Und schon ist das Kleinkind unter Wasser

Mamablog

Selbst ein Planschbecken kann für ein kleines Kind zur Gefahr werden. Foto: iStock

Kürzlich war ich über Mittag mit einer Freundin und deren Sohn in der Badi verabredet. Trotz des schönen Wetters war noch nicht viel los, der grosse Ansturm würde wohl erst in den Nachmittagsstunden folgen. Gemütlich plaudernd sassen wir unter einem Segeldach am Baby-Planschbecken und schauten klein Frederick zu, der neben uns im Wasser kniend mit seiner Spritzkanne spielte und fröhlich vor sich hin babbelte.

Plötzlich schoss meine Freundin hoch, stapfte ans andere Ende des Beckens und fasste nach einem Kleinkind, das wohl aus dem Gleichgewicht geraten und kopfüber ins Wasser gekippt war. Sofort kam jetzt auch die Mutter angerannt, schnappte sich das inzwischen weinende Kind, versuchte sowohl das Mädchen wie auch sich selber zu beruhigen. Mehrmals bedankte sie sich bei meiner Freundin, sie habe ihre Tochter doch bis eben im Auge gehabt. Auch ich war einmal mehr schockiert, wie schnell es gehen kann. Einen Moment zu lange aufs Handy geschaut, sich um ein Geschwisterkind gekümmert oder in der Tasche nach der Sonnencreme gewühlt, eine kurze Ablenkung – und schon ist es passiert.

Wasser zieht Kinder an

Laut einer Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung ertrinken in der Schweiz pro Jahr im Schnitt 6 Kinder unter 15 Jahren und 8 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren. Gerade bei Kleinkindern, deren Kopf und Oberkörper im Verhältnis zum Rest des Körpers schwerer sind, ist die Gefahr besonders gross. Der Körper kippt nach vorne, der Kopf gerät unter Wasser; und innert kürzester Zeit kann die Situation lebensbedrohlich werden. Selbst wenn das Becken nicht tief ist oder das Kind Schwimmhilfen trägt, kann es zu einem Unfall kommen. Und dass diese meistens nicht glimpflich ausgehen, wissen wir alle.

Erst gerade war zu lesen, dass die knapp zwei Jahre alte Tochter von Ex-Skirennfahrer Bode Miller während einer Party in einem Swimmingpool ertrunken sei. Natürlich fragt man sich, wie es dazu kommen konnte – eine Frage, die sich das Elternpaar wahrscheinlich in Endlosschleife immer und immer wieder stellt. Doch Fakt ist, dass niemand zu 100 Prozent vor einem solch tragischen Ereignis gefeit ist, denn unter Umständen passiert es innerhalb von Sekunden, und es muss ja nicht immer der Pool sein. Auch am Bergbach, wo alle damit beschäftigt sind, mit Steinen eine Staumauer zu bauen, kann der Kleinste kurz entwischen, der Teich in Onkels Garten oder der Brunnen in der Gartenbeiz – Wasser übt auf die meisten Kinder eine magische Anziehungskraft aus.

Schwimmen lernen!

Ich erinnere mich an die Zeit, als unsere Söhne schwimmen lernten. Als sie sich schon recht gut über Wasser halten konnten, stand ich einige Meter vom einen Sohn entfernt im Becken und rief ihm zu, er solle Bescheid geben, wenn er müde sei und sich an mir festhalten wolle. Da trat der Bademeister, der mich gehört hatte, an mich heran und sagte diesen einen Satz, den ich seither immer im Hinterkopf habe: «Kinder ertrinken leise.» Lautes um Hilfe rufen oder Winken ist im Falle eines Ertrinkens nicht drin, auch bei Erwachsenen nicht – zu sehr sind die Betroffenen mit Ein- und Ausatmen beschäftigt, als dass sie auf sich aufmerksam machen könnten.

Ich bin überzeugt davon, dass Angriff die beste Verteidigung ist und unsere Kinder so früh wie möglich schwimmen lernen müssen. Jede Zeit und alles Geld, welches wir bisher in Schwimmkurse investiert haben, sind es mir wert: Gut schwimmen lernen ist für Kinder lebenswichtig.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: «Wie sieht Ertrinken aus?», «Welcher Badi-Muttertyp sind Sie?» und «Die Badi als kinderfreie Zone».