Die ungesunde Seite der Emanzipation

Mamablog

Frauen haben mit den Männern gleichgezogen, auch punkto ungesunder Lebensführung: Eine Frau telefoniert und raucht. (Foto: Flickr GordonsPictures)

Wir Frauen können heute fast alles, Emanzipation sei Dank. Wir dürfen abstimmen, uns wählen lassen, können gar Bundesrätin werden. Uns steht frei, wie wir unser Leben leben wollen. Wir arbeiten, studieren, tingeln durch die Welt. Wir rauchen und trinken, haben Sex, nehmen die Pille, treiben ab oder leben enthaltsam. Wir entscheiden uns in unserem Leben für Kinder oder auch nicht. Sind wir Mutter, können wir zusätzlich einer bezahlten Arbeit nachgehen. Weil wir können, wollen – und häufig auch müssen.

Wir sind froh, haben unsere Mütter und Grossmütter für die Gleichberechtigung gekämpft. Durch sie wählen wir Frauen unsere Rolle vermehrt selbst. Es gibt nicht mehr das typische Männer- oder Frauenleben. Vieles ist gesellschaftlich akzeptierter.

Das hat allerdings zur Folge, dass wir uns auch in Bezug auf Krankheiten immer mehr angleichen. Nicht bloss die Geschlechterrollen vermischen sich zusehends, auch die damit verbundenen spezifischen Beschwerden. Vormals typische Männerleiden, wie Burnout, Lungenbeschwerden oder Herz-Kreislauf-Krankheiten, sind heute auch Frauenleiden. Weil Frauen sich nach der Welt der Männer richten – und das ungesunde Verhalten von Männern übernehmen. Mediziner werten dies als negative Folge der Emanzipation.

So leiden heute Frauen zwischen 40 und 59 Jahren am häufigsten an einem Burn-out. Vor über zehn Jahren ordneten Ärzte die Krankheit – auch Erschöpfungsdepression genannt – noch eher berufstätigen Männern zu. Grund dafür mag sein, dass Frauen, insbesondere arbeitstätige Mütter, wegen der Mehrfachbelastung häufig einem konstanten Stress ausgesetzt sind. Ob Haushalt, lebhafte Kinder und zusätzlich ein anspruchsvoller Job: Frauen fordern von sich heutzutage alles – und im Sinne des Multitasking der Powerfrau oft auch alles gleichzeitig. Sind die Frauen zudem geschieden, sind sie oft gezwungen, viel zu arbeiten. Gleichzeitig bewältigen sie das Leben als alleinerziehende Mutter.

Viele Frauen sind deshalb am Limit und bekommen gesundheitliche Probleme. Denn während kurzfristiger Stress die Leistungsfähigkeit steigert, kann lang anhaltender Stress krank machen. Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaf- und Kreislaufprobleme sind die Folge, sowie ständiges angespannt sein. Oder etwa ein Burn-out – oder Herzinfarkt. Heute sterben Frauen im Durchschnitt fast so oft an einem Herzinfarkt wie Männer. Gemäss Medizinern hängt dies in erster Linie mit dem Rauchen zusammen – eines der Hauptrisiken für einen Herzinfarkt. Doch auch wer unter konstantem Stress steht, riskiert eine Herzkrankheit.

Auch die Anzahl Lungenleiden steigt bei Frauen stetig an. Den Ärzten bereiten speziell die jungen Frauen Sorgen. Studien aus Skandinavien zeigen, dass junge Frauen heute oft schon mit 14 oder 15 Jahren beginnen zu rauchen. Onkologen befürchten bei diesen Frauen ein erhöhtes Krebsrisiko. Anders bei den Männern. Bei ihnen hat eine Trendwende stattgefunden. Laut Bundesamt für Statistik gingen bei den Männern die Fälle von Lungenkrebs in den letzten fünf Jahren um acht Prozent zurück.

Schade können wir Frauen nicht besser mit den relativ neu gewonnenen Freiheiten umgehen. Jetzt gilt es zu lernen, die eigenen Ressourcen richtig einzusetzen – und auf sich selbst zu achten. Planen wir also auch mal etwas freie Zeit für uns selbst ein. Dauernder Stress ist ungesund. Es braucht genauso Zeiten der Entspannung. Ob dies mittels Nichtstun, Yoga oder bei einem Kaffee mit der Nachbarin geschieht, ist einerlei. Weniger Dinge in einer gewissen Zeit zu erledigen ist mehr. Das sollten wir uns zwischendurch bewusst machen. Es kann doch nicht sein, dass wir innert derart kurzer Zeit so viel gestresster und kränker sind.

In Bezug auf die Lebenserwartung liegen die Frauen gegenüber den Männern übriges noch immer leicht vorne. Frauen leben heute im Durchschnitt vier bis fünf Jahre länger – der Abstand zu den Männern wird aber kleiner.