Businessplan für Familien?

Glück kann man nicht planen - aber eine Strategie mit Träumen und Visionen könnte helfen. (iStock)

Glück kann man nicht planen – aber eine Strategie mit Träumen und Visionen könnte helfen. (iStock)

Als Selbstständige habe ich mir vor der Unternehmensgründung überlegt, wohin ich will mit meiner kleinen Einzelfirma. Ich habe eine Geschäftsidee formuliert, mir eine Strategie zurechtgelegt und einen Businessplan geschrieben. Ganz normal eigentlich. Neben meiner Selbstständigkeit leite ich im Jobsharing noch ein zweites Unternehmen, wenn man dem so sagen will: Ich habe eine Familie. Zwar sträube ich mich gegen die Bezeichnung «Familienmanagerin». Die Arbeit einer Mutter ist unbezahlbar und braucht keinen Titel aus der Businesswelt, um wertvoll zu sein. Und schliesslich nennt man Väter auch nicht Familienmanager.

Dennoch kann man Parallelen sehen zwischen einem kleinen Unternehmen und einer Familie. Jedenfalls tut das Philipp Rufer. Der junge Vater und Unternehmensberater bietet Strategieworkshops für Familien an.

Die Familie als Mini-Unternehmen

Bei einer Firma überprüfe man laufend, ob man auf Kurs sei. Bei einer Familie laufe nach der Firmengründung, also nach der Hochzeit oder der Geburt des ersten Kindes, nicht mehr viel. Stimmt. Jedenfalls kenne ich keine Familie, die eine Vision und Mission definiert hat und regelmässig Mitarbeitergespräche führt.

Dann kommt das erste Baby, und man wurstelt sich irgendwie durch und hofft, dass es gut kommt. Viele junge Eltern verlieren sich aus den Augen zwischen Windeln und Schoppen, zwischen Übermüdung und Überforderung. Es droht der emotionale Konkurs. Wenn man kleine Kinder hat, kann man rasch vergessen, wer man als Paar ist und welche Träume man hatte. Was fehle, so Rufer, sei eine Strategie. Ein Kompass, nach dem man sich in turbulenten Zeiten richten kann.

Planlos unterwegs Richtung Scheidung?

Das Bild mit dem Kompass gefällt mir. Aber braucht es dazu wirklich so businessmässig einen Workshop und eine Strategie? Eigentlich halte ich wenig von der Ökonomisierung der Liebe. Muss ich meine Beziehung laufend optimieren wie einen Produktionsprozess? Sollen wir einen paarbezogenen Return on Investment berechnen, um zu wissen, ob unsere Beziehung erfolgreich ist? Will ich unsere Familie wirklich einer SWOT-Analyse unterziehen und die Ergebnisse meinem Mann in einer Powerpoint-Präsentation vorstellen?

Philipp Rufer lachte, als ich ihm diese Fragen stellte. Und bot mir an, seinen Strategieworkshop am besten selbst zu besuchen. An zwei Abenden würden wir unter dem Motto «Kinoersatz» als Paar bei Popcorn, Bier oder Cola eine authentische Familienkultur entwickeln. Und herausfinden, wer wir als Familie sind, was wir wollen und wie wir mit Konflikten umgehen.

Ich sagte zu und fasste als Erstes eine Aufgabe: Bis zum Familienworkshop sollten mein Mann und ich gemeinsame Alltagsergebnisse notieren, die gute oder schlechte Gefühle ausgelöst haben. Aber jeder für sich. Über diese Stimmungswaage sprachen wir dann im Workshop. Allerdings nicht miteinander, sondern mein Mann mit den anderen Männern und ich mit den anderen Frauen. Das war interessant und sehr unterhaltsam. Ein valabler Kinoersatz. Überhaupt war der Workshop insgesamt kurzweilig wie ein Actionfilm und herzerwärmend wie eine Liebeskomödie. Mehr darüber nächste Woche an dieser Stelle.