Welcher Erziehungstyp sind Sie?

Aussergewöhnliche Erziehungsmassnahmen in Nanny McPhee Returns. (Universal Pictures)

Zaubern mit Erziehungsauftrag: Szene aus «Nanny McPhee Returns». (Universal Pictures)

Es gibt nichts Ungehorsameres als Babys. Die tun und lassen, was sie wollen. Tun Milch rein. Und lassen sie wieder raus. Natur pur. Stört niemanden. Solange die Muttermilch nicht öffentlich verabreicht und die Windel luftdicht entsorgt wird. Schliesslich wollen nicht nur Kinder, sondern auch Eltern erzogen sein. Deren Babys mutieren nur allzu schnell zu kleinen Kindern. Und diese tun und lassen einiges mehr. Ich beginne gar nicht erst mit einer Aufzählung, sie würde das Datenzentrum von Google sprengen. Vieles von dem, was kleine Kinder eben so tun, stört. Die Eltern, die Grosseltern, die Freunde, die Nachbarn, die Schweiz, ja die ganze Gesellschaft. Deshalb greifen alle zusammen in die Natur ein. Und nennen es Erziehung. Oder anders gesagt: Wir sagen den Kleinen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Um der drohenden Anarchie durch heranwachsende Kinder etwas entgegenzusetzen, haben wir uns einen bunten Strauss von Methoden einfallen lassen. Hauptsächlich dienen sie Eltern dazu, Autorität zu erlangen und die ungehorsame Meute zu bestimmten Handlungsweisen zu motivieren. Ich versuche die am häufigsten hervorgebrachten Strategien zur Manipulation der kindlichen Natur und deren Wirkungsgrad kurz zu erläutern.

1. Die Frage

«Wollt ihr nicht das Zimmer aufräumen?»

Klingt nach einer humanen und respektvollen Methode, kleinen Menschen entgegenzutreten. Funktioniert aus eigener Erfahrung aber nicht. Und sicher nicht zuverlässig. Entscheidungsfreiheit wirkt auf Kinder (und auch auf viele Erwachsene) nicht befreiend, sondern eher belastend. Das Sprichwort «Die Qual der Wahl» kommt nicht von ungefähr.

2. Die Bitte

«Räumt jetzt bitte das Zimmer auf!»

Bittsteller liefern sich aus. Keine gute Verhandlungsposition. Vor allem nicht, wenn die Sache nicht verhandelbar ist. Eltern überlassen dem Kind die Macht. Keine gute Idee. Und wer das Zimmer nach abgeschlagener Bitte selber aufräumt, ist selber schuld, wenn in Zukunft jede Bitte gnadenlos abgelehnt wird.

3. Der Befehl

«Ihr müsst jetzt das Zimmer aufräumen!»

Wenn das Fragen und Bitten nicht wirkt, muss der Befehlshaber ein Machtwort sprechen. So will es das Klischee. Mama fragt und bittet 1000-mal, und schliesslich kommt der Papa und befiehlt. Das Modell ist leider immer noch häufig zu beobachten. Der Wirkungsgrad dieser Methode hängt stark vom Befehlston und von der Autorität des Befehlausgebers ab.

4. Die Zielvereinbarung

«Wir haben doch abgemacht, dass ihr das Zimmer aufräumt!»

Hier spricht der Human-Resources-Manager. Kinder funktionieren aber nicht wie Arbeitnehmer. Sie kriegen zwar auch ein schlechtes Gewissen. Aber man kann ihnen schlecht kündigen, wenn sie die Ziele nicht erreicht haben. Höchstens den Lohn kürzen. Die Methode dürfte daher eher bei Jugendlichen greifen.

5. Die Konsequenz

«Wenn ihr jetzt das Zimmer nicht aufräumt, gibt es morgen keine Corn Flakes!»

Die Wenn-dann-Strategie ist weit verbreitet. Höre ich praktisch jedes Mal in irgendeiner Variation auf dem Spielplatz. Unglaublich, wie kreativ manche Eltern sind. Aber Achtung. Je nach angedrohter Konsequenz stellt das Kind jegliche Tätigkeit zugunsten eines Heulkrampfes ein. Dieser endet erst, wenn die Konsequenz zuerst mehrfach abgeschwächt und schliesslich durch eine Glace der Marke Trost ersetzt wird.

6. Die Drohung

«Wenn ihr jetzt das Zimmer nicht aufräumt, stirbt ein Einhorn.»

Ungemein kreativ. Habe ich kürzlich in einem Heft gelesen. Ich glaube, es war im «Wir Eltern». Musste ich natürlich sofort ausprobieren. Hat tatsächlich funktioniert. Allerdings nur bis zum nächsten Tag. Dann hat die Kleine Mama gefragt, ob das wirklich stimmt mit dem Einhorn. Bei der meist wirksamen Drohstrategie ist immer zu beachten, dass die Drohung im Ernstfall wahr gemacht werden kann und muss.

7. Das Goodie

«Wenn das Zimmer aufgeräumt ist, dürft ihr Tom & Jerry schauen.»

Die positive Drohung respektive Konsequenz ist mein neuer Lieblingsansatz. Diese je nach Goodie sehr motivierende Strategie muss allerdings in homöopathischen Dosen eingesetzt werden, da die Erwartungshaltung sonst stark ansteigt. Ich warte noch auf den Moment, wenn die Kinder das Zimmer ungefragt aufräumen und danach die Tom-&-Jerry-DVD selbst einlegen.