Männer, wehrt euch!

Demonstrationen sind ein guter Anfang: Ein Aktivist bringt im Juli 2017 Unterschriften der Initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» zum Berner Bundesplatz. Foto: Thomas Delley (Keystone).

Männer stehen wegen des Weinstein-Skandals und weltweiter Altherrenpolitik in der Kritik. Dies sollten sie zum Anlass nehmen, sich und den Status quo punkto Gleichberechtigung zu hinterfragen. Was kann ich ändern? Was würde ich mir wünschen? Zur Unterstützung eine Anleitung in 8 Punkten:

1. Solidarisiert euch mit den Frauen

Ihr fühlt euch unfair behandelt, da sich Frauen von Männern diskriminiert fühlen und dies nun öffentlich machen? Dann wehrt euch gegen die Männer, die Frauen sexuell belästigen oder beleidigen. All das, was Frauen unter dem Hashtag #metoo schildern, passiert nämlich. Jeden Tag mehrmals. In der Bar, im Club, am Arbeitsplatz, im Tram, in der Badi. Mischt euch ein und weist diese Männer zurecht! Erzieht eure Söhne zu Männern, die Frauen respektieren und ihre Macht nicht missbrauchen. Und eure Töchter zu Frauen, die sexuelle Belästigung nicht als eine sich unangenehm anfühlende Anerkennung tolerieren.

2. Macht euch für einen Vaterschaftsurlaub stark

Der Bundesrat empfiehlt ohne Gegenvorschlag die Ablehnung der Vaterschaftsinitiative. Dabei kennen wir die Gründe schon lange, warum ein Vaterschaftsurlaub wichtig ist: Es stärkt die Vater-Kind-Beziehung (Mehr dazu im Posting: Väter, ran an die Babys!), entlastet die Mutter und tut damit der Paarbeziehung etwas Gutes, die bereits vorhandenen Kinder können in der ersten Zeit durch den Vater betreut werden, die Männer sind danach auch am Arbeitsplatz glücklicher. Euer Vatersein wird in diesem Land immer noch nicht wertgeschätzt. Also: Empört euch endlich! Kämpft für die Anerkennung als Vater! Mobilisiert für Gleichberechtigung! Stimmt ab!

3. Kämpft für mehr Teilzeitarbeit

Wie oft höre ich, die Männer würden ja schon Teilzeit arbeiten, wenn sie denn könnten. Wir Frauen kämpfen seit Jahrzehnten darum, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Jetzt seid ihr dran! Klar ist: Von nichts kommt nichts. Sprecht mit eurem Arbeitgeber, immer und immer wieder. Tut euch mit Arbeitskollegen zusammen, bemüht euch um ein Jobsharing, schlagt Homeoffice vor und zeigt dem Vorgesetzten die Vorteile auf.

4. Putzt, wäscht, kocht und räumt auf

Faire Aufteilung im Haushalt führt erwiesenermassen zu glücklicheren Paarbeziehungen. Dafür müssen Mütter im Haushalt und bei der Erziehung mehr loslassen, die Väter mehr machen lassen. Trotzdem liegt die Zurückhaltung der Männer nicht nur an ihren nörgelnden Frauen. Die Ausrede «ich kann es eh nicht rechtmachen» zieht nicht! Erklärt, warum ihr es anders macht und warum eure Weise auch ihre Berechtigung hat.

5. Bringt euch in der Schule mit ein

Die Schulen gehen immer noch oft davon aus, dass die Mütter zu Hause sind und den Rucksack fürs Schulreisli packen. Väter können das auch! Genauso wie: Mails an die Lehrpersonen bei Krankheit schreiben, Subventionsanträge für Krippe oder Hort ausfüllen, Schulveranstaltungen und Elternabende besuchen, den Geburtstagskuchen für die Pause backen oder das Schuldatenblatt in den Familienkalender übertragen.

6. Betreut eure Kinder, wenn sie krank sind

Kinderärzte sind öfters männlich als weiblich. Die Begleitperson des Kindes ist jedoch fast immer die Mutter. Das Gesetz erlaubt auch den Vätern, beim kranken Kind zu bleiben. Wenn sich die Elternteile abwechseln, ist das zudem nicht nur fair für die Eltern, auch der Arbeitgeber der Frau ist entlastet, was wiederum die Karrierechance der Frauen verbessert. Weiterer Vorteil: Auch das Kind bekommt mit, dass Männer genauso gute Pfleger sind wie Frauen.

7. Macht euch schlau

Ihr wollt weniger Belehrungen? Ernst genommen werdet ihr unter anderem, wenn ihr Bescheid wisst. Wo ist euer Kind krankenversichert? Wann bekommt das Baby welchen Brei? Was ist seine Schuh-, Windel- oder Kleidergrösse? Wann ist der nächste Impftermin?

8. Redet über eure Ängste, Gefühle und Bedürfnisse

Der gesellschaftliche Druck ist hoch. Im Job, finanziell, zu Hause – und nun sollt ihr, dank solchen Listen, auch noch Feministen und neue Väter werden. Das ist (ohne Sarkasmus) viel. Redet darüber, alles richtig machen zu müssen. Viele Männer schweigen sich immer noch lieber aus. Wir Frauen kennen eure Bedürfnisse, eure Ängste jedoch erst, wenn ihr sie auch formuliert. Sich von alten Geschlechterrollen lösen, heisst auch, diese zusammen neu zu definieren. Dazu müssen Paare immer und immer wieder diskutieren. Ich weiss, viele von euch Männern brauchen keine solche Liste. Trotzdem sollten wir immer wieder darüber reden.

Warum kämpfen Frauen besser für ihre Rechte als Männer? Zu lesen im Blogbeitrag: «Männer, wollt ihr wirklich «neue Väter» sein?».