Der Guetslibschiss – ein Krippenspiel

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Wenn man Guetsli bäckt statt den Kater auszuschlafen, dann ist man definitiv erwachsen geworden. Foto: iStock

Es sind unsere ersten Weihnachten mit dem Kind, das jetzt genauso lange draussen ist, wie es drinnen war, und da draussen, da ist ja einiges los – besonders im Dezember.

So waren das Kind und der Mann und ich in den letzten Wochen gleich zu zwei Anlässen in der Kinderkrippe eingeladen: zum Samichlaus und zum Adventskaffee. Spätestens wenn man Anmeldezettel zu derartigen Anlässen zu Hause rumliegen hat, angeschrieben mit dem Namen des Kindes und mit einem Herzchen daneben, dann weiss man: Jetzt ist man so richtig Eltern.

Der Mann und ich, wir waren beide irgendwie ganz gerührt ob dieser Zettel und vergassen dabei natürlich völlig, sie pünktlich abzugeben. So füllten wir die Anmeldungen eines morgens hastig aus, auch die Zeile «Zum Adventskaffee bringen wir mit», und notierten: «Weihnachtsguetsli». Und wie wir uns da erst als Eltern fühlten!

Erst noch hatten wir unsere Sonntage grösstenteils schlafend und Serien schauend verbracht, die Schädel schwer vom Ausgang der letzten beiden Abende. Nicht selten kamen wir erst aus dem Haus, als es draussen schon dunkel war, um irgendwo noch nach etwas Essbarem zu suchen. Und nun backten wir Weihnachtsgebäck und machten mit unserem Kind ausgedehnte Sonntagsspaziergänge an der frischen Luft, die Köpfe klar und die Wangen rosig, ach, wie erwachsen wir doch geworden waren!

Die Hausaufgaben nicht gemacht

Eine halbe Stunde vor besagtem Krippenanlass – der Mann hatte das Kind zum Samichlaus begleitet, nun war ich beim Adventskaffee an der Reihe – stand ich panisch im Laden und studierte die Gebäckauswahl. Sollte ich schwänzen, sollte ich in der Krippe anrufen und sagen, das Kind sei leider krank, oder ich sei krank, oder wir seien leider alle beide krank?

Ich verfluchte mich und den Mann, der zwar am Sonntag zuvor köstliche Guetsli gebacken hatte, die wir aber natürlich alle innerhalb von kürzester Zeit und ohne es zu merken gegessen hatten, während wir all das erledigten, wozu wir während der Woche nicht gekommen waren: Wäsche, Rechnungen bezahlen, die augenscheinlichsten hygienischen Missstände beheben. Das Kind robbte derweil gut gelaunt durch Staub und Essensreste und steuerte sämtliche noch ungesicherten Steckdosen und Kabel in unserer Wohnung an, was unsere Produktivität erheblich drosselte.

Nun stand ich also immer noch vor dem Gebäckregal, mit ähnlichen Gefühlen wie damals in der Schule, wenn ich die Hausaufgaben nicht gemacht hatte und verzweifelt überlegte, ob ich nicht noch irgendwo abschreiben oder mein Versäumnis sonst wie kaschieren konnte, ohne dass es jemandem auffiel.

Ein Foto als Mahnmal

Und so kaufte ich tatsächlich eine Packung Guetsli, die ich, wenige Schritte von der Krippe entfernt, in eine ebenfalls gekaufte Tüte umfüllte und dabei hoffte, nicht von anderen Eltern entdeckt zu werden. Das Kind beobachtete mich, wie ich schwitzend im Wintermantel auf dem Boden kauerte und leise fluchte.

Am Ende stand die popelige Packung zwischen einer üppigen Platte mit Gemüsestängeln zum Dippen und einem kunstvoll gebackenen Kuchen, und am liebsten hätte ich unauffällig ein Foto davon gemacht und es dem Mann geschickt, als Mahnmal für unser Versagen, doch ich musste mich ja bedeckt halten.

Als ich dem Mann am Abend davon erzählte, lachten wir Tränen.

Den nächsten Sonntag werden wir nicht backend und putzend, sondern gemeinsam verkatert im Bett verbringen – zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren voller Schwanger- und Elternsein, und das Kind wird mit der Grossmutter einen ausgedehnten Spaziergang an der frischen Luft machen.

Fröhliche Weihnachten allerseits!

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