Das wünschen wir uns zum Frauentag

Frauen haben auch nach 50 Jahren Emanzipation jede Menge Gründe, sich zu wehren – und zusammenzustehen. (Foto: iStock)

Was Angst vor einem Imageverlust doch auslösen kann: Für den diesjährigen Auto-Salon, der heute in Genf beginnt, haben einige Hersteller die Dresscodes ihrer «Booth Babes» (Stand-Luder) überarbeitet. Grosse Unternehmen wie Toyota und Nissan wollen ihren Models einen lockereren Look verpassen. Statt in knappen Miniröcken und Stilettos werden die Frauen in Hosenanzügen und flachen Schuhen arbeiten. «Das hat auch mit der #MeToo-Bewegung zu tun», schrieb diese Zeitung am Dienstag. «Autofirmen fürchten um ihr Image, wenn sie weiterhin auf leicht bekleidete Frauen setzen.»

Dazu kann man nur gratulieren, nach fünfzig Jahren Emanzipation.

So klein dieser Schritt der Automobilindustrie auch ist, so stark ist die Botschaft zwischen den Zeilen. Das Beispiel zeigt exemplarisch, dass weiterhin Druck und Engagement von uns Frauen notwendig ist. Wenn wir uns im Kollektiv wehren und unsere Wünsche und Forderungen kennen und auch klar benennen: gegenüber dem Chef, dem Lebenspartner oder gegenüber sexistischen Unternehmen. Dann werden wir auch gehört.

Ich habe acht Frauen nach ihren Wünschen und Forderungen zum Frauentag gefragt – und so haben sie geantwortet:

Ich wünsche mir ein modernes Mutterbild. Mich schockiert immer wieder, dass Frauen als politisch, gesellschaftlich und familiär gleichberechtigt gelten – bis sie Mutter werden. Dann werden sie mit einem Mutterbild konfrontiert, das sie zurück in die 60er-Jahre katapultiert. Sie sollen zwar berufstätig sein, dürfen ihre persönlichen Ambitionen haben und eigenes Geld verdienen, sie können Kinder ohne Partner aufziehen oder sich für eine Vollzeitmutterschaft entscheiden. Aber immer müssen sie beweisen, dass sie in erster Linie gute Mütter sind. Und gut heisst immer intensiv, selbstaufopfernd und hingebungsvoll.
Prof. Dr. Margrit Stamm, Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education.

Werte 39 Ständeräte und 7 Ständerätinnen. Letzte Woche haben 25 von Ihnen die Revision des Gleichstellungsgesetzes auf die lange Bank geschoben. Seit 37 Jahren ist die Lohngleichheit in der Verfassung festgeschrieben. Aber noch immer werden wir Frauen für unsere Arbeit schlechter bezahlt. Ich fordere die Politik auf, endlich für griffige Massnahmen gegen diese Diskriminierung zu sorgen. Das ist auch für Männer ein Gewinn: Die Arbeit in der Familie kann gerechter verteilt werden, wenn der Vater nicht wegen seines höheren Lohns in die Ernährerrolle (und seine Frau an den Herd) gedrängt wird.
Nadia Meier, Mamabloggerin

Ich wünsche mir, dass mehr geschätzt wird, was Frauen tun. Sei es, dass sie Babys auf die Welt bringen, Kinder betreuen und aufziehen, sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Oder unterrichten, operieren, managen – auch in diesen Berufen bekommen Frauen nicht die Anerkennung, wie sie einem Mann zufällt. Was sich in niedrigen Löhnen und schliesslich in dürftigeren Renten ausdrückt. Ein Mitarbeiter der Waffenindustrie erhält heute mehr Wertschätzung, als eine Frau, die ein Kind auf die Welt bringt. Das darf nicht sein! Deshalb braucht es einen Bewusstseinswandel. Kinder sind die Zukunft jeder Gesellschaft. Geben wir ihnen die besten Bedingungen!
Sibylle Stillhart, Journalistin und Autorin des Buches «Müde Mütter – fitte Väter»

Ich wünsche uns Frauen, dass wir mutig den uns zustehenden Respekt in allen Erwerbs-und Lebenslagen einfordern: ohne Wenn und Aber gleichen Lohn bei gleichwertiger Arbeit verlangen, partnerschaftliche Rollenteilung als Selbstverständlichkeit leben und eine eigenständige und langfristig existenzsichernde Laufbahn realisieren.
Helena Trachsel, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann, Zürich

Ich wünsche mir, dass wir Frauen unsere «typisch» weiblichen Eigenschaften endlich als Stärken anerkennen können. Dass Emotionen und Empathie als Stärken gelten, und nicht als Schwächen, die man in einer männlich codierten Gesellschaft zu verstecken hat. Ich wünsche mir Lohn- und Chancengleichheit für Männer und Frauen und für alle, die nicht ins binäre System passen. Und ganz viel Raum für Unterschiede und die Offenheit aller, diese zu schätzen und zu nutzen.
Andrea Jansen, Fernsehfrau und Bloggerin auf Anyworkingmom.com

Ich wünsche mir für alle Frauen, dass sie – wenn sie ein Kind bekommen – ihr Muttersein selbstbestimmt und authentisch leben können – ohne sich gesellschaftlichen Normen anzupassen und sich ständig rechtfertigen zu müssen. Jede Mutter soll zu ihrem Kind genau die Beziehung aufbauen dürfen, die sich für sie (und ihr Kind) stimmig anfühlt: Sei das nun in Bezug auf das frühe Abstillen oder lange Stillen, die Betreuungs- oder die Schlafform.
Sibylle Lüpold, Still- und Schlafberaterin sowie Autorin mehrerer Ratgeber.

Mein Wunsch ist, dass…
– sich die Verantwortlichen in Unternehmen eingestehen, dass sie eine Männerquote bei der Besetzung ihrer Führungspositionen haben. Diese Männerquote sollen sie zugunsten der Chancengleichheit für Frauen senken.
– Mütter und Väter Wertschätzung am Arbeitsplatz erfahren, da sie langfristig zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft beitragen.
– sich die Arbeitgebenden darüber freuen, wenn eine ihrer Mitarbeiterinnen schwanger wird und sie sie unterstützen, ihre berufliche Karriere mit der familiären Veränderung zu vereinbaren.
– Frauen hinstehen und sich für ihre Anliegen einsetzen.
– Parlamentarier(innen) von Bund und Kantonen nicht die Augen vor der Realität verschliessen, dass Sexismus alltäglich ist und am Arbeitsplatz noch immer zu verschiedenen Formen von Diskriminierung führt.
Antonella Bizzini, Stellenleiterin und juristische Beraterin der Infostelle Frau+Arbeit, Bern

Die Lohnungleichheit zwischen Frau und Mann; die Tatsache, dass Frauen immer noch zu oft als Objekt angesehen werden: An Themen zum Frauentag mangelt es nicht. Ich möchte heute aber die Frauen selber ansprechen: Seid toleranter miteinander! Akzeptiert andere Lebensformen und Erziehungsmethoden und fällt nicht vorschnell Urteile aufgrund von Momentaufnahmen. Lasst uns lieber zusammenstehen, denn nur so können wir die wahren Probleme angehen.
Jeanette Kuster, Mamabloggerin

Lesen Sie zum Thema auch die Postings «Von Müttern wird zu viel verlangt», «Wir ausgebrannten Mütter» und: «Frauen, seien wir mutig!»