines Kind mitnehmen muss. Jedesmal anziehen helfen, überreden, auf der Heimfahrt eingeschlafen, aufwecken, schlechte Laune.

        Geht einfach papi arbeiten, ist alles viel einfacher, Mami für eine Zeit so wenig wie sie muss, um den Job zu behalten: Bei uns heisst das 3 Monate unbezahlt nach dem Mutterschaftsurlaub und dann 40% für Sie. (Und ich kümmere mich um Geld verdienen als zu arbeiten)

    • Anh Toàn sagt:

      @13 Medine Frau hat auch gemeint, Sie könne die Verantwortung für ihr Kind abgeben und wieder 100% arbeiten, ihre Karriere war ihr wichtig, und ein anständig bezahlter Job in einer Fabrik in der Schweiz ist für eine Vietnamesin mit 4 Jahren Schulbildung durchaus Karriere: Sie konnte ihren finanziellen Beitrag an unsere Familie leisten, ihre Familie in Vietnam unterstützen und mehr sparen, als ein durchschnittlicher Anwalt oder Arzt in Vietnam verdient.

      Aber dann war das Kind da, und sie konnte nicht loslassen. Und das Kind zumindest nicht, wenn es krank war, dann wollte s Mami in der Nacht und Mami schlief bei der Arbeit ein. Dann war der Chef nicht froh und Mami noch mehr überfordert. Kurz: Es war nicht gut, weil sie nicht so gebaut ist. Nicht alle, aber die Mehrheit der Mütter..

    • Anh Toàn sagt:

      @alle hier

      Also wenn ein Säugling / Kleinkind eigentlich ganz gut ohne die Mutter kann, mit dem Vater genauso gut, kann er dann in einer komplett anderen Umgebung auch genauso gut? Oder wie viel Mutter / Vater braucht ein Säugling? Und es beim Stillen nur um Fütterung (@tststs)

      • Anh Toàn sagt:

        Merkt Ihr eigentlich, was ihr so rauslässt: Einem kleinem Kind ist es egal, von wem es betreut wird, solange es betreut wird, quasi ab der Geburt: Das ist dem Kind egal, wenn man es da der Mutter entzieht: Das wollt ihr nicht sagen, aber das ist die Konsequenz:

        Dann müssten wir aus Kindeswohlsicht alle Kinder ab Geburt den best geeigneten Betreuern zuweisen, wir brauchen professionelle Eltern: Dann brauchts auch keinen Vaterschaft- und nur einen kurzen Mutterschaftsurlaub.

      • 13 sagt:

        @ Anh
        Einem Baby ist es nicht egal, von wem es betreut wird. Es braucht Bezugspersonen, also Personen die möglichst oft da sind und die es kennt. Und maximal 2-3. Richtig ist aber, dass das nicht unbedingt die Mütter sein muss.

  • Simon Affentranger sagt:

    Völlig einverstanden, dass es eine Elternzeit braucht. Ich bin allerdings der Meinung, dass diese etwas überbewertet wird. Wenn wir nun also nur zwei Wochen kriegen, dann sollten wir uns auf die Teilzeitarbeit konzentrieren. Die sichert langfristig das Gleichgewicht zwischen den Eltern (am interessantesten wäre eine Elternzeit, die sich in Teilzeit umwandeln liesse, z.B. während eines Jahres; 10 Wochen zusätzlich zu den 14/16 Wochen würden dafür ausreichen). Und nicht nur die Männer sollen sich mehr im Haushalt engagieren, sondern eben auch die Frauen mehr an der Familienfinanzierung beteiligen. Ich glaube, auch die Männer werden daran breit Gefallen finden, sich diese „Financial Load“ zu teilen.

    • Frank sagt:

      @Affentranger, ich überlege mir immer wieder mal, welche Partei sich für Männer- und Väteranliegen einsetzen könnte. Heute weit und breit keine zu sehen. Aber die GLP könnte sich da ohne gross zu verbiegen vorwagen (ist ja an sich ein urliberales Anliegen, Gleichstellung nicht nur als Einbahnstrasse zu sehen), wäre ein erhebliches Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Rest der Parteien, würde bei vielen Vätern und Männern offene Türen einrennen.

      • Simon Affentranger sagt:

        @Frank: Das finde ich natürlich auch! Die glp ist da gar nicht so auf dem Holzweg. Einerseits eine progressive Gleichstellungspartei mit Kathrin Bertschy bei Alliance F, aber gleichzeitig gibt es (glücklicherweise) kaum eine Diskussion darüber, ob bspw. das Rentenalter angeglichen werden muss (selbstverständlich). Und auch die jglp fordert bspw. eine allgemeine Dienstpflicht. Es geht doch darum, das System zu verändern und nicht die Geschlechter gegeneinander auszuspielen.

  • 13 sagt:

    Ein schöner Artikel und gut, dass das Thema auf das Tapet gebracht wird. Nur bin ich der Meinung, dass wir nicht von Vaterschaftsurlaub/Elternzeit sprechen sollten, sondern die Diskussion, wie es denn ausgestaltet wird, zu führen ist. Die Schweiz ist durch ihre wirtschaftlich sehr starke Lage einen anderen Weg gegangen als viele andere Länder. Die rund 2-3 Generationen, wo die Mutter zu Hause waren, haben ihre Spuren hinterlassen, bei den Arbeitnehmenden und den Arbeitgebenden. So zu tun, als würde das nichts zählen, wäre zu wenig weit gedacht. Eine angemessene! (nein, ich spreche nicht von dem lächerlichen Vorschlag von 16 Wochen!) Elternzeit wäre schön. ABER wer denkt, dass damit für die Gleichberechtigung etwas getan wäre, irrt gewaltig.

    • 13 sagt:

      Solange wir hier immer wieder von Frauen lesen, deren Männern sich nicht einbringen wollen, z. Bsp. durch Pensenreduktion, und von Männern, die beklagen, sie hätten sich gerne eingebracht, die Frau hätte es aber nicht zugelassen, braucht es eben etwas anderes, um einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen. Nicht nur zu Hause. Ich denke da auch an ArbeitgeberInnen, bei denen sich niemand rechtfertigen sollte, weil er*sie in Elternzeit geht. Dafür braucht es einen klaren Anteil reserviert für Mütter und einen reserviert für Väter und meinetwegen noch einen frei wählbar.
      Aber eine freie kurze Elternzeit wird faktisch zu einem verlängerten Mutterschaftsurlaub führen, weil es beim Mann „in meinem Job eben gar nicht geht“. Damit zur Diskriminierung der Frau im Beruf und Mann zu Hause.

      • Markus Baumgartner sagt:

        Nicht oder sicher nicht nur, weil es beim Mann „in meinem Job eben gar nicht geht“, sondern mindestens genau so oft, weil die Frau unbedingt „mehr Zeit mit dem Baby verbringen will“ (und notfalls das Stillen als Totschlagargument bringt).

      • Frank sagt:

        „Aber eine freie kurze Elternzeit wird faktisch zu einem verlängerten Mutterschaftsurlaub führen, weil es beim Mann „in meinem Job eben gar nicht geht“. Damit zur Diskriminierung der Frau im Beruf und Mann zu Hause.“

        Nein, weil es „beim Mann eben gar nicht geht“ ist eine Diskriminierung des Mannes im Beruf.

      • 13 sagt:

        @ Markus
        Ja, beides. Und beides sind letztlich Todschlagargumente.

        @ Frank
        Es geht auch bei der Frau oftmals vieles nicht. Nur wo es bei der Frau heisst „darum musste ich eben kündigen“, heisst es beim Mann „darum musste ich mich eben fügen.“ Beides ist nicht gut. Mit „Mann zu Hause“ meinte ich darum auch, dass er eben nicht zu Hause bleiben kann.
        Ich will keine Elternzeit, die der Mann zwar rechtlich hat, aber faktisch nicht beziehen kann, weil er zurecht Konsequenzen im Job fürchtet, da der*die Arbeitgeber*in nicht einsieht, warum der Mann sie beziehen soll. Noch will ich eine, wo noch mehr junge Frauen nicht angestellt werden, weil sie ein „Schwangerschafts-/Elternzeit-Risiko“ mit sich bringen. Das wäre m.E. am Ziel vorbei.

      • Sportpapi sagt:

        Du hast ja mit der Bewertung recht. Ob allerdings die Folgerung zielführend ist, dass man Frauen und Männer zwingen muss zu tun, was sie aus eigenem Antrieb offenbar nicht möchten, halte ich nicht für sinnvoll.
        Schon gar nicht, wenn daraus Kosten entstehen, denen letztlich wenig Nutzen gegenübersteht.

  • Sportpapi sagt:

    Schön, dass hier wieder mal politisch diskutiert wird. Allerdings teile ich die Argumentation nur bedingt. Einerseits sehe ich nicht, was zwei Wochen Vaterschaftsurlaub an den Rollen der Eltern ändern sollen. Die Aufgabenteilung ist ja in der Regel längst vorgenommen, bevor die Kinder auf der Welt sind. In meinem Umfeld verlängern zudem alle Mütter den Mutterschaftsurlaub auf mindestens ein halbes Jahr, auf eigene Kosten. Nicht einmal hat man dem Vater auch ein paar Wochen finanziert… Und die Reduktion nach dem Mutterschaftsurlaub wurde schon Monate vorher mit dem Arbeitgeber besprochen und fixiert (oder gekündigt).
    Auf der anderen Seite zeigt die beschriebene Geschichte ja, dass auch heute ein späterer Rollentausch jederzeit und erfolgreich möglich ist. Wenn gewollt.

    • 13 sagt:

      @ Sp
      Das bedeutet lediglich, dass sich Dein Umfeld auf Paare beschränkt, wo genügend Geld für einen unbezahlten Urlaub vorhanden ist und andererseits die Frau nicht in eine Position arbeitet, wo es schwer ist, länger von der Arbeit wegzubleiben. Also genau diejenigen Familien, wo des Mannes Lohn die Familie ernährt und derjenige der Frau ein netter Zustupf ist. Das entspricht jedoch bei weitem nicht allen, weder in ihrer Einstellung noch in den finanziellen und berufliche Möglichkeiten. Es ist eben immer schwer nur vom eigenen Umfeld auszugehen.

      • Martin Baumgartner sagt:

        Das sehe ich genauso. Wo ich wohne, käme nur einer kleinen Minderheit von Müttern in den Sinn, eben mal ein paar Monate oder Jahre selbstfinanzierten zusätzlichen Mutterschaftsurlaub zu nehmen, weil die Familie dadurch sozialhilfeabhängig würde. Ausnahmen sind die Frauen, die sowieso schon ungewollt arbeitslos sind, aber da gibt es auch nicht wenige Männer, die wegen Arbeitslosigkeit zwangsweise die Kinderbetreuung übernehmen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Richtig, mein Umfeld ist zwar gross, aber nicht repräsentativ. Aber vermutlich wirst du mir auch gerade noch erklären, dass es gar nicht stimmt, dass viele Frauen nach Geburt grundsätzlich ihr Arbeitspensum massiv reduzieren, weil sich das die meisten gar nicht leisten können…
        Aber letztlich war das auch gar nicht der Punkt. Sondern der, dass zwar von Paaren dringend ein Vaterschaftsurlaub gefordert wird. Aber nur, wenn er von anderen bezahlt wird. So wichtig scheint er dann doch nicht zu sein.
        Passt übrigens auch zu deinem Votum unten. Vaterschaftsurlaub natürlich nur, wenn damit die bestehenden Urlaubswochen von Frauen nicht angetastet werden (nicht einmal als freiwillige Option, die wohl kaum mal gezogen würde).

      • 13 sagt:

        @ SP
        Zumindest nach dem zweiten Kind reduzieren viele Mütter tatsächlich nicht. Ausser die, deren Lohn eben ohnehin nicht viel zählt (böse gesagt, diejenigen, die schön weit nach oben geheiratet haben). Und doch, er ist wichtig, ZUSÄTZLICH zu den Ferien. Wäre der sehr lang erkämpfte Mutterschaftsurlaub 6 Monate und mehr, würde ich gerne einige Wochen abgeben, ansonsten kann ich nur Dich zitieren:
        „14 Wochen halte ich für eine angemessene Erholungszeit, und nicht für eine Privilegierung.“
        Wenn er eh nie bezogen werden kann, wozu dann so tun als ob? Als Alibi? Dann verlängern wir doch einfach den Mutterschaftsurlaub und verweisen die Väter auf die Ferien.

      • 13 sagt:

        Aber siehst Du, das ist eben für mich der berühmte faktisch vs. rechtlich Unterschied. Ich will Vätern eine echte Möglichkeit geben, an der Geburt und der Zeit danach teilzuhaben. Nicht nur eine theoretische.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Nach meinem Wissen umfasste der FDP-Vorschlag 16 Wochen. Und damit total gleich viel, wie aktuell offenbar mehrheitsfähig wird. Nur mit zusätzlichen Möglichkeiten der Flexibilität.
        Ausserdem: Möglichkeiten und Verpflichtungen sind eben nicht das gleiche. Wenn es um Möglichkeiten geht, hätte der Vorschlag mehr gebracht. Aber dein Anliegen ist offenbar eher eine Verpflichtung. Weil du den Müttern und Vätern nicht zutraust, aus eigenem Antrieb diese Zeit angemessen zu verteilen.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi
        „Nach meinem Wissen umfasste der FDP-Vorschlag 16 Wochen. Und damit total gleich viel, wie aktuell offenbar mehrheitsfähig wird. Nur mit zusätzlichen Möglichkeiten der Flexibilität.“
        Genau. Gegenüber der aktuellen Lösung wäre es zumindest ein Nullsummenspiel, welches jedoch je nach Bedürfnissen gestaltbar wäre.
        13 ist uns noch die Antwort schuldig, weshalb der Vorschlag mit mehr Wahl- und Gestaltungsfreiheit gegenüber dem aktuellen Modell so grottenschlecht sein soll. Oder anders formuliert, ist es wirklich so, dass wir alle Menschen über einen Kamm scheren, sie zu ihrem Glück und in einen bestimmten Lebensentwurf von oben herab zwingen müssen?
        Momentan ist es ja noch so, dass eine Frau finanziell abgestraft würde, wenn sie vor Ablauf ihres MU wieder arbeiten möchte.

      • 13 sagt:

        @ MF
        Ich dachte eigentlich, dass ich das beantwortet hätte. Gegenüber dem heutigen Modell wäre es eine geringfügige Verbesserung (nicht unbedingt in allen Fällen, wie gesagt, habe ich bei getrennten Paaren schon jetzt Respekt). Evtl. würde es im Einzelfall zur Verschlechterung führen, wenn Frauen sich beim Arbeitgeber rechtfertigen müssen, weil sie mehr als die 8 Wochen nehmen, aber das schätze ich als klein ein. Es ist aber bei Weitem nicht genug und erst gar nicht besser als 14+2. Und wenn man heute so etwas zustimmt, wird die weitere Diskussion um mind. 10-20 Jahre vertagt, so funktioniert die Schweiz. Darum sollte man das nicht tun.

  • Noah Lilienthal sagt:

    Herzlichen Dank für den Blog Post! Es braucht jetzt wirklich einen Vaterschaftsurlaub, am besten eine Elternzeit mit gleichen Ansprüchen für Mütter und Väter. Sie muss ja nicht riesig sein, niemand hier redet ernsthaft von Modellen mit jahrelangen Ansprüchen, wie sie in einigen europäischen Ländern existieren. Ich werde froh sein, wenn das jahrelange Hickhack um die Details – hier zwei Tage mehr oder weniger, dort verschiedene Aufteilungsregelungen zwischen Vater und Mutter – mit dem Ergebnis, dass dann am Ende gar nichts gemacht wird, vorbei ist.

  • Lukas Grossar sagt:

    Es freut mich immer zu lesen, dass es immer mehr Familien den Schritt zu einer 50/50 Aufteilung wagen. Ja, es passt nicht für alle, aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen sollten alle Varianten möglich machen.
    Beim Thema Vaterschaftsurlaub hoffe ich, dass die zwei Wochen nur ein erster Schritt sind, aber der Weg zu einer flexiblen Elternzeit ist sicherlich noch sehr weit und hätte aktuell an der Urne leider wenig Chancen.

  • Muttis Liebling sagt:

    ‚Auf in den Kampf, liebe Väter, und all jene, die es werden wollen!‘

    Wie darf ich mir diesen ‚Kampf‘ vorstellen? Demonstrieren oder lautstark fordern? Oder etwas noch Nutzloseres?

  • werner boss sagt:

    Mein Mann “ rockt“ den Haushalt viel besser als ich… Da habe ich doch neulich in einer Zeitung etwas gelesen wie sich eine Schweizerin über das Vorhandensein von , von Schweizer Männern angeheirateten Ausländerinnen, beschwerten. Wenn man aber den Fünfer und das Wegwill will, dann liebe Schweizer Frauen, dann kommen noch viel mehr Ausländerinnen in die Schweiz!

    • Francis Lehmann sagt:

      Meinen Schwestern geht es so mit Schweizer Männern. Die eine ist mit einem Marokkaner, die andere mit einem Ungar liiert, beide haben eine Familie und eine gleichberechtigte Arbeitsteilung. Fünfer und Weggli hat es für sie mit männlichen Schweizern auch nicht gegeben.

  • Jan Holler sagt:

    Dieser Artikel gereicht dem Mamablog zur Ehre. Lange her, auf diesem Niveau gelesen zu haben. Danke.

    • Noah Lilienthal sagt:

      Bin jetzt auch positiv überrascht. Für die Elternzeit, aber ohne einseitige Schuldzuweisung an die angeblich faulen und karrieregeilen Männer, weibliches Opfernarrativ oder Forderungen nach Männerumerziehung bzw ideologische Appelle an Frauen irgendetwas „einzufordern“. Man glaubt es kaum. Wenn es immer so dargestellt würde, würden sich wesentlich mehr Männer dafür begeistern. (Die letzte Aussage sollten sich durchaus mal ein paar linksliberale JournalistInnen zu Herzen nehmen, deren ideologisierte Darstellungen mehrheitlich kontraproduktiv wirken.)

  • Andreas Roth sagt:

    Teile Ihre Herleitung zu 100%. Wer sich traut, die Ausreden warum 50/50 nicht geht, in kreative Lösungen umzuwandeln (manchmal ist dafür auch ein Jobwechsel nötig), der wird mit viel Zeit und gelebter Gleichberechtigung belohnt. Und man lebt den eigenen Kindern erst noch ein wünschenswertes Rollenverständnis vor.

    • Muttis Liebling sagt:

      Das gewünschte Arbeitspensum richtet sich nach dem Beruf, der Tätigkeit, nicht der Familie. Beides Familie und Beruf sind gleichwertig, es sei denn, man ist nur wegen Geld erwerbstätig. Bei inhaltlichen Zielen sind die ebenso wichtig als Kinder.

    • Niklas Meier sagt:

      Vaterschaftsurlaub UND Dienstpflicht? Arbeiten soll wer?
      Die Autorin und ihr Mann arbeiten nicht 50:50, sondern 70:70(%) wenn man ihnen zutraut die Freitage zu koordinieren.
      Interessant ist auch der Hinweis, dass es der Mann eine Kaderstelle reduzieren muss. Kennt jemand Handwerker mit Teilzeitanstellung?
      Mir scheint der Artikel etwas gar „schaut wie toll und vorbildlich“ (wir Rüben vom Biomarkt) zu sein.

      • Noah Lilienthal sagt:

        Wenn es nicht geht, geht es nicht. Und wenn man es nicht will, macht man es nicht. Aber das ist alles kein Argument gegen eine Elternzeit für diejenigen, die können und wollen.

      • Hannah Kernd sagt:

        Mein Mann ist zu 80% als Koch angestellt, sein Bruder 70% als Gärtner. In meiner Bubble gibts das. Wir Frauen können mit unseren Löhnen die Lohneinbusse wieder weg machen. Funktioniert also auch.

  • Martin Frey sagt:

    Halleluja! Es gibt sie noch, die Stimme die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Und dann noch ausgewogen! Fair! Und mit Blick auf die Probleme von Vätern und Müttern. Dazu noch jemand mit Bewusstsein dafür, selber in einer nicht zwingend repräsentativen Blase zu leben. 🙂
    Der VU von zwei Wochen ist meines Erachtens durch. Von den Referendumsdrohungen muss wohl niemand Angst haben. Eine Elternzeit wäre aber sicher fairer und egalitärer. Mir persönlich hat der FDP Vorschlag sehr gut gefallen: 16 Wochen Elternzeit die unter dem Elternpaar nach deren Bedürfnissen und Präferenzen frei aufteilbar wären, mit einem minimalen mütterlichen Anteil von 8 Wochen.
    Aber das ist für viele der Leute wohl zu liberal, die ansonsten gerne von Elternzeit reden, aber keine liberale Lösung anstreben.

    • Francis Lehmann sagt:

      Zum letzten Mal, Frey. Es sollte jetzt langsam jedem klar geworden sein, dass die 16 Wochen Mutterschaftsurlaub das gesetzlich geltende, international vorgeschriebene Minimum sind! Das darf im Sinne des Mutterschutzes und der Menschenrechte um keinen Tag gekürzt oder mit den Vätern geteilt werden, sie gelten allein für die Mutter. Wenn schon sollten Väter für die gleiche Dauer von der Arbeit freigestellt werden!

      • Martin Frey sagt:

        Nicht dass wir das schon mal diskutiert hätten, Herr Lehmann. Aber Sie können Ihre Behauptungen gerne belegen.
        Meines Wissens beginnt die minimale Mutterschutzfrist 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet 8 Wochen postpartal. Aber ich bin kein Experte auf dem Gebiet, anscheinend im Ggs. zu Ihnen. Insofern bin ich gespannt auf Ihre detaillierten Ausführungen.

      • sonic sagt:

        MF: Mutterschutz vor der Geburt? Aber nicht in der Schweiz..
        Nach der Geburt darf man 8 Wochen nicht arbeiten und bis 16 Wochen nur wenn man will (Kündigungsschutz). 14 Wochen darf man in den Mutterschaftsurlaub, bei 80% Lohn.

      • Markus Baumgartner sagt:

        @Francis: das ist jetzt glaub gleich zwei mal sachlich falsch – erstens sind es 14 Wochen und zweitens gibt es kein international vorgeschriebenes Minimum. Ich bin auch dafür, dass der Vaterschaftsurlaub zusätzlich zum Mutterschaftsurlaub kommt, und nicht auf dessen Kosten. Aber gleichzeitig finde ich es auch grundfalsch, dass linke Politikerinnen die Einführung überhaupt irgendeines (nur bedingt mehrheitsfähigen) Vaterschaftsurlaubs inzwischen um Jahre verzögert haben, weil sie nicht einmal die Möglichkeit zulassen wollten, dass die Eltern auch nur einen einzigen Tag des bestehenden Mutterschaftsurlaubs freiwillig auf den Vater übertragen konnten (aus lauter Angst, irgendeine Frau könnte sich dann gedrängt fühlen, auf Tage zu verzichten).

      • Muttis Liebling sagt:

        Bei der Mutter würde ich postpartal die Stillperiode als Mass der Dinge nehmen. Für einen Vaterschaftsurlaub hingegen gibt es m.W. keine entwicklungsbiologischen oder -psychologischen Gründe. Man kann das politisch wollen, aber objektiv bringt Vaterschaftsurlaub dem Kind nichts.

      • 13 sagt:

        Das ist beides nicht ganz richtig.
        International geltende Regelungen, die auch für die Schweiz gelten sehen einen 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub vor, davon 6 Wochen Berufsverbot. Eine Karenzfrist vor der Geburt gibt es nicht, weder innerstaatlich noch international. In der Schweiz arbeiten die Frauen ohne Krankschreibung bis zur Geburt. @ Martin: Wie kommst Du auf Mutterschutz vor der Geburt?

        Rein politisch gehe ich mit F. L. aber einig. Der FDP-Vorschlag ist (typischerweise) eine völlig ungenügende und rein wirtschaftsfreundliche Alibiübung, um die Befürworter zum schweigen zu bringen und ich bin froh, wurde er so nicht übernommen.

      • 13 sagt:

        @ Markus
        https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20112669/index.html

        Es geht kaum um Angst, dass sich die Frau gedrängt fühlt, wobei ich als Fachperson doch gewisse Fragen im Hinblick auf Eltern, die kein Paar sind, habe. Aber das Problem ist, dass es durchaus entscheidend ist, was man jetzt einführt, da weitere Diskussionen damit wohl oder übel zuerst einmal vertagt werden. Ich höre schon „Salami-Taktik“-Rufe, bekanntlich schon bei Themen, wo die letzte Änderung 15 und mehr Jahre her ist (siehe die aktuelle „Ehe für alle“-Diskussion). Und darauf zielen eben der FDP-Vorschlag und ähnliche klar ab. Und darum sind trotz grosser Dringlichkeit Schellschüsse vorsichtig abzufeuern.

      • Markus Baumgartner sagt:

        @13: Ok, danke für den Link. Das war mir entgangen, dass die Schweiz inzwischen ein Abkommen ratifiziert hat.

    • Martin Frey sagt:

      @13
      Ich habe das mit dem Mutterschutz vor Geburt mal irgendwo gelesen, aber vielleicht bezog es sich auf Deutschland, kann sein.
      Das absolute Berufsverbot ist meines Wissens 8 und nicht 6 Wochen, sprich so wie Sonic es schilderte. Der von Dir so geschmähte Vorschlag der FDP baut genau darauf auf, und stellt natürlich eine gesetzliche Minimalvariante dar, die wirtschaftsfreundlich genug (ich weiss, in deinem Lager eher kein Argument) ist und einen Kompromiss darstellt, sodass sie als solches wohl mehrheitsfähig wäre. Denn wie beim MU gibt es dann ja immer auch Branchen und Unternehmen, die weit über die gesetzliche Minimalvariante hinausgehen. Und so wäre es voraussichtlich auch bei der Elternzeit.

      • 13 sagt:

        @ martin
        Ja, solche familien- und mütterfreundlichen Regelungen beziehen sich fast immer aufs Ausland. In D besteht ein 6-wöchiger Mütterschutz. Hierzulande werden immer öfters Gynäkolog*innen als Zeugen vorgeladen, die sich dann rechtfertigen müssen, warum eine Frau zwei Wochen vor Geburt nicht stehend arbeiten kann (Aussage meiner Gynäkologin). Ich habe einmal bis 2 Stunden vor Blasensprung gearbeitet. Es ging. Wünschen tue ich es niemanden.
        Die internationale Regelung (siehe Link) sieht 6 Wochen ab Geburt als Minimum vor, die Schweiz kennt ein 8-wöchiges Verbot.
        Das mit Branchen/Firmen stösst mir ehrlich sauer auf, weil es wie so oft staatliche und halbstaatliche Betriebe sind, die sich das leisten können. Durch Steuergelder derjeniger, die es nicht können. Nein!

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Es sind nicht nur staatsnahe oder staatliche Betriebe, das auch. Aber gerade die von linker Seite ebenfalls gerne geschmähten Grosskonzerne wie die UBS bieten oft hervorragende Sozialleistungen, die weit über das Minimum hinausgehen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Staatsnahme Betriebe haben eine Vorbildfunktion, die sie zum Glück wahrnehmen. Auf der anderen Seite müssen sie ja im Wettbewerb um Mitarbeiter auch etwas bieten. Und beim Lohn können sie ja meist, z.B. mit einer UBS, nicht mithalten. Zumal auch diese Betriebe ihren Mitarbeitern ganz viel Goodies mitgeben.
        @Martin Frey: Ich würde ja die UBS auch als staatsnah bezeichnen… Aber die linke Seite schmäht die Banken ja nicht wegen der Anstellungsbedingungen, oder. Hier ist es ja eher erstaunlich, wie diese sich im gleichen Berufsfeld, z.B. KV, je nach Branche stark unterscheiden.

      • 13 sagt:

        Martin,
        Ja, das ist richtig. Diese beuten Menschen einfach anderswo aus resp. unterstützen entsprechende Systeme, aber das ist ein anderes Thema. Wenn aber z. Bsp. der Bund in seiner Vorbildfunktion oder die Swisscom 2 Wochen Vaterschaftsurlaub einführt, dann bin ich eben etwas verhalten freudig. Nicht, weil ich es diesen Vätern nicht gönnen würde, da tue ich von Herzen, sondern weil es mich stört, dass dies eben nur diese haben. Fakt ist aber auch, dass 2/3 der Beschäftigten in der Schweiz bei KMUs angestellt sind und diese sich oftmals eine grosszügigere Regelung wie VU zu 100% auf Kosten des Arbeitgebers oder auch schon nur 5 Wochen Ferien nicht leisten können. Einige Franken zusätzliche Abgabe an die EO würde aber drinliegen.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Der Zweihänder mit der „Ausbeutung“ musste ja kommen, 13. 😉 Auch wenn es hier nichts zum Thema tut.
        Fakt ist einfach, dass diese Unternehmen zu den grössten Arbeitgebern im Lande zählen, eine enorme Wertschöpfung erwirtschaften und in hohem Mass auch zum Steuersubstrat beitragen, auf das dann die politischen Protagonisten noch so gerne zurückgreifen wenn es darum geht, dieses wieder mit beiden Händen auszugeben. Sie sind mindestens so Vorbilder wie staatsnahe Betriebe. Und zum Thema Ausbeuter: bei einer Partei, in der namhafte Exponenten Ausbeuter und Diktatoren aus ideologischen Gründen durch alle Böden verteidigen, finde ich dieses Totschlagargument aus deren Mund immer etwas unangemessen. Aber das ist meine Privatmeinung, wir sind da off topic wie Du richtig anmerkst.

      • 13 sagt:

        Aber Martin, natürlich sind Diktatoren und Ausbeuter zu verteidigen, damit diese auch schön an der Macht bleiben und damit genügend Geld haben, welches sie in der Schweiz unterbringen können. Wie sollen sonst unsere Grossbanken die Wertschöpfung sicherstellen? 😉
        Was ist dein nächstes Beispiel? Nestlé als grosser Kinderfreund?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Dein Sarkasmus in Ehren, 🙂 aber stell Dir einfach mal kurz eine Schweiz ohne Banken, ohne Nestle, Versicherungen, Chemie, ABB, allgemein ohne Grosskonzerne vor. Und was das für uns alle für Konsequenzen hätte.
        Und nochmals, deutlicher: Politiker Deiner Partei, die sich mit Tyrannen wie Maduro, Mugabe und ähnliche Potentaten solidarisieren und sie gegen jede noch so berechtigte Kritik wider besseres Wissen verteidigen nur weil sie mit ihnen die Ideologie teilen, haben m. E. keine moralische Glaubwürdigkeit, mit dem Finger auf die teils durchaus diskutablen Praktiken gewisser Grosskonzerne zu zeigen. Notabene versehen mit Kampfbegriffen wie Ausbeutung.

      • 13 sagt:

        @ Martin
        Nun, ich persönlich glaube nicht an eine Kollektivschuld und damit halte ich auch nicht viel von kollektiven Strafen. ICH habe keinen Diktator etc. je verteidigt und erlaube mich daher durchaus Kritik an Grosskonzernen anzubringen. Dabei geht es nicht einmal darum, dass es keine Grosskonzerne geben sollte, sondern um ihre Politik, die Gewinne über alles inkl. Menschenleben zu stellen. Und wenn eine Änderung ein Abbau des Wohlstandes in der Schweiz bedeutet, so ist das ok. Nicht ok ist hingegen, sie hochzuloben und dabei genau ihre Politik damit zu rechtfertigen. Denn steht umgekehrt Dir kein Recht zu, Kritik an manchen SP-Leuten zu üben. Oder glaubst Du der Nestlé-CEO ist ein besserer Mensch als ein Mugabe? Nur weil er evtl. einen VU einführt, falls dem so ist?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Eine ausführliche Antwort kam nicht durch, daher nur noch kurz: Nein, ich habe nicht Dich gemeint, denn mir ist klar, dass derartiges auch nicht von dir kommen würde. Zum Thema Kollektivschuld bin ich an sich derselben Meinung (nur gilt dies auch für Konzernangestellte). Ich reagiere einzig manchmal allergisch auf ad nauseam überstrapazierte politische Kampfbegriffe, das ist alles.
        Zum Thema Konzerne: Ich glaube in der Tat, dass ein CEO der Nestle (den ich nicht kenne, und wo es mir fern liegt, irgendetwas „hochzuloben“), aller Vorbehalte die man haben kann zum Trotz, nicht mal ansatzweise mit einem Mugabe zu vergleichen ist. Letzter hat immerhin tausende Menschenleben auf dem Gewissen, und ist persönlich für unzählige Menschenrechtsverletzungen direkt verantwortlich.

  • Max Demian sagt:

    Gleich lange Spiesse würde z.B bedeuten, dass man Vätern ebenfalls ein Arbeitsverbot nach der Geburt ihrer Kinder auferlegen würde. Das wäre ein guter Anfang, der jedem Arbeitgeber und Vater klar machen würde, was für die Frauen gilt.
    Ein freiwilliger Vaterschaftsurlaub, wie lange auch immer, wird leider nicht viel bewirken.

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