Die «Fifty-fifty»-Eltern gibt es nicht

Mamablog

Die Freude am Kind teilen sich die Eltern – die Arbeit jedoch nicht. Foto: monkeybusinessimages (iStock)

Es sind immer werdende Erstmütter, die über ihren Bauch streicheln und mit einem berechtigten Leuchten in den Augen sagen: «Er bleibt einen Tag zu Hause, an zweien ich, und zwei Tage gehen sie dann in die Krippe. Den Rest teilen wir uns auf, fifty-fifty.» Alles geritzt also, ready für den Schritt in die nächste Lebensphase. Drum nicke ich dann jeweils auch brav, denn ich will der Armen ja nicht noch mehr Angst machen. Immerhin hat sie die Geburt noch vor sich. Nicht, dass ich noch Vorwehen auslöse oder so.

Nur wenn ichs nicht lassen kann (oder mich das implizite «Ich-bin-die-Erste-die-das-alles-easy-schaffen-wird» nervt), schiebe ich noch leise ein «Wir sprechen uns dann in einem Jahr noch mal» hintendran. Ganz leise.

Familienmanagerin ist ein Denkjob

Ein Jahr und ein paar Augenringe später können wir gemeinsam der Realität ins Auge sehen: Der Job, der als «Mutter» ausgeschrieben war, beinhaltet jetzt doch einiges mehr als nur das Wachen über das Wohl des Kindes (oder «Windeln wechseln», wie das ja gerne pauschalisiert wird von denen, die das noch nie getan haben).

Frau ist Familienmanagerin geworden, hauptberuflich. Daneben hat sie vielleicht noch eine bezahlte Arbeit zu einem kleineren Prozentsatz (so 25–34 Stunden pro Woche), die sie aber eigentlich als Auszeit empfindet. Endlich mal wieder allein aufs WC. Endlich mal wieder ein Heissgetränk auch wirklich heiss trinken. So schön!

Zu Hause muss viel gemacht werden (Aufräumen, Waschen, Kochen, Play-Doh aus dem Teppich pulen), aber der Hauptanteil des Managements besteht nicht aus Machen, sondern Denken.

Mütter denken konstant (insofern uns nicht gerade jemand «Mamimamimamimamimami» ins Ohr schreit), aber auch dann, wenn wir spätabends noch mit «Ay, Ma-mi!» besäuselt werden. Wir planen, organisieren, prüfen Optionen. Das fängt an beim Timing vom Still-Schlaf-Rhythmus und erreicht dann mit dem Schuleintritt ein ganz neues Level (lasse ich mir sagen). Wird ein Kind krank, gibts noch kurzfristig eine Extra-Challenge obendrauf. Leider gibt die keine Bonuspunkte. Und auch kein Foto von Heidi.

Das viele Denken schlaucht und kann man nicht abschalten. Folglich ist frau auch nicht mehr ganz so entspannt. Dass bei mir dieser Gemütszustand etwas zu kurz kommt, teilt mir auch der Mann regelmässig mit. Tut er das mit einem Bier in der Hand vom Sofa aus, kommt der Input natürlich besonders gut an.

Aber um ehrlich zu sein: Der Mann hilft kräftig mit, und das ist gut so. Richtig so. Ich will hier nicht zum Männer-Bashing ausholen, ich habe selber ein sehr liebes und auch brauchbares Exemplar zu Hause, das man problemlos mit zwei Kindern alleine lassen kann, auch über mehrere Tage und ohne detaillierte Instruktionen.

Darauf bin ich aber weder «stolz», noch bin ich überaus «dankbar» dafür, wie von aussen immer wieder suggeriert wird, sondern setze das voraus. Er wollte Kinder, ich wollte Kinder. Da sind wir nun, Punkt.

Männern fehlt die Zeit

Und trotzdem: Die Managerin, die bin ich. I am the «default parent». The primary caregiver. Bei mir laufen die Fäden zusammen, und oft komme ich mir vor wie eine Tellerjongleuse, die auch auf dem Steissbein und dem Ohrläppli je noch ein Stöckchen balanciert.

Und manchmal wird mir das zu anstrengend. Zu viel, das alles. Dann streiten wir uns und drehen uns im Kreis und ich sage: «Du weisst ja gar nicht, was ich alles mache», und er sagt «Dann mach doch mal weniger», und ich keife: «Du könntest ja auch mehr Verantwortung übernehmen», und er poltert dann: «Dann sag mir, was ich tun soll!»

Bäm. Unschlagbares Stoppargument, und ich könnte ja jetzt alles zu ihm rüberschaufeln und dann kann er ja dann mal sehen, hä, wie das dann rausk… Nein, leider ist auch das keine Lösung.

Erstens, weil ich viel mehr Erfahrung und jahrelange Übung habe mit unserem Familienmanagement (und dank Mutterschaftsurlaub – auch wenn er zu kurz ist – Zeit für die Einarbeitung). Zweitens, weil das Delegieren von Aufgaben ganz viel Denkarbeit als Voraussetzung hat (Ächz!), und drittens, weil Befehle erteilen etwas sehr unsympathisch Nordkoreanisches hat (und mich der Mann ja jetzt schon liebevoll «Kim Jan Sen» nennt).

Sind Väter zu blöd fürs Familienmanagement? Das zu behaupten hätte einen ähnlichen Sexismus-Quotienten wie die Frage, ob Frauen in Kaderfunktionen gehören. Natürlich sind auch Väter für die familieninterne Managementfunktion qualifiziert. Solange sie nicht die Salami im Kühlschrank suchen müssen, die auf Augenhöhe vor ihnen liegt, hätten sie alle Voraussetzungen.

Alle bis auf eine: Zeit. Zeit, um zu lernen. Zu erfahren, was nicht funktioniert, Zeit, um das Balancieren der tausend Teller zu meistern. Dann käme das Mitdenken ganz von alleine.

Dann könnte ich auch mal meinen mentalen schlammfarbenen Despotenhosenanzug ausziehen, mich mit einem Bier ganz entspannt Homer-Simpson-Style ins Sofa vergraben und mir auf Youtube lustige Katzenvideos anschauen. 건배!

Dann hätten wir das zu Hause mit der Gleichstellung geschafft. Nur müssen wir zuerst die Voraussetzungen schaffen, und so weit – es tut mir leid, liebe werdende Erstmutter vom Anfang dieses Posts –, so weit sind wir noch nicht.