Kind, zieh doch Socken an!

 

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Sie tun es schon ein paar Winter lang. Doch wir Älteren verstehen es immer noch nicht. Wie man in der grössten Kälte mit nackten Knöcheln durch die Gegend spazieren kann nämlich. «Flanking» nennt sich das Ganze, eine pseudo-englische Wortkreation aus «flash(ing)» (hervorblitzen) und «ankle» (Knöchel).

Ich hatte den unter Jugendlichen verbreiteten Modetrend anfangs nur aus der Ferne beobachtet. Hatte mich ein bisschen darüber gewundert und war gleichzeitig dankbar, dass ich selber meine Füsse und Knöchel ganz entspannt in warme Stiefel verpacken kann, ohne Angst haben zu müssen, als grauenhaft uncool zu gelten.

Plötzlich jucken Kniesocken

Nun, seit kurzem beschäftigt mich das Flanking direkter, da meine Tochter sich dem Trend allmählich annähert. Sie krempelt zwar ihre Hose (noch) nicht hoch, trägt aber konsequent nur diese kurzen Socken, die knapp bis zum Turnschuhrand reichen. Kniesocken? Hasst sie plötzlich, weil «totaaaal unbequem!». Normale Socken? Nur im Notfall, wenn alle anderen dreckig sind.

Als sich die Temperaturen auf tiefwinterliches Niveau absenkten, konnte ich sie immerhin von ihren Turnschuhen weg und zu den ungefütterten Boots hin bewegen. In die Winterstiefel hat sie ihre Füsse aber erst gesteckt, als Schnee gefallen ist.

Es gibt Sommer- und Winterkleider

Während sie im Winter angeblich nie friert, scheint ihre Körpertemperatur im Sommer urplötzlich drastisch abzusinken. Seit letztem Jahr läuft sie nämlich auch bei 30 Grad in Turnschuhen und kurzen Söckchen herum – und langen Hosen. Gleich wie im Winter also. Die Flip-Flops und Shorts kommen höchstens zum Einsatz, wenns in den Ferien an den Strand geht.

Ich könnte ihr nun einen Vortrag darüber halten, wie unsinnig ihre Kleidungsgewohnheiten sind und dass es nicht umsonst Sommer- und Winterkleider gibt. Zugegeben, manchmal tu ich das auch: Im Winter aus Sorge, weil sie womöglich krank wird, wenn sie sich nicht warm genug anzieht. Im Sommer aus Ärger darüber, völlig umsonst neue Sandalen gekauft zu haben, die nie angezogen werden.

Waren wir wirklich besser?

Und doch verstehe ich sie irgendwie. Denn waren wir früher nicht genauso? Es waren zwar bei mir selber nicht die fehlenden Socken, aber ich habe bei meiner Garderobe auch nicht immer Logik walten lassen. Als wir Teenies waren und es in Griechenland hip war, abends in Jeanshosen und Converse-Turnschuhen herumzulaufen, haben meine Schwester und ich selbstverständlich mitgemacht. Im Hochsommer bei geschätzten 25 Grad Nachttemperatur.

Ausserdem trug ich vor ein paar Jahrzehnten jahrein, jahraus T-Shirts, die direkt über dem Bund der Hüfthose endeten. Ein längeres Top anziehen und in die Hose stecken? Gott bewahre! Damals fühlte ich mich so pudelwohl, heute friere ich schon, wenn ich Fotos aus der Zeit anschaue.

Warme Einlagen statt langer Diskussionen

Vielleicht verändert sich das Kälteempfinden mit dem Alter tatsächlich und Ihr Kind spürt die Kälte nicht. Und falls doch, würde es das nie und nimmer zugeben, also ersparen Sie sich die täglichen Diskussionen. Kaufen Sie dem Flanking-Fan stattdessen kuschelige Lammfellsohlen, damit er wenigstens von unten her warm hat in seinen Sneakers. Und ein wärmendes Hautöl für die nackten Knöchel.

Und dann haben Sie einfach etwas Geduld. Irgendwann kommt unweigerlich der Tag, an dem entweder die Mode wechselt oder aus dem Jugendlichen ein fröstelnder Erwachsener wird.

 

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Ein Beitrag geteilt von Matthias (@mattesmodernesleben) am

Wie sahen Ihre Modesünden aus? Und können Sie getrost über das Flanking hinwegsehen, oder würden Sie das Kind am liebsten in Wollstrümpfe stecken?