Entspanntere Kinder dank Yoga


Autor Thomas Bannenberg erklärt, wie Yoga Kindern Spass macht. Video: Youtube/gubuchvideo

War Stress früher ganz klar in der Erwachsenenwelt angesiedelt, fühlen sich heute immer öfter schon Primarschüler unter Leistungs- und Zeitdruck. Yoga kann in solchen Fällen dazu dienen, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen: Verschiedene Studien belegen, dass Yogaübungen helfen, Ängste abzubauen und das kindliche Selbstvertrauen zu stärken. Yoga fördert aber auch die Konzentration und die motorischen Fähigkeiten.

Ausserdem macht Yoga den meisten Kindern Spass. Meine beiden Kinder wollen immer mitmachen, wenn ich als herabschauender Hund oder anderes Yoga-Getier im Wohnzimmer auf der Matte stehe. Deshalb habe ich letztes Jahr ein Training zur Kinderyoga-Lehrerin absolviert und durfte danach im Kindergarten und in der Primarschule Gastlektionen unterrichten – und ich war begeistert, wie motiviert die Kinder mitgemacht haben, Mädchen wie Jungs.

Kinder können erstaunlich gut entspannen

Was mich aber am meisten überrascht hat, war die Reaktion der Klassen auf die Schlussentspannung: Die Kindergartenschüler haben zwar noch ein bisschen herumgezappelt während der Entspannungssequenz, die Zweitklässler hingegen sind mit geschlossenen Augen und am Boden liegend richtig in die Geschichte abgetaucht, die ich ihnen erzählt habe, und haben jegliche Anspannung fallen lassen. Gleich mehrere Kinder sagten danach sogar, dass ihnen der ruhige Schluss der Stunde am allerbesten gefallen habe.

Seither bin ich überzeugt: Kinder können genauso gut wie Erwachsene Yoga machen. Manchmal sogar noch besser, denn oft sind sie viel beweglicher als wir Grossen. Sie profitieren auch genauso stark davon. Falls Sie es gemeinsam mit Ihren Kindern auch einmal ausprobieren möchten, kann ich Ihnen das Buch «Yoga für Kinder» aus dem GU-Verlag empfehlen. Es bietet eine kurze Einführung ins Yoga und zeigt einfache Übungen Schritt für Schritt in Bild und Text.

Oder Sie machen einfach einmal die folgenden, sehr simplen Übungen. Bequeme Kleidung und ein paar Quadratmeter Platz reichen dafür aus:

Ausschütteln:

Legen Sie Ihre Lieblingsmusik auf und schütteln Sie zum Aufwärmen nacheinander Ihre verschiedenen Körperteile: Füsse, Beine, Arme, Hände, Po. Dabei rüttelt und schüttelt man die ganzen Verkrampfungen und den Stress richtiggehend aus dem Körper. Und es bringt einen zum Lachen, besonders wenn man es zusammen mit den Kindern macht.

Katze:

Gehen Sie auf alle viere und machen sie abwechselnd einen Rund- und einen Hohlrücken. Die Kinder dürfen dabei ruhig  miauen und schnurren, das ist eine gute Atemübung. Bei dieser Übung dehnen Sie den Rücken und die Schulterpartie, bauen Stress ab und bekommen einen Energiekick – sie ist deshalb ideal am Morgen oder nach der Mittagspause. Achtung: Warten Sie nach dem Essen etwa eine Stunde, bevor Sie Yoga machen. Mit vollem Bauch sind viele Übungen unangenehm.

Schulterbrücke:

Diese Position öffnet den Brustbereich, soll entspannend und angstlösend wirken. Einige Momente halten und dann den Rücken langsam abrollen.

Baum:

Für kleinere Kinder ist der Baum, also das Stehen auf einem Bein eine ziemlich grosse Herausforderung. Probieren Sie verschiedene Varianten aus (anstatt ein Bein ganz vom Boden abzuheben, kann man anfangs mit den Zehenspitzen ruhig noch am Boden bleiben) und fixieren Sie mit den Augen einen Punkt vor sich. Die Übung stärkt das Gleichgewicht und erhöht die Konzentrationsfähigkeit.

Entspannung:

Zum Schluss soll sich das Kind bequem hinlegen und die Augen wenn möglich schliessen. Lassen Sie ruhige Musik laufen und erzählen Sie dem Kind mit leiser Stimme eine nicht zu abenteuerliche Geschichte. Im oben erwähnten Buch gibt es einige Beispiele, ich selber erfinde auch gerne meine eigenen Geschichten. Alternativ eignet sich auch eine kurze Variante des Body Scans. Fünf Minuten reichen, danach soll das Kind sich langsam wieder bewegen, sich recken und strecken und in eine Sitzposition kommen.

 

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