Zehn Dinge, für die Sie sich nie mehr entschuldigen sollten

(Flickr/Half Chinese)

Der Sorry-Fimmel kann seltsame Blüten treiben: Eine Frau mit dem Spiel «Sorry». (Flickr/Half Chinese)

Entweder Sie lesen das hier oder Sie tuns nicht. Das liegt ganz allein bei Ihnen. Sie sind schliesslich erwachsen. Und rechtfertigen Sie sich bitte nicht für Ihre Entscheidung. «Ich hab es gelesen, weil ich das immer mache, grad Langeweile hatte, nicht wusste, wie man den Computer ausschaltet, von meiner Freundin oder der Dentalhygienikerin darum gebeten wurde.» Vergessens Sies.

Sich ständig für alles zu entschuldigen, ist eine blöde Krankheit. Ich weiss nicht genau, wo sie herkommt, und da ich hier ja öfter mal auf der Genesis rumhacke, will ich das jetzt nicht schon wieder tun. Ich sage also nicht, dass Eva schuld sei und es drum schon recht ist, dass vor allem wir Frauen uns ständig wegen irgendwas schuldig fühlen und den Sorry-Fimmel haben. Sonst müsste ich mich noch dafür entschuldigen, dass ich nicht an das fundamentalistische Schuldzuweisungschristentum glaube. Und das will ich nicht.

Warum auch immer, wir Frauen haben den Hang dazu, uns nonstop zu entschuldigen. Und zwar auch für Dinge, für die wir nichts können und die uns oft nicht mal leidtun. Es geht sogar noch weiter. Wir entschuldigen uns auch für Dinge, die wir tun, weil wir sie tun wollen. Zum Beispiel arbeiten oder mal einen über den Durst trinken. Ich nenne dies die Waagschalen-Entschuldigungen: Wenn wir die Waagschale auf der «Wollen»-Seite so sehr gefüllt haben, dass uns jemand dafür verurteilen könnte, füllen wir die andere schnell mit Sorry-Steinchen auf und meinen, jetzt hätten uns alle wieder gern. Dabei ist schon die Prämisse falsch: Es hat uns eh nie jeder gern.

Besonders verbreitet sind Entschuldigungen bei berufstätigen Müttern, egal ob sie freiwillig arbeiten oder nicht. Die amerikanische Working-Mom Katrina Alcorn hat sogar ein Buch darüber geschrieben. Woher sie die Zeit dafür nahm und wie viele Sorrys sie das gekostet hat, weiss ich allerdings nicht.

Höchste Zeit also, unsere Sorry-Quote drastisch zu senken. Drum hier eine Liste von Dingen, für die Sie sich nie mehr entschuldigen sollten:

  1. Dafür, dass Sie früher von der Arbeit wegmüssen, weil Ihre Kinder Adventssingen haben. Das ist schliesslich kein Vergnügen, sondern ebenfalls Arbeit.
  2. Dafür, dass Sie zugenommen haben (bei Ihrem Mann). Das war wohl kaum Absicht, vermutlich geben Sie sich wie fast alle Frauen täglich Mühe, endlich wieder in Ihre schlanke Jeans reinzupassen. Für so viel erfolgloses Märtyrertum haben Sie tröstende Liebkosungen verdient.
  3. Dafür, dass Sie abgenommen haben (bei Ihren Freundinnen). Sie wollen beneidet werden, aber trotzdem geliebt. Sie glauben doch auch nicht an den Storch, oder?
  4. Dafür, dass Sie für Ihren Besuch «nur was Einfaches» gekocht haben. Der soll Sie auf keinen Fall für knausrig halten, aber dennoch denken, dass bei Ihnen normalerweise nur Edles auf den Tisch kommt.
  5. Dafür, dass Sie am Abend ausgehen (bei Ihren Kindern). Keiner zwingt Sie dazu, also stehen Sie selber grad dafür, statt die Kinder um Absolution zu bitten.
  6. Dafür, dass Sie bei den Kindern bleiben und den Ausgang absagen (bei Ihrem Mann und Ihren Freunden). Entweder tun Sie es freiwillig und geniessen es oder die Kinder brauchen Sie wirklich. Und dafür muss man sich ja wohl als Allerletztes entschuldigen.
  7. Dafür, dass Ihr Kind am Morgen allein aus dem Haus muss. Es kann das und Ihre Entschuldigungen machen es höchstens schlimmer.
  8. Dafür, dass Sie grad keinen Sex wollen. Entweder Sie wollen oder Sie wollen nicht. Wenn es Ihnen wirklich leid tut, können Sie ja trotzdem mal anfangen. Meist macht es dann eh Spass.
  9. Dafür, dass Sie Sex wollen. Das wär ja noch schöner.
  10. Dafür, dass Ihre Wohnung nicht perfekt aufgeräumt ist. Das Puff haben Sie ja vermutlich nicht allein veranstaltet und wenn es Sie wirklich so sehr stören würde, würden Sie entweder manisch aufräumen oder einfach niemandem die Türe aufmachen.

Natürlich gibt es noch ein paar wenige Fälle, in denen Sie sich weiterhin entschuldigen dürfen: Zum Beispiel wenn Sie jemandem Ihren Einkaufswagen in die Waden rammen und es, Ehrenwort, nicht absichtlich getan haben. Wenn Sie versehentlich die Katze des Nachbarn überfahren. Wenn Sie Ihre Kinder anbrüllen, nur weil sie prämenstruell oder postfestlich überempfindlich sind. Wie überhaupt immer, wenn Sie versehentlich etwas kaputt machen, einen Gegenstand oder die Laune eines Menschen.

Und nun ein kleiner Wettbewerb: Wer es schafft, eine ganze Woche lang keine halbherzigen oder reflexartigen Exgüsis, Sorrys, Estutmirschamparleids zu sagen, soll sich bei mir melden: andrea@fischer-schulthess.ch Die Namen dieser charakterstarken Menschen werde ich nächste Woche hier veröffentlichen. Versprochen.