Machen nur Kinder unser Leben vollkommen?

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Sie scheinen ganz zufrieden ohne Kinder: Szene aus «Sex and the City». (Bild: HBO.com)

Unterhalte ich mich mit anderen Müttern, ist die Chance gross, dass das Gespräch irgendwann auf die Kinder kommt. Schliesslich beschäftigt einen der Nachwuchs – zumindest gedanklich – tagein, tagaus, und man hat damit schnell ein Thema gefunden, zu dem beide etwas zu sagen haben. Plaudere ich hingegen mit Kinderlosen, achte ich bisweilen bewusst darauf, sie nicht mit Anekdoten aus dem Leben meiner Kleinen zuzutexten. Umso erstaunter war ich, als ich vor kurzem bei einem Essen umringt von (noch) kinderlosen Endzwanzigern war und genau diese das Gespräch irgendwann aufs Thema Kinder lenkten.

Es fing damit an, dass eine Frau sich beklagte, seit ihrer Heirat würde das gesamte Umfeld erwarten, dass sie nun eher früher als später schwanger werde. Die anderen nickten sofort zustimmend und ergänzten, dasselbe widerfahre einem, wenn man in ihrem Alter mit dem Partner in eine grössere Wohnung ziehe. Von allen Seiten diese Erwartungshaltung, dabei würden sie doch noch gar nicht über Kinder nachdenken!

Und doch taten sie es an diesem Abend. So begann meine Tischnachbarin mir, der Kinder-Expertin der Runde sozusagen, zu erzählen, wie etliche ihrer Freundinnen sich auf das Kinderhaben versteifen würden. «Die wünschen sich nichts mehr als ein Baby, damit ihr Leben endlich vollkommen ist.»

Ich stutzte und erwiderte, dass es meiner Ansicht nach nicht die Aufgabe des Kindes sei, das Leben der Eltern zu vervollkommnen. Und dachte kurz zurück, ob ich damals, vor der Geburt meines ersten Kindes, auch solche Erwartungen gehabt hatte?

Doch das hatte ich nicht. Ich erwartete keine heile Welt und seliges Dauerlächeln zu dritt, sondern bei allem Glück auch ganz viel Stress. Besonders zu Beginn der Schwangerschaft fragte ich mich, wie ich damit würde umgehen können, fortan ununterbrochen für ein kleines Wesen da sein zu müssen. «Dürfen, nicht müssen!», mögen Sie einwenden, und natürlich haben Sie recht. Aber man geht als Eltern (zugegebenermassen freiwillig) eine Verpflichtung ein, und diese Pflicht ist nun mal mit «müssen» verknüpft, weil man sie eben nicht je nach Lust und Laune wieder ablegen kann.

Je näher die Geburt kam, desto entspannter schaute ich dem Mamasein entgegen. Aber zu denken, mein Leben würde durch das Kind perfekt, auf diese Idee wäre ich nie gekommen. Vielleicht deshalb, weil ich schon vorher zufrieden war damit.

Heute hingegen ist es in der Tat so, dass mein Leben unvollkommen wäre ohne meine Kinder. Weil sie da sind, zu mir gehören, ich mir die Welt ohne sie nicht mehr vorstellen könnte. Dennoch mache ich sie nicht für mein persönliches Glück verantwortlich. Wenn schon, ist es umgekehrt: Ich fühle mich bis zu einem gewissen Grad für ihr Glück (mit-)verantwortlich. Ich soll und darf mithelfen, ihr Leben während der ersten Jahre möglichst vollkommen zu gestalten.

Von Erwachsenen hingegen erwarte ich, dass sie für ihr eigenes Glück besorgt sind. Natürlich kann einen der Partner, vielleicht auch die beste Freundin oder eben das eigene Kind glücklich machen. Aber es ist nicht ihre primäre Aufgabe. Und wer sein Leben als unvollkommen empfindet, wird vermutlich auch durch die Geburt des eigenen Kindes nicht plötzlich zum erfülltesten Menschen auf Erden. Dies zu erwarten, ist meiner Meinung nach nicht fair dem Kind gegenüber.

Wie sehen Sie das?