Kopfschütteln für das Mädchen, Beifall für den Jungen

Sie tun dasselbe, aber es ist wird unterschiedlich bewertet: Bruder und Schwester. Foto: iStock

Als ich vor ziemlich genau vierzehn Jahren in einer gynäkologischen Praxis erfuhr, dass mein erstes Kind ein Mädchen wird, bin ich anschliessend vor Freude über die verregneten Pflaster von Berlin getanzt. Ich hatte mir ein Mädchen gewünscht. Ich wollte entweder zwei oder vier Kinder, und das Ganze sollte möglichst mit einem Mädchen beginnen.

Ein Junge wäre allerdings auch okay gewesen. Bis Mitte 20 war ich in einer Welt aufgewachsen, in der sich Jungen und Männer häufig deutlich mehr herausnehmen können als Mädchen und Frauen, und ich hatte die Idee, dass sich das über den Altersunterschied etwas ausgleichen würde. Ich sollte recht behalten.

Hotpants-Verbot hier, Beifall für Rumgepose da

Und ich sollte mich sehr irren. Denn einerseits ist es in geradezu erschreckender Weise bis in die Details so, wie ich es mir ausgemalt habe: Meine älteste Tochter kassiert von der Gesellschaft für ihr blosses Vorhandensein ein missbilligendes Kopfschütteln nach dem anderen, während ihr jüngerer Bruder für seine gelegentliche Grossmäuligkeit sogar gefeiert wird. Hotpants-Verbot hier, Beifall für Rumgepose da. Dass meine Grosse die Ältere ist, fängt diese Diskrepanz tatsächlich etwas auf.

Andererseits ist mein Sohn der gutmütigste, mitfühlendste Mensch, den ich kenne. Er hat eine notorische Schwäche für Aussenseiter und erträgt es nicht, wenn andere leiden. Zugleich muss er damit klarkommen, dass diese Eigenschaften als unmännlich und schwach gebrandmarkt werden, und dass es ihm schwer bis unmöglich gemacht wird, Männlichkeitskonzepte zu leben, die keinen Stereotypen entsprechen. Meine Tochter hingegen ist eine liebevolle, unerschrockene Kämpferin, die sich nicht unterkriegen lässt und immer wieder aufsteht. Beide teilen den gleichen Sinn für Gerechtigkeit.

Geschlecht spielt also genau die Rolle, die ich mir gedacht hatte, und zugleich eine ganz andere. Deswegen bin ich überglücklich, dass ich zwei Jungen eingerahmt von zwei Mädchen habe, und deshalb ist es mir inzwischen zugleich egal. Ein Zustand also, bei dem die eigenen Geschlechtervorlieben in Bezug auf seine Kinder sehr weit in den Hintergrund rücken. Alles lief nach Plan und ist eine Riesenüberraschung.

Streit und Stereotypen

Überrascht bin ich daher auch, wie sehr man sich über das Thema Geschlechtervorliebe streiten kann. Denn es ist ja nun wirklich nichts Neues. Das Internet ist voll von «Anleitungen» darüber, wie man Jungen oder eben Mädchen bekommt. Allenthalben gibt es Texte von Vätern oder vor allem Mütter, die sich nach zwei Buben endlich noch ein Mädchen wünschen – oder umgekehrt. Derlei Präferenzen werden ständig kundgetan. Und doch hat die Kulturwissenschaftlerin Mithu Sanyal mit ihrem Text über ihre anfängliche kurze Enttäuschung, einen Jungen zu bekommen, und die tiefe Liebe, die sie für ihn auch und gerade weil er ein Junge ist empfindet, anscheinend in ein Wespennest gestochen.

Schliesslich ist sie auch noch Feministin – und da sieht man es ja mal wieder: alles Männerhasserinnen, die das männliche Geschlecht von Grund auf ablehnen und verteufeln. Das steht zwar nicht in dem Text, lässt sich aber super einfach so raushauen. Die eigenen (Vor)urteile bestätigen, indem anderen untergejubelt wird, was man zuvor schon vermutet hat. Wird immer wieder gern genommen. Vor einigen Jahren hat sich beispielsweise irgendein Typ im Internet als radikale Feministin ausgegeben, die ihr Baby abtreiben lässt, weil sie es nicht aushält, dass es ein Junge ist.

Duckmäuser oder Arschloch

Die Reaktionen waren erwartbar und erfolgten umgehend: Was für ein Monster! Das ist ja mal wieder typisch. Typisch, könnte man an dieser Stelle einfügen, ist in Wahrheit die selektive Abtreibung von weiblichen Föten, weil die männlichen als höherwertig gelten.

Es geht um die Erkenntnis, dass mein Tanz in den Strassen Berlins nicht wirklich dem Geschlecht meines Kindes galt, sondern meinem Kind. Und es geht um die Sorge, dass die Gesellschaft das eine oder andere Geschlecht leichter dazu anhalten kann, sich schwach zu geben, ständig auftrumpfen zu müssen, ein Duckmäuser oder ein Arschloch zu sein.

Meine realen Söhne wollte ich nie weniger als meine realen Töchter. Aber bei den Ideen von meinen Kindern hatte ich Präferenzen. Je nachdem, wie sehr ich davon ausgegangen bin, dass man mit aller Macht versuchen wird, mir auf die eine oder andere Weise meine wunderschönen Ideen gründlich zu vermiesen.

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Lasst Kinder verschiedene Geschlechterrollen ausleben!

Ist geschlechtsneutrale Erziehung extrem?

83 Kommentare zu «Kopfschütteln für das Mädchen, Beifall für den Jungen»

  • Widerspenstige sagt:

    Vielleicht ist wenig bekannt, dass SR Karin Keller-Sutter als eine der ersten Justizdirektorin des Kantons St. Gallen das Wegweisungsrecht in Fällen häuslicher Gewalt realisiert hat. Auch hat sie eine zu lasche Handhabung des Gesetzes von 2004 als Ständerätin in einer Motion den Riegel geschoben mit der Begründung, dass ein Verfahren in Zukunft erst dann eingestellt werden kann, wenn die Staatsanwaltschaft das Opfer nochmals angehört hat. Sie ist somit auch von Sozialdemokraten/Grünen wählbar:
    https://www.tagblatt.ch/schweiz/haeusliche-gewalt-viele-taeter-bleiben-straffrei-ld.709703

  • Koller sagt:

    Krass was man in Kinder so rein projektzirt, als Vater von 3 Kindern frage ich mich wie absurd das ist.

  • sepp z. sagt:

    Erstaunlicherweise hört man von jenen, die sich angeblich die Geschlechtergleichbehandlung auf die Fahne geschrieben haben, immer sehr stark parteiische Voten. Ob jene, die krankhaft an die Unterdrückung der Frau glauben, überhaupt zu fairer Behandlung der Geschlechter fähig sind? Ich zweifle.

  • R. Wenger sagt:

    Ich (Jg.1923) habe eine Tochter, die jetzt 73 ist. Ich versuchte immer, das Kind mit der grösstmöglichen Freiheit aufwachsen zu lassen. Sie wollte eine Lehre als Hochbauzeichnerin machen, als das noch eine reine Männerdomäne war. Nach vielem Suchen habe ich dann einen Architekt gefunden, der es mit einem Mädchen versuchen wollte. Sie hat dann die Lehre glänzend abgeschlossen und immer gute Stellen bekommen. Das Fazit: Knabe oder Mädchen, das Geschlecht ist nicht entscheidend.

  • kibiz sagt:

    „Die“ Gesellschaft bestätigt mir oft und gerne meine Vorstellungen und Vorurteile.
    Neckisch wirds erst da, wo nichts mehr passt und ich genauer hinschaue, hinhöre und mit Menschen aus Fleisch und Blut rede. „Tote Fische schwimmen mit dem Strom, lebendige dagegen“, schrieb ein Spassvogel ans Anschlagbrett in unserer Kaserne. Widersprüche nicht umgehen, aufrichtig bleiben – auch so bleibts spannend, mit Kindern zu leben.
    Die Geschichte ist nie fertig.Wunderbar.

  • C.Schumi sagt:

    Das ganze fängt ja schon an mit rosa oder hellblau,einfach nur schrecklich. Ich finde es gut ,wenn man Geschlechtneutral erzieht,den die ganzen Klischees sind über Generationen anerzogen worden von der Gesellschaft. Es soll jeder so sein dürfen wie er/sie will.Es gibt bei beiden Geschlechtern ganz verschiedene Charakter und Interessen.Es wir mir echt schlecht,wenn ich höre,ein Junge muss so sein oder ein Mädchen so. Hoffe,das die Gesellschaft ein bisschen weiser und toleranter wird.

    • Reincarnation of XY sagt:

      Reden wir doch mal über etwas, was für viele Frauen wirklich eine enorme psychische Belastung ist und einige sogar in den Suizid treibt, heute in der Zeitung zu lesen: „Papst vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord.“
      Ich kenne keine Frau, welche nicht über Kinderspielzeug und Turnschuhfarben hinweggekommen ist, aber ich kenne einige, welche tiefe psychische Belastungen erlitten wegen solchen „Werten“.
      Solange die Gesellschaft solche moralischen Autoritäten hofiert, scheint es mir wirklich zynisch über rosa Kinderkleider zu debattieren.

      • kibiz sagt:

        Und wer ist „die Gesellschaft“?
        Ihr Spiegel der Ohnmacht?
        Es sind doch Frauen und Männer wie Sie und ich. Einige davon sind unter vier Augen sogar zugänglich für ein Gespräch, für eine Hilfeleistung, für Solidarität. So wird Vieles möglich.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wer sich von den Äusserungen dieses argentinischen Dorfpfarrers, der im Experimentalmodus Papst geworden ist, was inzwischen alle bedauern, wer sich davon verunsichern lässt, mangelt es an Selbstwertgefühl.

        Bei allem Interesse an und Respekt vor der RKK, für Interruptiones oder Schwangerschaften ist diese Institution nicht zuständig, selbst wenn es mal wieder einen richtigen Papst hat. Von der genannten Aussage, die wohl seinem sprichwörtlichen Opportunismus, dem Gefallen wollen, geschuldet ist, kann man sich nur distanzieren. Da wird der Nachfolger hoffentlich klüger sein.

      • Reincarnation of XY sagt:

        ML – es mangelt sehr vielen Menschen an Selbstwertgefühl. Wenn wir nur von Menschen mit gesundem Selbstwertgefühl ausgehen, müssten wir über gar nichts diskutieren. Denn diese Menschen finden immer ihren selbstbestimmten Weg.

        Etwas mehr Mitgefühl würde Ihnen gut anstehen.

      • Zufferey Marcel sagt:

        Die Reformresistenz dieser Opus Dei-Freaks ist wirklich bemerkenswert: Auch das Zölibat habe sich als Erfolgsmodell erwiesen, liess eine kirchliche Instanz neulich, angesprochen auf die unzähligen Missbrauchsskandale, verlauten. Das Zölibat sei nicht ursächlich für den Missbrauch verantwortlich, sondern sei lediglich ein Risikofaktor.

        Im Sinne gelebter Meinungsvielfalt muss man den Standpunkt der kath. Kirche zähneknirrschend akzeptieren. Mehr aber auch nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Wenn Sie sich doch über die andere Seite auch so pointiert äussern würden. Die, welche eine Abtreibung mit einer Beseitigung eines Zellhaufens vergleicht.

      • Sportpapi sagt:

        @RoXY: Nachtrag zur Abstimmungsdebatte. Mittlerweile ist ja jede moralische Diskussion darüber verpönt. Man fragt nicht mal mehr nach Notsituation und Grund, man nimmt einfach an, dass es schon eine individuell bedeutenden Grund gibt. Doch plötzlich wurde festgestellt, dass Abtreibung auch zur Geschlechterselektion dienen könnte. Und das geht dann doch zu weit…

      • Reincarnation of XY sagt:

        ein Beweis hat, dass die Worte des Papstes tatsächlich realen Einfluss auf seine Schäfchen haben…
        Und wenn das sogar bei gebildeten Menschen des Mittelstandes in der Schweiz so ist… wieviel mehr dort, wo die Kirche tatsächlich stark ist: in all den armen Regionen der Welt, wo die Not der Frauen gross ist, wie z.B. bei uns in den 20er Jahren als allein in Deutschland 40’000 Frauen pro Jahr an Pfuscher-Abtreibungen starben.

        Aber egal, wen interessiert schon das Leid jener, die auf der Schattenseite leben. Da nimmt man bildet man sich lieber seine Meinung anhand ausgesuchter Beispiele von einigen Wohlstandsverwahrlosten.

      • Reincarnation of XY sagt:

        @Zuffy – wohl wahr, so ist das mit der Meinungsfreiheit.
        Es ging mir ja auch nur darum einen Realitätscheck zu machen und die Verhältnismässigkeit aufzuzeigen.
        Wenn wir bei Turnschuhfarben zu Höchstformen auflaufen und das Thema zig mal als total relevant darstellen und dann zu solchen Dingen schweigen, welche das Leben von zig Millionen Menschen massiv beeinflussen; wo es nicht um, – evt. je nach Interpretation – subtile, sondern um tatsächlich massiv gelehrte und gelebte Frauendiskriminierung geht, welche jährlich 1000de von Frauenleben kostet, dann sollte man sich wirklich mal ernsthaft hinterfragen.

      • Hans Minder sagt:

        @XY. In einem Punkt brauch ich Nachhilfeunterricht aus Sicht einer Frau: Ich gehe mit Ihnen einig, dass Frauen im Falle von ungewollten Schwangerschaften jegliche vorhandene Hilfe (psychisch, physisch) erhalten müssen. Andererseits kann ich nicht nachvollziehen, dass z.B einem heranwachsendem Mädchen im Bauch jegliche Hilfe entzogen wird bis es stirbt. Gebühren dem Kind im Bauch nicht dieselben Rechte, wie der Frau, welche schwanger ist?

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Solange die eigenen Mütter ihre Söhne den Töchtern vorziehen, wird sich nichts ändern. Es sind die Frauen, welche diese Geschlechterdiskrimimierung stützen.

  • asouka sagt:

    @N. Pickert. Zementiert man nicht eigentlich die Stereotype, wenn man Geschlechterpräferenzen bei den Kindern hat? Und Eigenschaften als männlich und als weiblich bezeichnet? Ziel wäre doch ein entspannter Umgang mit dem Thema. Dann müsste es schlicht egal sein, ob das Kind Mädchen oder Junge wird und das Kind darf sein, wie es ist. Wenn möglich wohl selbstbewusst und empatisch in beiden Fällen (Junge, Mädchen). Ein paar gesellschaftliche Konventionen kann man schon zum Wohle des Kindes einhalten, damit man es nicht in eine Sonderrolle treibt, aber das heisst nicht, dass das Mädchen nur in rosa und der Junge nur grölend rumgehen soll.

    • 13 sagt:

      „Zementiert man nicht eigentlich die Stereotype, wenn man Geschlechterpräferenzen bei den Kindern hat?“
      Nicht, wenn man zwar selber keine Stereotypen fördert, eher im Gegenteil, aber sich bewusst ist, dass die Behandlung des Kindes in der Gesellschaft anders sein wird, je nach Geschlecht. Hier mögen die meisten dieser Unterschiede eher subtiler sein, und wir sind uns diese einfach eher gewöhnt. Aber schauen Sie als Vergleich: In wievielen Gegenden dieser Welt würden Sie kein Mädchen aufziehen wollen? Und zwar nicht etwa, weil Sie denken, ein Mädchen sei weniger wert.

      • asouka sagt:

        @13. Aber wir leben ja hier. Und deshalb gehe ich davon aus. Kürzlich wollte meine Tochter nicht die pinken, sondern die gelben Sportschuhe. Die Verkäuferin fand es total toll, dass mal ein Mädchen nicht pink nimmt. Dadurch, dass meine Tochter dieses „Lob“ bekommt, werden die Stereotype total befeuert! Ich finde, so etwas sollte man gar nicht kommentieren! Abgesehen davon, dass ich denke, sie ist wohl nicht die einzige, die gelb wählt. Wenn solche Dinge nicht mehr kommentiert werden und uns im besten Fall gar nicht mehr auffallen, sind wir meiner Meinung nach angekommen als Gesellschaft.

      • 13 sagt:

        @ asouka
        Ich halte das für die Verwechslung von Symptomen mit der Krankheit an sich. Wenn Mädchen und Jungs gleich behandelt werden würden, würden niemanden gelbe Sportschuhe auffallen. Auch wenn ich keine wirklich Präferenz hatte, so habe ich mir schon die Gedanken gemacht, was es heisst, in unserer Zeit ein Mädchen zu bekommen und aufzuziehen. Und 3 Jahre später einen Jungen. Auch wenn ich die beiden nicht aufgrund ihres Geschlechts verschieden behandle, so fallen mir Unterschiede auf. Nicht aufgrund ihres Wesens, sondern gesellschaftlicher Natur. Toben sie zusammen herum, sagt die Nachbarin zu meiner Tochter, sie solle nicht so wild sein. Nur zu ihr. Spielen sie zusammen ruhig, höre ich, das sei ja aussergewöhnlich für einen Jungen. Schwierig, den der Ursprung ist tiefer.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Einmal mehr wundere ich mich, was du alles erlebst. Andererseits ist „aussergewöhnlich für einen Jungen“ nun einmal mehr nichts anderes als eine Tatsache. Und dich ärgert, dass man diese wieder mal erwähnt.
        Gibt es Jungs in gelben Turnschuhen?
        Persönlich finde ich es übrigens immer wieder erstaunlich, wie viel Zeit Frauen auf Mode und Aussehen verwenden, wie unpraktisch sie sich kleiden, wie sie teilweise nie mehr ungeschminkt aus dem Haus gehen, usw.
        Wenn also der Abbau von Stereotypen hier ansetzen würde, fände ich das nicht falsch. Aber so ist es ja nicht.

      • 13 sagt:

        Richtig, SP. Frauen sind ja bekanntlich unpraktisch veranlagt und halten sich nur mit Belanglosigkeiten auf, egal ob Schminke, Kleidung oder Feminismus, und dann sagen sie auch noch etwas dazu. Wirklich nervig. V.a. wenn sie der Gesellschaft dann vorwerfen nur diese „Wahrheit“ auszusprechen, dabei wird man das ja noch sagen dürfen…
        PS: Persönlich bin ich ausschliesslich mit Frauen befreundet, die max. 5 Min. zum schminken brauchen, falls sie das überhaupt tun. Aber das sollte ich wohl nicht sagen, denn wenn es nicht in dein Weltbild passt, existiert es ja nicht, gell?

      • Sportpapi sagt:

        @13: Feminismus ist eine andere Schiene. Aber ja, auch hier ist es interessant, wie viele Journalistinnen beispielsweise Mode, Lifestyle und Feminismus kombinieren.
        Was du und deine Freundinnen machen interessiert mich sehr. Nur repräsentativ ist es nicht unbedingt. Wir wir schon mehrfalls festgestellt haben. Oder glaubst du schon?

      • 13 sagt:

        @ SP
        „Was du und deine Freundinnen machen interessiert mich sehr. Nur repräsentativ ist es nicht unbedingt. Wir wir schon mehrfalls festgestellt haben. Oder glaubst du schon?“

        Jein.
        Repräsentativ für die ganze Frauenwelt? Bestimmt nicht. Aber es gibt sie und es sich nicht nur irgendwelche Einzelfälle unter 1%, sondern ebenfalls existierende Frauen aus Fleisch und Blut. Und aus diesem Grund bezweifle ich genauso andererseits, dass diejenigen Frauen, die nie ohne Schminke aus dem Haus gehen und sehr viel Zeit auf Mode und Aussehen verschwenden, irgendwie repräsentativ für die Frauen dieser Welt wären. Mich repräsentieren sie nicht und eben ganz viele andere auch nicht. Das ist das Kernproblem mit Stereotypen.

      • 13 sagt:

        Wenn Du aber wissen willst, was wir machen…
        Wir sind die, angezogen und bereit mit allen Kindern und gepackter Tasche im Auto sitzen und auf die Herren der Schöpfung warten. In der Zeit, in der mein Mann morgens duscht (ca. 20 Min), bin ich geduscht, angezogen, geschminkt und habe den Kindern Frühstück gemacht. Und er fährt ganz sicher nicht die metrosexuelle Schiene, dass er so lange braucht, sondern eher die Balu-Schiene („Nimm’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit….“). Auch das ist „typisch“ oder ein Stereotyp, nur ob er wirklich auf die meisten Menschen zutrifft? Kaum.

      • asouka sagt:

        @13. Ich denke eigentlich, wir sind gleicher Meinung. Mich stört einfach, wenn jemand behauptet, die Stereotype überwunden zu haben und dann so darauf herumreitet (wünscht sich ein Mädchen – das ist wohl in etwas der Gegenpart zum Patriarchen, der sich einen Stammhalter wünscht, also mache ich es als moderner Mann genau umgekehrt und wünsche mir ein Mädchen? Ist meiner Meinung genau so in Stereotypen verhaftet. Wie bei den Schuhen: egal sollte es sein! Dann haben wir diese Rollendenkweise überwunden.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Das Kernproblem mit Stereotypen ist also, dass sie für einige über 1 Prozent nicht stimmen (aber vermutlich doch für die grosse Mehrheit)?
        Was eigentlich vor allem heisst, dass diese Stereotypen mehr beschreibend/orientierend sind, als wirklich Rollen vorgeben…

      • 13 sagt:

        @ SP
        Ab wieviel Prozent gilt für Dich eine grosse Mehrheit? Und welche Gruppe wird da überhaupt reingenommen? Global? In der Schweiz? Die eigene Umgebung? Alle Altersgruppen oder nur zwischen 20 und 65? Das Problem an Stereotypen ist, dass sie meistens für einen ganz grossen Teil nicht stimmen, egal ob nun 49 oder 51 %…
        „Was eigentlich vor allem heisst, dass diese Stereotypen mehr beschreibend/orientierend sind, als wirklich Rollen vorgeben…“
        Ich glaube an die Wechselwirkung dieser beiden Dinge. Es gibt tatsächlich kein Gesetz, der Mädchen gelbe und Jungs pinke Schuhe verbietet. Wir Menschen sind aber eigentlich so gepolt, dass wir Erwartungen erfüllen und wenn uns das widerspricht, uns schnell fragen, was an uns falsch ist…

      • Sportpapi sagt:

        @13: Wenn es Faktoren gibt, in denen Frauen und Männer sich offensichtlich, in der Regel, unterscheiden, auch wenn es sich nicht um biologisch offensichtliche körperliche Unterschiede handelt. Man kann das theoretisch auch statistisch definieren, aber natürlich ist wichtig, ob der Unterschied dann auch relevant ist.
        Im Sport beispielsweise weiss man, dass das Training mit Frauen anders läuft als das mit Frauen. Nicht nur ,weil sie körperlich anders reagieren. Es gibt deshalb schon längst die Forderung (von Frauen), hier genauer hinzusehen und das Training möglichst ideal anzubieten. Das gilt eigentlich als Fortschritt…

  • Michael sagt:

    Also ich habe mir aus vollkommen egoistischen Gründen immer Mädchen als Nachwuchs gewünscht – und bekommen. Freunde von mir waren fleissiger gewesen, und da musste der Papa bei Wind und Wetter raus um mit seinen wilden Buben Fussball oder ähnliches zu spielen. Und die Genderfanatiker mögen mich nun steinigen – Mädchen sind da anders. Beneidet habe ich meine Freunde aber dann etwas später, als man mit den Jungs so von Mann zu Mann einige Dinge in’s klare Licht rücken konnte. Zickigen weiblichen Teenies dagegen ist mit männlicher Argumentation nur sehr schwer beizukommen.
    Unter dem Strich – es ist vollkommen egal, welchen Geschlechts der Nachwuchs ist. Hauptsache es ist alles drann und funktioniert so wie es sein soll – mal rein technisch betrachtet.

    • Tamar von Siebenthal sagt:

      Ich weiss nicht, ob meine emaligen Nachbarn sich Mädchen gewünscht haben, aber auf jeden Fall sind/waren sie mit diesen bestens bedient: in jede Schlägerei und Mobbinggeschichte verwickelt und mit absoluter Lernverweigerung durften die Eltern fast jede Woche in der Schule antanzen 😉

      Da sind mir meine sanften, verträglichen und wissbegierigen Söhne denn doch lieber,,obwohl ich mir bis zur Geburt meines Grossen nur vorstellen konnte, Mädchen zu haben.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    „gender“ schafft sich im sinne des artikels gleich selber ab. und das zumindest konsequent.
    ich finde es immer wieder erstaunlich, wie die sog. „moderne, aufgeklärte und gebildete“ generation „xy“ versucht die gesamte evolution einem paradigmen-wechsel unterziehen zu wollen.
    irgendwie „hilflos-amüsant-bemühend.“

  • Anh Toàn sagt:

    „….dass es ihm schwer bis unmöglich gemacht wird, Männlichkeitskonzepte zu leben, die keinen Stereotypen entsprechen.“

    Ja, das ist schwer, unmöglich, paradox, ein Konzept das keinen Stereotypen entspricht.

    Ich will dass mein Junge wird wie ein Mann, ohne zu sagen wie ein Mann denn so ist.

    • Blaukäppchen sagt:

      Müssen Sie auch nicht. Die Gesellschaft wird es ihm zu genüge zeigen, was ein Mann denn so ist.

      • Anh Toàn sagt:

        Es geht mir darum, dass ich keinen Unterscheid erkennen kann zwischen einem Männlichkeitskonzept und einem Männlichkeitsstereotyp.

      • 13 sagt:

        @ Anh
        Ein Stereotyp ist EIN Stereotyp. So hat ein Mann zu sein, das macht einen Mann aus. Fertig. Männlichkeitskonzepte gibt es hingegen mehrere. Ein Mann kann X sein oder auch Y und ist deshalb nicht weniger oder mehr ein Mann. Dann Mannsein, gleich wie das Frausein ist etwas abstraktes und hat nichts mit Benehmen, Taten, Vorlieben oder Charaktereigenschaften, manchmal nicht einmal mit sichtbaren Geschlechtsmerkmalen, zu tun.

      • Muttis Liebling sagt:

        Ohne Stereotypen gäbe es keine Formen kohärenten Handelns, wie man die beim Schwimmen oder Velofahren beobachtet. Automatisierung von Handlungen setzt Stereotypien voraus. Da ist nichts negativ zu bewertendes erkennbar.

        Wenn ich mich in der kürzest möglichen Form beschreiben sollte, kämen das das Wort ‚Mann‘, mein Alter und meine gleichzeitig hegelianisch und katholisch geprägte Weltanschauung in einem Satz zum Ausdruck. Damit bin ich zu 90% beschrieben, ohne das Wort ‚Mann‘ wären es nur < 50%.

      • Anh Toàn sagt:

        Gäbe es nur einen Stereotyp, gäbe es das Wort nicht im Plural, wie hier verwendet und von mir zitiert.

        Im Ernst:

        Wenn ein Mann alles sein kann, und eine Frau auch, wie weiss man dann, wie ein Mann ist und wie eine Frau?

      • Anh Toàn sagt:

        Ich versuch’s noch mal anders:

        Gibts es „Männlichkeitskonzepte“ , muss es doch unterscheidbare Weiblichkeitskonzepte geben, und dann wäre man wieder bei Stereo, im Sinne von ein paar Möglichkeiten für den Mann und ein paar andere für die Frau.

        Sonst gäbe es einfach Menschkonzepte oder Erwachsenenkonzepte.

        Wann ist ein Mann ein Mann? Wann ist eine Frau eine Frau? Oder wann ist ein Mensch ein Mensch, wann ist ein Mensch erwachsen?

      • Muttis Liebling sagt:

        @Anh Toàn

        Die Idee der Geschlechterrollen ist nicht in Gänze unredlich, aber überwiegend. Nur können Sie Ideologien nicht mit Logik kommen. Der eigentliche und auch einzige Vorteil des biologischen Geschlechterkonzeptes ist es, die Variationsbreite der Art zu maximieren. Das ist notwendig und förderlich. Gleiche Menschen sind immer nur einer zu viel. Gleichheit ist kein biologisch tragfähiges Konzept.

        Es geht explizit um das biologische Erschaffen von Unterschiedlichkeit. Jeder Versuch, Unterscheide zu negieren, biologisches sozial einzuebnen, ist gegen jede Vorstellung von Evolution. Wir müssen eine Kultur wollen, die die Unterschiede der Geschlechter fördert und betont.

        Deshalb braucht es Stereotypien in allen Merkmalsbereichen, auch bezüglich der biologischen Geschlechter.

      • 13 sagt:

        @ Anh
        Natürlich gibt es Stereotypen. Der Stereotyp Mann und der Stereotyp Frau unterscheiden sich. Ob es verschiedene Stereotypen von Männern gibt, bin ich hingegen nicht so sicher.

        „Wenn ein Mann alles sein kann, und eine Frau auch, wie weiss man dann, wie ein Mann ist und wie eine Frau?“ Darum sage ich, es ist abstrakt. Es ist die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht (resp. zur Gruppe der Menschen, die das Geschlecht teilen), es ist das Gefühl, dass man das ist, was man ist. Es gibt da verschiedene Herangehensweisen, wie es definiert werden kann, ohne Stereotypen zu verfallen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Es gibt da verschiedene Herangehensweisen, wie es definiert werden kann, ohne Stereotypen zu verfallen.“
        Da wäre ich jetzt aber sehr gespannt.
        Wenn die Beschreibung eines Mannes die gleiche ist wie die einer Frau, dann beschreibe ich letztlich einfach einen Menschen. Kann man machen, ist aber letztlich ein Verlust.
        Was mich hingegen immer wieder irritiert, ist, welche Ausschliesslichkeit du diesen Stereotypen beimisst. Als ob es wahnsinnig schwer wäre, mal etwas anders zu handeln, als es vielleicht erwartet wird. Und wenn es so wäre, dann wäre die Frage doch: Warum fehlt so vielen Menschen das Selbstvertrauen, ihren eigenen Weg zu gehen? Wenn sie unbedingt möchten.

  • Roxy sagt:

    Mir ist die Gesellschaft eigentlich egal. Ich hab mir nie Gedanken gemacht, was die nun wohl von meinen Jungs erwartet. (Die meisten haben sie einfach geliebt.)
    Ich mache mir keine Geschlechterspezifische Gedanken über sie. Sie sind einfach so wie sie sind.
    Irgendwelche Leute im Netz behaupten ständig, dass es Jungen heute schwer hätten, dass sie benachteiligt würden… ich habe davon nichts bemerkt. Die Gesellschaft besteht offenbar aus ganz verschiedenen Leuten, die jeweils ihre spezifischen Sichtweisen und Vorurteile haben. Ich glaube nicht dass die ganze Gesellschaft homogen schief schaut oder klatscht. Wahrscheinlicher ist, dass Ihnen das eine oder andere spezifisch auffällt. (Und so ihre vorgefertigte Weltsicht bestätigt)

  • Homer Simpson sagt:

    Zuerst dieser Unsinn…
    „Meine älteste Tochter kassiert von der Gesellschaft für ihr blosses Vorhandensein ein missbilligendes Kopfschütteln nach dem anderen, während ihr jüngerer Bruder für seine gelegentliche Grossmäuligkeit sogar gefeiert wird.“
    … und dann das:
    „Die eigenen (Vor)urteile bestätigen, indem anderen untergejubelt wird, was man zuvor schon vermutet hat.“
    Es ist ein untrügliches Zeichen ideologischer Verbohrtheit, wenn ein Au.tor solch offen zutage tretende unfreiwillige Ironie selbst nicht erkennt.

  • Zufferey Marcel sagt:

    Wie kommt der Autor darauf, Feministinnen seien männerfeindlich? Das stimmt doch gar nicht:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sozialer-konstruktivismus-forschungsstreich-in-den-usa-a-1231820.html

    Ein bemerkenswerter Skandal! Noch bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es den drei Sozialwissenschaftlern gelungen ist, Passagen aus „Mein Kampf“ umzuschreiben und in einer wissenschaftlichen Arbeit unterzubringen, die dann in einer feministischen Fachzeitschrift publiziert worden ist. Ähnliches wurde schon letztes Jahr probiert: „Der konzeptuelle Penis verursacht den Klimawandel“

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/satirischer-fachartikel-schafft-es-in-fachzeitschrift-15034229.html

    • Martin Frey sagt:

      Haha, ich wusste das Sie den bei nächster Gelegenheit bringen würden Herr Zufferey. Und ehrlich gestanden, es hat mir auch den Tag erheitert. ;-D
      Womit zu dieser sogenannten Wissenschaft eigentlich schon fast alles gesagt wäre. Und ein Vorurteil wieder mal zum Urteil wird.

    • Muttis Liebling sagt:

      Man sollte über einen (Nobel-) Preis für Wissenschaftsimitation nachdenken. Das Paradoxe an der Genderforschung und allem, was man unter Feminismus subsummieren kann, ist die Existenz eines rationalen Kernes. Nur wird der unter lauter Imitation von Wissenschaft derart verschüttet, dass es mühsam wird, den noch zu finden.

      Man kann schon mal einen Tag darauf verbringen, über das Verhältnis von Geschlechtern und Geschlechterrollen oder den Anteil des Feminismus an der Gerechtigkeitsdiskussion nachzudenken. Dann kommt man schnell zu dem Resultat, dass beides, Feminismus und Geschlechterrollen, keine Oberbegriffe sind, die man separat betrachten kann. Die haben nur kontextuelle Bedeutung und dann ist auch schon genug darüber nachgedacht. Es gibt Wichtigeres.

    • Marcel Zufferey sagt:

      @M. Frey: Bin ich denn schon so berechenbar geworden 😉 Ich denke, all die Diskussionen für oder wider die Genderstudies sind bald überflüssig, weil sie sich eh‘ selber abschaffen werden. Zudem fehlt ihnen zunehmend der gesellschaftliche Rückhalt.

      @ML: Ich würde es direkter ausdrücken: Grosse Teile der Genderstudies und des Netzfeminismus sind mehr recht als schlecht getarnter Hass mit (para)wissenschaftlichem Anstrich. Aber Sie haben Recht: Sich damit zu beschäftigen, sollte nicht allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Es gibt tatsächlich Wichtigeres zu tun 😉

      • Martin Frey sagt:

        „Ich denke, all die Diskussionen für oder wider die Genderstudies sind bald überflüssig, weil sie sich eh‘ selber abschaffen werden.„
        Das glaube ich wiederum weniger. Mich würde sogar erstaunen wenn diese hochnotpeinlichen Ereignisse irgendeinen Einfluss auf die Mechanismen und Denkweisen innerhalb der sog. Gender Studies hätten. Gerade weil sie ideologisiert sind. Ein Vorgeschmack ist herauszulesen aus dem FAZ Interview: der Überbringer der schlechten Nachrichten ist wie immer der Schuldige. 🙂

      • Sportpapi sagt:

        Hm. Wieder mal typisch, dass Männer bestimmen wollen, was richtige Wissenschaft ist, und nach welchen Kritierien sie bewertet wird…

    • Sportpapi sagt:

      Ja, wer natürlich „toxische Männlichkeit“ anführt, hat schon fast gewonnen.

  • Emanuel sagt:

    Irgendwie verstehe ich sie nicht wirklich Herr Pickert. Zu Beginn schreiben sie „Als ich vor ziemlich genau vierzehn […], dass mein erstes Kind ein Mädchen wird,[…]. Ich hatte mir ein Mädchen gewünscht.“ Und am Ende „Es geht um die Erkenntnis, dass mein Tanz in den Strassen Berlins nicht wirklich dem Geschlecht meines Kindes galt, sondern meinem Kind.“ Ja was nun? Wollten sie ein Mädchen und freuten sich darüber das es eins wird oder war es ihnen wirklich egal. Ich fand den ersten Satz völlig verstörend! Mir war es sowas von schnurzegal ob es ein Mädchen oder ein Junge wird Hauptsache gesund. Und was das Geschlecht betrifft, zum Glück gibt es ja Eltern wie sie und mich, und wir können als Väter und Mütter die Rolle der Geschlechter in der Gesellschaft mitprägen.

  • Coco sagt:

    Danke für den heutigen Text! Kindern beiderlei Geschlechts kann nichts besseres passieren, als mit Eltern aufzuwachsen, welche ihr Verhalten und ihre Eigenschaften ohne Genderbias wahrnehmen, so dass ein Mädchen sich durchsetzen darf, ohne „unweiblich“ zu sein, expressiv sein kann, ohne als „hysterisch“ abqualifiziert zu werden, so dass ein Junge empathisch sein kann, ohne als „Memme“ abgestraft zu werden. Ich habe Respekt für Eltern, die sich der Reflexion gesellschaftlicher Missverhältnisse stellen und daraus Konsequenzen für die Erziehung ihrer Kinder ziehen – das braucht Durchhaltevermögen.

  • Martin Frey sagt:

    Eine mittlerweile routiniert-repetitive Abhandlung zum offensichtlichen Lieblingsthema, mit zig diffusen Anspielung und teils generalisierten Unterstellungen, mit welchem zumindest ich wenig anfangen kann.
    „Geschlecht spielt also genau die Rolle, die ich mir gedacht hatte, und zugleich eine ganz andere.“
    Verklausulierter und geheimnisumwitterter geht es wohl kaum. Wenn NP wenigstens einmal konkret werden würde… so aber sagt der Artikel mehr über den Autoren und dessen Vorstellungen aus, als über dessen Kinder, deren Erfahrungen, oder gar die reale Welt an sich. Die er so gut zu kennen glaubt.

  • markus kohler sagt:

    Er erfährt, dass er Vater einer Tochter wird und tanzt dann in den Strassen Berlins rum? Hoffentlich bringt wenigstens die Mutter der Kinder etwas männliche Eigenschaften in die Beziehung, ansonsten werden die Jungs nie Männer sein dürfen. Die Ablehnung von Männern mag ja zwar viel Applaus bei den Feministinnen eintragen, aber die eigenen „Girlie-Ticks“ auf seine Jungs zu projizieren halte ich für nicht legitim. Zum Glück gibt es aber in Berlin eine Unmenge an Therapeuten_innenn **, die sich dann um allfällige Identitätsprobleme kümmern können.

  • Gina Roschi sagt:

    Zuviel deutsche Mentalität steckt hier d’rin. Was soll dieser Artikel? Wir sind hier in der Schweiz, nota bene! Gibt es keine hiesigen Autoren? Die deutsche Mentalität, das deutsche Gehabe kann nicht einfach über uns Schweizer 1 zu 1 gestülpt werden. Das weiss der Autor vermutlich nicht. Sollte er aber. Und vor allem die Zeitung sollte in solch gesellschaftlichen Dingen etwas differenzierter sein.

    • Christina sagt:

      Dann kann ich Ihnen die Blogs von Markus Tschannen empfehlen. Der ist Schweizer und hat daher eine äusserst differenzierte Sicht zum Thema Geschlechterstereotypen.

    • Alina sagt:

      Könnten Sie das etwas ausführen? Ich verstehe nicht, was an diesem Artikel besonders Deutsch sein soll.

    • Lala sagt:

      Oh nein, da steht „Berlin“ im Text… Jetzt aber schnell, die Schweiz muss verteidigt werden!

    • nadja sagt:

      wo genau? ich finde hier die gesellschaftlichen unterschiede nicht.

    • Anh Toàn sagt:

      Es geht hier um Geschlechterstereotypen, Sie Gina Roschi schreiben über Nationenstereotypen:

      Wie ist denn der/die Deutsche an sich so?
      Wie ist denn der/die SchweizerIn an sich so?

      Und ist der Basler an sich wie der Urner an sich, oder sind zumindest die Mentalitätunterschiede zwischen einem Basler und einem Freiburger (i.B.) grösser oder kleiner als zu einem aus Erlenbach (i.S.)?

  • Sportpapi sagt:

    Wenn man überall nur Vorurteile sieht, weil man selber Vorurteile hat, wird man seine Vorurteile auch immer schön bestätigen können.
    „Und es geht um die Sorge, dass die Gesellschaft das eine oder andere Geschlecht leichter dazu anhalten kann, sich schwach zu geben, ständig auftrumpfen zu müssen, ein Duckmäuser oder ein Arschloch zu sein.“ Das ist dicke Post. Man könnte das auch positiv formulieren… Wenn schon.

    • Marcel sagt:

      Wissen Sie, bei dem Beitrag geht es nicht um die Polarisierung, es ist nicht gewollt eine positive Formulierung zu finden. Aber wenn man es doch genau nimmt, dann hat es heute viele Erwachsene, die heute noch A….löcher oder Duckmäuse sind, und das genauso an ihre Kinder weitergeben. Die Länder sind somit voll von A….löchern und Duckmäusen, wenn man es so sieht, hat der Autor eigentlich gar nichts neues erkannt, ausser dass er sich im Spiegel sieht, auf einer von den beiden Seiten.

    • Muttis Liebling sagt:

      Sagen wir mal, es gibt Probleme der ersten und der zweiten Art. Die der zweiten Art, z.B. Geschlechterrollen oder Arbeitspensen, bespricht man ein- oder zweimal im Leben und dann ist gut. Mehr Substanz geben diese Randthemen nicht her. Dann hat man auch genug Zeit, um sich den grossen Fragen der ersten Art zu widmen.

      Umgekehrt ist es aber auch eine Aussage weltanschaulicher Dimension, sich im trotzigen Beharren in Problemen der zweiten Art verstehen zu wollen. Hey Welt, sagt man, wie kompliziert Du auch bist, ich kratze immer nur an der oberflächlichsten Oberfläche, immer nur am Rand, und das mit Stolz und so in aller Zukunft.

    • 13 sagt:

      Karin Keller-Sutter hat gestern ihre Kandidatur bestätigt, nach einem Zieren, wie es sich für Damen gehört und welches darum so gewollt war. Im ersten Absatz des ersten Artikel, den ich heute über sie angeklickt habe, habe ich erfahren, dass sie seit 30 Jahren verheiratet sei und zwei Fehlgeburten hatte. Danach ging es erst um ihre Politik. Es fühlt sich etwas wie ein déjà-vue der letzten BR-Wahl an, als I. Moret nur als Mutter dargestellt wurde. Doch K.K.-S. wird so eher Chancen haben als toughe Frau bei der letzten Kandidatur, vorausgesetzt sie wird nicht zum dritten Mal von der eigenen Partei zugunsten eines Mannes hintergangen. Muss man die Vorurteile wirklich suchen oder reicht es aufmerksam zu lesen, um zu merken, wie unterschiedlich Frauen und Männer behandelt werden?

      • Homer Simpson sagt:

        @13: Komisch… ich habe gelesen, dass sie einen souveränen Auftritt vor den Medien hingelegt habe und dass sie – wegen unbestrittener Kompetenz – die logische und aussichtsreichste Kandidatin sei. Vielleicht lesen Sie die falschen Zeitungen? Oder vielleicht filtern Sie auch gerne das heraus, was Ihren Vorurteilen entspricht?

      • Muttis Liebling sagt:

        Die Chancen der Frau Keller- Suter liegen in ihrer neoliberalen, also sozial verachtenden politischen Grundhaltung und nicht in ihrer Fraulichkeit. Sie wird gewählt, weil sie der Joker der Wirtschaft und nicht der des Volke ist.

      • Martin Frey sagt:

        @13
        BR Wahlen sind ein bisschen wie Miss Wahlen. Wer ehrgeizig vorprescht hat schon verloren. Am besten ist, „gehandelt zu werden“ oder noch besser „überzeugt zu werden“. Bei den Missen heisst es dann „…wurde von xy angemeldet und wollte das alles gar nicht“. Dann hat man/frau die besten Chancen.
        Wobei 13 das nicht nur ein Genderding ist. Den Schweizern ist zuviel zur Schau getragener Ehrgeiz und Selbstbewusstsein grundsätzlich suspekt. Zu KKS noch kurz: es war vor 8 Jahren die Linke die zwar immer von Frauenförderung schwadroniert, aber damals unisono dem schwächeren Kandidaten und jetzigen BR die Stimme gaben, um KKS zu verhindern. Mit Teilen der Bürgerlichen ist ihnen das gelungen.
        So wie Frauensolidarität auch heute sp-parteiintern dort endet wo es um Alphatierchen geht.

      • 13 sagt:

        @ Homer
        Nun, eigentlich ist der Bund keine Boulevard-Zeitung. Es mag sein, dass es Zufall war, richtig glauben tue ich das nicht.

        @ ML
        Man muss nicht auf ihrer Linie sein, um gewisse Dinge festzustellen. Ich bin alles andere als mit ihrer Politik einverstanden, jedoch auch mit sonst kaum einem in der Partei, also spielt es nicht wirklich eine Rolle. Ihr Frausein ist aber nicht ganz unwichtig, im Gegenteil. Auch dann, wenn sie alles andere als feministisch ist, was ganz klar der Fall ist.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Das sich Zieren gehört sich nicht, ist aber leider typisch Frau (fast alle anderen haben ja auch abgesagt). Über ihre Politik haben wir in den letzten Wochen ganz viel gelesen. Dass sie verheiratet ist, habe ich hingegen nur ihrem Doppelnamen entnommen. Auf der anderen Seite: Wenn jemand vor allem wegen dem Geschlecht gewählt werden soll, dann ist nun mal anderes wichtiger als der politische Ausweis. Und es sind vielfach die Frauen selber, die sich mit anderen Aspekten beschreiben als Männer.
        Vermutlich wird sie jetzt ja auch gewählt. Dass die SP aber keine Lust hatte, eine rechtsbürgerliche zu wählen, obwohl sie eine Frau ist, ist nun mal verständlich. Sie hat entsprechend sich ja auch anders positioniert. Aber es wäre ja auch ohne die linken gegangen…

      • Sportpapi sagt:

        @13: Mittlerweile habe ich den angesprochenen Artikel wohl auch gefunden. Der erste Absatz ist in indirekter Rede geschrieben und berichtet darüber, was KK-S an ihrer Medienkonferenz und in einem anschliessendem Interview gesagt hat. Sie selbst hat also angeführt, was du kritisierst. Der Artikel geht im Wesentlichen aber um die Imagekorrektur, die sie vorgenommen hat.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Steht da, dass sie es selbst im ersten Satz erwähnt hat? Politik ist eben Politik und nicht „das hast Du selber gesagt“. Was gesagt wird, hat einen Grund, kurz vor den Wahlen einen, der einem marketingtechnisch nutzt. Da sind x PR-Leute hinter den Aussagen und Berichten, die entstehen nicht einfach so zufällig. Ohne die Linken würde es nicht gehen, denn die eigene Partei fördert sie ja nur, wenn gerade niemand sonst da ist, sei es Schneider-Ammann, sei es Cassis. Und mit ihrer Politik kann sie die Linken nicht gewinnen, also setzt sie auf das, was zieht. Das Geschlecht, denn so kommen diese unter Druck. Das auszuspielen, heisst weicher werden, fraulicher, sagen die Berater, also machen wir das mal. Warum das so zieht, ist aber eine gesellschaftliche Frage der Stereotypen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Natürlich hat sie auf Berater gehört. Oder ist einfach selber klug genug. So oder so kann man dem Journalisten nicht den Vorwurf machen, wenn sie dieses Spiel spielt.
        Und klar, wer auf die Karte Frau setzt, muss sich als Frau präsentieren. Schlimm genug, dass das Geschlecht offenbar eine solche Rolle spielt.
        Und doch, wir haben überall rechte Mehrheiten in den Parlamenten. Da braucht es den linken Support nicht. Zumal, wenn es zu einem 1-er Ticket kommt, was dieses Mal die einzige faire Art wäre.

      • 13 sagt:

        Der Vorwurf ging nicht an den Journalisten, sondern an die gesellschaftlichen Strukturen, die dazu führen, dass die Menschen das hören/lesen wollen.
        Die rechte Mehrheit wird sie aber nur unterstützen, wenn kein anderer (wenn möglich männlicher) Kandidat kommt, das hat man in der Vergangenheit gesehen. Ob ein 1er-Ticket vorliegen wird, weiss man noch nicht, da kann man ihr kaum vorwerfen, sich abzusichern.
        Aber das Geschlecht spielt durchaus eine Rolle, genau gleich wie Sprachregionen, Kantone und letztlich Parteien. Unser ganzes föderalistisches System baut auf die gleichmässige Repräsentierung der Bevölkerung, nicht aber beim Geschlecht. Warum?

      • Sportpapi sagt:

        @13: Sie wurde jedenfalls zuletzt aus guten Gründen nicht gewählt, nicht wegen ihrem Geschlecht. Und ich würde sie auch heute noch nicht wählen. Wegen ihrer Politik (früherer Jahre).
        Dass die Sprachregionen und Kantone repräsentiert sein sollen, hält unser Land zusammen und läuft irgendwie unter Minderheitenschutz. Frauen sind aber keine Minderheiten. Und wo hört das auf? Juristen sind übervertreten, Lehrer nicht existent in unseren Parlamenten. Jugendliche kommen nicht vor, usw.

      • 13 sagt:

        @ Sp
        Ich würde sie auch nicht unbedingt wählen, da ich nicht auf ihrer Linie bin. Allerdings trifft das auch auf 99% aller sonstigen FDPler zu. Das Hauptargument gegen die Geschlechterquote ist doch jeweils, es soll der oder die Beste gewählt werden, unabhängig des Geschlechts. Nun, ich drehe das um und sage, wenn es eh niemanden gibt, der mir entspricht, kann ich auch zumindest etwas für den Frauenanteil tun.
        Minderheitenschutz würde als Argument nur ziehen, wenn sich die Sitze/Quoten nur zugunsten der Minderheiten sprechen würden, nicht aber z. Bsp. für Zürcher/Berner. Nur so ist es ja nicht. Es geht um die Verteilung und ja, auch beim Geschlecht.
        Der Vergleich mit Jugendlichen/Juristen etc. hackt, da ein gewisses Fachwissen benötigt wird.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Wenn es „ein gewisses Fachwissen“ braucht, das nur noch ganz wenige Bevölkerungsgruppen mitbringen, dann können wir uns von einem Milizparlament gleich ganz verabschieden.
        Und wenn ich in der breiten FDP nicht gerade eine Vertreterin des rechten Flügels wählen möchte, dann mache ich das, unabhängig vom Geschlecht. Aber wie vermutet wird ja auch gar kein Gegenkandidat antreten, weil sie nicht als „Ladykiller“ bewertet werden möchten…
        Es wäre aber auch nicht falsch gewesen, den FDP-Anspruch generell in Frage zu stellen.
        Ich mag mich übrigens nicht erinnern, dass mal jemand verlangt hat, Bern oder Zürich müssten wieder vertreten sein. Vielmehr ging es um die Frage, ob es auch zwei dieser Kantone erträgt…

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