Das beste soziale Netzwerk

Unkompliziert und praktisch: Die Krabbelgruppe. Foto: Dean Mitchell (iStock)

Seit acht Jahren bin ich Mutter. Da ich ziemlich unvorbereitet und auch noch sehr jung in diese Rolle hineingestolpert war, kannte ich noch nicht viele Mütter. Damals. Inzwischen besteht der grösste Teil meines weiblichen Freundeskreises aus Müttern. Einige waren es damals schon – andere sind es in der Zwischenzeit geworden.

Was mir vor etwas weniger als acht Jahren massiv geholfen hat – und dies immer noch regelmässig tut –, war die Krabbelgruppe. Eine wild zusammengewürfelte Truppe von Frauen und ihren Kleinkindern, die sich immer am Montagmorgen trifft. Um zu spielen. Um sicherzustellen, dass die Kinder genügend sozialen Austausch erleben. Aber vor allem, um zu schwatzen und Kaffee zu trinken.

Keine Tabus

An manchen Tagen schwirrte mir der Kopf vor lauter Frauen- und Kinderstimmen, die durcheinanderredeten. Diese Gespräche halfen mir durch jede noch so kleine oder grosse Unsicherheit. Und sie tun es noch immer. Von der Schwangerschaft über die Geburt, vom Stillen über Breinahrung zum Essen ab Tisch, von der Spielgruppe über Kindergartenfragen zur Schule. Kein Thema wurde ausgelassen – jede Stimme und jede Meinung angehört.

Tabus? Nicht hier. Krankheiten, Beziehungsprobleme, Fehlgeburten – kein Thema zu gross und kein Problem zu klein.

Interessant fand ich von Anfang an den privaten Aufbau der Gruppe. Es gibt in vielen Gemeinden die Möglichkeit, sich mit anderen Müttern zu treffen. Wir jedoch sind eine heterogene Gruppe, die stets im Wandel ist. An einem Morgen waren wir nur fünf Mütter – einmal sogar nur zu zweit. Inzwischen platzen die Wohnzimmer und vor allem die Esstische bereits aus allen Nähten, wenn die ganze Truppe zusammen ist (16 Mütter + 22 Kinder).

Aber auch wenn es einmal eng wird – wenn jemand gerne eine weitere Freundin einladen möchte, sagt niemand Nein. Wir treffen uns spontan jede Woche bei einer anderen Familie zu Hause. Kaffee wird spendiert, Sirup, Snacks. Jede ist mal Gastgeber, mal Gast.

Besser als Facebook

Ich kenne Frauen, die sich in mehreren Facebook-Gruppen engagieren, um sich auszutauschen über Rezepte, Kinderfragen, Basteltipps, Tauschbörsen … Dinge, die ich ganz einfach am Montagmorgen mit meinen Chrabblis besprechen konnte.

Kurz vor der Geburt meines zweiten Kindes hatte ich kein Maxi-Cosi. Nach der Krabbelgruppe habe ich zwei. Die Kinderkleider, die an der Börse nicht verkauft wurden? Irgendjemand kann sie bestimmt noch gebrauchen. Oder kennt jemanden, der jemanden kennt …

Nach acht Jahren ist meine Krabbelkarriere nun zu Ende. Mein kleiner Sohn kommt in den Kindergarten, und die Krabbelzeit ist definitiv vorbei. Ich werde euch vermissen.

Lesen Sie dazu auch den etwas bissigen Gastbeitrag über Facebook-Müttergruppen: Wo Muttersein eine Religion ist