Welche Anstandsregeln braucht ein Kind – und welche nicht?

Welche Tischmanieren dürfen wir von unseren Kindern verlangen? Ein Kind isst mit der Gabel. (Bild: flickr.com/ www.kankuna.de)

Welche Tischmanieren dürfen wir von unseren Kindern verlangen? Ein Kind isst mit der Gabel. (Bild: flickr.com/www.kankuna.de)

«Knigge-Kurse für Kinder boomen», vermeldeten «SonntagsZeitung» und «Tages-Anzeiger» Ende Jahr. Und dies aus gutem Grund, denn wie eine Benimm-Expertin im Artikel erzählte, seien viele Kinder nicht mehr in der Lage, richtig mit Messer und Gabel umzugehen. Entsprechend liege der Schwerpunkt ihrer Kinder-Kniggekurse für 8- bis 17-Jährige auf den Themen Tischmanieren und Bestecksprache.

Nach dem Lesen des Artikels geisterten mir etliche Fragen durch den Kopf. Nicht richtig mit Messer und Gabel umgehen können? Heisst das, diese Kinder schaffen es auch als Achtjährige noch nicht, ihr Essen in den Mund zu befördern, ohne sich dabei zu bekleckern? Schaufeln sie sich am Ende sogar alles haufenweise per Hand in den Mund? Oder sind sie womöglich sehr wohl in der Lage, einigermassen anständig zu essen, dies einfach nicht mit der Grazie, die sich manche ältere Mitmenschen wünschen würden? Die Themen «Tischmanieren» und «Bestecksprache» deuten an, dass es wohl doch nicht ganz so schlimm bestellt ist um unseren Nachwuchs, schliesslich geht es offenbar vielmehr um Verhaltensregeln denn handwerkliche Basics. Und: Die Kurse würden oft von der Grossmutter geschenkt – die Eltern selber scheinen also gar nicht so besorgt zu sein um die Manieren ihrer Kleinen bei Tisch. Oder ihre Unkenntnis der Bestecksprache.

Was mich zur Frage bringt, welche Tischmanieren wir von unseren Kindern verlangen dürfen und sollen – und welche überflüssig, ja vielleicht auch überholt sind? Dass es gewisse Regeln geben muss, steht meiner Meinung nach ausser Frage. Und seien es nur Basics wie «Man isst mit Messer und Gabel, sobald man es kann». Trotzdem bin ich der Meinung, dass kleine Kinder auch bei Tisch Kinder bleiben dürfen. Meine beiden, ein und vier Jahre alt, müssen nie am Tisch sitzen bleiben, bis alle fertig gegessen haben. Wieso auch? Und vor allem: Wem bringt das etwas? Die Mahlzeit wird für niemanden entspannter, wenn zwei Kleinkinder ungeduldig auf ihren Stühlen hin und her rutschen. Wenn ich diese «sitzen bleiben»-Tischregel in anderen Familien miterleben muss, habe ich stets den Eindruck, man wolle sie bloss deswegen durchziehen, weil man das halt so macht, sprich früher so gemacht hat und es sich so gehört. Wem das Machtspielchen etwas bringt, überlegen sich die Eltern meist gar nicht.

Mir persönlich ist viel wichtiger, dass meine Kinder nett fragen, ob sie bitte noch eine Portion bekommen dürfen, und dass sie nach dem Essen schnurstracks ins Bad marschieren, um sich Hände und Gesicht zu waschen. Denn erstens will ich ihnen (in allen Lebenslagen) einen freundlichen Umgangston beibringen und zweitens keine verdreckten Wände putzen.

Der Umgangston übrigens nimmt in den Teenie-Kniggekursen dann doch noch einen wichtigeren Platz ein. Und nicht nur dort: Auch in den Schulen werden gute Umgangsformen teilweise bereits thematisiert und sollen künftig gar flächendeckend gelehrt werden. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, wollen «CVP-Parlamentarierinnen im neuen Parteiprogramm die Sittenlehre verankern: Die Schulen sollen den Jungen wieder Toleranz, Anstand und Respekt beibringen».

Das klingt auf den ersten Blick sehr dramatisch, gleichzeitig aber auch einfallslos, die übliche «Die heutige Jugend ist schlimmer, als wir es je waren»-Leier halt. So oder so poppt bei der Forderung sofort die Frage auf, wieso die Schule diese Aufgabe übernehmen soll. Wäre es nicht eindeutig Sache der Eltern, ihren Kindern Anstand und Toleranz im Umgang mit Mitmenschen vorzuleben und somit beizubringen?

Ja, auf jeden Fall. Aber wenn man das Thema so angeht, wie das eine Schule im aargauischen Würenlos gemacht hat, dann passt es sehr wohl in den Schulunterricht. Dort wurden im Rahmen einer Projektwoche im Hinblick auf den Berufseinstieg Fragen wie «Wie diskutiere ich?», «Wie höre ich jemandem zu?», «Wie führe ich ein Streitgespräch?» behandelt. Themen also, in denen auch so mancher Erwachsene nicht sattelfest ist, und bei denen man immer wieder Neues dazulernen kann. Ja bei denen man vermutlich von einem Kommunikationsprofi tatsächlich mehr lernt als von den Eltern.

Für die Basis-Umgangsformen hingegen sollten meiner Meinung nach immer noch die Eltern besorgt sein. Nicht die Schule, und auch kein von der Grossmutter bezahlter Knigge-Experte.

105 Kommentare zu «Welche Anstandsregeln braucht ein Kind – und welche nicht?»

  • ina müller sagt:

    Tischmanieren und Bestecksprache sind niemals überholt. Niemals.

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Ist eigentlich ein Armutszeugnis und etwas übertrieben, dass es solche Kurse braucht. Es ist an uns Eltern, unseren Kindern die nötigsten/wichtigsten Benimmregeln durch aktives, tägliches Vorleben, ohne Druck und Zwang, zu vermitteln und vorzuleben. Wir sind die Vorbilder, uns ahmen sie nach! Meine müssen nicht warten, bis alle gegessen haben. Sobald beide fertig sind, dürfen sie vom Tisch. Sie müssen auch den Teller nicht leer essen. Ein „hani nid gärn, isch gruusig“ ohne wenigstens probiert zu haben, gibts nicht. Auswärts im Resti haben wir meistens Büechlis und Malssachen dabei, klappt gut!

    • Sportpapi sagt:

      Offenbar ist man sich nicht einig, welche Benimmregeln nötig und wichtig sind. Für mich gehört das Sitzenbleiben, bis zumindest die gleichaltrigen gegessen haben, dazu. Für Sie offenbar nicht. Also was gilt?

      • Andrea Mordasini, Bern sagt:

        Ist bestimmt Ansichtssache, was für die einen nötig und wichtig ist. Während bei den einen am Tisch nicht gesprochen werden darf, findet bei uns ein reger Austausch statt. Ich glaube, dass unsere Ansichten ähnlich sind, habe mich wohl etwas missverständlich ausgedrückt: meine beiden Kinder müssen nicht warten, bis wir Eltern fertig gegessen haben, sie warten jedoch bis das Geschwister fertig ist. Dann dürfen beide gleichzeitig vom Tisch;).

  • Noldi Schwarz sagt:

    Jedes Mal wenn es uns mit unseren Kindern zu dumm wird setzt sich die ganze Familie ins Flugzeug und fliegt nach USA oder China. In den USA dürfen sie ungehindert alles mit den Händen essen, und in China können sie nach Lust und Laune herumrülpsen und den Rotz hochziehen, ohne dass sich jemand darüber aufregt. Wir Eltern erleben entspannte Tage und haben die Chance In Europa auf Tischsitten hinzuweisen, mit der Bemerkung in USA ist es so, in China so und in der Schweiz so. Natürlich stehen noch weitere Länder auf dem Programm. Wir tun Alles für eine gute Erziehung.

    • Eni sagt:

      Prolet

    • Héloise sagt:

      Witzig, Noldi 🙂
      Ich kann auch Frankreich empfehlen. Da lernen die Kinder nicht nur gute Manieren, sondern auch viel übers Geniessen. Vor allem Kids, die mit völlig einseitigen Vorlieben den Speiseplan der ganzen Familie diktieren.

  • Meiname sagt:

    Es sind genauso Erwachsene, die Anstandsregeln brauchen könnten.

  • Altheer sagt:

    sitzenbleiben am tisch hat etwas mit disziplin zu tun aus alten zeiten. zum glück hat sich die gesellschaft weiterentwickelt. heute wissen wir dass anstand, respekt und freundlichkeit vorgelebt werden müssen. diese tugenden müssen aus dem innersten der kinder kommen. quasi weil sie es nicht anders kennen. erzwungenes verhalten führt nur zu rebellion.

    • Sportpapi sagt:

      Eine Frage nur dazu: Ist denn das heutige „Wissen“ erfolgreicher? Also sind die heutigen Kinder, und vor allem die späteren Erwachsenen anständiger, respektvoller und freundlicher als „wir“ (oder unsere Eltern) früher?

  • Christian Duerig sagt:

    Gönnen Sie sich „Anne Of Green Gables“. Es ist eine der besten Erziehungsnovellen. Megan Follows, in der Hauptrolle als „Anne with an E“, leistet Schauspielkunst vom Feinsten. Informieren Sie sich via Google und You Tube über: 1. Lucy Maud Montgomery,
    2. Megan Follows und 3. Anne Of Green Gables.
    Leider ist die deutsche Synchronisation sehr schlecht. Die deutsche Sprache ist viel zu rüpelhaft für die sensible Sprach von Lucy.
    Schweizerfilme über gute Manieren kenne ich keinen.
    Viel Erfolg mit „Anne with an E“. Crigs

  • Hedy CAHEN sagt:

    Es geht doch heutzutage nur um die fehlenden Vorbilder, erziehen ist mühsam, denn als Eltern sind sie gefordert! Nun was wenn diese das auch nie gelernt haben?
    Grosse Kinder Gespräche sind am Tisch sicher nicht erwünscht, denn dann stellt sich die Situation des offenen Mundes samt Innhalt dar. Es gibt genügend Gelegenheit, dies später noch nach zu holen, ist eine Sache der Organisation!

    • Eni sagt:

      Ich erziehe meine Kinder nicht, ich lebe ihnen Werte vor. Erziehung ist zwecklos, wenn man den Kindern ein schlechtes Vorbild ist.

  • Anja sagt:

    Toller Artikel, was ich aber sehr vermisse: Kinder, macht euren Mund beim Essen zu! DAS finde ich absolut nicht zuviel verlangt. Ich finde es schlimm, wenn sowohl Eltern als auch Kinder mit offenem Mund kauen. Die meisten Eltern scheint es nicht zu stören, dass ihre Kinder wie Kühe mit offenem Mund essen. Warum nur? Glauben sie, sie lassen es irgendwann von alleine? Oder ist es ihnen wirklich egal?

    Aufstehen vom Tisch, Mühe mit dem Messer… alles halb so wild. Aber mit offenem Mund kauen geht gar nicht!

    • Georg sagt:

      Viele Eltern „stört“ eben der „irre, grosse, mega, riesiige Aufwand“, ihrem Nachwuchs etwas beizubringen. Was denken Sie, was man so alles erlebt: Steine auf Schwäne werfen, mit offenem Mund (fr)essen, mit den Schuhen auf dem Tramsitz stehen, Esswaren im Laden betatschen, mit dem Stecken an Autos entlang reiben, mit offenem Maul in die Gegend husten und niesen, im Konzert rumlatschen usw. etc. usf. – und die Alten sagen nichts, weil es ja Widerstand geben könnte. Und wenn dann die Goofen mal eins aufs Dach bekommen (vom Schwan…), jammern sie, wie kinderfeindlich die Welt sei…

      • Marco sagt:

        @Georg, ich nehme mal an Sie haben als Kind ja nie irgend etwas so gemacht, oder? ;-). Was für eine langweilige Kindheit….

      • Yvette sagt:

        Marco, wer lesen – und denken – kann, ist im Vorteil. Georg redet nicht über die Kinder, sondern über deren Eltern, die zu faul und zu rücksichtslos sind, sie zu erziehen. Lesen Sie den Text nochmals.

      • Georg sagt:

        Nein, mein lieber Marco, die oben erwähnten Aktivitäten habe ich nicht entfaltet, weil mir meine Eltern und Lehrer gezeigt haben, dass man Mitmenschen nicht stört, Tiere nicht quält und Sachen nicht beschädigt. Und ich hatte absolut keine langweilige Kindheit und viel erlebt und gelernt. Des weiteren hat Yvette Recht: Ich habe mich nicht über die Kinder geäussert, die es ja nicht besser wissen können, sondern über deren Eltern. Also vielleicht auch über Sie, wer weiss. Wenn das so ist, überlegen Sie bitte mal, ob es die Kindheit bereichert, Schwäne mit Steinen zu bewerfen… Danke.

  • Joerg Hanspeter sagt:

    @13: Ich lese das zwar immer wieder, verstehen kann ich es trotzdem noch nicht. „Gemeinsam Regeln festlegen“ klingt so modern und partnerschaftlich. Wie läuft denn das wenn man sich nicht einigen kann, haben Sie dann den Stichentscheid? „Auf Augenhöhe“ klingt auch so fortschrittlich, ich kann mit einem kleinen Kind nicht auf Augenhöhe diskutiert, schon gar nicht über die Gefährlichkeit des Fleischmessers oder der heissen Herdplatten. Kinder jeden Alters können sich übrigens in Geduld üben, einfach ein bisschen abgestuft nach Alter.

    • hermann sagt:

      Stimmt genau. Ich bin nicht imstande, mit meinem 6 Jaherigen ein vernuenftiges Gespraech zu fuehren, wie zB iss dein Gemuese, es tut dir gut. Hoer auf deinen Bruder zu ginggen, er mag das nicht, oder mach nicht so ein Gesicht, ich habe die Fischstaebli extra so schwarz gemacht….

  • sonja sagt:

    Nun das Problem ist doch, dass die Kinder keine Vorbilder haben. Da können schon der Vater und die Mutter nicht mehr richtig mit dem Besteck umgehen. Sitzen am Tisch mit aufgestellten Ellenbogen, vermanschen das Essen und schaufeln es rein. Das Messer kommt weniger zum Einsatz als die Finger, um den Rest noch auf die Gabel zu schieben.

  • Widerspenstige sagt:

    Kinder lernen schnell von ihren Vorbildern, die am selben Tisch sitzen. Das war bei uns selbstverständlich, dass die Kinder am Tisch bleiben, weil sie sich ja daran gewöhnen sollen, auch auswärts bei Verwandtenbesuchen oder im Restaurant einigermassen anständig zu verhalten. Wer das zuhause nicht frühzeitig mitbekommt, lernt es sehr mühsam später. Es geht ja nicht um ein Strammsitzen, sondern um Kommunikation während dem Familienessen. Hier findet das soziale Leben intensiv statt und es dauert ja nur so eine halbe Stunde pro Tag. Kann ja auf das Abendessen verlegt werden, mittags lockerer.

    • Jeanette Kuster sagt:

      Nun ja, bei uns ist es nicht so, dass die Kinder nach drei Minuten schon wieder vom Tisch wegrennen. Sie essen schon richtig und wir führen selbstverständlich auch Gespräche während der Mahlzeit. Es geht mir vielmehr darum, dass sie nach dem Essen nicht künstlich lange sitzenbleiben müssen, nur weil die Erwachsenen (z.B. wenn Besuch da ist) noch eine halbe Stunde weiteressen.

      • Anna Halter sagt:

        Ich denke es gilt bezüglich dieser „Sitzbenbleiben-Geschichte“ halt schon etwas zu unterscheiden: wie Jeanette Kuster sagt finde ich es ebenfalls nicht zumutbar für (mindestens kleine) Kinder bei Besuch ewigs am Tisch zu bleiben. Ich glaube jedoch auch, wie Frau Widerspenstige, dass es doch einen sinnvollen Grund gibt im Alltag am Tisch zu bleiben bis alle gegessen haben, genau weil es halt auch was mit Respekt zu tun hat und „Essen“ nicht zum notwendigen kurzen Übel macht. Bedingt aber, dass man die Kinder ins Gespräch mit einbezieht. Unsere Tochter ist 3 Jahre alt und das klappt wunderbar.

    • Widerspenstige sagt:

      Das habe ich eigentlich auch so gelesen im Artikel von Ihnen. Es kommt sehr darauf an, ob es eine strikte Regel bei Familie X ist, die wenig Spielraum zulässt oder ob es sich lockern lässt je nach Situation. Und natürlich altersmässig angepasst bzw. angezogen. Unsere drei Kinder wurden ja schon früh fremdbetreut durch Tagesmütter, Kindermädchen und Nannies je nach Alter und auch finanziellen Mögliclhkeiten. Das war sicherlich sehr hilfreich für die älteren zwei Kinder. Der Jüngste wurde nur die ersten zwei Jahre fremdbetreut und ist eindeutig der Unangepasste.

      Guets Neus Ihnen! 😀

      • Jeanette Kuster sagt:

        Danke, Ihnen auch ein glückliches neues Jahr.

      • Widerspenstige sagt:

        Dankeschön. Ich denke, wir können es brauchen, wenn ich so einige Kommentare hier wieder lese 🙄

      • Sportpapi sagt:

        Ich hoffe ja, dass wir bei unseren Kindern mindestens genauso gut erziehen können wie irgendwelche wechselnde Fremdbetreuungen. Mich erinnert das an die Eltern, die ihre Kinder in der Schule erziehen lassen.

  • Jasi sagt:

    Für mich ist Essen nicht lediglich Nahrungsaufnahme, sondern immer auch ein kleiner „Event“. Die Gespräche zwischen Gross und Klein sind eine Bereicherung und deshalb befremdet es mich, wenn Kinder von Bekannten oder Verwandten aufstehen, kaum haben sie den letzten Happen in den Mund gesteckt. Dabei soll es nicht eine Qual sein, am Familientisch zu sitzen, sondern Spass machen, sich auszutauschen, seine Sorgen und Freuden zu teilen und sich wenn möglich auch noch gesund zu ernähren.

    • Dani sagt:

      Das erzählen sie mal einem unter 6/7-jährigen. Aber ich bin sicher, dass sich ihre Kinder im Altern von 0-7 Jahren gern am Tisch austauschen und die Sorgen und Freuden teilen.

  • Georg sagt:

    Im Grunde genommen kann man auf dem Boden hocken, den anderen das Essen wegschnappen, furzen und mit den Händen den Mund vollstopfen. Oder aufrecht bei Tische sitzen und mit Messer und Gabel essen. Wichtig ist, dass man seine Goofen so erzieht, dass sie merken, wo man mit Messer und Gabel isst und wo man bei Tische rülpst, wie man niemanden beleidigt und wie man sich – wenn man das will – in eine Gesellschaft einfügt. Braucht etwas Intelligenz und Ausdauer, diese Erziehungsaufgabe, ist aber zu schaffen.

  • Bettina sagt:

    Statt solche veralteten Regeln rauszukramen, lieber dafür sorgen dass man die 45min beim Essen mal ohne Handy auskommt (und ohne Kopfhörer etc.).

    Bei mir zuhause gibt es nur eine Regel am Tisch: Es wird nicht über Politik gequatscht, da das nur den Appetit verdirbt. Diese Diskussionen lieber auf nach dem Essen verschieben, und nach dem Essen sitzen die zusammen die noch zusammensitzen wollen.

    • Sportpapi sagt:

      Tolle Regel. Wo, wenn nicht beim Essen, soll denn Politik diskutiert werden? Oder wollen Sie einfach nicht mit so „banalem“ Zeugs belästigt werden? Worüber darf man dann reden? Über das Wetter?

  • Bettina sagt:

    Veraltete Regeln, modernere würden mehr Sinn machen. Beispiel:
    Die Eltern meines Freundes haben noch sehr althergebrachte Regeln:
    1. Alle sitzen am Tisch während Mutti in der Küche rumfuhrwerkt.
    2. Das Essen kommt, der Vater schöpft zuerst, dann die Mutter, dann die Kinder (und ich)
    3. Warten, bis der Vater „Guten Appetit“ sagt, vorher keinesfalls mit Essen anfangen
    4. Sitzen bleiben bis alle (vor allem der Vater) fertig ist, auch mit dem Kaffee nach dem Essen.

    Dafür telefoniert der Patriarch aber während dem Essen ständig oder checkt Mails auf dem Smartphone. Ein No-Go in der heutigen Zeit

    • Urs sagt:

      Different families – different rules.
      Liebe Bettina, sie haben wohl einen Knorz mit den Männern, den lösen sie aber nicht bei den Benimmregeln mit den Kindern. Sind die Frauen /Mütter nicht auch beteiligt an den geltenden Regeln? Auch solches gibt’s (in der Familie meiner alleinerziehenden Freundin): Die Mutter kocht, die Herren Söhne (19 bis 30 Jahre alt!) sitzen am Tisch und warten bis die Mutter jedem seinen Teller serviert, und wer räumt den Tisch darnach wohl? Wer schon die Küche schmutzig gemacht hat, versteht sich wohl! Und übrigens, wer zappt hier wohl beim Essen auf den Gadgets herum?

      • alien sagt:

        Lieber Urs, Sie haben wohl einen Knorz mit den Frauen. Bettina hat hier Leute gezeigt mit altmodischen und unfairen Regeln (der „Patriarch“ darf alles, was er will, die anderen haben sich zu fügen). Das mit dem Putzen versteht sich übrigens gar nicht „wohl“. Die Köchin hat die Küche im Auftrag der Familie schmutzig gemacht. Da ist es nicht unlogisch, wenn sich diese am Aufräumen beteiligt.

      • Urs sagt:

        Gehe doch mit Ihnen, Alien, einig. War ja „wohl“ so gemeint! Meine Aussage wollte sein, dass die Mütter sich das alles so mit sich geschehen lassen. Aber ich verstehe die Mütter ja so gut, dass es dann eben doch so rauskommt, ich, als alleinerziehender Vater.

    • Widerspenstige sagt:

      Oha Bettina, das könnte sich vielleicht bald auf Deinen Freund übertragen oder wie sieht er denn dieses Patriarchatsgetue? Da würde ich mit Vergnügen am Tisch sitzen und meine eigenen Regeln durchziehen. Wäre interessant zu sehen, wie sich die Essenszeiten kreativer gestalten dürften… 😆

      • Carl sagt:

        Madame, wissen Sie, was Sie am Tisch einer fremden Familie als Gast zu melden haben? Nichts. Sie können sich erheben und gehen oder zukünftige Einladungen ausschlagen. Ich heisse das Getippe des Hausherrn nicht gut, aber Ihr „Eingriff“ wäre nicht besser.

      • Widerspenstige sagt:

        Carl, nehmen Sie immer alles so wörtlich und abstrahieren Gesagtes nicht entsprechend der geschilderten Situation? Aber ich übe Nachsicht und erhebe mein Zepter nicht gegen Sie heute am Dreikönigstag. 😉

      • Sportpapi sagt:

        Wie anders als wörtlich soll man denn deine Bemerkungen verstehen, WS? Wobei ich die Vorgehensweise ja nicht einmal grundsätzlich ablehne.

  • Eni sagt:

    Kinder brauchen keinen Knigge, sondern gute Vorbilder die ihnen Werte und Anstand vorleben. Auch können Kinder nicht ab einem bestimmten Alter mit Besteck essen, das ist einfach individuell. Bei meinem Grossen war von Anfang an ein Esslatz fast überflüssig, da er nicht kleckerte und sich auch im Gesicht nicht einsaute. Der 11 jährige war von klein auf ein Ferkelchen, da konnte es schon mal passieren, dass der Hund mit Nudeln „geschmückt“ herumlief. Da er hirnverletzt ist, zittern seine Hände und er muss oft nach dem Mittagessen wieder frische Kleider anziehen.

    • Eni sagt:

      Das hat aber nichts mit Anstand zu tun, sondern weil es halt schwierig ist für ihn nicht zu sauen. Bis vor ca 1 Jahr war es alltäglich, dass er sein Glas umgestossen hat, heute nur noch selten. Schimpfen möchte ich nicht, weil er es ja nicht extra macht.

      • Georg sagt:

        Entschudligen Sie, wir reden ja nicht von Menschen, die etwas kaum können, weil sie krank oder behindert sind. Wir reden von verantwortungslosen, schlampigen, faulen Eltern, die ihre Kinder nicht erziehen, weil sie eben verantwortungslos, schlampig, faul sind. Dazu gehören Sie offenbar nicht. Weiterhin viel Erfolg.

      • Eni sagt:

        Ich wollte nur darauf hinweisen, dass nicht alle Kinder im gleichen Alter beginnen schön zu essen. Mein 11 jähriger war von klein auf ein Ferkelchen, den Unfall hatte er mit 4 J 8 Mt, er hat aber auch vorher schon viel gekleckert und es hat sich durch den Unfall erschwert, schön zu essen.

  • Rainer Schmuck sagt:

    Bei uns dürfen die Kinder (zwei und vier Jahre alt) aufstehen wenn sie fertig mit dem Essen sind. Wenn sie den Tisch verlassen haben gibt es konsequent nichts mehr. Und genauso konsequent bleiben Mami und Papi sitzen bis alle fertig sind, d.h. wenn eine der Kleinen früher geht, muss sie alleine spielen und kann nicht mit Papi rumalbern. Manchmal kommt sie dann doch zurück zum Tisch.

    • Marco sagt:

      Finde ich richtig so und handhabe ich gleich. Wenn ein Kind mit dem Essen fertig ist, dann kann es vom Tisch. Interessant ist, dass mein Jüngerer dann meistens noch sehr langsam und gemütlich fertig isst. Natürlich gibt es manmal Situationen, wenn der Ältere aufsteht, dass der Kleine dann auch sagt, ich bin fertig. Aber dann gibt es konsequenterweise auch nichts mehr bis zum Zvieri bzw. Zmorge.

      Man sollte nicht allen Konflikten mit den Kindern aus dem Weg geben. Aber ein Kind zu zwingen am Tisch zu bleiben wenn es fertg ist, das ist mir dann doch definitiv zu blöd.

      • Sportpapi sagt:

        @Marco: Für mich ist das: dem Konflikt aus dem Weg gehen. Sie stehen doch auch nicht einfach auf, wenn Sie fertig sind. Weshalb sollen das Ihre Kinder nicht auch lernen?

      • Marco sagt:

        @Sportpapi
        Nein, ist es aus meiner Sicht nicht. Einen Konflikt aus dem Weg gehen bezüglich Kindern ist aus meiner Optik, wenn mich etwas bei meinen Jungs stört ich aber nichts dageben mache, weil ich den einfacheren Weg gehe. Meine Jungs erfahren durchaus Konsequenzen wenn mich etwas stört. Auch wenn ich dann 15 Min. ein Geschrei anhören muss.

        Würde mich meine Jungs zwingen am Tisch zu bleiben wäre es für mich einfach ein kindisches Machtspiel. Darauf lasse ich mich nicht ein bzw. sehe keinen Sinn darin. Man isst am Tisch und sitzt zusammen, aber wenn ein Kind fertig ist darf es gehen.

      • Sportpapi sagt:

        Noch einmal, Marco: Weshalb bleiben Sie selber sitzen? Weshalb Ihre Frau? Weshalb möchten Sie das Ihren Kindern nicht zumuten, früher oder später, altersgerecht? Ist es nicht so, dass Sie die Abwesenheit Ihrer Kinder am Tisch schlicht weniger nervt als ihre Genörgel, wenn sie bleiben müssten?

      • 13 sagt:

        @ Marco
        Meine Frage wäre eher: wann wird gekocht? Wenn die Uhr 12.00 schlägt? Wenn die Grossen Hunger haben? Oder wenn man zusammen entschieden hat, dass es Zeit für eine Mahlzeit ist? Wir handhaben es, wenn immer möglich nach der dritten Möglichkeit und ich habe festgestellt, dass das dann auch diese Mahlzeiten sind, wo die Kinder gut essen und nicht zwischen den Mahlzeiten etwas verlangen. Wenn man es aber streng nach der Uhr handhabt, finde ich es falsch, wenn es heisst, es gibt bis zur nächsten nichts. Kinder sollen auf ihren eigenen Hunger hören lernen und nicht aus Angst vor Hunger essen

      • michael sagt:

        @sportpapi – maro hat recht, wenn kinder aufgegessen haben ist das mittag vorüber, warum soll man dann noch am tisch sitzen ? erwachsene können diesem zustand etwas abgewinnen, kinder nicht.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Ich nehme an, es wird dann auch gemeinsam entschieden, was gegessen wird?

      • Sportpapi sagt:

        @Michael: Man ist nicht an einem Tag Kind, am nächsten erwachsen. Da gibt es einen Weg dazwischen. Deshalb habe ich von lernen gesprochen. Weshalb sollen Kinder beim Essen sitzenbleiben? Weshalb sollen sie überhaupt zeitgleich essen? Weshalb das, was aufgetischt wird, und nicht, was sie Lust haben? Und später: weshalb sollen sie im Kindergarten, der Schule bleiben, wenn die Aufgaben wenn sie keine Lust mehr haben, wenn sie fertig sind?
        Aber konkret: Meine drei Kinder dürfen auch frühzeitig vom Tisch. Wenn sie gefragt haben und wir es angemessen finden. Den Kaffee trinken wir dann auch in Ruhe.

      • 13 sagt:

        @ Sportpapi
        Jein. Es muss für alle stimmen, aber wir probieren auch gerne mal was neues aus. Die Kinder haben ein Mitspracherecht, aber Schokolade zum Mittagessen gibt es nicht;-) Wenn aber jemand etwas nicht mag, wird stets geschaut, dass es auch noch ein Alternative gibt bzw. darf Sachen ausgelassen und etwas anderes nehmen. Und unser Lieblingsessen: jeder nimmt eine Sache aus dem Kühlschrank, die ihn gerade am meisten anmacht und dann wird aus diesen vier Nahrungsmitteln ein Essen gezaubert. Das gab schon die besten Kreationen;-)

      • Marco sagt:

        @Sportpapi
        Also, muss ich mich nun wirklich rechtfertigen wieso ich am Tisch bleibe? 🙂
        Natürlich haben Sie TEILWEISE Recht und ich habe keine Lust das Genörgel am Tisch zu hören. Aber mich nervt hingegen die Abwesenheit der Kinder nicht wenn sie fertig sind. Es ist für mich okay!
        Und wie gesagt, ich erziehe meine Kinder konsequent aber führe keine Machtkämpfe mit Ihnen. Wenn mein Sohn die Jacke A anziehen will obwohl die Jacke B passender wäre (Kälte/Regen), dann soll er die Jacke A anziehen. Er wird schon seine Erfahrungen machen.
        Natürlich gehe ich nicht mit der Sommerjacke Skifahren.

      • Marco sagt:

        @13
        Wir essen, wenn wir drei Hunger haben. In der Regel frage ich meine zwei Jungs ob sie schon Hunger haben und ich etwas machen soll. Gerade in der Ferienzeit gibt es in der Regel keinen fixen Rhythmus.

      • 13 sagt:

        @ Marco
        Sehr gut;-) Ihr Einstellung gefällt mir. Betreffend der Jacke und des Essens!

      • Sportpapi sagt:

        Ich glaube nicht einmal, dass wir da zu weit auseinander sind. In den Ferien schon gar nicht 🙂
        Das Problem bei uns ist aber, dass sich die drei Jungs sehr stark gegenseitig beeinflussen (und dann sind auch häufig noch Freunde da). Wenn einer aufspringt, wollen alle weg. Wenn einer ein Joghurt holt, legen die anderen ihr angebissenes Brot weg und holen auch eins, etc. Es braucht also schon ein bisschen Regeln und Einflussnahme.

      • Sportpapi sagt:

        Und noch zur Jacke – wenn meine Jungs könnten, wie sie wollten, wären sie praktisch immer (mindestens) oben ohne unterwegs. Manchmal möchte ich das nicht…

  • fuchris sagt:

    Unsere Kinder essen auch unterschiedlich schnell. Aber Dessert gibt es nur, wenn der erste Teller (Grösse der Portion darf selbst bestimmt werden) ausgegessen worden ist – und erst, sobald auch das andere Kind fertig ist mit essen (auch wenn es bei jenem noch eine 2. oder 3. Portion geschöpft wird) und wenn Hände und Mund sauber sind.

  • Karla sagt:

    Man muss Kinder nur eine halbe Stunde bei sich haben, dann weiss man wie es zu Hause zu und her geht….

  • Mara-Tiziana sagt:

    Unser Kind hat eine Tagesmami, die in der Küche am Boden sitz und mit den Händen ist. Als ich das zum ersten mal gesehen habe musste ich leer Schlucken. Ich wollte nicht Unhöflich sein. Es ist ihre Kultur., die ist Tamilin. Sie weis sehr wohl was sich in der Westlichen Welt gehört. Ihre zwei Kinder sind wohl erzogen und können problemlos mit Messer und Gabel umgehen. Aber auch sauber mit einer Hand essen, was mir noch nie gelang. Kinder können sehr wohl unterscheiden. Respekt gegenüber dem anderen ist das Wichtigste was meiner Meinung nach ein Kind lernen muss. Mara-Tiziana

  • Georg sagt:

    Eine „Frage poppt auf“?! Frau Kuster, Sie werden nicht moderner oder lässiger, wenn Sie solche Begriffe verwenden. EIne Frage stellt sich.

  • Georg sagt:

    Es ist ein Jammer und es ist eine Bankrotterklärung für die Eltern, dass und wenn Kinder in den „Kniggekurs“ müssen. Hier geht es ja nicht darum, dass KInder aus fremden Kulturkreisen rasch lernen müssen, wie man hierzulande Grüezi sagt, hier geht es darum, dass Kinder, die hier aufwachsen, von ihren Eltern oder anderen Erziehungsverpflichteten nicht mitbekommen, wie man sich anständig zu Tische setzt und nicht frisst wie ein ausgehungertes Schwein.

  • Chris R. sagt:

    Tischmanieren kann man auf verschiedene Arten üben, jeweils altersgerecht, versteht sich. Das selbe gilt für alle anderen Benimmregeln. Das Wichtigste überhaupt ist jedoch DASS Kinder/Jugendliche das lernen. Wie in allen Erziehungsfragen geht es schlussendlich nicht darum, was wir als Eltern persönlich gut finden, sondern dass sich unsere Jungen möglichst „schmerzfrei“ in der Gesellschaft bewegen können. Dazu gehören eben auch ältere Zöpfe, gerade wenn es später um allgemein gültige Verhaltensregeln im Berufsleben geht. Denn auch hier gilt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr…

  • Bernhard sagt:

    Das finde ich ein super Thema! Vor allem, weil sich hier die Geister stark scheiden! Gala-Dinner-Manieren finde ich persönlich total übertrieben. Da fühle ich mich selbst als Erwachsener sehr unwohl dabei. Basics dagegen (mit Besteck essen, nicht mit vollem Mund kauen, nicht rülpsen, nicht mit allzu vollem Mund sprechen etc.) finde ich schon zentral.

    Was das Aufstehen nach dem Essen anbelangt, bin ich etwas unschlüssig. Ich lernte als Teenager, dass man sich sogar erst an den Tisch setzt, wenn dies das Tischoberhaupt tut. Und mit dem Aufstehen war’s genau so. DAS finde ich übertrieben!

    • Bernhard sagt:

      Im Moment handhaben wir es so, wie Frau Kuster dies praktiziert. Aber ich frage mich schon, wann wir unserem Kind diese Freiheit nicht mehr gewähren wollen. Denn ich stelle mir immer vor, wie es wäre, wenn auch meine Partnerin (oder später mein Kind bei ihrem Partner) nach ein paar Minuten einfach aufsteht und davon zieht…Logische Konsequenz: Irgendwann MUSS dieser Schritt gemacht werden und es muss gewartet werden, bis alle in irgend einer Form fertig sind. Aber wann? Für sachdienliche Hinweise bin ich sehr dankbar! 🙂

    • Bernhard sagt:

      Oben wollte ich natürlich schreiben „nicht mit OFFENEM Mund kauen“. Das andere macht wenig Sinn… 😉

  • B.G. sagt:

    Es kommt viel weniger auf die „Regeln“ an, als dass Kinder (und leider auch Erwachsene) lernen, einander Repekt und Achtung entgegen zu bringen. Es stimmt immer noch, dass man im Kindesalter lernen muss, was man als Erwachsener können sollte. Das betrifft nicht einen Regel-Katalog, aber Werte und Umgangsformen, die das Leben miteinander vereinfachen und lebenswert machen.
    Am Tisch lebt die Familie ein Stück weit solche Verhaltensnormen aus. Schade, wenn das Kind nicht lernt, dass man eigene Bedürfnisse auch mal zurückstecken muss, um des Gemeinwohl willens.
    Alles mit gesundem Menschenverstand.

  • pixel sagt:

    (french children don’t through food)

    http://goo.gl/ZJftV3

  • hermann sagt:

    Bei uns wird gegenseitiger Respekt beim Nachtessen geuebt und verlangt. Kein Kind kann ohne Erlaubnis den Tisch verlassen. Man beginnt zusammen und man ist fertig, wenn alle fertig gegessen haben. Das gibt ab und zu ein Theater, aber es ist das wert. Dies ist die einzige Zeit, wo alle fuereinander Zeit haben, und alle erzaehlen, wie der Tag war. Zuhoeren und angehoert werden sind wichtige Tugenden. Und gegenseitiger Respekt kommt nicht einfach so, der will geuebt sein.

  • Stella sagt:

    Meine essen wie die Ferkel, alles ermahnen nützt nichts. Essen mit der Gabel? Das muss jedesmal von neuem gesagt werden, ruhig sitzten? Das wir jedesmal von neuem buchstabiert. Ich esse mit Gabel und Messer ohne mich zu bekleckern! Aber wenn wir zu Besuch sind, staune ich und die Grossmutter, welche sie ja auch ab und an miterlebt, es klappt, sie könnens.Ich spreche da nicht von kleinen Kindern! Mein Tageskind welches ich vor 2 Jahren hatte, kommt ab und zu zu Besuch. Jedesmal sagt sie: ach ja hier ist man mit der Gabel links und dem Messer rechts! Sie machts nur bei mir. Verkehrte Welt;)

  • Lia sagt:

    meine 3 und 4jährigen können beide, so gut es eben geht, mit dem Messer umgehen. Klar geht da mal ein Stück neben den Teller, aber meine Güte, was erwarten wir denn von Kindern, welche Feinmotorik noch erlernen müssen? Oder geht es darum, dass der Züriberg-Nachwuchs die diversen Arten von Gabeln und deren Reihenfolge beim Gala-Diner kennen lernt? Beim Thema Teenie-Manieren übrigens möchte ich betonen, dass es in 6 von 10 Fällen immer Teenies waren, die mir in Tram/Bus Hilfe mit dem KiWa angeboten haben – die anderen 4 waren ausländische Männer.

  • Christian Duerig sagt:

    Ich hatte die Gelegenheit in Berwick, Victoria, Australien, an einer Eliteschule zu unterrichten. Knigge war die natürlichiste Sache der Welt. Die Jungen wurden Gentlemen und die Mädchen Ladies. Jane Austen schien gegenwärtig wie eh und je. Die Schuluniform half mit, die grossen Klassenunterschiede auszublenden. Mit guten Knigge schafften es die „armen“ bis in die High Society.
    Es ist überraschend, dass an Privatschulen viel mehr auf gute Umgangsformen geachtet wird als an öffentlichen Schulen.
    Gute Manieren sind nie ein Hindernis ! BBC Masterpieces zeigt worauf es ankommt.

  • Peter Knorr sagt:

    Ist es nicht wichtig, dass die Kinder zusammen am Tisch sitzen und mal eine halbe Stunde zusammen komunizieren als sich irgendwelchen Spielswachen widmen? Nur so erfährt man was die Kinder beschäftigt oder kann zusammen lachen. Unsere Tochter sitzt immer mit uns am Tisch.

    • 13 sagt:

      Wenn es ein Muss ist, bringt das aber auch nicht sehr viel. Wir diskutieren dann mit unseren Kindern, wenn es sich gerade ergibt. Am Abend im Bett, morgens vor dem aufstehen, beim anziehen, Haare bürsten, auf dem Weg ins Migros etc. Wenn gerade das Bedürfnis zu sprechen aufkommt, macht es doch viel mehr Spass, als wenn es am Tisch sein muss. Zudem finde ich, dass gerade schwere und vielleicht unangenehme Gespräche nicht beim Essen sein müssen. Essen soll Freude machen.

  • TheSwissMiss sagt:

    Der beste Knigge Kurs für jedes Kind ist sicherlich immer noch ein gutes Vorbild der Eltern. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich den Kindern irgendwie Tischmanieren beibringen musste – das lief irgendwie alles ganz natürlich ab. Erst als wir vor einem Jahr einen Küchentisch mit Eckbank bekamen, musste ich des öfteren daran erinnern, dass sich die Kinder anständig hinsetzen – die Beine hochlegen geht eben auf einer Bank einfacher als auf einem Stuhl. Das mit dem Sitzenbleiben finde ich auch irgendwie doof. Meine Kinder fragen einfach ob sie aufstehen dürfen und räumen dann ihren Teller ab.

    • michael sagt:

      stimme dem voll und ganz zu ! war bei uns zu hause ähnlich. meine eltern sassen nie luschig bei tisch oder fummelten mit den fingern im essen rum. zudem kann ich mich nicht erinnern, wie ich gelernt habe zu fragen, ob ich aufstehen könnte. aber mal war es mein bruder mal war ich es, der zuerst fertig wurde. und wer aufgestanden ist wusste genau, das essen war beendet und bis zu nächsten mahlzeit gab’s nichts. wer das seinen kindern vorlebt, der benötigt keine benimmschule.

  • Stefan W: sagt:

    Über das Thema „Am Tisch sitzen bleiben“ würde ich von Ihnen gern noch einmal in drei, vier Jahren lesen 😉
    Lustig ist vor allem, wenn der Ältere fertig ist und aufspringt, um lustige Dinge zu tun, während der Kleinere dann erst drei Bissen gehabt hat, aber natürlich sofort ebenfalls aufspringt. Nach zwei Stunden haben dann beide wieder schrecklich Hunger, vor allem auf etwas Süsses….
    Bei uns ist deshalb die Regel, dass alle drei Kinder sitzen bleiben, bis alle drei Kinder fertig sind. Auf die Erwachsenen müssen sie nicht warten.

    • KT sagt:

      Hihi, Stefan W., Sie sprechen mir aus dem Herzen! Genau das habe ich auch gedacht – warten Sie mal, liebe Blogschreiberin, bis die lieben Kleinen älter sind, und Sie werden gottenfroh sein, wenn Sie ihnen das Sitzenbleiben VORHER beigebracht haben. Ab Schuleintritt wird das Essen nämlich sons ein „wer-ist-schneller-fertig-und-kriegt-deshalb-am-meisten-Lego“-Wettbewerb. Wenn die Kinder ganz altmodisch Tischgemeinschaft vorher nicht gelernt haben, ist es dann garantiert zu spät 😉 Bei uns wird übrigens sitzengeblieben, bis alle einmal Menü und einmal Salat hatten, und das funktioniert bestens.

      • Stefan sagt:

        @Stefan W und KT: Ist es wirklich nötig, immer über die Methoden anderer Eltern zu urteilen? Und dann solche „Wahrheiten“ von sich zu geben, dass die Kinder der Autorin in drei Jahren dann einfach so vom Tisch abhauen? Sie kann ja auch in drei Jahren die Schraube etwas anziehen, falls es nötig ist. Gut erzogene Kinder gehorchen dann auch noch in drei Jahren.
        Immer diese Besserwissereien. Das nervt einfach. Alle Eltern haben doch eine etwas andere Beziehung zu ihren Kindern und können doch selbst herausfinden, wie es am Besten funktioniert.

      • tststs sagt:

        Ich muss mich Stefan W. und KT anschliessen, genau das gemeinsame Mittagessen ist die ideale Gelegenheit um Geduld zu lernen. (Und es geht nicht darum, dass die Bloggerin mal unter ihren Kinder leidet, sondern dass die Kinder selber leiden, nämlich dann, wenn es gar nicht mehr anders geht als stilsitzen: in der Schule).
        Und schlussendlich ging es bei mir immer darum, dass man soviel Anstand und Liebe für die Familie hat, dass man „gerne“ gemeinsam 15 Min (!) am einem Tisch sitzen kann und für alle die gleichen Regeln gelten!

      • karin Keller sagt:

        Danke Stefan!!!! Mir geht diese ewige Besserwisserei auch auf die Nerven, nicht nur bei diesem Thema, aber allgemein in diesem Blog! Vielleicht stützt das Gefühl, für andere Menschen sagen zu können, was richtig ist, einfach das Selbstwertgefühl…! Ach, was solls, andere müssen dafür jahrelang in die Psychotherapie….

      • Stefan W. sagt:

        Entschuldigung Stefan, das war nicht als Besserwisserei gedacht. Der Titel dieses Textes ist eine offene Frage zu einem Thema, zu dem man geteilter Meinung sein kann. Und wenn man auf so eine Frage nicht seine eigene Sicht äussern darf, wann dann? Müsste man dann nicht konsequenterweise die Kommentarspalten ganz schliessen?

        Und es war durchaus ernst gemeint: Ich würde gern in einigen Jahren etwas von der Autorin zu diesem Thema lesen. Nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei anderen Eltern stelle ich fest, dass die Haltung zu bestimmten Themen sich über die Jahre erheblich ändern kann.

      • Sportpapi sagt:

        @Stefan: JK schreibt: „Wenn ich diese «sitzen bleiben»-Tischregel in anderen Familien miterleben muss, habe ich stets den Eindruck, man wolle sie bloss deswegen durchziehen, weil man das halt so macht, sprich früher so gemacht hat und es sich so gehört. Wem das Machtspielchen etwas bringt, überlegen sich die Eltern meist gar nicht.“ Und Sie wundern sich über die Antwort darauf, die eben genauso beurteilend, besser wissend ist? Darum geht es doch. Ums Urteilen und Meinungen austauschen.

      • Stefan sagt:

        @Stefan W: Natürlich können sie anderer Meinung sein. Dann schreiben sie aber bitte auch etwas wie „aus meiner Erfahrung“ oder „Bei uns“ oder „Meiner Ansicht nach…“.
        So wie sie es geschrieben haben unterstellen sie der Autorin wirklich, sie lasse ihre Kinder einfach nach dem Essen springen und gebe ihnen 2h später etwas süsses…

      • Stefan W. sagt:

        @Stefan: Ok, bei nochmaligem Durchlesen sehe ich, dass das tatsächlich so verstanden werden könnte. War aber nicht so gemeint. Ich kenne ja Frau Küster nicht und kann deshalb auch keine Mutmassungen anstellen, wie es bei ihr in einigen Jahren zugehen wird. Es war nur eine etwas überspitzt formulierte „Erwartung“ oder „Befürchtung“, gespiesen aus eigenen Erfahrungen. (Auch diese Begriffe sind eigentlich falsch, ich weiss).

    • Lia sagt:

      mein Ältester isst dermassen langsam, dass der Kleine sicher 20 Minuten, nachdem er fertig gegessen hat, sitzen bleiben müsste. Was soll das bitte bringen, ausser, dass er quengelt und dem Rest der Familie das Essen vermiest? Wenn die Kinder sich ablenken lassen vom Kind, welches schon fertig ist, und dann später Hunger haben, ist das ihr Pech, es gibt nichts mehr. Da gibt sich das „auch-aufstehen-müssen“ ganz von selbst. Àber wenn die Eltern dann halt nicht konsequent sind, bringt es nix.

    • Dario sagt:

      Wir haben 4 Kinder. Alle essenstempi sind vertreten. Eines der Kinder isst so langsam dass wir erwachsenen gelegentlich vor ihm vom Tisch gehen. Und plötzlich geht es schneller voran…
      Kinder können auch vom Tisch ohne dass sie den Hampelmann nebenan machen müssen/dürfen.

    • Sportpapi sagt:

      @Stefan: Da teilen wir die Erfahrung und die Regel daraus.

    • 13 sagt:

      Warum denken manche Eltern, dass die Kinder besser lernen, wenn sie es früher tun? Es gibt auch manche Dinge, die sind schlicht und einfach reifeabhängig. Unsere Kinder sind 5 und 2 und das „sitzen bleiben“ ist ganz klar einseitig: das grosse Kind muss auf das kleinere warten, weil das kleinere sonst davonspringt und auch, weil das Grosse halt schon warten KANN. Das kleinere Kind darf sofort runter, denn es hat einen starken Bewegungsdrang und Geduld lernt es erst. Unfair? Vielleicht, aber es gibt ja auch vieles, was das Grosse darf, weil es eben schon 5 ist. Gebt doch den Kindern Zeit!

      • Georg sagt:

        „Weil das kleinere sonst davonspringt…“ – Aha, springt Ihr Kind einfach davon? Und Sie können nichts tun? Ist das nur bei Tisch so oder auch auf dem Trottoir? Und wenn Sie Enten füttern gehen am See? Am Strassenrand? Na dann…

      • 13 sagt:

        Doch etwas tun könnte ich schon: verbieten, schimpfen, festhalten. Alles Sachen, die für mich nicht zu einer guten Tischatmosphäre beitragen. Im Gegensatz zum Teich oder Strassenverkehr, sehe ich auch den Grund nicht. Es ist noch nicht soweit, sitzen zu bleiben? Ok, es wird es noch lernen. Gleich wie ich mein grosses Kind alleine eine Strasse überqueren lasse, weil es das schon kann, das Kleine muss aber konsequent die Hand geben. Wie gesagt: ich lasse meine Kinder die Reife erlangen, ich zwinge sie nicht dazu.

  • Peche sagt:

    Ich komme aus eine arme holländische Arbeiterfamilie. Die Kleider waren nicht immer ganz ohne Löcher, Ferien ein Fremdwort, aber auf eins hat mein Mutter geschaut : Anstand, Etiquette, Tischmanieren und erst reden die Erwachsene denn die Kinder.
    Das gibt Mann sein Kind fast automatisch weiter, ohne Kurs.
    Grensen setzen heisst das erste Wort, das zweite : Zusammen essen und das letzte : Anstand vorleben!

    • diva sagt:

      genau!

    • 13 sagt:

      Zuerst reden die Erwachsenen, dann die Kinder hat aber nichts mit Anstand, sondern mit Macht und Hierarchie zu tun. Dies gibt es bei uns Gott sei Dank nicht. Unsere Kinder haben Anstand: wir lassen einander ausreden, jeder kommt mal dran und sie halten sich auch kurz zurück, wenn wir Grossen etwas bereden. Gleich wie ich mich zurückhalte, wenn ein Kind seinem Papi vom Tag erzählen will. Anständig ja, aber gleichwertig und auf Augenhöhe! Dann ist nämlich auch Grenzen setzen nicht nötig: gemeinsam Regeln festlegen und vorleben! Das genügt.

      • Michele Holderegger sagt:

        Ein guter Ansatz. Sie werden ihnen bald auf der Nase herum tanzen. Ja, es braucht eine gewisse Hierarchie, die gibt es überall im Leben. Und das ist auch gut so. Und nein, Regeln werden von den Eltern gemacht und nicht gemeinsam, denn die Eltern tragen schlussendlich auch die Verantwortung. Kinder brauchen Regeln und Grenzen. Und da sie einen anderen Entwicklungsstand haben, kann man auch nicht auf Augenhöhe mit Ihnen diskutieren. Was nicht heisst, dass man sie nicht respektiert.

      • 13 sagt:

        Warum denn auf der Nase herumtanzen, wenn ich gar nichts von oben herab vorgebe? Da geht es eben nicht. Die Verantwortung trage ich klar. Aber auch dafür, dass alle zu ihren Rechten kommen und wir gleichberechtigt bleiben. Das Ziel, Kinder gefügsam zu machen, ist leicht erreicht. Dafür zu sorgen, dass eine Familie funktioniert, ohne dass einer über dem anderen steht, ist schon eine Herausforderung. Ich habe es selbst erlebt, denn ich genoss diesen Erziehungsstil und bin heute anständig, selbständig und erfolgreich. Und ich hatte nie das Gefühl, rebellieren zu müssen. Wogegen auch?

  • Thomas Ryser sagt:

    Sorry Korrektur Name..

  • Thomas Rysee sagt:

    Thema: „Am Tisch sitzen bleiben“.
    Unsre Kinder sind drei und vier Jahre alt.
    Eines isst langsam, das andre schnell.
    Somit ergibt es sich, wenn eines feritg ist mit essen, will es vom Tisch, sofort möchte das andere auch vom Tisch und sagt, ich bin fertig! Deshalb müssen unsere Kinder am Tisch bleiben, bis das andere auch ferig gegessen hat.

    • ariane sagt:

      genau, bei uns ist das auch so.
      als das kleine kind 1 war, galt die regel noch nicht. jetzt aber schon, regeln können auch ändern.
      sie müssen aber nicht warten bis wir erwachsenen gegessen haben, sondern bis die kinder fertig sind.
      das gilt auch für besuchskinder. ich finde es sehr ungemütlich, wenn ein kind 5 minuten sitzt und schon wieder aufspringt. auch als geste an den koch.

    • Patrick sagt:

      Ja, ein Grund. Oder wenn man das Gefühl hat, dass der Kleine eigentlich noch Hunger hätte, nun aber von irgendnem Spielzeug weggezogen wird.

      Ansonsten ist’s sinnlos.

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