Was macht Mamas Diät mit der Tochter?

Was wir bewusst weitergeben können, ist ein positives Körperbild: Mutter und Tochter am Strand. Foto: Matt Deavenport (Flickr)

Ein positives Körperbild können wir bewusst weitergeben: Mutter-Tochter-Gespräch am Strand. Foto: Matt Deavenport (Flickr)

Ich hatte kürzlich das zweifelhafte Vergnügen, im Hallenbad ein privates Gespräch mitzuhören. Zwei Mütter mit Bodymassindizes im Normbereich trafen sich zufällig weitgehend nackt.

Frau Badekleid: Hey, hallooo! (Küsschen, Küsschen, Küsschen) Wie war Barcelona?
Frau Bikini: Mega! Leider habe ich ein unschönes Souvenir nach Hause gebracht. (fasst mit Daumen und Zeigefinger das Fleisch über dem Hüftknochen, schüttelt)
Frau Badekleid: Oh, erzähl mir nix. Ich habe in den Frühlingsferien ein Kilo zugenommen in Italien. Ein Kilo!
Frau Bikini: Von wegen gesunde Mittelmeerdiät, gäll. (lacht hysterisch)
Frau Badekleid: Die haben uns gemästet dort unten. Pasta, Gelati … und das Buffet im Hotel, weisch!
Frau Bikini: Ja, du! Jetzt wird gefastet für die Strandfigur. Ich esse keine Kohlenhydrate mehr bis Ende Juni.
Frau Badekleid: Wow! Das sollte ich auch tun. Sonst traue ich mich dann nicht mehr in die Badi, mit diesen Pfosten. (kneift sich in den Oberschenkel)
Tochter von Frau Bikini: Mami, was sind Kohlenhürate?

Liebe Frau Bikini, liebe Frau Badekleid: Es sind imfall nicht nur die bösen Medien und die gephotoshopten Models auf den H&M-Plakaten schuld, wenn eure Töchter dereinst das Gefühl haben werden, sie seien zu dick.

Als Eltern – und besonders als Mädchenmama – hat man auch hier eine Vorbildfunktion. Ob man will oder nicht. Die Töchter hören zu, schauen hin und machen den Quatsch früher oder später nach. Oder was denkt wohl ein Mädchen, dessen Mutter immer über ihr dickes Füdli jammert, später über ihren eigenen Hintern? Was lernt die Tochter, wenn Mama immer nur Salat ohne Sauce isst in der Pizzeria? Oder wenn sie nach jedem Stück Kuchen seufzend verkündet, sie habe wieder gesündigt? Man kann es sich ausmalen wie ein Ausmalbild von einer weinenden Zeitbombe.

Wir Mütter haben keinen Einfluss darauf, ob die Töchter unsere kräftige Postur erben, die breiten Hüften oder die drallen Waden. Was wir aber bewusst weitergeben können, ist ein positives Körperbild und die Zufriedenheit mit dem, womit die Natur uns ausgestattet hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter je eine Diät gemacht hätte. Und falls doch, dann hat sie es geschafft, dass ich davon nichts mitbekam. Auch habe ich nie gehört, dass sie irgendeinen Körperteil – weder von ihr noch von mir – negativ kommentierte oder für zu dick befand. Ich bin davon überzeugt, dass ich es in erster Linie meiner Mutter zu verdanken habe, dass ich heute ganz glücklich bin mit meiner Figur.

Also, liebe Mamas: Seid nachsichtig mit eurem wunderbaren Körper, der als Wohnung, Babywippe und vielleicht auch Milchbar unendlich wertvolle Dienste geleistet hat. Ja, vielleicht habt ihr tatsächlich einen grossen Hintern, wabbelige Oberschenkel oder postnatale Speckröllchen. So what? Ich sage euch jetzt mal was: Solange eure Hausärztin beim Blick auf die Praxiswaage keine Augenbraue hebt, solltet ihr nicht so ein Aufhebens machen um eure Figur. Hört auf, diese oder jene Stelle eures Körpers als Problemzone zu betrachten. Die wahre Problemzone von normalgewichtigen Diätmamis ist nämlich das eigene Gehirn. Und das ist – im Gegensatz zu manchen körperlichen Gegebenheiten – formbar. Also streicht die Worte «Diät» und «dick» aus eurem Kopf, entsorgt die Waage und geniesst jedes einzelne Kohlenhydrätli. Euch und euren Töchtern zuliebe.

Und wenn das Füdli trotzdem noch ab und zu nervt: Erzählt es der besten Freundin auf der Joggingrunde oder bei einem Glas Prosecco – wenn die Kinder ausser Hörweite sind.

Mitteilung der Redaktion: Wir freuen uns, Nadia Meier als fixe Mamablog-Autorin begrüssen zu dürfen. Sie wird in der Regel dienstags bloggen und das Team rund um Gabriela Braun (Leitung), Jeanette Kuster und Andrea Fischer Schulthess hervorragend ergänzen. Mit Andrea Burri hat Tagesanzeiger.ch/Newsnet zudem eine Sexualwissenschaftlerin an Bord geholt. Die Gastautorin beantwortet jeweils freitags Leserfragen zum Thema Lust und Liebe. «Sexologisch» heisst die neue Beratungskolumne, die Online im Mamablog und im Print im Ressort Wissen erscheint. Wir wünschen einen guten Start. (gb)