Liebeserklärung

Ein Papablog von Nils Pickert*

Sie und ich, das ist noch immer der Plan: Catherine und Heathcliff in Sturmhöhen. (PD)

Sie und ich, das ist der Plan: Richard Armitage und Daniela Denby-Ashe in «North And South». (BBC)

Wenn man wie ich in einer Langzeitbeziehung lebt und auch noch gemeinsame Kinder hat, gehört man zu einer gefährdeten Spezies. Zumindest fühlt es sich so an. Jenseits des verflixten siebten Jahres geht so manchem befreundeten Paar die Luft aus und die Kinder fangen an, einen zu fragen, ob und wann man sich denn auch einmal trennen wird. Überall lauern Artikel, die davon berichten, wie unfassbar schwierig es ist, die Explosivität von sexuellen Begegnungen zu Anfang einer Beziehung mit der Intimität einer dauerhaften Partnerschaft zu verbinden. Der Wunsch nach beidem scheint jedenfalls bei den meisten Paaren vorhanden zu sein. Der Anspruch, ein Recht darauf zu haben, auch.

Und über den Running Gag der Beziehung, man sei ja nur noch wegen der Kinder zusammen, hat man zuletzt vor sehr langer Zeit gelacht. Inzwischen fragt man sich eher, wieso man ständig diese Behauptung aufstellt und dann wie bei diesen furchtbaren Frühstücksradiosendungen und Stefan Raab in sie hineinlacht, damit die Freunde wissen, dass sie gefälligst mitzulachen haben. Wahrscheinlich möchte man sich an ihren ungläubigen Mienen aus der eigenen Unsicherheit herausmogeln. Funktioniert aber nicht.

Eine Langzeitbeziehung zu führen, ist also alles andere als einfach. Nicht nur, dass der Alltag einen auffrisst – inzwischen verkörpert man selbst den Alltag. Helmut Kohls Kanzlerschaft? Jahrtausendwende? Reichstagsverhüllung? Alles schon gemeinsam erlebt. Manche Dinge sind mittlerweile sogar zu lange her. Über den ersten gemeinsamen Sex herrscht beispielsweise Uneinigkeit, wo er stattgefunden hat. Die Sicherheit darüber, dass er überhaupt stattgefunden hat, grenzt an ein Wunder. Und Wunder sollte man nicht leichtfertig abtun. Daher erscheint es mir nach 18 Jahren, 3 Kindern, 6 Wohnungen, diversen Frisuren, Körperformen, Einkommenssituationen und überwundenen Krisen allerhöchste Zeit für eine (erneute) Liebeserklärung.

Geliebtes Wesen

1. Ich danke dir dafür, dass ich mit dir an meiner Seite nicht der Versuchung erliegen kann, meine eigene Biografie vor mir und neuen Bekanntschaften aufzuhübschen. Jeder Impuls, mich nachträglich beliebter, erfolgreicher und machtvoller zu erinnern, als ich in Wirklichkeit gewesen bin, verpufft durch deine schiere Existenz. So hat mich unter anderem ein blosses Augenrollen von dir zu zahlreichen Gelegenheiten, bei denen ich damit prahlen wollte, was für ein unfassbar cooler Typ ich früher war, wieder ganz kleinlaut werden lassen. Immerhin warst du damals ja dabei (siehe Helmut Kohls Kanzlerschaft). Weil du an meiner Seite bist, widerstehe ich der Verlockung, Freunde und Familie als Zeugen meines Scheiterns, meiner Kleinlichkeiten und meiner Schwäche zu eliminieren, um mich irgendwo in den Augen von irgendwem neu zu erschwindeln (In your face, midlife crisis!).

2. Ich liebe dich für jeden einzelnen unserer kleinen Insider: Der Wein mit der Pille ist im Becher mit dem Fächer?

Der Becher mit dem Fächer: Szene aus «Der Hofnarr». (Youtube)

Fertig ist fertig: Szene aus «Rosanne». (Youtube)

Weisselt, ihr Jungfrauen, weisselt? Milchtütenmassaker?
Darüber denke ich mit dir morgen nach – auf Tara! Jeder gemeinsame Witz, jede Referenz, die nur wir verstehen, ist Nahrung für unsere Beziehungsseele. Da man auf die mittlere bis lange Distanz zu verhungern droht und Beziehungen erschreckenderweise oft die Tendenz haben, von alleine schlechter zu werden, ist jedes uns eigene Verstehen ein Schlag gegen das grassierende Beziehungsmissverständnis. Dass Dinge kaputtgehen und Menschen verletzt werden, lässt sich nicht verhindern. Die Frage ist, was man anschliessend daraus macht.

3. Du bist die beste Mutter, die ich mir für meine Kinder nur wünschen kann. Eigentlich noch besser. Ohne dich wären die nicht so cool. Denn seien wir ehrlich: Ich bin ein Schisser. Ein Sorgenvater, ein Panikschieber, ein «Ich guck mal nach, ob das Baby noch atmet»-Typ. Ohne dich wären die Kinder nie auf Bäume geklettert und würden uns zum Frühstück kein Rührei machen. Alles viel zu gefährlich. Zumindest in meiner Welt. In deiner ist das alles möglich.

4. Ich freu mich darauf, mit dir erwachsen zu werden … irgendwann. Du machst das nämlich ganz wunderbar, mit Selbstbewusstsein und ohne die Fähigkeit zu verlieren, über dich selbst lachen zu können. Dann sind wir jetzt halt spiessig. Dann schauen wir eben «Kulturzeit» und hören Deutschlandradio. Dann haben wir nun auch viel zu verlieren. Bei dir sieht das nach Spass aus. Wenn ich dir dabei so zusehe, traue ich mich ja vielleicht auch.

5. Sex? Ach ja, der alte Elefant im Beziehungsporzellanladen. Manchmal trompetet er uns erschreckend laut in die Ohren: Ich bin wichtig! Macht etwas mit mir! Was ist bloss los mit euch!
Halt dein Maul, Rüsseltier!!! Sie und ich, das ist immer noch der Plan. Gerne auch im Bett. Oder im Badezimmer. Oder im Auto auf dem Weg nach … aber das gehört hier jetzt wohl nicht her.

Bleibt nur noch eine Frage zu klären, Geliebte. Willst du weiterhin mit mir gehen? Kreuz bitte an:

( ) ja
( ) nein
( ) vielleicht

pickert150x150*Nils Pickert lebt mit seiner Familie in Süddeutschland. Er hat eine monatliche Kolumne auf Standard.at, in der er sich mit den männlichen Seiten der weiblichen Emanzipation beschäftigt.