Die Zukunftssorgen der Eltern

«Mach dir keine Sorgen, Papa!»: Doch der Beschützerinstinkt bleibt – ein Leben lang. (iStock)

Gib dein Bestes, bleibe entspannt und vertraue darauf, dass es gut kommt. Etwa so lautet mein Motto. Kollege Tschannen würde es Mantra nennen. Meist klappt es mit der Umsetzung ganz gut. Doch immer mal wieder schleichen sich Zweifel und Sorgen in Brust, Kopf und Magengegend und setzen sich dort für eine Weile fest.

Mach dir nicht so viele Gedanken, sagt mein Mann in solchen Momenten. Es kommt schon gut, und eigentlich ist doch alles in Ordnung. Du und ich, wir geben unser Bestes.

Ja, das stimmt schon. Doch hoffentlich reicht das? Je älter unsere Kinder werden, desto mehr Vertrauen müssen wir haben. In sie, in ihren Weg, die Zukunft. Wir können nur hoffen, dass jene Worte und Werte, die wir ihnen mitgegeben haben, auch angekommen sind. Wir müssen ihnen vertrauen, dass sie mit Kollegen auf dem Pausenplatz abhängen, aber nicht während der Schulstunden. Ihnen glauben, dass sie nicht schon kiffen oder trinken – und hoffen, dass es weiterhin so bleibt. Auch dass sie ihren Lebensmut behalten, ihren Platz finden, ehrlich und zufrieden sind, hoffentlich auch glücklich. Und wenn sie in Problemen stecken, wir sie unterstützen können, weil sie uns noch immer vertrauen.

Von Tag zu Tag weniger Einfluss

Vertrauen haben: Dass dies einem speziell als Mutter oder Vater nicht immer leichtfällt, beschreibt eine Mamablog-Leserin aus Thun sehr schön. Die Mutter zweier kleiner Kinder schrieb mir diese Woche ein berührendes Mail, woraus ich mit ihrem Einverständnis gewisse Stellen zitieren möchte:

«Ich habe beim Lesen der Nachrichten plötzlich einen Gedanken gehabt, der mich kurz erschüttert hat: Es geht um den jungen Attentäter, der den russischen Botschafter in Ankara erschossen hat. Er war Jahrgang 1994: gerade einmal Anfang 20. Noch fast ein Kind also. Und er hat höchstwahrscheinlich noch lebende Eltern. Als mir das bewusst wurde, musste ich an meine beiden Kinder (2 Jahre und 7 Monate) denken. All diese Unschuld, dieses Potenzial, dieses pure Lebensgefühl. Wie lange wird das wohl noch so sein?»

Die junge Mutter schreibt von der Gewissheit und der damit einhergehenden Sorge, dass der Einfluss auf die Kinder von Tag zu Tag geringer wird, weil sie täglich selbstständiger werden:

«Das ist wunderbar zu beobachten, ist aber auch schwierig, macht Respekt und manchmal Angst. Nicht nur, weil es schwer ist, loszulassen, sondern auch, weil man merkt, wie sie wirklich eigene Personen werden, ihren eigenen Wertekanon beginnen aufzubauen, ihre eigenen Prioritäten setzen und man dieses manchmal kaum mehr beeinflussen kann.

Das nagende Gefühl der Sorge

Auch die Eltern des Ankara-Attentäters haben bestimmt ihr Bestes gegeben. So wie sicherlich die meisten Eltern von Amokläufern, Attentätern, Militanten jeglicher Façon… Alle haben versucht, ihren Kindern gute Werte mitzugeben und sie in Liebe und Respekt zu erziehen, in ihrem jeweiligen kulturellen Kontext – das zumindest glaube ich ganz fest. Und trotzdem gibt es diese schwarzen Schafe, Menschen, die den Weg verlieren und Recht und Unrecht nicht mehr unterscheiden können. Warum? Wo hätte man ansetzen können, sollen, müssen? Wäre es überhaupt zu verhindern gewesen?

All dies ging mir durch den Kopf, als mein Telefon mit Bildern meiner zwei Kleinen neben der Tageszeitung lag und ich mich zu beruhigen versuchte. Ich kann weiterhin nur versuchen, meinen Kindern eine gute, geborgene Kindheit zu ermöglichen, ihnen Grenzen aufzuzeigen, Werte mitzugeben, an die ich glaube, und diese auch vorzuleben. Aber schiefgehen kann immer etwas. Da bleibt dieses kleine nagende Gefühl der Sorge… und das bleibt wohl für immer.»

Berührende Gedanken, die wohl alle Eltern kennen. Kinder zu haben, bedeutet auch Liebe, Freude, Selbsterkenntnis. Vor allem aber heisst es zu vertrauen. In die Kinder, die eigene Familie, die Welt.

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