Und jeden Abend grüsst der Elternkater

Sind Eltern von Kleinkindern erschöpft genug, schlägt das Elternkatervieh zu. (Foto: iStock)

Bei Überbeanspruchung der Muskeln gibts Muskelkater, und bei Überbeanspruchung der Eltern gibts Elternkater, und mit ebendiesem sitzen der Mann und ich in letzter Zeit jeden Abend auf dem Sofa, nachdem wir das Kind – es ist nun sechs Monate alt – ins Bett versorgt haben.

Der Elternkater ist ein grosses, fettes Katzenvieh mit struppigem Fell und ausgefransten Ohren, und der Elternkater schnurrt zufrieden vor sich hin und schaut zwischen dem Mann und mir hin und her, während wir mit letzten Kräften überlegen, was wir essen könnten. An einen Gang zum Laden ist nicht mehr zu denken, und wir werfen einen Blick in den Kühlschrank. Dort steht sie, die Bratpfanne mit den Resten von gestern.

Von Restepfannen-Starter-Kit bis Stinkefinger

Vorbei die Zeiten, in denen Resten in Tupperdosen umgefüllt wurden! Wozu auch dieser Umweg, wenn sie danach eh wieder in der Bratpfanne landen? Wir küren die Resten zu unserem Abendessen und mischen noch einen Rest anderer Reste dazu. So könnten wir das nun wochenlang weitertreiben, ja, wir könnten die Reste der Reste gar weiterverschenken an andere Eltern mit Elternkater für ihr ganz eigenes Restepfannen-Starter-Kit, und dann wäre das bestimmt glücksbringend wie diese Franziskus-Ketten-Brote, Sie wissen schon.

Der Elternkater hat eine meerschweinchengrosse Staubmaus aufgespürt und legt sie uns stolz vor die Füsse, während das Kind im Schlafzimmer lautstark nach der zweiten Einschlafmahlzeit verlangt. Ernährungsphysiologisch sei es jetzt an der Zeit für einen sättigenden Abendbrei und einen ebenso sättigenden Schoppen vor dem Einschlafen, so die Kinderärztin, doch das Kind zeigt uns bei entsprechenden Versuchen Abend für Abend seinen kleinen Stinkefinger, schiebt den sättigenden Schoppen empört von sich und schreit: Spinnts euch??? Brust, Brust, Bruuuust!

Ihr müsst es nur wollen!

Vor der Geburt des Kindes hätte ich ganz genau gewusst, was ich Eltern in diesem Stadium des Elternkaters raten würde: Hui, höchste Zeit, dass ihr wieder mal rauskommt! Ihr müsst euch Zeit nehmen für euch! Jetzt müssen Freunde, Grosseltern, Babysitter ran! Ach, das mit dem Schoppen klappt dann bestimmt! Ihr müsst es nur wollen!

Daran denke ich jetzt, es ist zwei Uhr nachts, und das Kind brüllt – habe ich schon erwähnt, dass es die ersten Zähne bekommt? – und der Mann steht mit dem Kind am Fenster und erklärt ihm, dass rundum alle, ja wirklich alle schlafen, und dass es doch auch morgen weiterzahnen könne, das ginge doch bestimmt viel besser als in der Nacht. Ich fingere währenddessen im Gefrierfach nach dem Beissring, und mein Blick fällt auf die Bratpfanne im Kühlschrank. Und der Elternkater zu meinen Füssen, ich schwörs, er lacht.

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