Sex nur zur Entspannung?

Mamablog

Die Gründe, weshalb Menschen Sex haben, sind vielfältig. Bild: Raisa Durandi

Ist es möglich, dass jemand (in meinem Fall die Frau) sehr oft Sex mit Orgasmus haben möchte, weil er/sie anders keine Entspannung finden kann? Dass es beim Sex also gar nicht um das Geniessen von diesem selbst geht, sondern für etwas anderes missbraucht wird? Kommt so etwas oft vor?

Zuerst einmal scheint es mir wichtig hervorzuheben, dass Sex eine Vielzahl von Funktionen erfüllt und mir dementsprechend die Begriffswahl «Missbrauch» suboptimal erscheint. Es gibt nicht «den» einen legitimen oder richtigen Grund, um Sex zu haben. So vielfältig wie die Aspekte, welche während des Sexualverkehrs genossen werden. sind auch die Gründe, weshalb jemand Sex haben möchte. Und die können natürlich von Mal zu Mal variieren, denn man frönt nicht immer aus demselben Grund dem Beischlaf.

In erster Linie dient Sex der Befriedigung sehr grundlegender Lebenszwecke wie der Fortpflanzung zur Gewährleistung der Arterhaltung. Aber anders als bei Tieren ist Sexualität beim Menschen kein reines Instinktverhalten, sondern massgeblich von bewussten Entscheidungsprozessen beeinflusst. So fungiert Sex auch als wichtige Form der sozialen Interaktion und dient als Instrument, um Gefühle der Zärtlichkeit, Verbundenheit und Liebe auszudrücken.

In einer gross angelegten Befragung in Texas haben Sexualforscher versucht, den Motiven, weshalb Menschen Sex haben, näher auf den Grund zu gehen. Zu den am häufigsten genannten Gründen gehörten laut den rund 2000 befragten Personen: «Ich fühlte mich zu der Person hingezogen» (bei Männern und Frauen gleichermassen), «Ich wollte meine Liebe zeigen» oder «Ich wollte körperliches Vergnügen». Aber auch Gründe wie «Ich wollte meine sexuellen Fertigkeiten verbessern» oder «Ich wollte einen Geburtstag oder besonderen Anlass feiern» wurden mehrfach genannt.

Am Ende unterteilten die Sexualforscher die Antriebe in vier Hauptkategorien: körperliche Anziehung, Zielorientierung (zum Beispiel berühmt werden), Emotionen kommunizieren sowie Unsicherheit (beispielsweise Angst, den Partner zu verlieren und ihn so an sich zu binden). Wenn wir uns von der psychoaffektiven Ebene lösen und uns anschauen, was während des Sex und des Orgasmus physiologisch abgeht, so erstaunt es nicht, dass viele Frauen und Männer ihn auch als Mittel zur Entspannung benutzen. Denn eine Vielzahl der Neurotransmitter, die beim Akt ausgeschüttet werden, haben eine stressreduzierende und schmerzlindernde Wirkung.

Sex als Mittel zur Entspannung einzusetzen, heisst aber nicht notwendigerweise, dass dies der sexuellen Erfüllung beider Partner abträglich ist. Im Gegenteil. Einer der häufigsten Streitpunkte sind unterschiedliche Vorstellungen, was die Häufigkeit betrifft. Aber auch die Routine und der Mangel an variierenden Sexualpraktiken führen oft zu Disharmonie innerhalb der Beziehung. Die Hauptsache ist doch, es macht beiden Spass und führt zu persönlicher Befriedigung und Zufriedenheit, aus welchem Grund der Akt auch immer vollzogen wird.