Geschlagen, gedemütigt, missbraucht

Häusliche Gewalt macht das eigene Heim zur Hölle. In jedem zweiten Fall schauen Kinder zu.

Gefangen in einem Teufelskreis: Mit jeder physischen und psychischen Erniedrigung schwindet das Selbstvertrauen des Opfers. Foto: Getty Images

Alle zwei Wochen gibt es in der Schweiz einen Frauenmord, und jede fünfte Frau ist betroffen von sexuellen Übergriffen. 15-mal pro Tag rücke die Kantonspolizei Zürich durchschnittlich wegen häuslicher Gewalt aus, sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr im August 2019 dem «Tages-Anzeiger». Das sind knapp 5300 Einsätze im Jahr, wobei es sich in über 80 Prozent der Fälle um Gewalt gegen Frauen handelt.

Das sind die Fakten hier in der Schweiz. Sie erschrecken mich, machen mich traurig und haben mich dazu bewegt, diesen Beitrag zu schreiben.

Dennoch sind diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs: Die Dunkelziffer ist schockierend. Viele Opfer schweigen, weil sie Angst haben. Zum einen vor dem Täter, aber auch vor der Verurteilung durch das Umfeld, das ihnen oft das Gefühl vermittelt, sie seien selbst mitverantwortlich für das Dilemma, weil sie sich für den falschen Partner entschieden oder durch ihr Verhalten seinen Gewaltausbruch provoziert hätten.

«Versuche ihn zu verstehen!»

Zudem gibt es auch heute immer noch Menschen (Eltern, Freunde, Familienmitglieder), welche mit Aussagen wie: «Er hat es streng und steht unter Druck. Versuche ihn zu verstehen. Verhalte dich ruhiger, fordere weniger!», den Schläger schützen, um das Familienbild zu wahren. Und in den meisten Fällen schweigt das Opfer und leidet still.

Mit jeder physischen und psychischen Erniedrigung bröckelt das Selbstvertrauen des Opfers und damit auch die Liebe und Achtung vor sich selbst. Die Fehler und Ursache der Gewalt suchen viele Geschlagene und Gedemütigte bei sich selbst. Sie versuchen mit aller Kraft, die Familie aufrechtzuerhalten, geraten in Not und verharren in Resignation und Zerstörung.

Der Teufelskreis beginnt

Selten bleibt es bei einer Ohrfeige. Ist die Grenze einmal überschritten, passieren häufig weitere «Ausrutscher». Zur körperlichen Gewalt kommen verbale Erniedrigungen, welche mindestens genauso schmerzen wie die physischen Verletzungen. Das Opfer entwickelt ein Sensorium für brenzlige Situationen und versucht, diesen aus dem Weg zu gehen.

Eine typische Situation: Sie* weiss, was ihn verärgert und wo Vorsicht geboten ist. Doch genau durch dieses Verhalten gewinnt der Täter an Macht. Sie verschlimmert mit ihrer «Liebe» und der harmoniesuchenden Art das Problem und gewährt ihm, sie schlecht zu behandeln. Er* sieht seinen Fehler vielleicht kurzfristig ein, beteuert Besserung, fällt aber bei der nächsten Situation sofort in sein Muster zurück und bedient sich der Gewalt als Mittel, um Macht und Kontrolle über seine Partnerin zu gewinnen.

Warum bleibt sie?

Es gibt zahlreiche Gründe, die Frauen und vor allem Mütter dazu veranlassen, in gewalttätigen Familienkonstellationen zu verharren. Sie selbst sorgen mit noch mehr Aufmerksamkeiten und Verständnis für eine kurzfristige Verbesserung der Stimmung. Schweigen in den richtigen Momenten oder erdulden sexuelle Nötigung. Aber mit jedem Mal verlieren sie ein Stück Selbstvertrauen und Würde. Der Täter hingegen erhält immer mehr Kontrolle über das Opfer.

Frauen in gewalttätigen Familienkonstrukten befinden sich meist in mehreren Abhängigkeiten. Diese sind sowohl emotionaler als auch finanzieller Natur. Es gibt selbst in Beziehungen, in denen ein Partner gewalttätig ist, noch immer Momente, in denen die Liebe, mit der alles begann, die Oberhand gewinnt. Er* sieht sein Vergehen ein und verspricht Besserung. Sie* glaubt ihm, weil sie selbst daran glauben will, und bleibt.

Sind gemeinsame Kinder vorhanden, fällt es der Frau noch schwerer die Familie zu «zerstören». Vielen fehlt schlicht der Mut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, weil sie Angst vor Versagen oder Armut haben. Hinzu kommt, dass das Problem auch nach einer Trennung nicht einfach gelöst ist. Häufig werden die Opfer von ihren ehemaligen Partnern heimgesucht und belästigt, erniedrigt, bedroht oder erpresst. Die stete Angst, der «Ex» könnte einem etwas antun oder die Kinder wegnehmen, bleibt bestehen oder wird gar erhöht.

Der Schritt in die Freiheit

Es braucht enorm viel Courage und Kraft, den Schritt zum eigenen Leben zu wagen und sich aus einer toxischen Beziehung zu befreien. Viele Frauen stehen erst einmal vor dem Nichts. Sie kennen weder ihre Rechte noch ihre finanziellen Möglichkeiten. Sie fragen sich: Was wird mit den Kindern, was bedeutet meine Trennung für die Familie, für die Freunde, die Schule?

Alle werden davon erfahren und darüber diskutieren, wer denn nun wirklich Schuld hat. Sie müssen dementsprechend äusserst konsequent bleiben und das Ziel des «Zurückholens des eigenen Lebens» vor Augen behalten. Sich vor Tuscheleien und Unverständnis schützen. Denn jetzt folgen Einsamkeit, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, welche man in Schach halten muss, um das neue Leben aufzubauen.

So können wir helfen

Genau hier sind wir gefordert, nicht zu verurteilen, sondern unsere Hand zu reichen. Wir müssen unsere Schwestern, Töchter, Freundinnen, Arbeitskolleginnen, Mitschülerinnen und Nachbarinnen auf ihre blauen Flecken ansprechen und ihnen unsere Unterstützung anbieten. Anstatt von «Beziehungs- oder Eifersuchtsdramen» zu sprechen, sollten wir diese Delikte als das benennen, was sie sind: Gewalt gegen Frauen.

Wir müssen genauer hinschauen, um das Grauen, das sich hinter der Haustür verbirgt, zu stoppen. Jedes Warnsignal kann eine Vorstufe sein für noch Schlimmeres. Melden Sie sich bei Verdacht (auch anonym) bei der Beratungsstelle für Frauen, oder alarmieren Sie im Notfall die Polizei.

* Die Autorin widmet diesen Beitrag allen Opfern; Männern und Frauen, Mädchen und Buben, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Dieser Bericht ist aus der Sicht einer Frau geschrieben, darum wird durchgängig die weibliche Form verwendet. 

Kontakte und Unterlagen

139 Kommentare zu «Geschlagen, gedemütigt, missbraucht»

  • Beat sagt:

    Prellungen, Striemen, Platzwunden… sind offensichtliche Folgen von Gewalt.
    Demütigungen, Sticheleien, Erpressungen…
    wirken subversiv und toxisch.
    Gewalttätigkeit hat vielerlei Ausprägungen.Gewaltbetroffene Menschen schämen sich oft und finden sich sogar noch daneben, wenn sie sich nicht angemessen wehren können. Es fehlt sogar das Vertrauen, sich einem Freund, einer Freundin an-vertrauen zu können. Hilfen gibts; doch ein erster Schritt braucht Mut.Zwei Veröffentlichungen sind im Internet abrufbar:Wenn Frauen gewalttätig werden.Ausübung häuslicher Gewalt ist nicht auf Männer beschränkt. Vierter Gewaltbericht der Kantonalen Fachkommission für Gleichstellungsfragen des Kantons Bern /
    Häusliche Gewalt gegen Männer: Was kann Mann dagegen tun?Vereinigung Manndat

  • Othmar Riesen sagt:

    Gottseidank gibt es die KESB, an die man sich in dieser Situation vertrauensvollst wenden und eine Gefährdungsmeldung anbringen kann.
    Klar, die KESB-Basher wünschen, dass diese verprügelten Frauen keinen Schutz geniessen. Was für ein Weltbild! Na Servus!
    Beste Grüsse
    O.R.

  • Dominique sagt:

    Ich kann allen gemachten Aussagen in diesem Artikel nur zustimmen.
    Selbst wurde ich jahrelang physisch und psychisch erniedrigt. Erst als mein Ex auch auf meinen jüngeren Sohn (damals 14J.) losging – ihm sogar mit einem Faustschlag das Nasenbein brach – gab mir das die nötige Energie, mich endgültig zu trennen.
    Besonders schlimm für mich war die Tatsache, dass sich Arzt, Psychotherapeut und Polizist von meinem Ex manipulieren liessen und mir dadurch nicht die nötige Unterstützung und Schutz boten. Da sucht man verzweifelt nach Hilfe und wird mit Floskeln stehengelassen…!

  • Hans Arnold sagt:

    Den Vorwurf, dass in der Berichterstattung regelmässig von Beziehungsdramen die Rede sei, und dass dieses Wort heute nicht mehr akzeptabel sei, habe ich in letzter Zeit mehrfach in der Presse gelesen. Warum muss man das jetzt zum Problem für die Leser machen? Warum einigen sich die Journalisten nicht einfach darauf, den Begriff nicht mehr zu verwenden? (Wäre doch sicher nicht der erste solche Begriff, wozu gibt es denn Redaktoren.) Fertig, Problem gelöst. Stattdessen verwenden die einen Journalisten den Begriff weiter, damit sich dann andere Journalisten darüber empören können. Für mich ist das ein klassischer Fall von Empörungsbewirtschaftung bei der Leserschaft. Warum Probleme lösen, wenn man sie bewirtschaften kann?

  • Franz Buechel sagt:

    Dies ist bestimmt der beste Artikel, den ich von einer Marketingfachfrau je gelesen habe, und er trifft ein zentrales und in der Bedeutung nicht zu überschätzendes Thema. Nichts kann häusliche Gewalt rechtfertigen. –
    Zu erwähnen ist, dass oft Alkohol im Spiel ist, Alkohol aber in keiner Art geächtet wird in der Gesellschaft. Dann muss gesagt sein, dass gewisse Frauen einen machohaften Mann oft prickelnder und sexyer finden als anständige, und selbst ein Blinder kann von aussen sagen, dass dies nicht gut kommt. Dann muss gesagt sein, dass in vielen Beziehungen das Unrecht so heftig ist, dass es, oft der Frau, aushängt und sie mit Waffen vorgeht.

  • Stefan Matter sagt:

    Es sind nicht immer nur Schläge, die weh machen, aber diese können allen gezeigt werden. Meine Frau hat es nie verstanden, wenn ich ihr verzweifelt erläutert habe, dass sie mit ihren Provokationen endlich aufhören muss. Sie hat einfach weiter gemacht. Und nicht wenige Male ist es auch unserem Sohn zuviel geworden und hat seine Mutter gebeten endlich aufzuhören, aber sie hat weiter machen wollen. Dass meine Frau keine schöne Kindheit hatte, war nie meine Schuld. Mir ist bewusst, dass ich als Mann nicht alleine bin. Einmal hat sie mich sogar geschlagen. Darauf hin habe ich die Polizei gerufen, was danach passiert ist, war nur zum Heulen. Vormundschaftsbehörde, Polizei und viele unnötige Kosten. Heute leben die Jugendlichen und ich zusammen und es geht uns sehr gut !!

    • Heidi Herrmann sagt:

      Keine Provokation ist eine Entschuldigung für Schläge. Punkt.

      • Stefan Matter sagt:

        Heidi Herrmann: Basta hin oder her, aber es gibt auch Frauen die schlagen. Es sind nicht immer Männer die zuschlagen. Haben Sie sich mal herumgehört wieviele Frauen es mit ständigen Provokationen nicht sein lassen können. Eine sehr gute Freundin von mir hat mir schon mehrmals erwähnt, dass es ihr sogar Spass macht ihren Mann identisch zu provozieren ! So idiotisch. Sie ist mit 48 Jahren mit verschiedenen Punkten im Leben nicht zufrieden, aber wegen „Fassadenfamilie“ will sie sich nicht trennen. Seit Jahren hat sie sich mit ihrem Ehemann auseinander gelebt, zwei Jungs, 19 und 15, wobei der jüngere in der Pubertät ist und sie sehr viel Mühe hat mir ihm. Im Teilzeitjob ist sie seit Jahren unglücklich und erste Alterserscheinungen machen ihr auch Mühe. So was macht halt vieles kaputt !!

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Heidi Hermann

        Für Psychoterror gibt es keine Entschuldigung, Punkt.

      • Heidi Herrmann sagt:

        Herr Matter, habe ich etwas von Männer und Frauen geschrieben?

      • sagt:

        Heidi Herrmann, warum antworten Sie nicht auf das was geschrieben steht, sondern auf das was Sie vielleicht glauben, dass da geschrieben ist, aber sowas von offensichtlich nicht da steht?

      • Heidi Herrmann sagt:

        @ von Siebenthal: Wo habe ich Psychoterror entschuldigt?

    • Stephan Herzog sagt:

      Heidi Herrmann: Frau kann mit ihrer Provokation mehr Verletzungen und Demütigungen hinterlassen, als „Ihre“ Schläge !! Man(n) wünscht es auch keiner Frau, aber ich weiss, dass Sie sicherlich wissen, was damit gemeint ist.

      • Heidi Herrmann sagt:

        Nein, weiss ich nicht. Provokationen tun nicht weh. Verletzungen und Demütigungen können weh tun. Aber das sind keine Provokationen. Vielleicht sollten Sie den Sinn des Wortes nachlesen. Und noch viel weniger verstehe ich Ihre Unterstellung von „ihre Schläge“. Ich schlage nicht, habe nie geschlagen und verurteile jegliche Gewalt.

      • Stefan Matter sagt:

        Schade, dass Sie Provokation, Demütigungen und Verletzungen reduzieren, aber Schläge hervorheben. Bedenken Sie bitte, dass es Schmerzen von Unfällen, mit Narben, herstammend und solche aufgrund von Altersgebrechen, ohne Narben. Augrund ihren Kommentare können nur ersichtlich Spuren Schmerzen auslöse ! Diese Haltung hatte auch meine Frau !! Auch unsere Kinder widersprachen diesen Sachverhalt.

      • Heidi Herrmann sagt:

        Schade, Herr Matter, dass Sie nicht selber für Sich einstehen können und die Kinder dazu instrumentalisieren müssen.

  • Linda Berger sagt:

    Aus welchem Kulturkreis diese Männer stammen ist das grössere Tabu Thema, als das Tabu Thema Gewalt gegen Frauen.

    • El Gato Lopez sagt:

      Statt Empathie mit den Opfern zu haben, packen Sie hier die Rassismuskeule aus. Und nein, die Problematik betrifft bei weitem nicht nur „Männer aus einem bestimmten Kulturkreis“. Sowieso gibt es sowas wie einen spezifischen „Kulturkreis“ gar nicht. Gschämig, so was.

      • Alexander Lüthi sagt:

        Ich bin zwar auch dagegen, dass man das Problem versucht auf die bösen Ausländer abzuschieben. Aber: die Rechten schieben das Problem ungeniert auf die Ausländer, die Linken hingegen auf die Männer. Es mag die jeweils andere Seite überraschen, aber die statistische Disbalance ist in beiden Fällen ähnlich (Männer ca 3 mal öfter Tatbeschuldigte als Frauen, AusländerInnen ca 2.5 mal öfter Tatbeschuldigte als SchweizerInnen, gemäss polizeilicher Kriminalstatistik). Es würde beiden Seiten gut anstehen, ihre ideologischen Vorurteile einmal zu hinterfragen.

    • Heidi Herrmann sagt:

      Die Statistik und die Fachleute wiederspricht Ihrer Rassismuskeule. Gewalt in der Familie gibt es in jeder Schicht, in jedem Kulturkreis, in jedem Kanton.

      • Martin Frey sagt:

        „ Gewalt in der Familie gibt es in jeder Schicht, in jedem Kulturkreis, in jedem Kanton.“
        Natürlich stimmt das an sich, und das werden auch die Leute der Beratungsstellen nicht müde, geradezu eilfertig zu betonen. Oder das heikle Thema wird, wie im heutigen Beitrag, gleich ausgeklammert. Dies aber primär aus politischen Gründen, und weniger aufgrund von Fakten. Fakt ist trotzdem, dass die Häufungen mehr als augenfällig sind, wie übrigens auch bei Gewalt gegenüber Kindern. Trotz je nach Umfeld und Milieu sehr viel höherer Dunkelziffer.
        Sie werden eher Mühe haben, im Frauenhaus Leute ohne Geschichten mit Migrationshintergründen zu finden.

      • Heidi Herrmann sagt:

        @ Frey: „Informationsblatt 9, Zahlen zu häuslicher Gewalt in der Schweiz“, Mai 2019 BfS: „Im Jahr 2016 starben 19 Menschen infolge häuslicher Gewalt, davon 95% Frauen und 95% erwachsene Personen. Von den 19 vollendeten Tötungsdelikten ereigneten sich 63% innerhalb einer bestehenden Partnerschaft. Die 19 vollendeten Tötungsdelikte wurden von 20 Beschuldigten verübt, davon 90% Männer.““46% der beschuldigten Personen waren Schweizer/-innen, 46% Ausländer/-innen der ständigen Wohnbevölkerung.“Allerdings liegt der Anteil Jugendlicher in Schweizer Familien, die Züchtigungen in der Erziehung erlebt haben, ebenfalls hoch: 46,2% gegenüber 36,9% bei Migranten.“ Von wo stammen die Zahlen, die Ihre Behauptungen belegen sollen?

      • Martin Frey sagt:

        Wir sprachen von häuslicher Gewalt, und Sie argumentieren mit einer Mordstatistik, Frau Herrmann, um etwas zu beweisen? Naja…
        Zu Kindesmisshandlung, respektive zur Verwendung von Gewalt in der Erziehung gibt es relativ gute Untersuchungen, so zb von der ZHAW.

      • Röschu sagt:

        @Martin Frey
        „Oder das heikle Thema wird, wie im heutigen Beitrag, gleich ausgeklammert. Dies aber primär aus politischen Gründen, und weniger aufgrund von Fakten.“
        Das ist mMn Teil des Problems: Political Correctness und Befindlichkeiten sind heutzutage offenbar wichtiger als Fakten und Sachlichkeit. Sehr bedenklich.

      • Martin Frey sagt:

        @Herrmann
        Die wichtigere Frage scheint mir jedoch, weshalb das so ist, und was getan werden kann.
        Als Erklärungen werden iaR folgende Umstände aufgeführt:
        Soziokulturelle Normen, insbesondere betreffend
        Geschlechterrollen/Stereotypen von Männlichkeit und Weiblichkeit und dem Umgang mit Gewalt. Dann ungleiche Machtverhältnisse in der Beziehung, soziale und ökonomische Belastungen sowie unzulängliche Stress- und
        Stressbewältigungsstrategien. Soziale Isolation der Paare, fehlende soziale Unterstützung der Betroffenen und ein Gewalt bejahendes und tolerierendes Umfeld. Dann Missbrauchs- und Gewalterfahrung in der Kindheit, antisoziales Verhalten und Delinquenz ausserhalb der Beziehung sowie Suchtmittelkonsum.
        Die ausländische Bevölkerung ist von all dem überdurchschnittlich belastet.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ich frage auch hier nach: Verlangt nicht das Geschlechterbild, gerade in patriarchalischen Gesellschaften, dass die Frau geschützt wird, und ein Mann keine Frau schlägt?
        Und: Warum wird immer davon gesprochen, dass Schläge eine Folge von Macht ist? Meiner Meinung nach ist Frust und Ohnmacht die Ursache, also letztlich eben gerade keine Macht, und der Einsatz von körperlicher Gewalt ein Versuch, sich doch noch zu behaupten mit dem einzigen Mittel, mit dem das geht.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi
        „Und: Warum wird immer davon gesprochen, dass Schläge eine Folge von Macht ist? Meiner Meinung nach ist Frust und Ohnmacht die Ursache, also …., sich doch noch zu behaupten mit dem einzigen Mittel, mit dem das geht.“
        Das ist ein guter, nicht unwahrer Punkt. Leute, die schnell zu Gewalt als Mittel greifen, haben ja typischerweise nicht gelernt, anderweitig zum Ziel zu kommen. Und im Fall dieser Leute, anderweitig sich Respekt zu verschaffen. Nicht selten haben sie einen miesen Job (wenn überhaupt), geniessen nicht die Anerkennung von der sie ausgehen, dass sie ihnen zusteht, usw. Dann ist die Versuchung da, wenn schon nicht respektiert dafür wenigstens gefürchtet und so wahrgenommen zu werden.
        Sieht man ja schon auf dem Pausenplatz, respektive auf den Strassen. 😉

      • Heidi Herrmann sagt:

        @ Frey: Wenn Sie meinen Beitrag noch in aller Ruhe lesen, sehen Sie, dass es in den von mir angeführten Fakten um häusliche Gewalt geht: „Informationsblatt 9, Zahlen zu häuslicher Gewalt in der Schweiz Mai 2019 BfS“. Ihre Unterstellung ist also falsch. Von wo stammen Ihre Fakten? Sie schreiben von „augenfällig“, aber nennen keine einzige Quelle.

      • Widerspenstige sagt:

        Das ist das übliche Ablenkungsmanöver, wenn es um Gewalt an Frauen geht. Immer wieder dasselbe Muster in der Argumentationskette. Deshalb dran bleiben und sich nicht ablenken lassen durch erwähnte Nebenschauplätze wie ‚Frauen schlagen auch zu‘ oder ‚Frauen nörgeln ständig herum und müssen dann halt mit Folgen rechnen‘ etc.

        Wer sich verbal nicht wehren kann, aus diversen Gründen, der/die muss sich damit auseinander setzen, wie man klarer sein Anliegen kommuniziert. Frauen müssen lernen, sich weniger in der Opferrolle zu sehen und bereits bei ERSTEN Anzeichen von aggressiven Reaktionen nachhaken, was denn nun der Auslöser dafür war. Innehalten, auf 10 zählen oder später möglichst objektiv nachfragen. Es ist schwierig und unbequem, ja.

      • Martin Frey sagt:

        @Herrmann
        https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/12531/3/2018_Baier_Elterliche_Erziehung_unter_besonderer_Ber%c3%bccksichtigung_elterlicher_Gewaltanwendung.pdf
        Von Interesse ist dabei ja der Umstand, dass nicht Anzeigen und somit der Gang zu Behörden erfasst werden, sondern effektiv das Erleben durch die Kinder und Jugendlichen selber.
        Apropos: wenn Sie Zahlen aus einer relativ tiefen Anzahl Tötungsdelikten erwähnen (mit jedoch ebenfalls suggestiver Verteilung), dann ist das nur bedingt aussagekräftig, um Aussagen über häusliche Gewalt zu machen. Das sollte jedem einleuchten.
        Nochmals, dass ausländische bzw. gemischt-nationale Familien in der CH überproportional von häuslicher Gewalt betroffen sind, ist eigentlich in Fachkreisen unbestritten. Mehr sage auch ich nicht.

      • Martin Frey sagt:

        ©Röschu
        Das Wegschauen wegen falsch verstandener political correctness ist nicht selten, und hat teils katastrophale Folgen. Dazu nur folgender Link:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauchsskandal_von_Rotherham

      • Heidi Herrmann sagt:

        @ Frey: „wenn Sie Zahlen aus einer relativ tiefen Anzahl Tötungsdelikten erwähnen (mit jedoch ebenfalls suggestiver Verteilung), dann ist das nur bedingt aussagekräftig, um Aussagen über häusliche Gewalt zu machen. Das sollte jedem einleuchten.“ Und dann unterstreichen Sie Ihe Behauptung mit einer Studie, die startet mit: „Für die Befragung wurde von Beginn an keine schweizweite Repräsentativität beansprucht, da dies nur mit hohem Aufwand zu erreichen wäre“. Deshalb wurde eine „Gesamtstichprobe von 10‘000 Jugendlichen“ anvisiert, ab er nur 9293 erreicht und davon nur 8317 gewertet, also auch noch 10% weggelassen. Mit einer Rücklaufquote von nur 39%! Und aus solcher Evidenz ziehen Sie Schlüsse und werfen mir Voreingenommenheit vor? Echt?

      • Martin Frey sagt:

        @Herrmann
        Wenn Sie sich unvoreingenommen mit der Materie befassen würden, könnten Sie erkennen, dass meine zitierte Quelle nicht einsam im Raum, sondern im Einklang mit anderen Erhebungen aus dem In- und Ausland steht. Das Bild ist zumeist ein vergleichbares, sofern man den Tatsachen ins Auge sehen will. Was ich bei Ihnen bezweifle.
        Wie gesagt, gewisse Fakten sind eigentlich wenig strittig. Die Meinungen gehen weit auseinander, weshalb das so ist, und was zu tun wäre. Darüber sollten wir uns eigentlich unterhalten.
        Für Rechtsnationale liegt ja alles in der DNA, für Linke ist zumeist alles gar nicht wahr. Selbst wenn man selber betroffen sein sollte (Selin Gören wäre da ein Stichwort).
        Beide ideologiegetriebenen Haltungen sind mE wenig zielführend, wenn wir weiterkommen wollen.

      • Martin Frey sagt:

        @Herrmann
        Aus aktuellem Anlass, der schon fast tägliche Wahnsinn:
        http://www.20min.ch/ausland/news/story/15629964
        Frage an Sie, als letztes: was denken Sie, in welcher Statistik so etwas erscheint? 😉

      • Heidi Herrmann sagt:

        @ Frey: Klar steht die Zürcher Studie im Kontext mit anderen Studien. In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass gemäss diesen Studien unter Schweizern in der Schweiz das Prügeln von Kindern viel weiter verbreitet ist als im kulturell ähnlichen Deutschland. Aber dasselbe gilt auch für die Todesursachenstatistik, die so in Zweifel ziehen. Und zum Link: Ein Einzelfall taucht nie in einer Statistik auf, das ist die Grunddefinition und -Aufgabe einer Statistik. Oder haben Sie den Schweizer, der seine Ex-Freundin mit einer Armbrust fast zu Tode quälte je in einer Statistik angetroffen?

      • Martin Frey sagt:

        @Herrmann
        Dass Einzelbeispiele nie etwas beweisen können ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem ist der tragische Fall in vielerlei Hinsicht exemplarisch, nicht nur, aber auch was die Schwierigkeiten der statistische Einordnung anbelangt. Er zeigt leider auch auf, dass unser Rechtsstaat im entscheidenden Moment keine Mittel zu haben scheint, einen zu allem entschlossenen Täter von der Umsetzung abzuhalten.
        Ich kenne die Unterschiede zu Deutschland, und habe an anderer Stelle auch darauf hingewiesen. Falls Sie meine Beiträge gelesen haben, sollten Sie mitbekommen haben dass ich für eine vergleichbare Gesetzesänderung wie Deutschland plädierte. Das hat scheinbar wirklich etwas gebracht und ist wohl mit ein Grund für die zur Schweiz unterschiedliche Gewaltanwendung.

  • Lisa sagt:

    Es ist so unglaublich einfach, einen anderen Menschen zu unterdrücken, zu misshandeln, ihm das Selbstwertgefühl zu nehmen. Und so fehlt dem Opfer oft die Kraft, dagegen anzugehen (und als ersten Schritt – es sich überhaupt einzugestehen dass da etwas schief läuft). Hier sind Familienangehörige und Freunde gefordert, die ersten Schritte zu unternehmen. Was aber ebenso unglaublich schwer ist. Aber wegschauen hilft niemand. Seit in meinem erweiterten Freundeskreis es wegen Misshandlung zu einem Todesfall kam (ja – Mord ist der richtigere Ausdruck), achte ich vermehrt darauf, wie meine Freunde und Geschwister in ihren Paarbeziehungen miteinander umgehen.

  • Sophie sagt:

    Provokation endet vielmals mit Gewalt. Aber sensible Leute fallen auch vielmals auf sehr harte Partner/Partnerinnen. Da heisst es : weg ! WEG. Denn das kann man nicht heilen, Wut als Gewohnheit ist nicht heilbar.

  • Widerspenstige sagt:

    ‚Alle zwei Wochen gibt es in der Schweiz einen Frauenmord, und jede fünfte Frau ist betroffen von sexuellen Übergriffen. 15-mal pro Tag rücke die Kantonspolizei Zürich durchschnittlich wegen häuslicher Gewalt aus, sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr im August 2019 dem «Tages-Anzeiger». Das sind knapp 5300 Einsätze im Jahr, wobei es sich in über 80 Prozent der Fälle um Gewalt gegen Frauen handelt.‘

    Das sind Fakten und in keinster Weise klein zu reden, auf Nebenschauplätze abzulenken wie zu viele es hier wieder tun. Aufhören mit beschönigenden Berichterstattungen wie ‚Beziehungsdrama‘ oder ‚Familientragödie‘ in der Tagespresse! Das sind grausame MORDE! Handeln tut Not!

    Ich danke der Autorin für diesen Artikel über ein tabuisiertes Spiegelbild unserer Gesellschaft.

    • tanja sagt:

      man kann das thema durchaus auch genderneutral diskutieren. aber gerade was die gründe angeht (für gewalt anwenden und dafür, sich als gewalteinsteckender partner nicht zu trennen vom gewaltanwendenden), glaube ich schon, dass es zwischen den geschlechtern grosse unterschiede gibt. darum sollte man meiner ansicht nach wirklich getrennt über frauen als gewaltopfer oder täter und männer als gewaltopfer oder täter sprechen.
      „mitgemeint“ bringt also gar nichts bei diesem thema. und natürlich bringt es noch viel weniger über zahlen zu diskutieren und über dunkelziffern.
      wir sollten über gründe und ängste sprechen

      • tanja sagt:

        und natürlich über auswirkungen. danke für den blogartikel

      • Sportpapi sagt:

        @tanja: Sprechen wir denn wirklich über Gründe und Ängste?
        Wo liegen denn die Gründe?

      • tanja sagt:

        nein eben, tun wir nicht. was denkst du denn sportpapi?

      • Sportpapi sagt:

        @Tanja: Ich sehe, dass viele eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, warum Männer gewalttätig werden. Aber ob diese Vorstellungen auch stimmen? Während von den gewalttätigen Frauen wie gewohnt niemand spricht.
        Aber ich wäre schon gespannt, wo sie denn in Ihrer Analyse die entscheidenden Unterschiede sehen.

      • Widerspenstige sagt:

        tanja, das wäre lösungsorientierter eine Diskussion zu diesem so emotionsgeladenen heiklen Thema aufbauen, keine Frage. Bei einem Anteil von über 80% Gewalt an Frauen ist eine genaue Analyse über deren Gründe mehr als angebracht.

        In Frankreich haben Frauenverbände mehr finanzielle Mittel zur Aufklärung, Prävention und vorwiegend Strafverfolgung der Täter gefordert:
        ‚Frankreichs Regierung arbeitet an einem Aktionsplan gegen häusliche Gewalt. Bis Ende November 2019 sollen Experten von Opferorganisationen, von Polizei, Justiz- und Sozialbehörden nach Lösungen suchen, wie die Gesellschaft Gewalt gegen Frauen wirksamer bekämpfen könnte.‘
        https://www.srf.ch/news/international/haeusliche-gewalt-in-frankreich-misshandelte-frauen-sollen-schon-im-spital-klagen-koennen

    • 13 sagt:

      Danke Widerspenstige und Tanja für die klaren Worte!

      • Linda Friedrich sagt:

        Kein Dank von mir für klare Worte, in denen Gewalt gegen bestimmte Menschen als Nebenschauplatz abgetan wird.

      • Widerspenstige sagt:

        Und ich danke speziell Dir für Deinen unermüdlichen Einsatz, 13! Es ist nicht selbstverständlich und deshalb möchte ich es Dir wieder mal sagen. Die Wahlen haben gezeigt, dass die Zeit endlich reif ist für Massnahmen u.a. gegen Gewalt an Frauen.

  • Susanne Reich sagt:

    Nur, weshalb bleiben diese Frauen oder auch Männer bei ihren Partnern? Sicher nicht der Kinder zuliebe, denn diese wären glücklicher in einer friedlichen Familie. Ich denke, viele haben Angst, dass sie quasi „ausgestossen“ werden aus der Gesellschaft resp. nicht mehr den gleichen gesellschaftlichen Wert haben – und ich spreche nicht vom eigentlichen „Wert – oder sind es finanzielle Überlegungen? Dabei gibt es heutzutage viel Hilfe. Doch den Mut dazu muss man selbst aufbringen.

    • tanja sagt:

      2 gründe kann ich nennen:
      – wenn jemand gedemütigt wird von seinem partner, dann fehlt ihm irgendwann das selbstwertgefühl um sich zu trennen. er wurde zu klein gemacht.
      – wenn jemand gewalt einstecken muss in einer beziehung, glauben Sie, die gewalt hört auf nach einer trennung? glauben Sie, man könne davor geschützt werden durch polizei vielleicht und das rechtssystem?

      • tanja sagt:

        oder anders: man bleibt, weil man begründet angst davor hat, noch mehr gewalt einzustecken nach einer trennung. denn eine trennung wird den täter nicht plötzlich milder stimmen, im gegenteil. man fürchte mit grund terrorisiert, gequält, umgebracht zu werden. es kann immer und überall passieren. dann haben die kinder einen elternteil weniger. man kann das nicht verantworten und bleibt.
        was nützt es einem, wenn es ein rayonverbot gibt, wenn man angst hat umgebracht zu werden. dann wird der täter zwar verhaftet und bestraft aber tot ist man ja dann trotzdem

    • Sophie sagt:

      Susanne : ANGST. ANGST ist der Grund warum diese Frauen (oder auch Männer) bleiben. Der Partner wartet dann auf sie in der Wohnung oder vor der Arbeitsstelle und haut sie ab.

      • Niklas Meier sagt:

        Sie sehen das ein wenig zu einfach Sophie.
        Man gewöhnt sich daran. Es wird normal. Man sagt sich selbst und anderen „es ist ja nicht so schlimm“, „aber wir haben es doch auch gut zusammen.“
        Irgendwann ist es dann normal und man befindet sich in einem sich drehenden Rad. Alles tun, damit es nicht eskaliert, sich die guten Momente schönreden und versuchen sich selbst die Lüge zu glauben und alles dafür zu tun den Schein zu wahren.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Die häufigsten Opfer häuslicher Gewalt sind Kinder und oft genug schlagen die Mütter zu und wenn die Väter zuschlagen, sehen sie zu und tun NICHTS, weil es sie nicht interessiert.

    O Ton meiner Exschwiegermutter: „hätte mein Mann mich auch geschlagen, wäre ich sofort gegangen“
    und
    „es war ja nicht so schlimm (für ihre Kinder), es war ja nicht jeden Tag“

    Zum „Einsatz“ kamen Hockeyschläger (bis diese zerbracheb), Faust, Gürtel usw

    Rabeneltern erzeugen Versager, welche oft genug ihr ganzes Leben ihre verkorkste Kindheit als Ausreden nutzen, wenn sie zu bequem sind, etwas zu ändern. Opfer werden zu Tätern, aber sie entscheiden sich selber dafür, Täter zu werden.

  • larissa hemmerlein sagt:

    Einerseits: Dieser Bericht sei aus der Sicht einer Frau geschrieben, darum würde durchgängig die weibliche Form verwendet. Behauptet die AutorIN.
    Andrerseits spricht sie hemmungslos nur vom TätER oder PartnER. Und nur Frauen verharren in gewalttätigen Familiensituationen. Und die Autorin benennt diese Delikte als das, was sie seien: Gewalt gegen Frauen. Nie gegen Männer.
    Das ist schluddriger Journalismus. Das ist Framing und Hetze gegen Männer. Das verstösst gegen das Gleichstellungsgebot. Typisch männerfeindlich. Typisch Frau. Typisch feministisch. Für wie dumm hält die AutorIN die Leser? Und sie wohnt mit ihren Kindern in Zürich. Kein Wunder lebt sie ohne Mann.
    Durchgängig die weibliche Form verwendet? Von wegen…

    • Klärli Benz sagt:

      Bereits im ersten Absatz steht, dass es sich „in über 80 Prozent der Fälle um Gewalt gegen Frauen handelt.“ Jeder der die Primarschule besucht hat, kann sich ausrechnen, dass knapp 20% der Opfer Männer sind. Das wurde also nicht unterschlagen. Es ist aber nun mal so, dass Frauen viel häufiger betroffen sind. Warum sollte diese Perspektive dann nicht auch so behandelt werden? Dieser ewige whataboutism nervt.

    • 13 sagt:

      Die Leser oder auch die Leserinnen oder wie jetzt?
      Die Autorin sagt klar, dass es eben nicht nur Gewalt gegenüber Frauen gibt und dass sie jetzt hier nur diese Konstellation verwendet hat. Gleich wie beim generischen Maskulinum reichen solche Anmerkungen meistens nicht, um beide Geschlechter mit zu meinen, denn wer liest, hat eben dann genau nur das vor Augen, was da steht. Diese Kritik ist sicher berechtigt. Andererseits ist es ein Blog und sie wendet die Form an, die nun mal am häufigsten vorkommt. Bezeichnet den Makel auch als solchen.
      Und selbstverständlich gibt es keine Gleichstellungsgebote für Blogs oder Journalismus.

  • Anh Toàn sagt:

    Erfahrung aus der Bar: Es schlägt, wer keine Antwort mehr hat auf verbale Provokation. Und dann ist ihm egal, ob er körperlich überlegen ist oder nicht, er will eine Antwort geben und hat keine andere. Der der schlägt ist eigentlich der Schwache, er ist in die Ecke getrieben und wird aggressiv.

    P.S: Ich will damit nicht sagen, die Geschlagenen seien selber schuld, anscheinend (z.B. Thema Dispraxie) verstehen viele nicht, dass man die Dinge auch mal aus einer ganz anderen Sicht betrachten sollte: Schuldzuweisungen sind kein lösungsorientierter Ansatz. Und schon gar nicht pauschalierte Schuldzuweisungen: Die Mechanismen zwischenmenschlicher Beziehungen sind komplex, man kann versuchen zu verstehen, welche Muster sich immer wieder abspielen und versuchen, die zu ändern.

    • Therese sagt:

      Nein. Es schlägt auch, wer von seinen eigenen Emotionen überfordert ist. Und dafür kann das Opfer oft auch gar nichts. Z.B. Täter(in) kommt schon frustriert von der Arbeit nach Hause, Kind hat schlechte Note, Essen ist schon kalt – Täter(in) rastet aus. Aber es gibt Kurse, wo man lernen kann, mit seiner Wut und seiner Emotion besser umzugehen. Denn da liegt die Wurzel des Problems. Nicht beim Opfer. Selbst wenn dieses frech und provokant war – was bei häuslicher Gewalt genau meistens nicht der Fall ist, weil sich die Opfer ja präventiv versuchen zu schützen – wie schön im Blog beschrieben. Lesen Sie’s nochmal.

    • L.T. sagt:

      Ok, ich werde im Ausgang von einer Gruppe mir Unbekannter blöd angemacht oder meine Freundin von einem ihr Unbekannten angegrapscht: aus was für einen ganz anderen Sicht soll man denn das nun betrachten? Das ich halt eine blöde Fresse habe, in die man halt reinhauen darf wenn man gerade das Bedürfnis hat? Das eine Frau ein Stück Fleisch ist, welches man begrapschen darf wenn einem danach ist? Muss ich da als Opfer irgendwie Verständnis aufbringen? Eher nicht. Ihr Relativismus ist ein Grundübel der heutigen Zeit: alles nicht so schlimm, alles nicht so gemeint, niemand muss für seine Taten Verantwortung übernehmen, er/sie hatte es ja selber schwer, kann sich an die Tat leider nicht mehr erinnern….. und weiteres blablabla

  • 13 sagt:

    Wurde die Beratungsstelle für Männer ergänzt oder stand sie von Anfang an da? So oder so, sehr gut. Ja, Opfer von häuslicher Gewalt gibt es viele. Am häufigsten Frauen, dann Kinder und dann Männer (und bitte keine Dunkelziffer-Interpretation, diese ist vermutlich sehr hoch, aber es gibt sie in jeder Kategorie!), ändert aber nichts daran, dass jedes Opfer, ob zur Mehrheit oder Minderheit gehördend, Schutz und Hilfe braucht.
    Aber bei der ganzen Situation, ob Frau Hager, die ausdrücklich und mehrfach auf alle Opfer hingewiesen hat, das gut oder schlecht gemacht hat, sollte das eigentlich Thema nicht vergessen werden. Spätestens hier, ist Familie eben nicht Privatsache, auch wenn das viele nachwievor denken und wünschen, wie die KESB-Gegner, die da weibeln.

    • 13 sagt:

      Was nicht unterschätzt werden darf, neben der Angst, Abhängigkeit und Schulgefühlen, ist Scham. Gerade wenn man schon länger in einer solchen Beziehung steckt. Wehrt man sich nach zwei Jahren, kommt automatisch die Frage auf, warum denn erst jetzt. Diese ist für die Betroffenen schwer auszuhalten. Gerade auch Frauen in höheren beruflichen Positionen wie auch Männer fürchten dabei die Reputation zu verlieren. Die Polizistin, die vom Partner geschlagen wird? Der Geschäftsführer eines Unternehmens mit 100 Mitarbeitern, der sich von seiner Frau demütigen und beschimpfen lässt? Schwierig.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Da muss ich Ihnen widersprechen: die häufigsten Opfer von häuslicher Gewalt Kinder sind Kinder, oft genug schlagen die Mütter zu und wenn die Gewalt vom (Stief-) Vater auskommt, schauen die Mütter zu und tun NICHTS! Weil es sie nicht interessiert, solange sie nicht „uf de Grind“ bekommen.

      • 13 sagt:

        @ Tamar
        Nun, die Statistik des BFS sagt etwas anderes.
        Dafür, dass die Dunkelziffer etwas komplett anderes sagen würde, gibt es keinen Beweis. Oder haben Sie andere Quellen?

        Ihre Interpretation ist aber spannend: Oft schlagen Mütter und wenn es (Stief-)väter sind, ist die Mutter mitschuldig, wenn sie nicht unternimmt. Warum gilt das für den Vater und Partner der gewalttätigen Mutter nicht?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        In meinen Augen bringt dieses Zahlengeschacher nichts. Ich glaube aber, dass die meisten von uns sich darin einig sein dürften, dass häusliche Gewalt von beiden Geschlechtern ausgehen kann. Dass Studien zu dem Thema enorm mängel- und Dunkelzifferbelastet sind, erschwert es zusätzlich. Tendenziell scheint aber belegbar zu sein, dass die verschiedenen Gewaltformen und Schweregrade unterschiedlich häufig von Männern und Frauen begangen werden, Frauen den Männern unter dem Strich aber nicht unbedingt nachstehen. So sprechen zahlreiche Studien dafür, dass z. B. sexuelle und schwere körperliche Gewalt häufiger von Männern ausgeht, während beispielsweise körperliche Gewalt gegen Kinder und wahrscheinlich auch psychische Gewalt öfter von Frauen ausgeübt werden soll.

      • tanja sagt:

        psychische gewalt: kaum wird je einfach zack dreingehauen. meist kommt es zuerst zu verbaler gewalt. also erniedrigung. das ist psychische gewalt

      • Sophie sagt:

        Tamar : darum habe ich niemals gewollt ein zweites Mal zu heiraten oder einen anderen Mann als der Vater zu Hause haben. Kommt vielmals schlecht heraus. Sie haben vielleicht der richtigen getroffen, aber vielmals ist dies nicht der Fall.

      • 13 sagt:

        @ Martin
        Da bin ich anderer Meinung. Wenn es zu Gewalt kam, dann ist jeder Fall unter den gleichen Aspekten zu werten, egal ob Mann oder Frau TäterIn resp. Opfer sind. Die Opfer verdienen Schutz, die TäterInnen sollen bestraft werden. Keine Frage.
        Aber anhand des Masse handelt es sich eben nicht nur um Einzelfälle, sondern um strukturelle Fragen und wie Tanja oben zurecht sagt, sind diese verschiedene. Ich halte es für keinen Zufall, dass Männer häufiger Täter und Frauen häufiger Opfer sind und ich sehe die Begründung dafür auch nicht darin, dass Männer per se die schlechteren Menschen wären. Hingegen hat gerade das Frauen-/Männerbild einer jeder Gesellschaft einen grossen Einfluss auf diese Fragen.

      • 13 sagt:

        Was Deine Unterschiede angeht:
        – schwere Gewalt bis hin zu Mord geht öfters von Männern aus, das ist richtig
        – sexuelle Gewalt ebenso
        – Gewalt an Kindern geht öfters von Frauen aus, was dadurch begründet ist, dass Frauen auch viel öfters die Kinderbetreuung ausüben. Bei ihnen kommt auch die Überforderung (der wohl häufigste Grund für Gewalt gegenüber Kindern) damit öfters vor. Das ist keine Rechtfertigung, es gibt einfach viel mehr Gelegenheiten.
        – psychische Gewalt würde ich so nicht unterschreiben. Frauen sind öfters von Männern abhängig als das Gegenteil, das bringt viele Männer in eine Machtposition.

        Aber bei allen vier Konstellation sehe ich, dass die Aufhebung von Geschlechterrollenbildern eine Besserung bringen könnte. Nur sind dafür die Strukturen zuerst zu verstehen.

      • 13 sagt:

        Und wo ich mit Dir zu 100% einverstanden bin (siehe deine Antwort an Niklas) ist, dass der Schutz und die Interessen der Opfer oberste Priorität haben müssen. Das ist etwas, das ich leider sehr oft anders erlebe. Insbesondere bei sexuellen Gewalt, aber auch bei anderen Formen.

      • Martin Frey sagt:

        Aber @13, wo habe ich denn etwas anderes gesagt als du, respektive @tanja, deren Ausführungen mir sehr gefallen?
        „ Wenn es zu Gewalt kam, dann ist jeder Fall unter den gleichen Aspekten zu werten, egal ob Mann oder Frau TäterIn resp. Opfer sind. Die Opfer verdienen Schutz, die TäterInnen sollen bestraft werden. “
        So gut solltest du mich kennen, um zu wissen, dass ich hier ganz auf derselben Linie bin. So sehr, dass ich dies nicht noch speziell erwähnenswert fand.
        Es gibt bei dem Thema einfach zu wenig valide Daten, um gewisse Pauschalisierungen so zu machen wie sie hier stattfinden. Das ist etwas zu simpel. Was aber am Grundproblem nichts ändert. Darauf sollten wir uns konzentrieren, wie gesagt. Und dafür muss man die Thematik differenziert beleuchten.

      • tanja sagt:

        ich möchte das nochmals mit nachdruck betonen:
        bevor es zu körperlicher gewalt kommt, war da verbale gewalt, also psychische.
        es ist also NICHT so, dass „frauen mehr psychische gewalt einsetzen und männer mehr physische“ und man damit sozusagen quitt. bevor jemand zuschlägt, hat er psychische gewalt angewendet. physische gewalt ist die steigerung nach der psychischen gewalt, eine eskalationsstufe zur verschlimmerung

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ 13

        Natürlich sind Väter und Stiefväter mitschuldig, wenn diese wegsehen. Trotzdem bleibt es bei den Statistiken, dass Mütter bei Kindern häufiger zuschlagen als Väter und auch bei zu Tode misshandelten oder vorsätzlich getöteten Kindern (ertränken, ersticken usw) ist meistens die Mutter die Täterin. De Facto sind Kinder in den ersten Lebensjahren am meisten durch die Mutter gefährdet. Ich meine, dass diese Tatsache vor Jahren sogar hier im Blog diskutiert wurde.

      • 13 sagt:

        @ Martin
        Schreibe ich so undeutig? Selbstverständlich sind wir beim zitierten Satz einer Meinung. Die Divergenzen fangen m.E. bei meinem „Aber anhand der Masse…“ darum auch das „Aber“ und um die Masse erfassen zu können, finde ich die Zahlen sehr wichtig. Auch wenn sie nicht über alle Zweifel erhaben sind, so sind sie ein guter Anhaltspunkt. Bei der Dunkelzifferthematik halte ich es für ein Märchen, dass diese bei Gewalt gegenüber Männern so viel höher sein soll als gegenüber Frauen oder Kindern, dass das die Statistik verzerren würde. Das sind so Pauschalantworten, die man immer hört, wenn von Gewalt an Frauen die Rede ist, neben ganz vielen (anderen) Whataboutismen, aber es gibt nicht wirklich aussagekräftige Indizien für diese Behauptung.

        @ Tanja
        Völlig Ihrer Meinung.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Sophie

        Ich war viele Jahre alleinerziehend, ohne feste Partnerschaft und habe meinen Mann erst kennegelernt, als meine Kinder im Teeniealter waren.

        Während meine Kinder klein waren, hätte ich mich nicht getraut, meine Kinder einem Stiefvater auszuliefern. Die Statistiken über Stieffamilien haben mich abgeschreckt und zudem traute ich meiner eigenen Menschenkenntniss nicht mehr. Ich schätze Menschen zwar (fast) immer richtig ein, aber in der Liebe habe ich dermassen in die Sch… gegriffen, dass ich meinen Einschätzungen nicht mehr traute.

        Heute bin ich ein gebranntes Kind und ich wäre sehr schnell weg, bekäme ich das Gefühl, dass sich das widerholt.

      • Martin Frey sagt:

        @tanja
        „ es ist also NICHT so, dass „frauen mehr psychische gewalt einsetzen und männer mehr physische“ und man damit sozusagen quitt.“
        Das mit dem quitt stammt nicht von mir, das wäre eine völlig unzulässige gegenseitige Aufrechnung. Zum anderen Teil meiner Aussage gibt es aber (wenige) Untersuchungen.
        „bevor jemand zuschlägt, hat er psychische gewalt angewendet.“ Meist ja, aber nicht zwingend.
        „physische gewalt ist die steigerung nach der psychischen gewalt, eine eskalationsstufe zur verschlimmerung“
        Da bin ich komplett anderer Ansicht, nicht zuletzt auch deshalb, weil Sie damit eine Wertung implizieren. Psychische Gewalt kann als genauso schlimm oder noch schlimmer empfunden werden, ganz abgesehen davon, dass es Leute gibt die ausschliesslich psychische Gewalt anwenden.

      • tanja sagt:

        und bevor schwere gewalt angewendet wird, wird leichte gewalt angewendet.
        ich finde es inakzeptabel und niemandem dienlich, wenn schwere gewalt mit leichter gleichgesetzt wird.
        in einer paar situation ohne krasse abhängigkeit hat man sich gefälligst zusammenzureissen. mag sein dass man mal fies ist, aber schwere gewalt passiert nicht einfach von heute auf morgen ohne dahingehende steigerung.
        hingegen ist es bei der pflege von bedürftigen leider so, dass man sich dem schlecht entziehen kann. darum kommt es auch da leicht zu gewalt, ob jetzt in worten oder handgreiflich. aber die gründe sind andere.

      • Sportpapi sagt:

        @13: In meiner Gesellschaft heisst das gültige Männer-/Frauenbild eigentlich: Man(n) schlägt keine Frau(en). Entsprechend schwierig ist es auch als Mann, sich gegen eine „temperamentvolle“ Frau zu wehren.
        „Frauen sind öfters von Männern abhängig als das Gegenteil, das bringt viele Männer in eine Machtposition.“
        Wie kommts? Ich sehe ja bei vielen Paaren offensichtlich eher, wenn schon, die Frau in einer Machtposition. So oder so bin ich überzeugt, dass psychische Gewalt eine Frauendomäne ist.

      • tanja sagt:

        martin frey, sie können natürlich denken was sie wollen, aber einschlägige institutionen wie das BIF sprechen genau davon:
        verbale gewalt / psychische gewalt ist eine vorstufe von physischer gewalt.
        genau, es muss natürlich nicht zur physischen gewalt kommen, aber sie ist die vorstufe, jedenfalls in beziehungen. da wird nicht nur einfach dreingeschlagen, sondern davor war immer verbale, also psychische gewalt

      • Martin Frey sagt:

        @tanja
        Das bif ist eine Beratungs- und Anlaufstelle, keine wissenschaftliche Institution. Trotzdem war ich nun extra mal auf deren Homepage. Dort steht nichts von dem, was Sie hier sagen. Aber sonst viele wertvolle Info.
        Selbstverständlich sind aber auch Ihnen Ihre Ansichten unbenommen.

      • tanja sagt:

        diese opferhilfe stelle befasst sich nunmal mit gewalt und zwar eingehend. ich sagte sprechen und nicht schreiben und von wissenschaftlich habe ich ja auch nichts gesagt.
        eigentlich ist es doch logisch (dass es eskalationsstufen gibt und dass, bevor massive körperliche gewalt angewendet wird, es leichte körperliche war und davor verbale/psychische).
        mir persönlich scheint schon, dass es gegeneinander aufgerechnet wird „also gut. männer schlagen eher drein, aber frauen wenden viel öfter psychische gewalt an“ (= irgendwie quitt). wenn man das mit den eskalationsstufen beachtet, sieht man, dass nicht dreinzuschlagen nur bedeutet, eine eskalationsstufe weniger weit gegangen zu sein. aber wer dreinschlägt, der hat vorher verbale gewalt angewendet.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Sie dünkt das, was Sie sagen logisch. Und ich sage nicht mal, dass Sie völlig unrecht haben. In vielen Fällen mag das so sein, wie Sie sagen. Nur eben nicht grundsätzlich. Durch das beharren auf den Eskalationstufen als Schema sind Sie es, die gegeneinander aufwiegen, relativieren und werten.
        Auf der bif Homepage sind die verschiedenen Varianten (psychische, körperliche bis hin zur ökonomischen Gewalt) wertfrei nebeneinander aufgelistet. Was den Realitäten mehr entspricht.
        Nur ein Bsp.: selber hatte ich mal beruflich mit einer Familie zu tun, die überhaupt nicht verbal kommunizierte. Zur Begrüssung gab es zb ggs. Ohrfeigen, auch an die Kinder, sowie die älteren an die jüngeren. Gewalt war faktisch das einzige Kommunikationsmittel.
        Da passen Ihre Theorien nicht mehr.

      • 13 sagt:

        @ Martin
        Das war nicht ich (auch wenn ich grösstenteils zustimmen).

        @ SP
        Es wundert mich nicht, dass Du so denkst oder dass Deine Ansichten auch hier entgegen jeglicher Statistik sehr einseitig ist. Nur hat das wenig mit dem Thema an sich zu tun.

        @ Tamar
        Dem widerspreche ich doch nicht. Ich habe sogar oben die klare Erklärung dazu gebracht. Nur stirbt Gott sei Dank nicht alle zwei Wochen ein Kind durch die Hand der Mutter. Entgegen häufiger Meinung sind Frauen öfters Opfer schwerer Gewalt als Kinder. Bei leichter dürfte es, auch aufgrund der Weigerung der Schweiz, dies unter Strafe zu stellen, umgekehrt sein.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Ups, sorry, ja das ging natürlich an @tanja.

      • Max Huber sagt:

        @13: Für Dunkelziffern gibt es natürlich keine stastischen Belege, deswegen heissen sie ja Dunkelziffern. Trotzdem ist es legitim anzunehmen, dass die Dunkelziffern nicht überall gleich sind. Gerade feministische Publikationen haben sich jahrzehntelang dieses Umstands bedient, die Phrase „Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus“ gehörte schon fast zum Standard – wie auch in diesem Blog Post hier. Aber wenn nun Männer dies für sich reklamieren (was ja unter Berücksichtigung mehrer Faktoren wie Stigma, Hilfsangebote, Erfolgschancen und familienrechtliche Folgen zumindest alles andere als abwägig wäre), werden plötzlich harte Statistiken als Beweis gefordert. Irgendwie inkonsequent.

      • tina sagt:

        natürlich gibt es abstufungen von gewalt, das kann doch kein vernünftiger mensch in abrede stellen.
        natürlich gibt es verschiedene empfindungen von gewalt. aber leichte gewalt ist nunmal leichter als schwere gewalt, was soll dieses gleichstellenwollen, es ist mir schleierhaft und ich wills auch gar nicht wissen.

      • 13 sagt:

        @ Max
        Ein Indiz, welches ich fordere, ist schon per Definition kein strikter Beweis. Beweisen ist in dem Bereich schwer, Dunkelziffern sowieso nicht, sonst wären es keine.
        Wenn aber z. Bsp. eine repräsentative Umfrage ergibt, dass jeder 5. Frau sexuelle Gewalt erlebt hat und es andererseits nur sehr wenige Anzeige und noch viel weniger Verurteilungen gibt, dann ist das ein Indiz für eine hohe Dunkelziffer, auch dann, wenn man nicht klar sagen kann, dass Tanja, Sarah und Melanie zur Dunkelziffer gehören.
        Für manche Aussagen hier, wie dass die Dunkelziffer bei Männern viel höher ist als bei Frauen und Kindern, gibt es aber nicht einmal ein Indiz. Es gibt gar nichts, was auf einen Zustand, dass die Statistik falsch wäre, hinweisen würde.

      • tanja sagt:

        kein opfer, kein gericht und keine beratungsstelle würde „wertfrei“ harte schläge mit beleidigungen gleichsetzen. diese haltung ist total am leben vorbei

      • Martin Frey sagt:

        Ich habe nie leichte und schwere Gewalt gleichgesetzt, wie ich auch anerkenne, dass kein Gericht körperliche Gewalt und psychische Gewalt gleichsetzt. Obwohl nicht zwingend das eine besser ist als das andere.
        Für alle, die denken, psychische Gewalt sei doch nicht so schlimm, folgender Link
        https://www.kinderschutz.ch/de/auswirkung-von-gewalt.html
        Opfer von psychischer Gewalt erscheinen dann einfach weniger in den schönen Polizei- und Bfs Statistiken, sondern ggf. halt andernorts, dh. in der Suizidstatistik. Harmlos? (auf die Schnelle, wenn auch nicht aus dem Spektrum häusliche Gewalt):
        https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/mobberin-von-spreitenbach-macht-einfach-weiter/story/31523648
        Das Thema psychische Gewalt ist auch in Fachkreisen immer noch unterschätzt.

      • Max Huber sagt:

        @13: Also, in dem Fall, zum Beispiel: „Auch bei
        Dunkelfeldstudien wird eine höhere Betroffenheit von Frauen belegt. Jedoch ist der Unterschied zur Betroffenheit von Männern geringer als bei Hellfeldstudien. Insbesondere ist die Anzahl männlicher Gewaltbetroffener teilweise markant höher als bei Hellfeldstudien.“ (aus Informationsblatt 16 vom EBG, mit Verweis auf ausländische Studien, das Infoblatt enthält mehrere Seiten lesenswerte Informationen zu dem Thema). Daraus ergäbe sich – was auch immer die Gründe dafür sein mögen – dass das statistische Dunkelfeld bei Männern grösser ist als bei Frauen, auch wenn es für beide Geschlechter ein substantielles Dunkelfeld gibt. Reicht das als Indiz?

      • Martin Frey sagt:

        @13
        Folgendes zur Dunkelzifferdiskussion:
        Bekanntermassen können fehlendes Wissen über Unterstützungsmöglichkeiten, aber auch Sprachbarrieren gewaltbetroffenen
        Personen mit Migrationshintergrund den Zugang zu Beratungs- und Hilfsangeboten (z.B. Paar- und
        Familienberatung, Opferberatungsstellen) und damit die Loslösung aus Gewalt- und
        Misshandlungsbeziehungen zusätzlich erschweren. Die Tabuisierung häuslicher Gewalt, Schamgefühle und Stigmatisierung, Druck seitens der Familie, der gewaltausübenden Person oder der Community sowie ein
        unsichererer Aufenthaltsstatus können dazu führen, dass auch bei vorhandenen Kenntnissen über die vorhandenen Hilfs- und Interventionsangebote keine Unterstützung in Anspruch genommen wird.
        Nicht nur ist das logisch, es gibt dazu auch mehrere Studien.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ja, hat vielleicht nicht mit dem Thema dazu, nimmt allerdings Bezug auf das, was du zum Thema geschrieben hast. Menschenbild, Macht- bzw. Abhängigkeitsverhältnis.
        Worauf sich „die Statistik“ bezieht, weiss ich nicht. Zu Machtverhältnissen gibt es meiner Meinung nach keine, wenn man nicht auf „Geld“ als alleiniger Indikator abzielt, was meiner Meinung nach absolut unzulässig ist.

      • Sportpapi sagt:

        @Tanja: Ob physische Gewalt immer schwerer ist als psychische möchte ich deutlich in Frage stellen.
        Zumal ja letztlich die psychische Wirkung von Schlägen meist viel schlimmer ist als die physische.

    • David sagt:

      Wurde die Beratungsstelle für Männer ergänzt oder stand sie von Anfang an da? Sie stand von Anfang an da, aber das ist das Mannebüro, eine Organisation, die klar auf Täterberatung fokussiert (was sie nach allem was ich gehört habe auch sehr gut macht). Klar kann man da auch als männliches Gewaltopfer hingehen, aber das ist dort nicht die Kernkompetenz. Männliche Opfer würde man normalerweise zur Opferhilfe oder zum Zwüschehalt schicken. Für mich ist daher klar, dass hier die Frauen zur Opferberatung und die Männer zur Täterberatung geschickt werden. Daher finde ich auch nicht, dass männliche Opfer hier wirklich ernsthaft mitgemeint sind (trotz der Floskel). Das Thema hier ist Gewalt gegen Frauen.

      • 13 sagt:

        @ David
        Danke, ich habe nicht alle Links geprüft, fiel mir nur auf, dass die Kritik kam, aber oben etwas aufgeführt ist. Zwüschehalt wäre sicher das Richtige gewesen.
        Das mit dem mitgemeint ist eben so eine Sache. Es funktioniert nicht, in beide Richtungen nicht. Und doch ist der Aufschrei grösser, wenn es Männer betrifft. Beim immer noch sehr verbreiteten generischen Maskulinum schreien höchstens darauf sensibilisierte Feminist*innen und diese werden dann dafür kritisiert, dass sie „so empfindlich“ seien. Ich finde es aber gut, wenn da mehr Sensibilität entsteht. Im konkreten Fall ist dies m.E. aufgrund des doch sehr auffälligen Hinweises relativ zum kurzen Text, jedoch erfüllt. Nicht zu vergleichen mit einem kurzen Satz, Grösse 8 bei einem 400-seitigem Buch wie so oft.

      • David sagt:

        Es ist mit auch gar nicht primär darum gegangen, Parallelen zur Gendersprache zu ziehen. (Mir ist nur die offensichtliche Ironie ins Auge gestochen, dass hier eine, sagen wir mal, Frauenvertreterin solch einen Mitgemeint-Paragraphen schreibt.) Wie schon gesagt finde ich, dass der Ausschluss von männlichen Opfern hier nicht nur ein linguistischer sondern ganz klar auch ein inhaltlicher ist (Links, Subsumierung unter „Gewalt gegen Frauen“ etc). (Wobei ich die Aussage, dass es bei mitgemeinten Männern ein grösseres Geschrei gäbe, schon für recht gewagt halte. Das sind jetzt ein paar anonyme Internetkommentare vs hunderte von offiziellen oder halboffiziellen Richtlinien zur inklusiven Sprache, wo es ja zu 98% um den Einschluss von Frauen geht.)

  • tststs sagt:

    Jeden Tag (!) werden in diesem Land 1-3 schwer misshandelte Kinder in Spitäler eingeliefert. Jeden e-i-n-z-e-l-n-e-n Tag!
    Dieses Parlament beschäftigt sich derzeit lieber mit der Beschaffung von Kampfjets und der Wiederholungspflicht von Verkehrskundeunterricht.
    Und in diesem Forum werden Kinder zur Privatsache gestempelt und die KESB ist sowieso des Teufels.
    Prioritäten halt.

    • Martin Frey sagt:

      @tststs
      Also mit den Kampfjets und ähnlichem Whataboutismus hat die Diskussion natürlich nichts zu tun. Das war ziemlich unnötig. Ich rufe ja auch nicht in Erinnerung, dass der Kanton Zürich explizit davon Abstand nimmt, wissen zu wollen, was für Misstände und Uebergriffe in Asylheimen so vorkommen. Obwohl das mehr mit dem Thema zu tun hätte.
      Aber ich bin bei Ihnen, wenn Sie in Erinnerung rufen wollten, wie häufig schwere Kindesmisshandlungen vorkommen. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, gibt es hier massive Schnittstellen mit sonstiger häuslicher Gewalt.

    • Lexi sagt:

      DANKE für diesen Kommentar – no more words needed

    • Röschu sagt:

      @tststs
      Art. 11 BV: „Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit
      und auf Förderung ihrer Entwicklung“
      .
      Körperverletzungen/Tätlichkeiten werden gemäss StGB Art. 122ff von Amtes wegen verfolgt.
      .
      Es besteht keine Notwendigkeit für immer noch mehr Regelungen und Gesetze. Es müssten „nur“ das bereits bestehende Regelwerk konsequent umgesetzt werden.

  • Felix Frei sagt:

    Was meiner Meinung nach etwas unter geht in dem Bericht, ist dass es auch Beziehungen gibt in der keine physische Gewalt aus geht sondern „nur“ psychische. Im Sinne von „Wenn du mich liebst dann machst du….“, oder „ohne mich bist du eh nichts“. Das kann genau so schlimm sein.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Habe ich 14 Jahre erlebt, bis ich endlich gegangen bin. Nicht weil ich die Kraft dazu hatte, sondern weil ich meinen Kindern keinen Suizid antun wollte. Heute weiss ich, die Trennung war das Beste, was ich meinen Kindern bieten konnte. So sind sie in einer intakten, harmonischen Familie aufgewachsen, ohne Gewalt körperlicher oder seelischer Natur.

  • New Mum sagt:

    Als Mami von 2 tut mir das in der Seele weh. Ich würde meine Kinder bis zum Letzten verteidigen. Ihnen alles Gute.

  • Michèle Pine sagt:

    Genau die selbe Hölle erleben in der Schweiz Tausende von Kindern.
    JEDEN Alters. Täglich.
    Und es ist strafrechtlich NICHT relevant.
    Sie werden geschlagen, gedemütigt, in Angst und Schrecken versetzt.
    Für sie gibt es kaum je einen Ausweg.
    Mütter können die Hölle verlassen.

    • Franka sagt:

      Wenn man es beweisen kann, ist das strafrechtlich sehr wohl relevant.

      • Michèle Pine sagt:

        Falsch.
        Sie müssen erst ernsthaft verletzt sein, spitalreif.
        In der Schweiz ist körperliche Gewalt, sogenannt „moderate Züchtigung“ nicht unter Strafe gestellt.
        Im Gegensatz zu praktisch allen europäischen Staaten.

      • Röschu sagt:

        @Michèle Pine
        „In der Schweiz ist körperliche Gewalt, sogenannt „moderate Züchtigung“ nicht unter Strafe gestellt.“
        Faslch! Es handelt sich um einfache Körperverletzung, welche sehr wohl unter Strafe steht.
        – Art. 123 StGB Abs. 1: „Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. (…)“
        – Art. 123 StGB Abs. 2: „Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe, und der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, (…) wenn er die Tat an einem Wehrlosen oder an einer Person begeht, die unter seiner Obhut steht oder für die er zu sorgen hat, namentlich an einem Kind (…)“

      • Röschu sagt:

        @Michèle Pine
        Ja. Einige PolitikerInnen nutzen natürlich die Gelegenheit sich hier nett in Szene zu setzen. ABER, wie ich weiter oben schon schrieb: Es besteht keine Notwendigkeit für immer noch mehr Regelungen und Gesetze. Es müssten „nur“ das bereits bestehende Regelwerk konsequent umgesetzt werden.
        .
        PS. Weshalb geht man/frau eigentlich davon aus, dass die neuen Gesetze dann eingehalten/durchgesetzt werden, wenn dies doch bei den bereits bestehenden ganz offenbar nicht der Fall ist.

      • Martin Frey sagt:

        @Röschu
        Nein, im Ggs. zu Deutschland beispielsweise kennt die Schweiz nach wie vor kein explizites Verbot von körperlicher Züchtigung von Kindern. Körperverletzungen sind da etwas anderes, und der Verweis darauf greift zu kurz.
        https://www.watson.ch/schweiz/justiz/322323552-neueste-zahlen-schockieren-so-brutal-gehen-schweizer-eltern-vor
        Natürlich gibt es Graubereiche, aber gerade für die nach wie vor zu hohe Anzahl von Gewaltanwendungen durch Schweizer Eltern wäre ein solches Verbot ein wohl wegweisendes Signal.

      • Röschu sagt:

        @Martin Frey
        „Nein, im Ggs. zu Deutschland beispielsweise kennt die Schweiz nach wie vor kein explizites Verbot von körperlicher Züchtigung von Kindern“
        Stimmt und das ist gut so. Es braucht keine expliziten Gesetze, wenn es bereits generelle/allgemeine Gesetze gibt, die diesen Bereich abdecken. Wir schreiben ja bspw. auch nicht explizit ins Gesetz, dass die Tötung von Rentnern verboten sei…
        .
        Ein Signal (eigentlich ja nichts anderes als Kommunikation) an Eltern kann auch gegeben werden, ohne dadurch grossen und teuren administrativen Leerlauf zu verursachen.

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Wir haben schon zu viel Symbolpolitik und Gesetze, die nur ein Zeichen setzen wollen, in unserem Land.
        Relevant ist, ob es etwas bringt. Erstaunlicherweise schweigt sich der verlinkte Text dazu vollständig aus.

      • Martin Frey sagt:

        @Sportpapi/Röschu
        „Relevant ist, ob es etwas bringt.“
        Richtig. Ich bin auch gegen Symbolpolitik der reinen Symbolpolitik wegen (das Thema hatten wir ja neulich..) Aber gerade aus Deutschland gibt es klare Hinweise, dass die Reduktion der Gewaltanwendung deutscher Eltern mit dieser Gesetzeseinführung in Zusammenhang stehen könnte. Und das sollte ja letztendlich das Ziel sein, nicht wahr?

      • Sportpapi sagt:

        @Martin Frey: Ja, das sollte das Ziel sein. Entsprechend wertvoll, wenn es solche Hinweise gibt.

  • Niklas Meier sagt:

    Ich war lange Zeit Opfer häuslicher Gewalt und merkte es gar nicht. Es war „normal“. Bis meine damalige Partnerin mich dann so massiv verletzte, dass es mit einem Spitalaufenthalt endete. Erst nach dem zweiten(!) solchen Vorfall intervenierten dann Freunde und ich konnte mich zur Trennung durchringen. Anschliessend folgten Weigerung diese zu akzeptieren, Stalking, Drohungen und Flehen der Ex.
    Bei der Opferhilfe sagte man mir, man könne mir nicht helfen, meine Chefin amüsierte sich und Mitarbeitende meinten, „das kann doch kaum sein“.
    Ich arbeitete damals in einem sozialen Beruf.
    Wenn nun also die Autorin hier meint, die 80% der Opfer seien Frauen, dann widerspreche ich ihr vehement. Nein, ich kenne die wirklichen Zahlen nicht, aber kaum ein Mann wird Anzeige erstatten.

    • Martin Frey sagt:

      Die Zahlen des Bundes sind in der Tat, wie bei anderen Themen übrigens auch, mit der nötigen Vorsicht zu geniessen. Es gibt klare Hinweise insbesondere bei leichteren Fällen häuslicher Gewalt, dass diese mindestens im selben Rahmen von Frauen ausgeübt wird. Zudem ist die Dunkelziffer (wie auch das gesellschaftliche Verständnis) bei männlichen Opfern sicher höher, wie sie auch höher ist bei häuslicher Gewalt mit Migrationshintergrund. Diese offiziellen Zahlenangaben dürften somit alle verzerrt sein, andererseits bringt uns das Zahlengeschacher auch nicht weiter. Wir sollten uns Gedanken machen, was zu tun ist, und insbesondere wie endlich mal in diesem Land die Bedürfnisse der Opfer anstatt der Täter in den Fokus des Interesses sowie der Anstrengungen zu rücken wären.

  • Dani sagt:

    Mein Vater wurde Jahrelang von seiner zweiten Frau seelisch misshandelt. Das war so abartig wie die mit dem umging. Ich habe so oft mit ihm geredet, und was er mir erzählte hätte ich ihm nicht geglaubt, hätte ich die Beiden nicht mal per Zufall im Einkaufszentrum gesehen. Als ich sie zur Rede stellen wollte, wollte er nicht als Schlappschwanz abgestempelt werden. 6 Jahre ging es so, bis ihm die Hand ausrutschte. Es folgte eine Anzeige, Scheidung und viele Anhörungen. Wir Kindern konnten zum Glück vieles in die richtige Sichtweise lenken, weil ohne unsere Gegenaussagen wäre unser Vater der einzige Schuldige, doch das Übel war die Frau. Heute ist sie zum Glück in Behandlung. Gejammert im Nachhinein wird schnell, doch die wirkliche Schuld wird selten gefunden, nur das Offensichtliche.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Selbstverständlich ist in Ihrem Fall die Stiefmutter die Täterin, aber es rechtfertigt trotzdem nicht, nun jegliche körperliche Gewalt zu hinterfragen und die Schuldfrage umzudrehen.

  • Elena sagt:

    Es wäre wichtig bei diesem Thema, Beratungsstellen in der ganzen Schweiz zu nennen (und nicht nur aus dem Raum Zürich). Unter folgendem Link finden sich alle Opferberatungsstellen der Schweiz: https://opferhilfe-schweiz.ch/de/

  • Karim Frank sagt:

    Männer sind der Irrläufer der Evolution. Und um irgendwelchem empörtem Gejaule zuvorzukommen, mein Tipp: Schaut euch einfach die Tagesnachrichten an. Dann geht mal in Gedanken Jahrhunderte/Jahrtausende zurück und reflektiert. Unzählige Gewalttaten/Kriege von Männern. Immer und immer wieder. Und wenn mir jetzt einer kommt mit „ja, aber Frauen auch….blabla“ dann habe ich nur ein mitleidiges „Ja,Ja schon gut. Träum‘ weiter“ als Antwort.

    • Geschichtslehrer sagt:

      Komisch, ich könnte schwören dass bei besonders mächtigen Männern und bei vielen Kriegen oftmals auch der Wille und Rat einer Frau im Hintergrund stand. Aber dann müssen all die Geschichtsbücher sich irren, sind ja nur Geschichten. :o) Nicht umsonst heisst es, dass oftmals der Erfolg der Männer nur durch die Frau bestimmt wird. Mein Tipp an Sie: Bilden Sie sich bitte weiter und kommen Sie aus der Opferrolle raus. ok, thx bye.

    • Martin Frey sagt:

      Männer sind sowenig oder so sehr Irrläufer der Evolution wie Frauen. Sie ergänzen sich typischerweise gegenseitig, im Guten wie im Bösen. Wer Ende 2019 immer noch der Ansicht sein sollte, Frauen seien die wie auch immer gearteten besseren Wesen und zu Schandtaten weniger fähig, hat von der menschlichen Natur wenig verstanden.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        @ Karim Frank

        Sie vergessen zu erwähnen, dass seit der „Erfindung“ von Gewalt, es immer weibliche Nutzniesser gegeben hat. Kann man bis heute immer wieder bei Diktatoren sehen: deren Frauen leben in Saus und Braus. Sie wissen auch von der Gewalt ihrer Männer. Der Unterschied ist doch einfach, dass die Nutzniesserinnen sich die Hände nicht selber schmutzig machen.

      • Röschu sagt:

        @Karim und TvS
        Selbst in der Literatur ist dies ja ein uraltes Thema. Schon bei Shakespeare begeht Macbeth den Mord, weil er von Lady Macbeth dazu verleitet wurde.

    • Beat sagt:

      Karim Frank, es muss Ihnen ganz fest weh tun, von einem „Irrläufer der Evolution“ gezeugt worden zu sein.
      Das ist tragisch.
      Mein Vater hat mir aber eine andere Männlichkeit vorgelebt: selbstbewusst, kreativ und partnerschaftlich.

  • David sagt:

    Dem marginal guten Willen der Autorin zum Trotz – mich als langjähriges Opfer häuslicher Gewalt stören solche Darstellungen. Die Anmerkung, dass Männer und Kinder als Opfer mitgemeint seien (hatten wir anderswo nicht grad gelernt, dass dieses „mitgemeint“ des anderen Geschlechts nie gut genug sei?), ist halt nicht wirklich glaubwürdig, wenn man dann ausschliesslich auf eine reine Frauenberatungsstelle für die Opferberatung und auf eine Männer-Täterberatungsstelle verlinkt, und in der Schlusspointe häusliche Gewalt dann eben doch als „Gewalt gegen Frauen“ einordnet. Dass 80% der Opfer Frauen sind, heisst eben auch, dass mindestens 20% (Achtung Dunkelziffer) Männer sind, und die erfahren bis heute viel weniger Aufmerksamkeit, Unterstützung und funktionierende Lösungsangebote.

    • Martin Frey sagt:

      Ich verstehe Sie gut, David. Das „Mitgemeint“-Sein ist frustran, insbesondere wenn man selber die Opferrolle nur zu gut kennt. Typischerweise regen sich dieselben Leute über das „Mitgemeint“-Sein jeweils schon auf, wenn es einer jahrhundertealten sprachlichen Gepflogenheit entspricht und sie nichts am eigenen Leib erfahren haben.
      Der Beitrag hat aber nur eine beschränkte Kapazität, das Thema ist an sich zu komplex, um in seiner ganzen Breite abgehandelt zu werden. So sind auch die Zahlen des Bundes mit Vorsicht zu geniessen. Gerade bei leichteren Formen häuslicher Gewalt ist die Geschlechterverteilung nämlich alles andere als klar.
      Wo ich bei Ihnen bin: es geht nicht an, einen Beitrag über häusliche Gewalt zu schreiben, und nur Anlaufstellen für Frauen und im Kt. ZH zu erwähnen.

      • Niklas Meier sagt:

        Wussten Sie, dass das einzige Männerhaus (nicht als Täter) im oftmals als konservativ und rechts verschrienen Kanton Aargau steht?

      • Martin Frey sagt:

        Nein Herr Meier, das wusste ich nicht. Aber es überrascht mich nicht.
        Im Kanton Aargau politisiert übrigens eine der in Kinderschutzfragen verdienstvollsten Politikerinnen des Landes, Frau Y. Feri. Die in der parteiinternen Ausmarchung zum Ständeratswahlkampf von ihrem Parteikollegen C. Wehrmut nach allen Regeln der Kunst kaltgestellt wurde. Der sich jetzt, angesichts seines desolaten Resultates, nobel dafür publikumswirksam zu Gunsten der Sache der Frauen zurückzieht. 😉
        Ich bin überzeugt, Y. Feri hätte in dem Kanton besser abgeschnitten als er.

      • 13 sagt:

        @ Niklas
        „Wussten Sie, dass das einzige Männerhaus (nicht als Täter) im oftmals als konservativ und rechts verschrienen Kanton Aargau steht?“

        Das Erste, nicht mehr das Einzige. Es gibt inzwischen auch eins in Luzern wie auch in Bern.

      • Charlie Züger sagt:

        Richtig, es gibt inzwischen drei Männer- und Väterhäuser. Und das ist alles andere als selbstverständlich, da soweit mir bekannt keines dieser drei bisher direkte staatliche finanzielle Unterstützung erhält (dies im Gegensatz zu den allermeisten Frauenhäusern). Dort liegt nämlich die wahre Ungleichbehandlung von männlichen Opfern, nicht in journalistischem Desinteresse.

  • Martin Frey sagt:

    Guter, ausgewogener Beitrag zu einem äusserst schwierigen Thema.
    Es ist richtig, wer einmal schlägt, wird es erfahrungsgemäss immer wieder tun. Mögen die Beteuerungen noch so überzeugend und melodramatisch sein. Denn was mir beim Beitrag etwas zu kurz kommt: Wer Gewalt als quasi normales Kommunikationsmittel kennengelernt hat, der kennt faktisch nichts anderes. Ganze patriarchale Gesellschaften wachsen so auf, und derart (aus unserer Sicht) toxischen Verhaltensweisen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Gewalt gegen die Partnerin und die gegen die Kinder gehen oft Hand in Hand. Frauen spielen da oft eine ebenso unrühmliche Rolle, wie auch religiöse Würdenträger die derartige innerfamiliäre Gewalt als legitime Disziplinierungsmassnahme teils noch propagieren.

    • Martin Frey sagt:

      Was ebenfalls wenig hilfreich ist: der Drang gewisser Frauen, sich mit bösen Jungs einzulassen, typischerweise gepaart mit dem Irrglauben aber doch immer getrieben von der Vorstellung, doch noch das Gute in ihm entdecken zu vermögen und ihn damit (quasi durch die eigene entgegengebrachte Liebe) von Saulus zu einem Paulus mutieren zu können. Millionen Frauen haben das schon versucht, nicht selten ein Leben lang, machen sich die ganze Zeit etwas vor bis sie erkennen: es funktioniert nicht. Damit werden sie aber selbst zu Steigbügelhaltern solch pathologischer Verhaltensweisen.
      Häusliche Gewalt hat viele ineinander greifende Aspekte: auf der Ebene der Täter, der Opfer, und des Umfeldes. Das macht es auch so schwierig.

      • Brunhild Steiner sagt:

        schliesse mich an,
        und einmal mehr: Partnerschaft/Familie ist nicht ausschliesslich Privatsache, dafür sind die gesamtgesellschaftlichen Kosten wenns ungünstiger läuft auf körperlicher, seelischer und auch wirtschaftlicher Ebene einfach zu hoch.

        Plus dass jede betroffene Familie (nicht bewusst gewollt, zumindest nicht von den darunter Leidenden) eine Art Multiplikator ist.
        Zwischen totaler Freiheit und totaler Kontrolle gibt es einen grossen Spielraum.
        Und ich finde dass in Bezug auf verpflichtende Unterstützungsprogramme noch sehr viel Raum offen ist ohne in einem totalitärem System zu enden.

  • Maya sagt:

    Naja….. Ich verstehe schon, worauf Sie hinaus wollen… Aber irgendwie… meine Mutter hat 20 Jahre weggeschaut als uns der Alte verpruegelt hat, und was er mit meiner Schwester gemacht hat, weiss keiner so genau.
    Ja schon, sie war Opfer. Aber auch Mitwisserin. Und mit ihrem nicht handeln und wegsehen wurde sie zur Mittaeterin. Mein Mitgefuehl haelt sich in Grenzen.

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